gamsation unsers Theaters in die Hand nehmen soll. Wir wünschen es möge ihr gelingen, ihre Aufgabe in edler Weise zu lösen! Unser Theater ist das einzige Kunstinstitut das wir pflegen können; wir können nicht Museen bauen, großartige Kunstsammlungen an- leaen, Gemäldegallerien schaffen. Sollten wir uns tu unsern Erwartungen tauschen, dann, wahrlich, würden wir es beklagen rem Theater eine Summe zugewendet zu sehen, welche so mancher Noth hätte steuern können. —
-H Zur teutschen Verfassungsfrage.
Wir leben in dem civilisirten Europa, in dem aufgeklärten, an wirklich menschlichen Bestrebungen reichen 19ten Uabrhundei t; so sagen wir, so glauben wir. Unsere Zeit stueirt Humaniora; wir sehen Philosophen und Professoren häufig an der Spitze der Bewegungen der Neuzeit, mit den schönen Worten auf der Zunge und in den Büchern. Aber lebt man mit nüchternem Auge, und das ist, denke ich, nicht schwer, besonders nach den letzten Douche-Bädern, so wird eS einem ganz sonderbar zu Muth", daß man sich trotz der seeligen Lobpreisungen der allgemeinen Welwerbesserung, tu einem hinlänglich kläglichen Zustande sieht. Unwillkuhrlich kommt einem der Gedanke dabei, sollte die Frankfurter Natio- nalpersammlung, die, obgle ch sie schon vixle Ausschüsse und- Commissionen gebildet hat, doch noch Mangel zu haben scheint, nicht auch eine Commission zur Vereinbarung jener ideellen und wirklichen Zustande bilden, wie man in Preußen V-rcibarungS-Versuche der Volks- und Fürstenrechte macht?
Doch wahrscheinlich würde man auch hier keine günstigen Resultate erzielen, wo man von vornherein einen falschen Satz vbenanstellt, da kann nimmer brr Schluß ein richtiger sein, und das steht doch fest, daß wenn man eine Wirklichkeit will, man auf der Erde Fuß fassen muß, und nicht m t edlen Hirngespinnsten die Zeit und Mühe vergeuden darf. In der That, alle unsere Bestrebungen gehen von der Peripherien aus, während wie auf das Centrum unser Augenmerk richten sollten; man kann dies leicht im Großen wie im Kleinen Nachweisen. Um hier nur auf Einzelnes einzugehen, wollen wir nur ein in die Augen fallendes Beispiel wählen. — War es nicht eine der auf Löschpapier gedruckten Errungenschaften, die unendlich vielen Verheißungen, mit denen man sich nicht mehr begnügen wollte, abgerechnet, der verwesten Märztage, daß man jedem deutschen Vo'ks- stammc oder dem ganzen deutschen Volke die Verfassung zukommen lassen wollte, die eben die Mehrzahl für die beste halten würde?
Wir wollen uns heute in keine Untersuchung rin- lassen, welche Verfassung die absolut beste sei, welche verschiedenartige Grur.dverfassnngen an den Tag befördert worden sind; aber das wollen wir in Erwägung bringen, daß noch keine Gelegenheit zur offenen und freien Eiklärung gegeben worden ist, weder in dem einzelnen Staate, noch in Frantfurt. Gesetzentwürfe werden für dieses und jenes entworfen , berathen, angenommen, die ennvibe- die Hauptfrage (es sollte doch die erste sein) bei Seite liegen lassen, oder kgl, vi iren und immerhin siud Gesetze doch nur Ausflüsse der Grund- verfassung; aus Sonnenstrahlen aber (um mich dieses glänzenden Beispiels zu bedienen) wird man keine Sonne machen. WaS aber noch unangenehmer gewesen ist, ist daß man u schuldige Vorkämpfen der Republ k auf Aeußerung ihrer Gesinnungen ohne Weiteres bestraft; dieß bedünkt uns sonderbar.
Wir' müssen drei Fragen zur Erledigung unserer Zweifel aufwerfen. Erstens: H. t die Abstimmung schon statt gesunden und ist die Monarchie durch die Majorität angenommen? In diesem Fallen meinen wir, sei es doch sehr intolerant von der siegreichen Partei, alle andersgesinnten einsperren zu wollen.
