schaftlichkeit diktirt, und müsse das Ministerium den ( Vorwurf mit Entrüstung zurückweisen, daß die Wür- tembergische Regierung dieI Sache Deutschlands ver- ; lassen wolle.
Eine Stimme: Ist schon geschehen. Präsident: Ich muß den, der dies gerufen zur Ordnung rufen. Der Abgeordnete Wolff: Das bin ich gewesen. Der Ordnungsruf wird vom Präsidenten wiederholt. (Tumult.)
Schoder interpcllirte das Ministerium. Seit dem 25. April, sagt er, habe man nun schon 4md auf i Beeidigung des Militärs ans die Verfassung angetragen, ‘ in den nächsten 8 Tagen schon habe man diese Sache entscheiden wollen, was denn seitdem geschehen fei?
Der Minister Duvern o y antwortete ausweichend: der Augenblick sei nicht günstig. Schoder ist mit ■ dieser Antwort nicht zufrieden. Dies seien aber zur | Durchführung der Verfassung nur leere Worte, aber keine Thaten ; er beantrage daher, daß der Fünfzehner 1 Ausschuß damit beauftragt werde, in der morgen an- ; zuberaumenden Sitzung Bericht zu erstatten und Vor- j schlage zu machen, ob und was der Würtembcrgischen I Regierung gegenüber zu thun sei, um sie dazu anzu- ; halten, daß das Militär beeidigt werde. Dieser Antrag wurde mit 54 gegen 23 Stimmen angenommen.
Eine zweite Interpellation desselben Abgeordneten betraf den Austritt des Abgeordneten Federer aus der Nationalversammlung. Schoder fragte: was die Regierung zu thun gedenke, wenn die National- Versammlung den Stellvertreter Federers einberufen mögte. Duvernoy: Bis jetzt fei keine Veranlassung, sich darüber auszusprechen, weil an die Negierung ein solches Ansinnen noch nicht gestellt worden sei; geschähe es aber, so würde dieselbe sich auch offen aussprechen.
Auf eine weitere Frage: wenn das Wnrtcmberg- ische Wahlgesetz verkündigt werden würde, antwortete der Minister: „Noch in dieser Woche."
Stuttgart, 12. Juni. (Mz. Z.) In der diesen Morgen gehaltenen vorberathenden Versammlung der Nationalversammlung wurde der Vorschlag M. Mohls, die beschlußfähige Anzahl auf 50 Herabzusetzen, fast einstimmig in der Ueberzeugung abgelehnt, daß bald 150 Abgeordnete hier anwesend sein würden. Gegenwärtig sind HO Mitglieder hier.
Stuttgart, 12. Juni. Gestern wurde auf einigen umliegenden Stationen das Militär alarmirt, um näher gegen die Hauptstadt gezogen zu werden. — Die Be- völkrung im platten Lande sympathisirt mit den Badensern? — Die badische prov. Regierung hat der Nationalversammlung 10,000 fl. überschickt, welche gestern hier eintrafen. Es kommen fortwährend noch Abgeordnete zur Nationalversammlung hier an. — Bei Adelsheim in Baden wird ein Lager von 16,000 M. zusammengezogen; auch wurde der Befehl ertheilt, daß das Wiesenthal binnen 8 Tagen abgemäht sein müßte, damit die Heeresabtheilung, welche dort aufgestellt wird, die Futterkräuter nicht verderbe. — Die schweizerische Legion, circa 6—800 Mann stark, zog gestern frühe von Heidelberg an die hessische Gränze. Eine rothe Fahne wurde derselben vorangetragen; in der Mitte waren die deutschen Farben. (Fr. I.)
Stuttgart, 12. Juni, Morgens. Zunr zweitenmal hat die Regentschaft dem würtembergischeu (Reichs-) General V. Miller den Befehl zugehen lassen, ihr allein zu gehorsamen. Da dies nicht geschehen wird, so erwartet man, daß die Regentschaft ihn absttzen werde, in welchem Fall das würtembergische Ministerium, sich im Conflikt mit der Regentschaft befindet, dieser und ihren Anordnungen die Rechtsgültigkeit nicht zuerkennen könnte. Man ist sehr gespannt, in welcher Weise diese Nichtanerkennung der Regentschaft erfolgen wird.
Kirchheimbolanden, 14. Juni. (Mz. Ztg) Gestern fand bei Morschheim ein Vorpostengefecht zwischen Volkswehr und preußischen Truppen statt, wobei preußischer Seits 6 Mann, auf Seite der Volkswehr 1 Mann blieben. Die preußischen Truppen zogen sich zurück, rückten jedoch am andern Tage mit einer bedeutenden Macht wieder vor und besetzten Kirchheimbolanden und Umgegend. Die Abtheilung der Volkswehr, welche seither hier stationirt war, zog sich nach Kaiserslautern zurück, weil sie allein zu schwach war, die Position zu halten.
