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-p Usingen, im Dezbr. (August Bell.) Keine der jetzt in Deutschland bestehenden Parteien kann in das verflossene Jahr zurttckblicken, ohne die größten Ver­luste zu beklagen, aber dieses erste Jahr unserer Freiheit ist besonders der entschiedenen Volkspartei verderblich gewesen, denn die Revolutionen verschlingen ihre Kinder, und Jeder geht unter, der den Begriffen seiner Zeit nicht ' schmeichelt. Wir haben nicht allein die Er- schlarcnca zu beweinen, so dern auch manchen edeln Kämpfer, Der muthlos geworden, oder dem das Herz gebrochen ist in dieser üiirinischen und verworrenen Be­wegung, für welche selbst Schlosser keine Parallele in der Geschichte findet. Einer dieser Edel» war der am 11. November zu Heidelberg verstorbene August Bell aus Hadama-. Er war ein Mann, von dem Deutsch­land sehr viel erwarten durfte und selten war in einem Menschen so viel vo tie'flicher Verstand mit so viel Vaterlandsliebe, Ehre, Treue, Aufopferung und persön­licher Liebenswürdigkeit vereinigt. Kurz, brav und ruhmreich war seine Laufbahn und Alle, die in ihm den künftigen Stolz des Vaterlandes erblickten , die in ihm den glänzenden Redner anerkannten, welche wuß­ten, daß er nicht wie Demosthenes in der Schlacht ge­flohen wäre, Alle, welche wissen, wie sehr unsere Zeit bedeutender Menschen bedarf und Alle, welche von dem Gefühle dm chdrungen sind, daß die Freiheit- reine Strei­ter verlangt, werden diesen Tod beklagen und betrauern, und den Vater, der in ihm seine Stütze, seinen Stolz und seine Freude, und das Vaterland, das in ihm einen seiner edelsten Söhne ver oren hat. — Möge er leben im Herzen aller seiner Freunde, möge sein Beispiel fie zur Ehre, Treue und zu der reinsten Vaterlandsliebe begeisternj-Möge die Erde ihm leicht sein! —

H Höchst, 25. Dez. (Die Einquartirung und die Wegnahme der Waffen.) Am 23. Sept. d. J. rückten plötzlich gegen 1500 Mann preus- sischer, hessischer Truppen in Höchst ein. Ueberrascht blickten sich die Leute an, sich die Köpse zerbrechend, was die Entwickelung einer solchen bedeutenden Streit­macht und deren Operation wohl zu bedeuten habe. Bald fielen den Leut'n die Schuppen von den Augen; cs galt nichts mehr und weniger als Höchst zu ent­waffnen, wozu vielleicht 50 Soldaten genügt haben würden.

Es wu de nach Einzug der Truppen die Abliefe- rung aller Waffen bei Meinung der Exekution aufge- gebcn; die Waffen wurden dann auch abgeliefert, spä­ter nach Frankfurt und von da nach Mainz gebracht, wo dieselben noch jetzt in süßer Ruhe schlummern, einige Waffen ausgenommen, welche an einige als gutgesinnt bezeichnete Höchster zurückgcgeben wurden.

Warum die Wegnahme der Waffen erfolgte, darü­ber weiß man sich keine stichhaltige» Gründe anzu- führen; auch M die W j. tzt .MâMckggbe der Waffen getrauen Schritte , die wenigen wie vorer­wähnt, znrückgegebencn Waffen ausgenommen, erfolg­los geblieben.

Nun fragen wir aber, mit welchem Rechte das Reichsministerium die dahier weggenommenen Waffen noch fernerhin ihren Eigenthümern vorenthalten läßt? Der Besitz von Waffen ist durch kein Strafgesetz ver­boten und kann begreiflicherweise, am wenigsten im Friedenszustande, verboten sein. Im Gegentheile sind namentlich die Jagdpächter und diejenigen überhaupt, welche sich Waffenpässe von der Behörde erwirkt haben, berechtigt, Waffen zu besitzen und zu führen. Man kann es daher als nicht gerechtfertigt ansehen, wenn die Waffen ihren Eigenthümern trotz öftern Nachsuchens bis jetzt nicht zurückerstattet wurden.

Dem Vernehmen nach soll zwar der städtischen Be­hörde zugekommen sein, daß derjenige seine Waffen wie- dererhalten werde, welchem von ersterer bescheinigt werde, daß er keinen Mißbrauch davon machen werde.

Allein abgesehen davon, daß der Stadtvorstand Herzen und Nieren nicht so genau prüfen kann, so daß er dafür haften könnte, daß derjenige, welchem die Waffen auf seine Bescheinigung zurückgegeben werden, inderThat keinen Mißbrauch davon machen werde; scheint man das ßbersehen zu haben, daß ein Mißbrauch der Waffen keinem Höchster bis jetzt nachgewiesen wurde, hauptsächlich aber den Grundsatz, daß jeder so lange für gut gehalten werden muß, bis ihm das Gegentheil nachgewiesen wird.

