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Ludwigsburg, 28. Novbr. Gestern Abend fand eine Versammlung hiesiger Wähler statt: Dr. Strauß hatte sich nämlich hierher in einem Schreiben an Stadt- schultheiß B un z gewendet, worin er um Auskunft bittet, ob er noch das Vertrauen seiner Wähler besitze, indem er im anderen Falle nicht entfernt an Beibehaltung s i- ner Abgeordnetenüelle denke, Stadtrath Mack trug hie­rauf den Entwurf einer sehr gut auSgearbeiteten Zu­schrift an Strauß vor, worin- zwar die Rückgabe des Mandates von Strauß nicht verlangt, dagegen das offene Mißfallen über sein Auftreten in der Kammer ausgesprochen, und namentlich das Befremden darüber ausgedrückt wird, daß ein auf dem Gebiete der Kirche so destruktiver Mann auf dem Gebiete des Staats so über alle E- Wartung konservativ sich zeige und nicht verhehlt wird wie sehr manche Aeußerungen von Strauß („Lumpen", „Freischärler", „Barrikadenhäuptling" rc.) die Ludwigsburger Wähler verletzt haben. (Fr. I.)

Wien, 25. Nov. Wie verlautet und wie bereits auch die Prager Zeitung meldet, wird der Reichstag abermals bis zum 16. Januar 1849 vertagt und nach Wien zurückverlegt werden. AIs Ursache gibt man an, daß die Abgeordneten nicht gehörig unterzubringen sind, daß der Saal im Winter nicht zu erheizen ist, daß die, Lokalitäten mcht geräumig genug sind und dee Verkehr mit Ministerium, Registratur rc. außerordentlich viel Beschwerde bietet.

Berlin, 28. Nov. v. Gagern's Vermittelungs- Mission scheint gänzlich gescheitert zu fein; er soll ge­stern Abend den Hof gänzlich entmuthigt und körperlich angegriffen verlassen haben. —

— Eine Bekanntmachung Wrangels bn'ngt das Verbot der früher erwähnten Zeitungen mit dem An­fügen in Erinnerung, daß alle Buchläden, wo der un­statthafte Handel mit denselben fortgesetzt würden gänz­lich geschlossen werden sollten.

DaS königliche Kriminalgericht hat seinen sämmtli­chen Beamten in den letzten Tagen nochmals die strengste Befolgung der Habeas-Corpus-Acte zur ausdrücklichen Pflicht gemacht. Namentlich sind Einrichtungen getrof­fen worden, daß Jeder, der in die Gefängnisse des Kri­minalgerichts kingeliefert wird, unfehlbar binnen 24 Stunden vom Untersuchungsrichter vernommen werden kann. Auch sind die Gefängnißbeamten angewiesen worden, für den Fall, daß ein Gefangener von den Polizeibeamteu abgeliefert wird, ohne daß der vorschrift- mäßige Bericht in der gesetzlichen Zeit beigefügt wird, einen solchen Gefangenen sofort wieder in Freiheit zu setzen und ihn nicht etwa dem Polizeipräsidium zur Dis­position zu stellen.

Vorgestern Abend sind die verschiedenen hier an­wesenden Abgeoidncten wiederholt aus ihren Parteiver- sammlungs! okalen entfernt worden. Bemerkenswerth ist es, daß man nur bei Mylius (dem Bersammlungs- orte der Linken) Militär verwandt hat, während die übrigen Fraktionen durch Polizei-Ossizianten und Con- stabler entfernt wurden. (Fr. I.)

Berlin, 28. Nov. Die Regierung hat sich mit dem einmaligen Eiilschreiten des Militärs gegen die Parteiversauunlungen der Linken nicht begnügt, sondern ist entschieden mit der Absicht hervorgetreten, keine Zu- fammerkünfte der Abgeordneten, größerer oder kleinerer Art, in Berlin fernerhin zu dulden, um so deren Auf­enthalt fernerhin unnütz und unmöglich zu machen. Noch gestern Abend erschien hier die Bekanntmachung des Generals Wrangel, welche nach Wiedereröffnung der Nationalversammlung in Brandenburg auf Grund des Belagerungszustandes jede Berathung von Abge­ordneten hiero ts verhindern zu wollen ankündigt, und nicht nur in öffentlichen, sondern auch in Privatlokalen einzuschreiten droht. Solare Einschreitungen sind außer der gestern erwähnten noch zweimal gestern bei My­lius durch das Militär erfolgt. Das erstemal, da die Abgeordneten gerade bei Tische saßen, zog sich das Militär noch einmal zurück, am Abend jedoch kehrte es wieder und räumte den Saal, nachdem die Ab­geordneten vergeblich mit dem kommandircnden Offizier zu Parlamentiren versucht, der Anfangs mit großem Amtseifer und Rigorismus einzuschreiten Miene machte, zuletzt jedoch mildere Saiten auszog und sich mit der Gemessenheit seines Befehles entschuldigte. Auch zwei zum Besuche hier anwesende Depulirte aus Frankfurt a. M. wurden mit den hiesigen Abgeordneten zugleich Hinausgetrieben. Letztere sind heute bereits nach Frank­furt abgereist und werden als Augenzeugen ihren Col- legrn dort am besten den Eindruck schildern, den diese Tlkibjagden auf die Abgeordneten auf die Ge­müther machen. Von den hiesigen Mitgliedern der Na­tionalversammlung sind viele jetzt entschlossen, nach diesen letzten Schritten der Regierung Berlin zu verlassen und nach Hause zu gehen; sie warten nur daS heutige Resultat in Brandenburg ab, um ihre letzten Schritte darnach einzunchten.