Frankfurt, 14. Juni. (Mz. Z.) Der Großherzog in partibus, Leopold von Zähringen, hat von hier aus eine zu Mainz beschlossene Bekanntmachung erlassen, worin er erklärt, daß er die Stuttgarter Versammlung, weil sie durch ihre Uebersiedlnng nach der Hauptstadt Würtembergs „die Grundlage ihrer Berufung und ihres rechtlichen Daseins selbst aufgegeben" und überdies offen den Weg des Aufruhrs eingeschlagen habe, nicht mehr als deutsche Nationalversammlung anerkenne und die badischen Deputtrten daraus zurückrufe. — Man sieht, der badische Großherzog, welcher selbst die „Grundlage seines rechtlichen Daseins" verlassen hat, beruft sich nunmehr, in Ermangelung eines Rechts- bodens, auf den Frankfurter Grund nnd Boden!
Frankfurt, 14. Juni. Heute Morgen kamen die Quartiermacher eines preußischen Jnfanteriebataillons ; und des Kürassirregtments hier an; ersteres wird mor- ' gen, letzteres aber erst übermorgen hier eintreffen. — ; mgie man vernimmt, werden die Operationen gegen . Baden erst in der nächsten Woche, nachdem die baieri- ' scheu Truppen eingetroffen sind, ihren Anfang nehmen. (Fr. I.) I
Frankfurt, 15. Juni. Heute früh ist hier die zuverlässige Nachricht aus Nheinbaicrn eingegangen, ; daß die von Saarbrücken und St. Wendel vorgedrnn- ; gencit k. preußischen Truppen bereits in Landstuhl (eine Poststation von Kaiserslautern) stehen.
Mannheim, 13. Juni. (§. I ) Die heute hier eingetroffene neueste Nummer der Constauzer „See- blatter" vom 11. d. melden nichts von einem Ein- rücken österreichischer Truppen, der dort dieser Tage erfolgt sein sollte.
Freiburg, 12. Juni. (F. Z.) Heute kam der Befehl an das bisher hier liegende Bataillon des Leibinfanterieregiments und die 4 hier und Umgegend befindlichen Bataillone Volkswehr zur schleunigen Abzug in Unterland (Bruchsal).
Karlsruhe. Mit Mierowslawski ist der Artil- lerieoberft Gajewsky angekommen, von Ostroleuka her- bekannt, wo er an Bem's Seite sich so rühmlich ausgezeichnet hat.
Karlsruhe, 11. Juni. (S. M.) Die Hanptneuig- keit des Tages ist das Verschwinden des ErkricgSmi- nisters Eich seid, zuletzt Kommandeurs des Leib-Infanterieregiments, von Heidelberg. Derselbe hat gestern Vormittag Lauterburg passirt, mit sorgfältiger Vermeidung aller Berührung mit den dortigen Flüchtlingen, und in solcher Eile, daß er wegen Erlangung eines Paffes den Lauterburger Kommandanten aus der Prozession rufen ließ. Er reiste alsbald wiederab in Begleitung seines Schwagers, des Lieutenants Freyberg, angeblich nach Straßburg wegen Munition.
Der seit der kurzen Zeit ihrer Entstehung schon zu einer beträchtlichen Zahl angewachsenen schwäbischen Legion treten täglich fampfbemte Männer bei.
Heilbronn, 12. Juni, Mittags 11 Uhr. (Schw. Mkr.) Heute rückte hier ^ine beträchtliche Truppcn- abtheilung ein; die Entwaffnung der Bürgerwehr ist ungeordnet. Die Ablieferung der Waffen hat begonnen. Zusammenrottungen auf den Straßen sind verboten. Die Stadt ist ruhig.
Aus dem badischen Unterland, 12. Juni. (F. I.) General Mieroslawski ist gestern bei den im Felde stehenden Truppen, deren Oberbefehl er sofort übernehmen wird, eingetroffen. Er wurde den Truppen durch den Oberst Sigel vorgestellt. Der Eindruck, den der General machte, war ein günstiger. Er erklärte indeß, daß es durchaus nöthig sei, sich vorerst auf die Deveusive zu beschränken, bis die Armee vollständig organisirt sei. — Unsere Truppen haben gegenwärtig theilweise eine harte Aufgabe, und es sollte mich Wunder nehmen, wenn sich keine Unzufriedenheit kund gibt. So hat ein Corps Limen-Truppen bei Schriesheim drei Tage nacheinander bei dem fürchterlichsten Regen im Freien biyouaqutren müssen, während sie bei Tage bald rechts, bald links geschickt werden; und wenn sie ankommen, ist nicht für Einqnartirung gesorgt, so daß die Truppen noch Stunden lang stehen müssen, bis fiejnd Quartier kommen. Nachgerade wird übrigens die große Masse Truppen, erstes Aufgebot und Freischaareu, auf so engen Raum zusammengedrängt, für die ganze Gegend, zumal für das Landvolk, eine empfindliche Last. Der Bürger gibt zwar gerne und mit Freuden, so lange er etwas hat, aber das ist bei Vielen bereits nicht mehr der Fall; daher kam es denn auch, daß in manchen Ortschaften die Soldaten umquartirt werden mußten, weil viele nichts zu essen bekommen hatten.
