Nationalversammlung zu Frankfurt.
146. Sitzung.
(Schluß.)
Marti ny: Nicht das sei das BeklageiiSwertheste, daß das preußische Volk sich alle vie Maßregeln der Reaktion gefallen lassen mußte, das größte Unglück war die Untergrabung des sittlichen und rechtlichen Gefühls, des Gefühls der Macht und der Kraft bei dem Balke. Er wolle nicht der Versammlung anrathen, einen energischen Beschluß zu fassen, er wisse zu gut, daß die Versammlung dem preußischen Volke nicht helfen könne und nicht helfen walle. Seine Meinung gehe dahin, man hätte der Versammlung sa etwas nicht zumuthen können, deren Palitik einzig darin bestehe, den bestehenden Verhältnissen Rechnung zu tragen, und um die Anarchie zu bekämpfen, die Fürsten mit einer Macht zu bekleiden. Er erklärt sich mit dem Berichterstatter darin einverstanden, daß man den König van Preußen ruhig walten lasse und nicht in das Geschicktes preußischen Volkes eingreife; denn wenn die Versammlung auch einen entgegengesetzten Belchlnß fasse, sa sei sie dach zu schwach, um ihm Geltung zu verschaffen. DaS prenßrsche Valk hat keine Hülfe, van der Natianalversamm- lung verlangt und keine erwartet, das preußische Valk wird sich selbst helfen, and wird sich nie einen Bundesgenossen suchen, der eS früher versucht hat, ihm die Waffe auS der Hand zu schlagen. — ES wird dieser Versammlung ^vielleicht ein ähnliches Schicksal wie der zu Berlin durch die Fürstenkangreffe, von denen man sa viel sprechen hört, bereitet; ich will Ihnen daS letzte Resultat nicht varenthalteu, auf daS ich komme, ich spreche es mit Schmerz aus: meine Herren, gehen Sie nach Hause! (Bei- fall.)
Löwe von Calbe: Niemals wird in Deutschland die Einheit anders erlangt werden, alö auf dem Wege der Freiheit, und Sie werden eS erleben, daß die Einheit scheitert, weil die Freiheit gescheitert ist. Es ist traurig, in diesen Angelegenheiten von diesem Platze zu sprechen, — aber worüber streiten wir uns? Ueber die Form, in welcher wir nichts thun wollen; daß wir nichts thun wollen, darüber sind wir alle einig. (Beisall.) ES ist daS nicht das Erstemal, die Geschichte wird einst über die Versammlung richten, daß sie den größten Scharfsinn aufgeboten, um sich die Ereignisse so zurecht zu legen, daß man nichts zu thun brauche. Man hat eS dem preußischen Volke von allen Seiten vorgeworfen, daß es nicht den Muth gehabt habe, für seine Freiheit ein- zustehen. Sieht man aber die Verhältnisse unbefangen an, so erscheint dieser Vorwurf allzu hart. Wie sammt man zu dem Vorwurf der Feigheit, deshalb, weil das Volk einen Bürgerkrieg vermied, der zu seinem Unbeil ausfallen mußte? Die Landwehr hat sich entkleiden lassen, das ist wahr, hätte aber die National- aerfammlung sie einberufen zu ihrem Schutz, glauben Sie, daß die Landwehr nicht gekommen wäre? (Nein von der Rechten, Ja von der Linken.) — Es kommt also jetzt darauf an, wie wir au 8 dieser fatalen Angelegenheit am besten wieder herauskommen. Dadurch, daß dem Volke die letzte Hoffnung genommen wird durch die Volksvertretung, aus dem Zustande der Unterdrückung herauszukommen, wird es dahin kommen, daß das Volk zu allen dem, was noch Kenntnisse Reichthum und Intelligenz hat. Meine Herren, zeigen Sie heute, daß Sie daS Mißtrauen des Volkes nicht auf sich laden wollen, sagen Sie, daß Recht nicht Unrecht ist, und schließen Sie sich einer der motivirten Tagesordnungen an. (Beifall.)
Der Schluß der Debatte wird zum diittenmale vergeblich beantragt.
