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teil von Freiburg aus bis Cfrmgen vorgerückt find. Cfringen liegt hart an der Schweizergrenze und ist die letzte Eisenbahnstation. - Auch erzählt man, Mie- roslawski sei von der Negierung in Basel ausgewiesen worden. (S. M.)

Stuttgart, 9. Juli. In der Abgeordnetenkammer kam heute ein Geheimeraths-Reskript vom 2. Juli ein, wornach die Erlaubnißertheilung zur Verhaftung der Abgeordneten Becher und Schützer wegen gewisser Vorfälle bei der Reutlinger Volksversammlung ver­langt wird. Es ist vom 2., liegt schon seit 6 Tagen vor und muß dessen heutige Vorlesung um so mehr auffallen, als Schnizer auf das Gerücht eines solchen Reskripts hin dem Untersuchungsrichter sein Alibi nach- wies und dieses dem Präsidenten der Kammer, wie der Negierung, als dem Gerichtshof vorliegend bereits bekannt ist. (Fr. I.)

Oos bei Rastatt, 9. Juli. (Bd. M.) Wie die Voranstalten befürchten ließen, ist es nun bei Rastatt blutiger Ernst geworden. Nicht weniger als 180 Bomben wurden Samstag den 7. d. Mts. von den Preußen in die Festung geworfen, in Folge dessen in der Stadt an sieben verschiedenen Plätzen Feuer aus­brach. Den Tag darauf schien man feiern zu wollen, allein um 1 Uhr Nachmittags hörte man plötzlich in der Festung zusammenblasen, man vermuthete deßhalb von Seiten der Belagerten eine Störung des inten- tirten Ruhetags nicht ohne Grund In der Nähe von Niedcrbühl hatten die Preußen eine Mörserbattcrie er­richtet, welche den Zweck hatte, die Festung auch von da aus, wo sie noch nicht vollständig ausgebaut ist, zu beschießen. Um dies zu verhindern, und die Mör- serbattcrie entweder zu erobern oder zu vernageln, wag­ten die Belagerten um halb 6 Uhr Abends einen Aus­fall mit circa 2000 Mann, und würden ihr Vorha­ben unzweifelhaft ausgeführt haben, da die erwähnte Batterie nur von 60 Mann bedient war, wenn der schwachen Bedienung nicht gerade noch vor Cntschei- dung der Sache ein Bataillon Preußen zu Hülfe ge- komlnen wäre. Dadurch sahen sich die Ausfallenden nach einem beträchtlichen Verlust von Todten und Ver­wundeten zum Rückzüge in die Festung genöthigt. Preu­ßischer Seits gab cs übrigens auch etwa 20 Todte und Verwundete.

Das Dorf Niedcrbühl, welches von seinen Bewoh­nern schon längere Zeit verlassen war, wurde nun von den Belagerten mit Pechkränzev gänzlich in Brand geschossen.

Hcrrenalb, 5. Juli. (St. Beob.) So bewegt und kriegerisch sah es in unserem freundlichen Murg- thale noch nie aus, als in den letzt verflossenen Tagen. Freund und Feind, wie man es nehmen will, mar- schlrtcu und lagerten in demicioen. ^n veu zwel ufim Tagen der vergangenen Woche waren es etwa 300 Mann Freischaaren aus den badischen Aemtern Em­mendingen und Staufen, welche zwar finstere und trotzige Blicke auf die perfiden Schwaben richteten, aber sonst ganz ruhig und lautlos Herrenalb durch­zogen lind den Sammelplätzen im Murgthale zueilten. Hierauf erschien von Gernsbach her das Tübinger Freikorps, etwa 70 gut bewaffnete und entschlossene Männer, die nach kurzer Frist wieder den Rückmarsch in die Gegend, aus der sie gekommen, anschlugen. Endlich kam die „berüchtigte schwäbische Legion", von buntem Aussehen und dem größeren Theile nach aus Pikenmännedu bestehend, die übrigens gleich den Vor- angegangencn ihre Bedürfnisse bei Heller und Pfennig bezahlten und keinen Grashalm unnöthigerweise nicder- traten. Der Gernsbach zu marschircnden Legion folgte nach wenigen Stunden, von Calw herkommend, würt- tembergische Infanterie, die mit nachrückender Kavallerie das Grenzgebiet zu besetzen hatte. Diese Truppen glaubten gleich anfangs einen guten Fang gemacht zu haben in demFreischaarenoberst Oswald, der früher württembergischer Offizier war. Man hielt ihn für

