schaftlichen Tüchtigkeit, welcher er volle Anerkennung angedeihen läßt, so ziemlich Alles abgesprochen und sogar sein Familienleben angetastet wird. Von Roß- , mäßler's „politischem Getreide" heißt es unter An- denn: „cs ist auch sein politischer Einstuß auf die jungen Männer zu fürchten;" ferner: „dann aber läßt sich nicht verkeilen, daß die Wirksamkeit des Professor Roßmäßler auf den Ruf der Universität nicht günstig wirkt, weil die Eltern und Vormünder der meisten Jünglinge von dessen extremen politischen Getreide einen Schluß auf die politische Haltung des akademischen Gesammtkörpers machen, und dann ihre Angehörigen lieber auf eine Anstalt bringen, wo sie sicher । sind, daß vou denselben — — — das Gift der Demokratie nicht eingesogen wird!" „Es kann daher nicht dringend genug anheim gegeben werden rc. rc." Zum Schluß heißt es dort: „es dürfte dabei rathsam erscheinen, daß derselbe hier gar nicht wieder in Wirksamkeit tritt, und glaube ich, daß für den nächsten Winter sein bisheriger Stellvertreter zu gewinnen sein wird, während man dann Zeit hat, für die definitive Besetzung der Professur bis Ostern k. I. die nöthigen Schritte zu thun." Demnach gewinnt die Suspension Roßmäßler's eine andere Bedeutung. — Wizard in Dresden hat am 3. d. M. eine ApeUationsschrift gegen das wider ihn, wie gegen Roßmäßler eingeleitete Kriminalverfahren eingereicht. Es ist ein juristisches Meisterstück und wird in wenigen Tagen im Buchhandel erscheinen.
Dessau, 12. Nov. (Nat.-Ztg.) Die Auflösung des Landtags ist heute in Cöthen erfolgt. Wir zweifelten schon längst nicht mehr daran, daß jene bald erfolgen werde und bewunderten nur, wie ein großer Theil des Centrums im Landtage sich der Idee hingeben konnte, durch Inkonsequenz und Nachgiebigkeit jene längst feststehende Maßregel aufhalten zu wollen. Nachdem die Nachricht über jene Auflösung heute von Cöthen hier angelangt war, brachte man Abends dem vormaligen Minister Habicht sowie den Abgeordneten Köppe, Fiedler, Philippson, Degener und Würdig einen Fackelzug, bei welchem sich eine große Volksmasse betheiligte. Die Anordnung neuer Wahlen haben wir schon morgen zu erwarten, da jene im Falle einer Landtagsauflösung verfassungsmäßig binnen 24 Stunden erfolgen muß.
Hamburg, 13. Nov. Klapka ist gegenwärtig in Brüssel. Ein Unwohlsein, welches die Folge der ihm in Düsseldorf widerfahrenen Kränkung sein soll, hält ihn daselbst fest.
Kiel, 11. Nov. (H. N.) Wie verlautet und hier überall erzählt wird, hat die Landesversammlung in ihrer letzten (geheimen) Sitzung folgenden Antrag fast einstimmig angenommen: Die Statthalterschaft wolle dahin wirken, wenn nicht anders, so durch Wiederauf- nahme lus Krieges, daß der ungesetzliche Zustand in Schleswig ein Ende nehme; zu dem Behuf werde sie autorisirt, die Verhältnisse der Offiziere, namentlich mit Rücksicht auf pekuniäre Verhältnisse, ganz ihrem Ermessen gemäß zu ordnen; nnd endlich mögen für die Wiedererneuerung des Krieges der Statthalterschaft die nöthigen Gelder bewilligt werden. —
Berlin, 14. Novbr. Ein Schreiben Venedey's an den Redakteur der National-Zeitung hinsichtlich seiner Ausweisung lautet folgendermaßen!
