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hat die sonst so bedächtige Mitte für daS einzige Ret- tungsmittel gegen „Uebereilung" gehalten.

Apenrade, 28, Juni. (S.-H.-J.) Nachdem die v.'.d. Tann'sche und Aldoffer'sche Freischaaren diesen Mor­gen nach Norden auSgerückt waren, ist der Prinz Fried­rich mit 5 Schwadronen Cavallerie, 2 Bataillonen In­fanterie, einer Batterie von 5 Kanonen und dem Brack- lowschen Schützencorps hier wieder eingezogen, um mor­gen weiter nach Hadersleben zu gehen. Wie man hört, hat sich gleichzeitig im Westen Alles in Bewegung ge­setzt und die Preußen und Bundestruppen folgen, um endlich daS so lange preisgegebene Nordschleswig zu be­setzen und in Jütland einzurücken (?). Schwer­lich wird man die dänische Armee ereilen, da es heißt, daß dieselbe schon Hadersleben in nördlicher Richtung verlassen haben soll. Schiffe haben sich in mehreren Tagen nicht gezeigt; vorgestern Abend wurden indessen in der Ferne 7 feindliche Schiffe bemerkt, und da eine Landung als möglich vorausgesetzt ward, wurden von dem Major v. d. Tann sofort die nöthigen Vorsichts­maßregeln zur Vertheidigung der Stadt angeordnet. Die Barrikaden wurden geschlossen, die benachbarten Häuser besetzt u.s.w. Aber die Nacht verging, ohne daß sich ein Feind blicken ließ, und die Schiffe sollen ihren Lauf nach Svnderburg gerichtet haben.

In der Sitzung der schleswig-holsteinischen Ständeversammlung vorn 29. kam npr der Ent­wurf über die Sistjrung der Chausseegelverhebung und der Entwurf einer Verordnung, betreffend den abgeson­derten Gerichtsstand des Militärs, zur Berathung.

Flensburg, 28. Juni. (H. C.) Heute Morgen 5 Uhr wurde unsere Stadt bis auf die wenigen Trup­pen, welche hier die Wachen zu besetzen haben, ganz von Militär entblößt. Artillerie, Cavallerie und In­fanterie, Alles rückte gegen Norden. Zu gleicher Zeit, als unsere Truppen fortgingen, brannte die Mühle, welche zwischen der Stuerschen Mühle und derMarien- Hölzung liegt und bekanntlich einem eifrigen Dänischge­sinnten, Andresen, angehört, in Hellen, hohen Flammen auf. Sollte dies vielleicht dem Feinde als Zeichen gelten.

— Der in Braunschweig erscheinenden „Deutschen ReichSzeitung" wird aus Rendsburg geschrieben: AlS Friedensbedingungen, die in Malmö pactirt wären, theilt man sich hier mit: 1) Prinz Ferdinand als Statthalter, 2) dessen Minister die Mitglieder der pro- visorischen Regierung, 3) Schleswigs Verhältniß zu Deutschland nach dem Tode des letzten Oldenburgers auszumachen.

Hamburg, 30. Juni. ES ist heute ein Courier von London hier durchgekommen und sogleich nach dem Hauptquartiere des Generals von Wrangel weitergecilt. Während hier Alles auf das Eintreffen der Nachricht von erneuerten Feindseligkeiten gespannt.ist, welche am gestrigen Tage wieder eröffnet sein sollten, wird von anderer Seite mit Bestimmtheit versichert, daß ein sechswöchentlicher Waffenstillstand vor der Thür sei.

Morgen wird ein Krankentransport aus Schleswig direct aus hamburgisches Gebiet kommen; in Altona sind die betreffenden Lokalitäten bereits alle überfüllt. Man spricht davon, daß der St. Pauli -Cirkus, ein geräumiges Gebäude, zur Aufnahme der Kranken ein­gerichtet werden solle. Wir fürchten sehr, daß die an­haltend nasse Witterung den Gesundheitszustand bei der Armee noch verschlimmern und noch mehr Fieber als bis jetzt veranlassen wird.

— General Wrangel und sein Generalstab gingen heute Morgen um 7 Uhr zum Heere ab. — Unsere Truppen haben heute schlechtes Marschwetter; es reg­net hier unaufhörlich. — Sie sollen heute noch bis Apenrade, wo sie im Bivouac liegen müssen, und mor­gen auf Haderslkben marschieren.

