Todtmoos, im Badischen, 19. November. Vorgestern , Vormittags halb 11 Uhr, wollte der Jagd- 1 Pächter Ambros Kaiser von Todtmoos-Schwarzenbach auf die Jagd gehen und nahm eine Doppelflinte, welche schon längst nicht mehr im Gebrauch war, zur Hand. Ohne zu wissen, daß noch ein Lauf geladen war, sing er an, die Flinte vom Rost zu reinigen, setzte eine Kapsel auf und ließ den Hahnen vorschlagen. Das Gewehr ging los und traf seine Frau, welche in der Stube stand, in das linke Schulterblatt, und in den Rückgrat, so daß dieselbe schon nach einer Viertelstunde ihren Geist aufgab. (B.)
Rendsburg, 23. Nov. Der Lieutenant Christiansen von der 1. Batterie ist als Batterie-Commandeur nach Friedrichsort versetzt worden.
Apenrade, 23. November. Der Controleur Lüth hat am 19. von der Landesverwaltung ohne Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand die entschiedene Weisung erhalten, noch vor dem 20. dieses Monats die Stadt zu verlassen und sich nach Tönning zu begeben. Herr- Lüth hat unter bewandten Umständen bei dem hiesigen Zollamt eine verwahrende Erklärung deponirt und sich nach Tönning begeben.
Mepublik Frankreich.
Paris, 19. Novbr. Ein hiesiger Fleischer bringt gegenwärtig eine neue Art des Schlachtens von Vieh in Anwendung. Er durchsticht dem Thiere mit einem Schneide-Instrumente, ähnliche einer Lanzette, den Theil des Rückgrats, welcher nach dem Halse zu ausläuft, indem er sich jedoch bemüht, das Rückenmark zu treffen. Das Vieh ist auf der Stelle todt.
Paris, 25. November. Der „Constitutionell", der seit der Botschaft vom 31. Oktober sich von seinem alten Herrn und Meister Thiers getrennt und so ziemlich die Stelle eines Privat-Moniteurs der Regierung eingenommen hat, meldet heute, daß der General La- moriciere, bevollmächtigter Minister der Republik zu Petersburg, und de Beaumont, bevollmächtigter Minister der Republik zu Wien, auf die Nachricht vom Ministerwechsel vom 31. Oktober ihre Entlassung ein- geschickt haben. Bemerkeuswerth sind folgende Betrachtungen, welche genanntes Blatt an diese Mittheilung knüpft: „Der Entschluß dieser beiden Diplomaten kann in Betreff der Besorgung unserer Angelegenheiten im Auslande beklagenswert!) sein; allein bestätigt er nicht die Worte des Präsidenten der Republik in seiner Botschaft , daß Frankreich die Hand und den Willen des Erwählten vom 10. Dezember nicht sehe? Diejenigen, die er zur Repräsentation seiner Regierung im Auslande ernannt hatte, sahen eben so wenig diesen Willen. Sie betrachteten sich, wie es scheint, nicht als die Repräsentanten des Präsidenten der Republik, sondern als die des Ministeriums. In Amerika ist es der Wechsel des Präsidenten und nicht der eines Ministeriums, der solche Entlassungen hervorruft. Dies ist unendlich besser. Denn bei der übermäßigen Beweglichkeit, welche die Demokratie hervorbringt, ist die Präsidentschaft, deren Dauer bekannt ist, weniger beweglich als die Ministerien. Wenn jeder Cabinets- Wechsel in unseren Gesandtschaften freiwillige Entlassungen hervorruft, dann sind keine Unterhandlungen mit dem Auslande mehr möglich. Wenn es Angelegenheiten gibt, welche Einheit und Folgerichtigkeit verlangen, so sind es gewiß diejenigen, welche eine Regierung mit fremden Mächten verhandelt. Was soll aus solchen Angelegenheiten werden, wenn sie den Veränderungen eines diplomatischen Personals ausgesetzt sind, das selbst jedem Cabinetswechsel unterworfen ist? Die Politik der Botschaft wird diesen Uebelstand vermindern. Wer künftig Funktionen im Auslande annimmt, wird wissen, daß er die Politik des Präsidenten repräsentirt, und die Dauer der diplomatischen Funktionen wird zum Mindesten der von der Verfassung der Präsidentschaft beigelegten Dauer gleichkommen können."
