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welche bezweckt, Deutsche unb Magyar en tm Slaven- thume — nicht aus- sondern untergehen zu lassen, sollen weder Deutsche noch Ungarn verleiten, noch cnt- muthigen. Was Deutsche und Ungarn als freie Brü­der in den ewig denkwürdigen Marztagen einander ge­lobten, soll eine große Wahrheit bleiben für alle Zeiten. Wir haben 33 Jahre lang unter Metternichs fluch­würdigem System vereint geduldet, ohne büp Ungarn Deutschland, Deutschland Ungarn verrieth, jetzt, da jenes System gestürzt, da wir frei sind, werden wir wahrlich einander nicht verrathen, unier freier Wille ist es treu verbunden zu bleiben unsern deutschen Brü­dern 'und eher würden wir sterberr, als es anders wollen.

Wie beide verbrüderte Nationen, so denkt uub fühlt auch der Palatin Ungarns, und a's Deutsche und Un­garn vereint bei Ihrer Hoheit Ankunft, in Wien Ihnen die Pferde ausspannten und jubelnd Sie in die kaiserl. Burg zogen, da riefen Deutsche und Ungarn: Unser Palatin Stephan! Eljen â Nador. Ja Hoheit — feien Sie der Schutz, seien Sie der Vermittler beider verbrüderter Nationen, wirken Sie dahin, daß von Oben herab endlich der Mund ausgrthan werde, damit jedes Mißtrauen zwischen Ungarn und Deutschen un- uwglich werde — veranlassen Sie es, daß fortan un­sere Minister wahr und offen zu dem Volke reden.

Palatin, auf Sie steht unsere Hoffnung um so mehr, als leider unsere in Wien anwesenden ungari­schen Minister eben für die in Wien lebenden Magya­ren am wenigsten sichtbar waren und es fast schien, als wollten sie es vermeiden, hier irgend ein bestimm­tes, beide Nationen beruhigendes Wort auszusprechen. Aber ein Wort unseres Palatin genügt und daß Se. Hoheit ein solches Wort sprechen, das uns Beruhigung und frischen Muth gewährt, das bezweckte ich, indem ich so kühn war, diese Zeilen an Sie zu richten — cs ist der Wunsch aller Deutschen und Magyaren und unser Stephan wird ihn gewähren. M. Hy.

Ungarn.

Pesth, 9. Mai. Aus den officiellen Berichten, welche unserer Negierung aus Groß-Kikinda und der Umgegend zugekoinmen, ersehen wir, daß die dortigen Unruhen zunächst eoininunistischen oder materialistischen Ursprungs waren. Die Bauern verlangten, daß der Boden unter sic vertheilt werde, und dieses Verlangen benutzten dann die illyrischen Aufwiegler zu ihren Zwe­cken. Ein gleiches Theilungsvcrlangcn spricht sich gleich­zeitig auch in den so weit getrennten slawischen Comi- tatcn im Norden Ungarns aus, wo die Bauern gräß­liche Verwüstungen auf den adeligen Besitzungen, selbst in Städten und Marktflecken anrichten. Auch im Raa­ber Comitat sind die Bauern, nach eben hier ringc- Uufenen Nachrichten, mit gleichen Forderungen aufge- standen. — Ein Privatschreibeu ans Neusatz, dem Hnnpt- erfe der illprischen Umtriebe im Banat, entnehmen wir die Mittheilung, daß dort ein abgedankter Capitäu Namens B er kies an der Spitze der Agitation stehe.

Frankreich.

Paris, 15. Mai, 3 Uhr Nachmittags. (Attentat auf die National-Versammlung.) Heute Mit­tag begab sich ein sehr bedeutender Zug von dem Ba­stilleplatze nach der National-Versammlung, um bei derselben eine Bittschrift zu Gunsten Polens niederzu- legen. Dieser Zug, welcher aus wenigstens 60,000 Menschen bestand, zog den Boulevards entlang unter dem Rufe: Es lebe Polen! Allein nichts in seiner Haltung ließ feindliche Absichten vermuthen. Zwar trugen einige der Theilnehmer Säbel, allein die meisten trugen bloß grüne Zweige. Auch sah man in den Reihen Fahnen wehen, welche die verschiedenen Corpo- rationen bezeichneten. Als die Spitze dieses Zuges beim Pallaft der National-Versammlung angelangt war, fand sie das Gitterthor desselben verschlossen. Die­selbe zog alsdann durch die Straße von Bourgogne und kam bald auf dem ehemaligen Platze dcs Palais Bourbon an. Das Thor des Palastes war verschlossen, allein die Faeadc des Gebäudes ist der Art gebaut, daß man, wenn man die nicht sehr hohe Mauer er­steigt, in das Jni erc des Gebäudes eindringen kann. Es scheint, daß der Palast an dieser Stelle nicht sehr gut bewacht war, denn bald waren die Mauern erstiegen,

