netcnwahk wählen. Vorher schon aber erklärte ihnen ein gewisser Notar, der dieses Geschäft zu leiten hatte, daß sie keine Demokraten hiezu nehmen dürften, indem sonst die Wahl ungültig wäre; er theilte zugleich Zettel aus, worauf die stunden, welche ihm angenehm waren. Da aber statt dieser lauter Demokraten gewählt wurden, so erklärte man die Wahl für ungültig, ebenso, weil das gleiche Resultat heranskam, die zweite ange- orduete Wahl.' Bei der dritten Wahl setzte man endlich die gewünschten Kandidaten der Gegenpartei durch, und es sollen, um dies zu erreichen, verschiedene Drohmittel angewandt worden sein, wodurch sich acht Bürger daselbst veranlaßt sahen, gegen diese ungesetzliche Wahl zu protestireu.
Die Folge hievon war aber, daß Betreffende — je zwei mit Stricken znsammeugebunden — aufSchlit- ten mit preußischer Kavallerie-Bedeckung in's Gefängniß nach Mößkirch abgeführt wurden. Zweien von ihnen wurde noch überdies ihre Wirthschaft geschloffen, und alle erhielten als weitere Strafe 40 Mann Kavallerie- Einquartierung, die sie unentgeltlich zu verpflegen haben. In der ganzen Gegend werden die so hart verfolgten Bürger'bedauert, da es lauter achtbare Leute sind. Wie durch derartige Gewaltthätigkeiten die Kluft zwischen den entgegenstehenden Parteien vollends erweitert wird, kann man sich denken.
Rastatt, 3. Februar. (B.) In verflossener Nacht sind die Gefangenen Theodor Hofstetter von Rastatt, früher Kanonier, und der Soldat Ignaz Herbst von Hartheim aus dem Reduit im Fort A entflohen. — Letzterer war zu acht Jahren Zuchthausstrafe verurtheilt.
Gotha, 2. Februar. Die Concentrirung einer größeren Truppenmacht um Erfurt für die Dauer der Reichsversammlung scheint denn doch mehr als Gerücht zu sein, da Einquartirungen in den umliegenden Orten bereits angesagt sind. (F. I.)
Aus Westpreußen, 27. Jan. In voriger Woche fand zu Bromberg wieder eine arge Schlägerei zwischen Soldaten des 21. und 4. Regiments statt. Die erhitzten Kämpfer setzten ihren Streit auf den Straßen fort, wobei ein Mann vom 21. Regiment durch einen Säbelhieb am Kopfe lebensgefährlich verletzt ward. Mehreren herbeieilenden Leuten, worunter auch 2 Offiziere, gelang es erst nach großer Mühe Ruhe zu stiften. Es ist nun den Soldaten vom Generalcommando bei Strafe untersagt, Waffen außer dem Dienst bei sich zu führen. (K. Z.)
Aus Pommern, 28. Jan. In unserer Provinz haben ebenfalls durchgehends MinoritätSwahlen statt- gc funden. (K. Z.)
Wien, 31. Januar. Die nach Cattaro abgegangene Erpedition unter General Mamula ist mit einem ziemlich rüthftlhaften Schleier umgeben, der Mancherlei zu verhüllen scheint, das man dem Auge des Laien zu entziehen gesonnen. Die Rüstungen sind zu umfassend, um eine blos lokale Bedeutung zu haben und da dem Vernehmen nach das ganze Königreich Dalmatien in Belagerungszustand erklärt werden soll, so weist dies zur Genüge auf eine universelle Gefahr hin. Man erinnert sich jetzt des russischen Einflusses, der stets in Montenegro geherrscht und des in einer jüngst bekannt gewordenen russischen Staatsschrift ausgesprochenen Begehrens des Hafens von Cattaro für Rußland, um der nordischen Marine einen festen Punkt an der Adria zu verschaffen^ wodurch das eonservative Element allein in Italien ein sicheres Uebergewicht erhalten würde. (F. I.)
I t a l i e K.