Die „Patrie" enthält eine ausführliche Mittheilung der beiderseitigen Zeugen über das gestern stattgefun- dene Duell zwischen Piere Bonaparte und de Rovigo. Mau war übereingekommen, daß das Duell mit dem Säbel beginnen sollte und von der ersten Verwundung ab mit dem Degen fortgesetzt werden solle. P. Bonaparte erhielt beim zweiten Gange leichte Verletzungen an der linken Brust und der linken Hand; im nämlichen Augenblicke fiel aber der Säbel Rovigo's zur Erde und auf das „Halt" der Sekuudauten blieb P. Bonaparte mit geschwungenem Säbel stehen. Die Zeugen des Letztere schlugen vor, das Duell auf den Säbel forczusetzen, da der Umstand der Entwaffnung noth- wendig das erste Abkommen ändern müsse; Rovigo's Zeugen aber wollten den Kampf auf den Degen. Zur- Vermittelung schlugen die Zeugen P. Bonaparte's noch den Kampf auf Pistolen vor, der aber von den Zeugen des Gegners abgelehnt ward. Das Duell wurde sodann für beendigt erklärt. Die „Patrie" meldet auch, daß zwischen P. Bonaparte and dem Haupt-Redakteur der „Assemblee nationale", Delavette, eine Herausforderung ausgewechselt worden sei.
i Hr. de Saint-Aignan, Präfekt des Nord-Departement unter Ludwig Philipp, ist Commissar der Negierung in Lyon geworden ; nach dem „Evenement" sollen seine Vollmachten nächstens auf das Loire-Departement ausgedehnt werden.
Noch gestern erwartete man, die Namen der Con- tumacial-Verurtheilten des 13 Juni auf dem Platze
des Justizpalastes am Pranger ausgestellt zu sehen, und eine ziemliche Anzahl Arbeiter hatte sich dort versammelt; ihre Erwartung ward jedoch getäuscht, und es heißt sogar, daß diese Ausstellung künftig bei politischen Verurtheilten ganz unterbleiben solle, um nicht Kundgebungen zu ihren Gunsten zu veranlassen.
Immer allgemeiner und bestimmter spricht man von einer neuen Botschaft L. Napoleons, welche nicht nur eine allgemeine Amnestie der politischen Verbrecher, sondern auch die schon von Nap. Bonaparte beantragte, von der Versammlung aber abgelehnte Rückberufung der Bourbonen vorschlagen werde.
Od. Barrot reist nicht nach Italien; er ist feiner Herstellung nahe und wird in der ersten Hälfte des December seinen Sitz in der Nationalversammlung wieder einnehmen können.
S ch w e i z.
Genf. Die radikale Negierung hat außer ihrem Wahlsiege auch einen großen moralischen Sieg gefeiert. Bei den Wahlen erschien der abgefallene Dr. Baumgartner, der das Volk durch fortgesetzte Schmähschriften in ähnlicher Weise, wie der unglückliche Ltchnowsky, gegen sich gereizt hatte, in der St. Peterskirche, wo die Wahlzettel abgegeben wurden. Kaum erkannte man ihn, so wurde er ergriffen und das Volk riß ihm die Kleider vom Leibe. Ob sein Leben selbst bedroht war, wissen wir nicht, aber der todtblciche Doktor glaubte es wenigstens gewiß. Da warfen sich Staatsrath Decrey und James Fazy, der namentlich das tägliche Stichblatt von Dr. Baumgartners Schätzungen war, dem Volk entgegen und retteten nicht ohne eigene Gefahr den Geängstigten in die Sakristei, von wo sie ihn um Mitternacht nach Hause brachten. Es war eine rührende Scene, wie Dr. Baumgartner seinem politischen Feinde dankte und die Hand reichte. James Fazy ergriff sie und sagte: „Ich habe nur meine Pflicht gethan." Die zerrissenen Kleider aber verbrannte das Volk feierlich auf dem Platz vor der Kirche.
