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nach sehnen in den eisernen Armen der preußischen Gottseligkeit erdrückt zu werden.

Wie kann nun Jemand bei jo bewandten Umstän­den die Behauptung ausstellen, die Versagung des Sonderbunds werde die Einheit Deutschlands herbei­führen? Nein, gerade dieser Sonderbund beweist die Zerspaltenheit unseres unglücklichen Baterlandes, gerade dieser Sonderbund wird Deutschland noch mehr ent­zweien, noch weiter auseinander zerren.

Man spreche uns auch hier nicht von der Revision, welche etwa der Reichstag noch an dein Entwurf vor­nehmen soll. Wen die Auflösungen der Reichstage in Olmütz, in Berlin, in Frankfurt, und die damit verbundenen Oktroyirungen nicht belehrt haben, wie die Königshöfe die Volksvertretungen als eine un­nütze Last sofort bei Seite werfen, wenn letztere nur irgend Miene machen ein dynastisches Recht anzu- tasten — wahrlich der ist überhaupt jeglicher Beleh­rung unzugänglich; und nach den genannten Vorgän­gen verräth das Vertrauen auf die Macht eines revi- direnden Reichstags namenlose Beschränktheit oder gar Arglist.

Recapituliren wir. — Die Einheit Deutschlands ist im Augenblicke unerreichbar, auS dem einfachen Grunde, weil die Schaffung dieser Einheit wieder ledig­lich den Fürsten anheiingegeben ist, letztere aber selbst niemals einig werden, nie einig werden können. Wenn die demokratische Partei gesiegt hat, und wenn in Folge dieses Siegs die Volkspolitik, anstatt der Dynastenpo­litik, wieder die Geschicke Deutschlands bestimmt: wird Deutschland mit der Freiheit auch die Einheit erringen, früher aber nie! —

Der preußische Entwurf aber, in ganz widerrecht­licher Weise entstanden, vernichtet die Freiheit und Einheit Deutschlands gleichmäßig.

Was also Nassau diesem Entwürfe gegenüber, wenn es seine Ehre unbefleckt bewahren will, zu thun hat, ergibt sich nunmehr von selbst.

Nassau hat die Verfassung vom 28. März aner­kannt, und letztere genießt in unserm Lande Nechts- und Gesetzeskraft, und in dem für unser Land seit dem 1. Juli rechtsgültigen Strafgesetzbuche heißt es in 8. 138: „Unternehmungen, welche gegen das Dasein, die Integrität, die Sicherheit oder die Verfassung des deutschen Reichs gerichtet sind, sollen nach Maßgabe der Art. 129—134 (welche vom Hoch- und Landesverrathe handeln) beurtheilt und bestraft werden." Wenn nun auch Nassau für sich allein ein deutsches Reich nicht Herstellen kann, wenn es sich auch angele­gen lassen sein muß: nicht in einer isolirten Stellung zu verharren, so darf es doch nie einem Staatenbunde beitreten, welcher das Wesen, die Freiheiten der bei uns rechtsgültigen Verfassung auf­hebt. Vielmehr muß Nassau vor Allem sich an die Staaten anzuschließen suchen, welche am meisten bereit sind die „Freiheiten des Volks" welche die Verfassung vom 28. März enthält, ernstlich und wirklich aufrecht zu erhalten.

Nassau darf sich also auch nicht damit begnügen, die Anerbietungen Preußens zu prüfen und zurückzu­weisen: es muß zusehe», ob die Freiheit Nassau'ö nicht in einem Bunde mit andern Staaten, den süddeutschen Staaten namentlich, besser gewahrt werden kann. Die Aufrechthaltung der Volksfreiheiten, welche die Ver­fassung vom 28. März garantirt — insbesondere der Grundrechte und des Wahlgesetzes — muß aber, wie gesagt, die Bedingung sein, von welcher Nassau seinen Beitritt abhängig macht; und ohne Zweifel wird auch der Staat, der sich am festesten auf die Grundrechte des Parlaments in seinen Einrichtungen stützt, den be­sten Grundstein zur deutschen Einheit legen.

Wenn es Nassau aber nur möglich sein wird, mit Verlust der ihm nach der Verfassung vom 28. März zukommenden Volksrechte und Freiheiten, einen An­schluß an andere deutsche Staaten zu erlangen, wenn es seine Ehre preisgeben soll, um das Trugbild einer

eingebildete» Einheit zu erhasche», so muß es seine eignen Freiheiten auch allein festhalten. — Wenn Nassau nach diesen Grundsätzen, welche Ehre, Recht und Zweckmäßigkeit gleichmäßig vorschreiben, fein Ver­halten in der deutsche» Frage einrichtet, so wird sein Name mit Ruhm unb Hochachtung im gesummten Va­terlande genannt werden. Wir wollen sehen, ob die Landstände, denen es obliegt im Namen des nassaui­schen Landes in dieser Sache zu handeln, »ach diesen Grundsätzen verfahren werden.

