deshalb zuerst an den von Zimmermann ans Spandau eingebrachten Antrag, worin nach Auszahlung der größten Scheußlichkeiten den Reichscornm! gären dse Schuld beigemefsen werde. Der Antrag |t'i als P.akat j an den Straßenecken angefch^gKu, unverkennbar in der Absicht, zu blutiger RawMifzustachrln. Auch Drohbriefe habe er erhalten, 6 von IW Per tonen leien bc- > austragt, ihn zu mo-d n. (Gelächter.) Glauben Sie ’ nicht, daß das meine Gmüthöruhe stört. Dann spricht er von falschen Volksfreunden, Aulw.eglecn, Astersreiheit, : Aufruhr, Meuchelmord, aber — kein Wort zur Recht- | ftrtiqnng seiner Thäsigkeit. ^ Darm kragt er über die Veröffentlichung seiner Depeschen, die flüchtig geschrieben, vieles enthalten, was nur dein 'Drmtfhr, aber nicht dem Uneingeweihten verständlich sei, und sich nicht zur Veröffentlichung, am wenigsten in solcher Zerrissen-, heit, eignen, wie dies im Bericht geschehen. So sei z. B. der viel gerügte Ausdruck „einer allzublutigern Entscheidung vorzubeugen", nur dadurch entstanden, daß er gehofft habe, weiterem Blutvergiessen ein Ende zu machen und in der Idee, daß schon Blut vergossen sei, sich in der Eile gerade so ausgedrückt habe, indem er gewußt hatte, der Minister werde ihn richtig verstehen. So sei es mit mehreren Ausdrücken und Mittheilungen gegangen. — Wind schgrätz habe ihn mit. der größten gesellschaftlichen Auszeichnung ausgenommen (Gelächter), das habe er aber nicht für nöthig gehalten, in der Depesche zu erwähnen. Alles übrige, was man über die schimpfliche Behandlung verbreitet, sei Lüge, zum Zweck, Oester,resch noch mehr von der Ceutralge- walt loszurcißen. J» keinem Lanke der E'de behandle man die Minister und ihre Gesandten so schimpflich wie hier (ob man aber auch in einem andern Lande der Erde solche Minister und solche Gesandten hat?— — Doch wie? war Hr. W'lcker Gesandter bei einer fremden Macht, oder Commissär für einen der Centralgewalt untergeordneten Staat?) Dann kommt eine Erzählung, wie der Aufstand entstanden, voll Vorwurf gegen den Reichstag, die Aula u. s. w. Dann u. a. folgende Stelle: „Mit eignen Augen habe ich gesehen in Wien (Staunen „ Hw Welcker war ja wohl nicht in Wien?) — — — (verbessert sich) in Wiener Zeitungen (Gelächter), der keine dieser Zeitungen eine Mißbilligung der Ermordung Latours aufzunehmen wagte, daß. ein Mann, daß sich dagegen äußerte, einen Stich erhielt, an dem er noch nach 4 Wochen im Bette lag! — Dahin habe er seine Instruktion nicht verstanden, eine Wiederherstellung der Ordnung in Wien durch Waffengewalt zu verhindern. Das sei auch weder die Absicht des Reichsministeriums, noch der Mehrzahl der Nationalversammlung gewesen. Die constitutionellen Freiheiten ausrecht zu erhalten, hielten wir uns für selbstredend verpflichtet, obgleich kein Wort davon in unserer. Instruktion ist. Aufhebung dieser Freiheiten und Reaktion überhaupt ist nicht mehr möglich — außer im Wege der Revomtim^ (Gelächter, Beifall.) — Die Commissäre waren sehr eifrig gewesen, eine ganze und eine halbe Nacht hindurch wären sie gefahren, obgleich er im Wagen nicht schlafen könne! (Gelächter.) 250 Wegstunden in einer Tour! (Gelächter.) — Kraus sei nicht konstitutioneller Minister gewesen und zwar darum, weil er in Wien, aber nicht in der Nähe der Negiermng gewesen (wer ist denn die Regierung? der Hof und die Camarilla?) und weil er mit der Revolution gelicbäugelt habe. — Nach Wien hatten sie nicht gehen können, weil sie sonst dort, wo sie die Gewalt aufgesucht, ihren Einfluß (??) wahrscheinlich verloren haben würden. Doch wUen sie auf dem Wege dahin gewesen, 6 — 8 Stunden vor Wien hätten ste die Nachricht erhalten, man bereite einen festlichen Empfang. für sie vor, da wären sie um- gekehrt. (Das ist ja ein offenbarer Widerspruch!) In Wien hätten sie nichts thun können, weil die dort herrschende Partei fortwährend die unsinnigsten Bedingungen gestellt hätte, darum seien sie in Olmütz geblieben, um dort zu versuchen, das Schwert in der Scheide zu halten. Zum Nachtheil der Wiener hätten sie kein Wort gesagt, immer zur Milde gerathen ; und deßhalb hätten sie nicht nöthig gehabt, an Ort und Sttlle bessere Kenntniß über die Wiener Verhältnisse zu sammel«! — Der Kaiser habe unter dem 19. Oktober bei seinem kaiserlichen Worte versprochen, die konstitutionellen Rechte und Freiheiten aufrecht zu erhalten, — was hätten sie weiter für dieselben thun können? ob die Proklamation gehalten worden, das gehe sie nichts an! — Bei Ueber- reichung ihrer Vollmacht hatten sie km Namen des Reichs, Frieden geboten, auch gegen Windischgrätz seien sie entschieden aufgetreten und es sei eine Lüge, daß sie gegen Ismern geäußert hätten, ihre Verwahrung sei nicht so ernstlich gfnvfnt Sie hätten sich freilich nur der Ausdrücke „ersuche" und „bitte" bedient, das wäre aber die Sprache der guten Erziehung,.die auch zum erklärten Schuldner sage, ich bitte, mich zu bezahlen. Abgesitzt hätten sie freilich Windischgrätz nicht, aber noch in der letzten Unterredung ihn ernstlich verantwortlich gemacht. Wollen Sie Windischgrätz abgesetzt haben, so setzen Sie ihn selbst ab. (Gelächter, Beifall.)
