KraiSkre è<H.
Paris, 8. Febr. Die Kammer geht also Ende April oder Anfang Mai auseinander. Die Royalisten jubiliren, aber mir dünkt zu früh. Allerdings hat das Volk von Paris heute und gestern die Herausforderung des Royalismus nicht angenommen; aber wenn es nwr- gen oder übermorgen den Handschuh aufhebt: werden dann die Herren Royalisten auch noch jubeln? Inzwischen strengt die Demokratie sich an, durch populäre Schriften die Finsterniß in den Bauerngemüthern auf- zuhellen. Eine Menge Volkskalender sind zu dies in Zweck verbreitet. In der Str. @oqHintere dir. 15 fungirt seit zwei Monaten das Bureau der Propagande socialist?, welches alte schon gelesene demokratische Zeitungsnummern aus der ganzen Stadt sammelt, ordnet und an demokratische Agenten auf dem Lande vei sendet. Der deutsche Verein ist diesem Unternehmen beigetreten. Wie die demokratische Volksbelehrung energisch in diesen Kalendern und Almanachen betrieben wird, davon hier einige Beispiele. F. V. Raspail publicirt aus seinem Kerker in Vincennes einen reißend gelesenen Allmanach, worin es am Schlüße heißt: „Der Schatten des unglücklichen R. Blum ruft vor den Richter- stubl Gottes alle Könige Deutsa lands und deren Knechte. Ha! diese mit Legimität prahlenden Caligulas erfrechen sich wohl noch gar, sich hinter dem Köni^smördergesetze zu verschanzen? O die Verruchten! einst werden sie sich glücklich preisen, wenn das Volk sie nicht aburtheilt und standrechtet wie gemeine Meuchelmörder." (N. Nh. Z.)
Paris, 8. Februar. Die Rateaudebatte nahm gestern Abend, kurz vor Sitzungsschluß, eine ganz eigenthümliche Wendung. Dezeilneris wies nämlich die Noth- wendigkeit nach: das Budget von 1849 noch zu berathen, ohne (im Gegensatze zu Saut yra's Anträge) die Dauer der Nationalversammlung zu verlängern, Dezeimeris, ein praktischer Arzt und tüchtiger Landwirth, prophezeite der Kammer, daß sie 7 bis 8 pCt. Zinsen werde zahlen müssen wenn sie noch länger zögere. Die Staats-Einnahmen würden schwerlich über 1249 Millionen betragen, und das gefürchtete Defizit um die Kleinigkeit von 300 Millionen Franken anschwellen. Wodurch glauben Sie das Defizit zu decken? fragte De- zeimeriS die ungeduldige Versammlung. Durch Anleihen? Aber wer wird Ihnen bei den heutigen Bör- sencoursen Geld leihen? Sie bestimmen z. B. 193 Millionen Frauken pro 1850 zur Beschäftigung des Proletariats durch Staatsbauten. Wie aber wenn Sie
keine 193 Millionen in der Kasse zum Verbauen haben? Mit 445 gegen 373 Stimmen wurde hierauf das Bud- get zu den Wahlgesetz-, Staalsrathsgesetz- und Vcr- antwortfichkeitsgefetz- Entwürfen hinzugefügt und man trennte sich erst um 7 Uhr.
— Das Journal des Debüts dankt der Majorität der Nationalversammlung, daß sie sich ein Ziel gesetzt. „So sehr wir geneigt sind — sagt es — der Werö- hilt der Nationalversammlung Gerechtigkeit zu zollen, so groß ist der Ekel, den uns die miserablen Ausflüchte der Minorität einflößen. Wir können es freilich den Herren Repräsentanten nicht verdenken, daß sie sich ökonomisch berühmt mach.n wollen. Das soll ihnen bei den Wahle,n nützen. Aber im Hintergründe soll ihnen das Budget nur als Mittel dienen, sich zu verewigen. Darum äußerte einer der Ihrigen schon gestern sehr treffend: „Wir reisen ab; aber wir bleiben!" .... Indessen darf die Budgetdebatte unmöglich etwas in der Hauptsache ändern."
Der Eonstitutwunel, vor Ungeduld brennend, die Nationalversammlung abreisen zu sehen, ist über die Hinzufügung des Budgets sehr mürrisch. Er nennt sie unlogisch und bedaucrungswürdig. Daö Budget, das die Natwnalveisammludg votwen wolle, werde ein Budget baclö — ein Budget im Sturmschritt sein.
— Die „Revolution" meint: „Die Auserwählten des 23. April brauchen wirklich eine Veranlassung, um sich mit ihren VoUmachtSgcbern auSzusöhnen. Das Budget verschafft ihnen diese Veranlassung. Mögen sie selbige gut benutzen, indem sie die Steuerlast des Landes erleichtern und tüchtige Ersparnisse einführen. Auf diese Weise haben sie die Wiederwahl in den Händen.
9t a ch sch r i f t.
