lich eben so wenig, als die großartigen Nationalthca- ter, von welchen man schon geträumt hat, in Bälde zu Stande kommen; aber die Universitäten und Theater die wir haben, müssen wir dann doch durch diese Zeit der Geldnoth hindurch in eine bessere Zeit hinüberretten. Es versteht sich dabei von selbst, daß man diese Rettung auf die möglichst wohlfeile Weise bewerkstelligen muß, und, was ebenfalls nicht zu vergessen ist, daß alle diese Institute, welchen so aus allgemeinen Mitteln das Leben gefristet wird, auch in den Dienst der Allgemeinheit, d. h. in den Dienst der Freiheit (wofern das, was zugleich das Wesen der wahren Kunst und Wissenschaft ist, ein Dienst genannt werden kann) gestellt werden. Es wird die Zeit kommen, wo alle kunst- und wissenschaftlichen Institute, eben so, wie die Eisenbahnen, Posten u. s. w. Staatsanftalten sein werden, wie es in der Idee des freien Staates liegt; so lange wir aber unser Geld für die Ausrüstung der Armeen, für Kasernen, militärische Promenaden u. dgl. hingeben, müssen wir uns auf das System der möglichst geringen Zuschüsse beschränken. Solche Zuschüße vom Staate zu fordern ist, unseres Erachtens, eben so unsere Pflicht, als gegen die wiederholten, völlig zwecklosen, von der Mosen Gespensterfurcht eingegebenen, und doch so kostspieligen militärischen „Vorsichtsmaßregeln" zu protestiren.
Darum noch einmal, fort mit den hohen Civil- listen, um mit ihnen titeln Flitterglanz, der nicht mehr in die neue Zeit paßt, aufrecht zu erhalten. Wir wünschen bürgerlich niedrige Civillisten. Und die Sorge für Kunst und Wissenschaft, wie für den „Geldumlauf", die Sorge fär das materielle Wohl, wie für den Glanz und die Ehre des freien Staates, wollen wir selbst in die Hand nehmen! Dieses Ziel müssen wir, die wir aus der Märzrevolution hervorgegangen sind, unabänderlich fcsthalten. Und wenn wir's auch für diesmal nicht erreichen, so wird doch das Volk erkennen , daß wir eben so wohl nach Prinzipien, als nach den Zeitverhältnissen, also recht gesprochen und gehandelt haben!
D e « t f d? l n n Ö*
LPC. Frankfurt, den 27. März. Le roi est mort, vive le roi! (Der Kaiser ist todt, es lebe der Kaiser!) Dieser Satz eines im Zeitwirbel verschollenen Staatsrechts, war seit langer Zeit die Parole der erbkaiserlichen Partei in der Paulskirche. Und die Standartenträger des projcctirten, so liebevoll in der Idee gehegten und gepflegten Kaisers, den edlen Gagern an der Spitze, arbeiteten Tag und Nacht im Schweiße ihres Angesichts, damit die Idee Fleisch und Blut gewinne. Unermüdet wanderten sie, die Werbtrommel umgehängt, in den Lagern der Parteien herum, durch Unterschriften gebundene Sympathien sammelnd, sanfte Schläfer, die vor nichts weniger als von einem Kaiser träumten, in ihrer Morgenruhe störend. Mehr als Honigseim boten ihre Worte, um Widerspenstige zu überwinden, Schwankende zu befestigen, Linke rechts zu drehen.
