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weiter! Sie verlangen — so sehr ist ihnen"beim An­blick der blutigen Verfolgungen der Demokratie wieder der Muth gewachsen — sie verlangen in löblicher Nach­ahmung der katholischen Geistlichkeit die Wieder­herausgabe des, wie sie sagen den Gemeinden durch den Staat entzogenen K i r ch e n v e r m ö - gens! Aber ihr nassauischen Gemeinden — und diese Warnung gilt ebenso den katholischen Gemeinden, — laßt euch durch die vorgespiegelte Bereicherung eurer Kirchenfonds nicht täuschen. Denn abgesehen davon, daß es nicht mehr möglich ist, das in früheren Zeiten abhanden gekommene Kirchenvermögen überall wieder auszumitteln oder beizubringen, bildet dasselbe auch, in so weit es noch vorhanden ist, einen integrirenden Bestandtheil der Domänen. Wenn nun diese Domä- aenbestandtheile ausgeschieden werden sollten, so würde Der ganze Staatshaushalt dadurch in eine unabsehbare Verwirrung gestürzt werden. Und wer hatte den Nu­tzen Pavoni Ihr Kirchengemeinden wahrhaftig nicht! Denn wenn auch hier und da vielleicht ein Lokalkir- Henfond Ansprüche auf eine kleine Entschädigung für rüdere Beeinträchtigungen nachweisen könnte, so würde >och bei Weitem das Meiste von diesen Eroberungen n den Centralkirchenfond eingezogen, also zum Vor­heil der Geistlichkeit verwendet werden, oder, was die atholischen Kirchengüter betrifft, zur Wiederherstellung wn sogenannten frommen Stiftungen und dgl. dienen missen, und ihr Kirchengemeinden hättet den Profit >avon, daß ihr die Civilliste des Herzogs, die jetzt ms den Einkünften der Domänen unterhalten wird, ms euren Beuteln bezahlen müßtet. Also Wie­derherstellung des Pfarrzehntes und einige Steuersim- )el mehr, in der That ein schöner Gewinn! — Doch >as Verlangen der Geistlichkeit schlägt so sehr allen Forderungen der Zeit in's Angesicht, und dre Erfül- ung beweiben ist so unausführbar, daß man kein Wort drüber zu verlieren brauchte, wenn nicht eine öffent- iche Beleuchtung dieses Treibens dazu diente, um dem Solle immer mehr die Augen darüber zu öffnen, wo n'e Klerisei eigentlich hinaus will!

Mainz, 8. Dczbr. Bei der gestrigen Wahl zur rsten Kammer ist tyr Canbidat der demokratischen Partei Dr. Georg Strecker mit 586 Stimmen um Vertreter der Stadt Mainz gewählt worden. — Neneralstaatsprokurator Kilian, den die konservative Partei auf den Schild hob, erhielt 304 Stimmen.

Aus dem Bergischen, 3. Dez. läßt sich die „El- erfelder Zeitung" Folgendes schreiben: In den Re- ierungsbezirken Stettin und Köslin zahlen an Steu- rn die Ritter: von 3,448,000 Morgen 11,183 Thlr., ie Bauern: von 1,908,000 Morgen 288,000 Thlr., . h. die Bauern zahlen fünfzig Mal mehr! Der ber- ische und märkische Bauer aber zahlt bekanntlich noch lehr. Und unsere Reaktionäre, die Junker und Kreuz- itungs-Partei, unsere gerechten, christlichen, für das sohl des Volkes so besorgten Absolutisten wollen, aß das so bleibe oder daß doch der Bauer und Bür- er den den Rittern durch eine Grundsteuer-Ausglei- ung entgehenden Gewinn ersetze. Dieser Ersatz, mei- en sie, gebühre ihnen, weil die Grundsteuer cigent- ch eine Rente sey. Steuer oder Rente oder Tribut - nennt es, wie ihr wollt — genug, der Bauer soll ezahlen, der Ritter aber sein Geld in der Tasche de­alten, das ist cs, worauf jenes Wortspiel hinaus- mft. Sogar den Teltower Bauern ist durch Erör- rung der Grundsteuerfrage ein Licht aufgegangen und aben sie, die Loyalsten, aller Loyalen, eine ziemlich lergische Petition um Abstellung jenes Rittcrprivile- ums eingegeben. Wäre es denn endlich nicht an der eit, daß auch unsere bergischen und märkischen Bau- •n zu diesem Zwecke wenigstens von !dem gesetzlichen etitionsrechte nachdrückliche Gebrauch machten, oder ollen sie allein sich noch länger von Reaktionären ld mystischen Schwärmern als Düpe gebrauchen las- n? Die von den Rittern eventuell begehrte Entschä- gung würde die Grundsteuerausgleichüng illusorisch achen, und es ist unerhört, daß ein Schuldner für ' Bezahlung seiner Schuld Entschädigung zu verlangen atte. Die Gerechtigkeit fordert vielmehr, daß die itter nicht nur in Zukunft sich nicht ferner „auf Ko- ■n ihrer Mitunterthanen den öffentlichen Lasten cut- ehen;" sondern sie müßten von Rechtswegen den auer vorab entschädigen für den aus den Taschen sselben bisher bezogenen ungerechten Gewinn. (So zeichnet ihn der König selber in dem Edikte vom ah re 1810, worin er die Aufhebung des, ungeachtet r königlichen Verheißung nock gegenwärtig bestchen- n Ritterprivilegiums versprach.) Am einfachsten äre es, wenn die Ritter jeuen Gewinn, den man 57 Mill. Thaler berechnet, in die Staatskasse ein- hlten, hierbei könnten ihnen Abschlagszahlungen von hrlich etwa 10,300,000 Thlr. — soviel beträgt un- fähr in Preußen jährlich die aufkommende Grundsteuer - gestattet werden, die Bauern wären dann wenig- "s während 5 Iahen von der Grundsteuer frei und nen so der Schaden, welchen sie erlitten, ersetzt, as wäre echt christlich und gerecht, da hätten die itter eine schöne Gelegenheit, ihre Christlichkeit und m Adel der Gesinnung zu bethätigen, Nun wir wer- n sehen, die Erledigung der Grundsteuerausglei- ungsfrage wird zeigen, ob der Privatvortheil einiger, me allen Grund Bevorzugten, mehr gilt oder die 'erechtigkeit und das Wohl des Volkes."

