München, 5 Decbr. Staatsrath v. Abel wird hi den nächsten Tagen wieder auf seinen Gesandtschafsposten in Turin abgehen. — Seit gestern verbreitet sich die Nachricht von der destnitiven Ernennung v. d. Pforten's zum Ministerpräsident.
Flensburg, 5. Dez. In der Umgegend von Flensburg werden Beurlaubte aus der dänischen Armee durch berüchtigte Personen einberufen, die gar nicht barthun । können, daß sie dazu von der dänischen Militärbehörde I autorisirt sind. Solche Ordres werden aber auch sehr respectirt und kaum ein Mann wird sich darauf stellen. Auf jeden Fall wird die dänische Armee aus dem ' Amte Flensburg nur sehr geringen und schlechten Suc- curs erhalten.
Flensburg, 7. Dez. Die patriotischen Bewohner der Stadt Tondern werden durch die preußischen Erecutanten hart gedrückt. Jeder Bürger hat deren resp. 2 bis 10 Mann zu ernähren, und wahrlich es ist zu bewundern, daß das Gefühl des deutschen Soldaten sich nicht laut empört und sich darein finden kann, dazu bestimmt zu sein, wie es hier wohl oft der Fall, mittellosen Leuten das mit saurer Mühe herbeigeschaffte Brod zu verzehren. An den Bettelstab können sie oder kann vielmehr die „Landesverwaltung" auf diese Art Manche bringen, aber zum LaudeSver- räther oder zum Vaterlandsverleugner wird Keiner dadurch, dafür birgt der Charakter der Nordfriesen, der sich stets, auch im Unglück, beharrlich und fest gezeigt hat.
Jeder Senator der Stadt hat eine Einquartierung von 10 Mann, die er nicht ausnnethen darf, und angenommen, er hätte nur ein wohn- und heizbares Zimmer, so müßten er und seine Famile mit dieser Abtheilung ^Soldaten darin eingepfergt wohnen. — Die guten Nachbarn im Amte Tondern suchen den Bewohnern der tyrannisirten Stadt die Last durch Geldleistungen und Liefarung von Hafer (zu den circa 60 Pferden) zu erleichtern. (O. T.)
Wien, 5. Dezember. Sonderbarer Zufall; An deinselben Tage, an welchem in Berlin Waldeck freigesprochen wurde, wurde hier unser Volksmaun Dr. Adolf Fisch Hof als vollkommen schuldlos befunden, seiner Haft entlassen. „Neun Monate sind verflossen", sagt die heutige „Presse", „seitdem offizielle und halb- offizielle Blätter mit einer schlecht verhehlten Freude die Gefangennkhmung jenes Mannes begrüßten und die großartigsten Entdeckungen über das gefährliche, furchtbare Treiben seiner Partei, über ihre Pläne und Umtriebe, die dieser Prozeß an das Tageslicht bringen würden, versprachen.
Der Prozeß ist zu Ende. Von all den Prophezeiungen, welche damals die begeisterten Regierungsblätter ausspracheu, ist nichts ringet ioffen. Nach neun Monaten, während welcher jener Mann im Kerker schmachten mußte, ist jene Partei eben so weit, als sie vorher war; sie hat auch nicht eine Thatsache errungen, die sie triumphirend als Beweis oder Anhaltspunkt ihrer Behauptung geltend machen könnte.
Fischhof's Freilassung und die Freisprechung Wal deck's fallen auf einen Tag zusammen, und es
scheint, als^sollten die Enthüllungen in Berlin die Rechtfertigung deS Freigelassenen in Wien ergänzen. Die Denunciation ist in Berlin entlarvt worden ; von Wien wissen wir bis jetzt nur, daß ein Bürger der Freiheit wieder gegeben wurde.
Die Oeffeutlichreck, mit welcher der Waldecksche Proceß in Berlui, die unheimliche Heimlichkeit, mit welcher Fischhos's Proceß hier verhandelt wurde, ist der beste Beweis, für den hohen Werth dos öffentlichen Gerichtsverfahrens.
Unsere Journale saugen schon wieder ihre Prophe- zeihungeu über die baldige Aufhebung des Belagerungszustandes an; die einen meinen, daß man uns Weihnachten dieses Christgescheuk bringen, die anderen, daß man uns damit eine Neujahrsgabe machen wolle; beide aber dürften sich iu ihre» Hoffnungen wohl täuschen; denn unsere Zustände sind so prekär, daß man für alle Eventualitäten den Belagerungszustand wohl für die ganze Monarchie in Permanenz erhalten wird.
