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So Mts denn geistliche Schöpfungen vom polizei­lichen Spürhunde bis zu den höchsten Chargen im Staate und sie führen eine Stimme im Staatsdienste im Verhältnisse von 133 zu 26. So weit nun bringts freilich ein katholischer Geistlicher nicht, und darum wis­sen denn die Katholiken, warum ihrer weniger und immer weniger im Staatsdienste find und werden. Die Folge dieses Mißverhältnisses ist: Hört man einen bis­sigen Amtsaccesisten, der k äht wie ein Huhn, das keine Eier mehr legt, (bedanket Euch, Ihr Herren Amts­accesisten für dieses Compliment), so ist's sicherlich ein Pfarrerssohn, der schon durch seine Erziehung lieblos gegen die Katholiken gestimmt, und durch den Gedan­ken, was mag wohl dieser Katholik als PfarrerSsohn von dir denken (!!), gereizt Alles aufbietet, die Katho­liken zu kränken und eine Verfolgung gegen dieselben herbeizuführen, die, obgleich man sie nicht zugesteht, doch auf die fürchterlichste Weise geübt wird." —

Da habt Jhl's also, Ihr protestantischen Geistlichen! An der Ueberfluthung von Studierenden und an all' der schrecklichen Verfolgung, welche Katholiken in unse­rem Herzogthume zu erdulden haben, seid Ihr allein Schuld; der Zuschauer hats an den Tag gebracht. — Schaffet denn aus christlicher Liebe Euere Frauen ab, und kehret in den Cölibat zurück, oder leget wenigstens Euren leidigen Egoismus ab, und anstatt in Euren Muststunden Eure Söhne für die Gymnasien vorzube­reiten, bringet dieselben zu in beschaulichem Nichte thun, oder bei gefüllten Weinflaschen, und mit anderen nütz­lichen Beschäftigungen; Eure Söhne aber lastet ehr­bare Handwerker werden, damit die Söhne Eurer ka­tholischen Brüder doch auch einmal an daö Staatsruder gelangen, und der Hader ein Ende nehme, der nun schon länger als 300 Jahre zwischen den beiden christ­lichen Kirchen hauptsächlich durch die Pfarrerssöhne, die, wie der Zuschauer sich ausdrückt, „gleich den Bettel» Mönchen des Mittelalters die ganze bürgerliche Gesell­schaft durchweben, und den Staatsverhältnissen jetzt größere Gefahr bringen, als die Kapuziner ehedem" er­halten wird.' —

Doch nein, beruhigt Euch I der Zuschauer hält Euch, ohne daß er es will, eine herrliche Lobrede. Verhält es sich nämlich wirklich so, wie er der Welt sagt; kommt der bei Weitem größere Theil der Staatsdiener — wie er sich auszudrücken beliebt — auf Euere Rech­nung; so ist dies ein eklatanter Beweis, wie treu Ihr an Euren Pflichten als Familienväter seid, wie^würdig Ihr Eure Mußestunden zu einer tüchtigen Erziehung Eurer Söhne benutzet, und wie freudig Ihr auch die schwersten Opfer bringet, dem Vaterlande in ihnen Männer zu liefern, auf die Ihr wahrlich, stolz sein könnt.

Wie hoch stehet ihr doch in dieser Hinsicht gegen Euere katholischen Amtsbrüder, denen das unnatürliche Gesetz eines Herrschsüchten Gregor VII. verbietet, dem Vaterlande würdige Bürger und Beamte zu erziehen.

Was die Beschuldigung des Zuschauers anlangt, daß Eure im Staatsdienste befindlichen Söhne durch Eure lieblose Erziehung die erbtttersten Feinde der Ka­tholiken seien, so ist dies nur ein neuer Kniff, durch welchen man immer wieder Aufregung gegen die Pro­testanten und besonders ihre Geistlichen hervorzurufen sucht. Alle Welt weiß ja, daß nicht durch Euch und Euere Söhne der Friede zwischen den beiden Kirchen immer und immer wieder gestört wird, sondern vielmehr von Seiten der höheren katholischen Geistlichkeit, die ja sogar auS lauter christlicher Liebe nicht nur den ihr un­tergebenen Geistlichen allen Umgang mit Euch, sondern auch, wie dies der berüchtigte Beichtspiegel wörtlich sagt, allen katholischen Christen die Gemeinschaft mit den Ketzern verbietet.

