Erdbebens, es sind die ersten Erschütterungen, immer i heftiger kommen die Stöße, immer verheerender wer- I teil die Wirkungen, aber noch ist es Nacht, die Morgenröthe naht, bald wird die Sonne aufgehen, und mit Schrecken und Entsetzen wird man gewahr werden wie der glühende Lavastrom über die Erde dahin fließt, und diejenigen, die sich ihm entgegenstemmen wollen, werden einsehen lernen, daß es unmöglich ist, den furchtbaren Strom aufzuhalten.
Frankfurt, 7. Juli. Der Horizont verfinstert sich um unsere konstituirende Versammlung des Freistaats Frankfurt. Das Verfassungsgebäude ist gut demokratisch gebaut; es ist aber der Boden nichts nutz, auf welchem es errichtet wird; die Bourgeoisie und die geldmächtige Bevölkerung sind konservativ, die Frankfurter Luft ist aristokratisch — wie kann bei solcher Umgebung eine durch und durch demokratische Verfassung gedeihen? Sie ist vollendet, und es fehlt nur noch eine Kleinigkeit, — die Annahme. Das ist d^e gefährliche Klippe! Dabei sind, man muß es gestehen, die Bauherrn der Verfassung sehr unvorsichtig, um nicht zu sagen: unklug. Sie haben jetzt eine Saite angeschlagen, die einen Mißton in die ganze Bevölkerung geschleudert hat, sie haben die konfessionellen Vor- nrthcile berührt, sie haben dekretirt, daß der Religionsunterricht kein integrirender Theil der Volksschule mehr sein soll. Hierin sind sie sogar weiter gegangen, als die Grundrechte gingen und sie haben sich eine ganz neue Classe von Feinden geschaffen, die Geistlichkeit und alle diejenigen, die schwach an Ueberzeugung und stark an dogmatischen, herkömmlichem Glauben sind. Wie Wüthende rennen die Geistlichen, protestantische wie katholische, durch die Stadt und heulen: die Constituante wolle die Religion aus der Schule verbannen, sie wolle die Jugend gottlos machen, sie wolle das Fundament der Staatsgesellschaft, die Religion untergraben. Vergebens tröstet man die Unwissenden damit, sie könnten ja ihren Kindern so viel Religion beibringen lassen als ihnen beliebt, und von wem es ihnen beliebt; vergebens sagt man ihnen, die allgemeinen Religionsgrundsätze, die Moral- und Sittenlehre würden nach wie vor in den Schulen gelehrt und man könne mit diesen Lehren allein schon ein guter Bürger und ein frommer Familienvater werden! Das ist alles umsonst, solche Grundsätze gelten für „freigeisterisch" und werden unbedingt verworfen und es wird gefedert, daß die Geistlichen vor wie nach die Schulen unter ihre Aegide nehmen. Daß die Con- stituante den Senat für die Zukunft aufhob und eine ganz neue Regierungsform feststellte, so sehr dieses die alten Gewohnheiten verletzt hat, hat doch nicht so weh gethan, als dieses Attentat gegen die Geistlichen, als dieser Versuch, der Geistlichkeit den Einfluß auf die Schulen zu entziehen. Es versteht sich, daß die Aristokratie diesen Umstand gut ausbeutet und ihn benutzt zu ihrer Agitation gegen die Verfassung; sie hat nun an den Frommen Bundesgenossen gewonnen, die besser gegen die Verfassung zu wühlen verstehen als sie selbst, uiio es kann sein, daß die Constituante dadurch ihrem Werk eine unheilbare Wunde versetzt hat. Unter diesen Umständen mußte natürlich die Schrift, welche diese Woche erschienen ist, und worin in populärer Sprache die Schädlichkeit und Unausführbarkeit der neuen Verfassung nachgewiesen ist, einen fruchtbaren Boden finden, um so mehr, da diese Schrift das Volk bei seiner schwachen Seite, bei den materiellen Interessen faßt und ihm durch Zahlen nachweist, daß der Wohlstand Frankfurts ruinirt sey, wenn die Constituante mit ihrer Verfassung bei der allgemeinen Abstimmung der Bürgerschaft durchdringen sollte. Die demokratische Partei wird's freilich an einer gründlichen Widerlegung dieser Schrift nicht fehlen lassen; allein der erste Eindruck dieser Schrift ist nicht zu verwischen und es ist nicht zu leugnen, daß neuerdings die Opposition, d. h. die Agitation gegen die Verfassung, an Muth und Organisation gewonnen hat. (Tr.Z.) i
Frankfurt, 12. Juli. Die „Oberpostamtszeitung" erklärt die Angabe, daß der Reichsverweser einen Reichstag zu berufen beabsichtige, für eine blose Erfindung.
