Knopf fthlt und versetzt ihm darüber ohne Weitercs eine furchtbare Ohrfeige. Auf's tiefste m seiner Ehre vor dem ganzen Publikum gekränkt, schießt Krziwan ibn sofort nieder. Ungeachtet dieser gewiß mildernden Umstände, die den Obersäger arg graviren, nahm das Militärgericht daraus keine Rücksicht, Windischgrâtz aber noch weniger. Die Armee muß in Furcht erhalten werden, meint er, denn er weiß, daß es in der Armee selbst spuckt. Die heutigen Zeitungen ignoriren Krzi- wa'is Schicksal gänzlich, indem sie nicht einmal das Urtheil oder die Er-kution publiziren — Ein anderer Mann wurde wegen „Aeußerungen" zu 8 Jahren Schanzarbeit in Eisen verurtheilt. Sie sollten einmal schen, wie das Militär beim Ererziren auf dem Glacis mißhandelt wird; mit welcher Insolenz und Mandari- nenweüläusigkeit sich in den bureaukratischen Kasernen die Beainteuhvrden benehmen! — Es gab hier mehrere Gasthäuser, Kaffeehäuser, Waarengewölbe u. s. w., die an Deutschland c-i nernde Schilder führten, z. B. zur deutschen Fahne; allein die Offiziere haben sich überall das Vergnügen gemacht, dieselben in der Nacht mit den Säbeln herabzuschlagen.
— Baron Schlechta, bekannter unter dem Schriftsteller-Namen „Camillo-Hell", ist gleichzeitig mit einem Wachsfabrikanten kriegsrechtlich zum Tode durch den Strang verurtheilt, jedoch sind beide vom Fürsten Win- dnchqrätz mit zwölfjährigem Festungsa^m begnadigt worden. (N. RH. Z.)
Posen, 11. Dec. Die „ Gazetta polèka' brachte über die preußische Verfassung nur die lakonische Annonce: „Ein Käbinetsbefehl hat die Nationalversammlung aufgelöst! Ein KabinetSbefehl hat einr fertige Konstitution für Preußen verkündigt! Diese Konstitution gleicht mehr oder minder dem ehemaligen Regie- runqsentwurfe. „„Gottes Gnade"", der Adel, die zwei Kammern und „„dergleichen mehr"' ist natürlich bei» behalten.
Pol e n
Krakau, 16. Dec. Das Generalkommando macht unter heutigem Datum Folgendes bekannt: Ein heute Nacht aus dem Hauptquartier des Feldmarschalls Schlick angtkommener Courier hat folaende amtliche Depesche überbracht: In der bis zum 11. d. M. sich hinziehen- den Schlacht bei Budamir, nicht weit von Koszyce, neigte sich der Sieg nach einem heftigen sechsstündigen Kampfe mit einem 25,000 Mann starken Feinde auf Seite der kaiserlichen Armee, und wendete der geschlagene Feind den Rücken. Der General zog hierauf als Sieger in Koszyce ein. Außerdem haben die Sieger reiche Beute gemacht. Krakau, 16. December 1848. Legeditsch, k. f. Feldmarschall. -(Brest. Z.)
Italien.
Turin, 15 Decbr., 3% Uhr Nachmittags. Das neue demokratische Ministerium besteht aus folgenden Personen:
1) Gioberti, Conseilpräsident, ohne Portefeuille; 2) Sineo, Justiz; 3) Ratazzi, Inneres; 4) Ricci, Finanzen; 5) Monrezimolo, Staatebautin; 6) Durini oder Paleocapa, Ackerbau und Handel; 7);Birw (Bruder des neuen Pariser Ministers gleichen Namens) Unterricht; 8) La Marmora behält Krieg und Marine.
(N. RH. Z.)
Rom, 11. Dec. Die provisorische Regierungfist proklamiit. Sie besteht aus dem Senator von Rom, dem Senator aus Bologna und dem Gonfaloniere von Ankona. Der Papst ist von seinem weltlichen Throne als abgesetzt erklärt.
Nach Fassung dieser Beschlüsse durch den Ausschuß der Deputrten- Kammern hielt der Minister Sterbini eine Rede an das Volk, in welcher er ihm diese Beschlüsse vorlas und erklärte: daß der Papst zwar als erster Bischof de: Kirche nach Rom zurückkehren dürfe, aber allen seinen Kardinalen und Prälaten sei der Zu- I gang nach Rom verweigert.