Mailand, 21. Jan. Das Gerücht von der Abtretung der Lombardei an Sardinien ist stark verbreitet und scheint nicht ganz unwahr zu sein. Außer Zweifel ist, dass eine Partei in Wien von der festen Ueberzeugung ausgeht, daß trotz der Siege Radetzky's die Lombardei ein nicht zu überwindendes Hinderniß für die politische Organisation des Kaiserthums ausmacht. Diese Meinung scheint bis in das kaiserliche Kabinet gedrungen zu sein, und sie kann nicht ohne Folgen bleiben. — Seit einigen Tagen gewinnt übrigens die Meinung das Uebergewicht, daß der neue Staat zu Gunsten des Herzogs von Modëna gebildet werden soll, der in der That plötzlich nach Wien abgereist ist. Diese Supposition hat die meiste Wahrscheinlichkeit, wenn man nämlich bedenkt, daß Oesterreich dabei insofern seine Rechnung findet, als es der jetzigen schwierigen Lage entgeht und zu einer günstigeren Zeit wieder auftreten kann, da der Herzog von Modena wahrscheinlicher Weise ohne Erben bleiben wird. (Bresl. Z.)
Spanien.
' Madrid, 22. Jan. (Rat. Ztg.) Die Gesellschaft, welche 1845 von der Regierung die Vollmacht zum Bau einer Eisenbahn von Madrid nach Sevilla erhielt, hat endlich alle nöthigen Maßregeln getroffen, um diese große Linie rasch zu vollenden. Sie hat nämlich die fast fertige Bahn von Madrid nach Aranjuez an sich gebracht und wird dieselbe zugleich vollenden, während sie den Bau der Linie von Aranjuez nach Sevilla beginnt. Die Arbeiten sollen schon vor dem 15. Februar in voller Thätigkeit sein und^ man versichert, daß die zu bauende Bahn in der Manch« und selbst in der Sierra-Morren« weniger Schwierigkeiten darbieten und weniger kosten wird als man zu
erst geglaubt. Die Oberleitung der Arbeiten ist dem französischen Ingenieur Charles Emile Fouqueau übertragen worden.
MepLâèk Frankreich.
Paris, 30. Januar. (Nat.-Ztg.) Seltsame Gerüchte nno Besorgnisse tauchen wieder auf. Jeder Tag zeigt deutlicher den tiefen Riß, der zwischen der Republik und Bonaparte, der Demokratie Frankreichs und dem Auserwählten des 10. Dezember, der öffentlichen Meinung und der Regierung des Elysee besteht. Wie geschieht es dennoch, daß Bonaparte eine neue Zukunft träumt und sich im kaiserlichen Ornat erblickt? Wie erklärt sich, daß seine Vasallen ihn im Voraus zum Kaiser ausrufen und ihm ihre Huldigung darbringen? Ist das, was es hoffentlich jedenfalls bleibt, rein abgeschmackt und verwegen lächerlich, ohne daß sich irgend ein denkbarer Grund dafür anführen ließe? Im Innern des Landes wüßte ich keine Entschuldigung mehr auf- zusinden (ich spreche natürlich nicht von der angebornen Kaiseridee des Präsidenten), denn kein Tag vergeht, der nicht neues Zeugniß gäbe von dem tiefen Versall alles Glaubens der Bevölkerung an ihren Götzen eines Tages. Im Aeußern also? und wie?
Als im Frühjahr 1849 die letzten Lebensregnngen der deutschen Freiheit und der wiedererwachten Demokratie erstickt wurden, und die preußischen Waffen in Sachsen und gegen den Rhein vorrückten, ohne daß die französische Regierung sich um die unheimliche Nachbarschaft auch nur zu kümmern schien, als Bonaparte gar der preußischen Occupation längs des Rheines offen Vorschub leistete, die Waffen der Freiheitskämpfer in Baden und der Pfalz koufisciren und ihre Gesandten ins Gefängniß werfen ließ, oder, Vagabunden gleich, über die Gränze verwies, suchte die öffentliche Meinung, empört über. ein so unerhörtes Vergessen aller Grundsätze und geschichtlichen Ueberlieferungen des Landes, nach einer annehmbaren Erklärung. Unter andern wurde ihr folgende geboten:
Oesterreich kann weder in seinem Innern (noch sonst irgendwo in Europa die Freiheit Wurzel schlagen lassen, ohne daß sein eigner Bestand und die Dauer seines buntscheckigen Reiches gefährdet seien, sein Grundsatz war von jeher das Bestehende, das Althergebrachte gegen die Neuerungen des demokratischen Zeitgeistes zu schützen. Seine Geschichte von dem Vertrag von Pillnitz an bis zur russischen Allianz im Jahr 1849, durch die fünf Koalitionen gegen Frankreich, die heilige Allianz und die Quadrupelalliauz von 1840 hindurch, sind dessen Beweis.
