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gewaltige — und kostspielige Präventiv - Maßregel ge­genüber einer mehr als friedlich gesinnten Bevölkerung hart und demüthigend. Dazu die Wiedereinführung der Censur durch General Wrangel, das Verbot, nicht nur der demokratischen, sondern auch der rein humori­stischen Presse, welche Maßregel selbst von den Conser- vativsten, die nur einigen Begriff vom Constitutionalis- mus haben, nicht gebilligt wird. In den Provinzen wird man es kaum glauben, daß die hiesigen Eisenbahn- Höfe noch immer militärisch besetzt sind, und |i$ die ankommenden Passagiere bei Nacht und Kälte einer sorgfältigen Controle ihrer Legitimationen unterwerfen müssen, und kämen sie von der nächsten Station, 2 Meilen von Berlin. Im Durchschnitt werden dann von den Ankommenden, deren Legitimation nicht aus- reichend befunden werden, j desmal 1 ö 20 nach der Stadtvogtei transportüt, und dort so lange festgehalten bis sie sich gehörig ausg'wieskn haben; sind sie zufällig am Orte nicht bekannt, um von hiesigen Einwohnern recognoscirt werden zu können, so biingt man sie ohne Weiteres wieder zur Stadt hinaus! — Doch auch er­freuliche Erscheinungen bietet die sonst so trostlose Zit. Wer es nur gestern gewußt hätte, daß das hohe Herr­scherpaar in der Oper sein würde! Was kann es erhe­benderes geben, als gegenüber dein Spicke besoldeter Künstler eine dramatische Scene, improvisirt von vielen Hunderten, umsonst, ganz umsonst, höchstens gegen das Honorar eines Freibillets, dessen Eontre-Maike nachher au der Thür für einige Groschen verkauft wird. Wie schwang der Capellmeister den Taktstock über den Häuptern der taetfesten Musiker zum „Hul dir im Sie­gerkranz," wie beharrlich wmde die ganze unsterbliche Hymne bis zu Ende gesungen, und wenn ami) das Parterre im schönen patriotischen Eifer die Töne nicht kunstgerecht anschwellen ließ, sondern mit Begeisterung und Kraft herausstieß und was weniges detonirte — der Eindruck war ein mächtiger: das. Parterre sang, die Gallerie accompagnirte, die Musiker spielten, die Damen wehten mit den Battist üchern — und die Ca­valiere in den Logen aber sahen befriedigt auf die Män­ner im Parterre und auf der Gallerie. — Patriotische Geister haben bereits wieder einen kostbaren Fund ge­macht, der wahrscheinlich nun auch zur Erbauung und Rührung des Landes o ficiell abgedruckt werden wird. Es ist dies ein Brief der Königin Haus der Solothur­ner Zeitung in die „Deutsche Zeitung" übergangen) als Antwort mehrerer royalistischen Damen in Couvet im Schweizerkanton Neuenburg. Indem zu Anfang be­merkt wird, wie der Verlust Neuenburgs ihr (der Kö­nigin) die ersten Thränen im Verlauf aller späteren betrübenden Ereignisse verursacht habe, und daß hoffent­lich dieser Verlust nur ein augenblicklicher sein werde, heißt es ferner:

„Gott wolle mir in seinem Erbarmen das Glück gewähren, so viele treue Unterthanen wieder unter den väterlichen Schutz ihres guten Königs zurückkehren zu sehen, um in seiner Liebe und Erkenntlichkeit den Lohn ihrer Treue zu finden." Die „treuen Neuenburger Unterthanen" werden gewiß so loyal sein, baldigst das Joch des Republikanismus abzuschütteln. Die Aerm- sten, sie haben an keiner unserer März-Errungenschacken seit dem November Theil genommen, sie haben es nicht einmal zum „Belagerungszustand" gebracht. (O.-Z.)

Breslau, 20. Jan. Die Posener Demarkations- Angelegenheit unterliegt in Berlin jetzt ernstlicher Be­rathung, während die Liga polska bei ihrer Versamm­lung in Kurnik beschlossen hat, dieses Theilungs-Pro- jekt aus jeden Fall rückgängig zu machen.

Großbritannien.

London, 18. Jan. Unter den Ereignissen der ver­flossenen Woche macht besonders der Ausbruch der Cho­lera in der Kinderbewahranstalt des Herrn Drouet zu

