Die Banden beständen meist aus begnadigten Sonder- bundsdeserteurs. Es hätte darum die Regierung beschlossen, zum Schutze der Ordnung alsogleich 1 Bataillon Infanterie und 1 Scharfschützenkompagnie sammt einem Regierungskommissär dorthin abzusenden. Die Maßregeln der Regierung wurden vom Gr. Rath mit 131 gegen 3 Stimmen genehmigt und verdankt. Infolge dieses Beschlusses sind aufgeboten das Infanterie- bataillon Hauser und die Scharsschützenkompagnie Bähler. Als Kommissar wurde abgeordnet: Regierungsstatt- halter Sybold von Bern. — Jm Jntelligenzblatt der Stadt Bern liest man, daß der Bundesrath 1 Bataillon Waadtländer und 1 Bataillon Berner nach Neuenburg schicke. (N. Z. Z.)
Frankreich.
Paris, 26. Jan. „L'Union medicale" bestätigt die von uns früher gelieferte Bilanz^Frankreichs, indem sie sagt:
„450,000 Familien Reicher ibewohnen unsere Städte und besitzen Landgüter; 660,000 Familien ff Heu unter der Botmäßigkeit der Staatsobergewalt, indem sie in deren Namen und Solde Aemter im Militär und Civil verwalten; davon sind manche auch Besitzende. Aber 900,000 Familien sind besitzlos, d. h. leben in den Städten von Tagelohn oder Industrie aller Art und 800,000 Familien sind in unsichrer Existenz, d. h. leben als kleine Rentner, kleine PensionSw'rzchrer, oder sind ohne festen E'wcrbSzweig. Diese Bevölkerung von 2,810,000 Familien bewohnt eine Fläche von 52,768,610 Hektaren, dessen Fruchtbarkeit sich also klassifiziren läßt: beste Quantität (Norddepartement, die Limagne in der Auvergne, das Thal der Isere, die Ebene von Meaur, einige Partiten im Elsas), zweite Qualität (Normandie, Picardie, französisch Flandern und einzelne Partieen in andern Provinzen). Die erste ist etwa gleich 4 Departements, die zweite gleich 13, die dritte gleich 16, die vierte gleich 35, die fünfte ganz schlechte Qualität gleich 18 Departementen in Flächenraum durchschnittlich. Ein Fünftel des Bodens ist bewohnt von Leuten, die ohne Geld zu besitzen produciren, Nahrungsstoffe fabriciren ohne verkaufen zu können, und mit Mühe sich am Leben erhalten; sie sind im wilden Zustande mitten in in der Civilisation des Jahrhunderts, und meist ohne Sieg, gegen das Wetter, Hungern und andere Feindseligkeiten der^Naturelemente anringen."
Paris, 27, Jan. Die Klubs sind untersagt. In dieser frechen Manier beginnt Leon Fancher sein Dekret, trotz der Konstitution, die das Vereinigungsrecht gestattet. Den Franzosen das Vereinigungsrecht untersagen zu wollen, nach der Fcbruar-R'volution, und bei der Herannahung des Jahrcöfestes derMvolution, das heißt gerade zur Erneuerung der Revolution provoziren. Leon Faucher will den Franzosen das Vereinigungs- recht untersagen und die Franzosen vereinigen sich zu Tausenden, zu Hunderttausenden, um zu protestiren in unabsehbaren Zügen gegen wen? Gegen Leon Faucher! Armer Leon Faucher! Nein, sie rücken heran, um zu protestiren gegen die Gewalt, welche den Gedanken dieses Verbotes faßte, sowohl als gegen die Gewalt,
Welche über das Verbot dckretiren soll. Eine furchtbare, vereinigte Masse ist bereit, über Louis Napoleon, Faucher und Barrot hinwegzuschreiten, bis zu den Pontons hin, wo die Juni-Jnsurgentin noch immer auf die versprochene Amnestie harren.
Die Journale der Opposition haben alle protestirt gegen Leon Faucher's unerhörten Antrag; der National, obgleich er in seinem Leitartikel sehr heftig auftritt, hat den Protest nicht mitanterschrieben.
