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Auspflanzung der rothen Fahne auf deutschem Boden zu thun war." — .

Es ist wirklich lächerlich, wie Einer dem Andern immer nachdetet, ohne den Grund oder Ungrnnd der Suche selbst zu untersuchen. Weil der Absolutismus Zeter und Mordjo über genannte Erhebungen schrie, die seine tyrannischen Gelüste bedrohten, heult die Re- aktion sogleich mit; weil jener Absolutismus seine Pascha heirschast gefährdet sah, schrie er, wie weiland die herrschsüchtigen Pharisäer gegen Christum: „Kreu­ziget! Kreuziget! Das geht auf den Umsturz alles Be­stehenden aus!" und die Reaktion heulte in achter Hundenatnr folgsam mit. — Die Revolution in Baden wird in angeführter Stelle eine schmähliche genannt, ohne daß dieser' beschimpfende Ausdruck gerechtfertigt wird; aber richtiger würde man sie wohl geschwächte nennen. — Die Partei des Stärkern, auf deren Seite die Feiglinge sich immer schlagen, schmäht in einem fort auf die badensche Bewegung, was jetzt um ,o ge­meiner ist, als die Badenser, unter dem Drucke per­manenten Kriegs- und Standrechts und zum Theil in Kerkern schmachtend, sich gegen solche verlâumverische Beschuldigungen nicht vertheidigen können. Nach der Ueberschrist des Artikels muß man wohl eine gründliche Beweisführung darin erwarten ; statt deren findet man aber Schmähungen und Verdächtigungen. ^Wenn die Ueberschrist nicht eine Untersuchung zur Feststellung von Thatsachen ankündigte, so könnte man unwahre Beschuldigungen und Verläumdungen mit Stillschwei­gen übergehen: denn die Demokratie ist gewohnt an Verläumdungen aller Art von Seiten der Reaktion und ihrer Helfershelfer — daß aber durch solche sogenannte Beweise das schlichte Landvolk auf Irrwege geführt und zum Haß gegen die Demokraten aufgereizt wird, ist mehr als unrecht, ist perfid.

Eine andere Stelle des ^Artikels lautet: „Daß es die Führer der Demokraten mit der Durchführung der Reichsverfassung nicht ehrlich gemeint haben, geht auch aus dem Anklageakt des Oberstaatsanwalts beim Königl. Appellationsgericht zu Berlin gegen den Hand- lungsdiener Ohm und den Obertribunalrath Vr. Wal­deck hervor."

Aus dem Anklageakt eines Staatsanwalts einen Beweis herleiten zu wollen, ist doch ein wenig 311 ab­surd, und sehr muß es wundern, daß der Herr ^Rit­ter, der sich — nach seinen Citataten, wahrhaftig aber nicht nach seiner Auffassungsweise zu urtheilen — mit juristischen Studien zu beschäftigen scheint, einen so ge­waltigen Bock schießen kann. Sein „kahlköpfiger" Beweis lautet, in klares, reines Deutsch übersetzt, etwa so: „Dr. Waldeck ist vom Staatsanwalt des Hoch- verraths angeklagt, folglich ist er ein Hochverrather, mithin sind auch alle icinc Gesinnungsgenossen Hoch- verräther." Was ein so spitzfindiger Jurist, dem jede juridische Befähigung abgeht, nicht Alles herauszubrin­gen vermag. — Aus genannter Anklageschrift werden weiter einige Bruchstücke aus Briefen des Grafen v. Görtz und des Abgeordneten Temme mitgetheilt, worin ersterer unter Anderin sagt: „Nach meiner An- sicht ist die deutsche Verfassung — wie sie die Frank­furter Versammlung rechtsgiltig beschlossen hat — fak­tisch eine republikanische und nur nominell eine kaiser­liche, mit ihr würde die Volkssouveränetät zur unbe­strittenen Geltung kommen"; und am Schlüsse: „Durch großartige Demonstrationen muß man das Ministerium und den König zur Annahme der deutschen Verfassung zwingen." —

Wie man aus diesem Schreiben aber folgern kann, Graf Görtz habe es mit der Durchführung der Ver­fassung nicht ehrlich gemeint, ist dem schlichten Men­schenverstände unbegreiflich. Es gehört wahrlich viel böser Wille dazu, aus einem Schreiben, in welchen: die.Verfassung als eine solche bezeichnet wird, die Freiheiten gewähre, wie wir sie in keiner Republik zu einem so systematischen Ganzen vereinigt finden, und die man darum zur Ausführung zu bringen suchen

durch Abhülfe schaffen lassen, daß aus Staatsmitteln angemessene Prämien ausgesetzt werden.