Tooting noch immer großes Aufsehen. Die Berichte über den Aufbruch und die Behandlung der Krankheit unter den armen Kindern, deren 1400 aus den verschiedenen Armendistrikten sind interessant zu lesen. Hr. Drouet specu- ln te in weißem Menschenfleisch, wie ein Manchesterfabrikant in weißen Baumwolleuwaaren, und die Londoner Cor- porationen der Armenve Wallung waren nach den Be­griffen, welche sie von Freihandel haben, froh, auf die billigst mögliche Weise die ihrer So ge anvertraut ge­wesenen Kinder los zu werden. Herr D onet erhielt wöchentlich etwas für jedes Kind, ohne die Arbeit der Erwachsenen unter denselben, welche er vermietete, wie man in Deutschland Reitpferde oder dergleichen aus­leiht, und nur dadurch, daß er sie schlecht nährte und kleidete, konnte er in seiner Menschenfleischspeculation reüssiren. Dem „christlich-frommen" Engländer ist jeder Erwerbszweig willkommen, der ihm Geld einbringt, und er speculirt auf das menschliche Elend zu Hause eben so ruhig, als er sein Geld für Ausrüstung von Scla­venschiffen hergibt, obgleich seine Regierung selbst darauf Jagd machen läßt, d. h. die brasilianischen Sclavenschiffe werden gefangen u id den englischen sieht man durch die Finger. — In einem Zimmer der Kinderbewahranstalt zu Tooting, welches 16 lang, 12 Fuß breit nud kaum 8 Fuß hoch, liegen 11 Kinder in 5 Betten, alle krank an der Cholera; in einem andern von gleicher Größe, 13 Patienten in 4 Betten; in einem dritten, ’IO Fuß lang, 16 Fuß breit und 18 Fuß hoch, 16 Kinder, alle krank. In einem größern Zimmer standen 18 Betten eng aneinander gerückt, mit 2 kranken Knaben in jedem Bett, während 10 aufgestauden waren und sich um das Kamiufeuer gesetzt hatten. Ein Wärter für alle diese Kinder! Auf der Seite der Mädchen lagen regelmäßig 4, ost 5 Kranke in einem Bette. Die Kopfkissen, die Decken, der Fußboden waren mit den ausgebrochenen Substanzen bedeckt, und ein fürchterlicher, Ekel und Er­brechen erregender Gestank erfüllte alle Gemächer ! Sind solche Thatsachen nicht scheußlich?! — Uebrigenö ist dieses noch noch nichts Außerordentliches und ich bin überzeugt, daß noch viele ähnliche Fälle zu unserer Kennt­niß kommen werden.

Schrecklicher ist das Unwesen, welches im Armen- Hause zu Andover stattfand, wo die Armen, welche mit Knochenstampfen beschäftigt waren, so schlecht genährt wurden, daß sie die ihnen zum Stampfen gegebenen Knochen erst abnagten, woraus sie sogar noch das stin­kende Mark heraussogen, um nicht vor Hunger um- zukommen. Diese Knochen kamen jedoch nicht etwa aus den Küchen der Reichen ins Armenhaus, sondern es waren Knochen, welche man bei Lasten und Schiffsladungen gekauft, der Abfall der Schin­danger, ja es waren große Quantitäten Menschen- knochen darunter, die man von den Kirchhöfen der Nachbarschaft nach Andover geschickt. Die ach- tenöweitb'sten Zeugen, Aerzte, haben mit eigenen Au­gen gesehen, wie die vom Staate „versorgten" Armen Menschenknochen benagten und die Arm- und Bein­röhren mit Steinen zei schlugen, um an das Mark zu kommen. Dies sind allgemein bekannte, durch die sorg­fältigsten Untersuchungen erwiesene Thatsachen. Welch ein Beitrag zur Armenpflege in dem gepriesenen „christ­lichen" England nicht allein, sondern welch' eine Illustra­tion der herrschenden Gesellschafsordnung, wenn man die unermeßlichen Reichthümer einzelner Lords dagegen in Betracht zieht, die oft Tausende von Pfunden Ster­ling auf ein Pferderennen setzen! — Das Volk zahlt jährlich 15 Millionen — fünfzehn Millionen Pfund Sterling Armeusteuer allein in England — aber schwer­lich kommen mehr als 5 Millionen den Armen zu gut, während die Hauptsummen in den Händen der Ver­waltenden bleiben. (£. Z.)

K r a n k r e ich.

Paris, 21 Jan. Der neue Vizepräsident der Re­publik und die politische Bedeutung seiner Wahl wer­

den hentc von den verschiedenen Blättern je nach ihrer Färbung beurtheilt. Wie wir schon bemerkt, war Hr Boulay nicht der Candidat des Ministeriums und wenn Jemand noch einen Zweifel hierüber hegen könnte, so müßte ihm die Sprache des ministeriellen ,',Constitutione!" und des „ Siecle" die Augen öffnen. In der That, Herr Boulay ist ein Ehrenmann) aber das ist auch Alles, und er hat sehr wahr erklärt, daß sein einziger Titel zu der ihm zu Theil gewordenen hohen Ehre die persönliche Freundschaft des Präsidenten ist. Diesen Umstand hat auch die Majorität veranlaßt, ihrem ersten Eindrücke beim Vorlesen der Candidatenliste entgegen, Hrn. Boulay ihre Stimmen zu geben, um dadurch ihr Bestreben zu einem guten Einveiständniß mit dem Prä­sidenten an den Tag zu legen. Bei der persönlichen Freundschaft beider höchsten Beamten der Republik ae- winnt die Rede des Hrn. Boulay eine doppe'te Be- deutung; denn es ist unmöglich, daß er sich nicht zuvor mit LomS Bonaparte über deren Inhalt verständigt habe. Dies hebt auch der „National" hervor und die „Presse" letzt sehr richtig hinzu, daß nach dem neuen Beweis von Deferenz der Nationalversammlung gegen den Präsidenten dem Ministerium auch nicht der ge­ringste Vorwand mehr für feine Unthätigkeit übrig blewe. Auch veranlassen uns alle unsere Nachrichten zu dem bestimmten Schluffe, daß dasselbe ohne bedeutende Mo- disikationen nicht lange mehr bestehen kann und wenig­stens einige Elemente des letzten Cavaignac'schen Mini­steriums in sich aufnehmen muß. Schon ging in dem Conferenzsaale das Gerücht, datz die Hrn. Favre und Billault nächster! Dienstag die Regierung über die äu­ßere Politik interpclliren wollen, um zu folgender Con- clusion zu gelangen: Keine Intervention, unter welchem Vorwand cs auch sei, und Reduktion des Budgets auf 1300 Millionen. (Tr. Z.) " '