Die Revolution kündigt sich mit allen sie begleitenden Symptomen an. Die Revolution in. Paris ist kontagiös. Es handelt sich nicht mehr von Banquets, wie im Februar, wo man schmauste und trank, um bei dem Schmausen und Trinken einige Toaste durchzudringen; es handelt sich nicht mehr vom gemeinschastlichen Leben, wie es errungen worden durch oie Februar-Revolution; es handelt sich von Coalitionen und Affecia- tionen, die ihren Ausvruck in den Klubs gewonnen hatten, und dresc Klubs, als den Heerd des Contagiums will man vernichten. Da verläßt das Contagium seinen Sitz; es geht heraus aus den Sälen, aus den Häusern; es rafft sich zusammen in einer furchtbar schwarzen Masse und lagert sich in den Straßen von Paris.
Napoleon und seine 5 Millionen Stimmen? Aber diese 5 Millionen, haben wir immer gesagt, galten nicht Napoleon dem Kaiserlichen, nicht Napoleon dem Konstabler, sie galten jenem andern Associationsrechte, das nach Außen seinen Boden hatte, sie galten jenen Coalitionen der Franzosen, die sich dem coalisirten Europa entgegeustellkn; und da Barrot und Napoleon und die ganze Rothschild'sche Clique dieses Associations- Recht zu ihren Gunsten deuten wollen, zu Gunsten der Ruhe und Ordnung, so steht auf einmal die Ruhe und Ordnung auf und erhebt ihr,Haupt drohend gegen die Ruhe- und Oldnungoführer. * (N. RH. Z.)
Paris, 27. Jan. Der Zweikampf zwischen Kammer und Ministerium dauert fort. Von beiden Seiten versetzt man sich todtliche Streiche und kann man seinem Gegner nicht anders beikommen, so bedient man sich der Finten, der Kunstgriffe, um ihm einen Hieb unversehens beizubringen. Mit dem Gesetze gegen die Clubs hat es keine andere Bewandtniß; denn, daß ihre Existenz mit der That- und Rathlosigkeit des Ministeriums, mit dem Darniederliegen von Handel und Wandel, mit der Unruhe und Besorgniß, in welcher das Land sich befindet, irgend einen Zusammenhang hat. Das Gesetz ist also weniger gegen die Clubs als gegen die Nationalversammlung gerichtet, welche das Ministerium für die gegen dasselbe ausgefallenen Abstimmungen bestrafen will, indem es die Kammern über eine Frage zu entscheiden zwingt, von welcher für dieselbe, sie mögen sich für oder gegen dieselbe auösprccheii, nur Schlimmes zur Folge haben kann. Willigt die Nationalversammlung in die Schließung der Clubs, in die Verletzung der Constitution, so entfremdet sie sich auf einmal alle Sympathieen der aufrichtigen Republikaner, sie wird in der Auflösungs-Frage von ihnen verlassen und ist moralisch wie politisch dahin. Verwirft sie den ministeriellen Vorschlag, so wird die Coalation in dieser Beschluß- nahme den Vorwand finden, die Kammer von Neuem
vor dem Lande zu verdächtigen; die Agitation gegen dieselbe"wlrd in immer größeren Proportionen auftreten, und ,dem allgemein 'gegen sie ausgestoßenen Anathem wird |te nicht minder weichen müssen. In dieser bedenklichen Lage sehen wir nur einen Ausweg auf friedlichem Wege, das ist ein energischer Spruch der Kammer, welcher das Minisierium zum Falle bringe und einen beffr inspirirten Platz mache, das im Stande sei den jähen Sturz zu verhüten, dem die unverständige Leitung von Odilon Barrot, Leon Faucher und Fal- lour uns unbezweifelt entgegen führen.!
Italien.