Altona, 29. Juni. (B.-H.) Auch die deutschen Truppen, welche in der Umgegend von Ländern lagen, haben sich der Bewegung nach dem Norden angcschlossev. Nachrichten aus Hadersleben vom 24. d. zufolge, war die dortige dänische Besatzung keineswegs sehr bedeutend; die Ausgänge nach dem Süden zu waren in starken Vertheivigungszustand gesetzt. Die gestern in Altona angekommenen dänischen gefangenen Soldaten sind einst­weilen dort untergebracht, worden; — 20 — 25 dänische gefangene Offiziere, die heute Nachmittag erwartet werden, werden ebenfalls bis auf weitere Ordre daselbst bleiben. — Gestern ist der gefangene dänische Lieutenant Wedel mit 20 dänischen gefangenen Soldaten von Stade in Altona angekommen und heute nach Flensburg befördert worden. Er und seine Begleiter sind zur Auswechs­lung für den preußischen Lieutenant du Rosep und die 20 gemeinen preußischen und Bundessvlvaten bestimmt, die General Hedemann kürzlich freigegeben hat. In voriger Nacht sollen zwei hannoversche Oberärzte von hier eiligst nach dem Norden abgereist sein.

Berlin, 30. Juni. In der heutigen Sitzung der konstituirenden Versammlung interpellirte der. Abgeord­nete Brhnsch Hrn. v. Auerswald 1) über die Authen­ticität der in den Zeitungen vielfach abgedruckten Note des Majors v. Wildenbruch, worin es heißt, daß die deutschen Fürsten sich der schleswigscheii Sache nur aii- nähmen, um zu hindern, daß die republikanischen Cle­mente Deutschlands sich derselben bemächtigten ; 2) ob es wahr sei, daß der Rückzug Wrangels aus Jütland einer mit Krieg drohenden Rote Rußlands zuzuschreiben ] sei; und 3) was es mit einer ähulichen Note Schwe- ■ dens, deren die „Times" vom 15. Juni gedenken, für eine Bewandtnis; habe? Der Minister'des Auswär­

tige« ging nur auf den zweiten Punkt ausführlich ein. Er gab die bestimmte Versicherung, daß solche Note Rußlands niemals ergangen sei. Der Rückzug sei aus strategischen Rücksichten, die sich auch bald nachher ge­rechtfertigt hätten, und zum Zweck einer schnellen fried­lichen Lösung erfolgt, deren bestimmtes Resultat durch die unablässigen Bemühungen des englischen Cabinets bald zu erwarten sei: Die russische Regierung habe nach den Pariser Ereig­nissen sich dahin ausgesprochen, daß sie eine Stellung bewaffneter Defension zu nehmen gedenke. Da­mit stimmten auch die Rüstungen derselben, welche durch die Unruhen an den Gränzen gerechtfertigt erschienen. Nach den jüngsten Nachrichten seien die russischen Trup­pen bereits von unsern Gränzen entfernt. Mit der Absicht Rußlands, nur seine Gränzen zu decken, stimme auch dessen Verfahren in Schleswig-Holstein. Die Ge­rüchte activer Hülfe an Dänemark seien unbegründet und der Minister habe allen „Anlaß" zu glauben, daß Rußland „geneigt" sei, Alles zu thun, um nicht die schleSw. Sache zu ernsteren Verwickelungen kommen zu lassen. Noch einmal über den ersten Punkt der Inter­pellation befragt, verweigerte Hr. v. Auerswald jede Erklärung. Sodann erhielt die in der letzten Sitzung vertagte Interpellation des Abg. Gladbach über die in Spandau staltgehabte Entwaffnung der aus Schles­wig heimkehrenden Freischärler ihre Erledigung. Als Stellvertreter des Kriegsministers verlangte Hr. v. Griesheim das Wort. Dies erregte schon einen Sturm des Unwillens auf der Linken, die ihm das Recht ab­sprach, von selbst das Wort fordern zu können. Es müßte ihm durch Abstimmung erst ertheilt werden. Zu­vor motivirte Gladbach seine Interpellation und griff heftig Diejenigen an, welche es gewagt, die Kämpfer für die deutsche Sache wie Vagabunden bei der Heim­kehr zu behandeln. Sodann erklärte Hr. v. Griesheim sehr kurz angebunden, daß erst 18, dann 4 Freischärler in Spandau eingetroffen, denen vom dortigen Com­mandeur auf Requisition der hiesigen Polizei die Waf­fen abgenommen worden. Diejenigen, welche dabei Schwierigkeiten gemacht, habe man in die Heimath ge­sandt. Lauter Unwille begleitete diese Darlegung, bis der Redner als etwas darstellte, das sich von selbst verstehe. Da trat Gladbach noch einmal auf und strafte Hr. v. Griesheim der Unwahrheit durch Dokumente, die er verlas, und als sich danach zeigte, daß die Ent­waffnung nicht auf Ersuchen der Polizei, sondern auf einen Mmisterialbefehl erfolgte, brach die Linke in ein anhaltendes „pfui! pfui!" aus. Nun war der Mini­ster des Innern genöthigt, das Wort zu ergreifen, und theilte mit, der Hamburger Gesandte habe angezeigt, daß eine bewaffnete Schaar im Anzuge nach Berlin sei, welche anarchische Umtriebe versuchen würde. Ein unauslöschliches Gelächter -bezeichneto die Aufnahme dieser Erklärung durch die Versammlung, welches die Rechte sofort durch einen lauten Beifallssturm zu widerlegen suchte, als Hr. Kühlwetter energisch erklärte, auch er mache die Politik der frühern Regierung zu der seinigen, indem er nicht dulden werde, daß bewaff­nete Schaaren (sic!) das Land durchzögen. Wann werden es Vie Herren Abgeordneten satt haben, mit Interpellationen zu spielen, bei denen ihnen meist ein x für u gemacht wirbt (F. I.)

