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0 Idstein, 8. Lezbr. Der katholische Zuschauer in Hadamar hat endlich auch erschaut, daß durch An- stellung'ikiner^überwlegcndkn Anzahl evangelischer Lehrer an den höheren Lehranstalten die katholische Bevölkerung in ihrer Religion beeinträchtigt sei.

Nach einer Zusammenstellung, die der fromme Zu­schauer geliefert, sind an dem hiesigen Seminar 6 evan­gelische und 3 katholische Lehrer angestellt. Das Zah- lenvcrhaltniß istZ var faktisch richtig, aber in der Wense, wie es der fromme Zuschauer referirt, ist es eine offen­bare llnwahrheit, eine unwürdige Täuschung des mit den Verhältnissen nicht vertrauten Leftpublikums. That­sache ist dagegen, daß 3 katholische und 3 evangelische ordentliche Lehrer, einschließlich des Directors, am Semi­nar angestellt sind. Daß der Schreib-, der Zeichen- und Musiklehrer evangelisch sind, ist etwas rein Zufäl­liges und der fromme Zuschauer wird selbst von seinem katholischen Standpunkte auö nicht behaupten wollen, daß etwa die Feder oder der Zeichenstift nach confessio- neükn Regeln geführt, oder daß .katholisch oder proie- stantisch musicirt werde?!

Zur Charakteristik des würdigen Zuschauers und damit auch der katholischen Bevölkerung die Absicht die­ses „hannlosen" Blattes klar werde, muß noch bemerkt werden, daß ein katholischer Lehrer Geschichte vorträgt; daß also der wichtigste Unterrichtsgegenstaud, wo von einem eigentlichen religiösen Einflüsse nur allein die Rede sein könnte, in den Händen eines Katholiken sich befindet. Wo sitzt also die religiöse Beeinträchti­gung? Wahrscheinlich nirgends anders, als im Kopfe des frommen Zuschauers.

Der fromme Zuschauer könnte aber etwas viel Besse­res thun, wenn er statt dieser fanatischen Hetzereien sich mit der wirklichen sittlichen Bildung des Volkes befaßte, und daß er gerade von seinem katholischen Standpunkte aus, ganz besondere Veranlassung dazu hat, mögen ihm folgende statistische Notizen beweisen: Das Herzogthum Nassau zählte nach der letzten amtlichen Aufnahme am Schlüsse des Jahres 1845 eine Gesammtbevölkerung von 417,708 Personen, darunter 220,319 Protestanten und 190,467 Katholiken, so daß also die protestantische die katholische Bevölkerung um beiläufig 30,000 Perso­nen überstieg. Am Schlüsse desselben Jahres betrug da­gegen die Zahl der katholischen Correktionäre 253 und die der evangelischen 174; die Zahl der katholischen Züchtlinge 98 nah die der evangelischen 88, so daß von 613 Verbrechern 351 katholisch und 262 protestantisch waren. Indem wir dem frommen Zuschauer es über­lassen, der U quelle dieses hier durch Zahlen bewiesenen auffallenden BerhäluisseS nachzuspüreu, wird er unsern Rath einstweilen eben so begründet, als sachgemäß finden.

Wir wollen durch diesen Nachweis Niemanden zu nahe treten, aber wir wollen dem frommen Zuschauer beweisen, daß nicht der blinde Glanbe, sondern die gu­ten Werke, daß nicht der religiöse Standpunkt, sondern der sittliche Gehalt den wahren Werth des Menschen bestimmen.

Altenburg, 6. Dez. Eduard Pelz, der in letz­terer Zeit hier die tüchtige deutsche Volkszeitung heraus- gegeben, ist — ausgewiesen worden. Altenburg ist in' der sogenannten deutschen Nationalversammlung seit längerer Zeit nicht mehr vertrete». Nächstens wird die Neuwahl statt finden. Ein von den Demokraten ausgehendes Manifest an daS Land bezeichnet den Ad­vokaten Erbe, gegen welchen letzthin wegen einer Menge idealer Verbrechen einer von den tausend deutschen Steckbriefen erlassen worden, als den würdigsten Can­didaten. (B. Z.-H.)

Düsseldorf, 9. Dez. So eben wurde der Chef unserer aufgelösten Bürgerwehr,' Hr. Lorenz Canta- dor, verhafttet. (K. Z.)