„Herr Redakteur! Indem ich meiner Ausweisung aus Berlin ohne Widerstand, ja ohne Protest nachkomme, glaube ich mich verpflichtet, die Gründe dieses Benehmens öffentlich darzulegen. — Das Gesetz, wie es vor dem März bestand und noch heute besteht, gibt jedem Preußen, der nicht als Verbrecher zu polizeilicher Aufsicht verurtheilt ist, oder nicht als Bettler der Gemeinde zur Last fällt, das Recht in Preußen zu wohnen, wo es ihm beliebt. Vor dem März würde ich, auf dies Gesetz gefußt, nur der Gewalt gewichen sein, um durch Offenlegung der Gewalt das Gesetz selbst zur Anerkennung zu bringen. Ein solches Ergebniß gesetzlichen Widerstandes scheint mir gegenwärtig nicht mehr möglich. Die Zustände, wie sie heute in unserem unglücklichen Vaterlande bestehen, sind der Art, daß sie, gleich dem von hohem Berge herabgestoßenen Wagen, ihrem Geschicke im Abgrunde unabläßlich und unaufhaltbar zurollen werden. — Ohne möglichen Erfolg zum Besten des verletzten Gesetzes protestiren, um nur zu protestiren, ist nicht meine Sache. Ich werde ruhig meinen Weg weiter ziehen, und nach wie vor durch Wort und That dazu beizutragen suche», daß in unserem Volke ein Geist der ruhigen Manneswürde, der stolzen Freiheitsliebe, der demüthigen Achtung vor wahre», Rechte und wahrem Gesetze immer allgemeiner erwache, der es dereinst, wenn diese Tage der Prüfung vorüber sein werden, würdig »lache, frei, groß und mächtig unter den Brudervölkern Europa's dazustehen. Berlin, den 14. November 1849. Venedey."
Wien, 10. Rov. Eine gehabte Unterredung des Lord Ponsonby mit dem Fürsten Schwarzenberg hat die Folge, daß ersterer Wien und Graf C o l- loredo London verlassen wird. Die englischen Gesandten werden, wie wir hören, alle Whig-Attachoe's begleiten und einstweilen nur ein chargé d’affaire die laufenden Geschäfte besorgen. Auf eine gefahrdrohende Collision zwischen den beiden Mächten darf jedoch hieraus nicht geschlossen werden. In einem höheren Kreise suchte man dies dadurch zu versinnlichen,
daß man sagte, es geschehe dies bloß, weil Lord Ponsonby die Wiener Winde und bem Grafen Collo- red o die Londoner Nebel nicht zusagen.
Nepulslik Frankreich.
Paris, 11. Nov. (Nat. Z.) Es gibt, sagte unlängst ein Mitglied der Nationalversammlung, für Bonaparte nur drei denkbare Wohnstätten: „die Tui- lerien (das Königsschloß), oder Vincennes (das Staats- gefängniß), oder aber Clichy (das Schuldengefängniß); die Alliierten, wenn er siegt, Vincennes, wenn er besiegt wird, Clichy, wenn er bürgerlich, unverfänglich an das Ende seiner Präsidentschaft gelangt und der Schaar seiner Gläubiger verfällt." Vielleicht ist das Trilemma nicht vollkommen richtig, vielleicht ließe sich in der zweiten Unterstellung ein anderer Ausgang denken ; bemerkenswerth bleibt es aber, weil es die Lage des Präsidenten, seine Gesinnung, seinen Stand, seine Hoffnungen und Befürchtungen, so wie sie von der öffentlichen Meinung beurtheilt werden, in ausdrucksvoller Weise schildert.
Daß Louis Napoleon Bonaparte nach dem Kaiserthrone strebe, ist der allgemein verbreitete Glaube, der im Benehmen, den Worten und den frühern Thaten des Präsidenten seine Gründe hat. Der Neffe des Kaisers glaubt an sein „Gestirn," das ihm den Thron verheiße; er gefällt sich,-süß berauscht in den Vorstel- lungen einer Größe, zu der ihn, aufrichtig gesprochen, nichts, gar nichts zu berufen scheint. „Wie er sich räuspert, wie er spuckt..." und das nur stümperhaft; mag er dem Kaiser abgeguckt haben, aber weder der Soldatenrock, den er unbefugt sich umhängt, noch der in fabel haften Summen an die Regimenter verschwendete Champagnerwein, noch die eben chergerich- teten kaiserlichen Gemächer in den Alliierten werden aus dem vorübergehenden Bewohner des Elysee National jemals einen Helden, einen ruhmgekrönten Imperator machen, der das Schicksal Frankreichs zu lenke» vermöchte. Als Wallenstein von Eger aus Böhmen für sich behalte» wollte u»d die Hand nach Wien ausstreckte (falls die Anklage seiner Feinde, der