wider sich wäre, wenn nicht seine Feinde in ihm selbst Partei machten.
Dem Volk< kann nur geholfen werden durch Aufklärung, durch die stete Evolution des Geistes, sonst führt jede Revolution zu neuer Knechtschaft zurück. Die Evolution des^Geistes aber wird bewirkt — durch das freie Wort, durch männlich ernste Berathung. Unsere Väter, die alten Deutschen, waren frei durch die Berathung der freien Männer; als man dieses Recht dem Volke entrissen, da sank es in Knechtschaft. Dieses Recht ist wieder errungen,', und mit ihm Alles, wenn wir es benutzen. Die Schule der Kinder kann nur vorbereiten, die Kraft wecken, die Fertigkeiten erringen, um die Schule des öffentlichen Lebens benutzen zu kön- uen. Was nützte es bisher, daß unsere Schulen eine gesunde Milch reichten, mit der Entlassung auS der Schule mußte der Geist verkümmern!
Völker, welche rin öffentliches Leben hatten oder haben, waren oder sind frei; aber auch nur diese.
Das Volk muß die geselligen und staatlichen Ver, Hältnisse klar erfassen und beurtheilen lernen, muß seine Rechte und Pflichten ermessen können; es muß beständig bewußt im Staate leben. Dann wird die Regierung zum Mittelpunkte des Volkslebens, ihre Handlungen werden durch den ganzen lebendigen Organismus bestimmt. Eine w hre Regierung muß diesen Zustand wollen, weil die Sympathie des Volkes sie dann schützt gegen die Umtriebe finsterer Parteien, weil dèr verdienstvolle Staatsmann auf den Dank und die Liebe des Vaterlandes dann nur rechnen darf.
Es wäre schlimm, wenn wir anders von Unserer Regierung denken müßten.
Brüder und Freunde, ihr alle, die ihr den Geist der Zeit erfasset, leget also Hand an das Werk, bildet überall, bis auf das kleinste Dörfchen, Vereine zur Bildung des Volkes und dadurch zur Wahrung seiner Rechte. Genug sind der gebildeten Elemente im Volke, es gilt nur, sie zu vereinigen, durch freie Berathung zu erhöhen und allgemein zu machen. Jeder Verein halte, lese und bespreche die freien Blätter, welche das Recht gegen die Anmaßung, das Licht gegen die Finsterniß vertheidigen. Auch sind bereits Vorschläge in diesen Blättern gegeben, wie aus allen Vereinen der große Verein des Volkes zu erzielen. Jeder schließe sich dem Ganzen an, dann erst wird er in. dem Ganzen wahrhaft leben. Wir hoffen unsern Brüdern aus dem Herzen, also auch zu ihrem Herzen geredet zu haben; also muthig aus Werk! Das ist unser Wunsch.
Die Lehrer: Joseph Rühl, B. Heinrich,
Ch. Jung.
/X Aus dem Rheingau, 14. Dez. (Die Religion ist in Gefahr.) Eine der Forderungen, die wir im Märze an unsern Herzog stellten, war Religionsfreiheit. Sie wurde uns gewährt, und wir, die kathol. Laien des Rheingau's, freuten uns, wie die kathol. Geistlichen, dieser Errungenschaft.
Doch kaum waren seit dem Märze einige Wochen verflossen, da hörte man von der Kanzel herab den Ruf: „Die Religion ist in Gefahr, wir müssen einen Verein für Religionsfreiheit bilden." Wir, die kathol. Laien, die wir noch int Voll- genuffe der Freude über unsere Religionsfreiheit waren, wurden, wie sich denken läßt, gar unangenehm aus unserm Freudentaumel geweckt. Wir horchten mit Leib und Seele. Auf einmal hören wir das Wort: „Wahl". Wie, denken wir bei uns, Religionsfeiheit — Parlamentswahl' — Deputirtenwahl — gehört das in ein Kapitel? Wir hatten eben bei dem Vorspruche nicht im Entferntesten an so etwas gedacht. Doch kurz und gut, der Vorspruch war eben umgeschlagen. Auch unsere Gedanken entfernten sich immer mehr aus dem kirchlichen Gebiete, sie verweltlichten sich. Auf einmal erfaßt uns der Gedanke: „Wie, sollten die Her-- ren Geistlichen den Ruf: „„Die Religion ist in Gefahr, wir müssen einen Verein für Religionsfreiheit bilden"" nicht etwa als Deckmantel gebrauchen, unter welchem sie auf die Wahlen einwirken wollen?" Das war freilich ein ungeistlicher Gedanke, allein das Umschlagen des Vorsprnchs war schuld da- ran. —
Die Wahlen waren vorbei — die Religion außer Gefahr. Wir überließen ^unS schon wieder der Freude über unsere Religionsfreiheit. Doch Alles ist eitel unter der Sonne, kaum hatten wir diese Freiheit zum zweite »male gekostet, als uns der fürchterliche Ruf: „Die Religion ist in Gefahr, wir müssen eine Petition bei dem Parlamente einreichen" wieder zittern machte. Also abermals wollt ihr uns um unsere Religionsfreiheit betrügen, ihr Lenker der Völker! Derartige Gedanken stiegen Dutzendweise in uns auf. Doch horch! man springt ja von der Kirche auf die Schule über; man beweist, daß die Schule die Tochter (doch wohl Stieftochter?) der Kirche sei, und daß die Mutter das Recht habe, die Tochter zu ziehen. — „Wie, sollte nicht etwa der Ruf: „„Die Religion ist in Gefahr rc."" wieder ein Deckmantel sein, unter welchem man die Freiheit der Schule knechten will? Will die Kirche, doch nein, die Geistlichkeit, etwa ihre, an die Dunkelheit gewöhnte Augen vor dem Lichte schonen, das eine freie Schule verbreiten wurde? Oker ist das Herrschen so süß, daß man es nicht überleben könnte, wenn einem die Knute abgenommen würde?" Dieses und Derartiges stteg in unserer Seele auf. Es ist freilich ungeistlich, allem das Umschlagen des Vorspruches war schuld daran.