und eine ziemlich große Anzahl Bürger sind in den Hof hincittgedrungen und haben von dort aus die Thüren des Palastes geöffnet. Die Menge strömte hierauf in die Tribunen der Versammlung, welche be­reits zahlreich besetzt waren. In wenigen Secunden waren achthundert Menschen eingedrungcn, welche Fah­nen schwenkten und den Ruf: Es lebe Polen! ertönen ließen. Während der Zeit stürzten Bürger in den Saal selber inmitten des furchtbaren Tumults. Wir müssen darauf verzichten, die Unordnung zu beschreiben, welche einen beklagenswerten Angriff auf die Unver­letzbarkeit der Versammlung herbeiführte. Vcrgebeits suchten einige ihrer Mitglieder gegen die Gewalt zu protestircn, welche ihnen angethan wurde. Die Män­ner, welche den Saal der Versammlung eingenommen hatten, überschrieen die Protestationen. Die Eindring­linge besetzten den Raum, welcher die zwei Fractionen der Kammer theilt; die Einen führten heftige Debatten mit den Volksvertretern, Andere kletterten über die Bänke und knüpften lebhafte Unterredungen mit den dort befindlichen Mitgliedern an. Diese beklagenswerthen Scenen dauerten mehr als eine Stunde, nach welcher cs Louis Blanc, der das Büreau des Sekretärs er­stiegen hatte, gelang zu Worte zu kommen. Er ersuchte die Männer, welche den Gang gegenüber der Redner­bühne besetzten, zu schweigen, damit die Bittschrift an die Versammlung vorgelcsen werden könnte. Die Bitt­schrift wurde von Hrn. Raspail verlesen, neben ihm standen Blanqui, Antony -Chaurel und Andere, deren Gesichter uns unbekannt sind.

Nachdem er die Vorlesung beendigt hatte, nahm der Bürger Barbes, dem es bis jetzt nicht gelungen war, sich Gehör zu verschaffen, das Wort, und inmitten eines Lärmens und Tobens, welches uns nur wenige Worte seines Vortrages zu verstehen erlaubte, glaubten wir die Erklärung zu vernehmen, daß das Volk von Paris sich um das Vaterland verdient gemacht hätte. Zu jeder andern Zeit hätten solche Worte nach einem solchen Ereignisse allgemeine Protestationen hervorgerufen, jetzt duldete die Versammlung dieselben in einer stillschwei­genden Ergebung. Wir erwarteten das Ende dieser be­trübenden Scene, als ein Redner, welcher nicht zur Ver­sammlung gehörte, dieselbe aufforderte, zu erklären, was sie zu thun gesonnen sei, um den Wünschen des Volkes zu entsprechen. Dieser Redner, welcher, wie man uns versicherte, Niemand anders war, als Herr Blanqui, verlangte ferner, daß man die Gefängnisse eröffne, daß die Versammlung sich unverzüglich mit der Organisation der Arbeit und der Verbesserung des Looses der arbei­tenden Klasse und mit der Ernährung der Brodloscii beschäftige. Diese Worte wurden von Denjenigen be­klatscht, welche in den Saal eingedrungen und alsdann zu drei- bis vierhundert Mann angewachsen waren; mit AusnahmeEiniger jedoch, welche ihm zuriefcn, sie seien nur gekommen, um an einer Manifestation zu Gunsten Polens Theil zu nehmen. Blanqui kam alsdann auf die polnische Frage zurück und verlangte, daß man un­verzüglich Rußland den Krieg erklären sollte, wenn Rußland nicht in die Wiederherstellung Polens, des demokratischen Polens, einwilligen wollte.

