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wurde somit als erster Vorsitzender der Natkonalver- sammluug proklamirt. (FI.)

Frankfurt, 16. Dezember. Unter dem hier einge- rückten Frankfurter Stadtmilitär circulirt das Gerücht, dasselbe werde hier nicht lange bleiben, sondern wahr­scheinlich bald zum Abmarsch nach Baiern beordert wer­den. — Man erzählt sich daß gestern Abend eine Spal­tung der preußisch und österreichisch gesinnten Abge­ordneten innerhalb der bis jetzt 130 Kopse starken Ca- sinopartei (rechte Seite) stattgefunden habe. Als aus- geschieden aus derselben nennt man unter Anderen Hrn. Somaruga. Die österreichisch Gesinnten sollen sich selbstständig zur Partei konstituiren und der Opposition nähern wollen. Es ist zu bemerken, daß Hr. Soma- ruga in der jüngsten Zeit häufiger links stimmte. Viel­leicht würde der Wahlspruch der neuen Opposition: „Alles, nur nicht Preußen!" heißen. — Wie wir hö­ren, soll eine Weigerung der österreichischen Regierung, ihre Quote zu dem Budget zu zahlen, hier eingetroffen sein. — Schon wird über den Sitz der künftigen Reichs­gewalt hin und her gesprochen. Es werden sehr ver­schiedene Orte in Vorschlag gebracht, etwa in der poli­tischen Richtung von rechts nach links geordnet: Frank­furt a. M., Erfurt, Nürnberg, Leipzig, Berlin. Gegen Frankfurt sind sehr viele Abgeordnete, auch in außer­politischer Hinsicht, eingenommen. (R. u. M.-Z.)

München, 15. Dezbr. (N. K.) Die Frage be­züglich des künftigen Neichsobcrhauptes wird dermalen hier in vielen Kreisen besprochen. Das preußische Kai- serthum findet begreiflicher Weise hier wenig Anklang; man beurtheilt hier Das, was vor wie nach dem März in Preußen geschah, nicht so nachsichtig, wie dies der­malen in Frankfurt der Fall zu sein scheint. Man ist hier überhaupt nicht für ein Kaiserthum, am allerwe­nigsten für ein erbliches, hält es vielmehr unter den jetzigen Verhältnissen Deutschlands für das Geeignetste, wenn den größeren der deutschen Fürsten abwechselnd von 5 zu 5 Jahren die Reichsoberherrschaft übertragen würde. —

Berlin, 16. Dezbr. (Fr. I.) In den einzelnen Bezirken haben sich bereits Wah'comite's zu den bevor­stehenden Wahlen gebildet. Alle Parteien sind diesmal ungleich thätiger als das letzte Mal, und es steht jeden­falls ein sehr harter Wahlkampf in Aussicht. Auf die von verschiedenen Bezirks - Vereinen an Heern von Wrangel gerichtete Bitte um Erlaubniß zur Abhaltung von Wahlversammlungen ist bis jetzt noch keine Ant­wort erfolgt.

Die gestern in dem Dowiat'schen Prozesse Verur- theilten beabsichtigen, Appel einzulegen. Der frühere Abgeordnete, Assessor Jung, will die Vertheidigung eini­ger Verurtheilten in zweiter Instanz übernehmen.

AuS Schleswig-Holstein, 14. Dezbr. (Fr. I.) Nach zuverlässigen Reisenden, die erst gestern aus der dänischen Hauptstadt gekommen, ist die Stimmung da­selbst eine solche kriegScraltute, daß cs gar nicht un­wahrscheinlich, daß, im Falle ein Friede ermittelt wer­den sollte, der nicht ganz Schleswig an Dänemark bringt, das Volk den König wegjagt und den Krieg mit Deutschland von Neuem beginnt. Das abgetretene dänische Ministerium ist versorgt worden, oder vielmehr hat sich selbst versorgt. Orla Lehmann ist Amtinan von Feile mit 6000 R.-B.-Thlrn., Tscherning Commandant von Kronenburg, und Monrad Bischof von Föhnen. Die haben ihr Schäfchen auf das Trockene gebracht.

Hamburg, 14. Dezember. Heute wurde die con- stituirende Versa mlung eröffnet nnd Dr. Baumeister zum Präsidenten erwählt. Das Nä­here über diese erste Sitzung theilen wir nachträglich mit. (O.-A.-Z.)