Berlin, 9. Febr. (Fr. Journ..) Gutunterrichtete versichern, daß Graf Brandenburg wiederholt seine Entlassung gewünscht habe; der Umstand, daß sich bis jetzt Niemand gefunden hat, der die Stelle eines Min ster- präsidenten ohne Bildung eines neuen Cabinets annehmen will, tragt die Schuld, daß die Demission höher» Orts noch nicht angenommen ist. Hr. v. Manteuffel und die übrigen Minister sollen fest entschlossen sein, vor die Kammern zu treten.
München, 9. Februar. In der heutigen Kammersitzung fordert Kolb von Speyer die Kammer auf, ihre
Veistimmung zu der Erklärung Dr. Müller's abznqeben, denn sie seien doch gewiß Alle gegen ein preußisches Kaiserthlim und gegen einen Ausschluß Oesterreichs. Dr. Müller fordert die Kammer auf, durch Erhebung von ihren Sitzen zu erkennen zu geben, wie sie für ein freies, einiges, «»getheiltes Deutschland Gut und Blut zu opfern bereit sei. Es lebe hoch! Sämmtliche Abgeordnete erheben sich und bringen ein dreifaches begeistertes Hoch aus.
Bezüglich der Ministe. krisis kursiven zwfi Versionen Nach der einen würde nur Herr Beisler aus dem Ministerium ausschciden und Herr v. Lerchenfeld für denselben eintreten, nach der andern soll ein Ministerium aus der Linken gebildet werden. Beide Versionen, besonders die letztere, haben wenig Wahrscheinlichkeit für sich-
Die Kammer der Abgeordneten hat, wie schon kurz angedeutet, am 9 Februar die ganze Adresse, wie sie aus der DiScussion hervorging, nämlich den unveränderten Majoritätsentwurf, mit 72 gegen 61 Stimmen angenommen. (R. C.)
Karlsruhe, 10. Febr. Soeben, halb 7 Nbr AbendS, geht die Kammersitzung tu Ende, welche der Diskussion des Häusser'schen Commiffionsberichtes über die Motion des Abg. Baum „auf Vorlage eines Wahlgesetzes zur Berufung einer verfassunggebenden Versammlung", sowie über die in diesem Betreff eingegangenen Petitionen, gewidmet war. — Der Commissionsantrag, die Kammer möge beschließen: „Se. kgl. Hoh. den Groß- Herzog in einer ehrfurchtsvollen Adresse zu bitten, den Ständen noch auf diesem Landtage einen Gesetzentwurf vorlegen lassen zu wolle», wodurch die in den Grundrechten des deutschen Volks ausgesprochene Aufhebung der StandeSvorrechte ihre Anwendung auf unsere Verfassung erhalte, beziehungsweise die Wahl-Ordnung für die künftige Landesvertretung festgestellt werde" ist mit der Aenderung, daß statt „noch auf diesem Landtage" geftzt wurde: „in kürzester Frist," zum Beschluß erhoben worden.
F r u ch t p r e r s e.
Diez, 9. Febr. Ir Preiß. 2r Preiß.
Rother Waizen.....14 fl. 50 kr. 15 fl. 10 kr. Weißer Waizen , . . . . 14 fL 10 fr. 14 fl. 40 kr Korn........8 fl. 50 fr. 9 fl. 20 fr' Gerste . *......6 fl. 50 fr. 7 fl. 10 fr.
Hafer .........4 fl. 20 fr. — fl. — fr.
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
ObietalLadnng.
(120) Nachdem durch rechtskräftig gewordenes Urtheil vom 14. Dezember über das Vermögen des Jakob Maus und seiner Ehefrau aus dem Nocherner Bach, Gemeinde Nochern, der Concurs erkannt worden ist, wird Termin zur Geltendmachung aller dinglichen und persönlichen Ansprüche unter dem Nechtsnachtheile des sonstigen Ausschlusses von der Concursmassc auf
Donnerstag den 1. März d. I.,
Morgens um 9 Uhr, anberaumt.
St. Goarshausen, den 24. Januar 1849.
Herzoglich Nassauisches Amt
Hildebrand.
Anpflanzung von Maulbeerbäumen zur Seidenzucht.
(184) Diejenigen Grundbesitzer des Herzogtums, welche sich bei der im nächsten Monat März erfolgenden Anpflanzung von Maulbeerbäumen beteiligen wollen, können die gewünschte Anzahl dieser Bäume bei dem Herrn Bürgermeister ihrer Gemeinde anfordern, oder auch bei dem Herzog!. Amt; auch in portofreien Briefen unter der Adresse: „Filanda der Scidcnzucht- Gcsellschaft zu Wiesbaden". — Das Stück dieser Bäume wird den Pflanzern zu 6 kr. überliefert. Die Anforderungen können bis zum I.März geschehen; die Ueberlieferung der Bäume erfolgt gegen die Mitte des Monats März. Wer Maulbeerbäume gepflanzt hat, wird demnächst unentgeltlich in deu Stand gesetzt, Serdenzucht zu betreiben.
