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dem Fürsten Metternich in der Staatskanzlei von Ein­fluß, damals als Hofrath für die deutschen Angelegen­heiten Referent war und jetzt dieselbe Stellung mit dem Titel eines kluterstaatsseccetärs entnimmt. Herr von Werner ist, nach dem übereinstimmenden Urtheile der Leute, w.lche die innern Verhältnisse der österreichi,chen Verwaltung kennen, der talentvollste Arbeiter im Mini­sterium der auswärtigen Angelegenheiten, der, obwohl Anhänger des alten unglücklichen Systems, von jeher für einen Deutschgesinnten angesehen wurde. Natürlich kann dies Prädikat nur in sehr einseitiger Bedeutung ausgelegt werden, und findet seine Kraft nur in dem Widerstände, der von dem Baron Werner und andern österreichischen,Staatsmännern dem slawischen Einflüsse, welcher seine Hauptstütze in der Mutter des jungen Kaisers hat, entgegengesetzt wird. Neben der Absicht also, die Hand in Deutschland im Spiele zu behalten, ist jene österreichische Note von dem Wunsche in,perirt worden, nicht ganz von Deutschland getrennt und dem Slaventhum überwiesen zu werden. Wir machen übri­gens darauf aufmeiffam, daß Baron Werner seit ^invirnsunj langer Zeit mit dem Herrn von Radowitz Hirt war I »och Wien. Man darf darauf rechnen, daß, weit ent- und mit demselben sehr delikate Verhältnisse zu ; firnt, einen bereits' occupirte» Theil Italiens wieder arrangiren hatte, die auf die Thätigkeit dieses Ultra- i zu verlassen, man sich geneigt finde, an die Stelle der montanen ein eigenthümliches Licht werfen. Noch im Brüsseler Friedensunterhandlungen nöthigenfalls mit März 1848, als Herr von Radowitz, mit einer Spe- - ~ ' " * ’ " ' "J ' "

cialmission beauftragt, in W en unterhandelte, dauerten diese Beziehungen fort, die die jetzige Richtung des ehe­maligen preußischen Generals in der Kaiserfrage eben­falls mit ausklären können. Wie sich diese Richtung mit den Grundsätzen, Ansichten und Daten vereinigen läßt, welche Hr. v. Radowitz in seiner Schrift „Deutsch­land und Friedr. Wilhelm IV." veröffentlicht hat, muß allerdings einer spätern Zeit überlassen bleiben.

Berlin, 12. Jan. In Charlottenburg sollte ge­stern Abend in einem öffentlichen Local eine Wahlver­sammlung Statt haben. Noch ehe aber die Verhand- lungen beginnen konnten, stürzten 10 Soldaten mit blanken Säbeln in den Saal und vertrieben die An­wesenden. Das ist die Disciplin „Meines treuen Hee­res." Von wem aber die Aufhetzung zu solchen Bru­talitäten ausgcht, davon mag folgender Vorgang zei­gen, der uns auS Neustadt-Eberswalde berichtet wird. Als dieser Tage ein Theil Der dort stehenden pommer- schen Landwehr nach Hause entlassen wurde, hielt ein mitabziehender Offizier den Zurückbleibenden eine An­rede, welche mit folgenden Worten schloß: „Wollt Ihr mir einen Gefallen thun so geht hin und zerschlaget die Pressen des Schandblattes, dec Z'itungshalle." Die Landwehrmänner aber antworteten: Was haben uns denn die Pressen gethan, daß wie sie zerschlagen sollen?

Die heutige Nummer der „neuen Preuß. Ztg." bringt abermals einen Beweis von dem ungeheuren Respekt unserer hohen Negierung vor dem noch höheren Einflüsse der Kreuzzeitung. Ein naiver und unklar den­kender Obervorsteher der israelitischen Corporation in Westphalen schreibt an das Staatsministerium um sich über die fortwährende, von der Kreuzzeitung ausgehende Aufreizung des Landvolks gegen die Juden zu beschwe­ren. Der Ministerpräsident anstatt diesen Mann, wie gebührend zu belehren, daß die Kreuzzeitung kein Organ der Regierung sei und daß es derselben nicht zustehe die Preßfreiheit auf irgend eine Weise zu beschränken, sendet eine Abschrift der Eingabe an die Redaction die­ser Zeitung „zur gefälligen Kenntnißnahme" und „stellt derselben die Beachtung der darin vorgetragenen Be­schwerde ergebens! anheim." Was meinen unsere Leser zu dieser ministeriellen Artigkeit?

