Italien.
Es scheint, ba^ die österreichische Negkeuing bei der Bildung einer constituirenden Versammlung zur Vereinbarung der Verfassung der Lombardei, die sie nach Wien beruft, auf Schwierigkeiten stößt; wenigstens hat die Provinzial- Congregation von Verona ihr kl klärt, daß sie einen Abgeordneten nach Wien nicht wählen weide, da sie kein Mandat besitze, in solchen organischen Fragen das Land zu vertreten.
Rom, 11. Jan. Die Allg. Ztg. meldet, daß der bisherige sardinische Gesandte, Marche v. Pareto, abge- rufeu, und der Ritter Martini vom Ministerium Gio- berti an dessen Stelle ernannt worden ist. Dieser war schon seit einigen Tagen in Rom und hatte die Regie- rungskomulissioN aufgefordert, für den bevorstehenden neuen sardinisch-österreichischen Krieg ein röinisches Trup- pencontingent zur Armee Kack Alberts stoßen zu lassen; die römische Regierung »vill aber lieber wieder ein Hülfsco PS nach Venedig senden. Martini ist nach Gaeta abgereist. Der römische Contemporaneo will w ssen, der König von Neapel habe der „päpstlichen Camai illa" in Gaeta seine bewaffnete Intervention im Kirchenstaat nur unter der Bedingung versprochen, daß auf der andern Seite die O»st rreicher in die Legationen einrücken; da nun Oesterreich binnen wenigen Tagen mit Piemont vollauf beschäftigt sein werde, so sei überall keine Intelvention zu befürchten. Eine spanische Landung behandelt dieses römische Blatt als ein Mährchen. Die Florentiner Alba sucht zu beweisen, daß Pius IX. in Gaeta ein Gefangener der beit versammelten Gesandten der Italien feindlichen Mächte sei. Der Genueser Corriere Mercantile meldet gerüchtsweise: Ster- bini werde in der jetzigen K isis die Diktatur von Rom übernehmen. Einige Blätter behaupten: der Kaiser von Rußland habe ei klärt, in der sizilischen Frage diplomatisch intervenireu zu wollen.
Florenz, 17. Januar. Der Großherzog hat am 10. die Kammern eröffnet. Das Wichtigste in der Thronrede ist, was auf die auswärtigen Verhältnisse Bezug hat. Die Hauptstelle lautet: „In der Kriegs- frage soll und werde ich, da das von den tapfern Toskanern in der Lombardei vergossene Blut, statt sie ab- zuschrecken, sie zum Aueharren ermuthigt, und da die Motive des Kriegs nicht aufgehört haben, dem Wunsche meines Volkes entsprechen." Ferner heißt es: „Unser Gesandter wird dem Congreß in Brüssel beiwohnen. Ich wünsche und flehe zu Gott aus voller Seele, daß dies Vergießen christlichen Blutes aufhöre und die Welt zu dem ei sehnten Frieden gelange; für jeden Fall aber sind wir auf den Krieg gefaßt, sowohl zum Schutze des Lebens und der Güter, als um die Ehre des Landes unversehrt zu erhalten." Hinsichtlich der Beziehungen zu den fremden Machten wird hervorgehoben, daß Toscana auf freundschaftlichem Fuße mit allen stehe, ausgenommen mit Oesterreich. In Betreff des Verhältnisses zu den übrigen italienischen Fürsten deutet die Thronrede an, daß die nicht sehr erheblichen Anstände mit Neapel durch hohe Vermittler bald beseitigt sein dürften. Nom wird sachte berührt und der Grundsatz ausgesprochen, es werde Toscana gegenüber Nom sich vor Jso- lirung [püten und mit den italienischen Staaten, mit
denen Hand in Hand zu gehen, es am meisten wünschen müsse, gemeinsam zu handeln trachten. — Am 15. d. wählte die Dputirtenkammer den Präsidenten und die Vic Präsidenten. Zum Präsidenten wählte sie Heern Vanni, einen Kouseivatioen, und zu Vicepräsidenten die Herren Penattoni und Zanettini, Fortschrittsmänner.— Im Theater della Pergola wurde am 13. d. zu Gunsten Venedigs ein großes Concert ausgeführt. Es ren- tirte netto 8000 Franken.
Schweiz.
Genf, 15. Jan. Die „Memvires der Lola Montez" weiden nicht erscheinen. Der Verfasser, ein intri- guanter junger Mensch, scheint den Prospektus nur publizirt zu haben, um von diesen oder jenen Leuten, die darin compromittirt werden sollten, eine Geldsumme zu erpressen. Auße.dem hat die hiesige Polizei Prospekt und Buch untersagt. (A. Z.)
Araukreich.
