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Daß die Conferenzen sehr interessant und im hohen Grade fortbildend sind, wi.d mir Jeder zugeben, der denselben beigewohnt, den Forschungs- und FortschrittS- geist der Lehrer und den Herrn Schulinspector Schrö­der, diesen umsichtigen, scharfsinnigen und durchaus theo­retisch wie praktisch gebildeten Schulmann kennt. Heil darum den Schulen, welchen ein solcher Chef Vorsicht und in denen solche Lehrer wirken!

Die Theilnahme an den politischen Angelegenheiten des nassauischen wie des .deutschem Vaterlandes ist bei den meisten gering. Um"Steuern, Zehnten und Gül- tenffrc. dreht sich ihr Hauptinteresse; günstige Beschlüsse hierüber-,, nach denen sie wenige Abgaben^, haben, sind die /Pulsadern ihres politischen Lebens. Die Neuge­staltung des Vaterlandes will ihnen nicht recht behagen, weil es durchaus mehr Steuern gegeben, mehr Solda­ten verwendet und weil es nach ihren / Begriffen zu langsam mit dem Neubau vorangeht.")

Sie lesen wenig Zeitung; daher sie sich oft seltsame Urtheile und noch seltsamere Vorstellungen von Man­chem bilden. Eine Ausnahme hiervon machen die Be­wohner der östlich gelegenen Dörfer, welche Mitglieder des „politischen Vereins an der untern Weil" sind. Ihr'Streben und ihre Ansichten hier auseinander zu setzen, dürfte überflüssig sein, da die Leser der „Freien Zeitung" hinlänglich damit bekannt sind.

t Von der Lahn. Man hört vielfältig aussprechen, daß es ein Rückschritt sei, wenn die zur Festsetzung der Einkommensteuer zu erwählenden Vertrauensmänner nicht durch die Wahlmänner oder die Urwähler der Volksabgeordneten bestimmt würden, allein ein Mittel, wie dieß möglich zu machen sei, ist schwer zu finden, da unsere Landesdeputirten so rasch das ganze Gesetz annahmen und schwerlich es abândein werden. Wenn übrigens das Volk hier selbst Hand anlegte und die Schultheißen Stimmzettel der Urwähler oder Wahl­männer ihrer Ortschaften an ein Wahlcomite des Amtes kinschickten, so ließen sich hieraus die nöthige Anzahl Personen als diejenigen, welche die meisten Stimmen haben, herausziehen. Diese Personen würde man den gesetzlich wahlberechtigten Ortsvoiständen und Behörden empfehlen, die, wie sicher zu erwarten wäre, die öffent­liche Stimme so hoch achten würden, daß sie ihre Ein­sicht derselben unterordneten.

s^ Mainz, 6. Decbr. (Fr. I.) Vorgestern Abend wurde dem im Hause eines seiner thätigsten Mitglieder versammelten Piusverein eine Katzenmusik gebracht, die noch von anderweitigen, dem Glaserhandwerk günstigen Demonstrationen begleitet gewesen sein soll. Der Pius- verein nahm die ihm erwiesene Aufmerksamkeit mit gro­ßem Mißfallen auf, und es wird versichert, daß einzelne Mitglieder desselben ziemlich gewichtige Steine auf die Rotte Köhra geschleudert. Wie es heißt, sollen mehrere Katzenmusikanten verhaftet worden sein.

Kassel, 5. Dez. Den 1. Dezember fand die feier­liche Eröffnung der Ständeversammlung durch den Minister des Innern im Auftrage des Kurfürsten statt. In der Eröffnungsrede heißt es u. A.: Was die deutsche Reichsverfammlung dem deutschen Volke gewahren wird in den verfassungsmäßigen Grundrech­ten — im Wesentlichen besitzen wir es bereits in un­serem engeren Vaterlande, und nur weniger Aenderun­gen wird es bedürfen, um die völlige Uebereinstimmung damit in Verfassung und Gesetzgebung zu erzielen. Die Regierung wird den Tag freudig begrüßen, wo das vollendete deutsche Verfassungswerk eine neue Garantie unserer verfassungsmäßigen Zustände gewähren, und den heißen Wünschen nach Einheit des großen deut­schen Vaterlandes Erfüllung bringen wird. (N.H.Z.)