W er s s a u j f ch e r Landtag.

Wiesbaden. (Sitzung vom 25. Juli.) Nach Uebergabe einiger Petitionen erhebt sich der Abg. Großmann und stellt nach Verlesung einer langen staatsrechtlichen Dedution, in welcher er beiläufig den berüchtigten Malmöer Waffenstillstand lobend erwähnt, den Antrag:

„zu der Negierung das Vertrauen auszusprechen, daß sie im Verein mit den übrige», bei der dänische» Waf- fenftillstandskonvention nicht betheiligte» deutsche» Re­gierungen, der Schleswig-Holsteinischen Statthalter- terschaft die angesprochene Hilfe nicht versage und zu dem Ende die Nassauischen, in Schleswig stehende» Truppe» vorerst dort belasse."

Naht schließt sich dem Anträge an, indem er da­rin zugleich den Willen erkennt, fortwährend die früheren Beschlüsse der deutschen National Versammlung anzu- erkennen und bei dem gegenwärtigen Zustande der Cen­tralgewalt die Ausführung derselben in die Hände zu nehmen.

Habels Antrag,*die Sache an eine Kommission zu verweisen, findet keine Unterstützung und Groß­manns Antrag wird sodann mit allen gegen eine Stimme angenommen. Auf Heyd eure ichs Antrag wird beschlossen, die Schleswig-Holsteinische Landesver- sammlung sofort von dem gefaßten Beschlusse zu be­nachrichtigen.

Auf Lang's wiederholte Anfrage gibt der Mini­ster die Auskunft, die Nassauischen Truppen in Schles­wig standen nach wie vor unter dem Oberbefehl des Generals Prittwitz.

Es wird sodann zur Tagesordnung, der Fortsetzung der Berathung über die Centralverwaltungsorganisa­tion, übergegangen und es werden nach kurzen Dis­kussionen die §§. 17 bis zu Ende mit den Kommis- fionsabänderungen angenommen. Endlich wird noch ein von der Kommission beantragtes Besoldungsregle­ment für die Centralbehörden als „Abschnitt V., Be­soldungen", aus 9 weiteren Paragraphen bestehend, mit einer von Lang beantragten Herabsetzung, resp, bessern Regulirung der Diäten, angenommen.

Hierauf beantragt Lang mit Beziehung auf die Antwort des Ministers, auf seine zu Anfang der Si­tzung gestellte Anfrage zu dem G r o ß m a n n'schen Antrag den Zusatz: unsere Truppen in Schleswig dem Oberbefehl deS Generals Prittwitz zu entziehen und sie nur einem der Sache der Herzogthümer ergebenen Obercommandanten zur Disposition zu stellen.

Großmann will den Antrag an die Commission über die deutsche Frage überwiesen haben und „dieser Antrag wird mit 22 Stimmen angenommen", somit der La ng'sche, der auf etwas mehr als bloße Redens­arten hinauslief, verworfen!! Auf diese Art kann man freilich auf eine sehr wohlfeile Weise den Schleswig- Holsteinern Hülfe versprechen und sich selbst den Ruhm des Patriotismus erwerben!

Der Präsident setzt auf die nächste Tagesord­nung (Samstag) den Commissionsbericht über die deutsche Frage, wogegen Lang, Naht, und Wimpf remonstriren und statt dessen die Berathung der Ver­fassung verlangen. Nach einer kurzen hieran ange­knüpften Debatte, tu welcher der Ministerpräsidint un­ter Anderm erklärt, wenn die Versammlung die Be­rathung der deutschen Frage länger hinausschöbe, so

würde er dies als eine Ermächtigung zu selbstständigem Vorschreiten für die Regierung ansehcn (!!), wurde der Antrag Lang's gegen 15 Stimmen verworfen.

Fresenius beantragt, gegen die Geschäftsordnung, einen neuen Ausschuß für nochmalige Prüfung der Verfassung zu wählen!! Der Antrag wird dann aber doch abgelehnt.

D c u t s ch l a n d.

