Frankreich.
Paris, 25. Dez. (O.-P.-A.-Z.) Wenn nach dem gestrigen für die Republik »wläufig entscheidenden Tage einstweilen nichts für den Fortbestand derselben zu be- füchten ist, so ist dagegen der Fortbestand deS jetzigen Ministenums um so zweifelhafter geworden, alS der Wille des Volkes sich gestern unzweideutig zu Gunsten einer allgemeinen Amnestie aussprach, und daS Cadintt, wie man sagt, Anstand nimmt, dieselbe zu gewähren.
Paris, 25. Dezember. Immer noch Bonaparte, aber gewiß nicht mehr lange! Bieheran hat der edle Prinz sich nur in der Toilette kundgethan. Die Lorbeeren seines Oheim's waren es weniger als dar Hut, der ihn nicht schlafen ließ. Er hatte sich mehrere Male den Spaß gemacht, ihn anzuprobiren; aber man weiß, wie ihm dieser Spaß in Boulogne und Straßburg bekommen, und aus welche schmähliche Weise er „abge- dcckelt" worden. Aber jetzt; wie sich Alles anders gestaltet hat! Er darf alle Hüte, sammt Rock und Sporen und Stiefel in offner Parade anprobirr». J<tzt kann er seinem Ideale freien Lauf lassen, und sich des mannichfaltigsten W chfels in der Uniformirung erfreuen, ganz wie ein preuß. Fähndrich, der zum ersten Male die Epauletten erhält. Das hat dann auch Napoleon in der großen Revue vom 23. gethan. Aber tue Franzosen sind böse Leute; jetzt gönnen sie ihm nicht die Freude, und machen ihm den „Hut" und die schönen Epauletten streitig, das Einzige, worauf Napoleo , stolz ist. Napoleon, sagen sie, darf keine Uniform tragen; der Präsident der Republik hat keine Uniform; und Napoleon hat keinen Grad, weder in der Linie noch in der Nationalgarde. Wie durfte er sich erlauben, als General verkleidet zu erscheinen? Man sieht, wie unsere neulich ausgestellten Befürchtungen sich bestätigt haben. Aber das ist noch nicht Alles. Wer Auszeichnungen u. s. w. trägt, die ihm nicht zukommen, ist dem Correktionel verfallen und diesen Artikel des Code Napoleon will man jetzt auf den Präsidenten Napoleon
in Anwerbung bringen. Man hält ihm das Beispiel von Polk vor, dem ehemaligen Sattlergesellen und dem jetzigen Präsidenten von Amerika, der nie anders als im schwarzen Frack erscheint. Ich frage: wenn man dem Napoleon seine alte Marotte entzieht, was bleibt ihm dann übrig?
— Die große Revue der Linien-Truppen und Nationalgarde ist der allgemeine Gegenstand der Besprechung in den verschiedenen Journalen. Alle treffen in einem Punkte zusammen: der Himmel, der anfangs verdeckt und regnerisch war, heiterte sich plötzlich auf und beleuchtete das Fest mit seinen schönsten Sonnenstrahlen. Dar Journal des Debats, welches den alten Philipp immer mit neuem Vergnügen die Revue pas- sirtn ließ, findet, daß diese teste Revue so ziemlich allen Revues geglichen habe, die seit 30 Jahren aogk- halten worden seien. Nur ein einziger Zwischenfall zeichnet jedoch diese Revue von allen andern aus. Eine Gesellschaft von mehren jungen Leute hatten einen ungeheuren Drachen aufsteigen lassen. Dieser Drache hatte ganz die Form eines Adlers, und da er in gehöriger Entfernung gehaiten war, so traf es richtig ein, daß der Drachen senkrecht über dem Kopf Napoleon's schwebte. Die jungen Leute sind für dieses unschuldige Vergnügen verhaftet worden. (R. NH. 3 )
Nachfchrift.
Wien, 24 Dezbr. (Fr. I.) Da wir seit mehreren Tagen schon ohne nähere und bestimme Nachrichten vom Kriegsschauplätze in Ungarn geblieben sind, was zu verschiedenen Vermuthungen, theils auch zu den falschen Gerüchten, daß u sere Truppen bei Tyrnau oder nach Anderen bei Wieselburg eine Schlappe erlitten hätten, Anlaß gab, so erschien heute das nachstehende 4. Armee- Bulletin, aus welchem die gegenwärtige Position unse. rer Armee in Ungarn zu entnehmen ist, und auS wel- chtin hervorgeht, daß jene nur in böswilliger Absicht
ausgestreute Gerüchte falsch sind. DaS Bulletin lautet wie folgt: „Nach eingetroffenen Nachrichten des Hrn. Feldmarschall Fürsten Windischgrätz ist das erste und zweite ArmeecorpS zwischen Hochsträß u id Raab schlag, fertig aufgestellt und die Avantgarde bis über die Rab- nitz vorgerückt, ohne auf einen Feind zu stoßen.
