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Mainz Qcfoßvcii unb Rabe bon bortigen TlilitäratjUn verncnutu n, baf; das neue Lederzeug außerordentlich dazubeitrage, die Gesuud- beit des Soldaten zu schonen. Wenn das Volk Verminderung der Steuern begehre, so könne es doch nicht wollen, daß seine Söhne ihm krank zurückgeschickt würden. Werren: Es sey eine Vermehrung der Reichstriippen vom Parlament bekanntlich beschlossen worden. Dieselbe werde in Nassau in der Weise vorerst vor sich gehen, daß ein jedes Regiment um ein weiteres Bataillon vermehrt werde. Für die neuen Bataillone werde jedenfalls daS neue Lederzeug eingeführt werden. Er mache nun auf den Miß­stand aufmerksam, wenn die beiden Arten von Lederzeug neben­einander bestünden. Das Lederzeug würde doch wieder im Lande gemacht: und die verlangte Summe käme als Arbeitslohn den Gewerbsleutcn zu Gute. Wenckenbach I.: Man wolle gerne zu Gunsten der GefchäftSleute ausgeben; aber das sei ja das Mißliche, daß man kein Geld zum Ansgeben habe.

Ballmann: man habe von einer humanen Behandlnng des Militärs geredet. Er habe mehrere Verwandte, die als Freiwillige dienten: er habe von ihnen noch keine Klagen vernommen. ~ b man etwa den Soldaten erlauben solle, im Gliede Tabak zu rau­chen? (Gelächter.) Wimpf: Mit dem alten Lederzeug habe man uns rufst filieren wollen, mit dem neuen wolle man uns VreufuRveren. Er habe sich noch heute Morgen bei einem Arzt erkundigt und von ihm vernommen, daß durch das alte Lederzeug keine Brnstkrankheiten, Bluthusten u. s. w. Hervorgerufen worden seyen. Er habe auch mit einem Offizier gesprochen, welcher 15 Fahre das Lederzeug getragen, und von ihm gehört, daß daS alte Lederzeug nichts schade. Das alte Leder,eng sei noch gar nicht ansgegriffen und noch in der Lieferung. Es fei unverantwortlich, wieder neues zu bewilligen. Die Vermehrung der Bataillone stehe wohl auch noch nicht so nahe. Werren: WaS die Ver­mehrung der Bataillone anlange, so f-i man nicht schon man, fotibftn fcfwn dnn. ©ßö ©encrnlcoinnuinbo ^^ sei)ou big ein? leitenden Schritte gethan. Lang: Der Militärdienst sei ein persönlicher Dienst. Wer gesund fei, müsse Soldat werden und rwar weil er qefunb sei. So glaube er, mühe man fich auch für verpflichtet halten, für deS Soldaten Gesundheit Sorge zu tragen. Vom RTchsministerium erwarte er nicht, daß eS ein andres Leder­zeug einführen werde, und deßwegen stimme er für den Majontats- antrag hierauf erschallt der Ruf nach Schluß; eS wird abge- stimmt und nach Ablehnung des Minoritätsantrags gegen 15 St. der MajvritätSantrag angenommen mit 20 Stimmen.

S ch l u ß b e t r a ch t u n g.

Zahle deutscher Michel, zahle! Denn zum Zahlen bist Du ja nur auf der Welt! Und Du hast ja Geld genug und es ist schön, sehr schön für daS deutsche Reich, welches dermalen noch in den blauen Wolken hängt, sein Geld zum Opfer zu bringen. Auch macht dich ja daS häufige Geldzahlen n'cht arm: deutscher, guter Michel: denn Du bist ja durch die Abgaben für Militär, Veam- tenbeer unb Hofbedienten seit 33 Jahren schon längst arm.