Königsberg, 5. Dec. In der gestrigen Sitzung 's Schwurgerichts wurde F. Grünhagen, welcher r Majestätsbeleidigung beschuldigt war, freigesprochen.

Breslau, 4. Dez. Die städtische Ressource hat in ihrer heutigen Versammlung beschlossen, eine Deputa­tion nebst Adresse an Herrn Waldeck abzuschicken und ihm eine Bürgerkrone zu überreichen.

Hamm, 1. Dez. (Westv. Z.) Heute Abend 8 Uhr wurde, nachdem 23 Be- und Entlastungszeugen ver­nommen, der Privatschreiber Schmelzer aus Hattingen wegen Verbreitung des Aufrufes des Sicherheitsaus­schusses zu Elberfeld zu Bewaffnung und Auflehnung gegen die gesetzlichen Anordnungen und Behörden, und wegen Abhaltung von Versammlungen und Aufforde­rung zum Zuzug der Bewohner der Stadt und Um­gegend von Hattingen nach Elberfeld zu 1 Jahr Ge­fängniß und Verlust der Nationalkokarde verurtheilt; dagegen der Qncbeck aus Hattingen, sein Mitbeschul- digter, freigesprochen. Letzterer hat den Aufruf der Nationalversammlung zu Frankfurt, worin zum Wider­stände gegen die Fürsten aufgefordert wurde, an die Fensterladen seines älterlichen Hauses geheftet.

Hamburg, 1. Dczbr. Die Nachricht, welche in jüngster Zeit die Blätter durchlief, daß die Frau des zu Rastatt stationieren Majors von Schmidt verschwun­den und dem Vermuthen nach entweder bei Köln oder hier, wo sie auch gewesen sein soll, auf die eine oder die andere Weise um's Leben gekommen sein müsse, fängt an, sich aufzuklären. Es soll nämlich der hie­sigen Polizei gelungen sein, den Thatbestand festzustel­len, daß die besagte Dame wirklich vom 5. bis 6. des vorigen Monats in einem Hotel am Jungfernstieg ge­wohnt habe und in Begleitung eines jungen Mannes, der früher preußischer Lieutenant gewesen sein soll, mit dein Dampfschiffe „Caledonia" nach England gereist sei. Wie es sich herauszustellen scheint, ist die Dame v. Schmidt mit dem jungen Mann bei Köln zusam- mengetroffen, und Beide haben die Reise hierher mit einander gemacht. Um aber die Flucht zu verdecken, sind über beide Personen nach verschiedenen Richtun­gen Briefe ergangen, aus welchen gefolgert werden konnte, daß an der v. Schmidt ein Verbrechen began­gen wurde. Am 6., als dem Tage, an dem erwähn­tes Paar die Reise nach England antrat, ging ein anonymes Schreiben von hier nach Rastatt, welches am 11. dort anlangte. So liegt die Sache jetzt. Da­mit wäre die von der 'Kreuzzeitung gegebene Andeu­tung, als wäre an der fraglichen Dame vön der de­mokratischen Partei aus Rache gegen ihren Mann ein Mord begangen worden, in's gehörige Licht gestellt.

