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die scharfen Kanten umwickeln müssen. O, die böse Redefreiheit, sie ist doch noch ärger, als die frühere „Gewaltherrschaft" der Regierung!

Nürnberg, 20. Nov. Wir haben gestern zur Ab­wechselung wieder einmal Militärercesse gehabt, und die Aussicht, daß sich dieselben in den nächsten Tagen wiederholen werden.

Karlsruhe, 21. November. Das Ehrengericht hat seine Sitzungen begonnen. Zuerst hat es die Akten der Mitglieder des" Ergänzungsgerichtes, dann dieses die Akten des Ehrengerichts selbst geprüft. Zunächst nun werden, wie verlautet, die Meldungen der nicht betheiligten Offiziere vorgelesen, dann die Betheiligten der Reihe nach im Verhältnisse ihrer zunehmenden Be­theiligung vorgeladen.

Berlin, 19. November. Der „Leipz^ Ztg." wird von hier geschrieben: Die Hannoversche Regierung hat dem hiesigen Kabinet in einer Note erklärt, daß sie das Bundesschiedsgericht nicht anerkenne und sich keinem Aussprüche desselben fügen werde.

Berlin, 20. November. Sie haben gewiß den An­klageakt gegen Waldeck gelesen, der hier Entrüstung und Gelächter zugleich hervorruft. Das Ganze ist ein sorgfältig aufgeschichtetes Sammelsurium aller revolu­tionären Worte, die jemals zu Berlin von Spionen- ohren erhorcht wurden. Nur schade, daß cs eher ge­eignet ist, jeden beliebigen Dritten, als den Angeklag­ten selbst zu kompromittiren. Von Himmel und Hölle sind die Indizien herbeigeschleppt worden. Wie in den Residenzchen unserer deutschen Pastetenstaaten die Bitt­steller jenen Schneider um geneigte Verwendung ersu­chen, der eine Schwester hat welche mit einem Laden­diener in Verbindung steht, dessen nächster Verwandter dem Fürsten die Hühneraugen schneidet, so wird Wal­deck angeklagt, weil er Freunde hat, deren Bekannte verdächtige Briefe — nicht etwa besitzen, sondern un­terschoben bekommen. Hören Sie eines dieser köstlichen Machwerke des Berliner Polizeiverstandes. In diesem Briefe heißt es unter Anderm: „Liebster Ohm! Ein Mann schreibt an Dich, der an der Sditze einer Partei steht, der mit den Häuptern derselben Partei in Frank­reich verbunden ist. Ein Mann schreibt an Dich, der noch die Idee hat, einen Robespierre zu spielen. Mei­nen Zweck kennst Du, alle Mittel sind heilig, einen solchen Zweck zu verfolgen, wenn man ihn erlangen will. Wir erlangen ihn sicher und dazu müssen wir vor Allem den völligen Sturz des preußischen Hohen- rollernhauses haben. Zu dieser großen That ist aber auch der Mord ein heiliges Mittel und deshalb wirst Du beiliegende Statuten, die den neuen Bund leiten, gerechtfertigt finden." Nachdem sodann gegen den An­geredeten auf den Fall der Verletzung der ihm anver­trauten Geheimnisse eine angeblich mit dem Blute des Briefstellers niedergeschriebene Drohung ausgestoßen worden, heißt es weiter: „Jetzt zur Sache. Vor Al­lem bleibt der Abgeber dieses Dir und Waldeck nur bekannt. Du führest ihn in keine demokratische Ge­sellschaft, reist mit ihm noch Montag nach Charlotten- bum Weder Egbert Bauer noch Jemand sieht ihn; nur für Dich eristirt er. Mit Bestellung der Masten brauche ich Dir jetzt nichts mehr schriftlich zu sagen, denn morgen 5 Uhr wird Dich einer an der Quelle selbst zur Reise abholen."

Nachdem sodann von einem Plane geredet worden, der bei der „in diesen Tagen" stattfiudenden Erhebung in Breslau benutzt werden soll, und das Eintreffen Mieroslawski's in Aussicht gestellt ist; nachdem ferner erwähnt worden, daß es gelingen werde, am Rhein die Landwehrmänner untreu zu machen, heißt es wei­ter: „Köln muß die Entscheidung für den Rhein sein, dort soll, wie allen Hauptstädten, am 20. Mai die Schlacht geschlagen werden. Wegen Papieren kann alles ruhig fein. Sag' Waldeck, Bakunin ist gut ent­komme» und hat alle Papiere. Morgen reisest Du nach Hamburg, wozu Du den »Auftrag weist. Wenn wir am Rhein die Republik haben, da haben uns die Ungarn 10,000 Mann versprochen, deßhalb sorg' nur für Waffen. Kanonen haben wir 40 Stück am Rhein. Die Berliner Landwehr hat sich einkleiden lassen, aber an Ort und Stelle wollen wir sehen. Wann einer durch den gerechten Zorn fallen muß, so ist der Prinz von Preußen neben dem König zuerst." Nachdem endlich angerathen wird, für Berlin einen neuen Schlacht­plan zu machen und überall vorsichtig zu sein, heißd es schließlich: „Das Quartier für 20 Polen besorge, entweder kommen sie dahin, oder sie koinmandireu am Rhein. Es lebe unsere heilige Sache. Glückliche Reise!" Urtheilen Sie nun, ob man einen solchen Brief nicht mit eben so viel Recht die Autorschaft des Erzvaters Abraham als die von Dr. Karl d'Ester vindiziren darf. (Mz. Z.)