Zweitens: Ist die Abstimmung vergessen worden, wie man eine Schu'd vergißt? Alsdann möchten wir mahnen. Over drittens: Will man sich stellen, als ob
die Frage vergessen und denkt man, daß Alles März- Lösch-Papier schon in der Haushaltung verbraucht sei? Bedenke die National - Versammlung nur, daß daS deutsche Volk auf den Gallerien steht, daß man nicht alle Gallerien abbrechen kann, daß das Volk von da ungeduldig zur Abstimmung ruft, daß wieder Märztage kintreten könnten und man sich dann genöthigt sehen dürfte, das neue Versprechen, nicht blos auf Löschpapier zu geben, sondern aus — Concept. —
N a s s a «i s ch e r Landtag.
Sitzung vom 29. August.
Nach Eröffnung der Sitzung und Mittheilung des Inhalts verschiedener kingelaufener Petitionen, verliest der Abgeordnete Bertram eine Petition mehrerer Bürger der Stadt Wiesbaden, deren Schlußbitte dahin geht: die Kammer möge eine Erklärung dahin abgeben, daß sie, sofern der Zustand der Domänenkasse nicht unüberstkigliche Hindernisse "in den Weg lege, für den Forlbeftaud deS Theaters in Wiesbaden Sorge tragen werde.
Sodann erstattet der Abgeordnete Creutz Namens der Theater-Kommission über die neulich cingegangene Petition des Statt-Vorstandes Bericht ab.
Die Commission hatte sich nicht einigen können und die Majorität derselben: Creutz, Justi und Fresenius beantragten:
„Die Kammer geht, in Anbetracht, daß die Ver- wiUigung der 10,000 fl. für das Theater, falls dem Letzter» der Fortbestand, soweit es der Stand der Domänen zulasse, mcht gesichert sei — als durchaus ganz zweck vs sich herausstelle, zur Tagesordnung über."
Der Abgeordnete Naht, ebenfalls Mitglied der Commission, gab folgendes Minoritatsgutachten ab:
„Nur in der Unterstelln g, daß der nach öffentlichen Nachrichten in einer Volksversammlung gefaßte Beschluß einer Demonsteativu zur Bestimmung des Beschlusses der Kammer in der Theaterfrage, nicht zur Ausführung gekommen ist, kann ich die Kammer für frei und Beschlußfähig halten. Mit dieser ausdrücklichen Verwahrung nun gehe ich in die Berathung dieses Gegenstandes der Tagesordnung ein. Wäre es anders, so würde ich es für meine Pflicht halten, hier im Namen des Landes gegen die Gültigkeit eines unter solchen Einflüssen gefaßten Beschlusses zu Protest iren.
Ich gehe zur Sache über.
Die vor einigen Tagen uns übergebene Petition ist mchts weiter denn eine Wiederholung der schon früher uns überreichten.
Man machet der Kammer zu, einen Beschluß, welchen sie nor einigen Tsgen nach reiflicher Ueber! egung gefaßt hatte, heute gcrad.zu wieder aufzuheben. Wenn die Kammer hierauf eingiirge, so würde sie mindesten- Mangel an Besonnenheit, wenn nicht gar Unreife der frühen Beschlüsse bekunden. Das wäre aber der Würde dieser Vei s.immlung keineswegs angemessen. Man will j-tzt von uns eine ganz aUgemkinc Zusage; wir können aber nur eine verklausclie geben; solche verklause'te Bewilligungen kann ich aber nicht für angemessen erachten.
Wahrscheinlich würde die Kammer vorn etwas versprechen, was sie hii.teild.ein abzuschlagen genöthigt, sein würde.
Schon nach der Geschäftsordnung ist eine weitere Besprechung der Sache unstatthaft. Bei allen übrigen Staatsanstalten vcrwiUigt die Kammer nur die nothwendigen Geldmittel für ein Jahr. Hier bei dem Theater aber soll dieselbe schon über ein Jahr weit h naus Geldmittel zugestehen.
Ich stimme dah r mit Verwerfung der motivirten Tagesordnung der Majorität des TheaterauSschusseS dafür: „die Kammer möge eiirfach zur Tagesordnung über-gehen."
Abgeordneter Bertram:
Ich erkläre mich einverstanden mit der motivirten Tagesordnung. Daß wir letzteres thun, heischen Billigkeit, Gerechtigkeit, Menschlichkeit, selbst die Dankbarkeit gegen die Stadt Wiesbaden gebietet es. Diese Stadt hat doch eigentlich die Märzrevolution hervorge, rufen und so für das ganze Land gehandelt. Nun möchte es aber wenige Städte geben, welche in Folge der neuesten Ereignisse so sehr gelitten haben, als Wiesbaden: und es möchte daher undankbar scheinen, wenn man Wiesbaden für die großen Opfer, welche es gebracht hat, nicht eine kleine Unterstützung leistete. Wiesbaden trägt am meisten zur Tragung der Staatslasten bei, ungefähr den 9ten Theil. An Stempel- und Proklamationögeldern wird am meisten in Wiesbaden verwandt. In die Brandkasse steuert die Stadt 5700 fl. und hat doch aus derselben, da sie ja lange Jahre keinen bedeutenden Brand gehabt hat, aus derselben noch wenig Vortheil gezogen.
