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herab würde man ihr das Todesurtheil sprechen. Aber so kühn sind sie nicht, diese Hadamarer Narren, das beweisen ihre öffentlichen Sitzungen, deren improvifirte Schlußscenen bei Weitem mehr das Gepräge des Car­nevals haben, als die ellenlangen nichtssagenden und mühsam einstudirten Vorträge.

Durch den Austritt des Abgeordneten Bellinger!., der, weil ohne Ursache ausgetreten, wohl nicht daran denkt, wieder gewählt zu werden, steht in dem hie­sigen Wahlbezirk eine neue Wahl bevor. Die liberale Partei beabsichtigt den Herrn Färber Schlitt junior als ihren Candidaten aufzustellen, und wenn ihm die Anfeindungen der Gegenpartei (Dunkelmänner) zur Em­pfehlung gereichen, so besitzt er solche in hohem Grade, da ihnen sein entschieden freisinniges Auftreten ein Dorn im Auge ist. Und wahrlich, zu keiner Zeit bedurfte unsere Kammer mehr intelligente, thatkräftige Männer, als eben jetzt, wo man der ohnehin schon siegreichen Reaktion noch alle Thüren und Thore zu öffnen im Begriffe steht. Durch die Wahl des Herrn. Schlitt käme ein entschiedener Volksmann mehr in die Kammer.

X Aus dem Amte Limburg. So ist denn die Wahl der Gemeinderäthe, wie die des Bürgermeisters in DaubornEufingen zum erstenmal glücklich vollzogen. Mit Recht konnte man hier, wie fast an allen Orten, von einer wahren Wahlschlacht reden. Das Beste, was sich dabei ergeben, ist der klare Ueberblick, den man hier­durch über den bürgerlichen und politischen Standpunkt der ganzen Gemeinde gewonnen hat. Man sieht deut­lich die Folgen, wenn Bürger, die im März v. I. vereint mit Leib und Leben der Freiheit angehören woll­ten, gegenwärtig in zwei gleichen Parteien sich einan­der schroff gegenüberstehen. Eine förmliche Schollen­aristokratie sucht ihr Haupt zu erheben und faselt ganz vernehmlich von Pöbel, Anarchisten, Communisten rc. Dieser letzter» Partei gelang es, auch ihren Candida­ten als Bürgermeister durchzusetzen. Bei der ersten Ab­stimmung erhielt jeder der beiden aufgestellten Candi­daten 98 Stimmen.

Hoffen wir jedoch, daß dieser neue Chef sich an­schließe an die freisinnigen Elemente im Gemeinderathe, die hier ohnedies das Uebergewicht haben, anstatt sich leiten zu lassen von Personen, die dem Gemeindeinteresse fremd sind, oder von andern Bediensteten, wenn sie bei seiner Einweihung auch aus noch so voller Kehle san­gen: „Brüder reicht die Hand zum Bunde".

□ Weilburg, 20. Januar. Wir erfahren mit Er­staunen, daß die Bearbeitung der Gemeindeangelegenheiten nach Maßgabe des neuen Gemeindegesetzes vom 12. Dezember v. I., durch welches die Gemeinden frei und selbstständig werden sollen, sich bei der obersten Verwal­tungsbehörde in den Händen eines Mannes befindet, welcher durch seine Wirksamkeit als Lokalbeamter nicht nur hier, sondern auch in anderen Aemtern des Landes gezeigt hat, daß er für Ding-, wie Freiheit und Selbst­verwaltung der Gemeinden, auch nicht den allergeringsten Sinn besitzt, der die Gemeinden seiner f ühern Verwal­tungsbezirke selbst um die wenigen Rechte, die sie nach der alten Gemeindeordnung besaßen, beneidete uid sie, meistens durch nutzlose und verschwenderische Weganla- gen, in ihren Vermögensverhältnissen auf das Tiefste zerrüttet haben soll. Da wir bei einem Jeden Ehrlich­keit so lange vorauSseßen, bis das Gegentheil erwiesen ist, so glauben wir auch bei diesem Manne, daß die Grundsätze seiner frühern Lokalverwaltung aus seiner Ueberzeugung geflossen sind, und müssen daher bei dieser seiner Ueberzeugung von der gänzlichen Unfähigkeit der Gemeinden zur Selbstver­waltung, die er in seiner Geschäftsführung an den Tag gelegt hat, darauf schließen, daß es ihm unmöglich sei, die neue Gemeindeordnung, welche grade von dem entgegengesetzten Grundsätze, nämlich von der Fähig­keit der Gemeinden zur Selbstregierung, ausgeht, zu verstehen und anzuwenden. Wir wuadern unS, wie unser Ministerium, das doch freisinnig sein will, die oberste Verwaltung eines so wichtigen Gegen­standes in solche Hände legen und dabei doch immer unbedingtes Zutrauen fordern kann.