Berlin, 8. Dez. Die gestern in Brandenburg Statt gefundene Privatkonferenz der Oppositions-Mit­glieder der National-Versammlung, unter dem Präsi­dium des Herrn v. Unruh, war wider Erwarten nicht stark besucht. Die entschiedensten Männer erklär­ten sich dagegen, noch einen letzten Protest gegen die Auflösung tinznlegen. Die National-Versammlung habe einen solchen schon in ihren Beschlüssen vom 9. Nov. ausgesprochen. Die Gesinnungen der Majorität seien dem Lande aus zahlreichen Documenten hinreichend be­kannt, cs bedürfe einer besonderen Darlegung über die­sen letzten Akt des Ministeriums nicht. — Die Wah­len zu den beiden künftigen gesetzgebenden Kammern bildeten hierauf das Hauptthema der Besprechungen. Die Errichtung von Wahlcomite's wurde angeregt. Das Central-Wahlcomite wird seinen Sitz in Berlin haben. Die in Berlin wohnenden Abgeordneten, einige Andere aus den Provinzen, deren Verhältnisse eine permanente Anwesenheit hier gestatten, und die Vor­stände der hiesigen demokratischen Clubs und Bezirks­vereine werden dasselbe bilden. Für die zweite Kam­mer, wozu die ganze arblitende Bevölkerung mitwählt, ist der demokratischen Partei die Majorität sicher. Aber auch für die erste Kammer hofft man die Majorität zu erlangen, indem sich die demokratische Partei mit der liberalen verbinden wird. Jin Großherzogthum Posen wird man z. B. folgenden Plan befolgen: In den rein polnischen Kreisen fällt die Wahl einstimmig auf die polnischen Demokraten. In den Kreisen, welche eine gemischte Bevölkerung haben, wird sich die polni­sche Bevölkerung mit den deutschen Demokraten ver­binden und einen von dieser letzter» Partei als Kau- dtdaten aufstellen. In Kreisen, welche eine große jü­

dische Bevölkerung haben, wird man diese letztere da­durch an sich ziehen, daß man Kandidaten jüdischer Religion, wie Jakoby, aufstellt. Die Wahl-Cvmite's werden besonders ihr Augenmerk darauf richten, daß bekannte Männer, wie Waldeck, Temme, Jacoby, Schulze, Lipski u. A. in die erste Kammer gewählt werden. (K. Z.)

Breslau, 7. Dez. Heute ist Dr. Borchardt wegen Hochverraths zu 12 Jahren Fcstungsstrafe mit Verlust der Nationalkokarde, und Dr. Asch wegen Anregung zum Aufruhr zu 1 Jahr Festungsstrafe ver- urtheilt worden. L®. Z)

Flensburg, 2. Dez. Es circulirt zum Unter­schreiben folgende Rechtövcrwahrruiig als Pendant zum mehrerwähnten dänisch-schleöwig'schen Protest: An die hohe Nationalversammlung zu Frankfurt a. M.! Die unterzeichneten Bürger und Einwohner der Stadt Flens­burg verwahren sich gegen jeden Eingriff in die dem Herzogthum Schleswig >ach verbrieften Ui künden zu­stehende staatsrechtliche Union mit dem Herzogthum Holstein und jede andere Verbindung mit dem König­reich Dänemark, als solche nach unserem Staatsgrund­gesetze durch eine reine Personalunion gegeben ist." Cs werden nur Selbstständige zum Beitritte aufgefordert, und diese haben ihren Stand dem Namen hinzuzufügen. Auch in andern Städten und Distrikten Schleswigs werden ähnliche Schritte vorbereitet. Die Umtriebe der Dänen und Dänengen offen haben demnach das Gute, daß damit den Schleswig-Holsteinern der Im­puls zum Handeln gegeben wird. — Vom hiesigen „Casino" ist beschlossen worden, den am 9. April hier gefallenen Landsleuten und überhaupt den auf dem Flensburger Friedhofe ruhenden deutschen Kriegern ein würdiges Monument zu errichten. Der Kostenanschlag beträgt 1000 M., und es wird beabsichtigt, diese Summe durch freiwillige Beiträge allein vom Flens­burger Land- und Stadtgebiet zuwege zu bringen.

Heftige Stürme haben in längerer Zeit unsere Ge­gend heimgesucht, und von der See laufen leider schon Tranerkunden ein; eines sturm- und regenreichem Herbstes weiß man sich seit lange nicht zu erinnern.

Flensburg, 6. Dez. Vor wenigen Stunden zog die hiesige badische Besatzung, wie es heißt, um einen Aufstand in Rendsburg zu dämpfen, ab. (S.-H. Z.)