Meine Herren: machen Sie Neujahr und Weihnachten, diese Freudenfeste, den Künstlern nicht zu Trauertagen. — Seien Sie gerecht, menschlich und billig.
Abg. Justi: Das Theater soll ja erhalten werden, ■ darin sind wir alle einig. Es handelt sich nur darum, wie? Schließen wir uns aber der motivirten Tagesordnung an, so vergeben wir uns nichts und sprechen bloß auö, was schon im Beschluß vom 21. Aug. lag.
Abg. Schmidt: Der Abgeordnete Bertram hat gesagt, Wiesbaden trage mehr Lasten als das übrige Land und insbesondere mehr als das Amt Nassau. Meine Herren! was folgt daraus: daß eben das Amt Wiesbaden reich, daö Amt Nassau arm ist. Es ist aber sonderbar, daß die Armen noch die Reichen unterstützen sollen.
Abg. Großmann: Die Kammer ist keineswegs durch Einflüsse von Außen in ihrer vorurtheilssreien unbefangenen Berathung gehemmt. In dieser wenig populären Frage kann sich eben die Selbstständigkeit der Kammer zeigen. Niemand b anstandet ja das fernere Fortbestehen: gewiß war es die Meinung fast der ganzen Kammer bei ihren Beschlüssen vom 24. August, daß das Theater allerdings erhalten werden solle. Ich stimme für motivirte Tagesordnung.
Abg. Keim: Ich will nicht nochmals wiederholen, was schon berührt ist. Ich meine aber, es handle sich hier um eine Ehrenschuld, die man Wiesbaden abtragen müsse. Wie England, das freiste Land der Welt (?), seinen Helden und den Männern, die sich um es verdient gemacht haben, Ehrengaben gibt, so muß das Land solches auch gegen Wiesbaden thun. Ich stimme für den Antrag der Majorität des Theaterausschusses.
Abgeordneter Wimpf: Unter der Reorganisation des Theaters habe ich stets mitbegriffen, daß man eine Vereinigung mit Mainz versuchen müsse. -Ach châ das Theater nicht als Staatöanstalt aufgesaßt und thue eS auch jetzt noch nicht. Ich habe bei dem Beschluß vom 24. August eben nur einfach der Stadt Wiesbaden bis zum 1. f. I. aushelfen wollen, nichts weiter. Ich beantrage, als Commissionsmitglied ebenfalls einfache Tagesordnung.
Abg. Leisler: Man spricht soviel von der Einheit Deutschlands, aber sieht man zu, wie man dieselbe versteht, wenn man sie inö Leben führen soll, so macht man die traurigsten Erfahrungen.
Der PartikularismuS meine Herren ist unser größter Feind, aber sie finden ihn nicht allein in dem Be- uehmen etwa von Hannover gegen Deutschland, auch in dem Vorhalten der rinzelu Städte zu einander und dem der Städte gegen das flache Land und umgekehrt. Thun wir etwas für das Rheingau, so beklagt man es auf dem Westerwald; thun wir was für Limburg, so beschweren sich andere Städte. Dieser PartikulariS- mus muß schlechterdings fallen! Ich meine wir sollten fragen ist das Mittel nothwendig und dann sollten wir eben handeln? Meine Herren: es ist wahr, in allen Städten, nicht bloß in Wiesbaden stocken die Ge-
eines abgenommenen Hutes bemerkt oder den leise gelispelten Gruß einer frommen Schwester vernimmt; da hebt er einmal flüchtig den Blick und vor ihm, kaum noch zehn Schritte von ihm entfernt, erkennt er eine andere ihm ganz ähnliche Gestalt. Aehulich, ja .— im Aeußern — in Kleid und feierlieber Haltung ; aber guter Gott, wie verschieden im Innern — es war der Prediger der Mcthvdisten-Gemeinde, und beide ehrwürdige Leute warfen sich, als sie aneinander vorübcrschrittcn, einen Blick des tiefsten unversöhnlichsten Hasses zu, ter allerdings schlecht zu ihrem Kleide des Friedens paßte, und schlugen dann die Augen seufzend zum Himmel auf, als ob sie den Nathschluß des Ewigen nicht begreifen konnten, der einem „solchen Menschen" (denn dafür hielt Einer den Andern) zu athmen gestattete.