An anderen Orten, wie im Hotel de Russie und bei Mielentz sind Constabler gegen die dort versammelt gewesenen Abgeordneten eingtschritten und haben sie zum Auseinandergehen aufgefordert. Gleichzeitig mit diesen Maßregeln gegen Zusammenkünfte und Bera­thungen der Abgeordneten hat die militärische Gewalt auch deren Wirksamkeit durch die Presse ein Ziel zu setzen unternommen und ist gestern um die Mitternacht

I in die Di uckerei von Krause und Behrends (letzterer ! selbst Deputirter) eiugedruiigen, um die dortigen Pres­sen unbrauchbar zu machen. Man hat an denselben meist nur die Schrauben herausgenommen, zugleich aber alle Drucksachen der Nationalversammlung, so wie Akten, Manusc-ipte, Correspondenzen für,die Provinzen fortgenommen. * •

Paris, 28. Novmber. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung richtete Hr. Birio an das Cabinet Interpellationen in Bezug auf die italienischen Angelegenheiten; er werde sich kurz fassen; «es sei jetzt nicht der Augenblick, .lange Reden zu halten; Unter­drückung im Noreen, in der Lombardei, Anarchie in den meisten andern Theilen Italiens; er verlange Aus­kunft von der Regierung darüber, wie weit die Unter­handlungen gedithen seien; bekannt seien die Ereignisse, deren Schauplatz Rom, der Mittelpunkt Italiens, ge­wesen.

Der Conseilpräsident General Cavaignac: „Der Redner vor mir scheint anznnehmen, daß die loinbar- dische und die römische Frage nicht von einander getrennt werden könnten. Ich glaube indeß, daß man die eine ohne die andere behandeln kann. WaS die lombarduche Frage anbelangt, so danken wir der Nationalversamm­lung dafür, daß sie uns seither gestattet hat, über die diesfälligen Unterhandlungen Schweigen zu beobachten. Wir erkennen an, daß die Unterhandlungen nicht viel Fortschritte gemacht haben.

Ich komme nun zur römischen Frage. Vorgestern meldete uns eine telegraphische Depesche, was sich in Rom zugetragen. Sie war von Hru. v. Harcourt, unserem Gesandten, und datirt vom 18. W ir schick­ten den Befehl nach Marseille ab, eine Bri­gade nachCivrta-Vecchia abgehen zu lassen. Wir übertrugen zugleich dem Hen. v. Corcelles eine Spezialmission, über welche zu urtheilen Sie im Stande sein werden, sobald Sie die Instruktionen kennen, die wir ihm gegeben haben.

General Cavaignac theilt nun die dem Hrn. von Corcelles gegebenen Instruktionen mit. „Wir haben, sagt er, Hrn. von Corncelles 4 Dampfregatten mit 3000 Mann Landungstruppen, die sich nach Civita- Vecchia begeben sollen, zur Verfügung gestellt, um dem Papste die persönliche Freiheit wieder zu verschaffen. (Lebhafte Unterbrechung auf dem Berg. Wir haben Hrn. von Corcelles gesagt: „Nöthige »falls bie, tenSie demPapste einAsyl auf dem Gebiete der Republik an. (Fr.J.)

Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.

ißeta 1'8 ntmac^ ei ngen.

(1529) In den Buchhandlungen von H. Fischer und

H. W. Ritter in

Wiesbaden ist zu haben:

Gesetz

über die

Einführung einer wachsenden Einkommensteuer

und

Gesetz

über die

Capitalsteuer für das Herzogthum Nassau,

wie solche am 11. November d. Z. von der Staatsregierung publicirt worden sind.

Preis 3 Kreuzer.

(1530) In den Buchhandlungen von Heinrich Fischer und H. W. Ritter in Wiesbaden sind einzeln oder buchweise um billigen Preis zu haben:

Formulare

zur

Erklärung

über

den Betrag des nach dem Gesetz vom 11. November 1848 der wachsenden Einkommensteuer unterworfenen Einkommens.

(IMS) Vorzügliches Münchner Bier per Flasche 9 kr. bei August Müller, Weber- gasse Nro. 6.

(1516) Mr. L. Nro. 35 Taunusstraße, gibt Unterricht in der englischen Sprache, die Stugne 30 kr.

Frankfurt. Cours der Staats Papiere. 1 Uhr.

Oesterreich

Preußen

Bayern

Würtemb.

Baden

Darmstadt

Den 27. November 1848.

Mctalliques Obligationen ....

Win,er Bank-Actien ..... soo fl. Loose ........ 250 fl. Loose von 1839 .... Bnhmâuuische Obligationen , , .