Von der Eider, 6. Dez. Die Adresse eines un­serer Soldaten an die preußischen Truppen, sowie der darauf erfolgte Armeebefehl deS Generals von Bonin sind bekannt. Die Folge war, daß sich fast alle Bür- gervercine der holsteinischen Städte gegen das Verfah­ren des Generals erklärten, indem nach unserem Staats- Geundgesetz Jeder das Recht hätte, seine Meinung durch Wort und Schrift offen auszusprcchen. Hr. v. Bonin erhielt daher eine Menge zum Theil sehr ener­gisch gehaltener Mißtrauensvota. Indessen ließ er sich nicht davon abhalten, den Verfasser jener Adresse, der sich sofort selbst genannt und gestellt hatte, festnehmen zu lassen, um ihn vor ein Kriegsgericht zu stellen. Es war das unter den hiesigen Verhältnissen viel gewagt. Die Stimmung der Linie verbitterte sich, und bereits am Ende des vorigen Monats erklärte der größte Theil der Pontonnier-Compagnie in Rendsburg sich ganz ein­verstanden mit jener Adresse, und sprach es in einer eigenen Anzeige der schleswig-holsteinischen Zeitung aus, „daß jener Befehl kein Vertrauen in ihnen erweckt habe und daß sie fürchteten, abermals hintergan­gen zu werden." Nun erklärte gestern die gemein­same Negierung diesen Schritt der Compagnie für eine schwere Beleidigung der Subordination; der General v. Bonin ließ 12 Stabsoffiziere nach Rendsburg kom­men, um über jene Compagnie zu urtheilen, und in Folge dieses Urtheils sollte dieselbe heute in Rendsburg entwaffnet werden. Da widersetzte sich dieselbe. Das in Rendsburg liegende Bataillon Würtemberger wurde commandirt, um die Entwaffnung zn vollziehen; cs setzte aber Gewehr beim Fuß, weil die Leute in ihrem Rechte seien. Das 2. Bataillon schleswig-hol­steinischer Infanterie weigerte darauf gleichfalls den Ge­horsam und soll dem General eine Katzenmusik gebracht haben. Jetzt ward plötzlich das in Kiel liegende 6, Bataillon aufgeboten, und ist soeben mit Gesang und Musik nach Rendsburg ausgezogen. Aber es kann nicht zweifelhaft sein, daß auch dies Bataillon keine Ge­walt gebrauchen wird; es sind zu viele Anzeichen des Gegentheils vorhanden. Mithin ist hier ein Anfang von einer Bewegung, deren tieferen Grund ich heute nicht bezeichnen will. (B. N.)

Wien, den 4. Dezember. (N. Rhein. Ztg.) Die Zwanziger, ja selbst die silberne Scheidemünze wird täglich seltener. Jeder hält das Silber zurück, oder sucht es, nach dem Beispiel der Dynastie, die z. B. alle Zwanziger des Jahres 1838 nach England geschafft hat, ebenfalls auszuführen. Ungarn hat eigenes Papier gemacht, Italien nimmt kein Papier, und unsere Bank hat für 200 Millionen umlaufen, während sie kaum 15 in Silber besitzt.

Gegenstände aus dem Nachlaß der geschlachteten Märtyrer werden von Vielen wie heilige Reliquien auf­bewahrt. Namentlich haben Frauen ihre Tücher in das Blut der Ermordeten getaucht, und Fräulein Schwarzer, eine liebenswürdige Sängerin des Kärntnerthors, hat mit einer Freundin sogar die mit dem Blute Messen- hauserS bedeckte Erde ausgehoben und mitgenommen.

Kremsier, 4. Dez. An der heutigen Reichstags- Sitzung verlangte der Finanzminister Kraus die Au­

torisation zu einem neuen Darlehen von 80 Millionen zu den bereits erhaltenen 20 Millionen Gulden. Seine Rede dauerte zwei volle Stunden. Er motivirte den nöthigen Kredit für diese Gelder mit der Nothwendig­keit des Kriegs in Ungarn, mit der Umgestaltung des politischen und Gerichtswesens, mit den Urbarial- und andern Entschädigungen Setters des Staatsschatzes, mit der so nöthigen Aufhebung sämmtlicher Einfuhrs­verbote, mit der hieraus folgenden Reform des ganzen Zollsystems, der höheren Besteuerung des Branntweins, der Ausdehnung der Hauszinsftcucr, der Errichtung einer Vermögens- und Einkommenssteuer, der Verän­derung des Stempels und Tarwesens, ferner mit der Ermäßigung der Salzpreise und der gänzlichen Aufhe­bung des Lottospiels u. s. w. Einzelne Stellen dieser s o meisterhaft dorgetragenen Rede wurden mit Beifall ausgenommen, nicht aber das gestellte Verlangen um den Kredit von 80 Millionen, obgleich der Finanzminister versicherte, daß es nur dadurch möglich sein wird, die ungeheure Masse der in Kurs ansgethcilten Banknoten nach und nach einzulösen. Der Vicepräsident bean­tragte, der ministerielle Vorschlag möge dem Finanz- Ausschusse übergeben werden. Der Abgeordnete der äußersten Linken Semialkowsky stellte den Antrag: Dieser ganze Gegenstand soll nicht früher, als nach der Endfassung den Konstitution behandelt werden. Bor- rosch aber sprach für die Bewilligung des Kredits.