Düsseldorf, 9. Juli. (K. Z.) Die Freilassung Las- salle's, von welcher ich Ihnen letzthin meldete, hat wirklich vorgestern Abends Statt gefunden, nachdem die Caution von 500 Thalern durch seinen Vertheidiger Bloem geleistet worden war. — Abermals haben gestern Abends Schlägereien zwischen Bürgern und Soldaten Statt gefunden und sind wieder Verwundungen vorgekommen. Es fanden diese Reibungen auf verschiedenen Stellen Statt, und es starb heute ein Fuhrmann in Crefeld, der von einem Husaren einen Hieb in heu Kopf erhalten hatte. Die Ursache des Streites zwischen Beiden, so wie den Thäter hat man noch nicht genau ermittelt, obgleich die wunderbarsten Gerüchte deßhalh erzählt werden. Vorgestern wurde der in Derendorf tödlich verwundete Infanterist begraben.
Köln, 9. Juli. Heute Abend verbreitete sich das Gerücht, der zur National-Versammlung Abgeordnete Bermbach aus Siegburg sei in unsern Mauern verhaftet worden.
Berlin, 9. Juli. (A. 3 ) Die Unterhandlungen zwischen Preußen, Oesterreich, Bayern und Hannover über Einsetzung einer neuen provisorischen Centralgewalt haben sich bereits wieder zerschlagen. Hr. Beseler fragte hier auf seiner Reise nach Gotha bei Hrn. von Radowitz vor, welcher ihm sagte, daß Preußen allein, ohne Oesterreich, seinen Weg gehen werde, sich aber auf Hannover und Sachsen wenig verlassen könne. Stüve's Unzufriedenheit mit den preußischen Diplomaten soll den höchsten Grad erreicht haben.
Berlin, 10. Juli. Die Erbitterung zwischen Oesterreich und Preußen wächst von Stunde zu Stunde. Die „D. Ref." streut in einem mit „indessen" anfangenden Artikel dem edlen Gagern und seinen Genossen faustdicken Weihrauch; die ganze konservative Partei habe mit ihnen erkannt, daß Deutschland nur auf dem Manteuffel'schen Wege der Oktroyirung zur Einheit und Freiheit (!) gelangen könne — und vor der Falle des alten Bundestages, die Oesterreich stellen wolle, werde Preußen sich hüten. Das kommt auf die Ungarn an, mit denen die „D. R." jetzt aus Bosheit gegen Oesterreich schon sympathisirt! Sie sieht in ihnen nicht mehr die „Rebellen", sie sieht nur noch einen edlen, mit dem Untergange bedrohten Volks- stamm. — Gegen Hannover fängt sie an, sehr ungehalten zu werden, weil es dem durch seinen Entwurf erregten „Schein der Zweideutigkeit" noch nicht kräftiger entgegentreten. Es wird sich hüten. —
Die „D. Ref." stellt den angeblich beabsichtigten Zug der Preußen nach Neuenburg als eine „fette Zeitungsente" hin, als eine Don Quirotterie, weil der an sich ganz unerhebliche Zweck einen furchtbaren Aufwand an Mitteln erfordern würden. Ganz richtig! Daß die „nüchternen" Absolutisten â la Manteuffel dergleichen Unternehmungen nicht billigen, glauben wir sehr gern. Außer ihnen steht aber noch der „weiße Berg" und die „romantische Restauration", und werweiß, wie lange diese der Nüchternheit den Vorzug gibt!