Die Aeltesten der Kaufmannschaft haben von dem Polizeipräsidium die Weisung erhalten, Alles aufzubie- ten, um die Vorlesungen Bruno Bauers im Börsen- saale zu hintertreiben. Sie haben denn auch das Ihrige gethan, damit dieser „fürchterliche Republikaner" nicht die Gemüther der jungen Kaufmannschaft vergifte und die Vorlesungen, die Montag beginnen sollten, werden somit unterbleiben. So versteht man hier die ectroyirte „Redefreiheit." (O.-Z.)

Berlin, 13. Jan. Die Reaktion fährt mit aner- kcnnenswerthcr Consequenz fort, die Demokratie zu ver- leumben, weil sie dieselbe nicht mit Argumenten wider­legen kann. Sie denkt wahrscheinlich mit Basile in Beaumarchais Figaro: „etwaS bleibt doch hängen", und da sie namentlich auf das minder aufgeklärte Land­volk ihre Berechnungen gründet, so eracht t sie es nicht eir mal der Mühe werth, ihr Perfidien fein zu spinnen, sondern trä^t w plump auf, daß sie ihre eigene» Zw rf? verfehlen dürfte. Denn wir zweifeln sehr, ob selbst politisch nicht durchgebildete Landleute für wahr halten werden, was die Rcakt'o; den Demokraten nachsagt.

(M. Äbdz.)

Posen, 4. Jan. In unserer, im Allgemeinen sehr konservativ gesinnten Stadt herrscht heute eine unge­meine Aufregung unter der deutschen Bevölkerung, über eine Rede, welche unser Deputirter bei der National­versammlung in Berlin, Landgerichtsrath Neumann, vorgestern Abend in der Versammlung des hiesigen de- mokratisch-konstitutionellen Vereins gehalten hat, und in welcher er die dem preußischen Staate von dein Könige verliehene Verfassung, nach einer heute bereits erfolgten Mittheilung, ein „perfides Machwerk" ge­nannt hat. (D. A. Z )

Wien, 11. Jan. Vorgestern fielen aus einem Hause neben der Alserkaserne drei Schüsse auf den Wacht­posten bet dem Better-Magazine und zwei vorüber­gehende Soldaten, was wieder eine Kundmachung des

GouverueursMelden zur Folge hatte, worin den Haus- eigenthümern die strengste Aufsicht ihrer Hauser anbc- fohlen wird. Die Schüsse gingen fehl und das besagte Haus wurde nach vergeblichem Suchen nach den Thä­tern militärisch besetzt. — Der Grund des Verbotes der „Ostdeutschen Post" ist der Aufsatz: „ein Ereigniß zu Kremsier". Der Gouverneur Melden hat sich hiebei ganz passiv benommen und nur den ihm mitget-estten Erlaß notifizirt. Die Verleger haben in einem Circu­lar das sie betreffende schmerzliche Ereigniß mit kurzen Worten kundgegeben. — Die Nachricht von dem Zu­frieren der Lagunen ^Venedigs bestätigt sich nicht und hätte übrigens nicht den ihr beigelegten Werth. Perso­nen, welch? das seltene Ereigniß schon mitgemacht, ver­sichern, daß davon kein Vortheil zu ziehen wäre, intern man durchaus nicht auf eine so starke Eisschichte rech­nen könnte, um einen Uebergang zu wagen. Weit mehr darf man hingegen von den verbesserten Congrcv'- schen Raketen erwarten. — Sehr wichtig ist die von dem k. k. Kommissär Grafen Montecuccoli kundgegebene

Einberufung der tombardisch-venetianischen Deputaten ' > Man darf darauf rechnen, daß, weit ent-

bewaffneter Hand in Italien einzurücken, ein Entschluß, der bei dem Geiste unserer Armee bei derselben eine

enthusiastische Unterstützung finden würde. — Hinsicht­lich der hiesigen Geldangelegenheiten glaubt man noch immer in England und Rußland Hilfsquellen zu fin­den und der feste Stand der Fonds spricht für Be­gründung dieser Ansicht. — Der Meinung, daß alten Beamten bei eintretender Dienstesunfähigkeit der Ruhe­gehalt geschmälert und den neu Eintretenden derselbe nicht zugestanden werden sollte, wird heute amtlich wi­dersprochen. — Mit der Coaks-Heizung soll nun in Wien auch ein Versuch im größeren Maßstabe gemacht werden. Die hiesige Gasbeleuchtungs-Anstalt hat sich nämlich erboten, das Magistrats-Gebäude gegen eine Entschädigung zu beheizen, was eine sehr große Er- sparniß gegen die Unkosten der Holzbeheizung gewähren würde. (A. O-Z.)

Lemberg, 7. Jan. Vorgestern ist abermals eine halbe Batterie unter Militär-Eskorte gegen die unga­rische Grenze von hier abgegangeu, welcher gestern ihre zweite Hälfte unter gleicher Begleitung nachfolgte. Ueb- rigens verbreitet sich hier allgemein das Gerücht, Ge­neral Bem beabsichtige demnächst mit 30,000 Mann aus Ungarn und zwar in der Gegend von Skole im St per Kreise hereinzubrechen und Galizien zu insugiren.