Was war es aber, das die Häupter der beiden Gemeinden auf so nnversöhiiliche Weise verfeindet- hatte? war es die Religion, war es zu großer Eifer in ihrer heiligen Sache, der sie den Spruch des, von jedem verehrten Heilands „liebe deinen Nächsten wie dich selbst" so ganz hintansetzen ließ? war es vielleicht gar — o entsetzlicher Gedanke — Neid — Neid in einem so frommen Herzen, daß der eine Bruder eine stärkere Gemeinde zähle wie der andere?
Nein — wir thun ihnen Unrecht, in Glaubenssachcn bewiesen sie sich wirklich toleranter, als es sich hätte von zwei so verschiedenen Sekten teufen lassen; nein, das röthete nicht ihre Wangen im Zorn, als sie sich plötzlich
einander gegenübersahen. Etwas Anderes war cs, eine Krankheit, die sich der ganzen Stadt, deö ganzen Staats, ter ganzen ungeheuren Union bemächtigt hatte — die Politik — und das Räthsel ist gelöst, wenn wir erfahren — der Baptist war Whig, der Methodist dagegen Demokrat.
Ein neuer Präsident sollte gewählt werden — und wiederum galt cs jetzt den cntscheivendcn Kampf, welche Parthei Sieger bleiben würde. Drr Whigs ließen alle Minen springen; bei letzter Wahl, wo sie sich so schmählich in ihrem selbstgewählten Candidatcn getäuscht hatten*), war wicdcrnm für vier volle Jahre die Aussscht auf eine „Bank dcr vereinigten Staaten" vernichtet worden, all' ihr damaliges Triumphgeschrei hatte sich gegen sie gekehrt — die Demokraten saugen jetzt sogar die auf sie
*) 3m Sabre 1841 wurden, als C-indidaten der Whigs, General William Henry Harrison aus Ohio als Präsident und John Tyler aus Virginien als Vicel'räsident, mit ungeheurer Majorität der Whigs gewählt. General Harrison erfreute sich aber der chm wiedecfahrnen Ehre nur einen Monat. Am 4. März war er «»»gefetzt worden und am 4. April desselben Jahres verschied er im „weißen Haus" zu Washington. Nach der Eonsiitution der Vereinigten Staaten nahm jetzt der Vieeprâsident John Tyler den eiledigten Stuhl ein, als aber Das, woran die Whigs bis jetzt Herz und veben gesetzt hatten, die Bill über Errichtung einet Nrnonalbank,m Eongreß dnrchgegangen war, sprach zum Ent- setzen seiner Parthei und zum Subel ter Demokraten, die schon alle ihre Plane vernichtet geglaubt hatten, Präsident Tyler fein V et o darüber aus, v 1
selbst gedichteten Spvttlieder, und die Whigs mußten sich mit verbissener Wuth gestehen, daß sie nur zu gut auf ihren eigenen Zustand paßten. Zwar schimpften sie auf ihren Präsidenten und nannten ihn, vielleicht nicht ganz mit Unrecht, einen Verräther an Denen, die ihn mit ihrem eigenen Blut genährt, das änderte aber die einmal rettungslos verlorene Wahl nicht — Präsident Tyler mußte vier Jahre lang den Präsidentenstuhl einnehmen und das Einzige, was ihnen zu thun übrig blieb, war, in der neuen Wahl vorsichtiger zu sein und diesmal wenn sie wieder siegen sollten, auch da zu ernten wo sie gesäct hatten. _
Die Demokraten erkannten dagegen ihrerseits ebenso gut die Nothwendigkeit, ihre besten Kräfte in's Feld zu rufen, denn die Majorität der Whigs war bei voriger Wahl zu fürchterlich groß gewesen, um sie nicht ängstlich besorgt zu machen für ihre nächsten Aussichten.
Eine besondere und kräftige Stütze hatten sie übrigens in den eingewanderten Ausländern, besonders in Deutschen und Iren, von denen ein großer Theil dem Beispiele seiner übrigen Landsleute nur folgte und sich wennig darum kümmerte, was Whig oder Demokrat eigentlich meine, was jede Parthei eigentlich für Zwecke im Auge habe; es schien sich einmal von selbst zu verstehen, daß sie, sobald sie nach Amerika kämen, auch Demokraten würden.
(Fortsetzung folgt.)
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