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ich prvteflkre daaegeil, daß man der Linken verwirft, sie habe die Verfassung verletzt. (Großer Tumult.) Crcmieur und Grevy sprechen energisch zu Gunsten der rothen Journale. Letzterer schlägt folgende moti- virte Tagesordnung vor: In Betracht, daß die Gesetz­gebung rückstchtlich der Tagespreffe während des Be­lagerungszustandes unvollständig ist und die Regierung ihre Befugniß überschritten hat, ladet die National­versammlung das Ministerium ein, auf den gesetzlichen Weg zurückzukehren, und geht zur Tagesordnung über. (Rechts einfache Tagerordnung.) Die von einem Mit- glicde der Rechten vorgeschlagene einfache Tagesordnug wird mit 351 gegen 154 Stimmen angenommen. Hierauf Dupin: Ich erhalte eben eine Requisitoire der Staatsanwaltschaft zur Autorisation der Ver­folgungen gegen Felir Pyat. Die Versammlung geht in die Abtheilungen zurück zur Wahl der betreffenden Begutachtungs-Commission.

Um 5% Uhr wird die Sitzung wieder ausgenom­men. Die Coinmisston spricht sich für die Dringlich­keit sowie für Gestattung der Verfolgungen selbst aus. Sollen sucht Pyat zu vertheidigen. Die Anklage be­ruht in einer von ihm herührenden „Proklamation an das Volk", welche in der Reform abgedruckt wurde. Die Versammlung gestattet die Verfolgungen. Am Schlüsse der Sitzung hebt sie die Permanenz ihrer Sitzungen auf.

Paris, 18. Juni. Die Lyoner Journale vom 17. Juni, die heute früh hier eintrafen, bringen uns furch- ; terliche Details über die dortige Erhebung des Prole- tariats. Nach mancherlei Demonstrationen, die zum Theil auf falschen Nachrichten aus Paris beruhten, kam es in der Dämmerung vom 15. Juni zur Schlacht. Dieselbe fand ausschließlich zwischen Proletariat und Militär statt, da, wie man sich erinnern wird, die dortige Bürgerwehr aufgelöst ist. Hierin liegt der Hauptcharakterzug dieses Kampfes. Die Regierung schien dies zu fühlen. Abends um 8 Uhr begonnen, dauerte die Schlacht die ganze Nacht hindurch, und i es bedurfte der Dazwischenkunft aller Behörden und des Einschreitens von 20,000 unserer besten Truppen der Alpenarmee unter Magnan, um diese Zuckungen des Proletariats zu stillen. Magnan rückte mit 4500 Mann persönlich gegen das sogenannte Lumpenviertel von Lyon, während er mit dem Rest der Armee die gährende Hauptstadt im Zaume hielt. Im Ganzen spricht man von ungefähr 150 Todten und 800 Ge­fangenen.

— Ruge und Blind sitzen laut unserer gestrigen Meldung, was auch Evenement und La Presse dagegen behaupten mögen, wirklich in der Conciergerie. Blind ist unwohl, und man hat ihm gestattet, seinen Arzt rufen zu lassen. UebrigenS wird ihre Haft nicht lauge dauern. Die Führer der Rechten der Kammer wollen sich nur überzeugen, inwieweit die deutschen rothen Republikaner mit den französischen Montagnards zu­sammenhingen. Karl Marr, der ebenfalls seit einiger Zeit hier ist, lebt dagegen ruhig und unangefochten fort. Er trat wenigstens fein diplomatisch aus (M.Z.)

Nachschrift.

