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den sich in großer Anzahl ein und legen eine Beeife­rung an den Tag, die man bei den lebten Abgeordne- tenwahlen nicht bemerkt hatte. Man berechnet, daß die Zahl der Votanten sich seit den Septemberwah'en wohl um mehr als 100,000 Wähler vermehrt haben dürfte. Die Präsiventschaftsfrage hat alle Gemüther in solchem Grade aufgeregt, daß man nur sehr wenig Gleichgültige antrifft. Die meisten der Bürger, die auf Reisen oder ouf dem Lande waren, sind jetzt nach Pa­ris zurückgekehrt, und viele von ihnen nur zu dem Zwecke, um an dem Wahlkampfe Theil zu nehmen. — An den Thüren einer jeden Wahlscssion werden von besonderen Agenten Stimmzettel mit dem Namen Ge­neral Eugen Cavaignae oder Louis Napoleon Bona­parte vertheilt. Die meisten Wähler aber kommen mit Stimmzetteln, die sie selbst ausgefertigt, so daß jene Vertherlungen fast überflüssig sind. (Fr. I.)

Paris, 10. Decbr. Der Moniteur veröffentlicht heute folgende telegraphische Depesche:

Marseille, 9. Dec., 10 Uhr früh.

So eben läuft folgende Depesche ein:

Gaeta, 7 December.

An den Minister des Auswärtigen in Paris! , Herr Corcelles ist dem Pabste durch Hrn. v. Har­court vorgksteüt worden. Seine Heiligkeit schien lebhaft gerührt von dem edelmüthigen Entschlusse der französi­schen Regierung. Sie sehnt sich danach, Frankreich zu besuchen, und zeigt die förmliche Absicht au, sich dahin zu begeben, sobald es die Umstände erlauben werden. Die vor der Insel Pomegue (im Angesicht von Mar­seille) lagernden Truppen sind zur Mission unnütz.

Für die Richtigkeit dieser Depesche: (gez.) Alerandre, Telegraphendirector.

— Das nunmehr auszuschiffende Geschwader vor Marseille wurde in Rücksicht auf seine Abreise etwas früher zum Votum berufen. Der „ Semaphore " vom

7. December bringt uns folgendes Resultat: . x Für Louis Napoleon stimmten 1064.

Für Cavaignac „ 914.

Den Rest theilen sich Lamartine und Ledru-Rollin.

Italien.

Das Hofblatt „Ji Tempo" behauptet noch immer, der Papst würde nach Neapel' kommen, wo man aller­dings eine Wohnung für ihn eingerichtet hat. Mehrere Gesandte sind bereits dort angelangt, u> d man erwartet die übrigen. Nach einem Schreiben aus Rom vom 30. Nov. in der Florentiner „Alba" soll am 2. Dezember zu Gaeta ein geheimes Consistou'um abgehalten werden.

Man spricht viel von einem Angriffe, welchen Ra­detzky auf die Legationen beabsichtige. — Boloana be. harrt in seinem Proteste gegen die römischen Vorfälle. — Das wichtigste Ereign iß ist der Rücktritt des Turi­ner Kabinets zufolge der feindlichen Haltung der sardi­nischen Volksvertretung. Der Nachfolger Pinelli's ist noch nicht bekannt; nach der „Opinione" soll das Volk die Augen auf Gioberti geworfen haben, zu dessen Gun. sten auch eine VolkSdemonstation stattgcfunden hat. Ein

Cabinct Gioberti würde gleich ein Bündniß mit dem toscanischen Ministerium, die Einberufung einer italie- nifchen Constituante, so wie endlich das Aufgeben der englisch-französischen Vermittelung und den Krieg mit Oesterreich zur Folge haben. Es unterliegt keinem Zweif.l, daß die Nachricht von dem Siege der KriegS- Partei in Piemont einen mächtigen Wiederhall in ganz Italien haben und den Lauf der Ereignisse beschleuni­gen wird. Herrscht auch die konservative Partei in der toScanischen Kammer, so bleibt nichtsdestoweniger das Volk von Florenz und Livorno der radikalen Partei er­geben und stellt also die Kette der Bewegung ununter­brochen her von Turin und Genua, so wie von Vene­dig nach dem gemeinsamen Mittelpunkte der jetzigen ra­dikalen Bestrebungen — Rom. (Köln. Z.)

Nachschrift.

Wiesbaden, 14. Dez. Die Nassauischen Truppen find heute aus Baden wieder zurückgekehrt'

Straßburg, 12. Dez. Bei der heute erfolgten Abzählung der Stimmen für die Wahl eines Präsiden­ten fielen 3304 arf Cavaignac und 7438 auf Ludwig Napoleon. Die Mehrzahl des Militärs scheint für letzteren gestimmt zu haben, so wie sich denn im Allge­meinen zeigt, daß in den Garnisonsstädten die Wahl zu Gunsten Louis Napoleons ausfällt. In Weißen­burg und Lauterburg blieb Cavaignac in der Mino­rität. (F. I.)

