^ Reichsminister v. Schmerling zeigt an, daß der Neichscommiffär Bassermann von Berlin zurückgekommen sei, und bittet, demsslben, sobald er in die Bei sammlung eingetreten sein würde, das Won zu ertheilen, um derselben Mittheilungen über seine Thätigkc t in Berlin zu machen. Um jedoch die Centralgnvalt in Berlin nicht unvertreten zu lassen, würden noch heute zwei neue Com- missäre, die Abgeordneten Simson und Hergenhahn, dorthin abreisen.
Das Reichsministerium hat sich demnach dem Rap- pard'schen Antrag, anstatt ihm entgegenzutreten, im Voraus unterworfen.
Hinaus wird der Rappard'schc Antrag zur Dis-. cussion gebracht; zu welchem zwei Zusatzantragt ringt, gangen sind.
Lon Schulz von Darmstadt:
Die Nationalversammlung beschlüßk:
1) Unverzügliche Beipflichtung der Truppen zu Treue und Gehorsam gegen die ReichsbehördtN, und daß alle Truppenanführer sofort wegen jedes Zuwi- Verhandelns gegen die Befehle der RcichSbehorden für verantwortlich erklärt werden.
2) Zusammenziehung von Reichstruppen, um allen Eventualitäten in Preußen und Österreich gewachsen zu sein; so wie zum Schutz d-r deutschen Ostgränzen gegen die etwaigen Versuche auswar, tiger Einmischung.
3) Weisung an das Reichskriegsministerinm und an den Wehrausschuß, zur Lennehrung der Streitkräfte zunäast in den mttleren und kleineren Staaten und zur Organisation, Bewaffnung und möglichst schnellen Einübung eines Volksheeres die erforderlichen Maßregeln binnen zweimal 24 Stunden Voranschlägen.
4) Weisung an den Finanzausschuß, daß er binnen zweimal 24 Stunden Vorschläge mache zur fchleu- nigsten Beischaffung des durch die Umstände gebotenen uud zumal durch das Aufgebot eines Volke- herrcs erforderlichen Aufwandes.
Von Vogt:
■ 1) Die Wahl des UuterstaatSsecretärs Bassermann zum Reichscommiffar, als eine verfehlte, zu mißbilligen.
2) Das Verhältniß der preussischen Regie, ung und der preussischen Landesvertretung in die Lage, wie sie vor Amtsantritt des Ministeriums Brandenburg bestand, zurückzuführen.
v. Rappard erhält zuerst das Wort. Er fordert auf, die Stimme des ganzen deutschen Volkes, durch sein Organ, die Nationalversammlung, zu erheben, und sie zu vereinigen mit dem Ausd uck der großen Organe Preußens und so die Krone dahin zu vermögen, das bereits gezückte Schwert wieder in die Scheide zu bringen, so werde der Friede zwischen der Krone und dem Volke neu geschlossen werden. Er erklärt sich für einen Freund der Republik, für Preußen aber die coustitutio- nelle Monarchie gegenwärtig als die geeignetste Regje- rungsform, und stellt zu seinem gestrigen Antrag das Zusatzamendement: die Nationalversammlung möge der preußischen konstituirenden Versammlung ihre vollsten Sympathien auesprechen. Bassermann habe, obwohl er ihn für einen Ehrenmann halte, seine Sendung gänzlich ve, fehlt. Ehre ihm und andern Männern während der Märztage! Aber es scheint, als fei er hinter seiner Zeit zurückgeblieben. Uebrigens erledige sich dieser Punkt, da bereits zwei neue Commissäre ernannt seien.
Nach ihm erhält Bassermann daS Wort und dankt zunächst mit sehr gedrückter, ja gebrochener Stimme v. Rappard für das wohlwollende Anerkenntniß seiner guten Absicht. Dann kommt er auf die Anarchie in Berlin, das Zunageln der Thüre im Schauspiel- Hause, die Unfreiheit der Berliner Versammlung u. s. w. zurück.