Frankfurt, 20. Juni. (Fr. I.) Som Kriegsschau­plätze eingegangene Nachrichten melden, daß das^Haupt-

quartier und General-Commando der im Centrum gegen Baden operirenden Truppen von Weinheim einige Stunden seitwärts in den Odenwald, nach Fürth ver­legt worden ist. Das Frankfurter Linien-Bataillon ist von Virnheim nach Weinheim gezogen, während die diesseitigen Vorposten bei Heddesheim stehen. Dem­nach ist Ladenburg noch im Besitze der Badenser. Das preußische Hauptquartier ist in Zwingenberg. Ent­gegen der unmenschlichen Grausamkeit, welche preußische Soldaten zwischen Eberstadt und Darmstadt an wehr- lolen und gefesselten, zum Theil schon verwundeten, gefangenen Badensern verübten, sagt die heutige Ober- Postamts-Zeitung, das Organ des Reichsminifterinms, in einem Bericht aus Weinheim: „Wir erkennen hoch- achtend an, daß der Feind unsere Verwundeten in Ladenburg und Heidelberg gut verpflegt, und so be­handelt, wie es völkerrechtlich immer der Brauch war und Recht ist."

$ Wiesbaden, 21. Juni. In Nro. 142 der „Nass. AUgem. Zeitung" ist ein Brief des Abgeord­neten Heydenreich an die Redaktion der Freien Zeitung abgedruckt, mit dem Bemerken: diesem Briefe sei die Aufnahme in die Freie Zeitung verweigert worden. Letztere Bemerkung ist vollkommen richtig; allein nicht unbedingt wurde die Entgegnung des Abg.Heyden­reich zurückgewiesen, sondern vielmehr eine Aufnahme der Entgegnung zugesagt, „wenn sich letztere auf dem Boden der Thatsachen bewegen würde." Znr bessern Würdigung dieser Angelegenheit lassen wir hier einen Brief folgen, welcher von dem unterzeichneten Redak­teur dein Herrn Abg. zugeschickt wurde:

W e r t h e st e r Herr!

Ich bin gerne bereit, eine Erwiederung von Ihnen, auf die Angriffe, welche die Freie Zeitung gegen Ihre Wirksamkeit brachte, aufzunehmen; allein, diese Erwie­derung muß sich dann lediglich auf dein Boden der Thatsachen bewegen, nicht aber von Beschimpfungen gegen meine Person und meine Partei strotzen. Kön-

! Sie mir im Ernste zumuthen, ich solle mich in dem von mir redigirten Blatte, selbst beschimpfen lassen? — , Ich richte daher die Bitte an Sie die „Erwiederung" von den Stellen, welche mich und das von mir ver­tretene Blatt verletzen, und welche meine Partei, deren Berechtigung Sie doch anerkennen müssen, und der Viele aus ehrlicher Ueberzeugung und als redliche Männer zugethan sind, — auf eine unerhörte Weise verunglimpfen: , zu reinigen. Falls Sie dieser meiner Bitte Nachkommen, werde ich mit Zuvorkommenheit Ihre „Erwiedcrnng" in die Freie Zeitung aufnehmen, Wiesbaden, 12. Juni 1849.

Mit Hochachtung zeichnet I. Opperman n.

Auf meine Widerlegung der leidenschaftlichen und heftigen Behauptungen des Herrn Abgeordneten in seinem Briefe selbst überhaupt einzugehen, halte ich für eitle Zeitvergeudung.

Wo die Thaten des Herrn Abg. Heydenreich so laut sprechen, bedarf es wahrlich nicht langer Reden.

Wiesbaden, 21. Juni.

J. Opperman n.

Die „Nassauische Allgemeine" und einer ihrer Correspondentcn.

Wie alle (Korrespondenten unserer „ Nassauischen Allgemeinen" mit Auswahl aus den begeistertsten An. Hangern des alten Regiments zusammengelesen sind, die bei irgend einer Gelegenheit von der neueren Zeit einen verächtlichen Fußtritt erhielten, entweder auS heulenden Geldmenschen, abgesehen Schultheisen oder schreibseeligen Staatsschreibern und Geistlichen,-- so hat auch der sogenannte Correspondent aus dem Maingrund in Nro. 140 gewiß die Ehre sich zu einer oder der andern dieser Classen zu rechnen.

