sich sein Redakteur die Antwort zu einer späteren Zeit und an einem geeigneten Orte vor. (B.Z-H.)
Galizien.
Lemberg, 23. April. Millionen des Langvolkes sind hier dem Streben einiger Hundcrttausendc nach der Wiederherstellung Polens entschieden entgegen. Am 21. April hat die gesummte ruthenische Bevölkerung von Galizien (welche die östliche Kreise bewohnt, und die polnische Bevölkerung des ganzen Landes um mehr als 258,000 Einwohner überwiegt) eine Petition bei dem Landes-Gouverneur überreicht, deren Sinn dahin geht, daß sie als die Urbevölkerung der weit größeren Osthälfte des Landes nur dem Kaiserthum Oesterreich, mit dem Hause Habsburg an der Spitze, auf ewige Zeiten einverleibt bleiben und von einem polnischen Reiche nichts wissen wolle. Vielmehr bittet sie, daß ihr die polnische Sprache und Nationalität nicht aufge- drungen, sondern die ruthenische Sprache in allen Volksund höheren Schulen gepflegt werde. Im äußersten Falle wird die gänzliche Abtrennung der ruthenischen Kreise von den polnischen verlangt. Diese unter dem Vorantrittc der gesammtcn Geistlichkeit gemachte feierliche Erklârug hat die polnische Parteiung wie ein Donnerschlag getroffen. (Die Flucht der polnischen Edelleute dauert fort, namentlich nach Ungarn. Die zipser Städte haben ihnen Aspl angeboten.) (W.Z.)
Schweden und Norwegen.
Stockholm, 25. April. Der Ober-Stadthalter hat in Folge einer zahlreich unterzeichneten Petition hiesiger Einwohner dem Könige den Vorschlag zur Bildung einer bürgerlichen Sicherheitswache gemacht. Man hat dabei das Institut der Special-Constables in England sich zum Verbilde genommen. Der Beschluß des Königs auf den Vorschlag wird noch erwartet. (B.Z-H.)
Großbritannien.
London, 1. Mai. Im Unterhause benachrichtigte heute Hr. Urquardt Lord Palmerston, Minister des Auswärtigen, daß er ihn morgen über zwei Punkte in- terpcüircn würde: 1) Ob der von den Blättern veröffentlichte diplomatische Briefwechsel zwischen ihm und Bulwer, d. h. zwischen dem Londoner und Madrider Cabinet ächt sei? 2) Welche Stellung England dem dänischen Kriege gegenüber zu beobachten gedenke? —
— Der „Sun" sagt: In der Citpwelt ist man gegen das österreichische Finanzministerium sehr erbittert, weil dasselbe für die Zinszahlung seiner Staatsschulden am hiesigen Orte keine Anstalten getroffen. Die Träger der Coupons sind daher gezwungen, ihre Titel nach Wien zu senden, und müssen nur zusehen, ob sie bezahlt werden. DaS Haus Rothschild hat angezeigt, daß es
die am Montag fälligen österreichischen Bons nicht zahlen könne, weil es keine Fonds von Wien erhält.
London, 2. Mai. Dublin ist in höchster Aufregung. Der Lordstatthalter hat gestern die Zusammenkunft des beabsichtigten Dreihundert-Ausschuffes und die Einschreibung von Nationalgardisten verboten. Beim Abgänge der Post saß der irische Staatsrath beisammen, um die Grafschaft Limerick zu „proklamiren". Der jung-irische Club in Limerick hatte am Sonnabend eine Ehrencin- , ladung an Hrn. Mitchel ergehen lassen, worüber die Alt-Irländer so erbost wurden, daß sie das Gebäude des Clubs mit einem Steinhagel angriffen. Die Clu- bisten feuerten unter die Angreifer; Militär und Polizei mußten aufgebvten werden. Hr. Smith O'Brien ist schwer beschädigt worden und soll seinen Parlamentssitz für Limerick aufgcgcbcn haben. - (K. Z.)
London, 4. Mai. Die vornehme Welt ist nach London gestaunt; die Gesellschaften häufen sich; die wohlthätigen Vereine halten ihre Jahres-Mahlzeiten. Auch die Freunde Polens hielten gestern eine Versammlung, in welcher Lord Beaumont sein Bedauern aussprach, daß die Polen die ihnen dargcbotene günstige Gelegenheit nicht gehörig gewürdigt und Preußen dessen guten Willen vor die Füße geworfen hätten. Graf Krasinski nahm seine Landsleute in Schutz und behauptete, daß in Posen die Deutschen überall die Angreifer gewesen wären. Der Vorsitzende, Lord Dud- ley Stuart, ermahnte die Polen, den Muth nicht zu verlieren, empfahl ihnen die beschrankte Monarchie als die für Polen am besten geeignete Verfassung, und forderte sie auf, das Beispiel des Fürsten Adam Czarto- rpski nachzuahmen und den Bauern das zu ihrer Er- ballung bestimmte Gütchen als Eigenthum zu übergeben.