Straßburg, 13. Dez. Nach den bis jetzt bekann- gewordenen Wahlergebnissen hat sich in den beiden rhei­nischen Departementen eine entschiedene Mehrheit für Ludwig Napoleon Bonaparte ergeben. Nach der all­gemeinen Uebersicht der Kantonswahlen im niederrhei- nil'chen Departement erhielt der ebengenannte Candidat zusammen 38,418 Stimmen. In den noch nicht mit- bcrechnkten Kantonen wird sich voraussichtlich eine noch größere Mehrheit für den erstem ergeben. Im West- kanton Straßburg erbilelt Cavaignac 2282 und Lud­wig Bonaparte 1536 Stimmen, im Ostkanion derselben Stadt dagegen Ludwig Bonaparte 2260 und Cavaig­nac 2049 Stimmen. In den beiden andern Kantonen Straßburgs behielt Cavaignac die Oberhand, nämlich im Nordkanton mit 1806 gegen 1555, welche sich auf Ludwig Bonapate vereinigten, und im Südkanton mit 2136 gegen 2059, welche dem letztem zufielen.

Die Kantone, welche noch für Cavaignac stimmten, waren: Barr 2260 gegen 1085, Schiltigbeim 2634 I 982, Buchs.weiler 1674 gegen 1590, Erstem 1369 gegen 1216; in allen übrigen Kantonen (so weit die Angaben bis jetzt offiziell bekannt sind), erklärte sich die Mehrheit der Stimmen für Ludwig Bonaparte. Ledru-Rollin hatte im Ganzen nur 3452 Stimmen. Die Majorität soll im oberrheinischen Departement für Ludwig Bonaparte noch größer als im niederrhei- nischen sein. Ein ähnliches Ergebniß bot sich auch im Meurthedepartement. In dessen Hauptstadt Besaneon erhielt Ludwig Bonaparte 2648, Cavaignac 995, Ledru-

Rollin 201, Raspail 11 und Larmartine 6 Stimmen Die Zählung von 12 Kantonalsektionen desselben De­partements ergab 5604 Stimmen für Ludwig Bona­qarte, 1050 für Cavaignac, 82 für Ledru Rollin und 32 für Raspail. — Nach Allem, was wir aus Pans erfahren, herrschte dort sowohl am 10. als am 11. p M. die vollkommenste Ruhe; des schönen Wetters wegen wimmelte es auf allen Promonaden von Spaziergän­gern. (Fr-O.-P.-Z.)

Mühlhausen, 12. Dezbr. (Fr. J.) Bonaparte hat 4500, Bavaignac 2400, Ledru-Rollin 450 Stimmen in unserer Stadt erhalten. Nehmen. Sie diesen Maß, stab mit einzelnen örtlichen Modificationen für das ganze Elsaß an. Die bonapartistische Propaganda hat gut geschafft; außerdem aber ist es die allgemeine Un­zufriedenheit sowohl mit der Noth der Zeiten, als mit der Politik des Nathsprästdenten, was Hunderttausende in das feindliche Lager treibt. „Wir würden gern für Ledru stimmen; aber zuerst mnß Cavaignac gestürzt werden, und das kann nur durch Napoleon geschehen." Viele erklären, daß sie für Napoleon stmmten, weil dieser, selbst arm, die armen Leute gegen die Reichen beschützen würde. Jedenfalls müsse man es einmal mit diesem probiren.

Paris, 11. Decbr. Der „National" bekennt sich heute zu der Ansicht, daß die Wahl der Majorität der Nation, wie sie auch ausfallen werde, geachtet und aufrecht erhalten werden müsse. Der „National" muß seine guten Gründe zu dieser Selbstverläugnung haben. Vor dem Beginne der Präsidentenwahl hatte er es nicht an Warnungen fehlen lassen, das Land nicht durch die Wahl Louis Napoleon's neuen, noch heftigeren Stür­men auszusetzen. Er mag jetzt wohl einsehen, daß diese Einschüchterungsversuche nichts gefruchtet haben, und bereitet sich vor, möglichst gute Miene zum bösen Spiel zu machen. (F. I.)

Genua, 6. Decbr. Ein Extrablatt der florentiner „Alba" trifft hier soeben mit folgender Nachricht ein, deren Bestätigung wir jedoch gewärtigen:

„Rom, 2. Decbr. Der Papst hat eine heftige Protestation erlassen gegen alle Ereignisse, die sich seit dem 16. Novbr. zugetragen. Alle Zugeständnisse, (heißt es darin) die er gemacht, seien ihm durch brutale Ge­walt entrissen worden und deshalb null. Ferner, sagt man, habe er das ganze diplomatische Corps nach Gaöta gerufen und im Verein der Kardinäle einen Regent- schaftSrath ernannt, der in seiner Abwesenheit den Kir­chenstaat regieren soll."

„Beim Eintreffen dieser Nachrichten habe sich das römische Volk von Neuem erhoben und die Absetzung des Papstes IX. ausgesprochen. Details feh­len noch." (Corriere Mercantile v. 6. Decbr.)

Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.

Bekanntmachungen.