Der vor mehr als sechs Wochen verhaftete Buchhändler Leopold Schlesinger ist gestern auf Anordnung des Kriminalgerichts aus seiner Haft entlassen worden. Jedoch hat er weder über die Ursachen seiner Haft und ihrer langen Dauer noch auch darüber Auskunft erhalten, ob eine weitere Untersuchung gegen ihn fortgeführt wird oder nicht. (N. D. 3 )
Berlin, 10. Juli. (N. D. Z.) Die Stimmung in Berlin ist seit 2 Tagen, namentlich aber seit gestern in allen Kreisen der Bevölkerung, ohne Unterschied der politischen Meinung, eine mißvergnügte und unbehagliche, und das Ministerium kann sich rühmen, mit seinen Thaten ganz allein diese allgemeine Unzufriedenheit veranlaßt zu haben. Wer aber am unzufrieden
sten ist, das sind gerade die eifrigsten Anhänger der Regierungspolitik; denn gerade ihnen droht der schwerste Schlag am empfindlichsten Punkte. Obgleich nur noch Entwurf, hat doch die Veröffentlichung des Staatsanzeigers, betreffend die projektirte Einführung einer Einkommen- und Klassensteuer, in den Reihen der Geld- beutelkonservativen sichtliche Mißstimmung erregt. Jetzt, da es an ihr Theuerstes, ihren Mammon geht, fangen die Herreil an, einzusehen, daß es wohlfeiler gewesen sein dürfte, die Bahnen der demokratischen Politik zu betreten und „mein herrliches Kriegsheer" einigermaßen zu reduziren, sowie in andern Verwaltungszweigen die nothwendigen Reformen vorzunehmen. Die Kostenrechnung der ministeriellen Politik fängt an die Begriffe der Besitzenden, über den Werth derselben seltsam umzugestalten und es war sicherlich von Seiten des Ministeriums kein Wahlmanöver, daß es diesen Entwurf gerade jetzt veröffentlicht. Denn zusam- mentreffend mit der Unzufriedenheit des großen Bodenbesitzes, dessen Groll über die bevorstehende Grund- steuerausgleichung durch das vom Ministerium ihm gemachte Zugeständnis; (die vor einigen Tagen erfolgte authentische Deklaration des Sistirungsgesetzts vom 9. Okt.) keineswegs gemildert worden ist, zusammentres- fend, ferner mit der allgemeinen Unzufriedenheit des kleinen und mittleren Besitzes im ganzen Lande, welcher bem Ministerium auch politisch mehr oder minder feindselig gesinnt ist — mit diesen beiden Un,ufrt'c- denheit koalisirt, kann das Mißvergnügen des großen Besitzes den bevorstehenden Wahlen eine sehr eigenthümliche Färbung geben, nämlich die einer schroff konservativen aber doch sehr heftigen Opposition gegen das Ministerium.
Ein zweiter ebenfalls sehr allgemein verbreiteter Grund des Mißvergnügens sind die neuesten, so ungünstigen Nachrichten aus Schleswig-Holstein. Man frägt sich hier geradezu, ob diese Niederlage nicht den wohlberechneten Zweck habe, die öffentliche Meinung zu deprimiren und einem unehrenhaften Frieden, als Vorläuferin und Vorwand zu dienen. Selbst konservative Greise vermögen nicht mehr sich solche, wenn auch unwillkommene Vermuthungen ganz fern zu halten.
Aus Mecklenburg, 7. Juli. Die Restauration schreitet bei der zweiten Lesung der Verfassung rüstig voran. §. 1: „Das Volk ist die Quelle aller politischen Macht," wurde mit 49 gegen 37; §. 2: „die Regierungsform ist demokratisch-monarchisch," mit 49 gegen 41 Stimmen abg lehnt. Sie ist also aristokratisch-monarchisch. Dagegen wurde die Abschaffung bet Adelsbezeichnungen und das Verbat der Orden, außer der militärischen im Kriege, beibehalten.
Sckleswig -Holftein, 8. Juli. (N.D.Z.) Die Intrigue, welche Preußen in unserm Kriege spielt, trägt jetzt ihre Früchte. Nachdem man schon bei Kol- ding unsere schleswig-Holsteinische Armee ohne Reserve gelassen hatte, nachdem man das dänische Korps unter Rye hat entschlüpfen lassen, ist es jetzt gelungen, unsern schlesw.-holst. Truppen von Seiten der Dänen eine große Niederlage beibringen zu lassen. Die Dänen zogen seit längerer Zeit ihre Truppen auf Fühnen zusammen, um sie von dort auf Fridericia überzuschissen. Die Sache war längst bekannt, stand schon seit Wochen in den Hamburger Zeitungen, Prittwitz muß den Plan also auf jeden Fall gekannt haben. Dennoch blieb unsere vor Fridericia stehende Armee von 15,000 M. ohne Unterstützung, Bonin soll sogar mit Rücksicht auf den erwarteten Ausfall aus Fridericia seit fast 8 Tagen Verstärkung von Prittwitz verlangt haben. Dennoch blieb diese aus. Ain Morgen des 6 Juli machten nun die Dänen mit 25 Bataillonen, etwa 25,000 Mann, einen Ausfall, und haben, trotz der hclden- müthigsten Gegenwehr unseres Heeres, dieses auf Veile zurückgedrängt. Dieses hat mehr als 3000 Mann an Todten, Verwundeten, Gefangenen und Vermißten, 5 Feldkanonen und viel Belagerungsgeschütz verloren. Wahrscheinlich wird nun nächstens der Friede bekannt
lung hat es selbst eüigcflanben und die Majorität derselben stimmte ihm mit bei, indem er damit den Tadel Seitens des Ministeriums über das Verhalten des Raths der Stadt Leipzig zur Dresdener Revolution zurückwies, daß wenn Leipzigs Rath sich nicht gerade so benommen hatte, das Ministerium wohl nicht mehr existirt haben würde. Ein trauriges, aber wahres Geständniß!