In Berlin ««gekommen, habe er Abends die Strassen durchwandelt, sei aber vor der Bevölkerung, die er da, namentlich in der Nähe des Schauspielhauses, gesunden, erschrocken (Gelächter); eine Bevölkerung, die er so abstoßend gefunden, daß er sie nicht schildern könne. Er habe sich mit den Behörden der Stadt und der Bürgerschaft, ja sogar mit dem Vorsteher eines demo- kratischen Clubbs (sogar!), der ihn täglich besticht habe (so?), in Verbindung gesetzt, und glaubt sonach, ein, garz richtiges U> theil über Berlin zu haben. — 2vie schn cknch die Zustände seien, gehe u. A. daraus hei vor, daß in jedem Kramlädchen der Traum eines Republikaners aur rothes (wie schrecklich!), auf rothes Papier gedruckt, auèhänge; da sehe man einen Republikaner stehen und um ihn eine Reihe Laternenpfahle, welche alle voll bängèn (halblautes Gelächter), ja vor dem Schauspielhause sei eine rothe Fahne auf- gepflanzt, und die Bürgerwehr ohnmächtig gewesen, tiefem Treiben zu feuern. Dann gibt er «inzeine Scenen aus Volksversammlungen, stellen aus Reden u. s. w.
Da eine Vermittlung nicht möglich gewesen, fei er zurück u. kehrt, um cem Neichsverweser seine Entlassung als Unterstaatssecretär anzubieten. (Beifall.) Die Ueberzeugung hab? er aber von der Reife mitgebracht, daß die Versammlung durch nichts dem Vaterlande mehr dienen ko ne, als durch eine schleunige Zustande- biingung der Verfassung. (Beifall von Der Rechten, Gelächter.)
Präsident theilt einen Antrag Wernhn's von Nierstein mit, den Nappard'schen Antrag an einen Aus- schuß für Centralgewalt zu überweisen.
^Lernher'sche Antrag wird mit 261 gegen 172 Stimmen angenommen.
3< mm er mann auS Spandow leantragt, dem Ausschuß aufzugeben, sofort Bericht zu erstatten, deshalb die Sitzung j-tzt zu schließen und um 4 Uhr eine zweite Sitzung anzuseßen. Dieser Antrag wird abgelehnt.
Wesendonk erklärt, daß, da man Bassermann einseitig eine Darstellung gestattet habe, ohne daß man der GegenpakM-Gelegenheit zur Widerlegung gegeben, er mit seinen Freunden gegen die Verweisung an den Ausschuß feierlichst protestier.
Bimmermann aus Stuttgart beantragt, morgen Sitzung zu halten; Hcusterbergk: Heute eine Nacht- fifurg zu halten.
, Levysohn interpeflirt den Ausschuß über den Biedermaun'schen Antrag, ob er auf Nauwerk'S Antrag vom 16. d. M. morgen Bericht erstatten könne, und beantragt, ihm das durch Beschluß der Versammlung aufzugeben. Ein Antrag von Wigard geht ebenfalls auf eine Ertra-Sitzung morgen.
Die Majorität der Versammlung verwirft diese Anträge sämmtlich.
v. Rappard zieht fernen Antrag zurück.
Präsident erklärt das für unzulässig, weil der Ausschuß schon mit Dem Bericht beauftragt sei.
Vogt zieht für sich und im Auftrag Nauwerks seinen und dessen Antrag zurück und erklärt, daß ein Ausschuß nicht über einen Antrag berichten könne, der nicht eriftire. Schulz desgleichen.
Präsident zeigt an, daß Fröbel, aus Wien zurücktehicnd, das Wort zu einem Bericht über seine und Blum's standrechtliche Verfolgung verlangt hätte, er habe ihn darauf veranlaßt, diesen Bericht schriftlich zu stellen, o^ne daß er damit die Absicht verbunden, ihm das Wort zu entziehen ; Fröbel habe es iudessn so veistandkn und erklärt, so lange an den Verhaud- lungen keinen Theil nehmen zu wollen, bis die Versammlung über seine und seines ermordeten Freundes Verfolgung einen Beschluß gefaßt habe.
Auf Vorschlag des Präsidenten ertheilt die Versammlung Fröbel das Wort. Er wird mit lautem Beifall und dem Rufe Willkommen, auf der Rednerbühne empfangen. Aus seiner mehr als stündigen Mittheilung heben wir so viel heivor, daß Verrath die Urfache von Wiens so unerwartet früher Unterwerfung war, daß die Gefangenen im Gefängniß mit einem Spion zusammengebracht wurden, und daß eine energische Berufung Derselben, auf ihre Eigenschaft als Abgeordnete zur Reichsversammlung, die unmittelbare Folge hatte, daß Blum verurteilt und das Urtheil sofort vollzogen wurde, während man den Sprecher von Da an einer veränderten rauhen Behandlung unterwarf und mehrere Tage recht geflissentlich die Meinung bei ihm unterhielt, er habe jede Stunde dasselbe Sch cksal zu erwarten. Seine Begnadigung verdankte Der Sprecher Dem Umstand, daß er früher eine Broschüre über Oesterreichs Stelln g zu Deutschland geschrieben habe, welche den Grundsatz enthielt, daß Ersteres in seinem ganzen Umfange zu Deutschland zu ziehen sei; welcher Grundsatz jetzt dort Beifall zu finden scheine.