(K. Z.)
Frankreich.
Paris, 5. Mai. Vor dem Pallaste der Nationalversammlung waren diesen Mittag nur wenige Leute versammelt. Die Tribünen waren indeß wieder dicht gefüllt und die Versammlung selbst sehr zahlreich. Man schritt zur Fortsetzung der Verifikation der Vollmachten. Es werden kaum gegen einige Wahlen Anstände erhoben. Gegen 3 Uhr bemerkte der Alterspräsident, es seien jetzt die Vollmachten einer zureichenden Zahl von Abgeordneten für gültig erkannt, so daß die Versammlung nunmehr zur Wahl eines Präsidenten und der übrigen Mitglieder des definitiven Bürraus schreiten könne. Nach einer Debatte beschloß die Versammlung, daß der Präsident nur für je einen Monat gewählt werden solle. Es wurde sodann zur Wahl eines Präsidenten geschrittten, und zwar durch namentlichen Aufruf der Mitglieder, die, je wie sie aufgerufen werden, zur Wahlurne hintreten, um ihre SnmMMel adzügcbcuD Das Ergebniß wird wahrscheinlich erst nach-5 Uhr bekannt werden können. Man zweifelt daran, daß schon aus der ersten Abstimmung eine gültige Wahl hervor-
gehen werde. Zur Gültigkeit der Wahl ist eine Majorität von 451 Stimmen erforderlich. Drei Candidaten sind für die Präsidentschaft ausgestellt, namentlich'dic Hern. Trelat, Buchez und Recurt. Wohl keiner von ihnen wird gleich bei einem Scrutinium absolute Majorität erhalten. Die Stimmen des gemäßigten Theiles derBersainmIungwerden sich voraussichtlich theilen zwischen den Hrn. Buche; und Recurt. Jedenfalls wird bei einer zweiten Abstimmung einer von diesen Beiden mit großer Majorität gewählt werden.
— Eines der ersten Dekrete, welche der Nationalversammlung vorgelegt werden sollen, wird die völlige Trennung aller Kulten vom Staat aus sprechen; die Kulten werden vom Staate fortan keine Geldbewilligung mehr erhalten, alle aber gleich geschützt werden. Auch eine allgemeine politische Amnestie, von der selbst die ehemaligen Minister Louis Philipps nicht ausge- lchlossen würden, soll bei der Nationalversammlung beantragt werden.
— Die Rhein-Armee wird aus 36,000 Mann zusammengesetzt sein, wovon 12,000 nach Strasburg und der Umgegend, 12,000 in der Umgegend von Hagucnau und die übrigen 12,000 nach Colmar und der Umgegend kommen. Die Citadelle von Doul- lens wird auf den Kriegsfuß gesetzt.
— Seit der Febr. -Revolution sind in Paris schon nicht weniger als 118 neue Journale gegründet worden, aber die meisten nur, um alsbald wieder einzugehen, .
— Das große Fest der Republik ist nun bestimmt auf den 14. Mai anberauint.
— In vergangener Nacht sind 500 Mann der bilen Nationalgarde von hier nach Limoges abgeschickt worden.
(F. I.)
Dänemark.
Kopenhagen, 1. Mai. Die halbamtliche „Ber- ling'schc Ztg." spricht sich über die Mittel auS, dem Feinde Abbruch zu thun. Sie erklärt dabei, es wurden fürs Erste keine Kaperbriefe an Private ausgestellt, werden, auch neutrale Waaien auf feindlichen Schiffen, die zur Zeit als am Abgangsorte der Ausbruch der Feindseligkeiten noch nicht bekannt war, verladen wurden, confiscirt werden. Visitation neutraler Schiffe, unter neutraler Kriegsschiffe Geleit, werde nicht Statt finden.
(H. B.-H.)
Druckfehler-Berichtigung.
I» dem Inserate Ziff. 391 am Schluffe der Rum. 63 der „Freie» Zeitung" hat sich außer einigen minder wesentlichen der folgende siiinentsteilende Druckfehler etugeschlichen:
In dem Absätze „Zu 7" soll es nach den Worten: „Ich frage das Comite" heißen: „Wer gedroht habe" statt „Wer gedacht habe."