Deßhalb tröste Dick, deutscher Michel. Bald erhälst Du auch einen Kaiser und dann wirst Du neben Deinen vielen Civillisten noch eine nagelneue, und zwar eine kaiserlich angemessene zu be­zahlen haben. Doch Du thust das ja alle gerne: Du erhälst dann ja auch einen Kaiser, der Dich von aller Noth befreien wild, wie Dir dieß ja Deine Beamten und Professoren, welche doch noch nie in ihren Sack gelogen haben, beharrlich versichern.

Nationalversammlung zu Frankfurt.

196. Sitzung.

Die Reihe der Redner gegen den Welcker'schen Antrag eröff­net Buh. Er ruft: es ist l i Uhr (Gelächter), wenn es 12 Uhr schlägt, und wir stehen nicht auf der Höhe der Zeit, so ist un­sere Autorität verloren. (Gelachter.) Nachdem wir uns fast ein Jabr gequält und nichts zu Stande gebracht haben, wollen Cic'anf einmal uns eine Verfassung anfdrängen, wollen sie au- uebmeu lassen in Bausch und Bogen und warum? Weil Sie behaupten, das Vaterland sei in Gefahr, jede Zögerung sei ver­derblich. Meine Herren, bange machen gilt nicht unb die Ge­fahr , die Sie ausmalen, konnten Sie seit Monaten sehen, und damit hat sie ihr Schreckliches verloren. Ich sehe Ihnen auch keine Furcht, keine Anstrengung an, die Gefahr zu beseitigen, außer wenn Sie Stimmen werben (Gelachter); Sic sagen, wir sind bedroht von Rußland, von England und Gott weiß noch von wem; das wußten wir aber längst, daß die großen Mächte eine freie Entwickelung Deutschland's nicht ungehindert zur Freiheit kommen lassen. Hätten Sie ein starkes Deutschland gemacht, so hätten wir uns nicht darum zu kümmern, Sie haben Deutschland schwach gemacht und wollen es jetzt noch schwächer machen.

Dann kommt er auf die Gegensätze der Stämme, der Jn- teressen und der Konfessionen in Deutschland, für welche er eine Versöhnung in dem Sinne fordert, daß die Parteien vereinigt, aber nicht eine der andern untergeordnet werde. Der erste Ge- gensak fei Partikularismus und Einheit; dabei bemerkt er, daß Oesterreich deutsch sei, wie er selbst im vorigen Winter während seines Aufenthaltes in Olmütz, wo er alle jene Männer vom Ministerpräsidenten bis zum Heizer (die Versammlung versteht Kaiser, und bricht in Lachen aus) gesprochen habe, erfahren, da fei cr beruhigt gewesen (Gelächter), und verlangt, Jaß der Bundesstaat so dehnbar eingerichtet werde, daß alle Staaten, die hinein gehören, also auch Oesterreich, darin ausgenommen werden könnten.

t "Zittel: Wir wissen, daß Oesterreich jetzt nicht in den Bun­desstaat ein treten kann; aber nirgends wird das Bedürfniß einer innigen Verbindung mit Oesterreich tiefer gefühlt als in Baden. Wir" können aber ans die bloße Möglichkeit hin, daß Oesterreich später eintrete, mit unserer Constitnirnng nicht warten, weil sonst Deutschland zu Grunde gehen könnte. Das deutsche Volk will nach so vielen Täuschungen eine feste Einigung. Es will nicht den alten Bundestag, noch einen Diktator oder einen sechs­jährigen Kaiser.

Fröbel! Die höchste gesetzgebende Versammlung eines Volkes hat vor Allem die Pflicht, ihren souveränen Cbarakter aufrecht zu erhalten, und wenn sie das nicht durch die That kann, we­nigstens das Recht festzuhalten. 2Bir sind leider dahin ge­kommen, daß wir unsern Blick lediglich nach Außen gewendet haben, wie können wir uns nun davor sichern, daß nicht Noten und Gegcunoten dazu gemacht werden, um diese Versammlung wie scheue Pferde durch Peitschenknall rechts und links zu dem Ziel zu treiben, wohin man sie bringen will. Der Wclckcr'schc Antrag ist der Gipfel der Unselbstständigkeit dieser Versammlung, und er verletzt die Würde derselben auf das empörendste. Ich gehe bei Betrachtung desselben von zwei Punkten aus, dem Ver­hältnisse zu Oesterreich unb der Organisation der Vollziehnngs- gcwalt.

