den ja, Gott sei Dank, noch die alten Gesetze und ihre auf die neuen Vorgänge so herrlich passenden Paragraphen: der gute Bürger wird sich die Nachtmütze tiefer über die Ohren ziehen und sprechen: Nun wird Alles gut werden, nun wird Ruhe werden, Gott und der hochlöblichen Polizei und dem heiligen Landrecht sci's gedankt. Es wird zwar in Wahrheit um desto weniger ruhig werden, je augenfälliger die Rückkehr zu dem alten Polizeiftaate oder vielmehr der Uebergang zu einer weit ärgern, geist- und gemüthlosen, ungesalzenen und ungeschmalzenen, ganz nur der Nützlichkeitö- thcorie, der Anbetung des Geldsacks entsprungenen uirb deshalb rein und allein brutalen Polizeiwirthschaft wird; — aber der gute Bürger glaubt's nun einmal, daß dadurch die Ruhe kommen müsse und werde, und der Glaube macht bekanntlich selig. Verhaftet sind, soviel zu unserer Kunde gekommen, die Herren Dowiat, Ot- teusoser und May, verhaftet werden sollten die Herren Karbe und Edgar Bauer; elfteren fand man nicht zu Hause, für letzten, nahm nm ürthümiich einen Andern mit; die Staatsanwaltschaft soll Willens sein, Alles zu verhaften, was bei den bekannten Vorgängen, die in Folge der Charlottenburger Barbareien hier statt- gefunden haben, irgend beteiligt gewesen sei
(Berl. Z.-H.)
Posen, 25. August. Die Plescheuer haben ihr Land- und Stadtgericht beim Oberlandeögericht zu Posen vc> klagt. Ein polnischer Vikar zu Pieschen hatte nämlich Plakate Vortheilen lassen, in welchen die Bedrückungen, welche die katholische Kirche zu erleiden habe, in etwas starken Farben geschildert wurden. Dies erregte die Erbitterung der Deutschen; der Mann wurde eingesteckt. Nun war an dem Tage gerade Wochcn- markt, die polnischen Landlente liefen zusammen und b stürmten den Laudrakh, den Vikar herauszugeben. Unterdessen läßt der Kommandant der Besatzung die Mannschaft zusammentreten, die Glocken werden geläutet, die Stadt ist in größter Besorgniß. Da ruft der Direktor des Land- und Stadtgerichts das Richter- Collegium von Neuem zusammen, das Resultat der Berathung ist, daß der Geistliche frei gelassen wird; im Triumph wird er vom Volk nach Haus gebracht; die Ruhe ist hergestellt, die Erbitterung ist erloschen, nur nicht die von 112 Pleschnern, welche strenge Gerechtigkeit verlangen; fiat Justitia pereat mundus. Eine Deputation wurde sofort nach Posen geschickt, um bittere Beschwerde über das Verfahren ihrer Behörden zu führen.
Altona, 27. Aug. Die Aussichten aus einen baldigen Friesen haben sich wieder getrübt; selbst die auf einen baldigen Waffenstillstand sind seit vorgestern schwankender geworden. — Hr. Welcker, der Rcichsgesandte an das schwedische Ca 'inet, welcher gestern in Hamburg angekommen, wird heute, dem Vernehmen nach, nach Rendsburg reisen, und dann sofort sich an seinem Bestimmungsort begeben. Vom 28. fügt indeß die „Hamb. Börsen-Halle, der wir diese Nachricht entnehmen, Folgendes hinzu: Durch ein Privatschreiben eines sehr gut unterrichteten Rendsburger erfahren wir, daß vorgestern noch keine Nachricht über das Gelingen oder Scheitern der Malmöer Waffenstillstands-Unterhandlungen bei der provisorischen Negierung eingelaufen war.
Oravicza im Banat, 20. August. Nachdem mein früherer Bericht bereits auf die Post gegeben war, erfahre ich von Weiskirchen Details» welche das Blut in den Adern erstarren machen. Als die Serben in den illprischen Stadtheil durch Verrath der Weißkirchner Illyrer eingedrungen waren, schlachteten sie Weiber und Kinder der Deutschen ab, welche vereinzelt unter ihnen wohnen, und begingen die schändlichsten Grausamkeiten. Kleine Kinder sollen gespießt am Bauche aufgehängt und von diesen Kannibalen in Stücken zerrissen sein, so daß nach Ve-drängung der äußern Feinde die ganze Wuth der Wcißfirchner sich gegen den innern Feind wendete. In Folge dessen begann zwischen Illyriern und Deutschen in Weißkirchen selbst^eine Mordscene die zu entsetzlich ist, um beschrieben zu werden, und welche mit der Vertilgung alles dessen endete was illirischen Stammes ist.