Das Vock jauchzte diesen Beschlüssen seinen Beifall zu und zog durch die Straßen mit dem Rufe: Tod dem Papste! Tod den Kardinalen! Es lebe die italienische Republik!
In Genua und Turin haben obige Nachrichten große Theilnahme hervorgerufen. Karl Albert hat das von Gioberti gebildete Ministerium genehmigt.
— Der römische General Zucchi hat sich nach Spezio geflüchtet.
Ein Schreiben aus Genua vom 17. meldet uns, daß man daselbst die Nachricht von der Abdankung Karl, Alberts zu Gunsten seines ältesten Sohnes, des Herzogs von Savoyen, erhalten habe. In Genua selbst stieg die Gährung immer höher. (Fr. I.)
Frankreich.
Paris, 19. Dezember. Das Ministerium Bonaparte ist fix und fertig: Odillon-Barrot, Präsident und Justiz. General Rulhières, Krieg, Hippolyte Passy, Finanzen. Drouya de Lhuys, Auswärtiges. Leon de Maleville, Inneres. De Tracy, Marine. Leon Faucher, Staatsbauten. Birio, Ackerbau und Handel. De Fal- lour, Unterricht. Marschall Bugeaud über die Alpen- annce. Changarnier über die Pariser Gesammtkräfte. Berger oder Boulay für die Sewepräfektur. Rebillot, Gensv'armerie-Oberst zum Polizeiprefekt. Der Postdirektor noch unbekannt. Zum Vizepräsident will Bonaparte Lamartine, Bedeau, Bugeaud vorschlagen.
Der „National' beschwört heute alle Republikaner sich zu ewigen und nicht zu gestatten, daß man die Nationalversammlung auflöse, ehe sie die organischen Gesetze vollendet habe, die sie noch gar nicht angefangen.
Man munkelt von einer Vereinigung des Palais National mit der Rue Taitbout. Marrast will zum bösen Spiele gute Miene machen und das Programm des „Berges" unterzeichnen. Der Apfel dünkt ihm zwar sehr sauer, aber er soll und muß durchgebiffen werden.
Von Louis Blanc liegt eine neue Brochüre „die Februar-Revolution in Lurembourg" im Buchhandel aus. (N. RH. Z.)
Paris, 20. Dezf. Zu der heutigen Sitzung der Nationalversammlung waren vou Seiten der Regie, ung die nöthigen militärischen Vorkehrungen getroffen worden, um Ruhestörungen, welche man befürcht hatte, mit d-r gehörigen Energie entgegen treten zu können. Es wollte nämlich die Polizei einem kaiserlich-socialistischen Complott auf die Spur gekommen sein, dessen Ausbruch auf den heutigen Tag bestimmt gewesen. Aus diesem Grunde nun hielten sich einige Bataillone der Mobilgarde und der Linie im Tuileriengarten schlagfertig, vor der Brücke stellte sich des Dragonelregiment vom Quaid'Orsay auf. Das Sitzungsgebäude selbst war
mit Truppen u. Artillerie angefüllt. Um 3 Uhr wurde die Sitzung von Marrast eröffnet. Nach Verlesung des Protokolls und Erledigung mehrerer Anträge, denen aber die Versammlung wenig Aufmerksamkeit schenkte, da man bereits gehört hatte, daß noch an dem heutigen Tage die Proklamation des Präsidenten erfolgen würde, ein Gerücht, welches dadurch an Gewißheit gewonnen, daß man die gesammte Familie Bonaparte's in einer reser- virten Loge gewahrte, gab der Vorsitzende dem Vo'ks- vertreter Waldeck Rosse au das Wort, um den Bericht über die Präsidentenwahl Vorzügen. (Mittler- lertyeile erfuhr man, daß sich die Zahl der auf dem Concordicuplatze ausgestellten Truppen auf 20,000 Mann belaufe.) Der Berichterstatter Rosscau hob also an: Bürger-Repräsentanten! Sie haben einen großen Theil Ihres patriotischen Mandats durch die Schaffung der Constitution erfüllt. Sie haben beschlossen, daß ein Präsident der Republik, der verpflichtet sein soll, ihre Ausführung zu sichern, von der Nation gewählt werde. Die von Ihnen zusammengerufene Nation hat in die Wahlurne die Bezeugung ihres Zutrauens niedergelegt. Europa wird dieses Schauspiel der Erhebung einer großen Nation behufs der Erwählung ihres ersten Beamten bewundern. 