Italien.

Rom, 3. Januar. Die „Constituente Jtaliana" meldet, daß in dem contrerevolutionären Jntriguen- Centrum Gaeta jetzt dreierlei Meinungen debattirt wer­den: Der Papst will die Entwickelung der römischen und italienischen Angelegenheiten der Vorsehung über­lassen , und nach Frankreich und Deutschland gehen, um dort den religiösen Geist wieder herzu­stellen. Die Kardinäle dagegen, die durch die römische Revolution eine Menge Reichthümer und ein üppiges Leben in aller Gottseligkeit und Trägheit verloren haben, verlangen den offenen Kampf, um entweder den alten Zustand wieder herzustellen oder in Ehren unterzugehen (wie Se. k. Hoheit der Prinz von Preußen). Endlich das diplomatische Corps, das der französischen Politik noch immer nicht recht traut (welche Lächerlichkeit!), räth Sr. Heiligkeit zu einer Vereinbarung mit feinen Er- Unterthanen, in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Welch? von diesen drei Ansichten die Oberhand behalten wird, ist schwer abzusehen. Inzwischen soll Pius IX. eine neue Regierungs-Commission bestellt haben, die voraus­sichtlich eben so wenig Anerkennung in .Rom finden wird, wie die erste. Sicher ist, daß die geheime Cor- respondenz von Gaeta nach Rom fortwährend mit der größten Emsigkeit betrieben wird. Die Briefe gehen über Cellano nach Frofinone, und werden von da aus nach Rom spedirt.

Nom, 6. Jan. Gutunterrichtete Personen wollen als sicher wissen, daß wir in den nächsten Tagen den Besuch neapolitanischer Schweizerressmentcr zu gewalti­gen haben, daß in Civitavecchia Befehl angelangt sei, 16,000 Rationen für französische Truppen bereit zu halten, daß endlich die Oesterreicher bereit seien in di? Romagna einzurücken. Schreiben aus Gaeta deuten Aehnliches an (eine Anspielung darauf soll sich auch in dem letzten Protest des Pabstes finden.) Unwahrschein­lich ist eine Intervention nicht. Was thut man unter­dessen hier? Man erwartet von Tag zu Tage die Rückkehr des Pabstes.

Morgen soll große Parade sein, um eine von Ve­nedig geschenkte Fahne in Empfang zu nehmen; eS scheint fast, daß man diese Gelegenheit zu einer De­monstration benutzen will. Daß Cardinal Altieri als Vermittler von Seiten des Pabstes hier angelangt sei, wie vorgestern behauptet wurde, hat sich nicht bestätigt; ebenso wenig die Angabe, daß der Finanzminister mit einer bedeutenden Summe entflohen sei. Allein Ge­rüchte sind hier oft für bevorstchend? Ereignisse be­zeichnend. (O.-P.-A.-Z)

In Rom wurde am 2. Januar die Zusammenbe- rufung der konstituirenden Versammlung durch ein gro- ßeö Fest gefeiert. Eine große Volksmenge, die ver-

siebenen Bataillone der Bürgergarde und die Truppen jeder Waffengattung begaben sich in Prozession auf das Capitol, um dort die feierliche Lesung des Berufungs- dekrets zu vernehmen. Der Abbe Rombaldi richtete klne Anrede an das Volk, worin er dem römischen Volk den Beruf erwies, dem unglücklichen, durch die Despoten zerrissenen und zertretenen Italien wieder zu einem neuen Leben zu verhelfen. Er schloß mit einem Hoch auf die konstituirende Versammlung Rom's, der Vorläufer einer konstitnirenden Versammlung Italiens.

Auf Sizilien herrscht wieder eine geoße Unruhe. Eine zahlreiche Partei will Luzian Murat, dessen Name noch immer die alten Erinnerungen und Sympathien erweckt, auf den Thron erheben.

Frs « krs ich.