Man behauptet weiter, die Taxen mußten so bedeu­tend erhöht werden, daß der Mittelmann den Arzt nicht mehr gebrauchen könne. Diesem Uebclstand läßt siw, wie schon bemerkt, durch Assossiation und durch Con- tracte der Gemeinden , der Gesellschaften oder Einzelner mit dem Arzt abghelfen ; cs werden übrigens die Aerzte bald ihre Forderungen nach den Verhältnissen ihrer Patienten einzurichten wissen, und kann ich außerdem aus eigener Erfahrung behaupten, daß das Publikum gar nicht so gegen höhere Taxe eingenommen ist, wie man glaubt. Ich habe zwei Jahre lang als Accessist mit ten beiden übrigen Aerzten des Amts, denen ich mindestens in praktischer Ausbildung weit nachstand, an demselben Ort gewohnt und stets die mir damals zu- stehcnde doppelte Taxe in Anforderung gebracht, und trotz dem war ich so beschäftigt, daß ich kaum mehr Kranke hätte besorgen können, und nie haben sich Klagen wegen zu hoher Forderungen erhoben, obgleich die Ge­gend zu den ärmsten des Herzvgthums gehört. So weiß ich Orte auzuführen, wo man in den meisten Fällen an dem Hause des spottbilligen, angestellten Arztes vorbci- gebt, um nicht nass:Nischen Aerzten für einen verlangten Besuch ein paar Thaler, für einen gelegentlichen 36 kr. zu bezahlen.

Weiter führt man an durch die freie Concnrrenz werde die Gewinnsucht uni) Eifersucht der Aerzte aufgc-

müsse, den Schluß ziehen zu wollen, man habe es mit dieser Verfassung nicht ehrlich gemeint, sondern nur den Umsturz all cd Bestehende!- im Auge gehabt. Aber freilich muß jener Brief den Herrn *** Ritter schon darum anwidern, weil durch Anerkennung der Reichsverfassung die Volkssouveränetät zur Anerken­nung kommen müßte. — Als Gager n, Welcker, B a sser in a n n und alle andere Herren der s chw a rz- weißen und schwarz-gelben Partei in öffentlicher Sitzung in der Paulskirche die Volkssouveränetät pro- klamirten — damals hat der scharfsinnige Beweisfüh­rer kein Verbrechen darin gefunden; aber jetzt wo die Herren wieder die Souveränetät für sich beanspruchen, ist die Anerkennung der Volkssouveränetät in seinen verblendeten Augen der Auspflanzung der rothen Fahne auf deutschem Boden gleich.

In einem angeführten Briefe Temme's an Wal­deck sagt Ersterer: „Nimmt Preußen die Kaiserkrone an, so zwingen wir dadurch die Regierung, die Bahn des Absolutismus zu verlassen. Nimmt Preußen die Kaiserkrone nicht an, so haben wir dann das Recht der Revolution so klar, daß man sich nicht den gering­sten Skrupel daraus zu machen braucht. Eine Revo­lution würde auch bei der Oktroyirung am Ende kom­men, aber wer weiß wann? und jedenfalls halte ich die Revolution so wie für das letzte Recht, so auch für vaö letzte Mittel." —

Will der Kreuzritter, ein ebenbürtiger Knappe der Kreuzspinne aus diesem Schreiben etwa den Beweis führen, Temme habe nicht die Verfassung, sondern den Hinflug alles Bestehenden gewollt? — T e in m e will eine Revolution, um Preußen zur Annahme der Verfassung zu zwingen und sagt ausdrücklich, daß es dann die Bahn des Absolutismus werde verlassen müssen. Geht hieraus nicht unbestreitbar die Rein­heit von Temme's Absichten hervor? Aber — Preu­ßen sollte gezwungen werden, die Bahn des Absolu­tismus zu verlassen! — Das gefällt dem Herrn Ver­fasser, der mit juristischen Kenntnissen koguetirt und der für den Absolutismus in die Schranken tritt — frei­lich nicht. Von seinem Schutzheiligen ist etwas zu gewinnen: etwa eine gute Stelle, (namentlich als Staatsprokurator), Gratifikationen, Orden re.; wäh­rend von der Demokratie höchstens eine Bürgerkrone zn erwarten ist! Die Herrn Demokratenfresser sind gar kluge Leutchen und beobachten genau, woher der Wind kommt. Vielleicht verhelfen dem Herrn ^Rit­ter derlei scharfsinnige Beweise, wie er sie in seinem Artikel geführt, noch zu drei Sternen auf der Brust.