Groberti, Ministerpräsident in Turin hat auf die spanische Einladung zu Konferenzen aller ital. Staaten unb Spanien zur Rückführung deS n^ Nom, und Wiedereinsetzung in seine geist. Jnhr'ts'^u"g '"ne Note erlassen, «etwa folgenden
Die geistliches Gewalt des Pabstes sei von seiner weltlichen Macht so wenig zu trennen, daß man nicht über die elftere verhandeln könne, ohne sich in die zweite, d. h. in eine innere Angelegenheit des römischen StaatsAn mischen, was zugegebener Maßen unzulässig sei. Darum aber könne die Einmischung zweier fremden Mächte, Spaniens und vollends Oesterreichs in eine ital. Angelegenheit Sicht'geduldet werden. Das Einzige, was zu thun sei, bestehe darin, den Pabst zu bewegen, nach Rom zurückzukehren, alle einmal gemachten Conzessionen zu bestätigen und sich mit den Römern gütlich zu verständigen.
am M^ licht, der ehemalige Eommis-Voyagenr Karl Alberts hat sich gebessert, seitdem die Oesterreichs wieder am Ticino stehen.
Rom, 18. Jan. Die römische Constituante ist nun auch zur italienischen erhoben worden. DaS Ministerium verkündigt mit Jubel dieses große Faktum, und erinnert dabei daran, daß jetzt Italien nicht mehr ein geographischer Name sei. Fünfundzwanzig Millionen ständen jetzt für Einen Mann. Wenn nun aber diese 25 Millionen so reich vertreten werden sollten, wie die 3 Millionen des Kirchenstaates, die 200 Repräsentanten z» wählen im Begriffe sind, so würde dieses ein Rie- sen-Parlament geben, weshalb beschlossen worden ist, "»en Ausschuß zu bilden, durch welchen die römische Constituante bei der italienischen Universal-Constituante vertreten werden soll. — Gestern Nacht wurde General Zamboni auf Befehl des Sicherheits-Ausschusses wenige Miglien vor den Thoren Rom's arretirt, obwohl nichts anderes als Verdachts-Gründe gegen ihn vorgebracht werden konnten. Auf die Anfrage, welches Weges er gehe? erklärte er, daß er sich nach Velletri begeben wolle. Das mochte ihm aber Niemand glauben, da über Velletri die Poststraße nach Gaeta geht.
— Der Papst steht wegen einer Anleihe von einer Million Scudi mit Rußland in Unterhandlung. Dem Marchese Sacchetti hatte er sagen lassen, er möge sich mit seiner Familie vor dem 20. von Rom entfernen, um nicht bei dem Einrücken fremder Truppen in Un- gelegenheit zu geräthen. (K. Z.)
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
Versteigerung.
(125) Montag den 5. Februar, Vormittags 9 Uhr findet in dem unteren Bahnhof in Castel die Versteigerung nachbenannter, für den dießseitigen Gebrauch nicht mehr geeigneter Gegenstände statt, nämlich 34 Centner Bandagen von Wagenrädern, 36 Ctr. Bandagen vonMokomotivrädern, 50 Ctr. Lokomotivräder ohne Bandagen, 22 Ctr. Wagenräder, 60 Ctr. Lokomotiv- und Wagenachsen, 36 Ctr. Kurbelachsen, dcsgl. 52 Ctr. Schmiedeisen-Abfälle, 95 Ctr. altes Gußeisen, 15 Ctr. altes Eisenblech, 20 Ctr. Eisendrehspäne, 2'/2 Ctr. alter Feilen- und Federstahl, einige Ctr. noch brauchbare Springfedern, Kuhhaare, alte Banküberzüge von Noßhaarzeug, eine Partie alte Wagenvorhänge von Zwillich, alte Packlein- wand, 12 Stück diverse Oel- u. andere Fässer, sowie ferner 300 Stück eichene, nicht mehr brauchbare Bahnschwellen.
Diejenigen, welche die zu erkaufenden Gegenstände vorher einzusehen wünschen, haben sich an den Maschinenmeister Heusinger in Castel zu wenden, auch kann der in dem Bahnhöfe zu Frankfurt wohnende Maschinenmeister Claude ebenfalls Auskunft über die zur Versteigerung kommenden Gegenstände geben.
Die ersteigerten Gegenstände müssen binnen acht Tagen abgeholt und baar bezahlt werden.
Frankfurt, den 29. Januar 1849.
In Auftrag des Vcrwaltungsraths: Der Direktor
Beil.