An der Börse und auch in der Presse ging heute das Gerücht, die Regierung beabsichtige sämmtliche Eisenbahnen und die Donau-Dampfschiffahrt durch Uebernahme sämmtlicher Aktien au sich zu bringen. Cs würde das ein Kapital von 100 Mill. Gulden erfordern, und deßhalb scheint die Nachricht kaum glaublich zu sein, obgleich die „Presse" unter auberm versichert , daß die Regierung beabsichtige, diese industriellen Papiere gegen 5% Metallique-Obligationen ein- zutauschen. Und was kommt es denn darauf au, ob man 1800 ober 2600 Millionen Schulden hat?
Ungarn.
— Vor einigen Tagen sind Kossuths Mutter und seine beiden Schwestern, Frau v. Meßlenyi und Frau v. Ruttkay, Die bekanntlich zu Ofen in Gewahrsam gehalten wurden, so wie auch der Gatte der letzter», Hr. V. Ruttkay, der sich im Pesther Neugebäude in Untersuchungshaft befand, auf freien Fuß gesetzt worden.
— Die in Ungarn liegenden Güter des in London befindlichen Grafen Batthyany sind mittelst eines Lew- reilten Vertrags an das Großhaudlungshauö M. L. Bie- dermanu & Comp. übergegangen, das dabei ein sehr glänzendes Geschäft gemacht haben soll. Dasselbe übernimmt schon jetzt die Verwaltung jener Güter. Die 4^2pCt.igen Partial-Obligationen des auf dieselben äufgeuomureneu Auleheus stehen bei 65, d. t 35 pCt. unter Pari.
— Man bemerkt eine große Konkurrenz von Herrschaftsbesitzern in Aufnahme von Geldanleihen. Auch größere und kleinere Herrschaften werden fortwährend * zum Verkäufe angeboten, und das neueste „Wiener Jntelligenzblatt" bietet unter anderen zwei Herrschaften im Kaufpreise von 272 und 1 ^ Millionen Gulden Konv.-Münze an.
— Die Ofener Festungswerke werden in einem großen Style ausgeführt werden. Sieben Thürme auf den umliegenden Bergen errichtet, werden zum Schutze des Mittelpunktes der Festung dienen. Auf dem Blocksberge sind bereits die nöthigen Messungen vorgenommen. — Am untern Donau-Quai wird der Bau eines großartigen Hafens beabsichtigt.
ZLtprrbèrk Frattkreich
Paris, 8. Dez. Der Moniteur enthält in seinem nichtamtlichen Theile folgende Note, welche schon die Abendjournale enthielten: „Der Präsident der Republik ist von seiner Unpäßlichkeit wieder hergestellt. Sein Gesundheitszustand wird ihm dennoch nicht gestatten, si'ch 5 — 6 Stunden der jetzigen Witterung auszusetzen. Die Heerschau über die Nationalgarde und die Armee wird also den 10. Dezbr. nicht statt- finden."
Der Moniteur enthält dcu Bericht des Hrn. Bocher über die Wiederherstellung der Geträukesteuer. Der Berichterstatter schlägt vor, daS Gesetz der Constituante, welches die Getränkesteuer abschafft, aufzuhc- ben. Als^Grundsatz wird aufgestellt, die Konsumtion allein müsse besteuert werden, und als Folgerung, die Getränke eignen sich vor Allem zu einer Konsumtionssteuer, sie müssen also besteuert werden. Die Steuer wird auch eine freiwillige genannt: man habe ja nicht nöthig Wein zu trinken.
Das Journal des Debats läßt den 2. Dez. den General Pepe sagens „Ich bin alt, aber ich werde meinen Degen ergreifen und mich gegen den schlagen, der behauptet, er liebe sein Vaterland mehr, als ich." Außerdem legt genanntes Journal dem General das Wort in den Mund: Man diene der Sache Italiens, wenn man die ^Legierung von Piemont unterstütze. General Pepe dankt dem Journal für das, was es über ihn gesagt, erklärt jedoch, daß man ihm Ausdrücke zuschreibe, die er nicht ausgesprochen und die nicht seine Gedanken wiedergeben. (Mz. Z.)
T ü r k e i.
