„Freiheit und Recht!"
Wiesbaden. Sonntag, 28. Januar
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1840
Vv» der Opposition im parlamentarischen
Leben.
Wcsbu-cn, 27. Januar.
Ein Zsttnngs-Zirl!'./sprach zwischen mir und dem Abgeordneten Schmidt hat die Vnanlassunq abgegeben, daß von mir die Nothwendigkeit, Partei za cr- greisen und die einer jyst mati'chcn Opposition, behauptet wurde. Gegen diese Ansicht trat die „Nass. Alle,cm." in einem hämischen Artikel ans, dem ich hur ausführlicher entgcgentrete, weil ich ,diew Gelegenheit gerne ergreife, zur Läuterung der vielfach verworrenen Beg iffe über „Opposition" ein Scherflein beizutragen.
Zum bessern Verständniß lasse ich zuerst die Erklä- rung an den Abgco kneten Schmibt in No. 20 Ikie- ser Z ituttg, wie den Artikel in No. 23 der „Naffaui- schen Allgemeinen" vorausgehen.
I, Dem Herrn '.Abgeordneten Jost Schmidt gewidmet.
D rß es Ihnen nicht in den Kopf will, Hr. Schmidt, sich einem leitenden Prinzipe, d. h. einer Partei unter« zuordnen, überrascht mich nicht. Einer Partei aber jsiH anschlicßen, heißt weiter nichts, Hr. Schmidt, al) er« klären, daß ein Prii zip — eine oljck iv Wahrh it — höher steht als die subjekt.v? Grille eines Emz lkopfö; und um Sie von der Nothwendigkeit einer systematischen Opposition zu überzeugen!, von der Sie eben, wie aus Ihrer gestrigen Erklärung in der „Nass. Allg." hervorg.ht, keine Ahnung zu haben scheinen, eilaube ich mir nur, Sie auf die Geschichte aller Landtage und die Praxis in allen Verhandlungen, wo klare, f lbstbewußte Männer sitzen, zu v rweisen.
Fjj Seien Sie übrigens darüber nicht ungehalten, wenn ich mich manchmal mit Jhi er Person, wenn auch gerade nicht immer in lobende Weise, beschäftige und .behaupte, daß man es eben im gewöhnlichen Leben „Inkonsequenz" zu nennen pflege, wenn Jemand heute für reaktionäre, morgen für radikale Maßregeln spricht und e.nsteht. Gerade diese Rücksichtnahme sollte Ihnen beweisen, daß ich Ihrem Auftreten Bedeutung beilege. ES sind noch Mckglieder genug in der Kammer, welche, meiner An« sicht nach, ebenso tnfoLpquent sind, wie Sie, — doch ich erachte es, offen gestanden Mür7Zeilvcrschwcndung, mich mit einer Kritik der Thätigkeit dieser Mitglieder zu beschäftigen. I. Oppermann.
11. *f* In No. 20 dir „Freien Zeitung" nimmt es deren Redakteur dem Abgeordneten Schmidt übel, daß derselbe so frei ist, bei seinen Abstimmungen in der Ständekammer seiner eigenen Ueberzeugung zu so gen, und dozirt demselben die Nothwendigkeit der Unterord- nung dieser siiner Ueberzeugung, welche Hr. Opper- inann wegwerfend mit „subjektiver Grille eines Ein- zckkopfs" zu bezeichnen beliebt, unter tiue^ objektive
Wahrheit; und^ diese ist — hört! — eine systematische Opposition! d. H. also eine Opposition gegen alle Regierungsvo. schlage als solche, mögen sie nach der Ueberzeugung des einzelnen Abgeordneten noch so vortreffl.ch, zum Wohle des Landes noch so nothwendig sein!
Wahrlich ein kostbares Geständniß aus dem Munde eines Wortführers einer Partei, welche die Welt glauben machen möchte, daß sie die Sache der Freiheit und der Moralität zu der ihrigen gemacht habe!
Also Hr. Oppermann verlangt von einem Abgeordneten nach seinem Sinne, daß er gegen seine innigste Uebe:zeugung, gegen seinen Eid, den er bei Antritt seiner Funktionen" geschworen, seine Abstimmung nur nach dem Befehle eine Parteichefs richten solle, daß er ein Höriger dieser Partei sei, daß er seine gestimmte Stimme (wie der brave a'te Jahn sagt) mit in die Versammlung b.ingen, dort also folgerichtig auch taub gegen atteGegenglüude sein und blindlings dem Partei- interiffe dienen soll? Und das soll Freiheit sein? Ein solcher Abgeordneter soll noch den Namen eines ehrenhaften Mannes verdienen? Ist diese Lehre wohl um 4 in Haar besser, als die der so viel geschmähten Jesuiten, welche ebenfalls gänzliche „ Unterordnung der sukjcknven Grille eines Einzelkopfes" unter dem Be» fehle des Oberen verlangten, und nach dem bekannten Grundsätze: „der Zw ck heiligt die Mittel", kein Bedenken trugen, zur Erreichung ihrer Absichten sich der verwerflichsten Mittel zu bedienen.