Berlin, 21. Nov. (Nat.-Z.) Die gegenwärtigen Assisen in Brandenburg wurden vorgestern mit einem politischen Prozeß eröffnet. Des versuchten Aufruhrs angeklagt standen vier Personen vor Gericht, welche nach Verhängung des Belagerungszustandes über Ber­lin im November v. I. eine Volksversammlung zu­sammen berufen nnd den Beschluß derselben, den Ber­linern mit Waffen zu Hülfe zu ziehen, als eine Auf­forderung durch den Druck hatten veröffentlichen lassen. Der hiesige Rechtsanwalt Deycks vertheidigte einige der Angeklagten und wußte der Verhandlung eine hei­tere Seite abzugewinnen. Die Geschworenen sprachen denn auch, woran schon beim Beginn der Verhand­lung Niemand zweifelte, über die jämmtlichen Ange­klagten das Nichtschuldig aus.

— Vor Kurzem erschien in dem Verlage eines Hamburger Buchhändlers eine Brochüre von Johannes Ronge, betitelt: Europa muß kosakisch werden. Die Broschüre ist auch den inländischen Buchhändlern über­sandt worden. Gegen einen in Sorau wohnhaften Buchhändler ist nun wegen Verbreitung dieser Schrift kürzlich die Anklagen wegen Majestätsbeleidigung, die die Schrift enthalten soll, erhoben worden. Der Prozeß wird schon bei den nächsten Assisen des Schwurgerichts in Sorau zur Verhandlung kommen, wobei der Dr. Stieber dem Angeklagten als Vertheidiger assistiren wird. Nach dem Preßgesetz ist allerdings der Verbrei­ter einer Schrift für deren Inhalt verantwortlich, wenn er nicht seinen Vormann, also entweder den Drucker, Verleger oder Verfasser nennen kann, oder sich eine dieser Personen nicht im Bereiche der richterlichen Ge- walt befindet. Dieser Fall liegt nun aber hier vor, indem Verleger, Drucker und Verfasser sich im Aus­lande befinden. Wenn nun nach dem tobten Buch­staben des Gesetzes eine Verurtheilung des Angeklagten erfolgen sollte, so würde dies für den gesummten Buch­handel von wichtigem Einflüsse sein, da es fast in der Unmöglichkeit liegt, daß die inländischen Sortiments- Buchhändler bei jeder ihnen von außerhalb zugehen- den Schrift vor dem Verkaufe derselben sich erst von ihrem Inhalte überzeugen.

Elberfeld, 20. November. Die Kreuzzeitung sagte vor einigen Tagen von Robert Blum, er sei wegen Veruntreuungen aus seinem Lehrdienste in Barmen entlassen worden, und die Barmer könnten hiervon nachsagen. Hiergegen bringt die Elberfelder Ztg. das Zeugniß des Lehrherrn:

Hierdurch bezeuge ich auf meine Ehre und mein Gewissen, daß Robert Blum während der Zeit, daß er bei mir in Diensten gestanden, sich als ganz ehrli­cher und rechtschaffener junger Mann bewährt hat, sein Betragen wie sein Fleiß ausgezeichnet gut waren und ich auch seiner Moralität nur das beste Lob ertheilen kann. —

Barmen, 19. November 1849.

Karl Opberbeck, Gelbgießer.

Was Blums Lehrherr bezeugte, bestätigen viele Barmer, welche Blum damals gekannt haben. Sie traten dem obigen Zeugnisse unbedingt bei. Das An­denken eines Todten sollte jedem Manne, auch dem Feinde desselben, in so fern ein Heiligthum sein, daß er es nicht durch Lügen entweihte.