Hamburg, 4. Dezember. In dem bekannten Preß­prozesse, welcher das Niedergericht bei dem Verbot der Einrede der Wahrheit, anfangs in eine so unangenehme Situation gebracht und später zu der Entscheidung ver­anlaßt hatte, die Akten an das Obergericht gehen zu laßen, gab das letztere so eben sein Erkenntniß ab. Auch dieses lautet dem Anträge des Vertheidigers Dr. Trittau, vollkommen entsprechend und stellt die Ent­scheidung über diese PerhorreScenzgesuche dem Lübecker OberappellationSgerichte anheim.

Berlin, 6. Dezember. (Westd. Ztg.) Dem Ver­nehmen nach Joli Herr P. Hinkeldey Beschwerde gegen Herrn Tad del beim Justizministerium geführt haben.

— Wie wir erfahren, ist die militärische Conven­tion mit mehreren kleinen deutschen Staaten, worunter namentlich Braunschweig zu erwähnen ist, in der That abgeschlossen worden,

— Die Nähe des Wahltermins für das nach Er­furt zu berufende Parlament hat auch die hiesige de­mokratische Partei veranlaßt, den Blick der deutschen Frage zuzuwenden, die sie unter den fortwährenden Kämpfen mit der erecutiven Polizei bisher ganz unbe­achtet gelassen hatte. Der Gesammtausschuß der hie­sigen Vereine hielt im Interesse dieser Angelegenheit gestern eine Sitzung, deren Ergebniß die Berufung eines Congresses behufs Berathung und Beschlußnahme über das der Partei zu empfehlende Verhalten in die­ser Frage war. Nach dem, was aus Privatäußerungen hervorragender Mitglieder der Oppositionspartei der Nationalversammlung und zweiten Kammer geschlossen werden darf, laßt sich schon jetzt mit einiger Bestimmt­heit Vorhersagen, daß die Demokratie nicht wählen wird.

Wien , 2. Dez. Die Theilung Ungarns in 6 De­partements und die Schöpfung der Woywodina hat die größte Bestürtzung unter den conservativen Magy­aren hervorgebracht. Alle Jene, welche während der Revolution hier waren und ihre Loyalität auf jede Weise geltend gemacht haben, ziehen sich gänzlich zu­rück, mehrere derselben, welche angeftellt waren, ha­ben ihre Entlassung eingereicht.

Wien , 4. Dez. Die Presse (ein halbministerielles Drgan) schreibt: „Alles was man von Zerwürfnissen Oesterreichs mit Preußen spricht, scheint unbegründet, und Vie beiden Höfe trachten, sich über den Reichstag zu verstehen, Pwußen soll den Antrag gestellt haben, es wolle den Reichstag zusammenberufen, ihn aber später wieder auflösen , und an das Volk eine Pocla- mation erlassen, worin hingewiesen wird, daß alles Mögliche zur Einigung geschehen sey, sich aber unü- bersteigliche Hindernisse gezeigt hätten, und daß die I Völker nur in der partiellen Entwicklung die Realisi- rung jenes großen Gedankens erringen könnten."

Wien, 5. Dezember. Man meldet mit ziemlicher Bestimmtheit eine Minister-Krisis wegen Collisionen des Fürsten Schwarzenberg und des Ministers Bach; letzterer sei Willens auszutreten.

I Der Vertrag wegen der wien-pesther Eisenbahn ist ; heute abgeschlossen worden. Der Staat übernimmt die ! Bahn zu acht Millionen Gulden Conv.-M. , die in ] achtjährigen Terminen abzutragen und mit vier vom ' Hundert zu verzinsen sind.

Nepublik Frankreich.

Paris, 6. Dez. (Mz. Z.) Mehrere Journale melden , daß der Präsident sich unwohl befindet. Sein Gesundheitszustand soll jedoch keine ernste Besorgniß ! einflößen und man hofft, daß dieser Zufall den Prä­sidenten nicht verhindern wird, den 10. Dezember ! eine Heerschau abzuhalten. Sollte das Wetter die Heerschau auf dem Marsfeldè unmöglich machen, so wird der Präsident die Heerschau auf den Boulevards in der Nähe der Magdalenen-Kirche abhalten.

Hr. Carlier hat dem Evenement auf seinen Ar- ' tikel „Geheimnisse der Rue Rumfort" geantwortet. Hr. Carlier hatte schon zwei Sitzungen legitimistischer Ver­schworenen überfallen und traf jedesmal einen Be­amten des Fremdenbureaus, der dann sofort aus dem Dienst entlassen wurde. Hr. v. H., den das Evene­ment bezeichnet, ist ein Beamter, der wegen seiner politischen Intriguen aus dem Polizeidienste entlassen wurde.

