„Freiheit and «echt!«
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Wiesbaden. Dienstag, 17. December
1849
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Die „Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. — Der AbonnementSprets beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr., auswärts »ch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bet der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirksamem rfolge. — Die Hnseratgebühren betragen für die vierspalttge Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.
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Ginladung zum Abonnement.
Mit dem Ende dieses Monats beginnt ein neues Abonnement, auf welches wir die Aufmerksamkeit der Bolkspartei, und insbesondre derjenigen in Nassau, nfen wollen. Jetzt, da der demokratischen Partei zur Abwehr der auf sie gerichteten Angriffe und zur Verfechtung ihrer Grundsätze fast nur nach das eine Mittel :r Presse übrig geblieben , gebietet es geradezu die Pflicht der Selbsterhaltung , daß die Volkspartei die freie Presse, soviel es nur immer möglich ist, unterstützt, und var um so mehr, als auf der Seite der Gegner Alles aufgeboten wird, um die freisinnigen Blätter zu Grunde zu richten.
Wir können uns daher wol der Hoffnung hingebeu, daß die Demokraten unseres Landes, deren Vermögensverhältuiffe es zulassen, die Freie Zeitung nicht loß lesen, sondern durch Abonnement auch thatkräftig unterstützen werden. — Ganz besonders sollten die Demokraten, ehe sie sich zur Bestellung von halben farb- sen Neuigkeitsjournalen, oder gar von reaktionären Tagesblättern entschließen, erst auf die Anschaffung der demokratischen Zeitungen bedacht sein.
Die Verhandlungen der Landstände sowie des Schwurgerichts zu Wiesbaden werden so^ schnell wie möglich mitgetheilt werden. ^-^ ^f^offipn
Der Preis der Freien Zeitung bleibt der bisherige. Bestcllnngcn auf das mit dem L Zaun ar 1850 beginnende Quartal beliebe man hier in Wiesbaden in ’r H. W. Ritterschen Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegeuen Postämtern, zu machen.
Mehrfachen Wünschen zu begegnen, geben wir den resp. Abonnenten, welche jetzt für das nächste Quartal eintreten, die Nummern dieses Monats vom Tage w Bestellung an unentgeltlich. Die Expedition.
*f* Absolutisten und Republikaner.
holen. Das Volk schlägt sich in Zukunft weder für den Vortheil des Preußischen Prinzen, noch für den „Edlen" und die „besten Männer." —
Ihr konstitutionellen Herrn hattet des Volkes Geschicke überall in Händen, u. überall habt ihr das Volk getäuscht! 3hr .sonntet, gestützt auf seine Schultern, eine Weltherrschaft gründen, und ihr habt das Vaterland in auswärtige Knechtschaft gestürtzt! Ihr konntet dem Zcaren von Rußland, dem Oberfeldherrn des Absolutismus, den Fehdehandschuh hinwerfen, die Segenswünsche der Europäischen Menschheit waren mit euch, und ihr habt seine Rolle übernommen im eignen Vaterlaude, ihr bahntet dem Russischen Selbstherrscher den Weg in die Gefilde Deutschlands! Ihr konntet ans dem zerrissenen und geknechteten Lande ein einiges und freies Deutschland machen, damals, als das Volk sich einen Augenblick seiner Kraft erinnerte, und schon wäre es vergebens, den Tag in der Geschichte zu suchen, der Deutschland zerrissener, erbarmenswerthcr, geknechteter sah, als heute!
Unter den vielen großen Todten, welche die jüngste Geschichte in ihre Tafeln einzuregistriren hat, befindet ch auch die konstitutionelle Partei. Zwar bewegt sich och der Körper in Zuckungen hin und her, zwar heint das Leben noch nicht vollständig erloschen zu in: aber das Herz ist verwundet, und die Verblu- mg geht unaufhaltsam vor sich. — Habt ihr denn td) ein besseres Loos verdient, ihr Männer, die ihr ;e Mehrheit hattet in allen Parlamenten; auf deren Link Millionen bereit waren, für die Idee der Be- etung ihr Leben in die Schanze zu schlagen? Habt w ein besseres Loos verdient, ihr, unter deren Ta- henspielerhändcn die Freiheit dem Volke genommen urde, ihr, die ihr auf den Gassen die Revolution ge- cebigt, während ihr daheim, in Euern Ausschüssen, i den Ministerien, in den Pallästen mitstricken halft m Netze der Reaktion? Ihr, die einst geträumt von llgrwalt und die nun wedelnd im Vorzimmer auf rn „gnädigen Herrn" warten . . . .?
