Frankreich.
Paris, 6. Mai. Etwa 20 Volksvertreter der gemäßigten Pa tei sind überciugekommen, den kommunistischen Ultra's vorzugreisen und der Nationalvelsaiiiin- lung eine Reihe von Vorschlägen zu machen, welche die Organisation der^ Arbeit und die Lösung gewisser socialen Fragen betreffen.
— Vor einigen Wochen schon waren auf Befehl der Behörde die Bücher und Papiere des Er-Konservators der königl. Bibliothek der Manuscripte, Cham- Pollion-Figcac, in Beschlag genommen worden. Dieser Tage wurde er wegen Entwendung von Manuscripten verhaftet, entkam aber und wird jetzt steckbrieflich verfolgt. - (K. 3)
Großbritannien.
London, 6. Mai. Die Chartisten fahren fort, Versammlungen zu halten; sie schwanken noch, ob sic sich der neuen League anschließen sollen. Aus dem Eifer, mit welchem der „Givbc" diese Verbindung zu hintertreiben sucht, kann man auf die Wichtigkeit einer solchen Vereinigung der unteren Classen mit d^n mittleren 'schließen.
Die irische Conföderation hielt in der Musikhalle eine Versammlung, in welcher Hr. Meagher, einer der bereits Angeklagten, erklärte, er werde sich nächstens um einen Sitz in dem Rathe der Dreihundert bewerben (der von der Regierung verbotenen Versammlung in Dublin, welche ein vorläufiges irisches Parlament darstellen soll). Wenn auch "die letzte Berufung an die Königin keinen Erfolg habe, so werde er rufen: Auf mit den Barri- caden! Wenn die Regierung das Volk von Irland zum Aufstande nöthige, und es, wie er glaube, siegreich bleibe in einem solchen Kampfe, so werde die irische Republik auf dem Schlosse zu Dublin ausgerufen werden. — Hr. Smith O'Brien hat sich bewegen lassen, seinen Sitz im Parlamente für die Grafschaft Limerick zu behalten.
(Köln. 3 )
Schweden und Norwegen.
Langgesund, 25. April. Es sind Ingenieure nach den befestigten norwegischen Seehäfen geschickt, und es wird die S ch e c r e n f l o t t e serfertig gemacht.
(B.-H.)
Dänemark.
Kopenhagen, 1. Mai. Der Oberhofmarschall v' Levktzau ist auf einem englischen Dampfschiffe, ver' muthlich in diplomatischen Aufträgen nach St. Petersburg abgcgangeii.
Rußland.
St. Petersburg, 28. April. Auf den Antrag des Moskauer Stadthauptes haben mehrere der angesehensten russischen Fabrikanten und Kaufleute eine Compagnie für den Handel mit Transkaukasien gestiftet, um die Bewohner jenes Landes mit den russischen Industrie-Erzeugnissen bekannt zn machen und den Absatz der dortigen Produkte und Erzeugnisse in Rußland zu befördern. Der Kaiser hat am 18. März diese Compagnie bestätigt.
Son der polnischen Grenze, 29. April. Die Rüstungen russischer Seits werden immer größer. Neueren Nachrichten zu Folge soll Thorn gegenüber ein starkes Corps conventirt werde», das den Zweck hätte, Ostpreußen abzuschncieen. (Voss.Z.)
Spanien.
Madrid, 28. April. Der Abschied der Königin Isabella von ihrer Schwester, der Herzogin von Mviit- pensier, wird in dem heutigen Hosblatte, „Heraldo", als sehr rührend geschildert. .
Türkei.
Das ausnehmend gute Verhältniß der Pforte zur preuß. Gesandtschaft dauert fort; den Grund davon dürfen Sie in der wichtigen Ansicht der Türken suchen, daß ein nach Außen mächtiges Deutschland ihm ein treuer Bundesgenosse sein werde. — Metternich läßt man hier in Odessa ««gekommen sein, er wird wohl schwerlich, wie einst der Herzog von Richelieu, von dort sich wieder hinter einen westeuropäischen Ministertisch begeben. (Dtsch. Z.)