Neuenburg. (Bern. Ztg.) Die vielfachen Anstrengungen der noch immer thätigen Sonderbundspartei, die namentlich in der „Basl. Ztg." ihre Stütze und beharrliche Verfechterin hat, machten sich so eben auch bei den verblendeten Royalisten in einem Theile des Kantons Neuenburg bemerkbar. Demonstrationen der La sag n er in preußischem Style, mit Ge- schützessalven und Fahnengeflatter, bewogen endlich die Regierung zum energischen Einschreiten. Lasagne wurde militärisch besetzt. Die Proklamation, welche der Mi- litärdirektor Steck in dieser Sache erlief lautet folgendermaßen : „Bewohner von Lasagne! Die verführerischen Manifestationen, welche am 15. Okt, am 3. und 13. Nov. in Eurer Ortschaft statt gefunden und bei her ein bedeutend großer Theil der Bevölkerung sich schwer vergangen hat, legen endlich den Behörden bic Pflicht auf, einzugreifen iinh das Dorf militärisch zu besetzen, um nun einmal diesen Geist des Aufruhrs, der von einigen Parteigängern des Auslandes, diesen Feinden Eures nab unseres Glückes, gehegt und gepflegt wurde, im Keime zu ersticken. — Bewohner Von Lasagne! Das sind die Früchte, die Ihr erndet, indem Ihr die perfiden Einflüsterungen der Gegner jeder Ordnung, jeder Demokratie, das Ohr leihet. Oeffnet endlich die Augen, um zu begreifen, daß die falschen Rathe dieser vermeintlichen Freunde, die nur im Finstern arbeiten, weil ja ihr Werk ein Werk der Finsterniß ist, eben so viele Schlingen sind, die man Eurer Offenheit, Eurem guten Glauben legt. Beweiset nun Eure guten Gesinnungen dadurch, daß Ihr diese Aufrührer, diese Urheber und Beförderer so strafbarer Manifestationen entlarvt. Nehmt an Euern Heerd, an Euern Tisch die Bürgersoldaten, die, ihren friedlichen Geschäften entzogen, hergekommen sind, um der Ordnung und dem Gesetze Achtung zu verschaffen, freundlich auf. Nur durch solche Beweise werdet Ihr die Dauer der militärischen Okkupation zu verkürzen im Stande sein. Lasagne, am 17. Nov. 1849. Der Abgeordnete des Staatsrathes: J. Steck, Militärdirektor."
Die Untersuchung ist nun im Gange. Bereits wurden, ungeachtet anfänglicher beharrlicher Abläugnung, anderthalb Dutzend preußischer Fahnen eingebracht und nach Neuenburg eiugcliefert. Allmählich werden die verführten Leute zahmer werden und den Hetzern den Rücken kehren. Der erwartete Sieg der Genfer Aristokraten, mit deren Treiben die preußischen Wühlereien mit in Verbindung stehen, wird, nachdem er als eine Niederlage zum Vorschein gekommen ist, einen heilsamen Eindruck ebenfalls nicht verfehlen.
I t a l è e v.
Rom, 10. Nov. (Nat.-Ztg ) Ein kürzlich erschienenes Witzblatt stellt die verschiedenen Triebfedern der italienischen, französischen und spanischen Soldaten im letzten Kriege in folgender Unterhaltung zwischen den Soldaten jeder Nasion dar: „Wir fochten für die Freiheit," ruft der Römer, „wir," sagt der Spanier, „um etwas Ertrasold zu erlangen," „und wir," brüllt der Franzose, „pour l’honneur.“ „Ja," sagt der Römer, „wir suchten Jeder das, was uns fehlte." — Uebrigens muß man der französischen Garnison die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß ihr Benehmen tadellos ist. Gestern machte es mir Vergnügen zu bemerken, wie die Soldaten, die in vielen Fällen die frühern Residenzen von Mönchen und Nonnen bewoh
nen, auch einige bet mildthätigen Eigenschaften ihrer religiösen Vorgänger geerbt zu haben scheinen. An den Thoren der Klöster wurde früher immer einmal täglich an die Armen und Dürftigen Suppe vertheilt, und jetzt läßt der Grenadier oder chasseur d’Afrique von den Fenstern des Jesuitenkollegiums oder dem Sylvester-Kloster einen Theil feiner Mahlzeit an einem Strick für den hungrigen Supplikanten herab, der un- ten wartet. Trotz dieser liebenswürdigen Züge macht die Armee doch keine großen Fortschritte in "her Zuneigung des Volks, selbst jetzt wo die unmittelbare Erinnerung an den blutigen Kampf allmälig zurücktritt. So ereignete sich neulich an der berühmten Villa Quattro Venti, dem Schauplatz so vieler Stürme und Metzeleien, ein Umstand, der momentan ein bitteres und peinliches Gefühl hervorrief. Die Arbeiter der beneficenza, unter der Leitung französischer Ingenieurs, waren damit beschäftigt, die Belagerungswerke abzutragen und die Laufgräben der französischen Batterien vor der Villa auszufüllen, fanden aber bei dieser Arbeit so viele todte Körper, daß die Ingenieure sich veranlaßt sahen, die weitern Arbeiten bis znin Frühjahr aufzuschieben, wo die Zeit die Spuren des Todes hinreichend verwischt haben wird.