u n ft a r n.

Aus Agram wird der „Slowanska Lipa" berich­tet: Die Südslaven bestehen auf ihren Föderationsfor- dei ungen. Als unlängst Baron Kühner hier als Mi­nister zu handeln begann, erklärte ihm der Locuinteuent des Ban, Lentulay, ohne Umschweife: „Sagt, Herr Bruder, dem Herrn Stadion, daß ich von ihm kein» Bef hle annehmen werde, daß wir unsere eigene Ver­ordnungen haben, und daß Croatien und Slavonien seine Autonomie zu wahren wissen wird." Zugleich wird in dem Berichte gesagt, Herr Jelen habe wohl vergebens den Südslaven Sitze auf den Reichstage Vorbehalten, außer er würde seinen Einfluß benutzen, und beim Minister Stadion „für die Autonomie der österreichischen Staaten" sprechen. Auch die „Agr. Zei­tung" beginnt bereits Opposition gegen das Ministerium Stadion zu machen.

Für die Hinterbliebenen Robert Blums sind bei der Redaktion der Freien Zeitung weiter ein-

gegangen:

fl.

fr.

71) Aus Höchst ......

. 1

22

72) Ergebniß einer Sammlung, einge-

sandt von Joh. Frb. Michel .

. 3

30

73) Von mehrern Einwohnern der Ge-

meinte Schierstein ....

. 7

45

74) Nachtrag zu der Cvttekte des Turn-

Vereins zu Runkel ....

. 4

45

Summa

16

22

Ueberttag

637

23'/4

Summa

653

43%

Vcrautwortlicher Redakteur: J. Oppermann.

Bekanntmachungen.

(106) Coneevt - Anzeige.

Sonntag den 28. dieses Monats Nachmittags 3 Uhr wird das große Orchester der Kapelle des kaiserl. königl. östereichischen löblichen I n f a n t e r i e - N e g i m e n t s

13rzSäer® o g’ Hainer

sich in meinem Saale produciren.

Hotel Barth in Vaftel, den 26. Jan. 1849.

yeter ütirtlu

(98) Unter der Presse befindet sich und ist in einigen Tagen in der H M Ritte r'schen Buchhandlung zu haben:

Instruktion

für die

^Bürgermeister ru§b Mitglieder des Gemeinderaths

im

Herzoftthum Nassau. Preis 12 Kreuzer.

96) In den Buchhandlungen von H. Fischer und H. $3. Ritter sind zu haben: Die Grundrechte des deutschen Bölkes.

Preis: 2 Kreuzer.

Samen-Anzeifte.

(101) Fichteu-Samen offcrire ich zu 1 fl. 9 fr. per K. Cölln, ab hier. Die 100 K. Z.G. fracht­frei Frankfurt zu 14 fl. — Das Verzeichnis; meiner Nadel- und Laubholz-Säinereien ist von mir abzufordern. —

H. G. Trumpfs, in Blankenburg am Harz.

(103) Im Namen des hiesigen Volksvereins spreche ich dem hochherzigen Weibe, das nur, zur Verwendung für Zwecke des Vereins ein Geschenk von 10) fl. zukommen licp deu begei­sterten Dank des ganzen Vereins aus.

Hat Deutschland, und wir hoffen dies, sol­cher edlen Mütter noch viele, so kann die Sache der Freiheit nimmer mehr zu Grunde gehu, .'und drum zukünftigen Tagen die Ehre und ihr ein tausend stimmiges Hoch. —

Weilburg, den 13. Jan. 1849.

Gerau, Arzt.

(90) Ein gesitteter, braver Junge, der mit den nöthigen Schulkenntnis­sen versehen ist, kann in der E. Rit­te r'schen Buchdruckern als Setzer- lehrling ausgenommen werden.

(97) Ein geräumiges Wohnhaus in einer fre­quenten Straße, zu jedem Geschäftsbetrieb ge­eignet, ist aus freier Hand unter gemäßigten Bedingungen freiwillig zu verkaufen. Wo? sagt die Expedition.

C92) 400 , 800, 1000, 4000 fl. werden gegen gericht- liche, doppelte Sicherheit zu lei­hen gepicht durch das Geschäfts- Bureau von Carl Leyendecker in Wiesbaden.

Verlag von H. Fischer und C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.