Für die Herrn Bürgermeister und Rechner.
(130) Formularien zu Gememde-Controlleu, Rechnungs-Ueberschlägen, Zournalieu und Manualien, Gefchäfts-Controllen rc. nach den Vorschriften der neuen Gesetze sind in schönster Ausstattung und zu billigen Preifen stets zu haben in der H W. Ritter'schen Buchhandlung in Wiesbaden.
Nachricht für Auswanderer.
(71) Unterzeichnete Agentur der amerikanischen Schifffahrt, empfiehlt bestens ihre sich seit Reihen von Jahren sicher und gut bewährte Ueberfahrt nach den sämmtlichen Staaten Amerika's.
Zur Sichcxheit der Auswanderer wurde von mir bei der Großherzoglich Hessischen Regierung die gehörige Caution geleistet, wonach die Verträge nach Vorschrift des Ministerial-Rescripts vom 16. März 1847 ausgefertigt werden. — Die Abfahrt kann von Biebrich, Bingen oderCoblenz geschehen.
Worms im Januar 1849.
Joh. Bapt. Adams, concesstonirter Agent.
Nähere Auskunft ertheilt Herr Frz. C. Nathan in Wiesbaden.
Danksagung.
(127) In der Nacht vom 14. auf 15. d. M. war ich durch den Eisgang der Nidda in den Main beinahe rettungslos verloren, indem das Eis der Nidda ein Schiff, auf welchem ich mich befand, mitten in daö schon schwankende Main-Eis fortschwcmmte. Nur durch die Männlichkeit und Entschlossenheit des Medizinal-Acccssisten Dr. Schüler und Rudolph Großmann, sowie der Schiffer Johann Bach, Conr. Weingärtner, Jak. Hochheimer, Andreas Weinren- ter und Fr. Bach bin ich aus der augenscheinlichen Lebensgefahr gerettet! worden, insbesondere hat Dr Schüler durch sein muthigeS Voranschrccten viel zu meiner Rettung beigetragen; ich kann daher nicht umhin, meinen edlen Lebensrettern den wärmsten Dank von mir und meiner Familie hiermit öffentlich auszusprechen.
Höchst a. M., den 2â. Januar 1849.
Mtwael Hochheimer, Steuermann.
(132) Sehr zweckmäßig eingerichtete Gemeinde- Budjets nach den Vorschriften des neuen Gemeinde-Gesetzes, sowie überhaupt Formularien für das Gemeinde-, Forst-, Schul- nnd Kirchenwesen u. s. w. sind stets vorräthig in der Hof-Steindruckerei von Jakob Zingel.
(128) Da meine von Berlin mitgebrachte Newfoundländer Hündin in einigen Wochen Junge wirft, so möchte ich bitten, daß die Liebhaber mir ihre Bestellungen, sobald wie möglich, franco zukommen lassen, dieselben werden aber nur auf Männchen angenommen. Das Stück kostet 5 fl. rheim, Hündinnen wer- den nicht abgegeben. Bon Farbe gibt es schwarze und weiße mit schwarzen flecken; sind sie zur Jagd zu dressiren und wegen ihrer Größe und Stärke zu diesem Zweck besonders zu empfehlen.
R. W. Krämer,
auf der Backesmühle bei Erbach, im Amt Idstein.
(96) Ein gesitteter, braver Junge, der mit den nöthigen Schulkenntnis
sen versehen ist, kann in der C. Ri t- ter'schen Buchdruckerei als Setzer- lehrling ausgenommen werden.
(126) Ein ausgedienter Mann, ledigen Staudes, sucht einen Einstand zu machen. Näheres bei An ton Niklas in Camberg auf portofreie Briefe zu erfragen.
(86) 1600 — 2000 fl. sind sogleich: gccgcn Sicherheit, entweder in die Stadt oder in das Amt Wiesbaden, auSjnleihen. Wo? sagt die Expedition.
119) Jodin-Seiden-Taffent gegen Drusen -Anschwellungen und Bcrhärtungcii aller Art, ist zu haben bei .A A. Seibert
in der Langgasse.
Verlag von H. Fischer und C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Duchdruckerei.