Die erbliche Kaiserwürde ist ein greller Anachronismus, ebenso in der Erblichkeit als in der Kaiserwürde selbst. Die Erbherrschaft auszurotten, werden freilich ich und meine politi­schen Freunde nicht zu Stande bringen, noch sind ihre Wurzeln zu tief in das Volk eingedruugeu. Doch die Thatsache ist etwas Andres, als das Prinzip, dessen Erneuerung in ein umzuschaf- fcndcs Kaiserthum mit der Jetztzeit unvereinbar ist.

Das Kaiserthum anlangend, so ist es nie der Ausdruck einer teiu politischen Idee gewesen, cs hatte von jeher eine religiöse Bedeutung; ein protestantischer Kaiser ist ein Kalisch ober Czar, unb ein konstitutioneller Kaiser kommt mir vor wie verzeihen eie den Ausdruck ein konstitutioneller Gott (Beifall). Das Kaiserthum verbindet eine gewisse Orthodoxie mit sich, der

Kaiser will allein stehen, der einzige Kaiser sein. Nun sehen ; Sie auf den Kaiser von Rußland und Oestreich, die außereuro- ! päischen nicht zu rechnen. Zuletzt wollen alle Völker einen Kai- i fer haben. Mir scheint, als würde so das monarchische Princip 1 altersschwach (Beifall).

Ich und meine Freunde werden für unsere politische Ansicht keim Majorität erlangen. Geben Sie uns eine Majorität, wir werden damit fertig zu werden suchen. Wahrscheinlich werden Sie den Welcker'schen Antrag durchsetzen, aber dann erkennen Sie uns als eine Partei der Zukunft an, und lassen Sie uns unsere Aufgabe, die Idee, in welcher das Volk bei seiner Er­hebung anfing, seine Zuluft zu sehen, sowie das ungeschmälerte Vertrauen des Volkes zu diesen Ideen frisch unb kräftig zu er­halten und dieselben rein und unverfälscht auf eine bessere Zu­kunft zu übertragen (Beifall).

Die Reaction sagt, nach uns komme die Sündfluth; lassen Sie mich das umkehren, nach der Sündfluth kommen wir. (Rau­schender Leisall.)

Simon von Trier: Im Frühjahr v. I. folgten unsere österreichischen Bruder dem Rufe der Freiheit. Die Macht der österreichischen Regierung hinderte sie nicht, sie schrieb die Wah­len aus, und ließ die Abgeordneten ziehen, und nach einigen Monaten wählten wir einen Prinzen von Oesterreich zum deut­schen Reichsverweser. Warum ist die Macht der österreichischen Regierung eine andere geworden, warum dürfen die deutschen Sympathicen in Deutschland nicht mehr laut werden. Wer hat die Veränderung herbeigeführt, wer sic verschuldet?

Macht! Macht! Macht! Sie wissen wer nach fremder Macht ruft! (Beifall.)

Sie hatteu eine Macht, die Macht des Volkes, die Macht seiner Souveräniät, diese ist von dieser Versammlung ans nach und nach immer mehr untergraben worden. Erinnern Sie sich noch, als der Wehrausschuß nicdergcsetzt wurde, verlangte er auch den Antrag,-die Bürgerwehr zu Organist rett auszubilden und zu centralisircn. Diese war allerdingo der Ausdruck der Macht, die <Lic geschaffen hat. Sie haben diese Macht bei eeite_ geschafft, der Wehrausschuß hat das stehende Heer vermehrt. Sie haben unsere Warnung überhört, die Macht, die Sie geschaffen hat, ist verschleudert und Sie rufen nun nach fremder Kraft. Wollen Sie Kraft, so müssen Sie jetzt den entgegengesetzten Weg ein- schlagen und zum Standpuukl der Revolution zurückkehreu.