Reichsminister v. Schmerling versucht es, sich gegen die Angriffe Giskra's zu rechtfe-tigcn und schließt mit den Worten: In Betreff seines Verfahrens in Wien und Berlin habe er wohl vielen Tadel, aber keine Belehrung gehört, werde eine solche erfolgen, werde das Ministerium mit Vergnügen darnach handeln.
Giskra verlangt das Wort, um die ihm von
Welcker schuldgegebene Schmähung Oesterreichs und der Merreichischen "Farben zu widerlegen; es wird ihm bewilligt. Er erklärt für sich und Fröbel, daß es ihnen nicht in den Si n gekommen, Oesterreich oder die österreichischen Farben zu veruuglimpsen. —
Vogt: Der Minister hat seinen Vortrag mit der Aufforderung zu einer Belehrung geschlossen. Es ist dies eine ganz neue Stellung für eine Opposition, das Ministerium zu belehren! kommt sie zur Regierung, wiro sie versuchen, es besser zu machen, sie ist nicht verpflichtet, dem Ministerium ihre Regierungsgeheimnisse mitzuthkilen, (Heiterkeit) wir werden ebensowenig alles offen und blank darlegen, als das Ministerium seine Maßieaeln offen und blank darleat, ehe sie reif sind. Der Minister hat von einem Gripdnst der Anarchie gesprochen, er habe aber ein andres Gespenst vergessen, daS wir in der Wirklichkeit mit Bomben und Kanonen in Wien und Berlin sehen, die Reaktion, jenes Gespenst, welches in die Rechte des Volks mit Gewalt eingreift und eines nach dem andern vernichtet. Das Ministerium, das früher versprach, die Reaktion zu bekämpfen, sieht sie heute gar nicht, weil — es die Hand vor die Augen hält! (Beifall.) Der Minister hat gefragt, warum man verlange, daß die Central- gewalt vom Auslande Anerkennung finden solle, wenn man sie im I: lande fortwährend schmähe. Die Centralgewalt u w ihr erster Träger sind nicht geschmäht worden, aber das Ministerium, das in seinem Namen handelt, ist angegriffen worden, fertig angegriffen und ich gestehe zu, dass solange dieses am Steuer steht, die Centralgewalt keine Anerkennung finden wird. (Beifall.)
Es kommt mir nicht in den Sinn, die Reden We- ber's und ihre glückliche Zusammenstellung (Gelächter) zu widerlegen. Wie er aber vom konstitutionellen Prinzip denkt, daS sehen Sie aus seiner Aeußerung, daß der Reichsverweser als guter deutscher Mann auch das Recht haben muß, Befehle zu geben. (Beifall.) Er hat auch von einem Umschwung der G sinnung in Linz gesprochen, ich will ihnen aus einem Brief vor- lesen, wie das zugeht: Der Pfarr oder Pfaff fragt den Bauer, willst du deinen Kaiser oder nicht? und sagt er ja, so heißt es: unterschreib. — Welcker hat 'von einem Drohbriefe gesprochen. Wollte ich alle Drohbriefe erwähnen, die ich erhalten, ich müßte lange reden, ich halte cs aber nicht der Mühe werth. (Sehr gut') Weiter hat er über Mißhandlung und Verstümmelung feiner Depeschen geklagt; tmc m ch die Mitglieder des Ausschusses versichert, sind die Depeschen so abgedruckt, wie sie das Ministerium dem Ausschuß mitgetheilt hat, cs muß also die Verstümmelung vom Ministerium ausgegangen sein. (Hört ! ,hört!) Es ist übrigens ganz parlamentarisch,/ die Derschen in wichtigen Angelegenheiten dem Hemse vorzulegen und wäre es das auch nicht, so wäre es ein Fortichritt, daß es geschehen ist. Aus der Exposition Welcker's über die Wiener Ange- legcnheitrir, die er mit eignen Äugen — in der Wiener Zeitung gesehen haben will, ist nur so viel her- vörgegangen, daß die Wiener den Fehler machten, 6 Wochen mit der Revolution zu warten.