Auch diese zweite Gefahr für Religionsfreiheit war durch den Parlamentsbeschluß: „Die Schule ist der Aufsicht der Geistlichkeit als solcher enthoben" glücklich vorübergegangen. Wir waren wieder ruhig, sehr ruhig und selbst das Gekrächze des „Nass. Zuschauers" vermochte nicht, uns diese Ruhe zu rauben. Doch ein dritter Ruf von der Kanzel herunter: „Die Religion ist in Gefahr" schreckte uns zum driltcumale auf. „Was ist wieder los?" frage ich ängstlich meinen Nachbar — „O, nicht viel." — „Wie, Du kannst bei einer solchen Gefahr gleichgiltig bleiben?" — „Was soll ich mich echauffiren, der Deputirte Dam. von Schütz ist aus der Kammer getreten und es muß deshalb ein n e u e r D e p u t i r t e gewählt werden." — „Wer soll denn gewählt werden?" — „Horch doch auf die Predigt, da wirst Du's besser erfahren, als ich Dir's sagen könnte!" Ich hatte freilich ganz vergessen, daß ich der Predigt zuhören müsse, allein daran war mein Nachbar schuldi — —
„Die Religion ist in Gefahr!" Geneigter Leser sei ja nicht gleichgültig bei diesem Rufe, wie mein Nachbar. Freilich würde ich Dir's nicht verargen, käme der Ruf von der Kanzel, wenn Du an die Bürgermeister- und Gemeinderathswahl dächtest. Las ich ja doch noch vor einigen Tagen in den „Rheinischen Blättern" die beherzigcnswerthe Stelle: „ ... Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich, das Prognostikon stellend, behaupte: in allen Gemeinden des Rheingau's, wo die Geistlichen feine Schlafinützen sind, also in bei weitem den meisten, fällt die Bürgermeister- wahl nach unserm Sinne aus. Und dazu gebe Gott seinen Segen."
Doch, lieber Leser, diesmal ruft Dir ein schlichter Laie des Rheingau's den fürchterlichen Satz zu Ohr: Ja, jetzt ist die Religion wirklich in Gefahr. Du wirst Dich vielleicht noch eines Artikels der „Freieu Zeitung" aus dem Rheingau vom 7. December erinnern können, in welchem eine skandaleuse Correspondenz der „Rheinischen Blätter" vom 30. November über die am 27. v. M. stattgehabte Deputirtenwahl besprochen wurde, eine Correspondenz, die voll ist von Persönlichkeiten und Verdächtigungen gegen unsern neuen Abgeordneten und gegen alle ach'ungswerthe Personen. Siehe, lieber Leser, dieselbe Correspondenz wurde in der Kirche zu M. von dem dortigen Pfarrer zum Aergerniß der ganzen Gem iude statt einer sonntäglichen Predigt vorgelesen, ja, vorgUesen und zu Ende gelesen, obwohl die Gemeinde durch Scharren mit den Füßen, durch Poltern und Toben, wie durch den ganz vernehmlichen Ruf: „die Orgel gespielt", zu erkennen gegeben batte, wie sehr sie über eine solche Entheiligung ihres Tempels erbittert sei.
„Die Religion ist in Gefahr!" ja jetzt läßt es sich nicht mehr leugnen; denn Gottes Wort wird durch teuflische Zeitungsartikel der „Rheinischen Blätter" aus der Kirche verdrängt.