Nach seiner Freisprechung wurde Fröbel angewiesen, so schnell als möglich, über Prag sich über d e sächsische Grenze zu begeben.
Präsident schlägt vor, die Rede Fröbel's dem österreichischen Ausschuß zuzuweisen, was genehmigt wird. (R.-Z.)
(Schluß folgt.)
Deutschland.
+ Von der Lahn. Deutschland ziehe Dein Trauer- kleid an! Einer Deiner besten Kämpen ist durch die Kugeln der sreiheitsmörderischcn Soldateska gefallen. Das Vorbild der freiheitsdurstigen Jugend, das Muster unerschrockener Männlichkeit als Vorkämpfer für religiöse und politische Freiheit Deutschlands ist nicht mehr unter den Lebenden. Er, dessen Reden unS begeisterten, dessen Thaten uns entflammten, Robert Blum, ist nach dem Falle Wiens durch die Kugeln der Unterdrücker deutscher Freiheit gefallen. Deutsches Volk! Souveränes Volk! Dein Abgeordneter ist auf den Willen eines blutdürstigen Soldaten hingeschlachtet worden. Deutsches Volk weine, aber wache, und heilige den Tod Deines besten Freundes durch muthiges, unerschrockenes und ausdauerndes Festhalten an Deinen von Gott Dir in die Brust geschriebenen ewigen Menschenrechten, laß nicht ab von dem Ringen und Kämpfen um Deine Freiheit, halte fest an den Grundsätzen der Demokratie! Lasse Dich nicht beirren, durch den derzeitigen Sieg Deiner Unterdrücker! Dir, dem jetzt besiegten, muß endlich der Sieg wirden. Als im Februar der gallische Hahn zum ersten Male krähte und durch seinen Ruf in unserem Nachbarlande die Freiheit aus ihrem Grabe weckte, da ermannte sich auch Deutschlands Volk und schüttelte die Zwangsjacke der Tyrannei ab. Doch kaum abgelegt, sollte dieselbe ihm wieder von den Machthabern desto knapper, und wie sie sagen, bequemer angepaßt werden und auf jene erste Revolution teilte die von Der Reaction geschmiedete furchtbare Conti Revolution. Tausende und Tausende sind in der letzteren ichon hingeopfert worden und abermals ^auicnde iverben im Kampfe gegen dieselbe ihren nun- nrehr freien Brudern in den Tod folgen, aber so nur wird endlich auch diese besiegt werden und wenn Der
gallische Hahn zum zweiten Male krähen wird, dann erst wird unserem Deutschland die wahre Freiheit die Tochter der Natur, das Idol des menschlichen Herzens in ihrer wahren Gestalt erscheinen, dann auch wirst Du, deutsches Volk, sie Dir nicht wieder entreißen lassen.
4= Idstein, 18. Nov. Seit ungefähr vier Wochen hat sich hier auch ein Verein zur Wahrung der Volks rechte gebildet, der jetzt schon beiläufig 200 Mitglieder zählt und noch stets im Wachsen begriffen ist. Die beiden früher hier bestandenen Vereine, der demokratische und der für Freiheit, Gesetz und Ordnung haben sich aufgelöst und sind gleich anfangs, letzterer jedoch nur theilweis, dem neuen Vereine beigetreten. Wir leben der Hoffnung, daß dadurch in unserm Städtchen die verschiedenen Parteien sich dauernd vereinigen und fortan ohne allen Rückhalt entschieden auf der Bahn des Fortschritts fortwandern werden, ohne sich von Den wenigen Dunkelmännern, die Jedem hier bekannt sind, und die Die bisherige Spannung hervorge- rufen hatten, nochmals ins Schlepptau nehmen lassen.