Konstantinopel, 21. November. Die Verhandlungen, welche Graf Stürmer und Herr v. Titoff mit Ali Pascha über die Wiederanknüpfung ihrer Beziehungen pflegen, haben, wie mir aus guter Quelle versichert wird, ihren erwünschten Fortgang, und es bedarf nur noch der definitiven Rückantworten aus Wien und Petersburg über die Einzelheiten der türkischerseits in Betreff der Flüchtlinge ins Werk zu setzenden Maßregeln, damit das Zerwürfniß zwischen den beiden Kaiserhöfen mit dem Divan in seinen äußerlichen Spuren verwischt und als förmlich beendigt angesehen werden könne. Mit dem französischen Dampfschiff kam am 16. l.M. der neue Geschäftsträger der neapolitanischen Regierung, Herr Targioni, hier an. Er ist der Nachfolger des im vorigen Jahre verstorbenen Herrn Mar- torana, welcher seither zeitweilig durch den ersten Dolmetsch der neapolitanischen Gesandtschaft, Herrn Graziani, ersetzt worden war. Unter den Fremden, welche Konstantinopel in diesem Augenblicke beherbergt, befindet sich seit Ende der verflossenen Woche auch der Jn- surgentcugeneral Guyon. Als Engländer wurde er natürlich von der hiesigen großbritannischen Botschaft reclamirt, und so entgeht er den Maßnahmen, welche die Pforte in Folge ihres Uebereinkommens mit dem Wiener Kabinet in Betreff der übrigen magyarischen Flüchtlinge zu ergreifen haben wird.
Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.
Bekanntmachungen.
(1219) Bei den unterzeichneten Buchhandlungen liegen auf folgende höchst interessante und demnächst erscheinende Schrift Subscriptionslisten offen:
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der e r st e n Q n a r t a l - V e r h a n d l n n $ c n in den öffentlichen und mündlichen
S ch w u r geeichten
des Hofgerichtsbczirks Wiesbaden herausgegeben
von Hr. Robert Haas.
- - Das Buch kostet im Subskriptionspreise 51 Kreuzer , später tritt ein erhöheter Ladenpreis ein'"es behandelt außer einer Einleitung über die Schwurgerichte selbst, 14 Fälle: über Beruach- läsfiguna des eigenen Kindes und dadurch erfolgten Tod, Mordversuch, Tödtung, Klndesmord, Fälschung und Betrug, Meineid, Aufforderung zu hochverrätherischen Handlungen und Beleidigung eines auswärtigen Regenten, Theilnahme an dem Frankfurter Attentat und Majeftätsbeleidigung. Wir bitten die Bestellungen baldigst zu machen, weil darnach die Auflage der Schrift bestimmt werden muß, die baldigst erscheinen soll.
Wiesbaden, den ist. November 1849.
Die Schellenberg'sche,
„ Roth'schc,
„ Nitter'sche,
„ L. Friedrichs Sortiments-,
„ Wilh. Fricdrich'sche und
„ Kreidel'sche Buchhandlung.________
(1157) Im Verlag von Tobias Löffler in Mannheim ist erschienen und in der H. W. Ritter'schen Buchhandlung zu haben:
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Allen Personen, die in ihrer Jugend die Sclaven der Sinnlichkeit waren, oder es noch find: Allen, die das heilige Band der Ehe knüpfen wollen und sich nicht ganz rein von Fehl wissen; Allen, die die Nachwehen von jugendlichen Verirrungen jetzt in ihrem reiferen Alter durch Leiten aller Art empfinden; Allen endlich, deren Ehe in Folge von Kinderlosigkeit trübe und freudlos ist, — wird dieses Buch als ein sichrer, wohlmeinender Rathgeber zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit und zur Kräftigung mit Befestigung ihres Organismus aneinpfohlen. Die Gesundheit ist das höchste Glück auf Erden, denn waS nützt Geld und Gut mit Kränklichkeit, Ge- schwäch theil und Erschlaffung! —
Warnung. — Da unter diesem und ähnlichem Titel fehlerhafte Auszüge und Nachahmungen dieses Buches erschienen sind, so wolle der Käufer, um sich vor Täuschung zu magren, die Ausgabe von Laurentius bestellen und bei Empfang darauf sehen, daß das Werk mit dessen vollen, Namensfiegel versiegelt ist. Ausrerdem ist eS daS Aechte nicht. —
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