Hildburghausen, 4. Dez. Selbst die früheren schrecklichen Kriegszeiten sind nicht so hart und drückend für die Stadt Hildburghausen gewesen, als die jetzige Einquartierung der Reichstruppen. Denn seit dem 11. Okt. liegen fortwährend starke Corps hier, zuerst Bayern mit Geschütz, dann Sachsen mit Infanterie, Kavallerie und Artillerie, nebst dem Gencralstab, und nun, da heute diese abziehen und nach Gotha und Arn­stadt marschiren, ziehen sofort wieder 450 Mann Wei­maraner ein und in manchem einzelnen Hause liegen 4 und mehr Mann oder mehrere Offiziere, da der Commandeur die Kaserne nicht will beziehen lassen. Viele Unbemittelten müssen ihre schmalen Bissen noch mit Soldaten theilen; auch die größten Reichssteuern waren nicht so drückend, und noch ist kein Ende abzu­sehen. Die Klagen sind laut. Kennt denn der Reichs- kommissär für Thüringen die Vertheilung? (Dorfz.)

Nürnberg, 2. Dezember. Die vorgestern hier statt - gefundene Wahlmännerwahl hat ein sehr bemerkenswer- thes Resultat geliefert, welches um so bedeutungsvoller erscheint, wenn man dasselbe mit den Vorgängen bei der Parlamentswahl vergleicht. Die bei weitem über­wiegende Majorität der Gewählten besteht nämlich aus den von den politischen und Volksvereinen vorgeschla­genen Kandidaten. — Auch in Fürth hat die „demo­kratische" Partei einen Sieg erfochten, indem in sämmt­lichen Wahlbezirken, bis auf einen, die Kandidaten der­selben gewählt wurden. Auch in Schwabach und Alt­dorf soll das Resultat ein ähnliches sein. (N. Kur.)

Berlin, 4. Dezember. Aus sicherer Quelle erfah­ren wir, daß Gagern's Anwesenheit in Potsdam weniger den Zerwürfnissen zwischen Regierung unb Na-

*) Haben sie aber da nicht recht, wenn ihnen die Neugestaltung des Vaterlandes nicht behagen will? Die Red.

tionalversammlung galt, als dem Plane, Friedrich Wil­helm IV. doch noch die deutsche Kaiserkrone zu über­tragen. Rußland und Oesterreich sollen damit einver­standen sein. Die Demarkationslinie und andere Län- derabsonderuugen stehen mit diesem Plane in enger Verbindung. Die Vollzähligmachung der Regimenter und die Einberufung von 50 Bataillonen Landwehr in Preußen, sind nicht allein zur Unterdrückung des Vol­kes, sondern auch für den Fall gutbefunden, daß Frank­reich Einsprache gegen die Ausführung dieser Pläne einlegen sollte. Während die östlichen Kabinette sich zur Vernichtung der deutschen Demokratie verbunden haben; reichen sie auf der andern Seite der retrograden Partei in Frankreich in's Geheim die Hand, um zu gleicher Zeit dort den Heerd der demokratischen Bewe­gung Europa's zu zerstören.

Es cirkulirt hier seit einigen Tagen folgende „Miß- trauensâdresse" an den Magistrat: „Mit tiefster Ent­rüstung haben die unterzeichneten Einwohner Berlin's- die bis zur eingetretenen Militärherrschaft verschobene, dann aber endlich ans Licht getretene Gesinnungsäuße­rung des Magistrats vom 21. November ausgenommen. Unsere Entrüstung war um so größer, als der Ma­gistrat mit diesem, lediglich der Macht huldigenden Ma­nifeste sich in den offensten Widerspruch mit den Stadt­verordneten versetzt hat, aus deren Wahl er hervvrgc- gangen und die in edlem Aufschwünge sich dazu erho­ben hatten, die entgegengesetzte freie und edle Gesin­nung durch Wort uud That an den Tag zu legen. Wir müssen es auf's schmerzlichste beklagen, daß die oberste Verwaltung der Stadt einem Kollegium von Männern der in dem Manifeste vom 21. November kundgegebenen Gesinnung anvertraut worden ist." — Diese Mißtrauensadresse ist bereits mit vielen Tausen­den von Unterschriften bedeckt, und wird dem Magistrat von der wahren Stimmung der Stadt ein Zeugniß geben. Hätte« übrigens die Verfasser der Adresse noch einige Tage mit der Abfassung der Adresse gewartet, so hätten sie ihren Tadel auch sofort über die Stadt­verordneten aussprechen können, die in ihrer Sitzung vom 29. v. M. mit sehr unedlem Niederfall von der Höhe ihrer „freien und edlen Gesinnungen" durch 49 gegen 45 Stimmen beschlossen, keine amtliche Widerlegung des sBassermann'schen Berichts über die hiesigen Verhältnisse zu veranlassen.

(N. Nh. Z.)

