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Fortsetzung der leben- und wesenlosen Ordonnanzen liefern zu können. Noch mag man ev nicht glauben, daß der Kaiser, wenn ihm die Sachlage vorgestellt werden kann, den Verfassungs-Bruch billigen wâ; vielleicht wiederholt sich das Schauspiel, daß der Mo­narch, der ungeachtet der erschreckenden Vorspiegelun­gen von Olmütz nach Schönbrunn übersiedelte, auch ungeachtet der jetzigen Vorspiegelungen von H-nderulf- sen auf der Erfüllung seines Wortes besteht. ^>e^- lJ' nister berufen sich auf ihre Thätigkeit, und daß ne trotz derselben die Schwierigkeiten nicht überwiudeu; aber die policeiiiche Thätigkeit des Ministeriums) Harte keine so segensreichen Erfolge, um hierdurch die Ver­schiebung der Landtage begründet zu sehen; au con- traire, gerade diese unglückselige Thätigkeit gibt un- laß desto eher eine Controls der Landevvertreter rind eine Beleuchtung durch die Landtage herbeizufühien. Das Reich ist ruhig, aber je näher der Reichstag rückt, desto unruhiger wird das Ministerium. Das Ministerium Schwarzenburg kämpft bloß um seine Eri- stcn;, wenn es gegen die Berufung des Reichstages kämpft, und deßhalb duldet es lieber die Oberherr­schaft des Militärs und greift nach dem Mittel einer theilweilen Suspension der Verfassung. Das ist der Staatsstreich, den man schon längst vorhersah, da man diesem Cabinette nicht die Selbstverläugnung zumuthen konnte, die Unausführbarkeit seiner Verfassung zuzu­gestehen.

Der „Lloyd" ruft: Das Ministerium Schwarzen­berg hat seine politische und persönliche Ehre ganz und gar für die Erfüllung seines Wortes eingesetzt — und deßhalb ist die Ehre verloren, wenn das Wort nicht erfüllt wird, wie man es jetzt von ministerieller Seite prophezeit, und deßhalb verdient auch das Ge­rücht Glauben: der Kaiser verweigere die Suspension jenes Paragraphen der Charte und bestehe auf Pub­likation der Landes-Verfassungen. Nur aus diesem Verhältnisse erklärt sich das ängstliche Beschönigen der ministeriellen Blätter, sowie das muthvolle Auftreten der unabhängigen Blätter, die darum noch. nicht den Namen oppositionell verdienen. Die „Presse", welche in neuerer Zeit für die Erhaltung der Charte und des gewonnenen RechtsbodenS wacker streitet, appellirt direkt an den Kaiser, „der eher ein Ministerium fin­den wird, welches,die Verfassung zu erfüllen im Stande ist, als ein Ministerium beibehalten wird, das selbst die Verfassung nicht in's Leben zu rufen vermag, welche es ihm vorgeschlagen hat." Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht, und an dem erschöpften Brunnen der Provisorien und Ordonnanzen zerbricht vielleicht der irdene Krug des Ministeriums, wenn nicht neue Zwischenfälle neue Combinationen veran­lassen.

Rußland.

St. Petersburg, 11. November. Ein schrecklicher Orkan, der plötzlich am Mittwoch Morgen entstand, trieb das Wasser der Newa in ihr Bette zurück, und die Salzfluthen der Ostsee wälzten sich der Stadt zu. Von Minute zu Minute stieg das Wasser, bis es fast 7 Fuß über den Normalstand erreicht hatte. Von der Festung und der alten Admiralität donnerten die Ka­nonen von Viertelstunde zu Viertelstunde und gaben das Zeichen der wachsenden Gefahr. Angst und Be­stürzung hatten sich aller Menschen bemächtigt. Die Jsaaksbrücke war zertrümmert und die Communikation mit Wassili-Ostrow gehemmt, von dem ein Theil un­ter Waßer stand. Im sogenannten Galleerenhafen saßen die unglücklichen Menschen auf den Hausböden, denn unten war Alles voll Wasser. Dieser Theil liegt am niedrigsten und ist schon bei einem geringen Sturme gleich unter Wasser. Auch auf der sogenauten Admi- ralitätsseite drang das Wasser aus den Straßenröhren und überschwemmte hter und da die Straßen. Doch um 5 Uhr Nachmittags drehte sich der Wind und die gräßliche Gefahr war vorüber. Die Newa schwamm voll Holz, denn 30 große Holzbarken waren unterge-