Paris, 20. Januar. Also nicht Vivien ist Vice- p'äsident, Boulay ist's geworden. Was für ein Boulays Wer anders, als Boulay der x Boulay', die unbekannte Größe, welche die Kammer mit einem einzigen Schlage zur bekannten Größe gestempelt hat. Also Boulay, der eine von den beiden Nullen ist Vicepräsi- dent, d. h. die zweite Person im Staate geworden. — Das Ministerium dachte ungeheuer listig verfahren zu haben, als es zu den zwei Nullen eine schmächtige Einheit wie Vivien hinzufttzte, und glaubte nun sich eines Triumphes gewiß. Die Kammer war noch listiger und wählte die Null. Dem bornirten Napoleon hat sie einen Mann zugesellt, der noch bornirter ist als er; similia similibus curantur.
In der allgemeinen Auflösung, worin sich die offt» stelle Welt befindet, wird das Unwahrscheinlichste das Wahre; natürlich vom diplomatischen Standpunkte aus. Ein Theil der Rue Poitiers und der „NationalS" Ha- Heu für Boulay gestimmt; die Montagne hat sich der Abstimmung enthalten. Nun denke man sich: als vorgestern der Name Boulay zum ersten Male ausgesprochen wurde, entstand ein allgemeines Gelächter; als heute der Warne Boulay als Vice - Präsident genannt ward, entstand ein allgemeines Bravoklatschen. Nun sagen aber auch dieselben Leute, die heute bravo klatschen: Boulay ist keine Null, Boulay ist kein x; denn Boulay ist der Liebling Napoleons, der Mann, der beständig der napoleonischen Dynastie angehangen. Wenn nun Napoleon der Liebling des Landes ist, mit sieben Millionen erwählt, so können wir nicht besser thun, als den Liebling des Lieblings zum Vice-Präsidenten zu wählen. Wir haben uns einmal geint, indem wir unsere Stimme dem Cavaignac gaben; wir wollen jetzt nicht noch einmal irre gehen. Das ist die Klugheit, mit welcher die Kammer sich entschuldigte, die Dummheit auszuwählen.
Der Vice-Präsident ist die Frau des Präsidenten, während das Ministerium nur seine Maitresse ist; das heißt: Der Präsident lebt und stirbt mit dem Vice, Präsidenten, unbeschadet aller ministeriellen Veränderun
gen. Das Ministerium dagegen ist die Maitresse des Präsidenten, die er jeden Augenblick mit einer andern vertauschen kann. DaS Ministerium und der Biedermann Odilon Barrot haben aber das umgekehrte Verhältniß eintreten lassen wollen; Barrot wollte der Maitre sein und Napoleon zur Maitresse nehmen, um bei der ersten Gelegenheit diese Maitresse mit einer andern, der Herzogin von Orleans zu vertauschen. Man sieht: die osficielle Welt dupirt sich wechselseitig, die einen wollen die andern vor die Thüre werfen, und fie wc-den nicht eher ruhen, bis sie sich gegenseitig heraus- g"vorfen haben. (N. Nh. Z.)
— D.r „Moniteur" bringt den Gesetzentwurf des Ministeriums, betreffend die Aburteilung der Mai- gefangenen; er lautet: „Art. 1. Die Urheber und Mitschuldigen des Attentats vom 15. Mai 1848 welche ein Beschluß des Pariser Appelhofes vom 16. Januar 1849 in Anklagestand versetzte, werden vor den hohen Nationalhof gestellt. Art. 2. Dieser Nationalgerichtshof tritt binnen einem Monat nach Annahme des gegenwärtigen Gesetzentwurfs durch die Nationalversamm. lung in Bourges zusammen. Art. 3. Der Justizminister ist mit Aiisfühi ung dieser Maßregel beauftragt. Gegeben im Elysee-National, 17. Jan. 1849. (gez.) Louis Napoleon Bonaparte, (gez ) Odilon-Barrot." __ Laut Art. 92 der Verfassung ist der Nationalgerichts- Hof aus fünf Kaffatiousräthen und zwölf Geschwornen zu wählen, welche nach Anweisung der Art. 93, 94 u. 95 der Verfassung aus einer Liste von resp. 60 von den Depatementsräthcn zu ziehen sind. Die Stadt Bourges, zwar ziemlich weitläufig, aber auch ebenso verödet, wird gleich Vendome vor 60 Jahren plötzlich sehr rege werden und dramatisches Interesse bieten.
— Die 52 Jnsurgentinnen, welche in den Gefängnissen von St. Lazare saßen, ohne daß ihnen seit dem Juni 1848 der Prozeß gemacht wurde, sind auf Anordnung des Präsidenten Bonaparte freigelassen worden.
(Mannh. Abdz.)
Paris, 22. Januar. Im Anfänge der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurden von mehreren Mitgliedern, unter Andern von Hrn. Mole, zahlreiche Petitionen, welche eine baldige Auflösung der constituirenden Versammlung verlangen, auf dem Tische des Hauses niedergelegt. Eine Petition von 448 Gemeinden des Somme-Departements, mit nahe an 60,000 Unterschriften versehen, verlangt, daß sich die Nationalversammlung unmittelbar nach dem Votum des Wahlgesetzes zurückziehe. Hr. Pierre Bonaparte dagegen brachte eine Petition von Einwohnern des Lozere - Departements ein, worin die Nationalversammlung aufgefordert wird, sich nicht zu trennen, bis sie ihre Aufgabe, wie sie es für nöthig halte, erfüllt haben werde. Es wurde die Berathung des Gesetzentwurfs für Verweisung der Mai-Angeklagten vor den Obergerichtshof nach Bourges fortgesetzt.