Der Saal und die Tribünen füllten sich während der Rede Blanqui's mehr und mehr mit Eindringenden. Die Tribune der Stenographen wurde nicht mehr ge­achtet, als die übrigen, und wir schrieben unter dem Gedränge der Massen. Hr. Soubrier auf dem Ge­länder der Tribune stehend, suchte sich vernehmbar zu machen, was ihm nicht gelang. Ledru-Rollin war glück­licher und kam zum Worte. Er sagte zu denen, die vor ihm standen, ihre Wünsche würden ganz gewiß Ge­hör finden, aber sie müßten bei diesem Anlasse, wie bei allen, wo bisher das Volk von Paris seine Stimme habe hören lassen, Mäßigung und Anstand beweisen. Ec fordert sie demgemäß zur Entfernung auf. Die Mehrzahl schien dazu geneigt, aber einige Stimmen schrien: „Nein! Nein! Die Versammlung muß in un­serem Beisein berathen. Wir wollen Ordnung, weil die Ordnung, allein die Republik retten kann." Der Tumult ging von Neuem los, und die Versammlung musste sich eine Viertelstunde lang den Lärm geduldig gefallen lassen. — 4 Uhr. Wir mußten den Saal verlassen, um unsere Zeilen für den

Druck abzuliefern. Um in den Palast zurück zu ge­langen mußten wir über eine Mauer der kleinen Gär­ten steigen. Wir erwarteten, die Zugänge zur Ver­sammlung von einer dichten Menschenmasse umdrängt zu sehen, und waren sehr überrascht, nur eine kleine Zahl Arbeiter zu finden, die sich meistens sehr harmlos zeigten. Nach dem, was um uns im Saale gesagt worden war, hätte man glauben sollen, daß 2 bis 300,000 Menschen bereit ständen, die National-Ver- sammlung zu vernichten, wenn sie ihren Befehlen nicht gehorchen wolle. Jetzt aber waren wir schon völlig überzeugt, daß alle Lärmer, alle Aufwiegler, alle Auf- rühcer sich in der Versammlung befanden. Wir er- ^'urten jetzt, daß eine Hand voll Leute, höchstens aus 1200 Köpfen bestehend, es waren, die sich in den Saal eingedrängt und die Versammlung länger als zwei Stunden unter das Joch ihrer Rebellion gezwängt hatten.

Die Gewalt mußte von dem unterrichtet sein, was sich diesen Nachmittag begeben sollte. Ww kam eS denn, daß sie keine Maßregel ergriffen hatte, um dies strafbare Treiben zu verhindern oder ihm gleich Ein- Halt zu thun? Einige Abtheilungen der Nationalgarde ein kleiner Theil der Mobilgarde oder zwei Linien-Ne- gimenter hätten hingereicht, Alles zn verhüten. Wie kam es, daß man nichts that, als der Sturm losbrach? und mit Grund erhebt man gegen General Courtais Anschuldigungen, die auf Verraths-Anklage hinauslaufen. Man fragt sich, wie er den Soldaten der Mobilgarde, welche am Palaste der National-Versammlung als Piket standen, befehlen konnte, die Bayonnete von ihren Flinten zu nehmen und sie in die Scheide zu stecken. Die Zukunft wird lehren, ob er mit der Eineute ein Ucbereinkommen geschlossen hatte. Als wir die Ver­sammlung verließen, dauerte die Unordnung noch fort. Wir trafen auf unserem Wege auf die vierte Legion, welche herbeieilte, um die Repräsentanten vom Volke zu befreien; denn man darf die Wahrheit nicht ver­schweigen, daß die Volksvertreter Gefangene waren. Wir sind überzeugt, daß es der Legion gelingen wird. Sie braucht bloß in den Saal einzurücken und die Auf­rührer hinauszujagen. Die Gewalt wird den Urhebern dieses unheilvollen Treibens eine große Lection zu geben haben. Diese Männer sind bekannt, tveil sie heute das Wort forderten, weil sie nachher auf die Tribune drangen und nicht gestatten wollten, daß die Volksvertreter zugleich mit ihnen das Wort nahmen. Man muß diese Menschen den Händen der Justiz über­geben.

Die an Frankreichs Spitze gestellten Männer müs­sen jetzt nicht blos zeigen, was sie wollen, sondern, was sie können^ sollten sie solcher schändlichen Auftritte nicht Herr werden können, so würde die Versammlung rasch andere Schritte thun müssen. — 4% Uhr. Wir empfangen von einem unserer Stenographen auS dem Saale folgende Zeilen: „Unsere Tribune ist so über­füllt, daß die Journalisten sie aus Furcht vor dem Einstürze verlassen. Blanqui ist bis an die Tribune gelangt und verlangt, daß die Versammlung auf ber Stelle den Krieg erkläre und daß das Polen von 1772 hergestellt werde. Außerdem fordert er Brod für das Volk. Die Bestürzung ist aufs Höchste ge­stiegen; die Thüren des Saales sind unzugänglich." Unser Stenograph fügt bei, er wisse nicht, ob er den Schluß der Sitzung werde senden können.