Frankreich.

Aus dem Elsaß, 1. Juli. (Fr. I.) Cavaig- nac, der Mann des Tages, ist der Sohn eines im Eril verstorbenen Conventsdrputirten, der für den Tod Ludwigs XVL gestimmt hatte. Seine Mutter war ebenfalls eine eifrige Republikanerin. Ec hat somit republikanische Milch getrunken, wiè man das in Frank­reich zu nennen pflegt. Seiner eigenen politischen Meinung wegen ist er unter der Regierung Louis Philipp'S lange Zeit hintangesetzt worden; erst die Februarrevolution machte ihn zum Divisionsgeneral, Die Republik ernannte ihn zum Kriegsminister, zum diktatorischen VoUziehungsbeamlen, zumRathspräsivenien. Die allein noch über ihm stehende Würde ist: Präsi­dent der Republik. Auch die wird ihm zuerkannt werden, sowie der ConstitutionSentwurf genehmigt ist. In der Nationalversammlung hat er nur eine kleine Partei gegen sich, die ehemalige dynastische Linke. Sie war es, die über die Ernennung der Minister R eurt und Cai not murrte, und bei Proklamirung des Ma- rineministers Le Blanc fragte, ob denn unter den 900 Deputieren — Le Blanc ist nicht Deputirter — kein taugliches Individuum zu finden gewesen wäre. Sie wurde durch eine ungeheure Majorität zum Schweigen gebracht. Indessen ist Cavaignac's Stellung doch keine leichte. Die Veränderlichkeit der Volkögunst hat noch nie ein schlagenderes Beispiel geliefert, als an dem j tzt fast verschollenen — Lamartine. Mehrere Journale zählen jetzt dessen Fehler auf, und rathen Cavaignac, von allem Dem das Gegentheil zu thun, um sich m der offen.lichen Meinung aufrecht zu halten. Stoicis­mus für Epikuräisnius, Schweigsamkeit für Vielrednc- rei, republikanische Tiefe für chevalereske Leichtigkeit wird von der Demokratie pacifique dem jetzigen Chef d'Etat empfohlen und zugetraut.

Paris, 1. Juli. (K. Z.) General Cavaignac, als Chef der vollziehenden Gewalt, hat sich mit dem Ar- beüercvmite über die zur Auflösung der Nationalwerk­stätten zu ergreifenden Maßregeln verständigt. Die Arbeiter sollen in die Privatwerkstätten zurückgeschickt werden, wo es zu arbeiten gibt. In jeder Mairie |

wird .man ihnen.die Werkstätten nachweisen, welche Arbeiter begehren. Die, welche nicht arbeiten sönnen; empfangen vorläufig Unterstützung zu Hause. Endlich soll eiue gewisse Anzahl Arbeiter «ach Afrika geschickt werden, um einen Colonisirungsplan auszuführen. Die Nationalversammlung wird nächste Woche die Erörte­rung des von der Commission vorgeschlagenen Decreter- entwurfeS na^ vorheriger Berichterstattung des Hrn. Fallour beginnen.

— General Laföütaknö ist nicht todt, sondern viel­mehr auf dem Wege dèr Besserung; dagegen ist Ge­neral Bvurgon gestern an seinen Wunden gestorben. Außer ihm sind bis jetzt die GeNerale Negrier, Brea, Nepnaud und Franyois die Opfer dieses unseligen Aufstandes geworden: General Dupivier's Wunde ist gefährlich; man hat ihn gestern Nach Vol-de-Grace ge­bracht. Der Zustand der Generale Korte und Bedeau von dem irrig gemeldet ward, daß er amputirt worden sei, ist befriedigend; den amputirten General Damesme hofft man zu retten. Die Anzahl der getödteten oder verwundeten Obersten und Oberoffiziere der Armee und der Mobilgarde ist ziemlich bedeutend. — Unter der Zahl der Verhafteten nennt man einen alten als Legi- t.mist bekannten General.