7,326,345 Wähler, die sich zur Wa l beeilt haben, sichern die Zukunft der Republik. (In diesem Augenblick tritt Louis Napoleon Bonaparte, an seinem schwarzen Leibrock das Abgeordne- tenband und einen Stern tragend, in den Saal. Er nimmt bei Odilon Barrot Plaß und knüpft mit dies, m ein vertrauliches Gespräch an.) Es haben gestimmt, fährt der Berichterstatter fort, 7,326 345. Hr. Louis Napoleon Bonaparte hat erhalten 5,434,226 Stimmen, Cavaignac, 1,448,107, Hr. Ledru-Rollin 370,119, Hr. Raspail 36,220, Hr. Lamartine 17,910, He. Changarnier 4000. 12,600 Stimmen sind verloren gegangen. Die Wahl ist mit Ausnahme von Grenoble, überall ruhig vollzogen worden. Ueber einige Protestationen, welche erhoben wu-den, ist ihre Commission zur Tagesordnung über- gegangen. Der Bürger Louis Napoleon Bonaparte ist demnach von Frankreich zu!m Präsidenten erwählt. Die Regierung wird ihm von derjenigen, welche sie bisher mit Aufopfe,ung und Patriotismus, wofür das Land ihnen dankbar sein wird, geleitet haben, übertragen werden. Haben wir Vertrauen, meine Herrn. Gott beschütze Frankreich! Hierauf sprach Cavaignac: Ich habe die Ehre der Versammlung anzuzeigen, daß sämmtliche Herrn Minister mir soeben ihre Entlassung eingegeben Ich meinerseits lege in die Hände der Versammlung die Macht nieder, mit der es ihr gefallen hat, mich zu betrauens Bei Postabgang dauerte die Sitzung noch fort. Die Ruhe wurde keinen Augenblick gestört.)
(Fr. O.-P.-Z.)
S G w s r ^
Basel. Laut hiesigen Blättern hat die Konferenz zwischen Hrn. Dr. Steiger und dem badischen Gesandten Hrn. v. Marschall in der Flüchtlingsangelegenheit zu einem befriedigenden Resultate geführt.
Bern, 19. Dez. Die hiesige Einwohnergemeinde hat gestern mit 419 gegen 313 Stimmen die unbedingte Annahme des Budes sitz es beschlossen.
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
Nassauische Justiz.
Weilburg. Wie manche Herren vom Amte die neue Zeit begriffen, davon hier ein Erempel: Am 28- November erschien mit dem Gcmeindevorstande von Aahausen ein dortiger Bürger, Ph. Schmidt, vor dem Amte, wegen eines Prozesses, den tue Gemeinde gegen einen ihrer Mitbürger führt. Schmidt war von dem Gemeindevorstand gebeten worden, vor Amt mitzuerscheinen. Die andere Parthei wurde durch Advokat St. George vertreten. Schmidt, dem der Rechlsgang nicht wohl bekannt, äußert, daß ihre Gegenpartei nicht in der Lage sei, sich vertreten lassen zu müssen, und protestirt so gegen Advokat St. George als Anwalt. Auf die Gegenfrage, wer ihm denn, da er nicht Gemeindevorstand sei, das Recht gebe, hier zu erscheinen, antwortet er: daß die Sache ihn selbst angehe und er vom Schultheißen dazu aufgefordert sei. St. George sagt dann etwa: Ha, ha! ich soll nicht den N. N. vertreten, aber der Schmidt will seine Gemeinde vertreten dürfen. Und dann weucr: Ich habe auch nur der Aahauser Bauernweisheit ein Vergnügen und ein Plaisirchen machen woll en. Schmidt: „Herr Procurator St. George, Sie habeu soviel Bauernweisheit und Vergnügen und Plaisirchen von Ihrer Seite auszumachen, daß Sie sich nicht um die Aahauser Bauernweisheit zu bekümmern brauchen. — Jetzt auf einmal springt Secretâr Gerheim, den die ganze Geschichte nichts anging, denn der Secrerar Hofmann leitete die Verhandlungen, von seiner Parthei weg, und spreit mit drohender Geberde: „Wenn Sie nicht ruhig sino, so straf' ich Sie, oder nehme Sie zu Protokoll. Darauf Schmidt in etwas aufgeregter Sprache:, (schon erbittert durch eine Antwort, die Secretâr Gerheim einem Bauersmann, der verkehrte Ansichten vorbrachte, gegcb.m hat,e,inde.n er Diesen, statt ihn zu belehren, mit donnernder Stimme anredete: Halr's Maul ): Herr Secretâr Gerheim , wollen Sie sich gefälligst wieder auf ihren Platz bemühen, ich habe nichts mit Ihnen zn protokolüren; ich bin in der Parthei bei dem Herrn Secretâr Hofmann vor; wenn ich zu iaut spreche, muß ich mir gefallen lassen, wenn Herr Sccrerâr Hofmann mich zur Ruhe verweist. - Gerheim geht jetzt, mit fortwährenden Drohungen und Raisonnement auf feinen Platz, worauf Schmidt erwiedert: „Herr Secretâr Gcrhcim, wenn Sie mir meine Ruhe nicht lassen s^c ich zum Herrn Amtmanw Damit war dies zu Ende. — Am 16. erhielt ie(^miDt eine Vorladung vor das Amt, wegen gesetzwidrigen Betragens aus der Amtsstube, von Secretar Gerheim gezeichnet. Er erscheint/ und sofort Dictirt ihm derselbe Secretâr Gerheim, ohne alles Weitere eine Strafe von 3 fL, weil er ibn vor 14 Tagen aus seinen Platz gewiesen. Schmidt protestirt dagegen, daß Secretâr Gerheim als der Kläger, auch Richter in seiner eigenen Sache fein könne, ohne alle roei« tere Procedur und verlangt von ihm, sich mit ihm zum Herrn Amtmann zu begeben und bei diesem zu protocolliren. Gerheim weist dies kurz zurück und sagt zuletzt noch: „ich will doch einmal sehen, ob mich der Ph. Schmidt von Aahausen auf den Platz verweisen kann." — Es versteht sich von selbst, daß Schmidt sofort bei dem Hofgerichte Beschwerde gegen dieses Erkenntniß geführt hat, Beschwerve gegen die Strafe sowohl, als auch gegen den Richter, wegen Ueber» schreètung seiner Amtsgewalt. — Wir werden nächstens noch mehrere solcher lieblichen Pröbchen erneuerter Auflage unserer alten, allgewaltigen Gewaltsjustiz mitiheilen, sie finden sich schon wieder überall, wohin man nur die Augen aufthut; und wir bitten Alle, bie ähnliche Exempel beibringen können, diese doch jedesmal sofort und vollständig und ohne Ausnahme dem tauben Volke durch die Presse zu Gehör zu bringen.
c'-m Bekanntmachung.
Donnerstag, den 28. Dezember d. J., Morgens 10 Uhr anfangend, werden dahier in dem Hofe der Artillerie-Caserne eine beträchtliche Anzahl von Artillerie- nnd Trainpferden gegen gleich baare Zahlung öffentlich versteigert, ohne daß der Ansteigerer gehalten sein soll, das Pferd, wenn es verlangt werden sollte, binnen einer gewissen Zeit wieder zurückstellen zu müssen.
Wiesbaden, 20. Dezember 1848.
Der Verwaltungsrath der Artillerie.
â^^§^ Allen denjenigen, welche im Besitze von Schießwaffen find, oder zu kommen wünschen zur geeigneten Nachricht!
(1569) Der Unterzeichnete erlaubt sich zur öffeiltlichen Kenntniß zu bringen, daß er sich dahier seit Kurzem als Büchsenmacher etablirt hat, und daß von ihm so- wol neue Schießwaffen bezogen, als schadhafte einer geeigneten Reparatur unterworfen werden können.
Wiesbaden, 11. Dezember 1848.
Heinrich Kneip,
wohnhaft in der Friedrichsstraße bei Wagenfabrikant Dorffelder.
£• Jmu^mü^ Wittwe, (tövs) Modiste in Mainz empfiehlt sich den geehrten Damen im Verfertigen von Putz-Gegenständen zu den billigsten Preisen und verspricht den sie mit werthen Aufträgen Beehrenden prompte und rcele Bedienung.
Sainmthüte, schwarze w'e auch in bunten Farben von . . 4 fl. — fr.
Gla^-seidcne Strupphüte von ........ 3 „ 40 „
Schwarze und weiße Putzhauben von . . . • • • • 1 „ " „
Neglige-Hauben und Chemisetten, Bänder, Blumen und Spitzen zu allen Preisen.
Schustergafse ILH. C 110 neben Herrn Dreyfus.
(1623) Ein Einsteher wird gesucht/ Näheres (1568) Ein Eapital »oa 9000 fl. gissen in der Expedition dieses Blattes oder bei Hrn. gerichtliche Sicherheit, wird zu leihen gesucht.
1 2oh. Ant. Menges in Limburg zu erfragen. Wo? sagt die Erpediiion dieses Blattes.
Verlag von H. Fischer und C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.