Bekanntmachungen.
Einladung.
(416) Zufolge einer Verordnung des Herzoglichen StaatSmiuisteriums vom 1. Mai d. J. soll zur Berathung der auf Schutz und Forderung der Arbeit bezüglichen Einrichtungen eine besondere Commission errichtet werden und zwar auS nenn Personen, welche durch ihre Verhältnisse und Beschäftigung die Bedürfnisse der arbeitenden Klasse genauer kennen zu lernen Gelegenheit gehabt haben. -
Der Gewerbeverein ist damit betraut worden, vier dieser neun Comniisstonsmitglieder zu wählen.
Da diese Wahl am zweckmäßigsten in der auf den 11. -. M., wie gewöhnlich, ausgeschriebenen , ordentlichen Generalversammlung vorznuehmen sein wird,—in welcher außerdem, wie schon bekannt gemacht worden ist (No. 8 der Mittheilungen für dcn Gewerbeverein), die Wahl der Wahlmânner zur theilweisen Ergänzung deS Vorstandes und Ausschusses des Vereins ssattfinden wird, so laden wir hierdurch noch einmal sämmtliche Mitglieder des Vereins zu jener Versammlung ein. Dieselbe wird um 10% Uhr Morgens im Gasthaus zu den Vier Jahrszeiten 'hren Aurang nehmen.
Wiesbaden, 7. Mai 1848. Der Vorstand und Ausschuß des
_______ Gewerbevereins.
(423) Kommenden Mittwoch den 10. Mai wird in der Gartenwirthschaft von Kraus zur „Schönen Aussicht" in Biebrich in dem vormals von Breidbach- Burresheim'schen Garten am Rhein, in der Nähe des Schlosses, sämmtliche in Mainz garnisonirende österreichische Militärmusik spielen.
Decret.
(420) Das Uebcrschuldnngswescn des Johann Meurer und dessen Ehefrau Marie Anne, geb. Jäger von Ransbach betr.
Da, nachdem von dem Herzoglichen Schul- j iheißerciverwalter zu Ransbach in Folge einer ihm gegen Johann Meurer daselbst aufge- tragenen Auspfändung unter dem 13. April d. I. anher erstatteten Bericht das Aetivvermögen des Johann Meurer und dessen EbefrauMaria, geborne Jäger von da nur 450 ff , dagegen das Passivvermögen 1295 st. beträgt, somit eine Neberschuldung von 845 st. vorliegt und die genannten Eheleute abwesend sind, so werden dieselben unter Androhung, daß im Falle rares Ausbleibens der EoncurSprozeß über ihr Vermögen erkannt werden wird und mit dem Anfügen, daß zukünftige Decreturen nur durch Anschlägen an die Gerichtstafcl während der Dauer ihr^r Abwesenheit bekannt gemacht werden, hierdurch aufgefvrdert, Montag den 3.
Juli l. Js., Morgens 8 Uhr, bei unterzeichnetem Amte ihre ZahlüngSsähigkeit nachzuweisen.
Selters, den 4. Mai 1848.
Herzog!, und Fürstl. Amt, __________ Hermann, v. c.
(417) Der Unterzeichnete beehrt sich die ergebene Anzeige zu machen, daß er dasMaulwurs- fangen in hiesiger Gemarkung von höherer Behörde übertragen bekommen hat, und ersucht hiermit alle Grundeigenthümer, welche noch Gärten haben, die Bestellung in der Steingaffe No. 17 zu machen.
P. Pauli, Maulwurfssänger.
(421) Scharfe und blinde Patronen für die Schießübungen der Nationalgarde sind zu haben bei __G Ziß, Buchbinder. (40 ) Bei M. Geiß zu Hadamar sind fertige Trommeln mit Lederzeug per Stuck 16f[. immerwährend vorrâthig zu hgben.