einen Spion, der zugleich gefommen sei, die Soldaten zum 11 eber tritt zu den Freischaaren zu verleiten. Und doch saß der Mann, von einer Kugel im Kniegelenk getroffen, schwer verwundet in einer Chaise, fuhr am Hellen Tage mitten durch die ihm wohlbekannten mili­tärischen Grenzposten seinem Reiseziel — Wildbad zu, wo er Heilung für seine Wunde suchte. Nach Herrenalb von württembergischer Kavallerie escortirt, um hier über Nacht auf die Hauptwache gesetzt zu werden, hatte man alsbald Gelegenheit, den „guten" Geist dieser Mannschaft kennen zu lernen. Einem Manne, der eine ganz gewöhnliche Feder an seinem Hute trug, setzte ein Reiter nach, um sie ihm abzureißen. Als die Equipage des Oswald aus dem Gefährt genommen und seine schwarz-roth-goldene Feldbinde sichtbar wurde, da hieß es aus dein Munde von Unteroffizieren: „Dieß sind die rechten Farben!" „Wir tragen sie ja selbst an unsern Käppis", entgegnete ironisch ein Anderer. „Nur gut, hieß es hierauf, daß man sie nicht sieht, daß sie vom Ueberzug der Käppis bedeckt sind!" Os­wald, am anderen Tage nach Neuenburg tranSportirt, soll dort am Starrkrampf gestorben sein. Von Mitt­woch bis Samstag hatten wir ein förmliches Kriegs­lager in Herrenalb. Wohl bei 25,000 Mann Preußen und Reichstruppen bewegten sich durch unser Albthal und lagerten auf ihrem Durchmarsch in demselben und auf den angrenzenden Höhen. Diesen schlossen sich eine unübersehbare Menge von Kanonen, Munitions-, Bagage- und Fouragewagen an. Man kann sich den­ken, wie viel Schaden, auf Feldern, Wiesen und an Umzäunungen von diesen Truppenmassen angcrichtet wurden. Das Heu auf den Wiesen und in den Scheu­nen wurde ohne Weiteres theils den Pferden gefüttert und gestreut, theils zum Bivac gebraucht und überall hin in die Felder und Wälder verschleppt. Wahrlich, ein schwerer Verlust für diese ohnedieß so bedrängte Gegend, der nur durch schnelle Entschädigung einiger­maßen wieder gut gemacht werden kann! In der ge­räumigen und schön gelegenen Kaltwasserheilanstalt zu Herrenalb, in welcher sich Kurgäste aufhalten und auch viele andere Fremde in den Wirren der Zeit ein freund­liches Asyl gesucht und gefunden haben, war das Haupt­quartier aufgeschlagen, die Generale Peucker, Bechtold und Schäfer mit dem ganzen Gencralstabe befanden sich hier. In der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag wurde daselbst über die Angriffsbewegungen Kriegsrath gehalten, die sodann am Freitag Nachmit­tag und den folgenden Tagen bei der Grenze zwischen Loffenau und Gernsbach, wo die Frcischaa- ren sich leicht verbarrikadirt hatten, beginnend, über Gernsbach, Baden, Oos und in dem Murgthal hinunter bis Kuppenheim, Muggensturm re. ihre Aus­führung erhielten, wie dies bereits in öffentlichen Blät- uu» tovfd;toi warben «st. Was die neuesten Kriegs­operationen gegen die Reichsfestung Rastatt betrifft, so ist sie eng umschlossen. Es soll der Besatzung zur Kapitulation ein Termin von zweimal 24 Stunden ertheilt worden sein, nach dessen fruchtlosem Ablauf, welcher indessen bereits gestern Abend geschehen, an einer Seite der Festung eine Bresche geschossen und diese sodann im Sturm genommen werden soll. Die Besatzung soll aufs Aeußerste gefaßt sein, die Kano­niere sollen ihre Uniformen abgelegt haben und mit aufgestülpten Hemdärmeln todesmuthig vor den Ge­schützen stehen. Die übrigen Operationen betreffend, so geht das nicht unwahrscheinliche Gerücht, daß die Ncichsarmce die Freischaaren der Schweizergrenze zuzudrängen beabsichtige, um sodann, wenn dieselben dort Zugang finden, mit der Schweiz anbinden und gegen diesen „Heerd aller Revolutionen" mit um so besserem Rechte einschreiten zu können. — Zum Schluß berichtet der Einsender noch einige Wahrnehmungen, die er bei dem Aufenthalt der Truppen in Herrenalp gemacht hat und die ihn theilweise tief betrübt und gebeugt haben. Vor Allcin war bei sämmtlichen Ncichs- truppen, auch die württembergischen nicht ausgenom­