Paris, 14. Januar. Abrés l’orage le calme: das Reifst nach dem Sturme gänzliche Windesstille. Die arme Kammer: sie glich gestern völlig einem Menschen, der an irgend einem Uebel leivet, das er aus Furcht vor dem Schinerz nicht zu sondiren wagt. Um nun aber nicht vollends vom Schmerz überrascht zu werden, entschloß sich die Kammer die Wunde zu sondiren: sie hat die Hände an die leidende Stelle gelegt und o weh! welch ein Schmerz! Sie sieht ihr Leben aufs Spiel gesetzt: die Urne soll darüber entscheiden. Keiner hat jetzt mehr Furcht vor der Urne als der „National". Das allgemeine Stimmrecht hat ihm so sonderbare Ue- berraschungen Vorbehalten. Wenn man denkt, wie bei der Fassung des Artikels in der Constitution über die Präsidentenwahl der „National" so sicher war, sein gch'Zes Personal in die Präsidentur und Vizepräsioentur hiiitinzubringtn, und daß aller dieser Sicherheit zum Trotz auf einmal aus der Urne Leute wie Napoleon und Consorten hervorsprangen, so kann man sich wohl verstellen, mit welchem Mißtrauen derselbe National einer zweiten Wahl entgegensieht, wo es sich um seine letzten Reste, um seine Bänke in der Kammer handelt. Wer weiß, ob ihm das Land nicht abermals einen Streich spielen und ihm gar einen Henri V. aufbinden will? Die neue Kammer braucht nur aus Leuten zu­sammenzukommen, wie der jetzt gewählte Marquis von Barboncois, dem das Departement de l'Judre fast alle Stimmen gegeben hat, und Henri V. wäre Präsident trotz ber Constitution, trotz Napoleon, trotz der 7 Mil­lionen. Henri V. wäre, wenn nicht nominell, so doch wirklich derjenige Präsident, der so zu sagen durch in­direkte Wahlen, durch die Wahlen der Wahlmänner, resp, der neuen Deputirten zusainmengebracht worden wäre. Und hat nicht Montalembert ganz in diesem Sinne für die Auflösung der Kammer gesprochen?

Scherz bei Seite! National und Reform begreifen ebensowenig die Kundgebnngen im Lande für die Legi­timisten, als sie vorher die Kundgebungen für Napo­leon begriffen. Das ganze Volk ist jetzt in die Bewe­gung hineingerissen und spielt weiß oder roth! Wenn die Montagne für die Beibehaltung der jetzigen Kam­mer gesprochen und gestimmt hat, so ging sie von der­selben irrthümlichen Befürchtung aus, wie bei Napo­leon. Noch einmal — in den neuen Wahlen, gleich­viel wie und wann sie zusannnenkommen, handelt es sich um weiß ober roth. Die Weißen sind die Legiti­misten mit Inbegriff der Orleanisten, die Rothen find die Partei Ledru Rollin's und Raspail's. Der National hat alle Chancen verloren. Die Einberufung einer neuen Kamm r ist, wie wir früher bereits gezeigt, wei­ter nichts als ein Zusammenhang eines neuen Na- pol' on's.

Der Napoleon der früher en gros gewählt, wird bm d; die neue Kammer en détail aufs Neue gewählt. Die einzelnen Parteien, die in Napoleon zusammenge- schmolzen, zerlegen, zertheilen sich und es hat sich jetzt bereits herausgestellt, daß der eigentliche Napoleon, der Napoleon, wie er sich in abstracto genommen, der Napoleon in Hut, Sporn und Stiefel in drei Wochen alter gcwo.den, als selbst die Kammer, ungeachtet aller ip'T Hinfälligkeit.

In der kaiserlichen Familie selbst herrscht bereits Zwietracht und in der Sitzung selbst ist dieselbe durch die Ikede Peter Nopoleons, der die Partei der Kammer gegen Barrot und Louis Napoleon ergriff, recht her- vorgetreten. Zur Charakterisirung der gestrigen Sitzung müssen wir noch die Schilderung der D bats hinzufü­gen: Hr. Billault sagt zu Herrn Barrot: „Was thut die Regierung? Die ganze Zeit ihrer Dauer hat sie nicht eine einzige Maßregel b antragt." „Und was thut kann die Kammer?" veif^te Herr Barrot, „seit zwei Monaten hat sie i icht ein einziges organisches Ge­setz fertig gebracht." Hr. Barrot hat Recht, aber Hr. Billault hat nicht Unrecht. Das kommt so ziemlich auf das bekannte Gespräch hinaus: „Peter, was machst Du?" „Nichts, mein H rr." „Und Du Paul?" „Ich, mein Herr, ich helfe Peter!" „Und du Napoleon?" fragen wir weiter, „Ich, mein Herr, ich helfe Paul!" Alle drei, Barrot, Napoleon und die Kammer helfen sich gegenseitig, nichts zu thun.

— Der „Constitutionnel" läugnet, daß eine Mi- nisterkrisis vorhanden. Das Kabinet, meint er, wäre auch dann noch nicht erschüttert worden, selbst wenn sich einige Stimmen gegen den Rat au'schen Antrag ausgesprochen hätten. Hinter der unbesiegbaren Stütze des Nationalwillens seien die Minister jetzt um so mi- angreifbarer, als sich bei dem ersten Votum über eine so wichtige Frage, wie diez'Auflösung ist, die Nationalver­sammlung sogleich ber Ansicht des Kabinets beigesellte.

Man sprach gestern au der Börse und im Opern-