X Weilburg, 12. Dezbr. (Die Rückschrittsbc- strebungen der Juden.) Wenn ich hier von den Rückschrittsbestrebungen der Juden spreche, so will ich darunter keineswegs die ganze Judenschaft verstanden wissen, denn darunter befinden sich auch viele, sehr viele, die sich der deutschen Freiheit würdig zeigen, und in Erringung und Befestigung derselben die lobenswertheste Anerkennung verdienen, sondern ich verstehe darunter nur allein die Judenschaft unseres kleinen Städtchens, und werde den verehrten Lesern in Nachfolgendem ein Bild davon entwerfen. Die Juden unseres Städtchens sind alle mehr oder minder sehr wohlstehend, und bilden im Verein mit noch mehreren andern christlichen Käuzen die auserlesene Bourgeoisschaar der Stadt Weilburg. Als im März d. J. der ganze Prasset unserer staatlichen Mißstände umgeschmiffen und sie von diesem' Umstürze das ihnen so lange vorenthaltene Recht der Gleichberechtigung vor bürgerlichen und politischen Gesetzen mit Zuversicht von der Umsturzpartei erwarten durften, da stellten sie sich ungeheuer freisinnig, nahmen den regsten und thätigsten Antheil an allen öffentlichen, das Volkswohl bezweckenden Angelegenheiten, und durfte man von ihnen erwarten, daß sie sich als würdige Kämpfer der Freiheit erweisen würden. Allein dem war nicht so. Als in allgemeinen Volksversammlungen die Forderun- gen des Volks formulirt wurden, und manche derselben ihrem Eigennutz und Schachersinn schnurstraks entgegen zu sein schienen, da sonderte sich das Unkraut von dem Warzen; sie konnten ihren Willen nicht dem allgemeinen Volkswillen und Gesammtwohl unterordnen und bewiesen sich thatsächlich wie die Juden Weilands zu Christus Zeiten.
Sie gingen noch weiter. Sie suchten durch ein aus ihrer Mitte vorgeschobenes Organ — im Verein mit einer Municipalrathsperson — die Volksversammlungen zu hindern, damit das sogen. Volk, der Pöbel, nicht weiter aufgeklärt würde.
Sie ergriffen nun Partei und verwendeten ihre ganze Sorgfalt auf die Gründung eines Privatzwccke verfolgenden Vereins. Unter ihren und eines früher stets freisinnige Lieder singenden Rechtsgelehrten Auspicien wurde der konstitutionelle (?) Verein für Freiheit, Gesetz und Ordnung gegründet, dessen eingefleischteste Anhänger, mit dem Namen Stockhaiopopaianer , sie nunmehr sind.
Als neuesten Ausfluß ihres constitutionellen (?) Geistes muß ich eines SchimpfpamphletS gegen den hie. sigen Volksverein erwähnen, das ich der Wässerigkeit und der Länge wegen Ihnen nicht mittheilen und Sie damit uicht ermüden will, welches eine bisherige poli
tische Unbedeutendheit, der Judenrabbnier T r e u e n f e 13' verfaßt haben soll. Dasselbe wurde in 800 Exemplaren gedruckt und in alle Welt versandt, um damit Anhänger der constitutionellen Monarchie nach dem Sinne jener Herrn zu gewinnen. Allein unsere Landleute sind klüger, als jene Herrn im Schafspelze, sie kennen ihre Gegner an ihren seitherigen Thaten und Handlungen, und wissen, daß sie stets gegen den Bürger- und Bauernstand ankämpfcn, und nur die Vermehrung ihres Vereins zum Zwecke der Durchsetzung ihrer Privatzwecke und eigennützigen Pläne wünschen.
Doch der Bauer braucht Maculaturpapier, wenn er seine Butter zum Verkauf in die Stadt trägt, und da sind ihm diese constitutionellen Ablaßzettel ganz willkommen.
Und Euch, ihr Juden in Weilburg, rufe ich zum Schluß noch zu: Bessert Euch zum Frommen Eurer selbst und Eurer Mitbürger, zeigt Euch der Freiheit würdig und beweiset, daß ihr auch werth seid, von den Menschen (den demokratischen Wühlern) zu Menschen gemacht zu werden.
Weimar, 12. Dez. Nach Berichten aus Altenburghat der neue Herzog seinen Antritt damit begonnen, daß er den bekannten Eduard Pelz (Treumund Welp), Herausgeber der „Allgemeinen Volkszeitung", ausgewiesen hat. Auf den Einwand desselben, daß er ein Deutscher sei und daß das Reichsgesetz ihn gegen Ausweisung schütze, ist ihm entgegnet worden, daß die Regierung jetzt noch die Befugniß habe und ebenso wie Preußen davon Gebrauch machen werde. Pelz hat sich hierauf nach Leipzig gewandt, von wo aus er die Volks- Festung fortredigen wird.