qangen; zertrümmerte Böte, Badehäuser u. s. w. wur­den Zus Meer getragen. Auf Wasßli-Ostrow soll ein großes zweimastiges Schiff weit in die ^tadt hinein­getrieben worden sein, und quer auf einer Straße auf dem Trockenen liegen. Zu den Kanälen war das Wa>- ser so hoch, daß vie in denselben befindlichen Barken mit ihren Schnäbeln auf dem Trottoir lagen. (C.M.)

NepublLk Frankreich.

Paris, 4. Dec. Die „Liberte" behauptet, daß der Constitutionnel", seit sich ThierS von ihm losge,agt, sehr an Abonnenten verloren habe. Heute ward hier das erste Heft einer neuen sozialistischen Monatsschrift: „pes Vrillees du peuple, Revue de la Democratie so- cialiste" ausgegeben. Sie enthält Beiträge von Blan- aui (von seinem Deportationsorle aus), Proudhon und andern bekannten Socialisten. Mit Nächstem erscheint auch als „Messager de la semaine" eine Wochenschrift, welche im Geiste und unter dem Einflüsse der Majo­rität der Nationalversammlung redigier werden soll. Dre erste Murner wird Beiträge von Dupin dem Ael- tern, de Broglie, de Valmy, die zweite mehrere Arti­kel von Thiers über Die auswärtige Politik seit der Februar-Revolution bringen. — Wie es heißt, wollen mehrere Städte für den 10. Dec. Deputationen hier­her senden. — Nach dem „Evenement" hat Guizot bei der Fürstin Lieven geäußert, Frankreich könne seine Ruhe und Würde nur dadurch wiedergewinnen, daß es zur legitimen Monarchie zurückkehre.

— Einen längeren Artikel über die schleswig-hol­steinische Frage beginnt das „Journal des Debats" mit folgender Einleitung, welche klar darthut, von welchem Gesichtspunkte aus selbst die bedeutendsten französischen Journale diese Angelegenheit nach wie vor auffassen: „Der schleswig-Holsteinische Krieg ist zu Ende. Zwei ruhmvolle Feldzüge hat Dänemark gegen das verbün­dete Deutschland bestanden, ohne daß Frankreich, das damals so schöne Manifeste veröffentlichte und in der Einleitung zu seiner Verfassung so viele hochherzige Sympathien; für das unterdrückte gute Recht versprach, nur zu wissen schien, daß an der Mündung der Elbe j und am Eingänge des baltischen Meeres ein kleiner Staat, der immer unser treuer Bundesgenosse war, i den ungerechtesten Angriff tapfer zuruckschlug und für i eine Sache kämpfte, die gewissermaßen die unsrige ist. ! Denn es ist nicht zweifelhaft, daß, wenn das Glück j ihnen wohl wollte, die deutschen Patrioten die Absicht hatten, nach der Besiegung Dänemarks gegen Frank­reich ebenfalls die Anwendung der famosen historischen Theorien über die Nationalität zu versuchen, wie sie von den Kieler, Göttinger, Heidelberger u. s. w. Pro­fessoren erfunden worden sind." (K.Z.)

Paris, 5. Dezember. In der Nationalversamm- ward heute behauptet, Admiral Tromelin habe die Sandwich-Inseln definitiv besetzt und der „Moniteur" werde morgen die Einzelheiten mitthcilcn. — Der Staatsrath hat den Gesetzentwurf Fallour's über den öffentlichen Unterricht in seinem Gutachten so be­deutend abgeändert, daß der neue Entwurf fast nichts anders enthalt, als das Gesetz von 1833. — Per­signy soll den Posten in Berlin erst angenommen haben, nachdem General Schramm ihn abgelehnt hatte.

Erklärung.