— Gewisse bei dein Aufstande thätig beteiligte Personen scheinen mit einigen Maschinisten der Orleans- Eisen bahN im Einverständnisse gewesen zu sein. Seit dein 25. hielten diese eine geheizte Locomotive bereit. Sobald der Aufstand besiegt war, fanden sich mehrere gutgekleidete Herren ein, bestiegen den Tender und die Locomotive brauste mit ihnen davon. Die Verwaltung sandte schleunigst eine zweite Locomotive mit Agenten der Behörde und Nationalgardisten nach; sie konnte aber die die erste nicht mehr einhölen und jene Flücht­linge entkamen vorläufig. — Fast alle bis jetzt ver­hörten Insurgenten befolgen das nämliche Vertheidi- gungsspstem. Sie erklären, daß man fie durch Todes­drohungen gezwungen habe, am Barricadenbau und am Aufstande Theil zu nehmen. Auf alle weiteren Fragen antworten sie nicht. —

— In mehreren Journalen erklären Ohrenzeugen, daß ein Insurgent selbst sich der Erschießung des Erz­bischofs gerühmt und als Grund, weshalb er ihn ge- tödtet, angeführt habe, das Predigen des Präladen sei ihm langweilig gewesen und et habe demselben durch einen Schuß ein Ende machen wollen.

Ein Journal berichtet folgende Episode des blutigen Kampfes der jüngsten Tage: Am 25. fielen aus dem dritten Stockwerke eines Hauses der Straße St. Antoinè mehrere Schüsse; einige Mobilgardisten erwiederten das Feuer; ihre Äugeln aber trafen im zweiten Stockwerke desselben Hauses einen tauben und fast blinden achtzig­jährige» Greis, der am Fenstet stand. Er stürzte todt zu Boden. Einige Augenblicke später trat sein 27jäh- riger Enkel, der den Militärdienst verlassen hatte, ins Zimmer, sah die Leiche, ergriff seine Flinte, stürzte auf auf die Straße, schoß wie verzweifelnd links und recht-, und fiel endlich von Kugeln durchbohrt.

Während des Kampfes wollte die Menge eine Marke- ellderln niederhauen, die man irrig des Verkaufs von ver­giftetem Branntwein beschuldigte. Die Repräsentanten Sarrut u. Mie suchten sie zu retten. Da Sarrut sah, daß die Erbitterung des Haufens nicht zu zähmen war, so rief er aus: „Unglückliche! Wenn du die Vertheidiger des Vatir- landcs vergiftet hast, bist du nicht werth, durchs Schwert zu sterben. Stirb durch Gift und trinke deinen Branm, wein! " Eiligst benutzt die Marketenderin dies Rettunge- uitttel ; man ließ sie gehen und sie begab sich zu dem Dragonerregiment, dem sie angehört.

— Die Gemeinde von Maison- Blanche an der Barriere von Fontainebleau will an dem Orte, wo General Brea und sein Adjutant von den Jnsurgcuten hinterlistig ermordet wurden, zur Sühnung eine Kirche erbauen lassen; bisher hielt sie in einer hölzernen Ca­pelle ihren Gottesdienst.

Nassauischer Landtag.

X1IL Sitzung, vom 4. Juli.

Die Abg. Kremer und Wenkenbach II. sind mit Urlaub abwesend, Wenkenbach ist durch Krank­heit verhindert, der Sitzung beizuwohnen.

Der Vorsitzende Wirth zeigt den Einkauf einer Anzahl Petitionen an, von denen eine, die neue Ge- meiudeverfassnng betreffend, nicht an den Petitionsaus- schuß, sondern unmittelbar an deu Ausschuß für diesen Gegenstand abgegeben werden soll. — Eine Anzahl von etwa 12 Dörfern haben eine gleichlautende Petition eingegeben, des Inhalts, daß die Kammer nicht berech­tigt sei, den Zehnten unentgeldkich aufzuheben.

Reg.-Com. Ler übergibt einen Znstruktionsentwurf für die Central-Commission, für die Gewerbeangelegen- heiten. Der Entwuif wird auch sogleich der betreffen­den Commission übergeben.

Jung fragt die Regier.-Commissäre, warum das Jagdgesetz noch nicht publizirt sei.

Müller der ebenfalls um das Wort gebeten, das­selbe wollte ich fragen.

Reg.-C. Ler. Es wirb der Versammlung bekannt sein baß unser Jagdgesetz, wie es die Kammer bestimmt hat von dem der Nationalversammlung abweicht. Aus diesem Grunde hat die Regierung bisher noch die Ver- öffentlichung aufgeschoben.

Müller II., dieß ist nichi einmal der Fall. Die