Leipzig, 20. Nov. (Nat-Z.) Eben bin ich von einem Besuche im Altenburger „Ländle" zurückgekehlt. Weit und breit ist dieser Miniaturstaat durch die de­mokratische .Gesinnung seiner Bevölkerung bekannt wor­den. Die Freiheitslust, welche hier die Gemüther er- fallt ist eine ganz andere, als die sich in den Haupt­städten Deutschlands und Frankreichs kundgegeben hat. Bei den Bauern unb Ackernbürgern von Altenburg finden wir das naive Bedürfniß, Freiheitsluft zu ath­men und nimmer laßt sich ein konservatives Moment in dem Streben anerkennen, sein Erbe von ungerech­ter Last zu befreien, um einem kleinen König" gleich darauf zu wohnen. Jetzt, da die Märzhoffnungen ver­welkt sind, hat ein großer Thell der Altenburger De­mokraten beschlossen, bas kranke Deutschland zu ver­lassen und hinüber zu wandern nach dem freien ge­sunden Amerull; ein solcher freigefaßter Entschluß ist charakteristisch für die Altenburger Demokratie. — Was man .kleinen Staaten sonst vorzuwerfen pflegt, daß sie nicht im Stande seien, politische Intelligenzen zu erziehen, bestätigt sich in Altenburg nicht. - Außer jenem, mag man sonst über ihn urtheilen, wie man will, doch immer talentvollen Mitgliebe des Frank­furter Donnersberg-Clubs, Alfred Erbe, den jetzt die Wellen des Oceans nach dem „fernen Westen" hinübertragen, sind noch zu nennen Advokat D ö litzsch und Dr. theol. Doua i. Der letztere vorzüglich ist ein klarer Kopf, dessen Gedanken getragen werden, von einem wackern Gemüth und einem markigen Cha­rakter. —

DaS Vereinswesen in Altenburg geht nicht mehr so frisch und emsig vorwärts, als früher, aber an mehreren Orten des Landes gibt es sogenannte März- vereine, Frankfurter Ursprunges. Was die Volkspresse anlangt, so hat Altenburg bis jetzt keine täglich erschei­nende Zeitung zeugen können; bas „Altenburger Volks- blatt" von Dölitzsch rebigirt, erscheint wöchentlich zwei­mal. Die herzogliche Regierung unterhält mit der Königlich Sächsischen gemeinsam ein ultra-confervatives Blatt, die „Freimüthige Sachfenzeitung", die alle Will­kürmaßregeln einige Tage vorhersagt, die aber, hätte sie nicht hohe Gönner, aus Abonnentenmangel längst eingegangen wäre.

In diescu Tagen tritt die Altenburger Jury zusam­men. Dieselbe ist nicht wie bei uns aus allgemeiner unmittelbarer Wahl hervorgegangen, sondern von den Gemeindevorständen gewählt worden. Dennoch sind die Geschworenen in ihrer Mehrheit freisinnig. Einer von den Prozessen, die zur Verhandlung kommen wer­den, ist der des Dr. Douai wegen seines „republika- nischen Katechismus", eines wesentlich theoretischen Büchleins, das man aber wohl nur deshalb nur inkri- minirt hat, um intelligente Volksführer um jeden Preis unschädlich zu machen.

Oldenburg, 10. Novbr. Heute wurde der vor­läufige Bericht des Ausschusses in Betreff des Ber­liner Bündnisses an die Abgeordneten vertheilt. Es wird darin auf die dermalige Stellung Bayerns und Würtembergs, wie Sachsens und besonders auch

Hannovers als Nachbarstaat von Oldenburg hingcwie- sen, und ausgesprochen, daß der Bundesstaat jetzt in eine Lage gerathen sei, worin im Augenblicke dic^Vor- aussicht, seiner inneren und äußeren Gestaltung unge­mein erschwert werde. Der Ausschuß beantragt daher mit 6 gegen 1 Stimme, der Landtag wolle die Staats- regierung um ihr Einverständniß ersuchen, daß derselbe die Berathung und Beschlußfassung über die betreffende Regierungsvorlage vorläufig noch aussetze.

Hannover, 21. November. Die erste Kammer fährt in heutiger Sitzung in der Berathung über den Beschluß zweiter Kammer wegen der Amnestie politi­scher Verbrechen fort. Bei namentlicher Abstimmung wird der Beschluß der zweiten Kammer m.t 36 gegen 20 Stimmen abgelehnt.

