"Die Florentinische Constituante meldet aus Rom 19. Jan. 50 Liniensoldaten machten heute den Versuch, das gesammte Militär zum Abfall von der fetzigen Regierung zu bringen. Diese Soldaten zogen vor die Kaserne der Dragoner, riefen diesen zu, ihnen zu folgen und General Zamboni zu befreien, der am Tag zuvor als Hauptaufwiegler verhaftet worden war. Ein Dragoneroisizier suchte die Soldaten von ihrem Vor- haben abzumahnen. Diese schossen und 2 bis 3 Dragoner fielen. Da rückte das ganze Korps aus und versagte die Meuterer, wovon die meisten in die Gewalt der Dragoner fielen. Sogleich trat Alles, was der Regidrung treu ist, unter die Waffen und machte Jagd auf alle Verdächtigen. Der Aufstandsversuch ist völlig gescheitert. Die Regierung hat eine Militär- kommission niedergeseßt, welche die Verhafteten kriegsgerichtlich beurtheilen soll.
Aus Palermo berichtet die Times unterm 13. Jan., daß der Tag vorher als Jahrestag der Revolution in der Stadt und Nachbarschaft durch Erleuchtung, Feuerwerk, Parade der Nationalgarde und der Truppen u. s. w. höchst festlich und munter begangen wmde. Wenige Tage vorher war zu Livona, einer Stadt von 5000 Einwohnern im Val di Noto (Provinz Girgenti), eine Contrerevolution versucht, aber sehr bald unterdrückt worden. Der Anführer, ein früherer Polizeioffizier, und acht Andere wurden erschossen!
Großbritannien.
London, 28. Jan. Wie gering Englands Ausfuhr nach seinen Kolonien im Vergleich zu derjenigen nach fremden Ländern ist, ergibt sich aus nachstehender Zusammenstellung :
Ausfuhr nach den Kolonien.
Pf.-.Ster.
Ausfuhr nach “ fremden Ländern, Pf.-Sterl.
Insgesammt.
Pf.-Sterl.
1830
9,789,274
28,482,349
38,281,596
1835
10,991,010
36,381,260
47,372,270
1840
15,974,626
35,431,804
51,406,430
1845
15.263,897
43,847,185
60,111,082
Die Ausfuhr nach Deutschland und der Union übertraf jedesmal die nach Ostindien und Ceylon. Die Ausfuhr nach Holland und Italien war jedesmal grösser, als die nach sämmtlichen Kolonien in Nordamerika u. s. w.
Unsere Kolonien können daher für uns weniger wegen unserer Ausfuhr dahin, als wegen der Einfuhr von daher in Betracht kommen, z. B. Canada wegen seines Schiffsbauholzes, Australien wegen seiner Wolle, andere Kolonien wegen Indigo,', Zucker, Kaffe, Baumwelle re.
Viele Engländer betrachten die Kolonien als sehr werthvoll., weil sie als Abzugskanal für überflüssige Bevölkerung dienen. Gleichwohl haben die Vereinigten Staaten mehr englische Einwanderer ausgenommen, als sämmtliche engl. Kolonien zusammengerechnet. Nehmen wir blos die 3 Jahre 1844—47: so zeigt sich folgendes Verhältniß. Es wanderten aus Großbrittanien und Irland aus:
nach den nach den nach
im Jahre: nordam. Kolonien. Vereinig.^Staaten Australien. 1845 31,803 — 58,538 830 Pers 1846 43,439 — 82,239 2 347 1847 100,680 — 142,154 4^949 "
Ueberhaupt wanderten in den 33 Jahren (1825— 47 incl.) aus:
Nach den Vereinigten Staaten . 852,564 Pers. ,/ allen englischen Kolonien insgesammt :...... 835,033 „
Hierbei ist zn bemerken, daß viele englische Auswanderer zwar nach Canada gehen, aber blos um sich von da aus nach den Vereinigten Staaten zu begeben.
9t a ch f ch r i f t.