Hier hat sich in diesen Tagen ein vierter politischer Verein, welcher sich Märzverein nennt und demokratische Tendenzen huldigt, gebildet. Er wird sich dem Märzverein in Frankfurt anschließen; ebenso der demokratische Verein. (§r. I.)
Wien, 9. Dez. Die heutige Wiener Zeitung macht wieder zwei kriegsgerichtliche Urtheile bekannt. Das erste betrifft Joh. Urban aus Wien, 37 Jahre alt, vorm. Geschäftsführer einer Bandfabrik. Derselbe ist wegen des Verbrechens der Theilnahme am Aufruhr und an dem bewaffneten Widerstande gegen die kaiserlichen Truppen zum Tode mit dem Strange verurtheilt, hat jedoch in Berücksichtigung seines aufrichtigen Geständnisses und seiner innigen Reue 12jährige Schanzarbeit dafür zu verbüßen. Das zweite Urtheil trifft Alexander Skarbeck v. Leszczynski aus Wien, 46 Jahre, Privatier, ehemals Lieutenant in kaiserlichen Diensten, welch r sich des Verbrechens des Hochverraths und der Theilnahme an dem bewaffneten Aufruhr schuldig gemacht hat. Er ist einstimmig z im Tode mit dem Strang verurtheilt, aber von dem Fürsten Windischgrätz diese Strafe in besonderer Berücksichtigung seiner aufrichtigen Reue in 12jährigen Festuigsarrest verwandelt worden.
' Wien, 10. December. (Bresl. Ztg.) Ministerpräsident Fürst Schwarzenberg hat bei Vorstellung der ihm unterstehenden Singest.Uten seine Absichten auf durchgreifende Reformen in einer Weise ausgesprochen, welche Manchen an dem Bcibchalt seiner Stelle zweifeln läßt. — Es ist so gut, als entschieden, daß der Finanzmi- nister, um den dringendsten Verlegenheiten abzuhelfen, vorerst wieder seine Zuflucht zur Nationalbank nehmen und die schwebende Schuld vorerst um 20 Millionen vermehren wird. Gehen jedoch die ungarischen Angelegenheiten in Ordnung, so zweifelt Niemand an dem Zustandekommen eines neuen Anlehens, da die Böisen- konjunkturen sich im Allgemeinen günstiger zu gestalten scheinen. — Dieser Tage wurde in einem neuen Stück im Carlstheater das Lied: „Was ist des Deutschen Vaterland" vom Komiker Scholz auf eine höchst platte und gemeine Weise perfi flirt. Dieß brachte großen Lärm im Theater, Klatschen und Zischen hervor. Nun wurde statt des deutschen ein böhmisches Lied cinge- schaltt, worauf man applaudirte. — Jm Handels- departement sind tüchtige Männer ungestillt worden: Rueskäfer als Unterstaatsseketär, Löwenthal, Becher, Schmidt, Hock als Ministe, ialräthe. UebrigenS erwartet man die Zuziehung des Handelsstandes bei allen wich- tigen Fragen, sowie auch bei der bevorstehenden Postreform, wozu natürlich auch die Eisenbahndirekuonen zu Rathe gezogen werden. — Der ganze Rayon von Korneuburg ist, mit Ausnahme der höchst schwa-zgelben Stadt selbst, entwaffnet worden. Aehnliche Entwaffnungen find in andern Gegenden des flachen Landes eingetreten. BanuS Jellachich ist heute Nacht zur Armee abgereist. — Für den Fürsten Windischgrätz wird das Schloß zu Schloßhof in Bereitschaft gesetzt.
Posen, 7. Dezember. (Ostsee-Z.) sFabelhafte Gerüchte über Abtretung preußischen Gebietes an Rußland.) Ungeachtet wir in unserem letzten Schreiben noch unsere entschiedenen Zweifel an dem Plane des preußischen Cabinets aussprachen, den durch die Demarkation nicht zu Deutschland geschlagenen Theil des Großherzogthums Posen an Rußland abzutreten, so sind wir heute doch schon in unserer Zuversicht sehr wankend geworden, so sehr wir uns auch gegen den Glauben an die Existenz eines solchen Planes noch sträuben möchten, nachdem uns das deshalb umlaufende Gerücht durch einen höheren Beamten mit zuversichtlicher Bestimmtheit bestätigt worden ist. Nach der Versicherung desselben habe man hier die bestimmte Nachricht, daß der Kaiser von Rußland, um die Polen zu befriedigen und an daö Kaiserreich zu fesseln, entschlossen