Jesuiten, gegründet ist) hatte er das katholische Deutschland gegen die Fluth des Protestantismus geschützt und das österreichische Kaiserhaus vom Untergang gerettet. Als Cromwell, der schlaue Mystiker, in einer seiner „unwillkürlichen" Anwandlungen „plötzlich von keilt Geiste des Herrn ergriffen" das lange Parlament auseinander trieb, hatte er Die tyrannischen Anmaßungen Kar! L besiegt, den Dünkel Der Aristokratie geve- müthigt und den Waffen des Volkes allenthalben Sieg und Achtung errungen. Als Bonaparte am 18. und 19. Brumaire den Rath der Alten und der Fünfhundert in St. Cloud zum Fenster herausstürzte, wehte noch um sein Haupt die frische Glorie Der italienischen Feldzüge und seinen Namen verherrlichten die Schlachten am Berg Tabor und den großen Pyramiden in Egypten. . . Was aber, welche Berechtigung brächte Louis Napoleon Bonaparte zur Cr- »euerung eines so frevelhaften Angriffes gegen die Konstitution und die Republik, die er eben erst feierlich beschworen? Was? Nichts als Die Erinnerung zweier verunglückten Schilderhebungen, die Sackgasse in Straßburg und den zahmen Adler von Bou- jogne, zwei Spottbilder, Die vernichtend wirken, in einem Lande, wo die Lächerlichkeit ein Verbrechen ist und der Spott tödtet. Ich weiß es wohl, um Die Person des Präsidenten bewegt sich eine wilde, wüste Bande, eine Art Buschklepper und Beutelschneider im Große», fressendes Gewürm . . . fruges consumere nati, die, unbekümmert und Recht unv Weisheit, Verfassung und Gesetz, den Gebieter und Meister zu jeder Thorheit anspornen, die ihre Beutel füllen und ihre Launen befriedigen könnte; allein ein Anderes ist der verwegene Willen, gefaßt im Rausche, der nicht immer idealer Natur ist, und ein Anderes ist die That gegenüber einem Volke, daß Kraft, Muth und Entschlossenheit besitzt, gegenüber einer Bourgeoisie, die sich zwar zuweilen zu kindischem Bedauern iiiiD kleinlichem Groll gegen die Freiheit verleiten läßt, die aber vor Allem ' Ruhe, Frieden, Sicherheit für Handel und Verkehr verlangt, Wohlthaten, Die sie im Zweifel stets eher von der Erhaltung des Status quo, als von neuen Kämpfen und Wirrnissen hofft; einem Heere gegenüber, ; das zwar dein eisernen Gebote der Disziplin gehorcht, 1 sonst aber in seinen oberen Schichten zum Theil legi- timistische, 311m Theil orleanistlsche Clemente enthält, - und in Den untern Lagen, vom Lieutenant bis zum Gemeinen hinab, der Republik wärmer als irgend einer ander» Verfassung anhängt.
klebtrhaupt, die bloße Vorstellung eines Staatsstreiches, stößt allenthalben auf den entschiedensten Widerwillen und in diesem Sinne möge man die Erklärung, die Verwahrung deuten, die der Präsident im „Moniteur" ergehen läßt. Wunderbar und ergötzlich ist die Veränderung in Haltung und Sprache, welche die nahe geglaubte Gefahr auf der rechten Seite der Nationalversammlung hervorgebracht hat. Lauter gute, ehrliche Republikaner, die nichts aufrichtiger wünschen, als die Erhaltung, Befestigung und Entwickelung der Konstitution, Schutz des Gesetzes gegen alle amnaßliche'-- Uebergriffe und Fortschritt der Demokratie und der Volksfreiheiten. „Wir, etwas gegen die Konstitution, gegen die Republik unternehmen, wir? rufen Herr Thiers und Herr v. Broglie aus, wir eine Restauration zu Gunsten Heinrichs V. oder des Prinzen von Joinville beasichtigen! Welche Verleumdung, es gibt
Niemand, der dem Volke besser ergeben wäre, als wir, und zum Beweise unserer Worte sind wir bereit, uns selbst mit Euch . . . den Rothen vom Berge, zu vereinige!», um die frevelhafte» Anmaßungen des Elisee zurückgewiesen!" ... Rührende Hingebung, aber etwas verspätete Bekehrung einer Partei, die vor kaum 10 ^agen in ihren Versammlungen üben bie besten Mittel berieth , in offenem Mampfe das Ministerium Barrot zu stürmen, über dessen Fall sie nun weint; in diesem Ministerium den Präsidenten Bonaparte selbst anzn- greifen und über seine Leiche hinweg den Sturz der Republik und die Wiederherstellung der Bourbonen- Herrschaft zu erlisten.