Die Insurgenten sollen inzwischen wieder Verstärkung erhalten, und Weißkirchen neuerdings eingeschlossen haben. — Das Morden und Schlachten wird also wahrscheinlich wieder beginnen, und wenn keine stärkere Hilfe kommt, mit der Vernichtung der Deutschen in Weißkirchen enden. DaS Blut von Tausenden wird nicht umsonst um Rache schreien, von Tausenden, welche dem Worte ihres Landesvaters in kindlicher Liebe Folge geleistet, und nun eben deßhalb abgeschlachtet werden. Hat denn je die Erde schon ein solches Trauerspiel gesehen, daß Brüder gegen Brüder gehetzt werden um sich gegenseitig zu vert lgeii, dass Soldaten und Offnere desselben Monarchen unter gleichen Fahnen und angeblich beide nach dem Befehle dieses Monarchen gegen einander fechten?! Ihr sprecht von Freiheit nudOef- scntüchkeit; warum erröthct ihr nicht, daß dieses Brand-
der schändlichsten und hinterlichsten Politik darauf lastet. ! Wie lange noch wird der Kaiser Zusehen, daß
^J^ als ein Opfer dieser Schandpolitik fallen?!
'ucht dereinst auch die Stunde kommen, welche Vergeltung fordert nicht allein für das was geschehen, sonoent auch für das was unterlassen ist?!!!
(Allg. Oestr. Ztg.)
w ö r n.
Pesth, 22. August. (N. C.) Man war hier sehr gespannt aus b;e neuesten Kriegsereignisse im südlichen
Ungarn, da man wußte, saß der 19. August zu einem großen Angriff auf das Lager der Raizen bei Sz- Tomas bestimmt war, auf dessen guten Erfolg man mit größter Sicherheit rechnete, um so mehr, da die Ungarn daselbst eine höchst imposante Macht, besonders an Nationalgarden, konzentrirten. Allein gestern traf die Nachricht èin, daß erwähnter Angriff zwar wirklich erfolgte, aber vom Feinde total zuinckgeschlagen wurde. Unser Verlust besteht nach eigener Angabe auS mehreren Hundert Todten und Verwundeten, darunter 9 Offiziere. Die ungarische» National-Garden sollen sich bei dieser Affaire schmählich benommen haben. Nachdem sie Anfangs keck bramarbasirten und auf das deutsche Militär schimpften, ließen sie dasselbe, als es Ernst wurde, im Stich und ergriffen feig die Flucht. Man ist hier nicht ohne Besorgniß wegen der Serben, welche mit Macht in Ungarn einfielen und zu denen sich wallachische Gränzbataillone schlugen. Beginnt nun auch der Ban Jel- lachich mit seinen Kroaten die Feindseligkeiten, so steht unsere Hauptstadt in Gefahr, in Feindes Hand zu gerathen !
Schweiz.
Zürich, 22. August. (Abstimmung über den Bnlidkseiitwurf. Die italienischen Flüchtlinge.) Ich melde Ihnen kurz daS Resultat der vorgestrigen Volksabstimmung über den Bundesentwurf: St. Gallen, Thurgau, Schönhausen, Aargau und Luzern (hier mit Hülfe des Beschlusses, daß die Abwesenden als Annkhmende gezählt wurden) haben angenommen, so daß die Zahl der definitiv anuehmenden Stände nun auf elf gestiegen ist; Zug hat mit zwei Drittel gegen ein Drittel der Stimmen verworfen; von Wallis und Granbündten ist das Resultat noch nicht bekannt. Man ist sehr entrüstet darüber, daß die französische Regierung an der Baßler Grenze alle italienischen Flüchtlinge, die sich nicht im Besitz von zureichenden Subsistenzmitteln befanden, von dem gastlichen Boden Frankreichs zurückwies. In Zürich, wie in vielen schweizerischen Orten hat sich ein Hülfecom'tr für die zahlreich anlangenden Italiener gebildet. (N. N. Z )
Italien.
Genua, 21 August. Die angesehensten Einwohner in Parma, Piacenza und Modena haben gegen die Besetzung ih cs Gebietes durch die Oesterreicher protestirt und ihre E.klärung dem englischen wie dem französischen Gesandten mitgetheilt.