Raveaur: Wenn das Volk keine Adresse gegen die Ok- troyirung der Verfassung bei der Nationalversammlung einreiche, so liege daS daran, daß eS kein Vertrauen zu derselben habe. Seinen Willen werde eS durch seine Wahlen anssprechen, uns nur Männer in die Versammlung nach Berlin schicken, welche geaen den verübten Staatsstreich protestiren werden. Der theilweise Umschlag der öffentlichen Meinung sei durch ein Einschüch- terungsspstem hervorgebracht , deffn TerroriSmuS schwer auf dem ganzen Volke laste. Es sei keine Reaktion mehr da, der gegenwärtige Zustand gehe über alle Reaktion hinaus. Der Redner crithut mit großer Schärfe die bisherige Thätigkeit der Dia: tionaloersammlung, welche alles gethan habe, um daS Vertrauen des Volks zu verscherzen. So sind wir denn weiter geschritten, haben Schritt für Schritt das Vertrauen und die Achtung untergraben, und jetzt nicht nur die Sympathie des Volkes, sondern auch die Achtung der Fürsten verloren- so ist eS dahin gekommen, daß wir die Macht nicht mehr haben, nach der Sie sich jetzt vergebens sehnen. Thun Sie, was Sie nicht lassen können, beschließen Sie die einfache Tagesordnung, dann prophezeihe ich Ihnen kurze Lebensdauer, dann kann die Commission, welche die Blum'sche Todtenfeier noch heute zu berathen hat, gleich die Tod- tenfeicr der ganzen Versammlung vorbereiten. (Beifall.)
Ein neuer Antrag auf Schluß der Debatte wird, angenommen.
Zach ar iä als Berichterstatter hält einen langen Schlußvortrag.
Schüler von Jena beantragt namentliche Abstimmung über alle Fragen, die gestellt werden; modificirt später seinen Antrag dahin, daß nur über den AuSschußantrag durch Namensaufruf, über die Vesbesserungsanträge durch Stimmzettel abgeftimmt werden solle. Schwerin verlangt Namensaufruf überall, eS ent- fbbt eine lange Debatte darüber, ob dies noch zulässig sei; Vice- prüsident erklärt sich anfangs dagegen, entscheidet sich später zu Gunsten Schwerins. Der AuSschußantrag wird mit 230 gegen
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seiner Seele und stößt ihn erbarmungslos unter die moralisch Verworfenen, denen er ihn glcichstcllt, weil er oft die rauhe Sitte, das zerlumpte Kleid mit ihnen gemein hat. —
Es schien indeß, als habe sich das Unglück des Webers etwas erschöpft. Beim Betreten seiner engen Wohnung fand er nicht allein sein Weib wieder außer dem Bett und die lieben kleinen Engel vvllbäckig und gesund, Fürchtegott kam ihm auch mit der frohen Bottschaft entgegen, daß ein Bauer des Ortes hergeschickt habe und ihn für den Herbst als Drescher annehmen wolle, wenn er noch so brav zuschlagen könne, wie ehedem.
Ueber diese Nachricht war Moser so erfreut, daß er seinen Hauswirth umarmte und wie ein Toller im engen Stübchen mit ihm hcrumhops'te. Er sagte auf der Stelle zu und ließ sich schon für den nächsten Tag durch Fürchtegott selbst anmelden. Lange hatte die arme Weberfamilie keinen so glücklichen, von heiteren Aussichten in die Zukunft erhellten Abend verlebt.
VI.
Bilder eines glücklicheren Lebens vergoldeten die Träume des armen Mannes in dieser Nacht. Mit einem Gefühle des Wohlbehagens, das er lange nicht mehr empfunden hatte, stand er früh am Morgen auf, in threuherzigem Gebet um Verminderung seiner Noth zum Himmel flehend.