Er theilt sodann weiter eine Stelle aus einem Briefe des Grafen Görtz an Waldeck mit, worin Görtz sagt: man müsse die Reichsverfassung als Agi­tationsmittel benutzen, um eine allgemeine Opposition hervorzurufen. Wieder ein Beweis für die rothe Sie* publik! —

In einem angeführten Schreiben desselben Grafen Görtz an Paul Börner heißt es: „Ein Rejchsheer bei Frankfurt a. M. und der Centralisationspunkt wäre geboten; Tausende würden Hinströmen, und die Ge­waltherrschaft in Deutschland aufgerieben sein."

Aus diesen von dem Verfasser angeführten Brief- stellen wird jeder vorurteilsfreie Mensch eher alles Andere Heraussinden, als einen Beweis für die Be­hauptung, daß es die Demokraten mit der Durchfüh­rung der Reichsverfassung nicht ehrlich gemeint. — Ja, die Aufreibnng des Absolutismus war der Zweck der Demokraten; die Herstellung eines geordneten ge­setzlichen Zustandes, in welchem freilich für die Spei­chellecker der Tyrannei nichts zu erobern gewesen wäre. Sapienti sat. —

Nun zum Schlüsse noch eine Frage an den Herrn Verfasser, der so tief durchdachten Beweisführung: „Ist die Heerde des Hirten wegen, oder der Hirt der Heerde wegen da?" — und der guthe Rath:

Der Verfasser mit den drei Sternen, möge in Got­tesnamen seine juridischen Citate aufgeben; denn bei

stachelt und durch die damit hervorgerufenen Reibereien werde der ganze Stand herabgesetzt. Dies berührt weniger den Staat, als die Aerzte, von denen durch Bildung von Vereinen mit der Controlle des Benehmens ter Aerzte diesem Uebelstand größtenteils abgeholfen werden kann, zu dessen Beseitigung auch noch dadurch würde beigetragen werden, daß der Staat nur durchaus fähige und erprobte Aerzte zur Praxis zuließe. Er wird dies erreichen, wenn er für eine zweckmäßigere Vorbildung für bessere Anleitung der Studirenden auf den Hochschu­len und für strenge Prüfungen sorgt, bei denen freilich nicht allein auf Fleiß und positive Kenntnisse, sondern noch besonders auf Talent und auf Lust und Liebe zur Sache gesehen werden müßte. Der Bücherwurm bei noch so großem Verstand wird nie ein guter Arzt werden, während Versäumnisse von dem, der Talent hat und mit Freuden Arzt ist, bald nachgeholt sind. Es kaun hier nicht der Ort sein, alle die Fehler aufzudecken, welche bei der Bildung zum ärztlichen Stand gemacht werden, und die zu erstrebenden Verbesserungen erschöpfend zu besprechen, weßhalb ich mich auf ein paar kurze An­deutungen beschränken will. Auf den Gymnasien müßte neben besonderer Berücksichtigung der dem Arzt so nöthigen körperlichen Ausbildung für einen guten mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht mit Naturanschau­ung , für tüchtiges Studium der neueren Sprachen, und für freieren Umgang mit den Menschen gesorgt werden. Auf der Universität müßte der Studirende, welcher die

der Beschaffenheit seiner kahlköpfigen Beweisführung wird er, trotz jener Citate, Niemanden überzeugen, er sei ein „Jurist": mag er auch immerhin als Studio­sus Juris drei Jahre, angeblich „Studirens halber", auf deutschen Akademien herumgebummelt sein, mag er auch am Ende gar, vielleicht jetzt in Folge seines loyalen Sinnes, mit der Vollziehung richterlicher Ge­schäfte beauftragt worden sein.

Darmstadt, 24. November. Die heute erschienene Nr. 70 des großh. Regierungsblattes enthält ein Edikt die Eröffnung des Landtages auf den 20. Dezember betreffend.

Frankfurt, 24. November. (Fr. I.) Was Sie in Ihrem Blatte vom 21. als Gerücht aus München bringen, bestätigt sich. Von Seiten Bayerns ist Hie, eine Note eingelaufen, in welcher Bayern die Central­gewalt auffordert, das von Preußen gemachte Ansinnen die „Gefion" an ein englisches Schiedsgericht zu ver­weisen, mit Entschiedenheit abzulehnen.

Rastatt, 21. November. Der gewesene Kriegs­minister-Stellvertreter Enno Sander war durch den Untersuchungsrichter, Assessor v. Wänker, gegen eine Kaution von 4000 fl. aus seiner Haft entlassen wor­den. Kaum war Sander 24 Stunden auf freiem Fuße, so wird er wieder vor den Untersuchungsrichter beschieden und ihm eröffnet, der preußische Festungs­kommandant dulde nicht, daß er frei sei, und er wäre darum in die Kasematten oder in das Bezirksgefäng­niß, wo er zuletzt saß, zurück zu bringen. Der-Voll­zug wurde, wie ich höre, sofort angeordnet.