± Wiesbaden, 24. Juli. (Komisches Citat der Nass. Allg. Ztg. gegen das allgemeine Stimmrecht.) Die Nassauische Allgemeine Zeitung hat kürzlich bei einem ihrer herkömmlichen Angriffe auf das allgemeine Wahlrecht (— ein Recht, das bei uns nicht bloß auf einem zwischen bem Regenten und dem Landtag verfassungsmäßig zu Stande ge- k o m menen, publicirte n und p r o in u l g i r t e n Gesetz beruht, sondern bekanntlich auch auf den Forderungen und Verwilligungen des 4. M ärz, von welchen der Herzog oftmals ver­sichert hat, daß er sie heilig halten wolle, und daß er nur „Treue um Treue" verlange —) auch unsern großen Dichter Schiller als Gegner des allgemeinen Wahlrechts citirt.

Die citirten Verse lauten:

„Man^soll die «Stimmen wägen und nicht zählen;

Der Stnnt muß unterzehn, früh ober spät

Wo Mehrheit herrscht, und Unverstand entscheidet."

Man sieht aber aus der Art, wie die Nass. Allg. Ztg. citirt, daß sie diese Worte nicht im Schiller selbst gelesen, sondern wahrscheinlich der freundnachbarlichen Oberpostamtszeitung entliehen hat, in welcher, zur Zeit ihrer höchsten schwarzweißen Blüthe, sie angeführt waren. Denn das ganze Citat ist grundfalsch. Diese Worte sind nicht Schiller's eigene Worte. Sie sind bloß einer Nebenperson eines seiner Drama's in den Mund gelegt. Sie stehen in bem nachgelassenen Bruchstück eines Trauerspiels „Demetrius." Dieses Drama spielt größtentheils in — Rußland, und die Worte werden gesprochen auf — bem polnischen Reichstag, der bekanntlich nicht aus allgemeinem Stimmrecht hervorgegangen war. Wir bedauern die „Allgemeine" wegen ihrer literarischen Ignoranz und rathen ihr, bei dem Gebrauch von Citaten vorsichtiger zu sein.

O Mosbach, 23. Juli. Heute Morgen gegen 4 Uhr erschienen in den Straßen vier Preußen, die es jich einfallen ließen, mit ihren Seitengewehren an Fen­sterläden zu schlagen, Fenster zu zerbrechen, mit Pisto­len zu feuern, dabei wie Besessene zu schreien und zu toben, so daß unsere Orts- sowie viele Einwohner Biebrichs auf schreckhafte Weise aus dem Schlafe ge­rissen wurden. Eine Tracht Prügel, die sie ihres viehischen Benehmens wegen von einigen starken hiesigen Bürgern erhalte» habe» solle», scheint sie nach Biebrich getrieben zu haben, wo sie im Felde, in der Nähe des Bahnhofes, mehreren Kornschnitterinnen auf handgreif­liche Weise ihre Liebeslust zu beweisen versuchte». Einem in der Nähe ackernde» Knecht, der die 4 Ju- fanteristen darüber zur Rede stellte, erwiederten sie: „Was willst du Bauer?" und der Eine warf sich aufs Pferd, während ein Anderer dasselbe vom Pfluge be- freite. Dieß veranlaßte den Knecht nach Hülfe zu rufen, die ihn^ sofort durch Vermittlung eines Zu­schauers verschafft wurde. Die Biebricher Wache ward requirirt und es gelang ihr zwei der Besessene» zu erhaschen, während zwei die Flucht ergriffe». Hierauf wurde der Vorfall »ach Mainz berichtet; einige Stun­den später erschien eine preußische Wache und nahm die Gefangenen in Empfang, die wohl eine ernste Strafe verdienen, wenn sie ihnen nicht vielleicht huld­reichst erlassen wird: da sich jene bei ihren Ausfällen der Worte: „Es sind lauter Demokraten!" öfters bedient haben sollen.