203 Stimmen abgelehnt; der Wichs mut hasche Antrag fällt mit 242 gegen 167 Stimmen; der on H. Simon mit 236 gegen 158; der von Schmidt aus Lrlin mit 300 gegen 190 Stimmen ; über den Antrag SchülrS von Jena soll einfach abge- stimliit werden, Schwerin erklär sich dagegen, beantragt Namensaufruf und wird unterstützt, dazieht Schuler den Antrag zurück. Diese Anträge gehen sämmtlich unter verschiedenen Erklärungen der Ungültigkeit der preußische! Verfassung aus Tagesordnung. Es folgt der von Uhland, d: einfache Erklärung zu erlassen, daß die einseitig verkündete ^erassung so lange nicht für rechtsbeständig anerkannt werden vnw, bis sie nicht niit den Vertretern des Volkes vereinbart sei; üleu auch dieser Antrag wird mit 238 gegen 100 Stimmen vewürfen, so daß Alles verworfen ist und die Angelegenheit an >en Ausschuß zurückgewiesen werden müßte. Es widerspricht jed
„ ch Zachariä, indem er verlangt, daß (dem Gebrauch zuwider) an über den Wesendoncksschen Antrag . Rösler von OelS verlangt Nie-
selbst abgestimmt werden sol
Versetzung eines neuen AuSs
uffes. Raveaur schlägt vor, die
ein praktischen Resultate fuhren könne,
ganze Sache, die doch zu leu„. ,......,„,... ...... .............
auf sich beruhen zn lassen. Nachdem noch mehrere Redner die Versammlung aufgehalten, (eilt Simon aus Trier folgenden Antrag: In Erwägung, daßdie Nationalversammlung von vorn herein entschlossen war, nicht zu thun, daß sie nur darüber te» rietb , w i e sie nichts thun plle — (Lärm, Ruf zur Ordnung), Vicepräsident findet in diesen Worten eine Beleidigung der Versammlung und ruft Simon zur Ordnung. Dieser widerspricht: dasselbe, was er gesagt, hab Löwe von Calbe auch gesagt, ohne zur Ordnung gerufen worde zu sein. Biecepräsibent findet die Beleidigung nunmehr im Zuumnenhang, beharrt beim Ordnungsruf, und fordert Simmon aw fortzufahren. Simon: In Erwägung, daß sie auch in diese Beziehung, wie sie nichts thun wolle, zn nichts gekommen ist-— (Neuer Lärm. Ruf: Herunter!) Niceprâsident droht, Simon das Wort zu entziehen, und dieser schließt mit dein Antrag, übe die neu entstandene Debatte zur Tagesordnung überzugehen. Nachdem noch Saucken sich Raveaur angeschlossen, Giskra dagegen die Schule an dein Nichtjnstande- kommen einer Majorität der mpafsenven Fragestellung des Vice- präsidenten Schuld gegeben, nird der Antrag Raveaur's angenommen; Soiron zeigt den Bercht über das ReichSfinanzweien an (der an den Derfassungsausschiß znruckgegebene §. 19 der ReichS- gewalt), und es wird auf Hildebrands Antrag beschlossen, morgen und übermorgen keine Sitzun, zu halten, um dem Ausschuß für daS Gagern'sche Programm seit zu lassen, den B den. Die Sitzung wird halb8 Uhr geschlossen.
ericht zu vollen- (Rchstgs.-Z.)
D e u t s <H l a n d.
0 Aus dem Amt! Idstein, 27. Dez. (Die Kandidatur des Scm in ar direkt ors.) Alö im vorigen Frühlinge die Srßanifation des Seminars zufolge der RcstaucationSpiimk in der freien Zeitung angegriffen wurde, machte nan einige Zugeständnisse, bc- sonbets wurde der Gefchchleunterrtcht wieder unter die Lehrfächer aufgenommen und Die Zuhörer hatten auf der vorigen Herbstprüsuig mit den Seminaristen den Genuß, gesch chtlich erklären und beweisen zu hören, daß die verschiedenen Sprachen bei dem Thurmbau zu Babel entstanden. Trotz aller babilonischen Thurmbaugeschichten und ihrer Spiachenerzeugnisse hat man aber bis jetzt noch nicht bemerkt, daß sich eine andere Sprache am Seminar erzeugt habe.
E-i II neues Volk durch eine Schule, und eine neue Schule durch ein neues Seminar, war der Grundsatz der Lehrer bei den Berathungen über eine küii ftige Schulverfassung. Die Schule sollte im Sinne der Lehrer die individuelle Kraft wecken und stärken, sollte ein vernünftiges, si t- liches, und darum starkes Volk heraubilden. Die Nationalität wurde als durch die Gesammtheit der Individua itäten Gegebenes gemacht, mithin wird durch individuelle Ausbildung auch das Nationale und eben so das Neinmenschliche erzielt, obgleich auch durch das objektiv Nationale, deutsche Geschichte, deutsche Literatur und deutsche ^crfaifiiii^.- und Gesetzeskunde das Nationale befördert werden sollte. Die Pflanzschule der Lehrer, das Seminar, mußte also zuerst nach diesen Grundsätzen reorganisirt werden.