Es liegt daher bin Grund vor, die Waffen noch länger ihren Eigenthümern vorenthalten zu lassen.

Fragt man weiter nach dem Grund, warum Höchst noch fortwährend mit Einquartierung belegt ist, wäh­rend die Truppen aus der ganzen Umgegend nach Frankfurt zurückgezogen und daselbst einkasernirt wur­den, so weiß man sich auch dafür keine stichhaltigen ,Gründe anzuführen! Der am 18. Sept. d. J. gegen Reichsminister Heckscher verübte Erceß, welchen jeder rechtlich Denkende beklagt und im höchsten Grade miß­billigt, ist nicht von der Bedeutung, welche man über ^»selben ausgesprengt hat, wenn man die Sache nicht durch ein Vergrößerungsglas- betrachtet und weiter er- wägt, daß Damals große Aufregung über den uuglück- sellgen Malmöer Waffenstillstand herrschte. Uebèrdies sollen nur wenige Höchster und wahrscheinlich auch un­bekannte Fremde bei dem erwähnten Ercesse sich bcthei- ilgt haben. Dieser einzelne Erceß kann aber keinen Grulio abgebe», die Mehrzahl der Einwohnerschaft, welche am ersteren nicht schuld ist, fortwährend durch Elnquartrerung zu belästigen; da nur der Schuldige be- kuuu, der Unschuldige aber mit dem Schul­st n nicht zu leiden hat. Daß die Einquartierung bei

der zu geringen Vergütung von 18 fr. per Tag eine drückende Last ist, bedarf keines Beweises, eben so we­nig wie die Behauptung des Reichskriegsmiaisters bei einer andern Gelegenheit, die ßinquartürung sei eine Wohlthat für die betreffende Gegend, einer Widerleguug bedarf. Erwähnt muß noch werden, daß hierselbst das Gerücht geht, es sei von gewisser Seite aus Höchst in Frankfurt die Nothwendigkeit der fortwährenden Bc« satzung von Höchst mit Truppen ausgesprochen und deren fernere Beibehaltung von hier aus erbeten wor­den. Was Näheres an diesem G. rüchte ist, können wir nicht verbürgen.

Jedenfalls wäre cs au der Zeit, daß unsere Volks­vertreter energische Schritte thäten, um die Rückgabe der Waffen und der die Entfernung Einquartirung von Höchst zu erwirken.

Stuttgart, 24. Decbr. Rührend ist die elegische Sprache, mit welcher der Austritt des Theologen Strauß aus unserer zweiten Kammer und der letzte­ren Beschluß auf Bitte um eine konstituirende Versamm­lung in der konstitutionellen Presse auf breitester ser­viler Basis besprochen wird. Di sen guten Leute» zu­folge ist nicht blos Scheer mit der demokratischem Partei an diesem „unersetzlichen" Verluste schuld, sondern vorzüglich auch das Ministerium Römer, welcher nicht heroisch genug für jede Reakiionsmaßregel in die Schran­ken tritt und sich nicht durch blindes Aus ühren der Hofpläne als eins der jetzt so beliebten Ministerien der That im Brandenburgischen Sinne bewähren will. Römer ist starr, wie altes Holz, er will weder nach der reaktionären, noch nach der revolutionären Seite sich biegen lassen; weder Royalist noch Demokrat im neuesten Sinuc, theilt er das tragische Geschick der ehr­lichen alten Liberalen, welche von allen Seiten mit den Zeitanfordernugeu in unaufhörlichen Konflikten stehen. Ganz anders Johann David Strauß, der zum Mi­nister in dem künftigen Kabinett der That jetzt alle Anwartschaft hat. Strauß hat hier etwa die Stellung, welche Professor Schacht in der liberalen hessischen 2ten Kammer 1834 einnahm: Sie wissen, daß dieselbe trotz des damaligen Sieges der Neâoii keine beuci- denewerthe war. Auf Strauß als Theolog und Poli­tiker paßt so recht die Moral der bekannten alten Fabel: „Man kann ein guter Karrenschieber und doch ein schlechter Kutscher sein!" (MainzerZ.)

Freiburg, 26. Dezbr. Der vormalige österreichische Staatsunnister Freiherr v. Wessenberg ist gestern hier eingetroffen und wird voräusig seit cn Wohnsitz wieder in der hiesigen Stadt nehmen. (O.-P.-A.-Z.)