Nach einer Vertheidigung des Wiener Reichstags und d«r Aula gegen die Vorwürfe und Anklagen Welcker's kommt ec auf d.ssen Rechtfertigung, die sich auf zwei Punkte beschränkt: daß sie mit Achtung auf- geuommen worden, und daß man Rechtsproteste gegen ihre Befugnisse eingelegt hatte. Wenn cs aber möglich war, sie mit Protest zu empfangen, so ist es unbegreiflich, wie in chrer Vollmacht alle Behörden, Civil- und Mlluärautoritäten angewiesen werden konnten, ihnen augenblicklich Folge zu leisten, wie uns das seiner Zeit der Minister Schmerling Vorgriffen hat. Wenn man solche Instruktionen gibt, sollte man doch auch sicher sein, daß die Behörden gehorchen. Ich behaupte aber gcrabezu, Alles was man u s gesagt hat, steht im Widerspruch mit dem, was geschah und mit dem, dessen sich das Ministerium bewußt war. Der Redner führt zum Beweis mehrere Antworten des ^Ministers v. Schmerling auf einzelne Interpellationen an, welcher jetzt im Ausschuß anei kennen mußte, daß kein einziges Reichsgesetz bis zum 18. Okt. publizirt worden, während er früher angeführt hade, Oesterreich habe die Centralgewalt anerkannt (Hort! Höri!), hat nun der Minister von der Tribüne oder im Ausschuß die Wahr- Heit gesagt? Welcker, sagt er, habe nichiS thun können, weil er keine Armee hinter ft 9 gehabt. An nns lag die Schuld nicht, man hat uns falsche Prämissen vorgelegt. — Der Minister hat uns gesagt, Heckscher habe keine diplomaiische Mission in Rom gehabt, er hat uns aber nicht gesagt, ob Heckscher in Neapel lange nach dem Gesandten eines kleinen deutschen Hofes gesucht, um sich bei Hof einführen zu lassen; er hat vergessen uns zu sagen, daß er in Neapel nur als Gesandter des Vetters vom König, aber nicht als Gesandter der Reichsgewalt ausgenommen worden; er hat uns nicht gesagt, daß die Gesandten in London und Paris nur geduldet, ebenfalls nur als Gesandte des Erzherzogs Johann, nicht als die der Centralgewalt ausgenommen worden wären. —
I Es war klar, daß in Wien das deutsche Element der Bewegung zu Grunde lag. Man verläugnete das und warf sich auf Seite der Krone. Wenn das Cen- tralimnisterium wirklich die Befehle geben konnte, daß alle Behörden den Kommissären gehorchen sollten, wa- rum "ahm es ^die Bewegung nicht in die Hand? Von dem Augeiibacke an, wo dies geschah, hörte die Anarchie auf und das deutsche Element war gerettet. Das
that man nicht, man widersetzte sich allen Anträgen die deshalb gestellt worden und Sie, meine Herren' sanktionirteg das, unter dem Vorwand, Sie seien nicht -hierher berufen zu regieren. Aber ich frage Sie, ist das Ministerium Ihren Beschlüßen nachgekommen?
Wenn Sie Welcker's Grundsatz anerkennen, daß die C iitralgewalt erst einschreiten könne, wenn die einzelnen Staaten sich nicht selbst zu schützen im Stande sind, warum schicken Sie Truppen nach Altenburg? Weil Altenburg eben Altenburg und nicht Oesterreich ist- —
Dasselbe System wie in Wien, wird auch anderwärts befolgt und wissen Sm, von wo dies ausgeht? .sehen Sie die Orden, die Radetzky, Windischgrätz und JeUachich erhalten, blicken Sie nach Rußland!