Sie haben sich, anstatt aus Thaten zu gestehen, von Ihrem Ministerium stets mit Phrasen hinhalten lassen. Denken Sie an das Programm des Ministeriums Schmerling, welches versprach, jeder Einwirkung auf die Gewalt des vereinten Deutschlands, käme sie woher sie wolle, mit der vollen Macht des Heeres und des deutschen Volkes cnögegenzntrcten, welches für das freie und einige Vaterland zu siegen wissen werde, wollte man jetzt so sprechen, so würde das Ministerium schreienGestalten"! (Beifall.)

Statt allem dessen hat man nichts, gar nichts gethan; zum Beweis führt er die verschiedenenen Aeußerungen Schmerlings, welche dieser hier unb iu Wien gethan, auf, unb verlangt die Ak­tenstücke über den Verkehr mit Ungarn und mit Vertrauensmän­nern in der Moldau und Wallachei zu sehen, von welchen Schmer­ling gesprochen. stlichtS fei geschehen, nm die wenigen kräftigen Beschlüsse der Versammlung auszuführen. Zuletzt erinnert er an den Malmöer Waffenstillstand und den Untergang Wiens, alle Mitglieder des Ministeriums seien an diesen beiden Schuld. Der Verdacht liege sehr nahe, daß sie schon damals dem künftigen Erd- kaiser das Präsum nicht hätten verweigern wollen. (Beifall.) Nach dem 6. Oktober, als in Berlin noch eine hochherzige Ver­sammlung saß, die Wien zu schützen beschloß, daS Sie verließen (Beifall), waren Wien und die deutsch-österreichischen Provinzen noch zu retten, aber fast sollte man glauben, Wien hätte unter- gehen müssen, um den Widerstand des Hauses Habsburg gegen die dem Hause Hohenzollern zu übertragende Kaiserkrone zu be­seitigen. DaS Tragen der Cultur nach Osten will ich nicht er­wähnen, cs ist bereits gerichtet, gerichtet durch einen Redner der rechten Seite, durch Waitz. Wir haben nusgehalten mit Wien, wir haben einen der Edelsten unserer Seite dort verloren, in der Zeit, ehe Welcker von Olmütz hierher zurückkam, um uns zu leh­reu, wie man für seine Ueberzeugung lebt und stirbt. < Beifall.)

Eine reine Jllnsston ist es, zu glauben, daß die Gesammt- monarchie ein Volkshans, das sich in 4 bis 6verschiedeuen Spra­chen nicht verständigen kann, gestatten könne. Es ist also auch daran nicht zu denken, daß die Gesammtmonarchie sich mit uns vereinigen könnte, auch wenn uns ein VolkShauS gestaltet würde. Zwingen können wir doch die Magyaren und Polen auch nicht, Abgeordnete hierher zu schicken.

Wir sollen die Gesammtmonarchie vor den Russen retten, b. h., wir sollen thun, was jetzt die Russen thun, zur Unterdrückung der Völker helfen, dazu wird sich die linke Seite nimmermehr ver­stehen.

Die materiellen Mittel anbetreffend, so verkennen wir den Köder, den man uns damit hinwirft, ebenso wenig, als die abso­lute Angel, die dahinter steckt und werden nicht anbeißen. Wo sind die Märkte in Ungarn und in Italien, wir sollen sie erobern, wo ist die ganze Gesammtmonarchie, sie ist noch gar nicht da, wir sollen sie erst mit deutschem Blut schaffen, wir werden uns hüten das zu thun.