Wer eines unbefangenen Urtheils fähig ist, und hier die Knoten sich schürzen sah in den ersten Tagen des Wonnemonats dieses Jahres, den die Bajonnete und Kanonen der eigenen und fremden Dynastien in die Annalen des schönen Sachsenlandes bluttriefend verzeichnet haben, der wird noch sagen müssen: es gab nur eine Partei in Leipzig. Die demokratischen Vaterlandsvereine und der aristokratische oder büreaukratische deutsche Verein reichten sich einander die Hände zum Kampfe gegen eine Regierung , welche Kraft ihres Amtes das Minimum von Freiheit, deren das deutsche Volk würdig, wie es die Reichsverfassung gewährleistet, demselben im Bunde mit anderen Regierungen vorenthalten wolle. Am 4. Mai proklamiere der Rath der Stadt Leipzig, unter Kundmachung , daß seine Vorstellungen beim Könige wegen sofortiger Anerkennung der Reichsverfassung fruchtlos geblieben sind und daß bereits am vorangcgangencn Tage ein blutiger Zusammenstoß in Dresden stattgcfunden habe, daß er bei der deutschen Sache ausharren werde mit allen ihm zn Gebote stehenden Mitteln. Damit hatte auch der Rath seinen deutschen Patriotismus an den Tag ge
legt und den Boden der Revolution^'betreten. In den Volksversammlungen sprach sich einmütig und enthusiastisch die Kampflust zur Hilfe der Dresdener aus und die Nothwendigkeit der Ausrüstung Seitens der städtischen Behörden, wozu der proklamiere Standpunkt des Raths Stachel und Nachdruck gegeben hatte. Die Erhebung in Leipzig einen legalen Charakter gewonnen, und man mußte aus der Erklärung des Raths die natürliche Consequenz ziehen, daß er mit den reichen Mitteln, worüber er zu gebieten hat, in der natürlichen Achtung vor der nationalen Begeisterung den erforderlichen Beistand freudig leisten werde. Es wurde zu diesem Behufe aus der Mitte der Volksversammlungen Deputation auf Depu- tation an den Rath gesandt. Selbst Fraucndcputatwuen die für ihre enthusiasmirten Schwestern Waffen verlangten, blieben nicht aus, was doch mindestens dafür charakte- risirend ist, wie allgemein und begeisternd die Erhebung in Leipzig um sich gegriffen hatte. Der Rath tempon- sirte- Woher kam dies? Nicht etwa, weil es dem Rath nicht Ernst war um die deutsche Sache. Aber ein anderer Umstand war eingetreten, nämlich, daß an der Stelle deS flüchtig gewordenen Königs und der Regierung welche — wie eS die Minister jetzt haben wollen — den König nach Königs stein begleitete, eine provisorische Regierung, wobei auch Tschirner fungirte, die Zügel des Regiments in die Hand genommen hatte. Dies frappirte unsern Rath und hat ihn stutzig gemacht. Im Geheimen organisiere nun unsre Geldaristokratie eine
Gegenrevolution und f^te alle Hebel in Bewegung. Die geeinigten Parteien stieben auseinander. Tschirner, dieser Mann der Demokratie, war daS Schiboleth, welches unsere Geldaristokraten und Altpapa'S mit ihrem aristokratisch gearteten Magen nicht haben verdauen können. EspenlaubigeS Zittern von wegen deS GeldfäckclS machte den nationalen Patriotismus vergessen. Denn Sic wissen, wie die golvbebrillteu Augen Basserman'schc Gestalten und PlünderungSgespenster in den Demokraten erblicken, ober cS doch vorgebcu, und sie wissen ferner, daß Börfen- naturcn, wie die Geschichtschreiber, kein Vaterland haben, und keinen Gott, wie die BalSdicner, die das goldene Kalb anbeten.
Die Kampflustigen, deren 6000 sich gezeichnet hatten, strengten alle möglichen friedlichen Versuche an, um den Rath zur Beschaffung von Waffen, zu bestimmen. Am 5. veranlaßte eine große Volksversammlung einen Massenzug vorS Rathhaus. Der Rath temporisirte fort, unter allerlei unhaltbaren Vorwänden.
-(Schluß folgt.)