Die Behauptung endlich, daß die Katholiken in un­serm Herzogthume eine Verfolgung zu erdulden hätten, die auf die sürch t e r l i chst e Weise geübt werde, ist eine nichtswürdige Lüge, indem es allgemein bekannt ist, wie bereitwillig unsere Regierung allen bil­ligen Wünschen der katholischen Kirche entgegenkommt, und wie schonend sie selbst bei ihren anmaßenden For­derungen, die sie nicht selten auf Kosten der evangeli­schen Kirche macht, zu Werke geht. Doch wann und wo wäre die römische Hierarchie je zufrieden gestellt worden!

Zum Schlüsse wäre dem Zuschauer wohlmeinend zu rathen, sich, wenn er sein, wie man sagt, bereits sehr sieges Leben noch einige Zeit friesten will, auf die Be­antwortung solcher kitzeligen Fragen, wie die, welche dem obigen Aufsatze zur Ueberschrist dient, doch ja nicht einzulassen.

O Wicker bei Hochheim, 28. Jan. (Ein tra­gischer, höchst seltener Fall) hat sich dieser Tage ereignet.

— Andreas Kranz, einziger Sohn des hiesigen Bürgers Matth. Kranz, hatte sich mit Dorothea Kölb von Oberjosbach A. Idstein, verlobt. Zum Behufe der heutigen Trauung ging A. Kranz am verflossenen Don­nerstage von hier weg, um seine Braut heimzuführen. Auf der Heimreise nach Oberjösbach überfiel ihn eine so erhebliche Unterleibskrankheit, daß er nur mit Mühe und großen Schmerzen dorten anlangen konnte. Die nach kurzem Verweilen belangte ärztliche Hülfe war vergebens, denn der Bräutigam starb schon am Abend des 26. d. M. im Hause seiner Braut. Heute wurde dieser brave Mensch zum größten Schmerze der Seini- gen zu OberjoSbach feierlich der kühlen Erde über­geben. —

So ward denn der Hochzeitstag der Tag des Be­

gräbnisses des Heimgegangenen — und ist dieser trau­rige Vorfall abermals ein sprechender Beleg der Wahrheit:

„Heute roth, morgen todt!" —

Darmstadt. Der Vertreter von Mainz, der Herr Anwalt Görz, hat zu Gunsten des deutschen Kaisers eine Rede gehalten, die einzig in ihrer Art dastehen durfte. Er erklärte die Mehrzahl Rheinhessens sei ge­gen den deutschen Kaiser, namentlich in Mainz, er aber spreche dafür. Der Deputirte erklärte, ich weiß, daß ich gegen den Willen derer sprechen, die mich gesendet, aber doch spreche ich dafür. So etwas ist nur in Deutschland möglich. An anderen Orten legt der De­putirte, der erklären muß, daß er die Ueberzeugung der großen Mehrzahl seiner Wähler nicht theile, sein Amt nieder. Vielleicht kommen die Mainzer dem Herru Görz in Ausübung dieser feiner Pflicht zu Hülfe.

Mannheim, 28. Jan. Die gestrigen öffentlichen Verhandlungen des großh. Oberhofgerichts hier führten uns die „Seeblätter" nur in einem ihrer Prozesse vor und dieser wurde zum Nachtheile der Presse entschieden. Der Redacteur Le tour ist zu sechs Monaten Festung verurtheilt. Ein zweiter Appellations-Prozeß galt dem „Schutterboden", dessen Redacteur, Rechtsanwalt Hofer, zu drei Monaten Gefängniß verurthelt wurde.

Köln, 29. Jan. (Ausfall der Wahlen im Osten.) Pommern: In den Städten hat die Op­position unzweifelhaft gesiegt. Am entschiedensten hat Colberg erklärt, da es unter 38 Wahlmännern 34 De­mokraten durchgesetzt und zwar mit immensen Majori­täten und meist bei der ersten Abstimmung. In Grau- denz sind unter 35 Wahlmännern 21 entschiedene Demokraten.

Schlesien: Ungeachtet der Belagerungszustände, die theils wirklich prokiamirt, theils thatsächlich (wie ün Liegnitzer, Löwenberger rc. rc. Kreise) voi Handen find: haben die Landkreise überwiegend, eine Menge derselben .fast ausschließlich im demokratischen Sinne gewählt.

Preußen: Königsberg hat 76 Constitutionelle (Reaktionärs) und 165 Demokraten gewählt, Inster­burg unter 39 Wahlmännern 34 Demokraten; Pillau lauter Demokraten, mit Ausnahme eines Constitutionel- len oder Preußenvereinlers, Tilsit eine bedeutende de­mokratische Mehrheit.