Kleindeutschland ist da, und es kanu Cultur und Humanität nur von Kleindentschland aus gerettet werden, aber nur dadurch, daß es die hier geschaffte Freiheit aufrecht erhalte und die Ver­pflichtung mit hinüber nehme, einst Großdeutschland zu werden. (Beifall von der Rechten.) Wir sind noch nicht so ganz einig, meine Herren. (Beifall.)

Um dahin zu kommen, wird uns der Erbkaiser vorgeschlagen. Wenn sie aber glauben, das erbliche Kleindeutschland toerbegbie hier geschaffene Freiheit erhalten und sich zu Großdeutschland er­weitern, so ist die Rechnung falsch. Der Schwerpunkt Kleindeutfch- lands wird nach Berlin kommen, wie Vogt sagt, und wir werden ihn hier verlieren. Denn ebensowenig, als das Ministerium Brau- benburg abgetreten ist, oder daS Recht des preußischen Volkes ge­schützt hat, weil Sie es so wollten, ebensowenig wird es die Grundrechte publiziren und die Freiheit des Volkes aufrecht erhal­ten, weil Sie es so wollen. Der Redner führt in einzelnen Bei­spielen aus, wie die preußische Gesetzgebung mit den Grundrech­ten im Widerspruch stehe; wie in Betreff der Beschränkungen der Preßfreiheit, dem VersamnilungS- und Vereinsrecht.

Herr Rießer warf unS vor, daß wir coalisirten und dabei mit einer Partei gingen, der wir zumutheten, gegen ihre innere Ueberzeugung zu stimmen. Wer aber feine Prinzipien nicht mit Thatsachen verbinden kann, der kann überhaupt in eine Gesellschaft, in einen Staat nicht eintreten; um so mehr muß es aber auch verwundern, daß der Verfassunasausschuß, nachdem er unS gar keine Concessionen machte, im Wahlgesetz eine unS entgegengesetzte Modifikation eintreten ließ, das scheint mir eine von den Hals­starrigkeiten zu sein, von der einst Wydenbrugk gesprochen hat.

Aber Sie werden daS Wahlgesetz auch nicht durchsetzen; denn wenn man eS von einer gewissen Seite als etwas Entsetzliches bezeichnet, die früher sich auf den liberal-constitutionellen Stand­punkt stellte, so können Sie sich vorstellen, waS das Ministerium Brandenburg-Manteuffel von dem Wahlgesetz denken, darüber be­schließen wird.

Ja eS sieht heiter im preußischen Staate aus, die Demokra­ten werden verfolgt, die Kammern sollen von den Hochvcrrâthern gereinigt werden/da es eine Despotie wäre, den König an seine Versprechungen zu erinnern (Beifall). Die Ausweisungen gehen ihren Gang und ein Posener, der als konstitutionell preußischer Staatsbürger in Berlin nicht bleiben durfte, erhält nun in seiner Eigenschaft als gleichzeitig rufsischer Unterthan, auf Verwend mg des russischen Gesandten, die Erlaubniß dazu (Große Bewegung).

Man sagt, wenn das übrige Deutschland hinzukommt zu den Vertretern Preußens , wird sich das Ministerium nicht halten, eS hat sich aber sehr erhalten gegen die preußische Nationalversamm­lung , gegen das preußische Volk unb gegen die Beschlüsse der ganzen Paulskirche.

Das ist aber der Fluch unserer Zeit, daß wir zu keiner fried­lichen Gestaltung kommen, daß überall Minoritätsministerien sind, die, wenn sie sich nicht halten können, an daS Heer appelliren und die Kammern auflösen. So lange das fortgeht, werden wir nicht zum Frieden und zur Freiheit kommen (Beifall).