Turin, 24. August. Die gestrige Sitzung des hie- sigen politischen Klubs ,,II Circole Nationale“ war von den meisten alten Ministern besuch: und aufs Höchste aufgeregt. Gioberti kaffe offen die Kamarilla des Verrates an; er gab mehrere Beweise, wie dem abgetretenen Ministerium auf alle erdenkliche Weise ent* gegengewirkt worden. Interessant war die Enthüllung, daß das Ministerium von dem Anerbieten der englisch- französischen Vermittelung gar nichts erfahren, daß vielmehr Alles lediglich von der Umgebung des Königs im Geheimen verhandelt worden. Gioberti schließt mit dem Aufruf an das Volk: Zu den Waffen! Ueber Genug haben wir Berichte ans Rom, welche von dem Ausbruch einer Revolution reden und hinzu fügen, daß drei Kardinäle erdolcht worden und die übrigen nach Civita-Aecchia entflohen, wo sie ein englisches Dampf- boot an Bord genommen. Diese Nachricht wird stark bezweifelt. Was die sizilianifche Krone anlangt, so ist sie, wie sich jetzt vorausfehen ließ, von dein Herzog von Genua abgelehnt worden.
Nach der Dieta Italia na hat die päbstliche Deputation mit Radetzky folgende Uebereinkunft geschlossen: die österreichische Armee wird unmittelbar d e Legationen räumen. Sie behält eine Garnison in der Citadelle von Ferrara, welche im Besitze des Kaisers bleibt.
Einige öfternichische Truppenabtheilungen bleiben auf dem Ufer des Po, bis das Land völlig ruhig ist.
Der Pabst nimmt nicht den geringsten Antheil mehr an irgend einem Kriege gegen Oesterreich.
Die Deputation, welche diesen schmutzigen Vertrag ab fehl off bestand aus dem Cardinal Marini, dem Legaten von Forli, dein Fürsten Corsini, Senator von Rom; dem Ritter Guarini, Kriegsmirister. (N.RH.Z)
Großbritannien.
London, 24. August. (Parlamentsverhand- lungeu im Unterhaus.) Im Verfolge der gestrigen Unterhaussitzung fragte Hr. Wawn, ob die Regierung den Dänen gestatten werde, die Elbe zu blokiren. Lord Palmerston erwiederte, daß, da Hamburg zu einer der streitenden Parteien gehöre, die Dänen ein unbestreitbares Recht zu einer solchen Blokade hätten. Es könne daher nicht die Absicht der Regierung fein, sie in der Ausübung dieses Rechtes zu hindern, um so weniger, alö die Regierung die Vermittlung zwischen den beiden Parteien übernommen habe. — In der nämlichen Sitzung kam die Bill wegen der Anknüpfung diploina- tischer Verhältnisse mit dem heil. Stuhl zur Birathung im Ausschuß. Nach einer heftigen, aber uninteressanten Discüssio», während welcher J. O'Connel erklärte, daß er gegen die Bill stimmen werde, da dieselbe durch die Amendements der Lords sich als durchaus ungenügend und unpolitisch erweist, verwarf das Haus 'mit 78 gegen 73 Stimmen ein Amendement Sir R. Inglis, der die weitere Berathung der Bill auf nächste Woche verschoben wissen wollte. Dieselbe wurde bis auf die Abendsitzung vertagt.
. — (Die Chartisten.) Die Regierung hegt noch immer die Besorgnisse vor den Chartisten. Gestern wurden in Manchester wieder 48 Verh iftsbefehle gegen die dortigen Häupter der Partei erlassen. Sie sollen sämmtlich vor die Siefen gestellt werden. In Ashton- unde-Lynè haben sich die Chartisten mit den Repeaters vereinigt und machen allnächtlich der Polizei zu schaffen. Bei einer großen Menge der aus diesein Anlaß verhafteten Individuen hat man Pistolen und Do'che gefunden. Vierzehn der irländischen Staatsgefangenen sind gestern in dem Gefängnisse zu Belfast angekommen.
— (Die Noth in Irland.) Nach dem „Globe" hat sich aus den durch Die Armenöu'.eaur angestellten Nachforschungen ergeben, daß kaum so viel Nahrungsmittel im Lande vorhanden sind, als nöthig sind, die Bevölkerung bis^zum 1. Januar zu ernähren.