Hr. Larabit hat in der Versammlung einen Antrag gestellt, daß ein Drittel der für die Mitglieder der Versammlung für das ganze Jahr 1850 bestimmten Entschâvigungsgelver, im Betrage von 2,250,000 Frcs., zur Austheilung von Suppe, Holz und Bekleidung an den benöthigsten Theil der Bevölkerung der Stadt Paris für die ersten drei Monate des Jahres angc- wendet werde. Der Minister des Innern und des Aenßeren sollen die Vertheilung leiten.

Die Departementalkommission der Seine hat gestern einstimmig Den Wunsch ausgesprochen, daß die Ge­tränksteuer beibehalten werde. Der National bemerkt, daß er es sehr bezweifle, daß die Commission den Wunsch der Departements ausspreche, da sie durch die erekutive Gewalt eingesetzt wurde und die Wähler nicht durch sie vertreten werden.

Proudhon, Pierre Lerour und Louis Blanc scheinen in einen offenen Kampf gegen einander ausrubrechen. Proudhon brach zuerst das Parteiband und machte Pierre Lerour lächerlich. Dieser antwortet ernst und gelaßen und übergeht mit Verachtung die Verläumdung der Voix du peuple. Louis Blanc denkt nicht so gelassen, man kündigt eine neue Brochüre an: „Der Bürger Proudhon enthüllt". Eine Reihe kleiner Schriften, die zu 1 Sous verkauft werden sollen, wer­den sich einander folgen, um diesen Streit zwischen den Anführern des Sozialismus auszubeuten. Alle Parteien können durch diesen Kampf der feindlichen Brüder im Sozialismus gewinnen — nur nicht die demokratisch-sozialistische.

Hr. Wolf, einer der Redaktoren der ehemaligen Neuen rhein. Zeitung, ist dieser Tage ausgewiesen worden. Als Grund dieser Maßregel werden einige Artikel angegeben, die derselbe in der Westdeutschen Zeitung gegen Herrn Fould geschrieben. Die offizielle Ausweisung enthält natürlich keine spezielle Grundan­gabe, sie begnügt sich mit der allgemeinen: im In­teresse der Ordnung.

Gestern wurde das Gesetz vom 27. Nov. gegen bie Koalition zum ersten Male angewendet. Zwei Handwerksgesellen wurden jeder zu 14 Tagen Gefäng­niß verurtheilt, weil sie ihre Kollegen bestimmen wollten, die Arbeitsstätte ihres Prinzipals zu verlassen.

Morgen wird eine Arbeit des Herrn V. Salvandy unter dem Titel: „Zwanzig Monde, oder die Revo­lution und die revolutionäre Partei", erscheinen.

Paris, 7. Dez. Falls die Revue am 10. Dez. doch abgehalten werden sollte, wird von Seite eines Theils der Nationalgarde, wie man versichert, eine Demonstration beabsichtigt, indem dieselbe den Präsi­denten mit dein Rufe: ES lebe die Republik! Es lebe die Konstitution ! Keine Getränke-Steuer mehr! begrü­ßen will.

Man schätzt die Zahl der Personen, welche die Pe­tition gegen die Getränkesteuer unterzeichnet haben, auf 700,000. Die Diskussion über die Steuer wirk gewiß politische Leidenschaften in Frantreich aufregen, die zu überraschenden Resultaten führen könnten. — Der Präsident der Republik strebt immer mehr und mehr darnach, sich Sympathien in der Armee zu er­werben und daran zu erinnern, daß er „ der Neffe seines Onkels sei." Heute fordert er nämlich in einem Cirkular die Präfekten auf, dem Ministerium jene Trümmer bcr Kaiserlichen Armee zu bezeichnen, welche noch keinen Lohn für ihre Treue erhalten hätten. — Der heutige „Moniteur" enthält folgende Notiz: Der Präsident der Republik ist von seiner Unpäßlichkeit, die nur von einer Erkältung herrührte, wieder herge­stellt. — „Le èiécle" meldet heute Folgendes: Herr Gilbert des Voisins, zum Konsul der französischen Ne--- publik nach Odessa bestimmt, mußte in seiner Reise in Konstantinopel innehalten, weil der russische Ge­sandte, Herr Titoff, sich entschieden weigerte, die Pässe dieses französischen Agenten zu visiren, angebend, daß er besondere Instruktionen von St. Petersburg erhal­ten habe. (Westd. Z.)

Italien.

Rom, 26. Nov. Der „Riforma" wird geschrieben: ! Aus guter Quelle wird versichert, daß die Cardinäle