Der große Wurf ist heute endlich gelungen, der zweimal in der Paulskirche begrabene Kaiser, der Kaiser, der das erstemal bis zu einem wesenlosen Schemen herabsank, das zweitemal an der kaiserlichen, raschreifenden Begeisterung Welckers starb, sprengt heute endlich die Niegel seiner Doppelgruft und feiert seine Auferstehung. Was thut es zur Sache, daß dieser Kaiser bloß eine Mehrheit von vier Stimmen zu erobern vermochte, was thut es, daß selbst diese so winzige Majorität blos dadurch errungen wurde, daß einige Mitglieder sich der Abstimmung enthielten, andere ihren Parteistandpunkt aufgaben, wieder andere nicht auf ihrem Posten waren. Der Satz der alten Staatsweifen: le roi est mort, vive le roi! ist wieder zur Geltung gekommen, und zwar nicht nach fürstlichem
Festung er sieb befunden hat. Mit ihm zugleich wurden zwei andere Jünger der Freiheit und Freunde Kossuths ins Gefängniß abgeführt und zwar Wesscleny nach Mun- kacs und ein Dritter, dessen Name weniger bekannt ist, nach Kufstein. Länger als zwei Jahre blieben diese drei im Kerker, bis endlich die Regierung beim Schlüsse des Landtages eine jener Amnestien erließ, wodurch sie sich besonders die Gunst des Volkes zu erwerben glaubte. Das furchtbare Gefängniß hatte auf die Eingekerkerten einen schrecklichen Eindruck gemacht. Wesseleny war in seinen kräftigsten Jahren schon alt geworden, sein Haar war ergraut und seine Augen erblindet ; als alter blinder Mann kam er aus Munkats und konnte für sein Vaterland, dem allein sein Herz schlug, für daö er so viel litt und duldete, nichts mehr wirken; der zweite war in Kufstein blödsinnig geworden, die Höllenkünste des 2lb= solutismus hatten sich endlich doch eines ihnen gefährlich scheinenden Menschen entledigt, fein Geist war unterdrückt und getödtet und das wollten sie ja. Nur Kossnth kam als derselbe Feind der Dynastie und der Regierung aué dem Kerker, als welcher er in denselben hineingegaugen war. Zwar war sein Körper krankha t und sei,wach geworden von den jahrelangen Leiden, aber sein Geist war stark, frisch, kräftig, lebendig und unverdorben geblieben.
(Fortsetzung folgt.)
Erbrecht, sondern nach einer neuen den Demokraten sehr gefährlichen Pran's.
Sprechend war die athemlose Stille bei der Abstimmung, die Spannung mit welcher man auf allen Seiten des Hauses die einzelnen Stimmen zählte; noch sprechender aber das tiefe Schweigen, mit welchem das Erbkaiserthuin von dem Publikum auf den Gallerieen ausgenommen wurde, während die Tribüne der Diplomaten von lautem Jubel wiederhallte!
Wir finden beides begreiflich! Die Demokratie fühlt die Wunde, die ihr geschlagen wurde, die Diplomaten einer gewissen Richtung betrachten den Erbkaiser als Hemmschuh des raschvorwärtsschreitenden Zeitrades. Die Mehrheit der Nationalversammlung konnte indessen ihres Sieges nicht froh werden. Sie fühlte, daß die Creirung eines Kaisers zu klein sei für den Namen eines bedeutungsvollen Tages, sie fühlte, daß man dem Volke mehr geben müsse, als einen 35ten Fürsten mit einer 35ten Eivilliste, einen Fürsten, den es nicht verlangt, den es in zahlreichen Adressen entschieden zurückgewiesen. Und so reihte denn diese sonst so genügsame Mehrheit an die Wiege des Erbkaiserthums den Sturz des der Linken so verhaßten Instituts des Reichsraths, und bot sogar die Hand, das Wahl- Gesetz, wie es aus der ersten Lesung hervorgegangen, sofort anzunehmen. Vergebliche Mühe! Der Erbkaiser ist und bleibt ein Knäuel der ernstesten Verwickelungen, der Erbkaiser eristirt vor der Hand nur auf dem Papier. Noch muß die Person gefunden werden, der man die Kaiserkrone aufs Haupt setzen soll. — Ein regierender deutscher Fürst muß es sein, aber welcher im Neigen der Vier und dreißig? Die Erbkaiserlichen haben hierüber Nichts festgesetzt; der wackere Verfassungs-Ausschuß hat in seiner erbkaiserlichen Phantasie nicht daran gedacht, wie man auf gute Art den Kaiser zu der Kaiserkrone finde. Erst morgen wird er nach dem Beschlusse der National-Versammlung hierüber feine Orakelsprüche, Vorlagen genannt, dem Parlamente mittheilen.
Nach unsrer freilich rein demokratischen Ansicht haben blos die Urwähler das Recht, den deutschen Kaiser zu wählen. Die Nationalversammlung hat blos Me Befugn iß; Deutschland eine Verfassung zu geben; sie hat dies oft genug ausgesprochen, sie nannte sich stets „ die verfassunggebende Nationalversammlung". —
Die Wahl des Kaisers geht über ihren Wirkungs- kreis, über ihr Mandat hinaus, diese Wahl gebührt einzig und allein den Urwählern, welche keineswegs die Absicht hatten, ihre Vertreter zu ebenso vielen Kurfürsten des Reichs zu machen.
Doch solche Vorschläge wird Herr Beselcr und Genossen schwerlich bringe». Der Verfassungsausschuß kann sich nur den König von Preußen als erblichen Kaiser in Deutschland denken. Seine reichsväterlichen Sorgen fliegen über die Ideen der Demokraten kühn hinaus, um sich liebevoll um die Persönlichkeit Friedrich Wilhelms IV. zu koncentriren.
