sal der Malgefangenen in Vincennes entscheiden. Von einer allgemeinen Amnestie alS NeujahrSgeschenk für sie vernimmt man nichts mehr. — Alle Zeitungen, vorzüglich die „Debats", sprechen ihr Entsetzen aus über die Erklärung des Finanzministers Passy, hinsichtlich des ungeheuern Disicils von 560 Millionen. Es solle also die Salzsteuer beibebalten, die Portoermäßigung aUfgefchoben, daS Einkommen mit 3 pCt. besteuert, die Erbschaften in B schlag gelegt werden, und trotzdem sei noch keine Aussicht auf eine bessere Zukunft, sondern immer zeige sich noch das schauerliche Gespenst des Nat'dnalbankerotts.
— Ueber den Zauber, den der Name Napoleon in den Landschaften geübt, entnehmen wir dem „Censeur von Lyon" folgende Angaben: „In den Dörfern der Rhone- und Jsere.Dkpartemente war Alles wie toll; es war, als ob das Fieber alle Welt erg-'ssen, als ob Napoleon sich aus seinem Grabe erhoben hätte. Wir sagen vielleicht zu wenig. Man weiß, daß es auf dem Lande noch einige alte Soldaten gibt, deren Geisteskraft das Alter geschwächt und die nie an den Tod des Kaisers geglaubt haben. Umsonst ist eine Fregatte abgefahren, um seine sterbliche Hülle auf St. Helena abzuholen, umsonst schläft er im JnvalidenhauS; es ist nicht Na-
u..
Poleon. E n Mö ch hat seine Stelle auf St. Helena eingenommen; in dem Augenblick, wo dieser Mönch starb, fuhr Napoleon auf einem Schiff aus der Rhede, und diese wack rn Leute sind übeiz ugt, daß sie den Kaiser wiedersehen werden. Seit seiner Flucht hat er die Welt durchzogen, hat in China gekämpft und die großen Nege Völkerschaften in Afrika besucht; seit der Februarrevolution ist er heimlich nach Frankreich zurück- gekehrt. Vor vier Monaten sei er auf einer Tribüne der Nationalversammlung gewesen und wenn Louis nicht mehr gesprochen, so sei "s, weil der große Napoleon es ihm verboten hatte."
Der Censeur versichert, daß er diese Sagen nicht erfunden, sondern daß er sie gebe, wie sie unter assen Soldaten auf dem Lande leben. Die Erinnerung an die grausamen Verfolgungen der 1814 und 15 zurück- gekchrten Royalisten habe die Hingebung an Napoleon vermehrt. Die Errungenschaften der ersten französischen Revolution, die für den Landmann den Hauptwerth haben und Napoleon erschienen ihm in unzertrennlicher Gemeinschaft. Mit der größten Begeisterung seien die Landleute zur Abstimmung gezogen. In mehreren Dörfern sah man Leute, welche Napoleons Klei- dung nachgeahmt und mit dem kleinen Hut, den Cou-
rterstiefeln, den weißen Hosen und dem grünen Frack daherzogen. Den Stimmzetteln hatte man die Hutform gegeben u. wehe dem, dessen Stimmzettel nicht den Namen Bonaparte t ug. Hier hörte man rufen: „Es lebe die Freiheit! Nieder mit den Kattisten!" dort: „Es lebe die Republik! es lebe der Kaiser!" Aus einem und demselben Munde erschallten beide Hoch. „In einer Gemeinde — berichtet weiter der Censeur — umgaben die Bauern ihren Pfarrer, der nach dem Wablplatz ging, und sagten: „Sie sind Republikaner, Herr Pfarrer, nicht wahr?" „Ja, meine Freunde", antwortete der Pfarrer. „Bravo! " riefen die Bauern, „kommen Sie mit uns, Sie sind ein braver Mann. Es lebe der Kaiser." „Was das Volk hingerissen hat — be- inerft sodann der Censeur — ist die Erinnerung; eS tst der Name Napoleon, der die Wahl gemacht hat."
Wegen des heutigen Neujahrsfestes erscheint morgen Dienstag den 2. Januar keine Zeitung.
Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann..
Bekanntmachungen.