Ich finde mich veranlaßt hierdurch zu erklären, daß der Artikel: ?!? Weilburg, das Gymnasium be­treffend, in Nro. 280 ber Freien Ztg. nicht von mir ist; die Neoaktion des Blattes wird nur dies bestätigen.

Weilburg, den 3. Dezbr. 1849.

Ferdinand Gallo.

Wird hiermit bescheinigt. Die Redaktion.

Erklärung.

So eben kommt uns die „Freie Zeitung" Nro. 2« zur Hand, worin wir als Theilnehmer oder sogenann Gehülfen des Metzgerburschen bezeichnet sind, und am vollständiges Geständnis; abgelegt hätten. Da die Sack von dem Verbreiter der Nachricht wahrscheinlich ein Absicht enthält, die uns vielleicht selbst zu feinen Nämlich des Verbreiters Vortheil verdächtige : soll, so verlangen wir, daß der Verbreiter dieser Nach ' richt sich in den nächsten Tagen öffentlich erklärt, mi Namcnsunterschrift, widrigenfalls die Schuld ihm voi uns Unterzeichneten zur Last gelegt wird.

Wiesbaden, den 8. Dezember 1849.

Jacob §aust. Friedrich Dehwald. Ludwig Dehwald.

Der Artikel, der hier in Frage steht, lautet Wort lich also:

^Wiesbaden 19. Nov. Heute Nacht 2 Uhr, hat in dem Kaufladen des Silberarbeiters Kölsch dahier ein Diebstahl mit Einbruch statt gefunden. Der Hauptthäter, ein Metzgerbursche von Wiesbaden, sowie seine beiden Gehülfen sind bereits festgenommen und haben vollständige Ge-' ständnisse abgelegt. Von den entwendeten Gold< und Silbersachen sind, wie man hört, auch noch viele auf der Flucht verloren gegangen.

Dieser Artikel ist von uns selbst auf schriftliche Notizen hin, die uns ein sehr glaubhafter Mann über­schickte, verfaßt. Dieser Mann hatte offenbar nicht, entfernt die Absicht, die Unterzeichner obiger Erklärung zu seinem Vortheil zu verdächtigen, und er glaubte uns in allen Stücken die Wahrheit zu berichten.

Nach der mündlichen Eröffnung, welche uns heute von Seite der Unterzeichner gemacht wurde, steht aber ■ feß, daß diejenigen, welche zur Haft gezogen wurden, keine Geständnisse abgelegt haben, und wir halten es daher für unsere Pflicht, hiermit öffentlich zu ver-- sichern, wie sehr es uns schmerzt, daß die Nachricht von diesem Geständnis; in unser Blatt gekommen ist, und daß wir es innigst bedauern, durch die Mitthei­lung von diesem Geständnisse, welches wir nach den Mittheilungen eines wahrheitliebenden Mannes für wahr halten mußten, die Unterzeichner obiger Erklä­rung unangenehm berührt zu haben.

Die Redaction.

Druckfehler-Berichtigung.

In dem Artikel: „Der Rechtsstreit des Hof- und Appellationsgerichts-Prâsidenten Naht gegen das Her- ■ zogliche Staatsministerium" sind weiter folgende sinn- störende Druckfehler zu berichtigen:

In No. 290:

S. 1 Sp. 1 Z. 7 v. u. lese man statt „bereiten" — bestreiten.

S. 1 Sp. 3 Z. 13 v. o. statt „politischer" — peti- tori s ch e r.

S. 2 Sp. 2 Z. 9 v o. ist zu streichen „dem Richter" und in der löten Zeile nach „Recht" zu setzen deS R i ch t e r s.

In No. 291:

S. 1 Sp. 3 Z. 9 v. u. lese man statt „Landesgesetze" — Landesgerichte.

In No. 292:

S. 1 Sp. 2 S. Z. 15 u. 16 v. o. muß es statt „da ein solches zur Zeit noch nicht vorhanden sei", heißen: da ein solches vorhanden sei, noch zur Zeit nicht.

S. 1 Sp. 2 Z. 20 v. o. statt „Verheitung" Verleihung. S. 1 Sp. 3 Z. 2 v. o zwischen „dem" und „Quartal" ist einzuschalten: 3ten.