Vor Leopoldstadt ist die Division des F.-M.-L. Simouich, um Peßbug jene des F.-M.-L. Kempen ausgestellt. Von Oldenburg ist dos Corps des Obersten Horvath gegen Güns vorgerückt, um einer feindlichen Colonne unter dem Rebellen Perczel, die sich gedrängt von der untern Mur über Könnend, Stein- amanger und Papa mit den Insurgenten bei Raab zn vereinigen suchte, in die Flanke zu fallen. Während des Verweilens der Armee in ihrer letzten Stellung ist in jener ganzen Strecke, welche die Truppen auf beiden Ufern der Donau besetzten, d. h. im Preßburget Wieselburger und Oedenburger Comitat, die Entwaffnung des Landvolkes bewirkt, die gesetzliche Ordnung hergestellt und die Einsetzung der kgl. Regkerungskom- miffäre geschehen. Wien, am 24. Dezbr. 1848. Von Civil- und Militärgouverneur Weiden, F.-M.-L. Von heute angefangen haben auf der Eisenbahn zwischen hier und Preßburg auch die regelmäßigen Fahrten wieder begonnen.
Ju München ist die Ministerkrisis immer noch nicht gelöst. Nach unsern neuesten Briefen von daher bestätigt sich, daß Baron v. Schrenk das ihm angebotene Portefeuille abgelehnt hat, und daß dasselbe nunmehr dem Professor Edel angetragen worden ist; ob derselbe es annehmen werde, war noch ungewiß. Andererseits werden auch der Abgeordnete Neumeyer, und von einem Berichterstatter des „Schwäbischen Merkurs" sogar Herr v. Zu-Rhein als Ministerkadidaten bezeichnet. (O.-P.-A.-Z.)
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
(1626) Aufgefordert von vielen israelitischen Cultus-Vorstehern unsers Herzogthums, laden wir hiermit sämmtliche israelitische Vorsteher zu einer nochmaligen Berathung unserer Cultus-Verhältnisse auf Montag den 1. Januar 1849, Morgens 9 Uhr in das Gasthaus des Herrn Walter in Limburg ein.
Der Vorstand der Aemter Hochheim, Höchst, Königstein und der Stadt Diez.
(1442) In der H. W. R^t^èrsschën^EuchchanvtrmK-än Wiesbaden ist soeben erschienen und zu haben:
Die
Gemeinde-Ordnung
für das Herzogtum Kassau, wie solche von den Volksvertretern berathen, beschlossen, von der Staatsregierung genehmigt und publicirt worden ist
nebst Ordnung
für die
Wahlen des Bürgermeisters, der Gemeinderäthe und dès Bürgerausschustes.
Preis 9 Kreuzer.
Frankfurt.
Cours der Staatspapiere.
1 Uhr.
Den 28. December 1848.
pCl.
Papier |
Äetd |i
Den 28. December 184«.
pCt.
Papier
Geld
Lcsterreitb^
Preußen Bayern
Würtemb.
Baden
Darmstadt
Melalliqneo Obligationen ....
Wiener Bank-Actien ..... 500 fl. Loose........
250 fl. Loose von 1839 .... Bechmännische Obligatioum . . .
50 that« Prämien-Scheine . . . Slaais-Schuld-Scheine a 105 . . Obligationen . ....... Ludwig-Kaual-Amen incl. d. v. C. Bexbacher Eisenbahn-Actien . . . Obligationen . . .....
Obligationen . . . ... .... . . Lotterie-Anlehen ä 50 fl. von 1840 35 fl. Loose vom Jahr 1845. . . Obligationen . . . . .
5
4
3
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4
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3%
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94
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Darmstadt
Kurhefftn
Nassau Frankfurt
Holland
Spanien
Polen
Sardinien
Obligationen........
Lottcric-Anlehen von 50 fl. . . . 25 fl. Loose........ Friedrich-Wilhelms-Nordbahn . . 40 Thaler Loose bei Rothschild . . Obligationen bei Rothschild . , .
ditto 25 fl. Loose . .
Obligationen........
ditto von 1839 ....
ditto von 1846 ....
Taunus-Eisenbahn-Actim a 250 fl. .
„ „ „ per ultimo
Jntcgr.-Obligatioucn ..... Syndikats ......... Innere Schuld neue Obligationen . Ardoins incl. 14 Coup..... Lotterie-Loose 300 ......
ditto 500 ......