In einigen Tagen wird sich die Aufwallung der Gemüther legen, aber die Lehre bleibt, uud die Früchte derselben sind für die Demokratie, die allein sich ruhig, fest und unerschütterlich gezeigt hat, voll Vertrauen in ihr Prinzip, den Feind bewachend ohne ihn zu fürchten. Die Gefahr, die unverkennbar der jungen Freiheit in ihrem kräftigen Aufschwünge in Frankreich droht, besser gesagt, die Hemmungen der Freiheit, kommen nicht sowohl von den Prätendenten vnb von bevorstehenden neuen Revolutionen, als von dem innern , verborgenen, verhaltenen Widerstande der Besiegten gegen die neue Ordnung der Dinge. Die lebende Generation der Begünstigten und Glücklichen kann es noch nicht verwinden, daß sie den Süßigkeiten eines privilegirten Besitzstandes auf immerdar Lebewohl sagen soll; sie schmollt, stemmt und sträubt fich in knabenhaftem Groll, sie wühlt und untergräbt, aber im großen Ganzen entfaltet der Genius der Freiheit jeden Tag kräftiger seine sieghaften Schwingen über Frankreich, und ist erst der Geist des Volkes gewonnen , wird die positive Gesetzlichkeit bald sich pflichtschuldigst verbeugen. Ein wenig Geduld und Beharrlichkeit, Alles mahnt dazu, und die Winke und Er- muthigungen der Geschichte mangeln nicht.
Paris, 13. November. Man versichert, Herr v. Nayneval habe die Annahme des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten erklärt, und werde zu Anfang der nächsten Woche hier eintreffen. — Seit der Einsetzung des neuen Cabinets arbeitet der Präsident der Republik direkt mit dem Abtheilungsvorstehern des Ministeriums des Auswärtigen und entscheidet in den Angelegenheiten dieses Ministeriums. (M. Z.)
Paris, 13. Nov. (Mz. Ztg.) In einem neueren Werke über die Arbeiterklassen werden folgende interessante Notizen gegeben: Die Zahl der in Paris ansässigen Arbeiter ist 75,000, die der herumziehenden ist 30,000, von denen zwei Drittel an den Bauten beschäftigt sind; die Zahl der Arbeiterinnen beträgt 60,090. Hierzu muß man 10,000 Straßenjungen und 4000 Lumpensammler zählen. Die Zahl derer, auf welche die Polizei immer ein wachsames Auge haben muß, beläuft sich auf 86,000; sie besteht aus öffentlichen Dirnen, Dieben, Hehlern rc.
Großbritannien.
(Irische Zustände.) Der Winter kündigt sich in Irland unter sehr traurigen Vorzeichen an? Dieses unglückliche Land, das während der neuesten, rasch auf einander folgenden Ereignisse in Europa einen Augenblick vergessen war, hat seit einige» Wochen wieder das leidige Vorrecht erlangt, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Verschiedenartige Unruhen sind daselbst zum Ausbruch gekommen. Die Lehren Jung-Irlands sind auf dem Punkte, ihre Früchte zu tragen. Sowie die Erinnerung an die Lehren O'Connells schwindet, kommen die Unordnungen, die sein großer und mächtiger Geist stets beschworen hatte, allmählich wieder zum Vorschein und drohen, das arme Land zu de» schlimmsten Zeiten, die cs erlebte, zurückzuführe». Kaum sind die geheim e it Gesellschaften der Bauern, die seit langer Zeit durch die Energie des „Befreiers" unterdrückt und vom irländischen Boden fast ausgerottet waren, wieder aufgetaucht, als sie auch überall Schrecken verbreiten. Sie halten ihre nächtlichen Zusammenkünfte, richten und verurteilen die Landlords oder deren Agenten, über die sie sich zu beklagen haben. Die Verschworenen schreiten kaltblütig und sogar bei hellem Tage auf den Heerstraßen zur Vollstreckung ihrer Ao= desurtheile. Mehrere unter den empörendsten Umstän- de» verübte Mordthaten haben die begüterte Klasse in die tiefste Bestürzung versetzt. Solche Verbrechen sind das Erzeugniß des Kampfes zwischen den kleinen Pachter» uitd den Grundeigenthümerir! Betreiben Letztere hartnäckig die Zahlung des rückständigen Zinsen, nehmen sie die Ernte in Beschlag; setzen sie die schlechten Zahler- gewaltsam aus ihren Besitzungen heraus, so zögern die Schlachtopfer ihrer Strenge nicht mit ihrer Rache, indem sie die Grundeigenthümer ihrem Hasse opfern' Diese verwegenen Mordthaten stehen mit einer allgemeinen Bewegung in Verbindung, die ebenfalls von den nämlichen geheimen Vereinen geleitet wird und den Raub zum Zwecke hat. Ziemlich gut orgamsirte Banden durchziehen die Grafichafteu, und nehme» mit bewaffneter Hand alles weg, was sich auf ihrem Wege findet. Bei ihren Plünderungen hinterlassen sie wenigstens Verderben und Rchrecken, wenn esddabei auch nicht oft zum Blutvergießen kommt. Der religiöse Zustand Irlands ist nicht weniger traurig, als der sociale. —