(1586) Sonntag den 17. Dezember, Mittags 1 Uhr Dokks^Dersammlung

in Katzenelnbogen

zur

Gedächtnißfeier

von

Robert Blum.

Die demokratischen Vereine von Katzenelnbogen und Nastätten.

(1581) Bei Fr. Vieweg und Sohn in Braunschweig ist soeben erschie­nen, und in den Buchhandlungen von Heinrich Fischer und H. W. Ritter in Wiesbaden vorräthig zu haben:

Otto, Dr. Fr. I., Lehrbuch der rationellen Prans der land- wirthschaftlichen Gewerbe. Die Bierbrauerei und Branntwein­brennerei, die Hefe-, Liqueur-, Essig-, Stärke-, Stärkezucker- und Runkelrübenzuckerfabrikation, die Kalk-, Gyps- und Ziegelbrennerei, Pottaschsiederei, Oelrasfinerie, Butter- und Käsebereitung, das Brot­backen und Seifensieden umfassend. Dritte umgearbeitete und sehr vermehrte Auflage, bearbeitet unter Mitwirkung von Carl Siemens. 1 — 4te Lieferung. Preis 3 fl. 36 kr.

Das ganze Werk wird 8—10 Lieferungen umfassen. Zede Lie- ferung kostet 54 kr. _____________________

(1520) In der H. W. Ritter'schen Buchhandlung ist zu haben:

Die

Erschießung Robert Blums.

Großes Tableau in Royalsormat, schwarz 1 fl 12 kr., colorirt 1 fl. 45 kr.

Dasselbe zeichnet sich durch seine Schönheit vor allen andern Ausgaben aus und sieht man geehrten Bestellungen entgegen.

(1582) Soeben ist erschienen und in den Buchhandlungen von Heinrich Fischer und H. W. Ritter in Wiesbaden vorräthig zu haben:

Komischer Bolkskaleuder für 18S9.

Herausgegeben von Adolph Brenn glas.

Mit vielen Illustrationen von Th. Hosemann.

Preis 36 kr.

(1591) Mit Bezug auf unsere Bekanntma­chung vom 11. September bringen wir nunmehr das Urtheil des Herzoglichen Hof- und Appella- tionsgerichts zu Dillenburg, vom 27. vorigen Monats, zur öffentlichen Kenntniß, welches auf unsere Klage gegen die Verfasser der Schmäh­schrift: „Aufruf an die Bürger Nassau'S" er­gangen ist.

ES find danach vcrurtheilt worden:

1) der Stadtvorsteher und Blaufärber Hein­rich Frank Richter zu Dillenburg zu 25 fl. Strafe,

2) der Seifenfieder Jacob Ebertz daselbst zu 15 fl. Strafe und

3) der Uhrmacher August Krüger daselbst zu 15 fl. Strafe.

Wiesbaden, den 13. December 1818.

Der Stadtvorstand.

(1592) Wir bitten das Publikum sein Urtheil über den AuSgang der Klagsache des Stadt­vorstandes zu Wiesbaden noch zurückzubalten, da wir die weitere Vertheidigung gegen das Urtheil des Hofgerichts ergreifen werden. So­bald das Erkenntniß hierauf ergangen ist, wer­den wir unserer Seit« das Sachverhältniß der Oeffentlichkeit übergeben.

Dillenburg, den 1. December 1848.

H. F. Richter. Zac. Ebertz.

Aug. Krüger.

(1593) Das Lesecabinet des Neuen Turn­vereins befindet stch vnn heute an in dem No n n en h o fe.

Wiesbaden, den 14. Dezember 1848.

Die Commission.

Häfnerei zu verkaufen.

(1590) Der Unterzeichnete will seine Häfnerei aus der Hand verkaufen. Es ist dieses die ein­zige im hiesigen Amte und der Umgegend. Das Häfnereiwerkzeug ist vollständig vorhanden. An der Häfnerei liegt ein Garten von circa 24 Ruthen, dann gehört zu derselben ein Thonacker, der auf viele Jahre Thon von guter Qualität liefert. Liebhaber wollen sich bis zu Neujahr 1849 bei mir in frankirten Briefen melden, wo ich dann das Weitere mittheilen werde,

Nassau, den 11. Dezember 1848.

Wilhelm Meusch.

f 1589) Dem unbekannten Einsender der treff­lichen Reichstagszeitungen vom 8. Dezember Nro. 172 hiermit meinen verbindlichsten Dank, mit der Bitte recht bald ähnliche Zusendungen nachfolgen zu lassen; gute Vertheilung wird garantirt.

Dillenburg, 11. Dezember 1848.

Danksagung.

(1594) Für die vielseitige Theilnahme “^ Unterstützung, die meine Freunde und Gönn meiner Familie während meiner Verbaftung thätlich bewiesen, meinen innigsten Dank.

W. H-

(1556) 3300 fl. werden gegen doppelte ge­richtliche Sicherheit auf Güter und ohne Mar zu leihen gesucht. Wo? sagt die Erpedition dieses Blattes.

Verlag von H. Fischer und C. Ritter. - Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.