Aus dem Großherzogthum Weimar, 27. Jan. (8r» I) Mit Ausnahme der Residenz sind fast alle Wahlen zu dem nächsten Landtage im demokratischen Sinne ausgefallen. In Jena hat der Appellationsge­richtsrath Schüler, Mitglied des deutschen Parlaments und der linken Seite des Haufes angehörend, die mei­sten Stimmen erhalten, und glaubt man allgemein, daß derselbe und die mit ihm gewählten Professoren Fein und Siebert die einflußreichsten Mitglieder des Land­tages sein werden. — In Sondershausen fhb auch die Landtagswahlen ganz demokratisch ausgefallen, und in Gera gehören sogar von den 26 Abgeordneten zwan­zig dieser Richtung an. Von denselben sind unter An­dern! auch noch umfassendere Grundrechte als die Frank­furter, ferner die Aufhebung aller L» den und Adelstitel, so wie des Prädicats „von Gottes Gnaden" beschlossen und letzteres bereits auch vom Fürsten genehmigt wor­den. — Von der in Eisenach wohnenden Herzogin von Orleans erzählt man sich, daß sie eine sehr lebhafte Correspoiidenz mit Frankreich unterhalte, jedoch alle Hoff­nung auf die Wiedererhebung der jüngeren Bourboni- schen Linie aufgegeben haben soll.

München, 24. Januar. (W.-Z) Gestern wurde der Redacteur des „Gradaus", Becchioni, ein Mitglied des Märzvereins, verhaftet. Diese Verhaftung soll in einem Artikel des von ihm redigirten Blattes liegen, weil er die Anklage auf Majestätsbeleidigung begründet haben soll.

Breslau, 25. Januar. (A. O.-Z.) „Handgreif­liche Gemeinheiten der Constitutionellen"! Unter dieser Ueberschrist veröffentlichen heute die Wahlmänner Specht, Friese, Langner und Gräser nachste­hende Thatsache:

„Heute (am 24.) Vormittag 10 Uhr fand im Lie- bich'schen Lokale eine von der constitutionellen Partei berufene Versammlung der Wahlmänner des Breslauer Landkreises nnd der Breslauer Vorstädte statt. Wir, die unterzeichneten vorstädtischen Wahlmänner waren auch erschienen. Nachdem vom Präsidenten der Ver. sammlung die demokratische Partei verdächtigt und ver­langt worden war, daß die demokratischen Wahlmänner sich entfernen sollten, erbat sich der Unterzeichnete, Specht, das Wort, um die Verläumdungen zurückzu­weisen, erhielt es aber trotz mehrfacher Versuche nicht. Dagegen trat Graf Zieten auf den Tisch und sagte: Was dem Einen recht, ist dem Andern billig; die De­mokraten leiden nie Constitutionelle in ihren Versamm­lungen, folglich müssen auch aus unserer Versammlung die Demokraten entfernt werden. Der Unterzeichnete, Specht, erwiedert: „Das ist eine schamlose Lüge!" Da­rauf winkt Graf Zielen mit der Hand, und wir, mit den andern, in geringer Anzahl anwesenden demokrati­schen Wahlmännern werden gewaltsam auS dem Saale entfernt, nachdem zuvor Specht und Friese blutig ge­schlagen worden waren. Jedem der Wahlmänner wur­den 14 Sgr. für den Gang zugesichert, wenn sie durch ihr Wort geloben, durchaus in dem constitutionellen Sinne jener reaktionären Herren zu stimmen.

„Indem wir dem Publikum diese nackten Thatsachen

,^burtheilung übergeben, wenden wir uns mit Ver- der" nT ^sammlung, welche nicht durch die der Ueberzeugung , sondern durch Bestechung chèn Ä®^ * '^ reaktionären Pläne zu verwirklâ verMer^ ?“? guter Quelle wird uns :ä:^

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Umstaud in Verbindung, daß die eisernen Säulen und Fensterrahmen, welche für den neuen Sitzungssaal der zwe.ten Kammer bei Borstg bestellt gewesen dieser Tage wieder abbestellt worden sind. (N. RH. 3.)

Berlin. Der „Preuß. Staatsanzeiger" enthält folgende Mittheilung: Die von einigen Blättern vor­eilig gegebene Nachricht, daß der Justizininister die Ent­lassung des Oberlandesgerichts-Direktors Temme zu Münster aus seiner Untersuchungshaft verfügt habe, können wir heute als richtig bestätigen.