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
(98) Unter der Presse befindet sich und ist in einigen Tagen in der H. W.
Ritte r'schen Buchhandlung zu haben:
Instruktion
für die
Bürgermeister und Mitglieder des Gemeènderaths
im
Herzogthum Nassau.
Preis 12 Kreuzer.
Nachricht für Auswanderer.
(71) Unterzeichnete Agentur der amerikanischen Schifffahrt, empfiehlt bestens ihre sich seit Reihen von Jahren sicher und gut bewahrte Ueberfahrt nach den sämmtlichen Staaten Amerikas.
Zur Sicherheit der Auswanderer wurde von mir bei der Großherzoglich Hessischen Negierung die gehörige Caution geleistet, wonach die Verträge nach Vorschrift des Miniftcrial-Nescripts vom 16. März 1847 ausgefertigt werden. — Die Abfahrt kann von Biebrich, Bingen oder Coblenz geschehen.
Worms im Januar 1849.
Joh. Bapt. Adams, concessionirter Agent.
Nähere Auskunft ertheilt Herr Frz. 6. Nathan in Wiesbaden.
(1505) In den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter in Wiesbaden ist vorräthig zu haben:
Merkwürdige Prophezeiungen
des
Pater Guardian in einem Kloster in Polen von den Jahren 1790—2000.
Preis 9 Kreuzer.
Bremen 1848.
(96) In den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter sind zuthaben: Die Grundrechte des deutschen Volkes.
Preis: 2 Kreuzer.
(58) Anzeige.
Um dem mehrfach verbreiteten Gerücht zu begegnen, als sei ich gesonnen in Folge meiner neuen Stellung meine Buchhandlung aufzugeben, sehe ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß mein Geschäft
nach wie vor
fortbestehen wird.
Auch für die Folge wird für prompteste Bedienung meiner Kunden gesorgt werden, wie ich überhaupt mein Geschäft meinen Mitbürgern bestens empfohlen halte.
Wiesbaden, den 15. Januar 1849. J Weinrich Fischer,
Buchhändler.
Aufgemerkt!!
(103) Die ßeit, ui der Nassau's größter Kin- derfreund seine Rundreise durchs Land macht, um sich persönlich zu überzeugen, ob die den Kindern versprochene grüne Sesselchen auch augefertigt siud, kommt nun so allmälig heran. Allenthalben im Lande, wo sich der gute liebe Mann zeigt, ist er ein vielversprechender Freudenspender für Jung und Alt; cs ist daher auch billig und recht, daß ihm eine Freude bereitet werde. Demnach ergeht an die Bewohner aller Orte, in denen er auf seiner Rundreise einen längeren Aufenthalt nimmt, die höfliche Bitte und Aufforderung so unter der Hand schon die nöthigen Anstalten zn seinem feierlichen und würdigen Empfange zn treffen! —
Vo» Einem, der auch noch Platz gefunden im Herzen des Ziinder- freundes.
(90) Ein gesitteter, braver Junge, der mit den nöthigen Schulkenntnissen versehen ist, kann in der C. Ritte r'schen Buchdruckerei als Setzerlehrling ausgenommen werden.
Napoli taines»
(102) Durch vortheilhafteu Einkauf einer nicht unbedeutenden Partie Jlsapoiitaines bin ich in den Stand geseßr, solche zu 21 fr. pr. Elle zu erlaffen. da diese Waare von bester Oualität, vollkommen % breit ist, so glaube ich ein verehrlichcs Publikum hierauf aufmerksam macheu zu können und einer gefälligen, zahlreichen Abnahme entgegen sehen zu dürfen.
Wiesbaden, 24. Januar 1849.
ZtcermfiHti »es. Wtw.
Seinkohlen Holzwaaren rc.
(27) Steinkohlen bester Qualität, tannenes Bauholz, 1O- und Ivschuhige Bord, Latten, Diele und Schalter, besonders ganz kürzlich erst angekommene Parthie sehr schöne Back- osensteine, rothe und weiße Sandplatten, achter Stockholmer Oeltheer und Steinkoh. lentheer empfehlen zu außergewöhnlich billigen Preißen
Jean Itters ^ Comp.
in Biebrich.
Bestellungen auf Steinkohlen selbst bis zu 1 Malter können auch bei der Eppedition der Freien Zeitung gemacht werden.
(82) Ein noch sehr gutes Zug-Pferd, „Wallach", steht billig zu verkaufen. Wo? sagt die Expedition.
Verlag von H. Fischer und C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.