Berlin, 5. Dez., Die königliche Preußische Ver- fassungsurkunde enthält in 9 Titeln 112 Artikel. Tit. I. Vorn Staatsgebiete sagt: Alle Landestbeile der Monarchie in ihrem gegenwärtigen Umfange bilden das preußische Staatsgebiet. Die Gränzen dieses Staats­gebiets können nur durch ein Gesetz verändert werden. Art. 11. Von den Rechten der Preußen. Art. III. vom Könige. Art. IV. von den Ministern. Art. V. von den Kammern (Zweikammersystem). Art. VI. von der richterlichen Gewalt. Art. VH. von den Staatsbeam­ten. Art. VIII. von der Finanz-Verwaltung. Art. IX. von den Gemeinden, Kreis-, Bezirks- und Provinzial- Verbäuden. In den allgemeinen Bestimmungen heißt es unter Auderm: „Wenn die Kammern nicht versam­melt sind, können in dringenden Fällen, unter Verant­wortlichkeit dos gesummten Staatsministerium, Verord­nungen mit Gesetzeskraft erlassen werden, dieselben find aber den Kammern bei ihrem nächsten Zusammentritt zur Genehmigung sofort vorzulegen. Die Mitglieder der beiden Kammern und alle Staatsbeamten haben dem Könige und der Verfassung Treue und Gehorsam zu schwören."

Berlin, 5. Dez. Der König ist heute Mittag in Begleitung des Ministerpräsidenten hier eingetroffen und hat einem Minnisterrath im Kriegsministerialge­bäude beigewohnt. — Die Verhaftungen find seit eini­ger Zeit eingestellt. An der Tagesordnung find jetzt die Ausweisungen. Diese Maßregel wird in solcher Ausdehnung gehandhabt, daß es nöthig geworden ist, Ausweisungcfoimnlare drucken zu lassen. Den Miß­liebigen wird folgende gedruckte Ordre zugefern'gt: „Der---— hat heute die Anweisung erhalten, die hiesige Residenz und deren Umgebung im Umkreise von 2 Meilen binnen 24 Stunden bei Vermeidung der Verhaftung zu verlassen. Dies wird ihm behufs seiner Reise nach — — — hierdurch bescheinigt. (Datum. Köuigl. Polizei-Präsidium. V. Abtheilung)." (Fr. I.)

Berlin. Die zur Vereinbarung einer Verfassung für Preußen berufene Versammlung ist aufgelöst. Der „Preußische Staatsanzeiger" veröffentlicht zugleich eine Vepfassungsurkunde für Preußen, deren Re­vision im ordentlichen Wege der Gesetzgebung vorbe­halten ist. Zum Behuf dieser Revision sind gemäß der vctroyirten Verfassung die beiden Kammern ’ zum 26. Februar 1849 nach Berlin einberufen; die Wahlen (indirekte) sollen in der letzten Januarwoche vorgenom- men, provisorische Wahlgesetze für die erste und zweite Kammer sollen zu diesem Zweck noch erlassen werden. Die königliche Verordnung, welche die konstituirende Versammlung für aufgelöst erklärt, lautet:

Wir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen re. rc. haben aus dem beifolgenden Berichte unseres Staatsministeriums über die letzten Sitzungen der zur Vereinbarung der Verfassung be- rufenen Versammlung zu unserem tiefen Schmerze die Ueberzeugung gewonnen, daß das große Werk, zu welchem die Versammlung berufen ist, mit derselben, ohne Verletzung der Würde unserer Krone und ohne

Beeinträchtigung des davon unzertrennlichen Wohles des Landes, nicht länger fortgeführt werden kann. Wir verordnen demnach, aus den Antrag auseres Staats­ministeriums, was folgt:

§. 1. Die zur Vereinbarung der Verfassung be­rufene Versammlung wird hierdurch aufgelöst. §. 2. Unser Staatöministerium wird mit Ausführung dieser Verordnung beauftragt. Urkundlich unter unserer höchst­eigenhändigen Unterschrift und beigedeucktem königlichen Jnsiegel. Gegeben Potsdam, den 5. Dezember 1848. Friedrich Wilhelm. Das StaatsmimAittium: Graf v. Brandenburg, v. Ladenberg. v. Strotha. v. Manteuffel. Rintelen. v. d. Heydt.

— Der „Preußische Staatsanzeiger" meldet in sei­nem amtlichen Theil die Ernennung des Handelsge­richtspräsiventen von der Heydt von Elberfeld zum Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten; dem Unterstaatssckretär v. Bülow ist die interimistische Leitung des Ministeriums der auswärtigen Angelegen­heiten^ übertragen; Hr. v. Pommer-Erla ist zum Unter­staatssekretär im Handelsministerium ernannt.