Wiesbaden, den 12. Februar 1849.
Der Vorstand
der Gesellschaft für Förderung der iseidenzucht im Herzogthum Nassau.
äör Großer Maskenball
Fastnacht-Sonntag im Cursaal zu Wiesbaden. ®satréc â Person SM kr.
Zu recht zahlreichem Besuche ladet ergebens! ein (181) G. ^to^^*^^^^
II a 1 m a s q u é et paL° é® Freitag, den 16. Februar
findet im großen Saale des Gasthauses
MM AltMM
ein Ball Statt. Den Theilnehmern steht es frei; im Masken-Anzug oder Ball- Anzug mit Maske zu erscheinen. Eintrittspreis a Person 1 fl. Billets sind in meiner Wohnung, Taunusstraße Nr. 1 zu haben. Eine Casse findet nicht Statt. Galleriebillets â 30 kr. sind beim Portier im Adler zu haben.
(182) ^oeÄ’.
(185) Eine schöne Auswahl in Masken empfiehlt zu geneigter Abnahme
«F. IP. AHstäSter.
Ankündigung
(129)
der am nächsten 28. Februar stattfindenden Hauptziehung des Großh. Badischen Anlehens
von 14 Millionen Gnèden, wobei die betreffenden Nummern alle oI;n c Ausnahme gewinnen müssen. Die Hauptprämien dieses Anlehens sind:
14 Gewinne jeder von fl. 50,000
54
ff
ff
ff
„ 40,000
12
ff
ff
ff
„ 35,000
23
V
ff
ff
„ 15,000
2
If
ff
ff
„ 12,000
55
ff
ff
ff
„ 10,000
ferner fl. 5000, 4000, 4000, 2000, 1000, 250 u. s. w., der geringste Gewinn ist fl. 42. —
Für obige Ziehung gültige Loose n fl. 1. 30 kr. sind gegen Francoeinsen- dung der Einlage nebst 4 kr. Einschreibgebühr, direct zu haben bei dem unter fertigten
Comptoir I. Rieck,
Markt Nro. 46 in Frankfurt a. M. * |
Bemerkung. Bei Uebernahme von 6 Loosen wird ein Freiloos bewilligt.
Nachricht für Auswanderer.
(71) Unterzeichnete Agentur der amerikanischen Schifffahrt, empfiehlt bestens ihre sich seit Reihen von Jahren sicher und gut bewährte Ueberfahrt nach den sämmtlichen Staaten Amerika's.
Zur Sicherheit der Auswanderer wurde von mir bei der Großherzoglich Hessischen Regierung die gehörige Caution geleistet, wonach die Verträge nach Vorschrift des Miniftcrial-Nescripts vom 16. März 1847 ausgefertigt werden. — Die Abfahrt kann von Biebrich, Bingen oder Coblenz geschehen.
Worms im Januar 1849.
Joh. Bapt. Adams, coucessionirter Agent.
Nähere Auskunft ertheilt Herr Frz. C. Nathan in Wiesbaden.
Wohnungsvermiethuttg zu Biebrich a. Rd.
(183) Zu meinem neu massiv in Stein erbauten Hause in der Rheinstraße zu Biebrich, nah den Landungsbrücken der Dampfschiffe, ist eine vollständige Wohnung (belle-étagc), bestehend aus sechs Zimmern, wovon das eine mit Alcoven und Balcon nach dem Rheine, sodann Küche, Keller, Holzremise, Mansarde, Trocknenspeicher, und im Erdgeschoß weiter: Comptoir mit Cabinet, Pfcrde- stall, Heuboden und ein großes feuerfestes Lagerhaus und geräumiger Keller, und vier über einander liegendes mit Treppen und Haspclwcrk verbundene Böden, ganz oder getheilt zu vermiethen und gleich zu beziehen.
Wiesbaden, im Februar 1849.
«J. ö. jRees».
(159) Das vom Staat errichtete und von den Landesstän^en garan tirte Badische Staats-Eisenbahn-Anlehen von 14 Millionen Gulden ist rückzahlbar durch Gewinne von 14mal 50,000, 54 mal 40,000, 12mal 35,000 , 23mal 15,000, 2mal 12,000, 55mal 10,000 ff. Niedrigste Prämie ist 42 fl. Die nächste Verloosung findet am 28. Februar 1849 statt, und sind hiezu bei unterzeichnetem Handlungshause Originalloose für alle Ziehungen gültig 5 31 fl. 30 kr. und für die bevorstehende Ziehung allein â 1 fl. 30 kr. zu beziehen. Plan liegt auf dem Comptoir dieser Blätter zur Einsicht offen. Jede Auskunft gratis.
Julius Stiebel junior, Banquier in Frankfurt a.M., Bureau Wollgraben.
Solide Männer, die eine Agentur zu übernehmen gesonnen sind, belieben sich zu melden.
Verlag von H. Fischer und C. Ritter.— Druck der Ritter'schen Buchdruckerei.