Wien, 23. Jan. (D. Z.) Das Gerücht, welches am 20. d. M. einen Studenten in der Altkaserne er­schießen ließ, ist nun dahin berichtigt, daß der Delin­quent ein Gemeiner des Regiments Hoch- und Deutsch­meister war, Namens Stephan Aringer aus Rusterdorf bei Wien, welcher in den Oktobertagen bis zum 31. in der Studentenlegion und später in der Nationalgarde Dienste geleistet hatte. Das Urtheil lautete auf Tod durch den Strang und wurde am 20. Morgens „durch Pulver und Blei" vollzogen. Das Gerücht über Pro­rogation des Reichstags bis zum 4. Mai erhält sich; auch das über den Wechsel des Aufenthalts des Kai­sers gewinnt an Wahrscheinlichkeit; in Kloster-Neuburg werden 30 Gemächer in bewohnbaren Zustand gebracht, ohne daß der Zweck mit Bestimmtheit angegeben wäre. Etwas Verhängnißvolles geht jedenfalls vor, denn Fürst Windischgrätz hat in der Nacht von vorgestern auf ge­stern Wien passirt und sich nach Olmütz begeben.

Wien, 24. Jan. ES gehen wieder Gerüchte von Meinungsverschiedenheit mancherlei Art, die eine Mi­nistertalveränderung wahrscheinlich und die er­wartete Vertagung der Kammer noch zweifelhaft machen. Die ^Meinungsverschiedenheiten sollen sich aber nicht allein auf das Cabinet beschränken, son­dern auch unter den Heerführern sollen dergleichen bevortreten; die Reise des Fürsten Windischgrätz nach Olmütz wird damit in Zusammenhang gebracht. Auf­fallend ist jedenfalls der Ton, den die kroatischen Or­gane unter Jellachich's und Kulmer's Einfluß einschla­gen. Der Titel eines Großherzogs der Serben, den der Kaiser angenommen und der unter der serbischen Bevölkerung einen so maßlosen Jubel hervorgerufen hatte, ist wohl nur als ein Ausweg zu betrachten, um den Banus nicht zum Woiwoden zu ernennen. Auch ist es nicht von heute erst, daß sich Mißtrauen an die Fersen Jellachich's heftet. Vielleicht, daß der unver­meidlich in Italien ausbrechende Krieg alle diese Miß- helligkeiten erstickt.

Prag, 26. Jan. Gestern verbreitete sich die Nach­richt in unserer Stadt, daß die piemontesische Armee bereits wieder die Offensive ergriffen, und daß daher der Krieg von neu-m ausgebrochen sei. — Die Nach­richt, daß man Venedig mittelst Luftballone bombardiren wolle, bestätigt sich aus gut unterrichteten Quellen (?), nur ist man über die praktische Wirksamkeit noch nicht im Klaren. — Unsere Armee zählt jetzt gegen 500000 Mann, und soll bis Frühjahr auf 700,000 Mann ge­bracht werden. An tüchtigen Subalternoffizieren man­gelt es fast, und man sieht 18jäh!l'ge Jünglinge in Of- fizierunifonnen Paradiren. Von den Prager Studenten sind viele beim Militär, meistens freiwillig eingetreten, und manche, die in den Junitagen von den Barrikaden gegen die Soldaten losfeuerten, führen nun selbst als Offiziere dieselben Soldaten an in Italien, Ungarn, und Deutschland. Auch bei der Armee des Banus Jellachich find viele Prager Studenten. Hier an der Universität ist die Absonderung der beiden Nationali­täten vollständig, denn es gibt einen deutschen Lehr­und Redeverein und einen böhmischen, einen deutschen Studentengesangverein und einen böhmischen u. s. f. Die aufgelöste Studeutenlegion muß alle Waffen ablie­fern, das Geld, das ihr zur Armirung geschenkt wurde, bewahrt sie bis auf bessere Zeiten.

Ungarn.

Pesth, 23. Jan. Szolnok soll gestern von den magyarischen Truppen unter Perczel mit Uebermacht angegriffen und nach einem heftigen Bombardement die Oesterreicher daraus vertrieben worden sein. Diese Nachricht ist heute mit der Eisenbahn hier angekommen, und brachte bei den verschiedenen Parteien einen bedeu­tenden Eindruck hervor. (N. C.)

Schweiz.

Bern, 26. Jan. Im Jura sind Unrnhen ausge­brochen! Am 25. d. machte Regierungspräsident dem Gr. Rath die Anzeige, daß iu Saignelegier starke Un­ruhen, hervorgerufen durch bewaffnete und organisirte Banden, an deren Spitze Einwohnergemeinderäthe stän­den, stattgefunden hätten. Beamte seien mißhandelt, im Staatsbureau eingefallen worden, Alles wegen der Verweisung der Ursulinerinnen, die in den umliegenden Gemeinden eine bedeutende Agitation hervorgerufen»