Ehre dem Abgeordneten S ch in t d t und der großen Mehrzahl unserer Abgeordneten, welche ebenfalls von Hrii. Oppermann der Inkonsequenz geziehen werden, daß sie in die Tiefen dessen, was dieser Staatsknust nennt, nicht eingerostet sind, und daß sie das Bewußtsein eines redlichen, ub erzeugungstreuen Mannes für höher achten, als den etwas zweideutigen Ruhm eines Parteigängers, der sich zum blinden Werkzeuge fremder Zw cke hingibt! .
Vor einigen Tagen schrieb mir ein Mann aus dem Amte Wallmerod, ein Ge stUcher beliebe seinen Pfarr- klarern die Freie Z ilung als einen „Misthaufen" zu schildern, und ihnen das Lesen derselben miLr And.o- hung ewiger HöUenstrafen zu verbieten.
Nun kommt unsere gute Nachbarin, die offizielle Nass. Allgemeine, und bringt in ihrer 23 teil Nummer, in dem bekannten Sprechsaal, ein Artikel gegen mich, in welchem sie mich als einen Anhänger der Lehre der Jesuiten dem geneigten Publiko zur geneigten Darnach- achtung darstellt.
O! ich unterliege schier unter der Last dieser Vorwürfe! der eine droht schon den Lese-n der Fr. Zeitung mit den Strafen der Hölle, — was mag er erst dem Redakteur derselben wünschen! Ist es nicht baiba isch schncklich, so mit einem armen Mciischeukii.de umzu- gehen? Habt Ihr denn gar lein Herz in eurem christlichen Busen — ihr wüthenden Herrn?
Das Artikclchen in No. 23 der guten Nachbarin ist ein aus reinem Unsinn zusammengekvchter Brei aber ganz geiignet, um „unschuldigen" Seelen, namentlich auch folgen in unserer Kammer, die Begriffe zu verwirren.
Um dieß „Sand in die Augen Streuen" zu verhindern, wahrlich aber nicht, um mich leibst gegen die plumpen Angriffe jenes Artikelcheus zu vertheidigen, fand ich mich veranlaßt, diese Zeilen niederzuschreiben.
Ich will davon schweigen, daß der Spaßmacher, der durch jenes Aitckelchen auf die „unschuldigen und redlichen Gemüther in der Kammer wirken möchte, die Er- Ualuug, welche ich in No. 20 d. Bl. dem Abgeordneten L>chmldt dusem Helden der Consequenz — wid- inete, ganz verdreht widergibt: daß er nämlich behauptet, ui dieser Erklärung seien „objektive Wahrheit" und „lystematifche Opposition" indentisch genommen — wäh- reno doch Dort nur in der systematischen Opposion formell der Weg angezeigt wird, wie die materielle Joee, das Prinzip einer Partei, zur Geltung gebracht werden konnte - : dem spaßhaften Burschen ist höchst wahsscheinlich die Sache selbst nicht klar geworden.
Veiwahreu muß ich mich nur dagegen, als trete ich Der Wahi Haft wahnsinnigen Definition von „systematischer Opposition", welche der gemüthliche Correspondent mit dem doppellbesternten Kreuze gibt, bei, oder als hatte ich gar einen soichen U isinn behauptet. Die Desi-ltiou des gemüthlichen Burschen lautet: „systematische Opposition, d. h. also eine Opposition gegen alle Regierungshaudluiigen als solche, mögen sie nach der lleoklzeuguug des einzelnen Abgeordneten noch so vortrefflich, zum Wohle vesLuudeS noch so nothwendig sein!"
Eine fystematiiche Opposition ist aber eine solche, welche mit dem von der herrschenden Partei angenommenen höchsten Prinzip (also etwa dem des Schein- konstilutionalislnuö) nicht einverstanden sich erklären kann, und das von ihr als wahr und richtig gehaltene Prin- z p (also eiwa das demokratische) zum Herrschenden im Staate mach 11 möchte, und demgemäß als eine verbündete Macht — stark du:ch die Einigkeit und wirksam durch eine geregelte Organisation — das herrschende Prinzip zu stürzen sucht.
In Staaten, wo eins der eben genannten Prinz'pien aufs Entschiedenste und auf längere Zeit gesiegt — wie etwa in Nordamerlka — stellen sich neue Prinzipien gegen einander freundlich auf, wie etwa daS des Freihandels gegenüber dem der Schutzzölle.
Den bewußten Anhängern eines bestimmten Prin- z ps kann nun begreiflicherweise weniger darauf an- kommen, daß eine Regierung einmal einen guten Vorschlag macht: sie will vielmehr, daß die Regierung unbedingt ihr Pr nzip anerkenne, weil sie dann mit Recht anninunt, daß die einzelnen guten Vorschläge nicht mehr als bloß vereinzelte dastehen werden.