Einst wand das Volk Blumen und Lorbeeren um ... e Häupter der „Opposition"; Ehrenbecher und Bür- nkränze flogen herbei von allen Seiten; auf den einen wurden sie getragen, das Volk spannte sich or die Wagen seiner Märtyrer. . Und nun ? Andere amen schweben auf seinen betenden Lippen, Andere ab die Männer der Opposition geworden, andere Märtyrer hat das Volk eingeschlosseu in seine Herzen. Nicht wo einst der' „Gestaltenseher" seine Rede ir's Parlament hielt, wo der Mann, dessen „Wiege n Webstuhl seines VaterS stand", in süßschwärmeri- hen Worten die Religionsfreiheit verlangte, wo der Bürgermeister von Osnabrück für die Rechtmäßigkeit ner Verfassung kämpfte, weil sie, vom König seinem olke geschenkt, einige Jahre bestanden hatte, — nicht rhin ist des Volkes Blick gerichtet; sein Herz weilt, o man seinen liebsten Kämpfer erschlagen, auf der wigittenau in Wien, und dort auf dem Kirchhofe in Mannheim, wo die Gebeine eines andern republika- sschen Märtyrers ruhen, in dem Zuchthause, wo ein achter Wolle spinnt, ein Dichter, der gedichtet und ■sümpft für die Freiheit des Vaterlandes, in den Ka- matten Rastatts, wo die Unglücklichen schmachten, e lieber gestorben wären auf den Badischen Schlacht- ldern; in der Fn mde, wohin die verfolgten Söhne ?r Freiheit, gehetzt dem Wilde gleich, fliehen. Laßt die aufleute im Norden Festessen bereiten für den „ge-. altigen" Gagern, ihre Schiffe taufen mit dem Na- icn des „Edlen" —: im Volke, im Volke sind für ndre Männer Wohnstätten bereitet!
Eine Täuschung ist es, wenn die Männer der „Ord- ung", die „besten Männer" glauben, das Volk schwärme ir ihre politischen Ideen, und harre sehnsüchtig des 'ages, wo die konstitutionelle Verfassung überall eine Wahrheit werde.
Eine Täuschung ist es, wenn sie glauben, das Volk eße sich nach wie vor durch ihre jämmerlichen Phra- n dupiren, und wäre bereit, seln Blut zu vergießen ir die oktroyirte Charte Friedrich, Wilhelms IV. eine Täuschung, wenn sie glauben, all die Austrengun- en, die Kämpfe, die blutigen Schlachten hätten kci- en anderen Zweck gehabt, als die Verrichtung des lebammendienstes bei der Geburt des — Kaisers!
Meine Herren Konstitutionellen, das Volk schlägt ch für Niemanden mehr, wie für sich selber, für ne Souveränetät, seine Freiheit, seine Ehre! :5 hebt keine Hand mehr empor, um dem lügnerischen onstitutionalismus die Kastanien aus dem Feuer zu
Für das Volk und im Volke giebt es nur noch zwei Parteien: hier die Fürsten mit ihren Bajonetten, und mit dem gesammten Heere der Speichellecker; — dort die Demokratie ohne Waffen, arm, besitzlos, aber durchdrungen und beseelt von der Wahrheit ihrer Sache, bewaffnet — mit ihrem guten Rechte.
Europa hie kosackisch, — dort republikanisch, hie Absolutisten, — dort Demokraten:
Das allein, und nichts Andres, ist die Losung des nächsten Kampfes.
Vielleicht wird der Dämon, der ganz Europa auf- rütteln wird, schon jetzt hcraufbeschworeu, wo Rußland und England um die Weltherrschaft ringen, wo gerüstet wird zum Kriege an den beiden äußersten Enden Europas; — vielleicht wird die Krisis noch einmal vertagt, aber auch nur vertagt. Wo in so schneidender Schärfe die Gegensätze vorhanden sind, wo hier der Zcar die Welt zu beugen strebt unter sein absolutistisches Szepter, dort die Völker nach Souveränität ringen, und Tausende von Verbannten aller Nationen, die für diesen Gedanken gekämpft, sich auf fremder Erde begegnen: da vermögen keine Bajonette, keine Hinrichtungen, keine Begnadigung zu Pulver und zu Blei, da vermag weder Strang, noch Kerker, noch Verbannung den klaffenden Zwiespalt auszufüllen.