Was man thun wolle, wenn sich dieselben weigerten, die Grund­rechte einzuführen. Ob man matten unb feilschen wolle mit der Volkssonveränetät ? Seine Partei habe dies nie gethan und werde es nie thun. Und ob man denn glaube, daß der Erbkaiser ein Großdeutschland machen werde, ob er die deutsch österreichischen Provinzen holen werde. Er glaube es nicht. Man lese, wie die erbkaiserlichen Organe über jeden Sieg der Magyaren trauern. Der Redner schloß damit, daß er behauptet der Erbkaiser sei kein Heil. Nur wenn derselbe Geist, der im März 1848 wehte, der fern von PatricnlarismuS, dessen Losung gewesen: Hingabe für das Ganze, Fürst und Volk wieder erfasse, dann könne vielleicht das Werk der Einigung Deutschlands gelingen. Sollte dieser Geist nicht wieder hèraufbeschworen werden können, dann sei daS Volk betrogen. Seine Partei habe diesen Geist nicht verloren. Sie habe daS Märzmandat festgehalten, und wenn auS ihrem Wirken nichts werden sollte, dann würden sie die frühere Fahne forttragen in den kommenden Tagen der Gefahr. Sie wisse, wo­hin die Gewalt zuerst schlage, wenn sie eintrete. Sie werde aber auch zu Grunde gehen können unb sich der Worte deS großen Dichters erinnern:Das Leben ist der Güter höchstes nicht, der Uebel größtes aber ist die Schuld." (Bravo links.)

Nach Herrn Simon besteigt der Präsident des Reichsministe- rinms, Heinrich v. Gagern, die Rednerbühne. Die Beschleunigung des Verfassungswerkes, sagt er, war der Gedanke, der mich in das Reichsministerium rief, und das Verfassungswerk ist jetzt zu Ende gediehen; ist Zeit, dem Volke zu lösen, was wir dem Volke versprochen. Ich habe nie das Wort gebrochen, das ich dem Volke gegeben. Ich schließe mich dem Anträge des Aus­schusses, die Verfassung in Bausch und Bogen anzunehmen, an, weil ich darin die vernünftige Lösung unserer Aufgabe erblicke.