Rastatt, 22. November. Die Gefangenen aus dem Großherzogthnm Hessen werden nächster Tage in die Heimath abgeliefert; Würtemberg hat ein Verzeich- niß seiner Angehörigen verlangt, von Hannover er- wartet man das Gleiche. In Folge der bedeutenden Verminderung der Gefangenen find die strengen Ver­ordnungen etwas gemildert und wird die Last der Ein- quartirung erleichtert werden. Das Bataillon des 30. Regiments soll nach Karlsruhe, andere Truppen sollen in die freigewordenen Kasernengebäude verlegt werden.

Der „Kölnischen Zeitung" ist eine Erwiderung Mie- roslawski's auf das neuliche Schreiben Brentano's zu­gegangen, in welchem Mieroslawski bei seiner frühern Behauptung bleibt, daß seine persönliche Vergütung für den ganzen Feldzug in Baden sich auf 1700 Fr. beschränkte, wovon 1100 der von der badischen Regie­rung nach Paris übersendeten Summe von 6000 Fr., um die polnischen Offiziere von dort kommen zu las­sen, entnommen wurden; die anderen 600 Fr. fielen ihm als Antheil von den 1300 fl. zu, welche der Kriegs­minister zu Offenburg bewilligte. Was Hru. Raveaur angeht, sagt Mieroslawski, so weiß ich nicht, mit wel­chem Rechte er es wagt, sich zum Herausgeber der ver- länmderischen Märchen des Herrn Brentano zu ma­chen; denn er war während meines Kommandos aus Baden abwesend, und ich habe ihn in meinem Leben nicht gesehen.

Dessau, 19. November. Die Reaktion will, wie es scheint, die Verfassung im Sturm erobern. Der Bürgerverein schickt wühlende Boten durch's ganze Land und wendet alle die Mittel, welche er bisher der Demokratie zum Vorwurf machte, in weit großartige­ren: Maßstabe selber an. Die beiden Hauptwaffen der Reaktion sind hier, wie überall, das Christenthum und die Person des Herzogs. Der „Aufruf an mein Volk" wird nicht nur an sämmtliche Volksschullehrer durch ihre Vorgesetzten vertheilt, sondern er ist auch „auf Be­fehl des Herzogs und des Ministeriums" am Sonn­tage von den Kanzeln verlesen worden. Nichs desto weniger sind die Aussichten auf freisinnige und Volks- thümliche Wahlen noch immer nicht schlecht. — Dix am 16. Hier durchmarschirte (von unserem Offizier) korps natürlich auf's Zuvorkommendste empfangenes preußische Kompagnie ist auf den von Anhalt enklavir, ten preußischen Dörfern Schierau, Priorau u. s. ro

Theile des menschlichen Körpers und die Verrichtungen der Organe im gesunden Zustand kennen gelernt hat, ans Krankenbett geführt werden, um die Abweichungen auffinden und erklären zu lernen, wodurch die sinnliche Anschauung geübt, die Beobachtungsgabe geschärft und dem Geist naturgetreue Bilder gegeben werden, an welche sich dann die Vorträge über Entstehung, Ver­lauf und Heilung der Krankheiten anlehnen können, an­statt daß man ihn wie bisher mit solchen Vorträgen langweilt, und ihm durch dieselben ganz falsche Vor­stellungen und Bilder in sein Gehirn hineinzwängt, an wclel)e er dann die später vorgeführten krankhaften Zu­stände so gut cs gehen will, anlegt. Nicht selten wird er dadurch für eine gesunde, naturgemäße Anschauung und Beobachtung fürs ganze Leben verdorben.

(Fortsetzung folgt.)

London, 15. Nov. Die Zeitungen enthalten die Erzählnng der schauerlichen Umstände eines Schiffbruchs einer am 8. Sept, von Quebek nach Newcastle abgcsegel- ten und dahin zu Hause gehörigen Brigg. Bis zum 5. November trieb sich bie Brigg, ohne zu sinken, im Meere umher. Von der Mannschaft kamen dabei alle, bis auf den ersten Bootsmann und den lluterbvotsmann um, welche aber nur an den Leichen ihrer Genossen das entsetzliche Mittel besaßen, ihr Leben kümmerlich zn fristen, bis endlich ein Schiff sie bemerkte und an Bord nahm.