Amerika.
New Zjork, 26. April. Unter diesem Datum schickten Deutsche eine Adresse „dem freien deutschen Volke!" nebst circa 3500 Dollars an Welker, zur Vertheilung an die Hinterbliebenen der im Freiheitskampfc Gefallenen. „Ehre denen," heißt es in der Adresse, „deren freie Worte zur kühnen That entflammten! Heil aber, dreimal Heil ihnen, die selbst auf Leben und Tod den heiligen Kampf um des Volkes unveräußerliches Recht bestanden, und denen, welchen der Todes-Engel den Lorbeer um die blutigen Schlafe wand!"
Oeffenttiche Bekanntmachung.
IV.
Seit der letzten Bekanntmachung hat sich in der Lage unserer Truppen im Großherzogthum Baden nichts Wesentliches verändert.
Das 1. Regiment und die Artillerie liegen noch in Mannheim; das 1. Bataillon des 2. Regiments in Offenburg, das 2. in der Gegend von Achern.
Unter Commando des Hrn. Majors Waiz zog am 1. Mai eine bewegliche Colonne von Appenweier aus, um eine Recognoseirung im Schwarzwald vorzuuehme». Die Colonne bestand aus dem 2. Bataillon des 2. Regiments, 2 badischen Geschützen und 30 badischen Dragonern.
Von Appenweier ging der Marsch über Achern nach Roppeln, am 2. Mai in den Schwarzwald über Oden- Hosen und Allerheiligen nach Oppenau und Imbach, am 3. Mai über Oberkirch, Appenweier und Ortenberg nach Offenburg zurück.
Die Truppen sind überall freubig empfangen worden; nirgends haben sich Aufrührer gezeigt. Am 4. Mai ist zu gleichem Zweck daS 1. Bataillon des 2. Regiments in das obere Kinzigthal abmarschirt.
In Offenburg ist durch Herrn Oberstabsarzt Dr. Ebhardt ein Aufnahme-Hospital eingerichtet worden. Der Gesundheitszustand ist sehr gut; bis zum 2. Mai wurden nur 7 Mann in das Hospital ausgenommen.
Das hier und da aufgetauchte Begehren, unsere Truppen aus Baden zurückzuzichen, kann nur aus irriger Auffassung der Verhältnisse beruhen.
Die Macht und Größe unseres deutschen Vaterlands ist durch seine Einheit bedingt; eine der ersten Forderungen des deutschen Vorparlaments war deshalb E i n deutsches Heerwesen. Eine nothwendige Folge hiervon ist die Verwendung der verschiedenen deutschen Armeekorps auf jedem bedrohten Punkte Deutschlands.
Das Großherzogthum Baden, einer der wichtigsten Theile unseres Vaterlands, ist ein solcher bedrohter Punkt.
Wenn auch der im Ausland ausgesponnene, von Fremden mit Waffen, Geld und Mannschaft unterstützte Aufstand unterdrückt ist, so erfordert doch die, namentlich nu Süden unbewehrte ,Grenze noch einen kräftigeren Schutz, als ihn die badischen Truppen für sich allein gewähren können.
Das sog. demokratische Comite fährt nicht allein fort, auf französischem Boden weitere Einfälle vorzube- reckcn, sondern Frankreich hat auch ein Heer zusammen- gczogen, welchem gegenüber ein deutsches Heer unsere Grenzen schützen muß.
Unter solchen Verhältnissen dem deutschen Vaterlande unsere militärische Hilfe eigenmächtig und in sonder- bünderischer Weise entziehen zu wollen, wäre Verletzung unserer heiligsten Pflicht, wäre Verhöhnung der deutschen Einheit.