So eben verlautet, daß neben dem ungarischen Baron Cu lmer noch die bekannten ungarischen Staats­männer Supplicac und Rajacie (ein Serbe) in unser Miuisterium ohne Portefeuille treten werden. „Es ist dieß ein neuer Beweis, daß Ungarn militärisch erobert, und mit den sogenannten inskribirten Erblaß den wieder vereinigt wird." (Br. 3 )

Ungarn.

Von der ungarischen Grenze, 5. Dez. Allge- mein wird der 7. d. M. als der Beginn der Opera­tionen der österreichischen Armee gegen Ungarn bezeich­net; ja manche behaupten, der junge Kaiser werde selbst im Hauptquartier verweilen, um durch seine Ge­genwart auf die ungarischen Insurgenten moralisch einzuwirkrn und denselben die Meinung zu benehmen, als werde der Krieg gegen den Willen des Monarchen geführt. Die Stärke der österreichischen Truppen war übrigens bis jetzt immer übertrieben angegeben, denn die ganze Armee unter Windischgrätz beläuft sich höch­stens auf 60,000 Mann, wozu dann freilich der Heer­haufen unter Simonich in Mähren, das Korps unter Schlick in Galizien, die Truppen unter Nugent und Dahlen in Steiermark und Kroatien, die Heeresab­theilungen unter Puchner in Siebenbürgen und unter Nukawina im Banat gerechnet werden müssen, wodurch allerdings eine Streitmacht von ungefähr 120,000 Mann verfügbar ei scheint. Die gesummten „Streit­kräfte der ungarischen Insurrektion" sollen sich etwas über 100,000 Mann belaufen, worunter jedoch 60,000 Mann Landsturm , das Uebrige Honved und reguläres Militär nebst 60 Batterien mit 360 Kanonen. Leider werden die ungarischen Kanonen so schlecht bedient, daß ihr Feuer meist ganz unwirksam ist. Die Angriffe der Ungarn bei Angern am Marchfeld und bei Rohrau auf der Brucker Seite waren sehr ungestümm und mu- thig, doch hat das österreichische Artillericfeuer sie stets wieder zurückgetrieben. Bei Angern hoben sie einen Posten von 30 Mann k. k. Truppen auf, wobei der Offizier in Stücke gehauen wurde und Schloßhof, eine Besitzung der kaiserlichen Familie ging in Flam­men auf.. Ein Wagestück der kühnsten Sorte unter­nahmen indeß jüngst 15 Husaren , welche von der, eine volle Wegestunde entfernten Grenze einen nächt­lichen Ueberfall in Wiener Neustadt unternahmen, wo sie die Zollkaffe rauben wollten, doch die Kroaten fie­len wie Wüthende über die Eindringlinge her, die in­deß durch eilige Flucht entkamen. — So eben verbrei­tet sich das Gerücht, der Kaiser wolle noch einmal die Vorschläge von Seite der Magyaren entgegennehmen, ehe der Angriff gegen Ungarn beginnen werde. Man hofft auf einen Vergleich, wir fürchten wohl vergebens.

_ - (Dr. 3 )

Franke eich.

Paris, 6. Dez. (Zur Chronik der Präsi­dent, chafts-Ca ndida turen.) Folgendes ist die Stellung der Pariser Journale in der Präsiden tschafts- frage: Für Cavaignac: National, Siecle, Credit, Ere nouvelle, Voir de la périté, Moniteur offerier, Moni­teur du soir, Co: faire und Charivari, — für L. Bo­naparte: Presse, Constitutionnel, Assemblee nationale, Liberte, Gazette de France, Evöncment, — für La­martine: Bien Public, Courrier franemd, — für Ledru- Rollin: Reforme, Revolution, Demokratie pacifique, — für Raspäil: Peuple, die andern sind neutraf. —

(B. Z.-H.)

Paris, 7. Dezbr. (N. Rh. Z.) Die heutige Nr. des Prvudhon'schcn „Peuple" theilt folgendes Rechen- Erempel mit, welches man im Ministerium des Innern über den muthmaßlichen Ausfall der Wahlen angestellt haben soll. Zahl der Stimmen vielleicht 9 Millionen, absolute Majorität 4’/2 Million; von diesen werden erhalten:

Louis Bonaparte . 3,500,000 Stimmen, Cavaignac.... 3,000,000 Lamartine .... 1,500,000 „ Mpail .... 500,000 „

Ledru-Rollin. . . 300,000 „

Verlorne Stimmen . 200,000 „