Mainz, 7.

Dcc. 1849.

W atzen

per Malter 200 Pfd. . . .

7

fl.

2

kr.

Korn

ditto . . .

5

fl.

1

kr.

Gerste

ditto . . .

4

fl.

31

kr.

Hafer

ditto . . .

5

fl.

20

fr.

Spelz

bitte . . •

—

fl.

—

kr.

Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.

Bekanntmachungen.

Verein ptr Wahrung der Volksreclite.

(1266) Sitzung, Sonntag den 9. December, 3 Uhr Nachmittags, bei G. Hahn nu Nerothal. y

Tagesordnung: Berathung der Frage: Kann und darf sich die Demo- kratie an den Wahlen nach Erfurt betheiligen?_________ Der Vorstand.

Pfel^n dj/'"^ Köchinnen und Haushälterinnen ist als ein vorzügliches Ni'ochbuch zu em-

Kschèrr mt^ Küche.

neuesten Zeit. In 700 geprüften Kochrecepten, nebst einer Anweisung, ,g pere und kleinere Tafeln mit Geschmack zu verzieren, durch Zeichnungen erläutert. Von Julie oieich, geb. Schul. 8. 272 Seiten. Gut geb. 15 Sgr. ober 54 fr, fenb 1'^? ^âcbin und Zrüche hat sich vurch einen raschen Absatz von einigen Tau- burch att Kochbuch, namentlich für bürgerliche Familien bewährt Es ist ane vrveniiiche Buchhandlungen zu beziehen.

Wilhelm Friedrich's Verlag in Wiesbaden.

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Tagebuch für das Geschäftsleben auf das Jahr 1850.

Zum Gebrauch für Kanzleien, GerichtssteUen, Rentämter, Comptoirs, Haushaltl und Landwirthschaften. — Preis 36 kr.

Vierte große Vertheèlung der induftricllen Actien-

(1201) ' Gesellschaft,

ivorin keine Aktie verlieren kann, da die mit einer Niete Heransgekammenen jede 2 paar schbn gearbeitete silberne Messer und Gabeln in Etui als Prämie erhalten. Auyerdem bestehen die Gewinttste in Wagen, Forte-Piano, Gold- und Silbersachen, Uhren, Möbel, Leinen, so­wie in Staatö-Prâmien-Scheinen, worauf die Summe von 120,000 fL, 50,000 fl. >c ge­wonnen werden können. Der kleinste Gewinn ist ein schöner dauerhaft gearbeiteter seidener Regenschirm.

Aktien zur lstcn Abtheilung a 45 fr., sowie Prospekt nneutgeldlich sind zu haben bei

M. Cahn,

Rechengasse D. 33 in Mainz.

(1269) Zu bevorstehenden Weihnachten er­laube ich mir die ergebene Anzeige zu machen, daß ich mit allen möglichen Kiuderspiel- ivaarcn, sowie allen Arten Schreib- und Zeichtienmalerialiell aufs reichhaltigste versehen bin ; zugleich bemerke ich, daß bei mir beständig alle Arten Musikinstrumente zum Verkäufe wie zum Miethen, sowie alle Sorten römische und deutsche Saiten und alle Formate linürtes Notenpapier zu den billigsten Preisen zu haben fino.

F. Lehmann, Eck deS Grabens.

(1236) Ein Einsteher bei das Militär wird gesucht. Näheres in der Expedition d. Bl.

(1270) 15-20,000 fl. sind gegen dop­

pelt gerichtliche Versicherung auszuleihen. Wo? sagt die Erped. d. Bl.

(1268) Die Mitglieder des Nassauischen Vereins für Alterthumskunde und Geschichts­forschung werden zu der Donnerstag den 20. d. Mts. zu Haltenden General-Ver­sammlung mit dem Bemerken ergebenst ein^ geladen, daß die statutenmäßige Vorstando- wahl darin statthabcn wird. Die Eröffinmg erfolgt Morgens 10 Uhr im Locale des Mu­seums.

Wiesbaden, den 6. December 1849.

Der Vorstand.

Druck und Verlag der C. Ritter'schen Buchdruckerei.