Paris, 29. Jan. 12 Uhr Mittags. Seit heute Morgen schlägt man in allen Quartieren Rappel. Wie es heißt, 1 ollen die Bonapartisten wirklich entschlossen sein, die Nationalversammlung mit bewaffneter Macht zu sprengen; die Nationalgarde aus den Bourgeoisquartiers der ersten, zweiten und zehnten Legion soll zu diesem Heldenstück verwendet werden, während die Truppen die Deine-Ufer besetzen, um die Faubourgs zu trennen und mft Bomben zu bonapartisiren. Der „Peuple" bemerkt zu diesem Plan, daß die 1. Legion leicht zwischen ihren Bajonetten und der Assemblee dieselben Männer finden könnte, welche am 15. ,Mai das Hotel de Ville gegen die Bärenmützen vertheidigt hätten,
Um 10 Uhr war ich an der Porte St. Denis. An der Rampe des Boulevards standen die ersten Sturmvögel, welche sich hier instinktartig vor jeder Jnsurrec- tion zeigen, ein kleiner Trupp Arbeiter, ruhig ihre Thonpfeifchen rauchend. Um 11 Uhr war das ganze Boulevard bis zur Porte St. Martin mit Blousen männern bedeckt. Die Mobilen zogen Arm in Arm mit deu Arbeitern umher.
2 Uhr. Das Volk strömt nach der Gegend der Assemblee. Man hört auf den Straßen nur das Geschrei: Vive la république démocratique et sociale! A bas les prétendans ! A bas les jésuites ! Die Gamins schwärmen durch die Massen und singen ein Spottlied auf den „Däumling mit den Siebenmeilenstiefeln."
3 Uhr. Die Garden ziehen in starken Patrouillen durch alle Straßen. Ganz Paris ist auf den Beinen. Der Revolutionsplatz, die Rue de la Republique bis zur Madeleine, die Rue Rivolie und die Nebenstraßen sind überwogt von Menschenmassen. Die Seinebrücke nach der Assemblee ist ganz von Kavallerie besetzt, die Linientruppen halten zur Seite am Eingang der elisäi- schen Felder, der Tuilen'engarten an der andern Seite ist verschlossen und von der ersten Legion besetzt. Alle Uebergänge über die Seine sind auf dieser Seite bis an den Pont des Arts abgesperrt. Aus der National- Versammlung ist noch keine Nachricht in den innern Theil der Stadt gelangt. (N. Rh. Z.)
Paris, 29. Jan. 4 Uhr. Ich lasse meinem ersten Briefe in aller Eile vor Postschluß noch folgende kurze Nachrichten nachfolgen. Louis Napoleon hat nach Art des gefangenen Louis XVI., der die Soldaten mit Hän. bedruck und Schinkichelworten zum Kampf gegen daS Volk zu begeistern suchte, sein Palais verlassen und in den elysästchen Feldern die dort aufgestellten Linientruppen angesehen. Die Soldaten empfingen ihn mit düsterm Schweigen; in einigen Kolonnen erscholl der drohende Ruf: Vive la République rouge! Vive le Peuple! Nur die Bourgeoishunde der "ersten Legion schrien ihm zu: \ ive Bonaparte! Vive ministère *
Die Zugänge zu der Assemblee auf beiden Seiten der Seme, die Quais u. s. w. sind noch immer mit ungeheurer Truppenmacht abgesperrt. Keine Nachricht »st bis ;etzt aus der Kammer gedrungen. Das Volk wogt in allen Straßen, die von ohnmächtigen Patrouillen der Natwnalgarden durchzogen werden. Nach dein Ausgang der Kammersitzung wird es sich entscheiden was eS thun wird. '
Eine kleine Abtheilung der Mobilgarden stand eine Zeitlang im Tuilerienhof, ist aber bereits wieder abge. zogen und hat der Linie Plaß gemacht. Während Kavallerie, Linie und NationnIgarden überall im Dienst schwärmen die Mobilen in allen Straßen mit dem Volke umher.
„ Man glaubt, daß die Nationalversammlung, wenn sie ihre Auflösung auszusprechen verweigert, sofort geschossen werden soll. In diesem Fall aber wird die Majorität eine Proklamation an das Volk erlossen, und der Charakter der französischen OuvrierS bürgt dafür daß wir hier die ekelhafte Feigheit eines Berliner „passiven Widerstandes" nicht zu befürchten haben.
(N. Rh. Z.)
D»e Sitzung der National - Versammlung ist sehr stürmisch gewesen. Bis 8 Uhr Abends war noch kein Resultat bekannt. Nach Jules Favre sprachen noch Victor Hugo und Lamartine für und Cavaignac gegen die Auflösung der National-Versammlung.' Nach 7 Uhr wurde zur Abstimmung vermittelst Namensaufrufs ge. schritten.
Berichtigung
einiger in der gestrigen Nummer in dem Gesetzentwurf über Schwurgerichte vorkommenden Druckfehler.4
1) Seite 1. Spalte 3. Zeile 17 von unten statt mehr als 1000 Einwohner, lese man 1000 Einwohner und mehr.