Ein Hauptgrund, wa um der von dem Ausschuß der Landstände Müller II., Wenkenbach I., und Justi, ausgearbeite Entwurf der Organisation der oberen Verwaltungsstellen, neben seiner sonstigen guten Einrichtungen, so allgemeinen Beifall in dein ganzen Lande findet, besteht auch in der Hoffnung, daß durch dessen Einführung solche Mißstände, wie der obig?, be­seitigt werden, welche so lange unausrottbar mitschlei­chen, als das bisherige bürokratische Dunkel über der Administration schwebt.

KF Biebrich, 24. Januar. (Bürgermeister­wahl.) In der heute stattgehabten Wahl des Bürge, - Meisters wurde der seiiherige Oberschultheiß Christ. Reinhardt unter 408 stimmenden Bürger mit 280 Stimmen zum Bürgermeister erwählt; sein Gegenkan­didat Herr Joh. Heppenheimer erhielt nur 88 Stimmen.

Unter dem Donner der Böller und dem Geläute derGlocken wird so eben — 3 Uhr — der neue Bür­germeister durch den Gemeknderaih in seine Wohnung begleitet.

△ Oberursel. (Umschwung der Ideen.) Die Freie Zeitung hat aus verschiedenen Gemeinden den Sieg der Demokraten hei den Gemeindewahltn mitge­theilt. Diese, wenn auch noch vereinzelt stehenden Siege liefern wohl den Beweis, daß Jahrhunderte der Ver­finsterung und dreißigjährige vollständige Unterdrückung

den ewigen Freibrief in der Brust des Menschen nicht zu verwischen, b'e ewige Quelle des Wahrheit im Men- schengeiste nicht zu ve, stopfen vermochten.

Mögen deßhalb auch die Feinde der Freiheit und Wahrheit noch an einzelnen Orten ihr verwegenes Spiel treiben, — auch dort wird das Volk erwachen und zur Erkenntniß kommen.

Wer in diesem Vertrauen noch wankt, muß den Umschlag der hiesigen Verhältnisse kennen. Nirgends in Nassau herrschte der Jesuitismus unumschränkter, als hier; nirgends wurden seine Umtriebe kecker und brutaler prakticirt, nirgends war der Fanatismus ge­waltiger, als hier. Vor wenigen Jahren noch reichte die bloße Nachricht, ein deutschkatholischer Pfarrer wäre im Gasthofe, hin, eine fanatische Rotte mit Steinen und Messern zu bewaffnen, noch im vorigen Jahre wüthete man gegen Eibauung der Fabrik der Herrn Scheidler, Klotz und Barel, weil Ketzer dadurch in die Gemeinde kämen, und die Religion gefährdeten. Man glaubte schon an vollständige Gedankensperre — hoffte mit der Entfernung eines Mannes die ewige Finsterniß und Tyrannei gesichert. Um diesen letzten Zweck zu erreichen, wurden denn auch alle Mittel in Anwendung gebracht, — und scheinbar wurde der Zweck erreicht, d. h. eine Person mußte den Intriguen und Lügen erliegen.

Aber dieser Sieg war zugleich der Untergang für die Herrschaft der Finsterlinge. Das sittliche Gefühl der schlichten Bürger empörte sich gegen die Tücke der Pharisäer, und die Freunde des Lichtes schlossen .sich inniger an einander.

Man war der Jesuiten und ihrer Heuchelei müde; mochte man noch so sehr über Religionsgefahr schreien, mochten die Agenten noch so sehr sich abmühen — die Bürger sahen keine Gefahr und hielten zu den Män­nern der Freiheit und Wahrheit. Es bedarf nach dem Bemerkten kaum noch der Mittheilung, daß unsere Wahlen der Gemeinderäthe im Sinne der Fortschritts­partei ausfielen. Nur in einem Viertel, der sogenann­ten Ochsenecke, setzten die Ultramontanen ihre Kandida­ten durch.

Indeß man hoffte noch bei der Bürgermeisterwahl zu siegen, denn hier wurde besonders die Religionsge- fahr geltend gemacht; aber auch hier siegte die Fort­schrittspartei. Aus Verzweiflung legten nun die ultra- montanen Mitglieder des Gemeinderaths ihre Stellen nieder, überließen also die gefährdete Religion ihrem Schicksale.

Der neue Bürgermeister ist ein intelligenter Maun; nur müssen wir hoffen, daß er in Zukunft mit mehr Entschiedenheit auftrete, als sein bisheriges Rücksicht- nehmen gestattete; tm Verein mit dem jetzigen Gemein­derath kann er der Stadt eine schöne Zukunft bereiten. Noch müssen wir bemerken, daß gerade bei den entschie­den freisinnigsten Mitgliedern keinerlei spießbürgerlichen Motive zur Wohl Vorlagen, sondern einzig die Bildung und der Charakter der Gewählten. — Heil der Stadt, in der Freiheit und Wahrheit so zum Durchbruch ge- -emmen!