Aus Oesterreich, 2. Dez. Bou fernster ist nicht viel zu hören, da wöchentlich nur zwei Sitzungen öffentlich gehalten werden. Die übrige Zeit wird mit Ausschußsitzungen verbracht. An dèr Tagesordnung war gestern die dritte Lesung der Geschäftsordnung. Ein neuer Paragraph würde eingeschaltet, wornach je­der Abgeordnete, der ein Staatsamt annimmt oder, wenn er schon angestellt ist, in eine höhere Kategorie avancirt, sich einer abermaligen Wahl unterziehen muß. Mehr als hundert Abgeordnete sind noch immer ab­wesend. In der letzten Sitzung erschien mit Ausnahme des Freiherrn v. Kraus kein Minister. Daher blieb auch die Interpellation des Abgeordneten Schuselka, wegen Wiens, wegen Robert B^lm's u s, w., die Schwarzenberg im Namen des Gesammtministeriums zu erledigen versprach, bisher unbeantwortet. Die nächste Sitzung findet erst wieder am 4. d. M. statt. DaS Ministerium ist so zu sagen fortwährend auf der Reise zwischen Olmütz, Kremstcr und Wien. (L. Z.)

Wien, 30. November. Bürgermeister Czapka befindet sich auch wieder in unsern Mauern; er will seinen vormärzlichen Posten wieder haben. Metter­nich, der seit dem Mär; längst wieder die Geschicke Oesterreichs lenkt, läßt seine Villa wieder einrichten und soll mit dem Hofe in sehr thätiger Korrespondenz stehen. Bedenkt man, daß unsere Märzrevolution blos eine Adelsrevolution war, weil Metternich den Adel ebenso unter seiner Fuchtel hatte, wie das Volk, so wird seine Rückkehr unter diesem Adel, der nun die Herrschaft führen zu dürfen glaubt, doch einiges Naserümpfen ver­ursachen. Doch Metternich wird ihn auch jetzt â la 1846 in Gallizien zurechtzuweisen wissen und mit der honetten Bourgeoisie in der Knechtung Europa's Un­glaubliches leisten. (N. Nh. Z.)

Kremfier, 30. Novemb. Vorgestern war hier ein Ball der Bürgergarde, der ein czechisches Gepräge nicht undeutlich an sich trug. Deputirte waren zahlreich an­wesend, auch der Präsident und einige Minister. Cze- chische Deputirte erschienen zum Theil in „National- Uniform". Die Musik spielte ein czechisches, Jeder­mann ganz bekanntes Spottlied auf Schuselka und Deutschland. Man behauptet, das Lied sei auch gesungen worden: wir haben es indeß nicht gehört. Ein ober­österreichischer Landler dagegen fand keinen Tänzer. Seltsam genug, daß bei uns selbst der Tanz die Far­ben der Politik annimmt. (K. Z.)

Italien.

Neapel, 26. Novbr. (Schw. M.) Ungeheure Be­wegung herrscht heute in der Hauptstadt. Diesen Mor­gen verkündete ein außerordentliches Bulletin der Staats- zeitung mit kurzen, aber fast triumphirenden Worten, PiuS IX- sei „in unserer Mitte" und habe seinen Wohn­sitz in Gaeta (neapolitanische Festung am Mittelmeer, nördlich von Neapel) aufgeschlagen. Seit mehreren Tagen betete die Geistlichkeit im ganzen Königreich für seine Befreiung. Schon gestern Abend kam 'bt'e Nach­richt ins Schloß; noch in der Nacht wurden einige Ba­taillone mit Dampfbooten hingeschickt. Der König mit seiner ganzen Familie ist ebenfalls in aller Frühe hin­gegangen, „um Seiner Heiligkeit die Füße zu küssen."

Als die Flucht des Papstes in Rom bekannt wurde, erließ das neue Ministerium nachstehende Proklamation ans Volk:

„Durch traurige Rathschläge angestachelt hat der Papst in heutiger Nacht Rom verlass». In einem so ernsten Augenblick wird das Miniüerium die Pflichten nicht vernachlässigen, die ihm das Wohl des Vaterlan­des und das Vertrauen deS Volkes auferlegen.

Es sind zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zum Schutze des Lebens und der Interessen der Bürger alle Maßregeln getroffen.

Es wird alsbald eine permanente Kommission ein­gesetzt werden, um jeden, der auf die öffentliche Ord­nung oder das Leben der Bürger einen Angriff wagen sollte, mit âller Gesetzesstrenge zu bestrafen. Alle Trup­pen und Nationalgarden werden in ihren betreffenden Vierteln unter Waffen bleiben und sich auf den ersten Ruf bereit halten. Das Ministerium wird, im Verein mit der Repräsentanteukammer und dem römischen Se­nat weiter alle Maßregeln ergreifen, welche die Umstände erheischen werden.

Römer! Baut auf uns! Bleibt Eures Namens