Aus dem Westrich, 12. Juni. (Fr. Z.) Heute find verschiedene Abtheilungen preußischer Truppen von Kreuznach her in die bairische Pfalz gerückt. Die Freischaaren zogen sich zurück. Die Ebernburg wurde von einer Compagnie des 24. Regiments besetzt. Ein Aufruf des Generals von Hirschfeld besagt, daß er auf Befehl des Königs von Preußen einrücke, gerufen durch die Regierungen? von Rheinbaiern (!) und Rheinhessen.
München, 11. Juni. (F. I.) Die Stimmung über die Kammerauflösung ist fast eine gleichgültige zu nennen; man hatte sie erwartet, und man ist gewiß, daß die neuen Wahlen, welche binnen drei Monaten zu geschehen haben, noch nachtheiliger für das Ministerium ansfatten, als die bisherigen waren. — Der als Regierunscommissär in die Pfalz bestimmte Ministerialrats; Molitor ist diesen Abend mit dem letzten Bahnzuge dahin abgegangen. — Ueber die ihnen bereits gemeldete Verhaftung Danzer's habe ich ihnen noch mitzutheilen, daß der Polizeiaccessist Sepp, ein Bruder des Ultramontanen und Mitglieds der Nationalversammlung zu Frankfurt, Denunciant und Anordner der Verhaftung in einer Person war, und daß sich die Denunciation als eine ganz falsche Heransgestellt hat.
Anspach, 12. Juni. Der des Versuchs des Hoch- vcrraths angeklagte ehemalige Erpeditor des „freien Staatsbürgers", K ü h n aus Nürnberg ist von den Geschwornen für nichtschuldig erklärt worden. (N.C.)
Trier, 12. Juni. (Tr. Z.) Die Bourgeoisie plagt sich den Kopf über die Art und Weise, wie cs bisher der preußischen Regierung gelungen sei, die enormen Ausgaben für die großartigen Truppenbewegungen, für das Ausheben der Landwehr u. s. w. $u decken. „Wo mögen sie nur das Geld herkriegen?" ist eine Frage, die man jeden Augenblick aufstellen hört. „Rußland, Rußland" erwiedern die Einen, „Rußland ist reich, Rußland hat Bergwerke, Rußlands Börse gleicht
dein Säcklein eines Zaubermährchen, das nie leer wird." Andere meinen, die Ersparnisse ans der frühern alten Zeit seien noch nicht erschöpft, aber darin stimmen Alle überein, daß es auf diese Weise nicht fortgehen könne, daß endlich die im Geheimen sprudelnde Quelle versiegen müsse. Handel und Gewerbe liegen darnieder, die Einnahmen stehen in keinem Verhältnisse mit den Ausgaben, und d:e Zeit, daß die Bilanz gezogen wird, rückt immer näher. Bedenkt man nur, was z. D. in unserer nächsten Nähe in den letzten Monaten vorging oder beger gesagt, nicht vorging, so kann man schon einen gewissen Ueberschlag machen in Betreff des Finanzzustandes. Die Kohlenbergwerke der Saarbrücker Gegend hatten in früherer Zeit einen regelmäßigen ungeheuren Absatz, welcher namentlich durch die Hüttenwerke bedingt wurde. Der Betrieb der letz- tern ist in^ Stocken gerathen, die Kohlengruben warten auf bessere Zeiten und der Staat behält seine Vor- rät^e und das Geld der Industriellen hat es verlernt, den Weg in seine Kassen zu machen. Die Fracht der Kohlen ist bereits auf die Hälfte herabgesunken im Vergleich zur frühern Zeit und dieses Factum allein dürfte schon hinreichend sein, den Verkehr richtig zu würdigen. Welche Summen hingegen wurden durch die ^Truppenbewegungen verschlungen. Gestern z. B. sind 3 Dampfboote mit Soldaten'von hier nach Koblenz abgefahren, welche Fahrt die Summe von circa 1500 Thlr. kostet und Zwar ausschließlich für die bloße Beförderung der Mannschaft. Dies ist nun freilich blos ein Tropfen ans dem großen Humpen des preußischen Staatsschatzes, während aber dieser Tropfen hier fließt, werden an andern Orten unseres Vaterlandes ganze Gläser voll ausgegossen und die nächste Frage ist, woher den Kellner nehmen, der den Humpen neuerdings füllt, wenn er leer geworden. Mögen doch unsere Bourgeois