Zu behaupten aber, eine systematische Opposition müsse nun alle Vorschläge der Regierung verwerfen,
111.
Anszüg e
auS der Kirchenchrvnik der Pfarrei Cleeberg, geführt von Friedrich Wilhelm Schellenberg, Pfarrer zu Cleeberg, Herzoglich Skaussauischen Amtes Usingen, seit August 1840.
(Fortsetzung.)
Circumvaganten betreffend:
„Auf Erlaß des bischöflichen Commissarins, Herrn Gchcime-Kirchenrarhes Dr. Wilhelmi, vom 18. v. M., auf Bericht vom 10. November, die in 1845 gehaltenen Kirchenvisitationen betreffend. Zu Cleeberg wird in rub- ricirtem Erlasse an den Herrn Decan Sen fft zu Usingen bemerkt: „Der Neigung, ohne besonderes Gewerbe in der Welt herumzuzichen, deren nachtheilige Folgen auch hier wieder geschildert werden, muß mit Kraft und Ernst von Seiten des Geistlichen sowohl, als der übrigen einflußreichen Gemeindcgl jeder möglichst entgegengcwirkt werden, wie denn auch die Staatsregierung ihre deSfallsigc Unterstützung wiederholt zugefügt hat."
An Herrn Pfarrer Schellenberg zu Cleeberg mit dem Hinzufügen: Ich versäume nicht, Ihnen dieses zu ihrer Bemessung mitzutheilen. Usingen, den 21. Januar 1846. Senfft." .
Uebersicht der Gcbvrneu zu Espa:
„Ein Knabe Espaer Eltern, der 1832 zu London
Little Alie Street in Nr. 15 Wells Yard geboren wurde."
1846. Fligcnwcdlcr und Landgângcr:
„Usingen, im Februar 1846. Didaskalia, Nro. 43. Donnerstag den 12 Februar 1846 : „diejenigen, welche die iirige Ansicht hegen, als läge die Beförderung und Ermunterung einer ehrbaren Emigration nach den gesunden Districten Nordamerika's nicht im Interesse Deutschland's und der deutschen Regierungen, mögen wissen, daß die Hessisch-Nassauischen Bettelfahrten der sogenannten „Flie- genweblcr" und „Lankgänger" wieder in vollem Schwnnge sind und wie ein fressender Krebsschaden am Körper deS Volkes immer weiter um sich greifen. Soll man zu solchem Elende schweigen? Soll man eS nicht der Oeffent- lichkeit übergeben, daß etwa 10 Kinder aus dem Amt Usingen durch hessische Fliegenwedler in England hcrum- geschleppt werden, ohne daß ihre Eltern die geringste Aussicht hätten, sie jemals wieder zu sehen, weil in England jeder Accord Gesetzkraft hat und diese gefährlichen Menschen die arme» Kinder zu Unterschriften zwingen. Die Wahrheit ist, daß von den Behörden Alles geschieht, dem Uebel zu steuern, aber ohne Erfolg. Das Uebel liegt tiefer und ist in der Verarmung ganzer Gemeinden begründet. So lange also eine Auswanderung in Masse aus diesen armen Dörfern nicht möglich gemacht wird, so lange dürfen auch die Vaterlandsfreunde nicht hoffen, die Schande getilgt zu sehen. Ich schließe meinen Bericht, indem ich die Ansicht ausspreche, daß diesem un
glückseligen Vagabundeleben nur dadurch Abhülfe geschafft werden kann, daß man jegliche Art jener ehrbaren Auswanderung nach Amerika fördert oder ihr doch wenigstens nicht entgegenwirkt."
„Die Didaskalia enthielt seit 1844 ähnliche Berichte über die Landgängcr des Aintes Usingen."
Uebersicht der Geborne» zu Espa:
„Von den Töchtern zu Espa ist eine geboren zu New-Vork und eine andere zu Philadelphia."
Katechumenen in dem Auslande anno 1846:
„Von den der Schule entwachseuen Catechumcnen besuchten das Ausland in 1846 von Cleeberg 9 Jünglinge und 5 Jungfrauen; von Espa 9 Jünglinge niiD 8 Jungfrauen; von Weiperfelden 5 Jünglinge und 4 Jungfrauen. In Summa: 23 Söhne und 17 Töchter. Im Ganzen 40 Katechumenen."
1847. Uebersicht der Gebornen und Gestorbenen :
„Ein Knabe und ein Mädchen sind im Auslande geboren und fünf Personen sind im Auslande gestorben. Die Gebornen und Gestorbenen waren von Espa."
„Cleeberg, den 10. October 1848.
In sidein extractus
F. W. Schellenberg, Pfarrer.