men, mit wenigen Ausnahmen ein ergrimmter ®t ist gegen die badische Armee und die Freischaaren sicht­bar. Wir wollten nichts dagegen sagen, wenn nicht einzelne Fälle vorgekommen wären, die nicht bloß einen dem gegenüberstehenden Krieger wohlgebührenden feind­seligen, sondern einen rohen und barbarischen Sinn beurkundet haben. Schon gegenüber dem gefangenen und verwundeten Oswald hörte man aus den Reihest württembergischer Lanciers von nichts Geringerem, als daß diesem Schurken alsbald solle der Garaus gemacht werden. Auf dem Marsch nach Dobel drückte ein württembergischer Jnfanterieunterofsizier es als seine höchste Freude aus, daß die Preußen mit den Frei­schärlern so wenig Federlesens machen, sondern sie nach einander mit dem Bajonnette abspießen. Vier unbe­waffnete Freischärler zogen letzten Samstag beruhigt durch Herrenalb, denn jeder hatte einen von dem würt- tenbergischen Major Finkh in Loffenau ausgestellten Passirschein in der Tasche und sie eilten harmlos der Heimath zu. Hier wurden sie aber von hessischen und Frankfurter Reichstruppen angehalten, mit Schlägen auf die Brust und in das Gesicht mißhandelt, in einen Schweinstall gesperrt, ohne Nahrung gelassen, nach mehreren Stunden wieder hervorgezogen und dein Frankfurter Bataillon zu weiterm Transport überge­ben. Vergebens beriefen sie sich auf ihr Creditive, der Geleitschein eines württembergischen Stabsoffiziers gilt in den Augen des Kommandirenden Nichts, man ver­muthet unter ihnen einen Hanauer Turner, auf welche es die Soldateska besonders abgesehen zu haben scheint, sie werden an der Seite des Bataillons aufgestellt, das langsam an ihnen vorübermarschiren muß, ob nicht einer oder der andere von diesen aus allen Win­keln Deutschlands zusammengewürfelten Söldnern jenen erkenne. Bei Vielen ist der Ingrimm so groß, daß sie ans Reih und Glied treten, mit knirschendem, von Schimpf- und Drohworten überlaufendem Munde und mit geballten Fäusten vor die armen, aber ruhig und resignirt dastehenden Gefangenen treten und ihnen Schläge und Stöße auf die Brust geben. So benah­men sich Krieger der freien Republik Frankfurt gegen wehrlose und gefangene Menschen. Auch ein Prog- nosticon für den Bestand der deutschen Reichsverfassnng und des Ministeriums Römer ließ sich aus Aeuße­rungen namentlich preußischer Offiziere ziehen. Man sah es ihnen an, wie sauer es ihnen geschah, hier als Freunde und nicht als Feinde liegen zu müssen. Ihr Württemberger seid diesmal noch mit einem blauen Augen davon gekommen, bemerkte ein einflußreicher preußischer Stabsoffizier: Ihr hängt Euch noch an den erbärmlichen Fetzen, an den Lumpenwisch, der Reichsverfassnng heißt, man wird Euch schon helfen rc.! Auf die Bemerkung, daß vor einigen Tagen Dr. Lowe, der Präsident und andere Mitglieder der National- verfammfung hier gewesen, wurde erwiedert: „Wären sie jetzt noch hier, so würde man sie hängen!"

So sind alle Wahrnehmungen von der Art, daß der gutgesinnte Patriot nur mit düsterm Auge in die Zukunft Deutschlands blicken kann. Alle Prophezrihun- gen hinsichtlich derselben werden sicherlich in Erfüllung gehen; nicht einmal seine oktroyirte Verfassung wird Preußen mehr anerkennen.

Berlin, 8. Juli. Der Staatsanzeiger veröffent­licht heute einen Gesetzentwurf, die Einführung einer neuen Einkommen- und Classensteuer betreffend. Nach demselben sollen an die Stelle der früheren Klassen­steuer und der Mehl- und Schlachtsteuer für den Um­fang des ganzen Staates treten: a) eine Einkommen­steuer für diejenigen Einwohner, deren gejammtes jähr­liches Einkommen die Summe von 400 Nthlrn. er­reicht oder übersteigt, und b) eine neue Klassensteuer für diejenigen Einwohner, deren jährliches Einkommen den Betrag von 400 Nthlrn. nicht erreicht.

Oestreich. Endlich tritt aus dem Lügendunst der ungarfeiudlichcu Blätter eine unabweisbare Thatsache her­vor — eine Schlacht ist bei Komorn am 2. Juli ge-