36 Frè. Loose bei Gebr. Bethmann
4
4
3%
3 3% 3%
2% 3%
3
85%
61 %! 21% 40% 25% 79’4 20%
77
90% 87%
271
48%
19%
72% 25%
85 61% 20% 39% 25%
20% 76% 90% 86%
267
48% 74% 19%
97% 72
24’4
Cours der Wechsel.
Kurze
Sicht
Zwei Monat
Gold- u nD Silber-Sorten
fl.
kr.
Den 28. December.
Briese
Geld
Briefe
Geld
Amsterdam, loo fl. Crt. . . , Augsburg, 100 fl. Crt. . . . Berlin, 60 Tblr...... Bremen, 50 Nthlr. in Louisd'or. Camburg, 100 Mrk. Bco. . . . Leipzig, «0 Thlr......
„ in der Messe .... London, 10 Livr. St..... Lyon, 200 Fr.......
Paris, 200 Fr....... Mailand, 250 Lir. Austr. . . . Wien, in 20r 100 fl. C -M. . . Disconto........
100%
119%
99% 88%
120% 94% 94% 99%
107
105
105%
^%
87%
12)%
l3/
4
Reue Louisd'or.......... Friedrichod'or........... Ducateu............
2o Frank-Stücke ......... Holländische 10 fl. Stücke...... Englische Souverains........ Laubthaler ...........
1 Preußische Thaler.........
Hochhaltiges Silber........ Grring-mittclhattiges Silber......
11
9
5
9
10
12
2
1
24
24
(Frl
5 54 36 36
5
2 43’4 45 24
18
(33
Verlag von £. Fr scher und C. Ritter. — Druck der C. Nitter'schen Buchdruckerei.
(1639) Montag, den 1. Januar findet auf dem Neuen Geisberg wohlbesetzte Tanzmusik statt, wozu ergebenst einladet
L. Zimmermanns Wittwe.
D (1637) Meine ächten Brust-Caramellen nach wahrer Compo- D sition des Herrn Professor Ackermann in Heidelberg bringe ich hier- H M mit dem geehrten Publikum in empfehlende Erinnerung, nebst mehrere K Wandere- heilsame Bonbons für Brust- und Halsbeschwerden, als U M Malzzucker, Rättig- und Eibisch-Boubons â ü. 1 fL; sowie & ich meine sehr bekannten Wurmpatronen zu empfehlen habe, welche S gar keinen Wurmsamengeschmack haben und äußerst wirk- Mi sam sind 3 Stück 3 kr. mit unterem Firma versehen; K U Punschessenz per Flasche 1 fl. 36 kr.
8
Rum . . . .
„ Jamaica
M Cognac . . .
M Genevre . . .
„ „ " Düsseldorfer 1 „ 50 „ Alle Sorten Liquenre â Flasche 1 fl. 12 kr. bis zu 2 u. 2%fl.
— „ 1 fl- „ 1 fl. 30 kr. „ 1 fl. bis 2 fl.
„ 1 fl.
Heinrich Wens, Conditor, Langgaffe Nr. 38.
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(1641) Feines Pulver, blinde Patronen, große und kleine Zündhütchen billigst zn habm bei Fr. Emmermann.
(1643) Es wird ein Einstcher auf Nro. 62 gesucht, wo möglich ausgedienter Soldat. Wo? jagt diz Expedition dieses Blattes.
(1645) Feinster Arrac und Rum, Punsch-Syrop per Flasche 1 fl. 36 kr.
Neue Zwetschen per #. 7 kr., bei Abnahme von 10 ^. a 6 fr. bei
Joh. PH. Reinemer,
Metzgergasse Nr. 10.
(1612) Für einen soliden jungen Mann, welcher im Stande ist Lebtgeld zu zahlen, wird in einem Spezerei - oder Langwaarengeschäst eine Lehrlingsstelle gesucht. Wo? sagt die Expedition dieses Blattes.
Nicht zu übersehen.
(1642) Diez. Wir, wie so viele von hier, Haven sich gefreut, daß unser guter Rath in Nro. 265 der Freien Zeitung, wahre hiesige Zustande andeutend, von dm dürren und dickèn Personen gelesen wurde, daß sie aber auf die Wahrheiten desselben nichts als gemeiueSchimps- worte erwiederten, (man lese das Inserat in Nro. 242 der Nassauischen Allgemeinen, „Don der Lahn) bezeichnet hinlänglich ihre BildnugS- stnfe, sowie ihren Charakter: anderes kann man ja auch nicht von so einseitigen Menschen erwarten. Wir drücken ihnen hiermit für ihre geistige Armuth unser innigstes Bedauern aus.
♦ (1600) Ein Capi- £
♦ ^L tat von IWO fl. ge- T t £o»ÄO gen doppelte, gute Si- f Herstellung wrrd zu T y leihen gesucht. Das D
L Nähere ist bei der Expedition die- x T ses Blattes zu erfahren.