Prag, 13. Dez. Ein Ministerialerlaß hebt alle Arbetterclubs und demokratischen Vereine auf. Sie seien, soll es in dem Erlaß lauten, für den Bestand des Thrones und die Sicherheit des Lebens und Eigenthums gefährlich. Nun frägt sich nur, wie man „demokratische Vereine" definirt und ob die Slo- vanska lipa mit ihren Filialen und die deutschen Ver­eine auch unter diese Rubrik subsumirt werden. Die­ses Verbot ist ein Vorläufer des zu erwartenden Ge­setzes über das Recht der freien Association.

Wien, 13. Dezember. (N. K.) In den beiden Hauptministerien des Auswärtigen und des Innern scheint es mit Epurationen ernst gemeint zu sein, und es hat einen angenehmen Eindruck im Publikum hervor­gebracht, daß Hummelauer von seinem Posten in Lon­don enthoben ist, Dr. Fischer von Salzburg den Baron Skrbenski in Linz ersetzen wird, und insbesondere daß Pipitz zum Vicepräsidenten des Generalrechnungsdirek- toriums ernannt wurde.

Dem Vernehmen nach verehlicht sich Ban Jellachich mit einer Gräfin Auersperg, Nichte des unter dem Dichternamen Anastasius Grün hochgefeierten Grafen Alexander Auersperg.

Die Befestigung Wiens hat bereits ein sehr ernst­liches Aussehen gewonnen; von den Kanonen auf den Basteren sind die meisten dem Glacis, einige aber auch der innern Stadt zugewendet. Man spricht wiederholt ß Zur Ergänzung der Fortisicationen die ben soll Metren kleinen Thürmen umgeben wer-

'■ Dez. Daß das offizielle Frankreich mit tritt gemeinschaftliche Sache macht,

t gur Schande dieser Bourgeois-Republik nur grel­

ler hervor, und die „Presse" ist unverschämt genug, heute folgendes zu behaupten: „Radctzkp sammelt be­reits in Brescia ein Corps, mit welchem er einige Le­gationen des Kirchenstaats besetzen, urd im Einverständ- nisse mit den Franzosen zur Herstellung der Rechte des Papstes und im Interesse der durch die Neudemokratie (!) vernichteten öffentlichen Ordnung handeln wird." In dem cavaignac'schen Frankreich muß alle Ehre zum Teufel sein, wenn cs sich so mit Oesterreich verbrüdern kann. Die Italiener und Deutschen werden inskünftige also mit dem Beistände Frankreichs geknechtet werden! Ganze Spalten unserer Henkerpresse sind mit den Details über das rührende Interesse Frankreichs am Schicksal des Papstes angefüllt, und die Intimität Harkourt's mit dem Jesuiten Spauer erregt allgemeines Behagen. Der hiesige sianzösische Gesandte steht in einer ähnlichen Intimität mit Olmütz, mit Windischgrätz und 'andern berüchtigten Werkzeugen der Contrerevo- lution. (N. Rh. Z.)

Schweiz.

Die Bürgergemeinde von Bern hat die Ausschei­dung der Bürgergüter beschlossen und zugleich der Ein- wohnergemeinde 200,000 Fr. für die ersten Einrich­tungen der eidg. Behörden zur Verfügung gestellt. — Das letzte Kloster, das der Kanton Bern besaß, das Stift der Ursulinerinnen in Pruntrut, ist vom Regie­rungsrath aufgehoben worden.

Auch im Kanton Schaffhausen wurde kürzlich die Schweizergränze durch deutsche Soldaten verletzt; es war eine Rauferei, bei der die würembergischen Soldaten 5 Säbel verloren. (Vlksfr.)

FraNkre ich.

Paris, 15. Dez. Folgende Ministerliste kann als officiell gelten: 1) Odillon-Barrot, Conseilpräsibent, Justiz und Cultus; 2) Leon de Maleville, Inneres; 3)Rulhiere, Krieg; 4) Tracp, Marine; 5) Fallor, Un­terricht; 6) Leon Faucher, Staatsbauten; 7) Fould, Ackerbau und Handel; 8) Hippolpte Passp, Finanzen; 9) Berger, Ermaire, Polizeipräfekt von Paris; 10) Dubost, Postdirektor; 11) Paraguay d'Hilliers , Divi- sionsgeneral von Paris. — Girardin hat heute seine „Presse" verkauft. Napoleon hat sie offenbar durch einen Dritten erstehen lassen. Hr. V. Corcelles ist aus Italien zurückgehrt. Er landete am 11. in Toulon und am 12. begab sich der Dämpfer, der ihn gebracht, mit Depeschen nach Gaeta zurück.