Dresden, 24. Dezember. Die Wahlschlachten sind größtentheilS geschlagen und der Gesammrsieg verspricht trotz des offenen Woites „unsres Märzministeriums" ganz entschieden aus die Partei der Demokratie anszu- faUen, von welcher sich das Ministerium, im blinden Glauben an das Michelthum des sächsischen Volkes, durch jenes offene Wort losgesagt hat. Will der Ver­fasser jenes offenen Wortes, Minister von der Pfordten, in der That nur mit der Majorität regieren, so muß er den entgegengesetzten Weg von dem des Ministerium Brandenburg in Berlin eingeschlagen, er muß sctnGe- sammtministeeium auflösen und den Kammern weichen. Wir haben hier von dem eigentlichen Ministerpräsiden­ten Dr. Braun gänzlich geschwiegen, weil er in der That die Null hinter der Eins des talentvollen aber unpopulären Pfordten ist. (N. NH. Z.)

Berlin, 21. Dez. (A. Z.) Die Nachricht vom Ausscheiden der HH. von Schmerling, Andrian und Würth aus dem Reichsdienste hat hier sehr wohl be­friedigt. In wohlunterrichteten Cirkeln will man nicht nur von der noch bevorstehenden Abdankung des ReichS- vcrwescrs wissen, sondern daß der König die Ablehnung der ihm angeborenen Kaiserkrone beschlossen hat. Es wird aller Wahrscheinlichkeeit nach bei einem Präsiden­ten der Reichsgewalt bleiben. Die hier im Betreff der Reichsangelegenheit gefaßten Beschlüsse sind nicht ganz außer Zusammenhang mit Verhandlungen, die neuerlich zwischen Olmütz, Petersburg und Sanssouci statt fan­den, und gewiß ist, duß die drei Höfe wieder in so inniger Freundschaft stehen wie vor dem März, eine Freundschaft, welche durch die Präsidentenwahl in Frank­reich eher versiehst als gelockert wird. Auch das scheinbare Aufstellen großer Streitkräfte an der russischen Gränze gehört mit zum Plane; indessen ist die gefürch­tete russische Streitmacht an den polnischen Gränzen wirklich nur scheinbar. Tieserblickende wissen längst, daß Rußland gerade, wenn Polen von Truppen ent­blößt ist, die Gränzen durch fliegende Korps verschließe»! läßt, so daß man glaubt, es sei das ganze Land voll Soldaten, und, wie der vulgäre Ausdruck klingt cs starre von Bajonetten. Rußlands Aufmerksamkeit und folglich seine Streitmacht ist südlich und südöstlich ge­richtet, wo an der Donau, in Kleinasien, in Persien und vielleicht gar im Pendschab sich Kampfplätze erhe­ben könnten, im Königreiche Polen dagegen ist es ver- hältnißmäßig schwach, und die an der Gränze herum: schwärmenden Kosacken sind da, die Schwäche zu ver­bergen, nicht die Stärke zu bewähren.

Berlin, 26. Decbr. Den Soldaten der hiesigen Garnison ist der Befehl zugcgangen, alle ihnen vor­kommenden Karrikaturen auf den General Wrangel sofort zu sensitiven, und die Eigenthümer derselben zur Haft zu bringe». Es wird ihnen für jede konfiszirte Karrikatur eine Belohnung versprochen, während im Unterlassungsfälle ihnen Strafe angcdroht ist. Diese

Verfügnng des gestrengen Oberbefehlshaber der Mark zeigt abermals, welchen Werth unsere Verfassung hat.

— Mit der Unterdrückung hiesiger Zeitungen be­gnügt stch Hr. Wrangel nicht. Ganz wie vor dem März sucht man sich auch jetzt auswärtige Geistcser- zeugniffe durch direktes Verbot vom Leibe zu halten. So hat der Polizeipräsident im.Auftrage Wrangel's das gegen den „Mephistopheles^ (redigirt von 2L. Marr zn Wandsbeck, in Kommission bei Hoffmann u. Campe in Hamburg) ei laffere Verbot publizirt. (N. Nh. Z.)

Berlin, 27. Dez. Der Centralausschnß der De­mokraten Deutschlands, bestehend aus den Herren Dr. Heramer, Dr. d'Ester und Gr. Reichenbach, hat gegen­wärtig in Halle a. d. Saale seinen Sitz genommen. Eine zwanglos erscheinende Zeilschrift „der Urwähler" ist dort als Organ des Ausschusses begründet. Auch Hr. Jung hat sich nach Halle begeben. — Der „blaue Montag", das „Organ des passiven Widerstandes" hat noch vor der gänzlichen Vollendung seiner Geburt ein Todesurtheil empfangen. Die Herausgeber wollen ver­suchen, wie weit sie es mit der Waffengewalt des Hrn. von Wrangel aufzunehmen vermögen; sie wollen ein neues Blatt als „gelber Dienstag" erscheinen lassen.

(Fr. I.)