Altenburg, 18. Jan. Das am 16. ausgegebene Statut der Gesetzsammlung enthält das Reichsgesetz, die Grundrechte des deutschen Volks betreffend.

Braunschweig, 19. Januar. Die Einführung der Grundrechte des deutschen Volks ist hier gestern mit großen Feierlichkeiten begangen worden.

Köln, 23. Jan. Der Wahlsieg der Demokraten in der Rheinprovinz ist vollständig. In Neuß, Düsseldorf, Kaiserswerth, Gerresheim, Hamm bei Düsseldorf, Mülheim am Rhein, Siegburg, Bonn, Andernach, Koblenz u. s. w. haben die Demokraten überall die ent­schiedenste, oft an Einstimmigkeit gränzende Majorität. Und in Köln selbst gehören zwei Drittel der Wahl- männer der demokratischen Partei, sehr viele der arbei­tenden Klasse an. Wir werden morgen, wenn es irgend möglich ist, die beiden Parteilisten abdrucken, damit man sieht, welchen Kredit beim Volke jene soi-disant Volksmänncr genießen, die seit sechs Wochen alle Mittel der Agitation aufwandten und sich als die natürlichen Repräsentanten der Einwohner Kölns hin­stellten. Was ihnen ihre Niederlage kostet, werden wir ebenfalls abdrucken. Wenn die übrigen Pi ovinzen nur halb so entschieden wählen, so bleibt der octroynten Verfassung wirklich nichts, a's die „Gnade Gottes."

(N. Rh. Z.)

Luxemburg, 17. Jan. Im Ap il v. I. bildete sich in unserer Garnison ein „Unteroffizier-Verein", dessen Tendenz war, durch gesellige Vergnügungen, musikali­sche Unterhaltungen, wissenschaftliche Vorträg? u. s. w. den Unteroffizieren angenehme und nihl^e Abende zu bereiten, und den Geist des Unteroffizier-Corps zu heben; soviel ist uns hiervon bekannt, daß dieser Ver­ein mit bereitwilliger Zustimmung des Militär-Gouver- yements ins Leben trat. Nach den Statuten dieses V reins soll über jedes neu auszunebmenve Mitglied ballotirt werden. Mehrere Offiziere find dem Verein bei dessen Gründung beigetreten, andere haben sich I später der Ballotage unterworfen und den Eintritt er­halten. — Kürzlich wurde nun über einen Offizier, der sich zur Aufnahme angemeldct hatte, ballotirt, «hm aber mit großer Majorität die Aufnahme verweigert. Die Sache kam beim Ehrengericht zur Sprache. Der Kom­mandant, Genkrallieuteuant v. Wulffen, ließ in Folge dessen heute das ganze Comite des Vereins auf öffent­licher Parade erscheinen, und hielt ihm eine lange Rede, worin er sich sehr mißbilligend über die Ballotage auö-

sprach. Er meinte, es sei höchst unziemlich, über die Aufnahme eines Offiziers zu ballotiren; hierbei sei mcht die Person, sondern der Offizier tm Spiele, wie sonne sich ein Unteroffizier unterstehen, gegen die Auf­nahme eines Offiziers zu stimmen; dies dürfe nicht wieder Vorkommen, und er verlange, daß die beregte Ballotage für ungültig erklärt, und der Offizier ohne Weiteres aufgenommen, oder aber ihm freigest-llt wer­den sollte, seine Anmeldung zurückzunehmen. — Es ist ' dies ein neuer Beleg, w'c groß die Kluft zwischen Of­fizier und Soldat in der hiesigen preuß. Garnison noch ist, wie wenig der Allerhöchsten Intention der gegensei­tigen Annäherung entsprochen wird. — Von dem Comite ist heute Niemand zu Worte gekommen: das­selbe hat deshalb beschlossen, dein Kommandanten seine Gegenerklärung schriftlich zu geben, die wir Ihnen morgen mitzutheilen g-benfen. — In den Statuten des Vereines ist die Ballotage über einen Offizier sowohl, wie über jedes andere, neu aufzunehmende Mitglied vorgeschrieben, Wir wissen, daß dem Kommandanten ein gedrucktes Eremplar der Statuten zugestellt worden ist, ohne daß er bisher den obigen §. für ungeziemend el klärt hat. (Tr. Ztg.)

München, 22. Januar. Der König hat heute die Kammern eröffnet.