Mkh:ere Blätter, die zwar nicht sehr zuverlässig sind, zeigen an, daß Hr. Cm. Girardin von Louis Na­poleon mit einer geheimen Mission an den Kaiser von Rußland nach Petersburg abgereist sei. Diese Mission bestehe in nichts Geringerem als in der Contrahirung einer Anleihe und in der Werbung um die Hand einer Großfürstin für den neuen Präsidenten. (O.P.-A.-Z.)

Paris, 15. Dez. Der Berg, aus 62 Mitgliedern der Nationalversammlung bestehend, hat folgende Pro­testation erlassen:

Bürger!

Wir wollten keine Präsidentschaft, weil wir die Ein­heit der Gewalt wollten.

Die entgegengesetzte Meinung hat die Oberhand gewonnen; das Volk hat sein Urtheil gesprochen; wir beugen unser Haupt vor ihm. Und daß jetzt die Re­publik bedroht werden könnte, daß die Grundlagen der Republik angegriffen werden sollten, nein, wir wollen es nicht glauben. Wenn jedoch die Feinde der Freiheit, die ihr Interesse an der Unordnnng haben, mit verwegenen Plänen umgingen, so wird das Volk allen perfiden Einflüste­rungen Widerstand zu leisten wissen. Was uns anbe­langt, so werden wir nie vergessen, daß uns die Mis­sion ward, die Republik zu gründen, und wir werden sie, mit Gefahr unseres Lebens, vertheidigen. Es lebe die demokratische und sociale Republik.

— Die DamPf-Corvette „Pluton" ist am 9. in Toulon mit wichtigen Depeschen vom Grasen d'Harcourt und Hrn. v. Corcelles angelangt, welche beide in Gaeta beim Papste verweilen. Der „Pluton" soll ein Schrei­ben vom Papste mitgebracht haben, in welchem Pius IX. der französischen Regierung dankt für ihr Anerbieten einer Dazwischenkunft, und ihr die Absicht kund gibt, nicht eher in seine Staaten zurückzukehren, als bis die Bevölkerung ihm den Wunsch äußert, ihn wieder in ihrer Mitte zu sehen.

— Ehe Cavaignac abtritt , will er eine allg emeine Amnestie bewilligen — um die rothen Republikaner für sich zu gewinnen. Cavaignac hatte heute alle Karri- katuren über Napoleon abreißen lassen.

— In Korsika ist Louis-Lucian Bonaparte, Sohn Lucians, zum Deputirten in die Nationalkammer ge­wählt worden.'

— Changarnier soll an Oudinots Stelle den Ober­befehl über die Alpenarmee erhalten, der bekanntlich das Kriegsministerium übernimmt. (N.RH.Z.)

Galizien.

Lemberg, 1. Dezbr. (Bp. Ztg.) (Die Mili- tärherrschaft.) Heißt das in einem konstitutionellen Staate leben, wenn die Militärbehörden Befehl ertheil­ten, die „Landstreicher" nach ihrer Ergreifung in die entferntesten Regimenter zu stecken? — Wer hat einen solchen Befehl gegeben? Die Militärbehörde. Wer soll ihn auöführcn? Ebenfalls die Militärbehörde. Wo- her kommt die Militärbehörde zu dem Rechte, willkür­lich über.das Schicksal von Tausenden zu entscheiden,

die sie unter dem elastischen Namen Landstreicher einzuziehen beliebt? — Der erste beste Korporal oder Gränzwächter kann hiernach den ehrlichsten Bürger, den er für einen Landstreicher hält, ergreifen und ihn bet Militärbehörde überliefern, die in letzter Instanz über sein Schicksal zu entscheiden hat. Man hat uns hier keineswegs die Rücksicht und Mäßigung gezeigt, als daß wir nicht zittern müßten für Tausende von Unschuldi­gen, deren Verbrechen nur das zu sein braucht, daß sie jung und fürs Heer tauglich sind, und zufällig ohne Paß ergriffen werden. Wird man nicht ferner die zahl­reichen Flüchtlinge, die ohne Paß aus russisch Polen herüberkommen, als unter der Kategorie der Landstrei­cher ebenfalls unter die Armee stecken? Von allen Sei- ten erscheinen die Folgen jenes Firmans gefahrbringend und drohend. Wir können hingegen nur mit den Wor­ten protestiren, aber wir wissen, daß wir schwach sind. Wir haben das Recht, aber nicht die Macht, und müssen uns daher trösten mit der — Hoffnung.

Ungarn.