Abg. Berger aus Wien: Wenn er den österreichischen Standpunkt heute mehr betone, als sonst, so sei eS, weil er durch den preußischen hervorgernfen. Er hoffe aber zwischen den beiden den deutschen zu finden. Er wolle dem Herrn Mtnisterpräsidenten seine Ansicht über Politik und Zukunft Deutschlands lassen, nicht streiten, ob Deutschland ein Wahlreich oder ein Erbreich gewesen, er wisse nur, daß zwischen den verschiedenen deutschen Dynastien keine Kontinuität gewesen, und daß sie eben deswegen an Ent- frâftung gestorben. Der Redner richtet hierauf die Waffen seiner Ironie gegen Hrn. Welcker. Hr. Welcker lege sich Abends nieder und stehe mit dem preußischen Kaiser auf. Da müsse man wirk­lich sagen: Morgenstunde hat Gold im Munde. (Beifall.) Er frage nur, wie Hr. Welcker behaupte, Oestreich habe das letzte Wort gesprochen. Man sage, in der vctroyirten Verfassung. Er sage daS auch, allein sie sei nicht fertig; sie habe keine objective Wahrheit, keine Wirklichkeit. Oesterreich sei nicht verjüngt, wie die banale Phrase sage, int Gegentheil, seine Zukunft sei eine noch ungewisse. Er komme nun auf die Note; diese gehe weiter, als eS die Verfassung eigentlich erlaube. Jetzt wolle man die Unterhandlung mit Oesterreich abrechen, weil der preußische Kaiser gesichert sey. Er verwechsele keineswegs die österreichische Regierung mit dem österreichischen Volke. Die erste vergehe, das letzte nicht. Die Abgeordneten aus Oesterreich seien die einzigen Stimme der Oesterreicher, wenn auch die Herren Würth und Arneth in einer sonderbaren Anwandlung von Ehrgefühl sich bewogen gefunden, ihre Mandate niederzulegen. (Widerspruch.) Der Redner wieder­holt zweimal die letzten Worte. Mau sage, die österreichischen Abgeordneten müssen gegen die österreichische Charte protestlren. Sein Antrag thue dies nicht nur, er hebe sie auf. Er komme auf die Gefahr. Warum habe man die Oesterreicher in das Par­lament gerufen, wenn man schon damals die Ansicht hatte, daß Gefahren drohen. Es scheine fast, als wolle man durch die Wahl des preußischen Kaisers die Gefahren herbeifuhrcn, um sagen zu können, wan habe ihn wegen dieser wählen müssen. Ob man aber denn glaube, daß der König von Preußen die Kaiserkrone annehmen werde. Man hat ihm von der anderen Seite her ge­sagt, thäte er es nicht, so stehe eine Palastrevolution ober eine Straßenrcvolntion zu gewärtigen. Man komme also auf ein Ver­brechen. Er sei nicht der Ansicht, daß die nichtdeutschen Völker Oesterreichs gefährliche Bundesgenossen für Dentschländ wären. Das Säbelregiment in Oesterreich, welches man als abschreckendes Ereigniß hinstelle, sei durch die Majorität selbst herbeigeführt worden. Der 6. October hat nicht der Republik gegolten, sondern war eine Cabinetsrevolntion, es galt den Sturz eines Ministeri- nmS. Er frage, ob man ernstlich glaube, ein Recht zu haben, Deutschland ohne Oesterreich zu bilden? Er verstehe sein Mandat als dahin lautend, Deutschland in einen Staatenverein zu bringen und zwar, wie Herr Reichensperger sich geäußert, nicht in einen apriorischen , sondern in einen apofleriorischen. Die ganze prac- tische Basis des eigenen Deutschlands sei noch im Gähren, er könne wohl die einstweilige Nothwendigkeit einsehen, einstweilen ein Kleindeutschland zu machen, alleiu nicht ebenso einen erblichen Kaiser. Vom numerischen Standpunkte aus schaffe man den preußischen Kaiser durch eine Minorität, da viele Oesterreicher fehlen. Abgeordneter Waitz habe gesagt, wober Habsburg-Loth­ringen daS Recht habe, an der Spitze Deutschlands zu stehen; er frage, woher es Hohenzollern habe? Sei einmal Deutschland preußisch, dann sei Oesterreich verloren. Er stelle den Antrag, über den Welcker'schen Antrag auf Tagesordnung überzugehen. Man möge die Unterhandlungen nicht abbrechen mit Oesterreichs Regierung, und wenn diese ungünstig ausfielen, dann mache man Kleindeutschland, aber dann vernichte man auch Deutschlands Einheit, Größe und Zukunft. (Bravo.) Ein nach Schluß der Discussion gestellter Antrag wird angenommen. Abg. Riesser wird im Namen der Majorität, Abg. Römer im Namen der Minorität Bericht ersiatten. Die Abgq. Schneider, Reitter, Makowiczka und Rösler reichen einen Protest gegen die österr. Charte ein und glauben durch diesen Protest ihr Recht, an der weiteren Abstim­mung Theil zu nehmen, gewahrt zu haben. (Bravo.) Der Vor­sitzende stellt noch die Unterstützuiigsfrage zu den vorliegenden An­trägen unb schließt die Sitzung. Schluß der Sitzung 3% Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch, 21 März. Tagesordnung: Abstimmung über den Welcker'schen Antrag.

D e n t s ch l a n d.

II Aus der Provinz, 11. März. Schleswig- Holstein unb die Diplomatie. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so wird der Krieg mit Dänemark mit Nächstem wieder beginnen. So weit hat uns die Diplomatie gebracht, jene Wissenschaft und Knnst zu­gleich, die anders spricht als sie denkt, und anders handelt als sie spricht, die da Frieden schließt, um den souveränen Willen des Volks zu zernichten, und Krieg beginnt, um sich aus den kräftigen Jünglingen, den Söhnen des Volkes, Söldlinge zu ziehen. Ich habe ihr die zwei letzten Attribute mit großer Absicht