London, 25. August. Mit den Frierensbedin- gungen ist's für den Augenblick zu Ende. Dänemark hat die ihm von den frankfurter und preußischen Bevollmächtigten vorgelegten Bedingungen zurückgewiesen. Diese Bedingungen waren in der That derar-ig (nach des ,-Chronicle" Meinung!) daß sie Dänemark nicht annehmen konnte und selbst England sie als unzulässig betrachtete. A»n Abende des 20. August theilte Lord Westmoreland dem preußischen Kabinet eine ähnliche Note Lord Palmerstons mit, wie die von Lord Cow'ey der Centralge- walt überreichte, in welcher die bu'ttische Regierung bedauert, daß die oben gedachten Bedingungen der Art sind, daß sie denselben in gerechter Berücksichtigung Dänemarks ihre Zustimmung nicht ertheilen kann. 'Der französische Gesandte, Hr.'Arago, hat eine ähnliche Note überreicht, in welcher er zu strich die Hoffnung austpricht, man werde Dänemark solche Bedingungen anbieten, daß dasselbe auf einen Waffenstillstand eingehen kenne, da Frankreich und England in der That entschlossen seien, jeden ferneren Angriff auf das Gebiet des dänischen Souveräns zu verhindern. — Wir werden nun bald sehen, ob jetzt die Centralgewalt in einer Deutschland würdigen Weise anfzntretcn gewollt oder im Stande sein wird.
Fr a n k r e èch.
Paris, 28. Aug. Die Frauen haben, 1892 an der Zahl, wieder eine Adresse an General Cavaignac erlassen, wo in sie sagen: „Bürger-General, die Frauen, als Gattinnen, Mütter, Schwestern und Töchter wissen, cs ist cirdlich Pflicht, in dieser traurigen Kämpfen dazwischen zu treten. Hunger hat die Insurgenten auf die Barrikaden getrieben. Für Rebellen würden wir kein großes Bedauern hegen, hätte die Gesellschaft sich stets anständig,, »veise menschlich gegen sie betragen, ihnen eine richtige Bildung gegeben, kurz sich ihnen lieb und werth gemacht. Aber dein ist nicht so, unv deshalb ersuchen wir Frauen Sie, General, die Amnestie nicht fürder aufzuschicben Gestatten Sie, Bürger, uns hier 'unsere Gedanken auszusprechen: die Gesellschaft geht scheitern, unaufhaltsam, sobald nicht Unwissenheit und Hunger ausgerottet werden. Die scheußlichen Erschütterungen des Staates können nur durch Moralisirung, Bildung und Arbeitsorganisation künftig abgewandt bleiden. Ein Volk rcbcüiit bekanntlich nur solange es unglücklich ist. General! das Alterthum ging an der Sklaverei unter! Soll unser Weltalter etwa am Proletariat zu @ unbe gehen? Geben Sie Amnestie, das Beispiel Frankreichs wird immer von den europäischen Staaten befolgt; denn Gott wollte, daß es an deren Spitze wandle, um zu siegen oder zu sterben. Mithin verlangen wir: Amnestie und Socialreform Namens Frankreichs, seiner Ehre und seines Heils; Amnestie und Socialreform im Namen des Menschengeschlechts, damit das Wort Brüderlichkeit sich verwirkliche: A:n- uestie und Socialreform im Namen der Frauen, die es müde sind, ihre Männer stets in den Reihen der Insurrektion und in denen der Ordnung fallen zu sehen." Gezeichnet: Stephanie de Longueville, Jeanne Ma; ie Mazvyer, Josephine Deland hWtwe), J. d'Herff eourt, A. Arnaud; sie erklären Cavaignac habe sie ar' tig empfangen, doch abschläglich.
— Man liest in der Gazette des Tribunaur: Kraft eines Requ sitoriums von Herrn Pinard, Prokurator der Republik, hat der Jnstruktionsrichter Bertrand einen Verhaftungsbefehl gegen die Herren Causfidii e und Louis Bla> c ergehen lassen.
In Folge dessen begaben sich mmrttelbar darauf 2 Polizei-Commissare in die Wohnung des Herrn Caus- sidièr eité Beanjon, ruc Constantine N-o. 26, und des Herrn Louis Blanc, nie Newe Vivienne 57.
Keiner dieser Herren befand sich zu Hause; sie waren seit Freitag Abends nicht mehr in ihre Wohnung zurnckackehrt.
Der Jnstruktionsrichter Bertrand stritt darauf m Gegenwan des Prokurators der Republik m einer Haue- suchung. Die bei Hrn. Kinffibicre ergriffenen Papiere Norden auf die Gerichtsstube gebracht; im Arbeitszimmer des Hrn. Louis Blanc hat man die Siegel angelegt. Heute Abend um 8 Uhr haben die Verhaftsbe- fehlè noch nicht vollstreckt werden können.
— Die Truppen sind heute streng konsignirt. Mehrere Bataillone stationiren am Carousel und auf den Boulevards.
Verantwortlicher Redacieur: J. Oppermann.