Die Feinde der deutschen Nationalität aber erhoben ü'.cch gewaltig ihre Stimmen und forderten confessionelle Schulen, indem sie behaupteten, nur im Coufessionellen ruhe die Sittlichkeit. Wir wollen gar nicht nachweisen, daß daS sittliche Element außer der Konfession liegt; denn jebe Konfession behaupt t sich als die allein wahre, also als die alleinige Stütze des Sittlichen, und doch
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Das karge Frühstück, das nur aus ungeschmolzener Brod- suppe bestand, schmeckte ihm doch vortrefflich. Er küßte die frischen, noch schlafenden Zivillingsschwestern, ermahnte die noch immer hinfällige Susanna, sich zu schonen, und ging dann, den Dreschflegel nebst Wurfschaufel und Cchüttc- gabel auf die Schulter, wohlgemuth nach dem Bauergute, wo ihm Arbeit versprochen war.
Die Knechte waren eben dabei, die Tenne zu fegen und Garben reihweise zum „Vorschlägen", wie cs her Bauer nennt, aufznlegen, als Moser in den Hof trat und den Besitzer desselben als neuer Arbeiter und Gehülfe begrüßte. Dieser nahm ihn gern an, da er zuverlässige Leute brauchte; übrigens bedurfte es nicht vielen Redens, da zwischen Arbeitgebenden und Arbeitsuchenden so einfache Bedingungen als feste Regeln gelten, daß Keiner den Andern übervortheilen kann. Moser kannte diese Bedingungen von früherher, unb wenn er jetzt als Arbeiter bei einem armen Bauer in Dienst trat, so verstand eS sich von selbst, daß er stillschweigend sich dem Herkömmlichen unterwerfe.
Alle Bauerarbeit ist schwer und erfordert mehr physische Kraft, als Geschick und Gewandheit. Schon am ersten Vormittage fühlte Moser, daß er nicht mehr die Kraft und Ausdauer seiner jungen Jahre besitze. Er konnte nach einigen Stunden kaum den Flegel mehr handhaben und es war ein Glück für ihn, daß je fünf Drescher auf einer Tenne thätig waren. Bei dem fortwährenden Steigen und Fallen so vieler Flegel merkte man nicht, daß der
findet man bei allen Konfessionen sittliche Menschen. Wir bemerken nur, daß der Staat durch und durch religiös und sittlich sein muß, also über den Konfessionen steht, diese als Arten, mit modificirtem Gattungsbegriff des Religiösen und Sittlichen, in sich schließt." Unsere dermalige Kammer wird sich indessen nicht dazu verstehen, die Konfessionen über den sittlichen Staat zu stellen und confessionelle Schullehrerseminarien gesetzlich begrünten; die dermalige Kammer würde in diesem Falle so gerecht sein, und jeder Confesffoa dasselbe Recht zugestehen, wonach nicht zwei, sondern vorerst fünf Leh- rerscininarien gegründet werden müßten.
ES bleibt also bei ei nem Seminar, einem allgemein sittlichen Erziehungsinstitttt des Staates. Wir fragen aber nun, können Männer, welche bisher Konfession^ schulen verlangten, einem solchen Seminare vorstehend
Diess Männer behaupteten bisher, ohne confes, sionkUe Färbung könne keine Schule Religion und Sittlichkeit eizie.cn; folglich würden sie, an die Spitze des Seminars gestellt, demselben eine confessionelle Färbung geben, ihre Konfession den Zöglingen der übrigen Con- fessioneu aufdringen, also diese Konfessionen beeinträchtigen, und folglich taugen sie nicht für das Seminar. Der Staat und seine Institute sie» religiös, aber nicht coiif. ssionkU. Wer taugt an das Seminar?
Diefe Frage ist j.tzt von der äußersten Wichtigkeit; denn der bisherige Direktor ist gestorben, mit einem neuen Direktor soll ein neues Seminar gebildet werden. Jede Partei stellt ihre Kandidaten auf, und die jesuitische ruft die Ihrigen als schon bestimmt aus, nur Die Wahl zwischen zwei der ihrigen stehe bevor, wodurch dann der Schule der Gnadenstoß versetzt wäre.