Prag, den 16. .November. Der vermehrte preiswürdige Anbot von Gütern in Kärnthen, Krain und Steiermark, deren Ertrag vorzüglich auf den dar­auf betriebenen Eisengewerkschaften begründet ist, weist wohl darauf hin, daß die Hochöfenbesitzer trotz der be­ruhigenden Versicherungen über den ihnen zu gewäh­renden Schutzzoll mit trüben Blicken in die Zukunft sehen. Einen vorzüglichen Einfluß hierauf übt wohl die erstaunliche Vermehrung der Eisenproduktion in Schottland, welche die ganze Welt zu Spottpreisen zu überziehen droht. Das „Philadelphia commercial list“, welches gleiche Besorgnisse in Betreff der ameri­kanischen Erzeugung hegt, hebt hervor, daß die schot­tische Eisenhütten-Produktion in den letzten 10 Jahren von 40,000 auf 600,000 Tonnen = 12 Millionen Zentner gestiegen ist und sich im Jahr 1848 allein um 60,000 Zentner gegen 1847 vermehrt hat. In den eigenthümlichen Handelsverhältniffen liegt es, daß die englischen Hüttenwerke so unglaublich billig probieren und ihr Eisen in Amerika billiger zu verkaufen ver­mögen, als die dortigen Produzenten.

— In den nächsten Tagen bereits soll das Patent über die Gründung der Wojwodina publizirt werden. Die Komitate Bacs-Bodorogh, Torental, Temes und Krasso, dann die Dacska und das Banat, ferner der Ru- maer und Jlloker Bezirk des Syrmicr Komitats wer­den unter dem Namen: Wojwodschaft Serbien und Temeser Banat ein den übrigen Kronländern analoges und abgesondertes Gebiet bilden. Eine besondere Ver­fügung wird die Landes- und Neichsvertretung dessel­ben regeln; sie wird in drei Kreise eingetheilt, welchen ein in Temesvar residirender Landeschef vorsteht. Tür Kaiser wird den Titel eines Großwöjwoden von Ser­bien führen.

Wien, 19. November. Die neuesten aus Kon­stantinopel angekommenen Nachrichten, welche wir hier über Trieft in der außerordentlich kurzen Zeit von 8 Tagen erhalten haben, sind sehr beruhigend bezüglich der Lösung der türkischen Frage. Das „Journal de Constautlnople" ift in Betreff der Widviner Flücht- lingofrage der Meinung, daß es sich eigentlich nur um die irrthümliche Auslegung des Artikel 2. aus dem Vertrage von Kutschuck Kaina dschi gehandelt habe. Dieser Irrthum sei in Petersburg erkannt worden und die Flüchtlinge von Widdin, deren Chefs sich jetzt in Schumla befanden, würden einfach nur ins Innere des Reiches gebracht werden. Weiter meint es: die fried­lichen Absichten Oesterreichs seien bekannt und seine definitive Antwort werde nicht von der des russischen Hofes abweichen. Die diplomatischen Beziehungen Oesterreichs und Rußlands zu der Pforte seien auf dieje Weise wieder hergefteUt, und die ganze Angelegen­heit könne als beendet angesehen werden.

Am 3. versammelte sich der türkische Ministerrath in Folge der von Odessa eingelaufenen Depesche. DaS englische Geschwader befand sich am 5 noch fortwäh­rend in den Dardanellen. Ilebvigend übten diese Nach­richten auf die Börse gar keinen Eindruck, vielmehr gingen die Kurse etwas zurück, besonders die Aktien der Eisenbahnen. Hieran war vor allem eine Kund­machung Schuld, worin die Direktion der Kaiser-Fer­dinand-Nordbahn bekannt machte, daß sie in Folge bey Einkommensteuergesetzes vom 29. Oktober bei der Aus- zahlung der Coupons sowohl, wie der Partial-Obliga- tionen die fünfprocentige Steuer mit 3 Kreuzer für einen Gulden in Abzcig bringen werde.

Wien, 19. November. Soeben verbreitet sich das Gerücht, daß der unglückliche Nikolaus Lenau gestor­ben sei. (H. B.)

Schleswig-Holstein. In und bei Sonderburg wird gegenwärtig wieder sehr stark geschanzt und vei- pallisabirt.

Neuerdings haben die Prediger verschiedener Prob- steien im Herzogthume Holstein an ihre Amtsbrüder in Schleswig Worte des Trostes gerichtet, und sie ge­beten, mit Muth auszuhärren in dem rechtlichen Kampfe gegen Unterdrückung.

G r V ß b r i t a rr sr i e'N.

London, 17. November. Da bekanntlich weder die englische Regierung, noch die englischen Kammern für die Volkserziehung irgend etwas Erhebliches thun aus welchem Grunde, darüber herrscht hier unter den Einsichtsvollen seit lange kein Zweifel mehr — so bleibt die Verbesserung des jämmerlichen Schulwesens den Bestrebungen der Einzelnen überlassen. Und pnnaum wird denn auch au manchen Orten mit rüyinlichem Eifer dafür gearbeitet. So werden jetzt von einem Vereine, der sich in Manchester gebildet hat, mit den