Unser Correspondent aus dem Maingrund hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Kunden der Umgegend mit Sorgfalt aufzusammeln; bald von einer Prügelei der Gemeinderäthe, bald von einem todtgeschlagenen Pferd oder diesem und jenem Diebstahl zu berichten; wobei er dann sich immer die Fälschung erlaubt, solche Ereignisse als das Ergebniß der Freiheit zu schildern und seine Nutzanwendung folgen läßt.

Diese Aeusserungen würden wir verächtlich nennen, wenn wir dieselben nicht recht ergötzlich fänden und ihren Verfertiger als eine possierliche zunächst unterge­gangene Spielart der Heuler belachten.

Unserm (Korrespondenten ist es auch einerlei eine renitirende Bürgerwehr als Freischaar oder einen ge­wißen Mann als Aufwiegler zu bezeichnen, wobei er freilich keinen Namen nennt, jedoch so nahe, daß man ihn greifen kann.

Das ist die rechte Dennnziantenart, die nicht den Muth hat Aug gegen Aug zu kämpfen, sondern dem Gegner hinter dem Rücken eine gefährliche Wunde beizubringen sucht, — seiner Untugend, der Undank­barkeit gegen seinen Wohlthäter gar nicht zu gedenken.

Wenn wir nicht irren, so erkennen wir in unserem (Korrespondenten denjenigen, der auch neulich einen Ab­geordneten unserer Kammer wegen gewissen Sporteln (Gebühren) auf so unziemliche Art zur Rede stellen wollte.

Sollte derselbe sich in diesem Spiegel noch nicht erkennen, so versprechen wir nächstens sein ausführ­liches Lebensläuflein, wozu hinlänglicher Stoff uns vorliegt.

Bis dahin bitten wir den „Mitarbeiter" unver- j troffen fortzufahren, es wird ihm dann vielleicht, von denen, die er so gut beschrieben hat, außer seinem Freieremplar der „Nassauischen Allgemeinen" von un­gefähr eine Ertrabelohnung bewilligt werden.

Hochheim, 18. Juni 1849.

Georg Hofmann.

Erklärung.

Dem Proteste der Landtagsabgeordneten gegen die vierwöchige Vertagung der nassauischen Kammer, wel­cher in No. 142 der „Freien Zeitung" enthalten ist, schließe ich mich nachträglich hiermit an.

Langenscheid, 17. Juni 1849.

L. Born, Abgeordneter.

Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.

Bekanntmachungen.

Einladung zum Abonnement

auf den

Rheingauer Volksboten.

(749) Die Zeitschrift erscheint v. 1. Juli d. J. an wöchentlich zweimal einen halben Bogen stark in Winkel im Rheingau. Man abonnirt bd der Redaction des Blaties Preis viertel­jährlich 36 kr. Inserate werden die dreispaltige Garmondzeile oder deren Raum mit 2 kr. berechnet.

Winkel im Rheingau, den 19. Zuni 1849.

Die Expedition des „Rheingauer Volksboten."

(302) In dem Hause der H. W. Ritter'fcheu Buchhandlung ist der zweite und dritte Stock zu vermiethen und sogleich zu beziehen.

(472) Soeben ist erschienen und in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter zu haben:

Sympathiebüchlei» oder die enthüllten natürlichen Zauberkräfte und Geheimnisse der Natur. 338 er­probte sympathetische Mittel gegen viele Krankheiten und Uebel bei den Menschen und Thieren von einem alten Schäfer.

Preis 40 kr.

(637) Bei Friedrich Fleischer in Leipzig ist soeben erschienen und in der Buchhandlung von H. W. Ritter in Wiesbaden zu haben:

Der deutsche Auswanderer

nach den

vereinigten Staaten von Nordamerika.

Ein Lehrbuch aus seinen Weg.

Nach eigner Anschauung und nach den neuesten Quellen zusammcngestelll von Alexander Ziegler.

24Bogen. Preis 24 Ngr.