Die Einwohner Naffau's dürfen indessen überzeugt sein, daß Se. Hoheit der Herzog unsere Truppen ;u- rückberufen wird, sobald dies mit unserer Pflicht vereinbar ist.
Auch versichern wir, daß die böswillig oder leichtfertig aüsgestreuten Gerüchte, als wünsche die Großh. badische Regierung die Zurückziehung unserer Truppe», oder als sollten sächsische oder preußische Truppen das Herzogthum besetzen — allen Grundes entbehre».
Wiesbaden, 7. Mai 1848.
Herzog!. Nassauisches Staatsministerium. Hergenhahn.
Erklärung.
Ein zur ersten Kirchengemcindeversammlung zu Hai- ger sicherlich in nachtheiligem Verhältniß stehender Mann, hat sich in ihrem heute erschienenen Blatte auf bcm Wege versteckter Intrigue herauSgenomme», meine fuigf Erwähnung jener Versammlung in Nro 7 des von mir redigirten deutsch-nassauischen Volksblatts ja sogar die Motive der Herausgabe meiner Blätter vor bcm Publikum zu verdächtigen ohne das „Manches" anzuführen, was dem wahren Sachverhalte nicht entspricht^ und warum er die Thatsache der ersten freien Kichengemeindcversammlung gerade zu ableugnet. Da ich nun bekanntlich schon seit 17 Jahren ein Bekämpfer aller Lüge, zumal der pfäfsischcn bin, so reichen diese Worte wohl schon hin, meine Achtung gegen das Pu- blikum gewahrt und auch das in Versuchung gerupfte Urtheil derer, welche meinen Charakter nicht kennen, nicht mit Stillscheigen übergangen zu haben.
Sollte aber der versteckte Jntriguant seine mit den großen Bewegungen und Ereignissen der Zeit in so armsclgem Widerspruch stehenden Persönlichkeiten fortzu- setzen geruhen, so bin ich bereit, auch in das Sachver- Hältniß näher einzugehen, um ihn damit noch weiterhin zu züchtigen, hoffe aber, daß er sich alsdann aus seinem Versteck herausgebe und seinen Namen nenne, auf daß sich zu seiner Intrigue nicht auch noch die Schmach der Feigheit geselle.
Pfarrer Dr. Robert Haas, (dermalen auf einer Urlaubsreise zu Wiesbaden.)
Bekanntmachungen.
C i n l a d u n g.
(416) Infolge einer Verordnung des Herzoglichen Stoatsminiäeriums vom 1. Mai d. J. soll zur 'Berathung der auf Schutz und Förderung der Arbeit bezüglichen Einrichtungen eine besondere Commission errichtet werden und zwar aus neun Personen, welche durch ihre Verhältnisse und Beschäftigung die Bedürfnisse der arbeitenden Klasse genauer kennen zu lernen Gelegenheit gehabt haben.
Der Gewerbeverein ist damit betraut worden, vier dieser neun Commissionsmitglieder zu wählen.
Da diese Wahl am zweckmäßigsten in der auf den 11. d. M., wie gewöhnlich, auS- geschriebenen, ordentlichen Generalversammlung vorzunehmen sein wird,—in welcher außerdem, wie schon bekannt gemacht worden ist (No.8 der Mittheilungen für den Gewerbeverein), die Wahl der Wahlmânner zur theilweisen Ergänzung des Vorstandes und Ausschusses des Vereins m so laden wir hierdurch noch einmal sämmtliche Mitglieder des Vereins zu jener
Versammlung ein. Dieselbe wird um 10% Uhr Morgens im Gasthaus zu den Vier Jahrszeiten ihren Aufang nehmen. '
Wiesbaden, 7. Mai 1848. Der Vorstand und Ausschuß des
GewerbevereinS.
â' Aus Adamsthal
wird ben 14. b. M. Wein- und Kaffeewirthschaft eröffnet.
H Hildebrand.