Mailand, 14. Nov. Unsere Lage hat sich noch wenig verbessert. Wohl sind mehrere angesehene Familien zurückgekehrt, allein sie wohnen in der größten Zurückgezogenheit auf dem Lande. — Das Geschäft in Seide beginnt etwas belebter zu werden. — Mehrere bis in den letzten Tagen geschlossene Kaffeehäuser sind zwar wieder offen, aber ihre Besucher bestehen meist nur aus Soldaten. In dem einzigen wiedereröffneten Theater Canobbiana sieht man auch nur Uniformen. — Die Steuerbeamten gehen bei Eintreibung der Steuern auf's Strengste zu Werke; hierzu die uachsichtsloseste Militäraushebung, welche fast in jede Familie die Verzweiflung bringt, und man hat ein ungefähres Bild von unserer Trostlosigkeit. Die unglücklichen jungen Leute, die man für's Militär aushebt, werden sicher, wenn überhaupt je, uicht vor Ablauf mehrerer Jahre ihren älterlichen Heerd Wiedersehen, denn sie werden von hier zunächst in's Militärdepot nach Verona geschickt, von wo aus man sie nach der böhmischen Grenze befördert, um deutschen Regimentern einverleiht zu werden.
In den Militärwerkstätten von Verona und Mantua herrscht eine große Thätigkeit. Man wirbt in jener von Venedig die erfahrendsten Arbeiter, um sie nach jenen zwei Plätzen zu schicken.
Man sagt, daß der in Venedig kommandirende General Gorzkovsky nach Wien berufen sei, um einer Berathung über Vertheidigungsmaßregeln im Falle eines Krieges in der Lombardei beizuwohnen.
Die Nachrichten aus der Lombardei sprechen von einer sehr großen Erregtheit der Gemüther, in Folge der von der österreichischen Regierung angeordneten Aushebung von 15,000 Mann. Ein Veronaer Blatt meldet, daß man in Padua an den Tagen der Ziehung, am 16., 17. und 18. Unruhen erwarte. ‘
Das königliche Decret, durch welches die tu- riner Deputirtenkammer aufgelös't wird, lautet:
Victor Emanuel rc. In Anbetracht des Artikels 9 der Constitution. In Anbetracht des Gesetzes vom 17. März 1848. — Nachdem Wir Unseren Ministerrath vernommen, und auf den Antrag Unseres Ministers des Innern, haben Wir verordnet und verordnen,-wie folgt: 1) Die Deputirtenkammer ist aufgelöst. 2) Die Wahl-Collegien sind für den 9. Dezember zusammenberufen; jedes wählt einen Deputirten. 3) Die Bestimmungen der Artikel 3, 4, 5, 6, 8, 9, 10, 12 und 13 Unseres Decrets vom 30. Juni dieses Jahres bleiben in Kraft. 4) 5) 6) enthalten nähere Bestimmungen über den Gang der Wahlen. 7) Der Senat des Königreiches und die Deputirtenkammer werden für den 20. Dezember dieses Jahres zusammenberufen. 8) Der Minister des Innern ist mit der Ausführung dieses Decrets beauftragt.
Turin, 20. Nov. 1849.
Victor Emanuel. — Galvagno.
Türke i.
Konstantinopel, 10. November. Der „Osserva- tor Dalmato" berichtet Nachstehendes aus der Herzegowina: In der Nacht vom 4. auf den 5. November- wurde ein in der Nähe der Festung Klobak gelegenes Dorf von vier- bis fünfhundert Montenegrinern angegriffen. Die Bande nahm nicht weniger als 1100 Schafe, 50 Rinder und eben so viele Pferde als Beute mit sich fort. Der größte Theil dieser Thiere soll das Eigenthum des Muffelin Ali Disdarovich sein. Einem der Pächter dieses Mannes wurde bei dieser Gelegenheit der Kopf abgeschnitten. Die Türken, welche einen Ausfall aus der Festung machten, gerieten in ein Handgemenge mit den Montenegrinern, wobei jede der kämpfenden Parteien zwei Todte auf dem Platze ließ.
Dasselbe Journal berichtet aus Sigu vom 10. November: Der Vezir von Bosnien hat Munition aus Konstantinopel erhalten und 1800 Mann Kavallerie an sich gezogen. Auch der Ankunft Ascher Pascha'S mit einer ansehnlichen Truppenmacht wird in Travnik entgegen gesehen.
Konstantinopel, 10. November. Die russisch-österreichisch-türkische Differenz wäre also auf friedlichem Weg gelöst. Es sind jedoch neue Zerwürffnisse und