(1654) Nachdem einer Gesellschaft hiesiger Hauderer von Herzoglicher Landesregierung die ausschließliche Besuguiß zu dem regelmäßigen Transport der Eifeubahupassagiere von und zu dem Eiseubahuhofe, sowie die ausschließliche Besuguiß zum regelmäßigen Aufstellen von Fuhrwerk auf öffentlichen Plätzen der Stadt Wiesbaden, behufs des Transports von Personen aus einem Theile der Stabt in den anderen auf die Dauer von sechs Jahren, also bis zum 1. October 1854 ertheilt, auch von dieser Gesellschaft ein aus den Kutschern (Ibristian Ziß, Carl Walther, Heinrich Göthe und Georg Walther bestehender Vorstand gewählt worden ist, so wird dieß hierdurch unter nachstehenden näheren Bestimmungen zur öffentlichen Kenntniß gebracht:
i) Es ist außer der concessionirteu Gesellschaft Niemanden gestattet ohne vorherige Bestellung bestimmter Personen auf deu öffeutliflwu Plätzen, Straßen und Wegen der hiesigen Stadt und des Weichbildes derselben Droschken oder sonstiges Fuhrwerk zum Zwecke des Transports von Personen und deren Effekten gegen Lohn, unter welchem Vorwand es auch immer sein möge, aufzustellen.
2) In den Droschken und Fuhrwerken der Gesellschaft muß der nachstehende, von der Behörde genehmigte Tarif so befestigt fein^ daß er leicht gesehen, aber nicht wohl abgenommen werden kann und sind die darin enthaltenen Bestimmungen auf'S Genaueste einzuhaltcu.
3) Die concessionirte Gesellschaft ist für die richtige Besorgung der ihr zum Transport übergebenen Effekten verantwortlich und hat jede durch ihre resp. durch ihrer Wagensührer Schuld entstehenden Schaden- zu ersetzen.
Wiesbaden, den 28. December 1848. Herzog!. Nass. Stadt-Polizei-Amt
Ferger.
Tarif für das Eisenbahn- und das städtische Fuhrwerk.
1.
Aus und nach dem Bahnhöfe.
») Omnibus.
Für jede Person ohne und mit gewöhnlichem Reisegepäck, bestehend in einem Koffer ober Mantelsack nebst Reisesack und Hutschachtel.......... 12 fr.
b) Droschken, Einspänner und Zweispänner.
1 Person ... 12 fr. 3 Personen ... 36 fr.
2 Personen . . 24 fr. 4 Personen , . . 48 fr.
Gepäck wie bei dem Omnibus.
c) Für einen Wagen auf besonderes Verlangen zur alleinigen Benutzung außer der Vergütung für das Gepäck bei einem Ein- und Zweispänner .......48 fr.
d) Für den Transport eines ReisewagenS aus und nach dem Bahnhöfe . . 1 fl. 30 kr.
2.
Stadt - Fuhrwerk.
Anmerkungen.
1) Eine Fahrt innerhalb der Stadt von einem Punkte zum andern wird als eine Viertelstunde eine n/ue" ^"h^ "achtet. Wenn unterwegs angehalten und ansgestiegen wird, so beginnt
2) Die Omnibus fahren nur innerhalb des Stadtberings.
3) Bei den Fahrten nach der Dietenmuhle, Geisbergs Nerothal, Walkmühle, Sonnenberg Clarenthai, Fasanerie, Dotzheim, Adamsthal, Bierstadt, Biebrich, Neroberch Erbenöeim Schierstem muß der Kusscher am Ort der Bestimmung 1 2 Stunde warten uud den Fahrenden für die Hälfte des Preises zurückfahreu; jeder weitere Aufenthalt wird nach dem Tarif berechnet.
4) Bei den Fahrten nach der Platte, Chausseehaus, Nürnbergerbof, Frauenstein, über Sonnenberg, Rambach nach Llerffadt, Mainz und Castel, ist die Rückfahrt mit einbegriffen; bei der Platte, Chaugeehaus, Nürnbergerhvf, Frauenstein, nach Bierstadt, über Sonnenberg und Rambach mit 2 Stunden Aufenthalt; für eine jede weitere Stunde wird ein Gulden berechnet; wenn jedoch die Fahrt des Morgens beginnt und über Mittag verlängert wird, so wird ohne Rücksicht auf die Zeitdauer bezahlt:
nuch der Platte für einen Zweispänner . 8 fl. — fr. Einspänner . 6 fl. — fr. „ dem Chausseehaus „ . 7 „ 30 „ „ . 5 „ 30 „
„ „ Nürubergerhof „ . 8 „ — „ „ . 6 „ — „
„ Frauenstein „ . 8 „ — „ „ . 6 „ — „
Bec den Fahrten nach Castel, Mainz, kommt es auf die Länge des Aufenthaltes, welcher jedoch den anderen Tag nicht erreichen darf, nicht an.
5) Kinder unter 12 Jahren zahlen die Hälfte der Taxe. Kinder, welche getragen werden, sind frei.