Berlin. Ein fernerer Beitrag zu der Art, wie unsere constitutionellen Minister die politischen Rechte ihrer Unterbeamten ehren, ist folgende verbürgte Thatsache. Der bekannte Herr v. Griesheim ließ dieser Tage einen höhern Beamten des Kriegsministeriums in sein Kabinet rufen und überschüttete ihn mit Vorwürfen wegen sei- ner demokratischen Gesinnungen und deren Kundgebung in den Wahlversammlungen. Eine solche Gesinnung vertrage sich durchaus nicht mit seiner Stellung und mit dem Eide der Treue, den er dem Könige geschwo­ren. Wenn er in dieser Weise fortfahre, so werde sich das Ministerium genöthigt sehen, ihn seines Amtes zu entsetzen. Der zur Rede gestellte Beamte antwortete jedoch seinem bureaukeatischen Vorgesetzten in einer sehr energischen Weise und drohte ihm mit Veröffentlichung, falls man sich die mindeste, auf Meinungs-Inquisition begründete ungesetzliche Maßregel gegen ihn erlaube. — Diese Thatsache ist übrigens nicht die einzige der Art, die wir aus dem Kriegsministerium erzählen können.

Hamburg, 20. Jan. Heute wurden hier die deut­schen Grundrechte publizirt.

Wien, 18. Jan. In unserer unmittelbaren Umge­bung ist es seit gestern etwas besser geworden. Das Wasser ist so weit gefallen, daß man in der Leopold­stadt größtenthei'ls zu Fuße weiter kann, auch aus der untern Straße in der Stadt, vom Fischerthor zum Ro- thenthurmthor ist das Wasser abgelaufen, wo es noch gestern Abend 6 Uhr 1% Fuß hoch stand.

Ich habe Ihnen schon geschrieben, daß der Schaden, den die Oktober-Ereignisse durch Brand und Plünde­rung angerichtet haben, an 5 Millionen beträgt. An milden Beiträgen ist bis vorgestern eingegangen die Summe von 259,3 l 2 fl. 58 , also etwa der achte Theil des Schadens. Interessant ist die Statistik der Bei­träge, inwiefern sie einen Maßstab der Sympathie für die Wiener Sache abgibt. Obenan steht das kaiserliche Geschenk von 200,000 fl. AuS der Monarchie selbst lieferten Oberösterreich 14,619 ff., Unterösterreich 8657 fl, Böhmen 3126 fl., Mähren 1648 fl., Fiume 1000 fl. (ein einziges HandlungshauS), Kärnthen 669 fl., Triest 200 fl., Steiermark 41 fl., Galizien 10 fl., Ungarn 5 fl. (Tyrol schickte also n'cht Einen Kreuzer für die Nothleidenden.) Stadt und Vorstädte Wiens selbst fL irrten bei 8893 fl. 13 fr., eine veranstaltete Samm­lung ergab überdies in der Stadt 10 704 fl., in den Vorstädten 9141 fl. C.-M. Außerhalb Oesterreich steuerte Frankfurt bei 100 Dukaten in Gold und Schwe­den 70 fl. Wird man es den W euern verübeln, wenn sie an die Suinmeu zurückoeuken, die sie nach Hamburg geschickt haben rc., daß die deutschen Sympathien bei ihnen etwas im Course gefallen sind? (A. Z.)

Wien, 18. Jan. In diesem Augenblicke befinden sich Ungarn mit Kroatien, Slavonien, Siebenbürgen und der Militärgrenze, Gallizien mit seinen Anhäng­seln, das österreichische Italien, Wien und ein Theil von Niederösterreich, beiläufig zwei Dittheile der Mo­narchie, im Belagerungszustand. Glückliches Beginnen des neuen Jahres. So weit hätten wir es also im ersten Jahre der neuen Freiheit schon gebracht, und täuschen gewisse Zeichen am politischen Himmel nicht, so werden wir es schon noch weiter bringen. (DR) t; Wien. Dem österreichisch » Heeie steht eine neue Vermehrung bevor. Es ist nämlich an die Militärbe­hörden ein Ministerial-Erlaß ergangen, wonach die cor» scribirten Regimenter (36) um ein zweites Reserve- Bataillon von 1027 Mann vermehrt werden sollen, und die entsprechende Bildung von Reserve -Abtheilun­gen bei Artillerie, Cavallerie, Jägern rc. angeordnet wüd. Die Armee, welche jetzt fast 600,000 Köpfe be­trägt, wird sonach um etwa 50,000 Mann vermehrt.

Aus Tirol wird berichtet, daß einige protestantische Zillerthaler, von jenen die vor längerer Zeit in Schle­sien ein Asyl fanden, als sie in diesen Tagen in ihre Alpenheima'h zurückkehrten, um eine Erbschaft zu heben, auf Anstürmen des Klerus und auf Verfügung der höchsten Provinzialstelle zu Innsbruck aus dem ver­jüngten Oesterreich ausgewiesen worden sind.