Man wird, wie leicht vorherzusehen, statt der Urwähler die Nationalversammlung den Erbkaiser wählen lassen.
Friedrich Wilhelm IV. wird wahrscheinlich eine größere Mehrheit erlangen, als das Erbkaiserthuin selbst erobern konntz. Ein bedeutender Theil der Minorität wird sich der Wahl enthalten.
Aber wäre mit der Erwählung des Kaisers der gordische Knoten gelöst? Wird der König von Preußen die Krone von der Nationalversammlung annehmen, nachdem er erklärt hat, sie nur aus den Händen der souveränen Fürsten annehmen zu wollen?
Wird er die Verfassung unverändert mit der Krone Ännehmen? Wie, wenn er die Krone zurückweist, oder sie nur mit Zustimmung der Fürsten annehmen, oder die Verfassung zu frei für sein derzeit noch königliches Gemüth finden sollte?
In allen diesen Fällen erlitt die Volkssouveränität, erlitt die Volksvertretung eine Niederlage, welche die Schöpfer des Erbkaiserthums nimmermehr verantworten könnten.
Noch andere Sorgen wälzt diese kaiserliche Neu- geburt auf unsere Brust.
Wir denken an die Drohungen, welche die Cabi- nette von Olmütz, München, Petersburg u. s. w. gegen das noch ungeborne Kaiserthum tné Feld sandten; wir fürchten, daß das schöne Oestreich durch diesen Kaiserschnitt vom Leibe der Germania getrennt werde.
Die nächsten Tage werden uns enthüllen, ob unsere Sorgen gerecht waren. Eins jedoch ist gewiß, die Demokratie hat Grund genug, über diesen Tag in der Paulskirche Trauer anzulegen.
Berlin, 23. März. In unserm Publikum hat die nun endlich erfolgte Ehescheidung des Prinzen Albert (dritten Bruders des Königs) von seiner Gemahlin, der Prinzessin Marianne von Holland, Schwester des t Königs Wilhelm 11. den eckelhaftesten Skandalgeschichten ein Ende gemacht, welche in dieser unglück- Ehe ein gar trauriges Licht auf die Verhältnisse der „allerhöchsten Stände" warfen. Nicht blos Ehebruch sondern auch öffentliche Prügelscenen und von beiden Seiten mit den schmutzigsten und obseönsten Details angefüllte Correspondenzen mit den herabwürdigsten gegenseitigen Anklagen hatten die fürstlicke Ehe schon längst an den Pranger der öffentlichen Meinung gestellt. Wenn bei der pietistischen Heuchelei unseres Hofes die Camarilla zur Zeit hochmüthig und die Augen verdrehend bei den berüchtigten Prozessen des Herzogs
von Praslin, der Marquise von Mortier und anderer Pariser verfaulten Aristokraten ausriefen: „So etwas kommt bei uns nicht vor," so ist im Gegentheil der Schmutz in den höchsten Kreisen hier noch viel größer, nur wagte es die hiesige servile Presse nicht, solchen aufzudecken, aber im Volke hat längst jede Achtung vor den höchsten und allerhöchsten Kreisen aufgehört, da die Maitressenwirthschaften des verstorbenen Prinzen August und anderer Prinzen hier das dem Lande ausgesogene Geld zu Hunderttausenden von Thalern an Buhldirnen und Freudenmädchen verschwendeten. Ja noch jetzt sehen wir wie diese Weiber hier mit ihrer Nachkommenschaft in den Adelstand erhoben, und unter dem Namen Grafen und Gräfinnen von Wall- denburg, Barone und Barroninnen von Prittwitz rc. einherstolziren. Was nun unsere Geld- und Bankaristokratie anbetrifft, so können Sie einen Begriff davon bokommen, welcher Geist diese Feinde des Volks beseelt, wenn Herr Hansemann und Consorten jüngst ein con- stitutionelles Organ gründeten, und dasselbe zur Redaction dem als Polizei-Agent Louis Philippe's berüchtigten Literaten Philipp Weil in Stuttgart antrugen !! So weit, so tief also sind unsere conservativ- Constitutionellen gesunken, daß sie ein in der öffentlichen Meinung allgemein verachtetes Individuum, das um schnöden Sold die Politik des verräterischen Juli- königs vertheidigte, und über nach Paris reisende oder dort lebende Deutsche Denunciations-Berichte für die französische Polizei lieferte, sogar an die Spitze einer neuen