Die jetzige preußische Regierung will offenbar zu den vormärzlichen Zuständen znrückkehren. Rußland hat zum ersten Mal seinen Beruf versäumt: nach 1830, als es Polen zum stummen Gehorsam zurückgeführt hatte. Nach den Manifesten des Wirs gehört der ganze Westen Europa's der politischen Ketzerei an und nur der Nord-Osten (und etwa seine Verbündeten, falls sie sich bei Zeiten bekehren), ist als orthodox zu betrachten. Dem Kaiser aller Neuffen liegt es ob, den rechten Glauben und die Ordnung in Europa neu zu begründen, und hinter dem Kaiser steht der russische Adel, der sich langweilt und dem beherrschten Selbstherrscher neue Beweise seiner russischen Ergebenheit auflegen möchte.
Alle zusammen können nimmermehr dulden, daß der ewige Feuerheerd der demokratischen Anarchie in Frankreich fortbestehe und Europa bedrohe. Sie sind daher mit Bonaparte einen Vertrag cingegangeu, kraft dessen dieser sich zum Monarchen, Kaiser oder König von Frankreich erheben lassen soll. Gelingt es ihm und kehrt Frankreich auf diese Weise in den Schooß der alten Monarchien von Gottes Gnaden zurück, so soll er Schutz und Freundschaft bei den hohen Mächten finden; unterläge er, so bliebe diesen nichts anderes übrig, als selbst in Frankreich einzutreten, um das Uebel an der Wurzel anzugreifeu und für alle Zeiten auszurotteu.
Diese Deutung läßt sich seit einiger Zeit wieder vernehmen und lehnt sich an die Rüstungen in den 3 nordischen Reichen, an die Truppenmärsche in Italien, dem Vorarlberg, in Polen, Gallizien und die neuesten Rüstungen Preußens an.
Also: darum hätte Deutschland im Jahre 1848 sich so großartig als großmüthig erhoben; also darum hätte es die frauzösische Republik so brüderlich begrüßt, um heute an ihr, au dem französischen Volke die Vergehen zu rächen, die deren Feinden angehören!
Also, darum hätte das Frankfurter Parlament in seinen ersten Blüthentagen mit kindlichem und, lassen Sie es mich sagen, mit etwas kindischem Vertrauen die Vermehrung des Effektivbestandes der deutschen Heere bewilligt, die ihm von den verschiednen Regierungen, besonders aber von der preußischen Rechten, Nadowitz, Auerswald, Lichnowski u. a. abverlangt wurde, damit die Kräfte des neuen Deutschlands, statt zum Schutz der Freiheit nach Innen und nach Außen, zum Dienst gegen das Land der Freiheit und aller Wagnisse der demokratischen Initiative mißraucht würden!
Nicht Frankreich, nicht das Volk, nicht die Republik sind schuldig, ebensowenig als wir Deutschland für die Beschlüsse verantwortlich machen, die in den monarchischen Kanzleien von Wien, Berlin und St. Petersburg gefaßt werden.
Sollte es aber tm Buch der Geschichte geschrieben stehen, daß ein letztesmal die Völker Europas gegen
die Mutter der europäischen Freiheit sich hetzen ließen, so mögen sie kommen.
Vielleicht ist cs gut, daß unsere entartete und ver- weichlichte Zeit durch einen großen Stoß an ihre Kraft und Schuldigkeit erinnert werde. Ich hege die zuversichtliche Hoffnung, daß die Freiheit, den endlichen Sieg davon tragen wird, und daß alle ihre Feinde und Verächter zu Schanden werden.
Pnrès, 3. Febr. (Mz. Ztg.) Kaum sind die Lehrer der Willkür überliefert worden, als schon wieder ein neues Gesetz über die Vorsteher der Gemeinden zu gleichem Zwecke vorgebracht wird. Der National bemerkt darüber: Nachdem Bonaparte die Primärlehrer unter die Diktatur der Präfekten und ihrer Spione gebracht hat, will er auch die Maires aller Communen Frankreichs darunter bringen. Man kündigt für nächsten Montag einen Gesetzvorschlag an, bestimmt, diese vom Volk Gewählten der Laune der Erekutivgewalt zu überliefern. Die Repräsentanten her legitimistischen Partei sagen heute zwar laut, daß sie sich den Prätensiouen Bonapartes widersetzen werden, aber man weiß aus Erfahrung, daß man ihren Worten nicht trauen darf. In ihrem blinden Haß gegen die Demokratie werden sie die Sache der Maires verrathen, wie die der Primärlehrer und die der Steuerpflichtigen!