2) S. 1 Sp. 3 Z. 24 v. u. statt Gemeinde - Wahl- verhandlungen lese man Gemeinde-Wahlversammlungen.
3) S. 1. Sp. 3. Z. 26. v. u. statt Wahlversammlungen lese man Wahlverhandlungen.
4) Am Ende des Abschnitts über die Wahl der Geschworenen muß es statt — Schluß folgt — heissen : Fortsetzung folgt.
Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.
Bekanntmachungen.
uw) Bekanntmachung.
Donnerstag den 15. Februar, Morgens 9 Uhr anfangend, lassen die Erben des verstorbenen Hrn. Rechnungskammerraths Moritz dahier, in dem Hinterhause des Hrn. Oberforstraths Dern, ihre sämmtlichen Mobilien, bestehend in Tischen, Stühlen, Canapce, Schränken, Kommoden, Betten, einer Standuhr, Leinen und Weißgeräthe, Bettzeug, Küchengeräthe, Oefen, Zinn u. dergl. öffentlich gegen gleich baare Bezahlung versteigern.
Wiesbaden, den 31. Januar 1849.
Der Bürgermeister.
Fischer.
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Durch alle Buchhandlungen ist auf feste Bestellung zu erhalten: , Tivoli.
Neues Museum des Witzes und der Maune.
Eine humoristische Anthologie, herausgegeben 'von Ernst Ortlepp.
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Diese Anthologie bildet eine der reichhaltigsten Unterhaltungsbibliothckcn ; die Mannigfaltigkeit des Inhaltes an Anekdoten, Witzen, Parodieen, komischen Briefen, Predigten u. dgl. geht am besten aus nachfolgendem Jnhalts-Derzeichuiß eines Theiles hervor:
Inhalt des vierten Bändchens:
1. Redouten-Abenteuer einer Köchin, Parodie, im Berliner Dialekt. 2. Curiosa. 3. Gedanken über eine Perrücke. 4 Querlesungen von Lichtenberg, ö. Des Burschen dreifach W. 6. AuS dem wiederaufgclcbten Eipeldauer. 7. Die Schöpfung der ersten Menschen u. f. w., von Seb. Sailer. 8. Der Gestorbene. 9. Die Liebe - ein Buch. 10. Schattenrisse. 11. Der Wasserschlüpfer, Travestie. 12. Der Berleger. 13. Rochus Pumpernickels Reise nach Wien. 14. Ueber den Zustand der Cultur im künftigen Jahrhundert 15. Brief einer schönen B...rin, in der Franzosenzeit geschrieben. 17. Blühender Unsinn, von E. Ortlepp. 17. Aus der Bücherwelt. 18. Curiosa. 19. Qui pro quo. 20. Aus einem Wörterbuche für Liebende. 21. Der Dorfpoet an seine Bauern, Travestie. 22. Brief eines Studenten an seinen Vater. 23. Die Toilette, von Herloffon. 24. Hochzeitsgebräuche bei verschiedenen Nationen. 25. Scene aus der traversirtcn Jungfrau von Orleans. 26. Das Schafkopfsspiel, Parodie. 27. Prehauser, oder: der Wienerische Hanswurst.
g35=» Bei baarer Bezahlung werden die oben erwähnten 12 sein gestochenen Bilder gratis beigeleqt, weßhalb man dieß bei der.Bestellung besonders bemerken wolle.
Verlag von H. Köhler
(122) in Stuttgart.
un Ankündigung
der am nächsten 28. Februar stattfindenden Hauptziehung des Großh. Badischen Anlehens
von 14 Millionen Gulden,
wobei die betreffenden Nummern alle ohne Ausnahme gewinnen müssen.' Die Hauptprämien dieses Anlehens sind:
14 Gewinne jeder von fl. 50,000
54 „ „ „ 40,000
12 „ „ „ „ 35,000
23 » „ „ „ lo,000
2 „ „ „ „ 12,000
55 „ „ „ „ 10,000 , " ferner fl. 5000, 4900, 4000, 2000, 1000, 250 u. s. w., der geringste
Gewinn ist fl. 42. —
Für obige Ziehung gültige Loose â fl. 1. 30 fr. sind gegen Francoeinsen- dung der Einlage nebst 4 kr. Einschreibgebühr, direct zu haben bei dein unter
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Gaub, 23. Januar 1849.
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Die Bedingungen werden am Tage der Versteigerung bekannt gemacht; solche können auch schon vorher eingeschen werden.
Gaub, den 1. Februar 1849.
Bertram Simon, Amtsapotheker.
Verlag von H. Fischjer und C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.