Auch evangelifche Geistliche werden genannt und unter diesen ein recht guter Schulmann. Allein ein Theolog ist nur insofern ein Pädagog, als er nicht ächter Theolog ist. Der Theolog betrachtet alles durch seine theologifche Brille, drechselt alles auf der theologischen Drechselbank. Auch würde seine Parteinahme andere Partecen zu gerechter Beschwerde veranlassen.
Auch die Lehrer haben ihren Kandidaten. Sie wurden von folgenden Grundsätzen geleitet. Die Lolks- schuttehrer behülfen vor Allem des klaren Denkens. Klein darf her Kreis ihres Wissens, aber innerhalb des- ftlben muß es hell sein, dann wird er sich leicht erweitern lassen. Der Lehrer muß alle seine Begriffe in ihre Faden zerlegen können; er muß die Seele zu bilden ve. stehen, wie der Gärtner die Pflanze. Ein Se- minardircktor sei daher ein Mann des Gedankens, ein Mann des Fortschritts, der Gegenwart. Mit todtem Wissen ist der Schule nicht aufzuhelfen. Die Stufe der Grammatik ist vorüber, es ist die Stufe der politischen Unmündigkeit, daher außer den Indiern die Deutschen bisher die größten Pedanten und Grammatiker waren. Ob katholisch oder protestantisch, ob Jude oder Menonit, ist gleichgültig. Wer einen Theil der Nation bilden will, muß Pädagog sein, stehe also über den Konfessionen.
Mit dem Manne des Gedankens als Direktor am Seminar, hofften die L-Hrer das Seminar gemäß dem Gedanken umgebildet. Und dieser Mann des Gedankens, den die Lehrer als ihren Kandidaten betrachten, ist der Professor Schmitt, da er mit der Professorge-- lrhrsamkeit genaue Kcnntniß des Elemcntarschulwesens nah ihres Prinzips, die individuelle Entwicklung, und das, was dem Schulmeister noth thut, verbindet.
5 Limburg, 4. Jan. (Bürgermeisterwahl ) Ich benutze Jpr vielgelesenes Blatt, um Ihnen Einiges über unsere vorgestern stattgehabte Bürgermeisterwahl zu berichten. Wie Sie wohl schon werden vernommen haben, ist dieselbe mit 231 Stimmen auf unsern bisherigen Stadtschultheißen Hart stein gefallen. Der Ea ididat des freisinnigeren Theiles der Bürger, Leder- fabrikant Jos. A. Burckhart, ein für das Wohl unserer Stadt begeisterter und dabei entschieden freisinniger Mann, der sich der Achtung und des Vertrauens des größten Theiles unserer Bürger in hohem Grade er-
des Webers kraftlos auf die körnerstrotzenden Achren traf. Auch gewahrte er mit Betrübniß, daß seine Brust durch das langjährige Sitzen Hinterm Webstnhle und durch das Einsaugen des Garnstaubes gelitten haben mußte; denn er konnte an dem lebhaften Gespräch, das seine rüstigen Mitarbeiter, trotz des heftigen Aufschlagens, fortwährend unterhielten, nicht Theil nehmen.
Mit größter Anstrengung hielt es Moser einige Tage aus. Schon am vierten mußte er Abends auf dem Heimwege stehen bleiben und Blut auswerfen. Dennoch ging er am nächsten Morgen wieder auf die Arbeit. Allein kaum hatte er unter unsäglichen Schmerzen zweimal hcrnm- gedrvschen, als ihm kraftlos der Flegel entsank und ein Strom Diesen schwarzen Blutes seinem Munde entstürzte. Man sprang dem unglücklichen bei, um das Blut zu stillen, der Bauer, ein braver Mann, ließ den Erkrankten' nach Hause fahren und holte sogar den Arzt auf eigene Kosten, damit er ihn heilen möge; aber daS Alles konnte den Weber weder retten, noch beruhigen.
„Gott hat seine Hand von mir abgezogen," sagte er mit der Ruhe verzweifelter Resiugnation, „und wen Er verläßt, den können die Menschen, wenn sie auch jetzt noch wollen, nicht retten.
(Fortsetzung folgt.)