Zeitung berufen! Wie tief muß bei den Herrn Hansemann, Cainhaufen und Consorten jedes moralische Gefühl gesunken sein, daß sie solche politische Gesellen zu Vertheidigern ihrer Ideen, d. h. ihres Geldsacks berufen. Die All-Gemeine Augsburger Zeitung lieferte uns auch kürzlich wieder einen Beweis ihrer Gesunkenheit. Es ist nämlich bekannt, wie nach den Februar-Revolutun eine in Guizots Bureaux zu Paris gefundene Liste der Personen veröffentlicht wurde, welche von den geheimen Fonds der Pariser Polizei zehrten. Unter diesen befand sich auch der berüchtigte Baron Eckstein, der auch zugleich für die österreichische Gesandtschaftspolizei des Grafen Apponyi über die Deutschen in Paris berichtete und noch jekt dasselbe edle Handwerk treibt, wofür er eine jährliche Besoldung bezieht. Was that nun die „Allgeineine Augsburger Zeitung" des edlen Baron von Cotta, nnd des eben so edlen Grafen Reischach? Sie behielt nach wie vor den Spion Eckstein, der an zwei verschiedenen Krippen Spionsfutter bezieht, als Korrespondenten in Paris, ganz so wie die neue Münchner reaktionäre Regierungszeitung sich einen ehemaligen Radikalen und jetze zum Renegaten gewordenen Dr. Haller (auch Korrespondent der Augsburgerin) zum Redakteur bestellt hat. Diese beiden saubern Herren Eckstein und Haller besudeln nun täglich die Republikaner aller Farben und die ganze Partei mit den schmutzig- stcn Schimpfworten und nennen dieselben das blut- rothe radikale Lumpengesindel.
In Paris ist nun auch seit der Februar-Revolution der Verfasser des Bauernkriegs, Alerander Weill, der früher den Radikalen spielte, aber im Grunde für alte Blätter, die ihn bezahlten, Aufsätze lieferte, zur Reaktion übergetreten, indem er in schlechtem Französisch ein Machwerk betittelt: „Ueber die Erblichkeit der Re- gierungsgewalt" schrieb! —
Unter den hiesigen Radikalen ist es ausgefallen, daß Carl Gutzkow sich um eine Deputirtenstelle an der 2. Kammer bewarb und auch die demokratische Partei um Unterstützung seiner Candidatur anging, da derselbe seit seiner Anstellung als Hofdramaturg in Dresden nicht das mindeste für die Sache des Volkes leistete. Daß solche Halbliberale glänzend durchfallen, versteht sich von selbst, die öffentliche Meinung will in unserer Zeit entschiedene Charaktere.
Darum ist auch Jakobus Venedey längst in Frauk- furt zur komischen Figur geworden nnd übt daselbst nicht den mindesten Einfluß.
Während derselbe nämlich im Vorparlament erklärte: Nur über seine Leiche würde die Republik gehen, äußerste sich derselbe in Straßburg im Gast- Hause zum Rebstock zum Comite der pariser Legion offiziell abgesendet: auch er sei ja Republikaner, während Jakobus Venedey in Paris in den dreißiger Jahren in dem „Geächteten" durchaus radikale und königsmörderische Aufsätze schrieb, ja, so lange Börne lebte, ganz zu dessen Idee schwor und erst zu Ende der drei- ßigerJahre zu den gemäßigteren Fortschrittsideen über- ging.
Unsere Festungen wimmeln voll Militär verschiedener Grade, welche ihre Sympathieen für die neuen Ideen geäußert und jetzt dafür auf das grausamste gestraft werden. Die Zahl der Offiziere unter ihnen ist bedeutend. (Mannh. Abdz)
Berlin, 24. März. Von einem Kapitulanten des Gardc-Franz-Regimentes, der das Regiment verlassen und in schleswig- holstein'sche Dienste getreten, wurden mir gestern nachfolgende Fakta erzählt: 17 Mann der dritten Kompagnie besagten Regimentes traten aus dem versammelten Bataillon hervor und verlangten, da sie jetzt auf Kriegsfuß stehen und ihre Offiziere Kriegszulage hätten, dieselbe Vergütung. Diese 17 Mann haben vom Kriegsgerichte zusammen 50 Jahre Festung statt 8 Pfennige Zulage erhalten, und sind dieser Tage auf Festung gebracht worden. Von der 10. Kompagnie befinden sich jetzt, ihrer freien Gesinnung wegen, 58 Mann in Arrest.