(418) Die durch den Obristen der hiesigen Burgerwehr auf jeden Mittwoch Abend am Kursaalplatze und an jedem Sonntag früh auf dem Erereierplatze augeordneten Ererciernbungcn werden von dem größten Theile der circa UtO Mann starken Wehrmannschaft mit regem Eifer betrieben, und sind seit der kurzen Zeit recht lobcnswerthe Fortschritte gemacht werden. Es gewährt dies die frohe Ueberzeugung, daß die meisten Wehtiiiättncr, von der hohen Bedeutung des kürzlich •errungenen Rechtes der Volksbewaffnung, sowohl zum Schutze ihrer Freiheiten, als zur Erhaltung der Ruhe und Ordnung durchvrungen, forisahren werden, sich dieses Ehren.echies durch thätigen Antheil .an den Uebungen und willige Unterordnung unter die Anordnungen dcr Befehlshaber, fortwährend würdig zu bezeugen; (denn nur durch den Geist der Orvuuilg und des Gehorsams wird ver Fortbestand dieser Anstalt gesichert, und die Entwicklung ihrer höchsten Straft gefördert. — Wie dieser gute Geist alle Kräfte durchdringt, beweist ferner der höchst erfreuliche Antheil, welchen die vorzüglichen Biltglieder des hiesigen Theater-Orchesters, unter Leitung des rühmlichst bekannten KapeUmeifferS Fvieilh, (der zugleich- am Theater als 2terKapellmeister angestellt ist, und in Abwesenheit deâ Itcn Kapellmeisters Rummel die Opern zu gänzlicher Zufriedenheit leitet), durch freiwillige Bildung eines Ntusik- chors zu der Burgerwehr an Tag legen, indeni dieselben bei den Uebungen, an der Spitze des Regiments, durch Vortragung vortrezflicher neuer Märsche die Uebungen beleben, und gewiß auch alte Bewohner Wiesbavens damit ergötzen. — Empfangen dieselben unseren herzlichsten Dank mit der Bitte dafür, durch fortgesetzten Anihelt ihrerseits und in ihrer Weise die gute Sache mitanterstützen zu helfen.
Wiesbaden, den 7. Mai 1848.
Mehrere Wehrmänner der Bürgerschaft.
(422) Erbcuheim, 3. Mai 1848. Was sich für nachtheilige Folgen besonders durch die Wahl neuer Felbgerichtsschöffe dahier ergeben haben, ist bedenklich und voraussichtlich, besonders auch für die hiesige Gemeindecaffe in der Art iiachtheittg, weil einer der neuen, durch gekaufte Stimmen gewählter Feldgerichtsschöffe,
Peter Ulrich 3r dahier , bei einer heute im Erbeuheimer Gemeindewald dem provisorischen Schultheißereiverwalter P e t e r U l r i ch 2r ubec- tlagencu Holzversteigerung, wo letztere aiiSge- boten, der Feldgeria isschöffc Peter Ulrich 3r dagegen die Steigsumme in das sogenannte Nummerbnch eintrug, Unterschlagung in der Art trieb, daß derselbe wenigstens bei einem Steigerer, Georg Dreßler, das Gebot t l ft. 30 fr., — nur 11 ff. — nicht i r r - t h ü m lich, sondern mit der Erklärung gegen diesen „11 fl. sehe auch genug", also vorsätzlich 30 fr. zu wenig eintrug uud die hiesige Ge- meinDecaffe in einen Nachtheil von 3) fr. — obgleich nur gering — sich befand, woih!u hernach darüber auch Vorhalt gemacht wurde.
Cs ist daher iiothwonbiA das, dieser Peter Ulrich 3t als FcldgenchtSschöffe nicht allein seines Dienstes entsetzt, sondern auch ferner zu gar feinem Amt uns wenn es auch noch so gering wäre, mehr zngolassen werden kann: — sollte dieser anch nur, was zwar nicht geglaubt wird, noch einiges Ehrgefühl besitzen, so wird sich derselbe von seiner Funktion, wo er über- dieß als übeitrieOeuer Schwätzer nicht tauglich ist und das Vertrauen der Mitbürger ohnehin nicht genießt, zurückziehen, oder es die Notb- weilvigkcit erheischt, denselben bei Uebernahme, erster Diciistgeschäfle vom Rathhaüse unsanft zu entfernen.
ijH^ffiT* Die Säuger und Gcfiuigö- freuude der hiesigen Stadt iverde» auf Dienstag peu 12. Mai, Abends halb 9 Uhr, zu einer Besprechung in das Gasthans zur Rose dahier eingelade». Man bittet um zahlreiches Erscheinen. (425)
(424) Die Besitzer von Rheingauer Eisenbahn -Ccrtisicaten werden hiermit eingeladen, sich zu einer Besprechung, wegen weiterer Rückzahlung, im Hotel Düringer Mittwoch Nachmittags 3 Uhr einzufiudeu.
In Abwesenheit des Dr. Möller verantwortlicher Redacteur: Heinrich Fischer. Verlag v. H. Fischer u. C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.