(4,0) Ein Putzgeschäft in einer bedeutenden Stadt in der Nähe des Rheins — zugleich Badeort — das seit 18 Jahren mit dem besten Ersolg betrieben wurde, kann unter Vortheil' haften Bedingungen übergeben werden, ein- schließlich der Ladeneinrichtung und der unverarbeiteten Borräthe. Auf portofreie Briefe an die Erpedition dieses Blattes wird nähere Auskunft ertheilt werden.
â^-^ (421) Scharfe und blinde Patronen für die Schießübungen der Nationalgarde sind zu haben bei ____________________G Ziß, Buchbinder.
(426) 12,000fl. in kleinern Summen getrennt, sind auf liegende Güter ausznieihen.
Wo? sagt die Erpedition d. Bl.
Decret.
(420) DaS UeberschuldungSwestn deS Johann Meurer und dessen Ehefrau Marie Anne, geb. Jäger von Rausbach betr.
Da, nachdem von dem Herzoglichen Schul- theißereiverwalter zu RanSbach in Folge einer ihm gegen Johann Meurer daselbst aufgetragenen Auspfändung unter dem 15. April d. I. anher erstatteten Bericht das Activvermögen des Johann Meurer und dessen Ehefrau Maria, geborne Jäger von da nur 450 fl, dagegen d iâ Passivvermögen 1295 fl. beträgt, somit eine Ueberschuldung von 845 fl. vorliegt und die genannten Eheleute abwesend sind, so werden dieselben unter Androhung, daß im Falle ihres Ausbleibens der Eoncursprozeß über ihr Vermögen erkannt werden wird und mit dem Anfugen, daß zukünftige Decreturen nur durch Anschlägen an die Gerichtstafel während der Dauer ihrer Abwesenheit bekannt gemacht werben, hierdurch aufgefordeet, Montag den 3. Juli i. Js., Morgens ei Uhr, bei unterzeichnetem Amte ihre Zahlungsfähigkeit nachzuweisen.
SelterS, den 4. Mai 1848.
Herzogl. und Fürstl. Anit.
Hermann, v. c.
(431) Ein Gärtner, welcher sein Fach gut versteht und die besten Zeugnisse misweisen kann, sucht eine Stelle und kann sogleich oder nach Verlangen der Herrschaft eintreten. Zu erfragen bei Georg Fischer, Kunstgärtner zu Wiesbaden.
Theater-Auzeige.
Sonntag den 16. Mai, zum Vortheile Herrn Weßuig: Theatralisches Kaleidoseop
oder
Dramatische Rundschau.
Ein O-uodlibet in 3 Abtheilungen. Musik von den beliebtesten Eomponisten tc.
Unter gefälliger Mitwirkung mehrerer Gäste. (428)
(429) Im Hillblicke auf die während der nächsten Tage in Wiesbaden vorzunehmenden Wahlen für den Stadtrath erlaubt man sich, darauf aufmerffnnt zu machen, wie sihr es int Interesse der Stadt liegen dürste, daß in dem Rathe derselben die Schulen sachkundige Vertreter aus der Mitte der Lehrer selbst fanden. Bei der erhöhte« Zahl von Mitglieder des Stadtratbes kann man der Bildung unserer Jugend die angedeutete kleine Rücksicht ja auch leicht angedeihen lassen.
(397) In einem Landhause nahe bei der Stadt ist der obere Stock, bestehend aus 2 Salons 4 Zimmern, Küche, Speicher, Maadkammer' Keller ve schließbare.. Holzplatz, Mitg-b^äuch der Waschküche und Pumpe, zu vermieden ou« ist nr demselben Hanse 1 3(mmcr ^^ Eabmet mit oder ohne Möbel abiugeben Das Nähere bei der Erpedition d. Bl. 9
Zn Abwesenheit des Dr. Möller verantwortlicher Redacteur : Heinrich Fischer. Verlag v. H. Fischer u. C. Ritter. — Druck der C. Ritter'sche» Buchdruckerei.