In der g'st.igen Versammlung des Vereins zur Wahrung der Volksrechte wurden folgende Adressen einstimmig angenommen und heute abgesendet:
I. An die hohe Nationalversammlung in Berlin!
Die jüngsten Ereignisse haben unwiderleglich gezeigt, daß es eine Partei gibt, die gleißnerische Verheißungen im Munde, im Herzen aber den unvertilgbaren Wunsch trägt, dem Volke seine Rechte, die ihm die großartkgz Märze, Hebung gewann, zu kürzen und zu rauben. Ihr seid cs, edle Männer, Die Ihr durch heldenmüthige Energie Der im Finstern wühlenden Reaction die Maske abgezogen, Ihr habt im Verein mit einem braven frei, heitsbegeistertkn Volke durch großartige Selbstbehcrr- . schung dieser Partei den Vorwand entzogen, unter dem Afte die Freiheitsbkstrebungen des Volks a's Anarchie und Gesetzlosigkeit vernichten konnte. Euer Verdienst ist unsterblich, Denn Euer erhabenes Beispiel wird Deutschland vorleuchten, es wird dazu wirken, daß das deutsche Volk, im Angesicht der Gefahr sein Kleinod schützen lernt und, Hinfort erhaben über Parteisüchkelei und Schlafsucht, sich zusammenfügt zu einem dichten Schutzwalle wahrer Freiheit, gegen ihre Feinde. Eure Großthat hat Euch bewährt als ächte deutsche Männer, Ihr werdet stets ausharren, wie Ihr begonnen, und Euer Volk mit Euch. Unsre Herzen schlagen Euch voll Bewunderung und Ehrfurcht entgegen und wir vertrauen fest, daß das ganze freiheitsbegeisterte Deutschland Euere Gefahr und Euern Kampf zu dem Seini- gen machen wird.
Idstein, im Herzogthum Nassau, b. 17. Nov. 1848. (Folgen die Unterschriften.)
H. An die hohe Nationalversammlung in Frankfurt a. M.
Mit Zustimmung haben wir aus öffentlichen Blättern vernommen, daß Ihr, Vertreter des deutschen Volks, in Folge der jedes deutsche Gemüth mit Entrüstung erfüllenden Nachricht von der ohne Recht und Gesetz er» folgten Hinrichtung Robert Bl u m's auf Untersuchung und Bestrafung der Mörder desselben gedrungen habt.
Wir sehen hierin den Anfang zur Rettung der Ehre Deutschlands, welche durch die lasse Behandlung der Sache Wiens Gefahr lief, ganz verloren zu werden, und fordern Euch auf, nachdem wir die Verwerfung des Miiwritätsgutachtkns hinsichtlich der Einmischung der Centralgewalt in die Berliner Ereignisse mit Mißbilligung gehört haben, nun energischer und thatkräftiger in der Sache Berlins und gegen alle Pläne der Reaction einzuschreiten.
Idstein, den 17. Nov. 1848.
(Folgen die Unterschriften.)
Frankfurt. An die Stelle des Abgeordneten Natt eaur, der es mit feiner Ehre, seiner Pflicht und seinem Gewissen unvereinbar hielt, Dem Reichsministerium ferner zu dienen, ist der Abgeordnete Biedermann aus Leipzig zum Gesandten der Centralgewalt in der Schweiz, ernannt worden. (R. Z )
Heidelberg, 18. Nov. Großes Aufsehen erregte der in diesen Tagen hier an dem israelitischen Antiquar Lieber verübte Mord. Der Mörder ist Helf aus Rudolphszell im Badischen. Dieser studirte vom Jahr 1838 bis 1840 hier Medizin, ohne jedoch ein Staats- eramen nach seiner Studienzeit zu machen. Er lebte hier in dürftigen ökonomischen Verhältnissen, war aber schon damals mit Lieber im Verkehr. In der letzten Zeit kehrte er wieder hierher zurück, war aber feinem Aeußeren nach in noch dürftigeren Umständen als früher. Ob er nun vielleicht dein Antiquar noch Geld schuldete und dieser ihn zur Zahlung mahnte, ist ungewiß. Man hörte nun am letzten Freitag Abend von der Straße auS, den Lieber um Hülfe rufen. Naf- sauer Soldaten, welche in der Nähe des Hauses waren, wollten zur Hülfe eilen, fanden aber die Hausthur von innen verriegelt, was von Helf bei seinem CM- treten in das HauS geschehen war. Drei Soldate stiegen durch das Fenster in das Zimmer. Lieber hau schon mehrere Wunden erhalten und lag röchelnd a s dem Boden. Der zuerst eiugcdrungene Soldat Versuches, dem Mörder den Dolch zu entreißen, erhielt abe von ihm einen Stich in den Unterleib. Da Li ebb uuteidessen verschieden war, beschäftigten sich die Soldaten mit ihrem schwer verwundeten Kamaraden. U - terdessen entfernte sich Helf aus dem Zimmer. Kau>