mochte wohl der im selben Jahr erfolgte Tod des Grafen Bcnckcndvrf und Cancrin eine so wichtige Aenderung im Minist. rinm, wie sie burd* Tscbcruitscbcw's anderweitige Verwendung nöthig geworden wäre, keineswegs erscheinen lassen. Paskiewitsch kehrte also nach längerer Zeit aus bim Bade zurück in das Warschauer Schloß. Eine be­deutende Aenderung im Vcrwaltundcprinzip, eine ver­ringerte Selbstständigkeit in der Handhabung der Ge­walt, ein verminderter Eifer für die Befreiung der noch um in Siluren oder am Kaukasus verbannt lebenden Polen , eine gewisse Erkaltung der persönlichen Beziehungen zwilchen dem Czaren und dem Fürsten von Warschau, cinc sorgfältige Nücksichtnahme des letzter« auf die Wünsche und Interessen der national-russischen Parteien, dies Alles sind Dinge, deren stärkeres Hervortreten man seit seiner Beil beweist haben will. Hub seitdem vollends die neue Revolution durch Europa schreitet behauptet man, sei von der frühern Milde, Versöhnlichkeit, Achtung nationaler Eigenheiten ii. l w. beim Fürsten von Warschau keine Rede mehr. Fraglos abhängig von Petersburger Bc- fehlcn, cingeschüchiert von dem „Polenschrcckeu" Ambra- mowitsch, ver nge er in ächt russischer Weise , mit ächt russischer Strenge und Rücksichtslosigkeit, unter dem Ein­druck gebrochener Kraft der persönlichen Ueberzeugung.

(Allg. Ztg.)

Der Krieg in Ungarn.

Mehr als je, schreibt die N. D. Z., ist die allgemeine Aufmerksamkeit dem nugatischen Kriegsschauplätze znge- wendet; denn yèicmand verhehlt sich, daß der Ausgang des Kampfes entscheidend für ganz Europa sein wird.

Ucbrigens ist der Kampf in Ungarn aber auch so eigenthümlicher Weise, daß selbst derjenige, welchtm die Bedeutung desselben fremd geblieben, mit lebhaftestem Interesse jede Kunde von dort her vernimmt, um so mehr, als die Nachrichten so spärlich fließen.

Habcn wir doch selbst über die Formation des un­garischen Heeres nur wenige zerstreute Notizen bringen können. Indeß weiß man jetzt, daß die ungarische Armee gleich den übrigen europäischen, in den gebräuchlichen Truppengattungen achtungswerth vertreten ist. Nament­lich besteht ihre Kavallerie nicht blos , wie man anfäng­lich glaubte, aus den weltberühmten Husaren; sondern auchauS Lanziers und Kürassieren, welche letztere in ihren rothen Harnischen einen prächtigen Anblick gewähren sollen. Die ungarische Armee hat aber noch gewisse „Spezial- Waffen", deren sich keine Armee der Welt zu rühmen hat und deren Furchtbarkeit nicht abzuleugnen ist.

Wir gedenken nämlich der Esikos und der ihnen verwandeten Truppen. Eine treffliche Schilderung der­selben findet sich in den Grenz boten („Zur neuesten Geschichte Ungarns), welcher wir Folgendes entlehnen:

Der Esikos ist ein Mensch, dem bei der Geburt zu­fällig ein Fohlen zwischen die Beine gerathen ist. Auf

dem Rücken dieses Fohlens bleibt der Knabe instinkt­mäßig sitzen, und wird auf demselben groß, wie andere Menschenkinder in der Wiege.

Der junge CsikvS fühlt sich in seiner Wiege bald heimisch. Ob er Ammen- oder Pferdemilch genießt, da- i rüber sind die Naturforscher noch nicht einig. So weit meine Untersuchungen auf diesem Gebiete reichen, nährt 1 er sich gleich nach der Geburt von Speck und Brod.

Ans dem kleinen Jungen wird allmählich ein großer Roß­hirt. Er tritt, um sich seinen Lebensunterhalt zu ge­winnen, in die Dienste eines Edelmannes oder der Re­gierung, welche in Ungarn ausgedehnte, wilde Pscrdgc- stüte besitzt. Diese nehmen einen Raum von vielen Qua­drat-Meilen ein, größten theils ebene Flächen mit Wald, Sumpf, Haide und Movrgruud. Daselbst streifen große Beerben frei herum, vermehren sich und freuen sich ihres Daseins. Nichstsdcstowcuiger ist es ein weit verbreiteter i Irrthum , daß diese Pferde wie Rudel Wölfe im Gebirge ' sich selbst und der Natur ohne weitere Aufsicht überlassen ' sind. Gänzlich wilde Pferde findet man, was Europa aubetrifft, heutzutage blos in Bessarabien. Der Esikos hat das schwierige Amt, auf die Hcerden ein wachsames Auge zu haben. Er kennt ihre Stärke, ihre Standorte, er kennt das Alter eines jeden Fohlens und weiß, wenn es zur Zähmung tauglich und aus der Heerde heransge- holt werden muß. — Dazu bient ihm die berüchtigte Peitsche, von der villeicht schon im nächsten Jahre einige Prachtexemplare im kaiserlichen Zeughause zu Wien neben dem I Schwert SkanderbegS gezeigt werden dürften. (Frist folgt.)