(Nach den Mittheilungen eines Reisenden, welcher Paris am 15. Mai, Abends 8 Uhr, verließ, waren Barbès, Blanqui rc. später genöthigt worden, den Saal der National-Versammlung zu verlassen, und dann in Begleitung einer Volksmasse zum Stadthause gezogen, um sich als neue Regierung zu constituiren. Während dann die Vertreter der Nation ihre Verhand­lungen fortgesetzt, hätten sich Lamartine und Ledru-Rollin zu Pferde an der Spitze einiger inzwischen zusammen- getretenen Legionen Nationalgarde und mehrerer Caval- lerie-Regimenter zum Stadthause begeben, um die Usur­patoren zu entsetzen; aber ganz Paris erhob sich wie ein Mann; die Rädelsführer Barbes, Raspail, Cour­tais 2C. sind verhaftet. Die Ordnung herrscht zu Paris.

(K. 3.)

Bekanntmachungen.

Sossenheim.

(486j Ich bringe hiermit dem verchrUchen Publikum öffentlich zur Anzeige, daß am rer- flüssenen 8. Mai von Herrn Pfarrer Abel in Sossenheim ein Amt für die Schwachglâubigeu gehalten wurde, obschon es offen darliegt daß derselbe selbst noch Stärke seines leichten Glau­bens bedarf, und zum Bedauern diesem Herrn Pfarrer auch in Zukunft keine wehr zu Theil fallen kann Da er überdies wegen Glaubciis- verletzung, unseeligem Treiben und schamloiem Lebenswandel einer Untersuchung unterliegt, wie können wir als gutgesinnte katholflche Ehrrflen auf einen Felsen bauen, da sich unter ihm kein Fundament befindet. Und dessenunge­achtet dennoch sich $u erlauben, um eine et­waige Rechtfertigung feiner Anhänger zu zeihen, ei« Amt für Schwachgläubige zu hatten, da

die Bewohner des Orts, mit Ausnahme seiner Anhänger, noch nie des Glaubens verlustig waren, als wie der Herr Pfarrer des Seinigen verlustig geworden ist; wie ist einem solchen Manne, der fälschliche Rache an seiner Ge­meinde wegen Anbeschuldigungen seines schlech­ten Betragens sucht, noch daS mindeste Zu­trauen zu schenken? Antwort! Nein, nie und nrmmer wird er noch einmal des ehemals ge- der Soffenheimer Gemeinde theilhaftig werden.

Ein Bürger von Sossenheim. (487) Eine gute Belohnung Dem;enichn" der dem Steiildeckermeister Schmidt dahier Aus­kunft darüber ertheilt, wer am vorigen Freitag von zwei Bauern in blauen Kitteln eine moderne damascirte, jedoch schon gebrauchte Doppelflinte gekauft hat.

(490) Englisches feines Jagd- â> Scheiben­pulver, 2te Qualität Muöketcnpulver, alle Nro. Schrote sind im festgesetzten Preise

per Pulver feinstes 48 fr. 2tc 40 kr.

per Schrot 12 kr.

zu haben bei G. L. Hetzel,

Burgstraße.

(489) Ein Armband wurde von der Eisenbahn bis zu dem Kursaal verloren; dasselbe enthielt vier Steine, einen Ring und ein Schlößchen; zwei Steine wurden schon früher verloren und sind in den.selben jetzt noch zwei Steine, ein blauer und weißer, enthalten. Der redliche Finder wird gebeten, dasfelbe im Taunushotel gegen eine Belohnung abzugeben.

488) Eine gut gelegene Mühle, welche 21 bis 22 Fuß Gefälle hat und das laufende Werk im besten Stand sich befindet, mit Mahl­gang in dem zweistöckigen Wohnhaus, sodann Scheuer, Stallung nebst vielem Gartenwerk an der Hofraithe liegend, und an 3 Morgen Feld und Wiesen ist aus freier Hand unter billiger Bedingung zu verkaufen. Näheres bei der Er- pedition d. Bl.

(465) Bei Bauinspector Lossen, Rhein­straße No. 9, ist vom 1. Juli an außer der 3ten Etage nun auch die Bel-Etage mit 6 Zimmern, Küche, 2 Dachkammern, Speicher Keller, Holzstall, Waschküche, Stallung für 3 Pferde, Remisen, Kutscherstuden rc. zu vermiethen.

In Abwcsenhtit dcs Dr. Möller verantwortlicher Redacteur : Heinrich Fischer. Verlag v. H. Fischer u. C. Ritter. — Druck der E. Ritter'schen Buchdruckerei.