5Q Dhaler Prämien-Tcheine . . . Skaarc -Schuld-Scheine ä 105 . . Obligationen........ Ludwig-Kanal-Actzen incl. d. v. C. Bexbacher Cisenbahu-Actieu .

Obligationen......

Obligationen . ....... Lottcric-Anlehen â 50 fL von 1840 35 fl. Loose vom Jahr 1845 . . , Obligationen . . . . . .___L .

vCt.

5

4

3

2%

4

4%

3% 3%

3% 4%

3%

1 3%

Papier |

09

57

41 !

3«’%6 1175

118% 79% 66% 58

76% 75%

65% 75% 93% 72% 45%

26% 74%

Geld 1 68%’ 56 ! 4<)% 36%6 1165 •

117% 78%’ 65% 57 91% 76% 75‘%

64% 75% 93

71% 44% 25% 73%

Darmstadl

Kurhessen

Nassau

Frankfurt

Holland

Spanien

Polen

Sardinien

Den 27, November 1848.

Obligationen........

Lotterie-Anlehen von 50 fl. . . . 25 fl. Loose........ Friedrich-Wilhelms-Nordbahu . .

40 Thaler Loose bei Rothschild . . Obligationen bei Rothschild . . .

dillo 25 fl. Loose . . .

Obligationen........

ditto von 1839 ....

ditto von 1846 ....

Taunus-Cisenbahn-Actien ä 250 fl. .

„ „ „ per ultimo

Jutegr.-Obligatiouen..... Syndicats......... Innere Schuld neue Obligationen . Ardoins incl. 14 Coup. .... Lotterie-Loose 300 ......

ditto 500 ......

36 FrS. Loose bei Gebr. Bethmann

pCt.

4

4

3%

3 3% 3%

2% 372

3

Papier | 84% 597, 21% 39% 25% 79% 20% 77 90% 87 % 268

48%

18%

68%

Geld 83% 59% 20% 39% 25% 79 20%

89% 86% 265

47% 73% 18%

11%

95 /„ 68% 25%

Cours der Wechsel. _______Den 27. November.

Amsterdam, 100 fl. Crt. . . . Augsburg, 100 fl. Crt. . . . Berlin, 60 Thlr...... Bremen, 50 Rtblr. in Louisd'or. Hamburg, ioo Mrk. Bco. . . . Leipzig, 60 Thlr......

„ in der Messe .... London, 10 Livr. St..... Lyon, 200 Fr....... Paris, 200 Fr....... Mailand, 250 Lir. Anstr. . . . Wien, in 20r 100 fl. C.-M. . . Diskonto .........

Kurze Sicht

Zwei Monat

Gold- und Silber-Sorten.

Nene Louisd'or............

Friedrichsd'or.............

Ducaten . . . .......«...

20 Frank-Stücke ...........

Holländische 10 fl. Stücke........

1 Englische Souverains..........

! Laudihaler .............

Preußische Thaler...........

Hochhaltiges Silber..........

Gering-mittelhaltiges Silber........

fl.

11

9

5

9

10

12

2

1

24

24

(Fr

fr.

5 56 36 38

5

2 437» 45 24 18

kf. I.)

Briefe 100%

99%

88%

121%

95

107%

Geld 100% 119% 105%

105%

121

94% 94% 100%

Briese

88

Geld

160%

-

120%

1%

Verlag von H. Fischer und C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.

Tanzunterricht. (1522) Auf vielseitiges Verlangen habe ich mich entschlossen, diesen Winter Tanzunterricht zu ertheilen in Walzer, Galopaden sowohl als den neuesten Touren der Contredanses und andern beliebigen Tänzen, wozu ich mich mei­nen Freunden und Gönnern höflichst empfehle.

Wiesbaden, den 28. November 1848.

Georg Stemmler,

Taunusstraße Nr. 32.

(1524) Mein Lager von fertigen Herren- Hemden, in farbig und weiß; sodann gestrickte Damen- und Knaben-Jâckchen von weißer gonia- Wolle; Herren- und Damen-Jacken und Hosen in Wolle und Baumwolle u. s. w. er­laube ich mir hiermit bestens zu empfehlen.

I. L. Seibert in der Lauggasse.

(1534) Es werden folgende Capitalien gegen doppelte Sicherheit in die Nähe von Wiesbaden auf Güter gesucht: 30,000 fl., 40,000 0" 10,000 fl., 6300 fL, 3300 fL, 4000 0" 2000 fL, 1800 fl. Die Expedition duff- Blattes sagt wo?

(1532) Unterzeichnete empfiehlt sich dem ge­ehrten Publikum im Fertigen von Hüten, - ben, Chemisetten, Krägen und alle in dte; Fach einschlagende Arbeiten und verspricht ree und prompte Bedienung.

Wiesbaden, den 28. November 1848. ,

Rosina Eckhardt geb. Eng" Metzgergasst Nr. 20.__ (1508) Bei Dreher Barth in der Kirchgassr Nro. 30 find ein auch zwei möblirte .«um zu vermiethen, wobei auch die Kost abgegev werden kann.