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Paris, 3. Februar. Das Wochenblatt „Napoleon", welches noch immer das Gepräge eines halb-offiziellen Organes des „Elysee-National" trägt, äußert sich heute in folgender Weise über die Schweizer-Frage, welche seit einigen Tagen die öffentliche Aufmerksamkeit in Hphkin Grade beschäftigt: „Man hat viel von einer Mittheilung gesprochen, welche die Repräsentanten Oesterreichs und Preußens der französischen Regierung gemacht hätten , um sich über die Folgen des' in der Schweiz den Füchtlingen bewilligten Asylrechtes zu verständigen. Diese Mittheilung hat, wie wir glauben, nicht ganz die Tragweite, welche man ihr beilegt. Die an die Schweiz angrenzenden Mächte haben den sehr natürlichen Wunsch, zu verhindern, daß die Flüchtlinge die Nähe, in welcher sie sich befinden, nicht dazu benützen, die Staaten dieser Mächte zu revolutioniren; und sie haben das unbestreitliche Recht, diejenigen Maßregeln zu ergreifen, welche geeignet sein würden, dieser Gefahr vorzubeugen. Allein Frankreich ist in keinem Falle geneigt, die Rechte seines alten Verbündeten und die Freundschaft, welche diese beiden Nationen ^verbindet, zu verkennen. Zudem, könnte der Präsident der Republik die Gastfreundschaft, welche er in der Schweiz während einer so großen Anzahl'von Jahren gefunden, und den Schutz vergessen, den ihm diese Macht gegen die ungerechten Anforderungen der Negierung Louis Philipp's zu Theil werden ließ?"
„ (Fr.
Dänemark.
Kopenhagen, 30. Januar. (Fr. I.) Durch die entstandene Hemmung der Verbindung ist unser Reichstag erst erst heute eröffnet worden, obgleich solches am 28. d. M. stattsinden sollte. Die Thronrede des Königs war kurz und behandelte die wichtigsten Dinge, wie die Angelegenheit Schleswig-Holsteins, mit gedrängter Kürze. Der Passus darüber lautet folgendermaßen: „Noch sey der Krieg nicht als zu Ende anzusehen, sondern er sey nur zum einstweiligen Stillstände gebracht; doch hoffe ich, daß die begonnenen Unterhandlungen zu dem gewünschten Ziele führen werden. Dies würde leichter geschehen oder auch bereits erfolgt seyn, wenn die irregeleiteten Unterthanen nicht bei einer größereuMacht Unterstützung fänden."
Amerika
Ans New-Aork ist wieder eine Neuigkeit zu berichten, nämlich die Erbauung eines eisernen Dampfschiffes, daS für den See Titicaca, d. h. für einen der Gipfel der peruanischen Anden, bestimmt ist. Dieses Schiff ist beinahe fertig. Es wurde für Rechnung der HH. Aguirre und Galway erbaut und hat zwei kleine Dampfmaschinen, jede von 10 Fuß Pferdekraft. Seine Länge am Kiel ist 55 Fuß, seine Breite 12 Fnß und sein Bauch mißt 5 Fuß. Seine Räder haben 10 Fuß im Durchmesser und sind ganz von Eisen, wie der übrige Theil des Schiffs. ‘ Wenn es ganz beladen ist, soll es nicht mehr als 2 Fuß Wasser ziehen. Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, daß der See Titicaca, welchen es befahren soll, auf dem Gipfel einer der höchsten Spitzen der peruanischen Anden liegt, in der Nachbarschaft von La Paz und ganz nahe bei dem Berge Sorato, dem höchsten von Amerika, ungefähr fünf englische Meilen über der Meeresfläche. Der Speculant hegt die Hoffnung, sich unter den Jägern und andern Bewohnern an dem Ufer des Sees eine Kundschaft zu erwerben. Der See hat eine Länge von 140 engl. Meilen, gewiß genug, um in diesen hohen Regionen der Welt mit Hülfe des ersten Dampfschiffs, das für ein solches Unternehmen erbaut wurde, eine beträchtliche Küstenschifffahrt zu betreiben. Die Ladung deS Schiffes soll, so hofft man wenigstens, in Pelzwerk, Wolle und Brettern bestehen, welche auf Maulthieren für die Erwärmung und Kleidung der Bewohner der niedriger gelegenen Gegenden vom Gebirge herabgeschafft werden sollen. Dem Erbauer wurde ganz besonders empfohlen, das Schiff stark zu bauen, da der See manchmal sehr unruhig und sehr heftigen Winden ausgesetzt