Ein wahres Lehrbuch für den Auswanderer, der nichls, was ihm auf seiner neuen Laufbahn zu wissen nöthig ist, darin vermissen wird. Eigne Anschauungen und Studien an Ort und Stelle werden stets den Vorzug vor Compilationen aus Büchern verdienen, und diese hat der durch seine ■ Reisen bereits vvrthcilhast bekannte Verfasser hier gegeben. }

Haupt - Agentur für Auswanderer.

(714) _ Zufolge Dccrets Herzoglicher Landesregierung ist mir der ConsenS ertheilt worden, eine „Haupt.Agentur zur Beförderung von Auswanderern nach Amerika" durch den Großherzogl. Hessischen Consul und Schiffsrehder, Herrn H. Serigiers zu Antwerpen, auf hiesigem Platze errichten zu dürfen.

Zudem ich die Errichtung dieser Hauptagentur zur öffentlichen Kenntniß bringe, erlaube ich mir für die Zntercffcnten noch besonders zu bemerken, daß mein Bestreben stets dahin ge­richtet seyn wird, durch billige, reelle und prompte Bedienung dao Vertrauen aller derjeni­gen zu erwerben, welche sich meiner Agentur bedienen werde», und daß durch die von der Landesregierung geforderte und von mir gestellte Caution Zeder hinlänglich gesichert ist.

Znr Bequemlichkeit der Auswanderer habe ich vorläufig Herrn Georg Nathan in Epp­stein, Amts Königstein, zum Unteragenten angenommen, und werde nächstens noch Andere in den verschiedenen Theilen des Herzogthums anzeigen.

Wenn sich Gesellschaften von wenigstens 25 Personen bei mir veraccordiren, so bin ich auf deren Verlangen bereit, zur besseren Beförderung unentgeldlich einen Commissär bis Ant­werpen mitzusenden.

Zcden Monat werden 3 auch 4 große gekupferte Dreimaster -Schiffe nach den verschie­denen Häfen Amerikas erpedirt.

In diesem Augenblick sind in Ladung und gehen ab:

Am 15. Zuni nach New-Aork: Der Dreimaster Medera, Capt. Hitchoch;

Am 21. Zuni nach New Aork: Der Dreimaster Stadt Antwerpen, Capt. Govart.

Die Preiße mit Inbegriff des Kopfgelds werden allen Anforderungen der Billigkeit ent­sprechen. •

Wiesbaden, den 9. Zuli 1849. ^ C. Nathan.

(750) Bei Kutscher Schönbach, Friedrich­straße Nro. 37 sind zwei Gruben Mist, sowie ein gutes Mutterpferd, Mecklenburger Ra§e, 9 Zahre alt und englisirt, zu verkaufen.

(751) Kranzplatz Nro. 5 sind zwei Zim­mer mit oder ohne Möbel, auf Verlangen auch mit Küche und Kammer zu vermiethcu.

Aufforderung.

(727) Herr Joseph von Engelshosen wird hiermit dringend ersucht, binnen 3 Ta­gen fdne Adresse bei der Redaction dieses Blattes sofort niederzulegen, widrigenfalls ein offenes Schreiben an ihn und andere Herren gerichtet werden wird.

Annonce.

(686) Jemand, der die Schnellcssigsabrika- tion auf das neueste, leichteste und vortheil- hafteste praktisch und ohne großen Kostenauf­wand anzulegen versteht, womit mehrere Sorten aus-, als inländische Essige erzielt werden können, ist nicht abgeneigt, Einrich­tungen deren gegen ein augemessencs Hono­rar zu übernehmen. Besondere Vortheile werden mit anvertraut. Lusttragende belieben sich unter Adresse G. H. portofrei in Wies­baden zu wenden.

(739) Ein guter Coupee-Wagen ist zu ver­kaufen bei Schmied Kern in der Mctzger- gasse Nro. 34.

Druck und Verlag der C. Ritter'schen Buchdruckern.