Solchen Ereignissen, solchen Gestalten gegenüber bekommt das Gespenst der Reaction, das der Minister nicht sehen will, Fleisch und Bein, und jemehr es mit Blut getränkt, mit Leichen gefüttert wird, desto größer wächst es. Lassen Sie das System auch in Berlin siegen, da werden Sie sehen, was aus Ihnen wird. (Biwegung.) Keinem Hellsehenden kann es zweifelhaft sein, daß das Königthum damit umgeht, die ihm unerträglichen Fesseln des Constitutionalismus abzustreifen, und zum Despotismus zurückzukehren! — Gelingen diese Pläne, dann sagen Sie sich selbst, was aus dem Erfolge Ihrer Wirksamkeit werden soll! Wie hat sich der Gesichtskreis dieser Veisammlung nach und nach verengert! Zuletzt wird sich die ganze Wirksamkeit des deutschen Parlaments auf die 5 Meilen beschränken, wo keine Volksversammlungen gehalten werden dürfen. (Rauschender Beifall.) Das sind die Folgen einer unseligen Allianz zwischen der wahrhaft constitutionellen Partei, die die Ordnung, wie sie sagt, will, und einer verschmitzten Partei, welche das Mäntelchen der Constitution umgehängt hat und eine Litze nach der andern herunterschneidet, bis der bloße Despotismus übrig bleibt. (Unruhe.) Diese Allianz besteht noch hier, in Berlin ist sie gelöst, je mehr man das Streben der Camarilla erkannte. (Unruhe.) Sie haben die Anarchie besiegt, das gebe ich zu, Sie haben sie besiegt mit den Waffen der Reaction, die gegen Sie gekehrt werden, wenn Sie der Reaction kräftig entgegentreten wollen (sehr wahr:); ist dieser Zeitpunkt eingetreten, dann werden Sie sich vergeblich nach Hülfe vom Volke umsehen, denn Sie haben Ihre Basis verloren, und werden sie nie wieder finden, denn das Vertrauen kehrt nicht wieder, das- einmal verloren worden. (Sehr gut! sehr wahr! Unruhe.) Ich habe seiner Zeit die Manövers der Regierung in Frankreich gesehen, durch die sie sich Majoritäten zu verschaffen wüßte, und habe gesehen, daß man die Anarchie hervorrief, um sie unterdrücken zu können, und schwer aufs Herz gefallen ist mir die Vergleichung unsrer Zustände mit dem, den wir im Juni in der Hauptstadt eines andern Landes gesehen. Der Juniregierung in Paris macht man den Vorwurf, sie habe die Erneute anwachser. lassen, um sie zerschmettern und sich an die Regierung bringen zu können. Auch dort fürchtet man Meuchelmord, auch dort hört man die Mörderhand an die Thür klopfen, man wartet dort vergeblich auf eine neue Erneute, sie will nicht kommen. — Aehnliches begibt sich hier. Aber die Unruhe im Volk kömmt nicht von so kleinen Manövers her, sie kommt daher, daß das Volk steht, daß, wenn die Majorität hier etwas beschließt, was einer andern Majorität nicht recht ist, letztere die Beschlüsse zu biegen versteht, und in einen Kanal zu leiten weiß, der ihr paßt; der Grund der Agitation ist der, daß wir ein Ministerium haben, welches der Majorität nicht entspricht, aber gehalteu wird aus Gründen, die man sich anderswo nicht zu erklären weiß. (Anhaltender Beifall.)
Neuer Antrag auf Schluß und Vertagung. Fetzer behält sich den Antrag auf namentliche Abstimmung über daS Majoritäts- und Minoritätsgutachten vor. Der Schluß wird angenommen, die Anhörung der beiden Referenten und die Abstimmung auf morgen vertagt und die Sitzung geschlossen. (R.-Z.)
Deutschland.
J.J. Vom Rhein, 11. Nov. (Mit der Schule wird auch der gedrückte Lehrer frei.) Die Freuden und Hoffnungen der Lehrer, die der Beschluß der Nationalversammlung, daß Kirche und Schule getrennt ffnb, in ihnen erregte, darf man denselben nicht mißgönnen, weil viele Geistlichen bis jetzt wahre Quälgeister für sie waren. Man hat schon feit einige" Jahren gefühlt, daß das Verhältniß nicht mehr wie bisher bestehen könne, und sich daher bemüht, zu untersuchen,. wie es denn eigentlich sein müsse: man hat an einem alten Kleide die Form und die Farbe ändern wollen; allein während dieser Arbeit fiel es auseinander. Bald hielt man es z. B. für zweckmäßig, daß der 60jährige Lehrer zu seinem 24jährigen Pfarrvikare im Verhältnisse der Pietät stehe; bald wollte man zwischen dem jungen Lehrer und dem alten Geistlichen eine brüderliche Freuudichaft eingeführt wissen, ungerechnet der sonstigen Neparaturvorschläge. Das Parlament hat den Leuten hierin besser zu helfen gewußt, und mit der Schule auch den Lehrer befreit.
Lieben konnte man wahrlich einen Mann nicht, der oft nach oben den Kriecher, nach unten den Deöpate" spielte; wohl konnten sich die Lehrer nicht unter einem Vorgesetzten fühlen, der nach dem von ihm ausgespro-