6) Nach 9 Uhr Abeuds wird doppelte Taxe bezahlt; jedoch mit Ausnahme des Eisenbabn- Fuhrwerks.
7) Bei Fahrten in das Theater, zu Concerten, Bällen muß vorausbezahlt werden.
8) Der Kutscher darf in keiner Weise ein Trinkgeld änfordern, auch bezahlt der Passagier fein Chausseegeld.
(1652) An die
Wähler der Stadt Wiesbaden.
Diejenigen hiesigen Bürger, welche bei der demnächst stattfindenden Bürgermeister-Wahl dem Buchhändler Fischer ihre Stimmen zu geben gesonnen sind, werden gebeten, auf die Stimmzettel deutlich „Buchhändler Fischer" zu schreiben, indem sonst, wenn blos „Fischer" oder „Heinrich Fischer" geschrieben wird, die Zettel als ungültig nicht berücksichtigt werden.
Mehrere Bürger Wiesbadens.
Seit.
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Diese Preise beziehen sich aus die Fahrten in dem Stadtbering und «n die Landhäuser.
(1637) Meine achten Brnst-Caramellen nach wahrer Compo- sition des Herrn Professor Ackermann in Heidelberg bringe ich hier-
mit dem geehrten Publikum in empfehlende Erinnerung, nebst mehrere andere heilsame Bonbons für Brust- und Halsbeschwerden, als Malzzucker, Nättig- und Eibisch-Bonbons â â 1 fl., sowie ich meine seyr bekannten Wurmpatronen zu empfehlen habe, welche gar keinen Wurmsamengeschmack haben und äußerst wirk- fam sind â Stück 3 fr. mit unterem Firma versehen;
Punschessenz per Flasche 1 fl. 36 fr.
„ „ Düsseldorfer 1 „ 50 „
Alle Sorten Liquenre ä Flasche 1 fl. 12 fr. bis zu 2 u. 2%ff.
3.
Außerhalb der Stadt.
Murn . . . .
„ Jamaica Cognac . . . Genevre . . .
ff
ff ff ff ff
1 fl.
1 fl. 30 fr.
1 fl. bis 2 fl.
1 fl.
Nach der Dietenmühle, GciSberg, Nerothal ...... „ „ Walkmühle, Clareuthal, Sonnenberg . . .
„ „ Fasanerie, Dotzheim, Adamsthal, Bierstadt u. Biebrich „ dem Neroberg.............. „ Erbenheim ............... . Schiexstei»,,............... „ der Platte und zurück........... „ dem Chauffeehaus und zurück......... „ „ Nürnberger Hof und zurück......... „ Fraucusteiu und zurück...........
Ueber Souucuberg, Rambach nach Bierstadt und zurück . . Nach Maiuz bis in die Anlagen in einem Nachmittag . . „ . von Vormittags bis Abends
Nach Castel.................
„ Castel und zurück . ...........
Einspänner.
Zweispänner.
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2 u. 3
Person.
1 u. 2
Person.
3 u. 4
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5 —
Täglich zu jeder Stunde warme Berliner Pfannenkuchen Aepfeltörtchen, Fleischpaftetchen Sc Miiice-spie.
Heinrich Wenz^ Conditor, Langgaffc Nr. 38.
(1653) Das Logis, welches Herr Steuerrath Stahl Neun Jahre bewohnte: steht bis zum 1. April 1849 anderweit zu vermieden, dasselbe besteht aus 7 Piecen nebst Küche, 3 Speicherkammern, Holzstall und der Mitgebrauch der Waschküche und des Trockcnspci- chers. Das Eck der Mauer- und Steingasse.
A. R. Schmidt, Buchbinder.
(1639) Es können 4—660 fl. sofort, dagegen 7—1800 fl. Anfangs April l I. gegen gerichtliche Sicherheit auf Grundstücken auoge- liehcu werden. Wo ? sagt die Redaction dieses Blattes.
(1641) Feines Pulver, blinde Patronen, große und kleine Zündhütchen billigt zu haben bei Fr. Emm ermann.
(1651) Ein junger Mann, welcher vom Mi- litärdienst' frei ist wünscht einen Einstand zu machen Näheres zu erfragen bei Herrn Dach- d-ck-rineister Schmidt in Biebrich.
(1648) Bei Bäcker Herrmann, Kirchgasse Nro. 11 ist ein Keller zu vermiethen.
(1650) Zweimal 600 und 400 Gulden liegen zu verleihen bereit. Näheres in der Expedition.
Verlag von H. Fischer und C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerri.