Ungarn ist jetzt ein wahres Fabelland geworden: kaum kommt eine abgerissene Notiz über die Gränze, und muß dann noch mit dem größten Mißtrauen gc- prüft werden. Was in Pesth geschieht, weiß man vol­lends nicht. Dem „Const. Bl. aus Böhmen" zufolge ist Ludwig Kossuth als Ludwig IV. zum König von Ungarnprokamirt worden. — General Bem ist zum Chef der sämmtlichen ungarischen Artillerie ernannt wor­den und hat den Oberbefehl über alle Befestigungen am linken Donau-User übernommen.

— Vom Kriegsschauplätze beginnen die Nachrichten jetzt ernster zu werden. Von Gallizien her ist General Schlick bereits bis Bartfeld, nach anderen Nachrichten schon bis Eperies vorgerückt. Die ungarische Tricolore wurde überall abgerissen. Auch von dem Erzherzog* thume rücken die Truppen jetzt weiter in das Land herein. Die Vorrückung der Vorposten des ersten Ar­meekorps unter Jellachich über die Gränze ist bereits erfolgt, das zweite Armeccorps unter Wrbna rückt nach, die Reserve, 16,000 Mann stark, befehligt der Herzog von Serbelloni.

Die k. k. Truppen haben bereits Neustedl am See und den Marktflecken Parendorf genommen, Ortschaften, die in der Ebene liegen und nicht wohl zu halten sind; auch die Schanzen von Kitsee haben die k. f. Jäger mit Sturm genommen; allein kaum hatten sie sich da­rin festgesetzt, so erschienen die Ungarn mit Macht und metzelten Viele nieder, während der Rest gefangen ge­nommen und entwaffnet wurde. (K. Z.)

Nach sch r i s t.

Im Frankfurter Journal vom 18. Dezember lesen wir:

Wiesbaden, 18. Dez. Sicherem Vernehmen nach wird unser Minister-Präsident Hergenhahn, der eine Stellung im Reichministerium angenommen haben soll, seine nassauische Stelle niederlegen.

Paris, 16. Dezbr. Das Ministerium der neuen Gewalt ist beinahe vollständig; nur das Handelsmini­sterium ist noch zu besetzen, weil Hr. Ach. Fuld dasselbe abgelehnt hat, nachdem er zuvor die Finanzen abgelehnt hatte. Es heißt jetzt, daß man zur Ausfüllung der Lücke einem Admiral daS Marine-Ministerium geben wollte, welches Herr de Tracy schon angenommen hatte, und daß letzterer dafür das Handels-Portefeuille erhal­ten werde. Hr. Etienne Arago legt die Direktion der Posten nieder; wer aber sein Nachfolger wird, ist noch ungewiß. Auch über die Vice -Präsidentschaft der Re­publik ist noch nichts entschieden; der Präsident hat übrigens die Verpflichtung, in dem Monate nach seinem Amtsantritte der National-Versammlung eine Liste von drei Candidaten für diesen Posten vorzulegen.

— Marschall Bugeaud hat sich mit Changarnier versöhnt und eingewilligt, den Oberbefehl der Alpen- armee zu übernehmen, unter der Bedingung jedoch, daß das Hauptquartier nach Bourges verlegt werde; dem General Oudinot ist ein anderes wichtiges Militärkom­mando zugedacht. Changarnier soll neben dem Ober­befehle der Nationalgarde des Seine-Departements, den er fortbekleidet, auch den Oberbefehl der ersten Militär- Division erhalten, so daß er demnach des gesammte Militär-ommando der Hauptstadt in seiner Person ver­einigen wird.

— So viel bis jetzt bekannt geworden, stellt sich folgendes Ergebniß der Wahlen heraus:

für L. Napoleon etwa 4,400,00,

für Cavaignac etwa 1,100,000 Stimmen.

Die heutige Sitzung der Nationalversammlung bot kein Interessen dar. (K. Z.)

Paris, 16. Dec. Es heißt, Louis Napoleon beab­sichtige auch einen Minister für die Angelegenheiten von Algerien zu ernennen ; dieses neue Portefeuille würde dem Herrn F. Barrot, einem der Abgeordneten Alge­riens, übertragen werden. — Louis Napoleon würde, wie es heißt, gleich bei seinem Amtsantritte den General Cavaignac zum Range eines Marschalls von Frankreichs erheben.

Die mit der officicllen Zusammenstellung der Wahl­ergebnisse beauftragte Commission der Nationalversamm­lung erhielt gestern und heute die Wahlp^otokolle von mehr als 40 Departcinenten. Die Mitglieder dieser Commission arbeiten selbst einen Theil der Nacht hin­durch. ES ist jedoch zu bezweifeln, daß sie das Ge- sammtergebniß der Wahlen der Departcinenten vor dem Schluß der nächsten Woche werden veröffentlichen können.