Wren, 23. Dezbr. Die heutige „Wiener Zeitung" veröffentlicht wieder ein am 22. Dez. vollzogenes Kriegs- urtel. Franz Stockhammer aus Botzen, Feldwebel bei dem Grenadierbataillon Richter, dasj sich am 6. October weigerte, nach Prißburg zu marschiren, dann Mitglied der Wiener Mobilgarde, bei der er zum Lieu­tenant und bald auch zum Hauptmann ernannt wurde, in welcher Eigenschaft er bis zum 30. Oktbr. ununter­brochen am Kampfe gegen die Truppen des Fürsten Windischgrätz Theil nahm, ward, zum Tode durch den Strang verurtheilt, am 22. Dez. erschossen.

Von der March, 20. Dezbr. (C. Bl. a. B.) Eine Deputation ungarischer Magnaten ist in Olmütz angckommen. Sie wollen den neuen Kaiser begrüßen. Als sie in den Bahnhof ein fuhren, lagen gerade die ebenfalls heute angekommenen ungarischen Gefangenen dort, 760 Mann, durchgefroren, ausgehungert, kaum bekleidet, viele ohne Schuhe — ein jammervoller An­blick. Unter den Deputirten bcsiuden sich zwei Namen guten Klanges, wenn auch conservativ — der ehemalige Minister Baron Eötvös und der khemabliche Oberge- span des preßburger ComitatS Palsp. Sie hatten be­reits Audienz bei dem Kaiser. Eötvös und Palfy wer­den noch in Olmütz bleiben. Vielleicht hören wir so­gar in ein paar Tagen: Baron Eötvös ist Minister ohne Portefeuille gewvi den.

Italien.

Nachrichten aus Bologna vom 15. December im „Journal des DebatS" melden, daß der Senator von Bologna, Zucchini, den ihm angetragenen Posten eines Mitgliedes der provisorischen römischen Junta abgelehnt habe. —

— Ein Schreiben aus Rom vom 15. Dez. in der „Allg. Ztg." meldet dassilde vom OenfaUonierc von Arcona, Grafen Camerata. Auch soll nach demselben Schreiben der Fürst Corsini plötzlich Rom verlassen ha­ben. Wir dürften also mit der nächsten Post sehr wich­tigen Nachrichten entgegensetzen, wenn sich das Gerücht von der Abreise des Papstes aus Gaeta nach Cioitia- Vicchia, zu dem Zwecke, sich seinen Unter thancn zu nähern und eine Versöhnung möglich zu machen, nicht bestätigt. —

— Der „Contemporaneo" schreibt aus Gaeta, daß der König von Neapel anfange, Argwohn zu schö­pfen uns der Masse Mcirsche», welche nach Gaeta pil­gern, um Sc. .Heiligkeit zu sehen. Er fürchtet, daß man den Umstand benutzen modte, um eine Revolu­tion in seinen Staaten zum AuSbruch zu bringen. Fer­dinand soll gegen den Herzog von Arcoli geäußert ha­ben, indem er die Hand nach Der Wohnung des Pap­stes ausstreckte: „Der hat mich immer geplagt, solange er in Rom war, u :D nun plagt er mich hier." Be­denkt man, daß die neapolitanische Presse kälter gegen Pius wird, da dieser sich weigert, nach Neapel zu kom­men, folglich die Plane Feidinand's auf seine Person durchschaut hat, so gewinnt die Aussage des „Contem- poraneo" an Wahrscheinlichkeit, und man begreift, daß der Papst Gaeta bald verlassen wird, sei cs, wie die Einen sagen, um sich nach Frankreich, oder, wie die Andern behaupten, sich nach Civita-Vecchia unter fran­zösischen Schüß zu begeben. W

Cjceruacchio ist wieder aufgetaucht; die Regierung hat ihn auöciwählt, um die Arbeiten bei den Staats­bauten zu beaufsichtigen.

Die turiner Kammer hat in ihrer Sitzung vom 19. Dez. eine monatliche Beisteuer für Venedig votht im Betrage von 600,000 Fr. Das Gerücht geht, daß die Kammer nächstens werde aufgelöst werden. Die Le- nctianer sind sehr thätig. Sie haben die Bildung zweier neuen Corps angeordnet, eines, Legion Alpenjäger, und eines, istrisch-da matische Legion.

Der „Tyroler Bote" widerspricht aus Verona jetzt selbst der von ihm früher gebrachten Sage, als hatten neulich die Veuetianer einen neuen Ausfall gemacht und waren zuruckgetrikben worden. — Pater Gavazzi wird in Venedig erwartet.

„Aus Mailand", schreibt die „Allgem. Zg.", „von wo wir Briefe vom 20. Dezbr. haben, wird dem dem Gerüchte widersprochen, als lammte Radetzky ein ein Corpö in Brescia, um in den Kirchenstaat er» zu­rücke»."