folgt: „Nachdem die französische Republik den Dolch der Croaten gewetzt, schärft sie das Beil des Czaren." Daher zählen wir auch gar nicht auf Frankreichs Unterstützung in unserm gegenwärtigen Kampfe der Freiheit, im Kampfe mit dem Despotismus. Wenn man mit Kvssnth über die französische Republik spricht, antwortet er mit einem mitleidigen Lächeln und seinem gewöhnlichen Wohlwollen: „Laßt die Greise in Frieden sterben und stellt nicht solche Forderungen an die Hinfälligkeit, wie man sic nur an die lebensfrische Jugend zu stellen berechtigt ist." Unter- desscu entwickelt dieser, in unserer Zeit so ausgezeichnete Mann eine Thatkraft, die man sich vergeblich vollständig zu beschreiben bemühen würde. Trotz seiner angegriffenen Gesundheit, verrichtet er Wunder der Thätigkeit! Auf einer Feldkarre, neben sich feine Frau und sein einziges Kind, dluchleis t er das Land von einem Ende znm andern, ermuntert das Volk zur Ergreifung der Waffen, und überträgt auf die ganze Nation jenes siedende Feuer, welches sein lebendiges Antlitz so glänzend umstrahlt. Zu­weilen tiifft er, im Lager seiner Krieger angekommen auf eine Abtheilung, bei welcher Mangel an Lebens­mitteln und Kriegbedarf, eine natürliche Folge jeden Nationalitäts-Krieges, Entmnthigung hervorzurufen droht. Dann stellt er sich auf seine Feldkarre, spricht in drei oder vier verschiedenen Gruppen nacheinander, damit alle ihn verstehen können, und ist er nach solchen Reden noch nie weiter gcreiset, ohne daß die Soldaten nicht ihren Mangel und ihre Beschwerden vergessen hätten. Voll

der Begeisterung fassen sie auf's neue den Muth, dem Vaterlande den letzten Blutstropfen darzubringen, und einem Freunde den Garaus zu machen, der das Vater­land in so unsägliches Unglück gestürzt hat. Dies ist eine Kampfes weise, die an die Kommentare Cäsar 's er­innert. Uebrigens darf nicht außer Acht gelassen werden, daß der gegenwärtige Regierungs-Chef in Ungarn einen mächtigen Beistand in seinen Offizieren hat. Görgey, welcher in seinem letzten Gefechte am Arme eine leichte Wunde erhalten, liefert den Beweis, daß Revolutionen nur durch junge und frische Leute vollbracht werden können. Die Kenntnisse und Erfahrungen räumen der Jugend den Play ein, und in jeder Volksbewegung sind die Fehler der Begeisterung den geringfügigsten Ungenauigkeiten in den vorsichtigen Berechnungen vorzuziehen.

Dembinski, der sich in diesem Augenblicke nach der galizischen Grenze hinzieht, sucht den russischen Ge­neral Paskiewitsch in bas Innere Ungarn's zu lecken. Sie kennen diesen General Dembinski wohl; er hat unter den französischen Adlern alle «feine millitärischen Grade errungen

Während der 18 Jahre seines Aufenthaltes in Frank­reich war es sein einziges Dichten und Trachten, an der Spitze einer Armee von» 50,000 Mann dem nor­dischen Coloß den letzten Todesstoß versetzen zu können. Seine Träume gehen der Verwirklichung entgegen; denn obschon Ihnen, fern vom Theater der Thatsachen , meine Redensart abgeschmackt scheinen möge, so ist es doch nicht minder wahr, daß wenn cs Dembinski bei dem

ersten Haupttreffen gelingt, die Russen zu vernichten, Ungarn gerettet ist, umbaun der polnische General unanfhalt- sam in Galizien und das Königreich Polen cindringen wird.

Die russischen Truppen sind auf das höchste bemoralifirt, der ungarische fKrieg ist in Rußland so unpopulär als nur möglich, fimd wenn ich nicht fürchten müßtef, daß mein Brief irgendwie in unrechte Hände gerietst, so wäre ich vielleicht im Stande zur Erhärtung meiner Worte Thatsachen auzufüstreu. Dembinski ist ein General Ariosies, für ihn besteht keines Unmöglichkeit; es bedarf für ihn nur des ersten guten Erfolges, und er unternimmt die anscheinend unbegreiflichsten Plane. Der cr|te gelungene Handstreich bezaubert ihn, bringt ihn in Versuchung unb treibt ihn^zum Weitergehcu. Hierin ist er von Bem verschieden , bei dem die Ausdauer die vorzüglichste Eigen­schaft zu sein scheint. Bem kann geschlagen werdens; aber niemals ist er zu entmutigen noch zu vernichten. . Sein Charakter ist kalt, zähe, ja hartherzig; was ihn ' von seinen Landsleuten auszeichnct, bei denen im Allgc- ' gemeinen der Eifer dem Nachdenken überlegen’ ist. Die I Szckler, der kriegerichste Volksstamm unter der Bevöl­kerung Ungarns) sehnen^ sich mit Ungeduld dem Augen­blicke entgegen , wo der russische General Lüders den Kampf in den Gebirgen von flranssvlvanien annimmt; aber ich fürchte für den Kaiser von Rußland, daß ihn gar bald die Sieges nachrichten Bem's überraschen werden. Sie sehen^nach dem , was ich Ihnen schreibe, daß wir weit da­von entfernt sind, den Muth zu verlieren.