-+- Von der Aar. (Die verkappten Wühler auf den Herzoglich Nassauischen Schreibstuben. Kaum sind die Schwurgerichte erst in gesetzliche Wirksamkeit getreten und werden von jedem menschenfreundlichen Manne mit Freuden und aufrichtig begrüßt, als auch schon hier und da menschenfeindliche, mürrische Tchreibstubenhelden, gegen dieses Institut, gegen dieses Landesgesetz wühlen. Ob solche sich auch als Hochverräther betrachten, indem sie gegen jetzt bestehende Landesgesetze wühlen, ist zu bezwei- feln, obgleich sie doch andere, die solchen Creaturen im März 1848 das Leben sicherten, ins Zuchthaus und Gott weiß wohiu verdammt wissen wollen, weil sie sich am Gesetz, an der beschwornen Reichsverfas- sung gehalten haben. So soll an dem Tage, an dem die Bürgermeister des Amts Diez die Geschwornen gewählt haben, der so menschenfreundliche und höfliche Herr......zu Diez zu einigen Bürgermeistern auf seinem Bureau mit ungefähr folgenden Worten haben einwirken wollen: „Diese Schwurgerichte und die Wahl der Geschwornen taugten Nichts; denn was wolle man z. B. von so einem Müller I. Pfeiffer, (er ist Vorsitzender beim Diezer Volksverein) von so einem Papiermüller W. Jüngst zu Freiendiez und von so einem Bergassessor Nath zu Holzappel für einen Urtheils- spruch erwarten; man habe es ja auch in Wiesbaden gesehen, wie cs bei den Schwurgerichten gehe, so ein Oppermann hätte in's Zuchthaus gehört." re.
Und ihr, die ihr das Alles verschuldet, ihr wollt von Neuern buhlen beim Volke um seine Liebe, von Neuem auf seine Erhebung rechnen für Euch, für eure Zwecke, eure Absichten? Ihr habt euch gedemü- thigt vor dem Preußischen Ministerium der Qktroyirer, ihr wähltet und ließet euch wählen in die oktroyirte zweite Kammer; und das Volk, was hat cs gethan? Es blickte mit Verachtung auf euer erbärmliches Trei- beu, eure knechtische Hcrrenfurcht, und cs — schwieg. Und es wird abermals schweigen, wenn ihr ihm den oktroyrten kleiudeutschen Reichstag als die sicherste keine Gewähr, das heiligste Palladium seiner Freiheit anpreisen wollt, und es auffortert, seine Vertreter in die „Reichssestung" Erfurt zu schicken. Das Volk hat genugsam erfahren, was eure Freiheit bedeuten will, hat erkannt, daß ihr beugt vor jeder Gewalt, heute vor der Majestät der Herren, wenn es ihnen gelungen, das Volk zu überwinden, es hat erkannt, daß ihr , nichts seid, als — Speichellecker der Gewalt!
Obenbenannte Männer gehören nun alle drei der Volkspartei an, sind sehr ehrenwerthe, vermögende und gerechte Männer; kurz Männer, die man nicht gegen Angriffe eines......zu vertheidigen braucht, indem sie in der öffentlichen Achtung weit höher stehen, als Er. Man sieht hieraus welch' innerliches Vergnügen Herr......wohl im März 1848 an der Bewegung gehabt haben mag, als er vor Freude (?) seine Gesellen mit Aepfelwein regalirte. So müssen eigentlich all überall die Reaktionäre auftreten: nur „besser" noch, dann wird's am ersten gut. —
^Nassau. 0. W. K.) Aus der hiesigen Gegend ist wenig Erfreuliches zu berichten; die Tage schleppen sich einandergleich dahin, und lassen vergebens auf bessere soziale und politische Zustände warten; während dem versinkt der Bürger immer mehr in Jammer und Elend und verzweifelt schier an der göttlichen Vorsehung, welche die Dinge so zum Schlimmen wendet. — Die materielle Noth Vieler ist fast unerträglich, die Gerichtsvollzieher sind Tag und Nacht auf den Beinen und die Armuth findet leider an den Thüren des Reichthums nicht immer Gehör. Um so erfreulicher ist der in der Stadt Nassau neu entstandene Frauen- Verein, der eine segensreiche Wirksamkeit dadurch entfaltet, daß er den Armen und Kranken Arbeit, Kleidung und Nahrung verabreicht, wenn sie derselben bedürfen. In politischer Beziehung ist es nicht tröstlicher; die Freunde der Reform haben so lange reformirt, bis jede Reform unmöglich geworden ist, und werfen nun ihren letzten Nothanker nach Erfurt aus, um ihr armseliges, an vielen Stellen leckes Schiff vor dem gänzlichen Zerschellen an den Klippen der Reaktion zu wahren. Hier richtet Niemand nach Erfurt seine Blicke, da aus der Untreue und dem Verrath der Conftitutio- nellen das Gute nicht erwachsen kann ; Niemand denkt an's Wählen, „weil die Fürsten und Regierungen doch machen, was sie wollen", wie neulich cm schlichter, soust nicht demokratisch gesinnter Dauer sagte. Es haben deßhalb die Gothaer Herrn bei uns ein leichtes Spiel; sie bedürfen keiner solchen Keaftanstrengun- gen, wie sie die ..Deutkwe ^pihni.i" m^ «Uv Mw»/-«*«--*