sich nicht täuschen, — sie müssen und werden selbst den Kellner spielen, „denn es führt kein anderer Weg nach Küssnacht!" Nehmen wir auch den Fall an, daß nach dem neuerdings octroyir- ten Wahlgesetz eine Versammlung in Preußen zusammentritt, welcher Finanzpläne vorgelegt werden, so liegt es doch auf der flachen Hand, und die Journale aller Orten stimmen' darüber überein, daß diese Versammlung nur von einem kleinen Theile gebildet sein wird, indem sich der größte Theil an der Wahl nicht betheiligt, um durch einen solchen Act den ungesetzlichen Schritt des Ministeriums nicht zu sanctioniren, — es wird daher von emer Anleihe auch nicht die Rede sein können, denn wer wird sich dazu verstehen wollen, Preußen Geld zu leihen, wenn ihm keine andere Garantie geboten ist, als der Beschluß einer Versammlung, welche blos aus der Wahl einiger serviler, ängstlicher, vormärzlich-denkender Seelen hervorgegangen ist? Tritt nun dieser Fall ein, dann ist der zweite unausbleiblich, nämlich jener, daß neue Steuern octroyirt werden und zu diesem Behufe haben wir denn wieder den berüchtigten Art. 105 der Verfassung vom 5. Dez. Die Bourgeoisie war bisher die treue Gefährtin einer Regierung, welche überall vergab, die Bestrebungen „einer cm Fmsteril wühlendeit Partei" zu unterdrücken, überall malt man das Schreckbild der „rothen Republik" an die Wand. Bisher hat diese Regierung ihren treuen Bundesgenossen geachtet, weil sie ihn nöthig hatte. Sie hat mit seiner Hülfe die Deinokratie anscheinend in Fesseln geschlagen, weil dieser eben gerade das fehlte, was die Bourgeoisie besitzt. Der Aufstand im Bergischen erlösd;, weil die Bourgeoisie nicht das nöthige Oel lieferte, um die Flamme zu erhalten. Die Ruhe wird hergestellt werden. Dies ist der erste Abschnitt der abfolutifti|d;en Erhaltungsmaßregeln. Dann kömmt der zweite Abschnitt — und dieser heißt Zwangsanleihe oder Einkommensteuer. Das haben unsere Bourgeois nie begreifen wollen, daß es nur zwei Wege in unsern Verhältniffen gibt, welche zur Ruhe führen, entweder der Weg der Gewährung rechtlicher Zustände, oder jener der kostspieligen Gewalt. Man sah daS Kostspielige nicht ein, weil man einstweilen noch nichts davon hörte, aber das hätte jeder Wucherjude ihnen doch sagen können, daß nur Idioten Geld ohne Zinsen ausleihen, und ein Blick auf die Geschichte unserer Zeit hätte ihnen hinlänglich bewiesen, daß man in Preußen zu rechnen versteht. Das Resultat jener freiwilligen Anleihe, welche im Frühlinge vorigen Jahres verrucht wurde, war ein klägliches. Die Regierung sah ein, daß auS freiem Willen die Bourgeoisie ihr blos helfen würde, wenn es gälte, kein Geld herzugeben. Die Demokratie hat richtig kein Geld erhalten; ist sie einmal zu schwach geworden, um irgend eine Forderung zu stellen, dann fühlt sich, und zwar mit Recht, die Regierung stark genug, forberno hervorzutreten. Sie wird nicht mehr, wie damals, an die Hochherzigkeit der Gutgesinnten appel- liren und daS Opferbecken auf den Altar des Vaterlandes hinstellen, denn sie weiß ja aus der Erfahrung, daß sie dann blos Kupfer sammelt, während sie Gold braucht. Tritt dieser für das ganze Volk traurige Fall ein, dann wird die Bourgeoisie nachträglich Gelegenheit haben, zu berechnen, ob sie mehr dabei gewonnen hätte, die Demokratie oder einer dieser feindliche Regierung zu unterstützen. Das ganze Heer des kleinen und mittlern Bürgerstandes, alle Industriellen und Kaufleute werden die Erfahrung rnachen, wie herrlich es sich in einem Staate leben läßt, in welchem aller Verkehr in Truppenmärschen besteht und in welchem nur eine einzige Familie mit ihren Anhängern regiert, statt der Gesammtwille des ganzen Volkes!
