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Prag, 25, April. Es hat sich hier eine Gesellschaft unter dem Titel: Der konstitutionelle Verein gebildet/ denn laut Erlasses vom heutigen Tage will der Verein das heilige Gut der Freiheit allen Böhmen, so weit es in seiner Kraft steht, sichern, er will unter dem Panier der Freiheitjdie edelsten, bildungsreichsten Kräfte des Landes, gleichviel ob Deutsche oder Czechen zusammen- schaaren, und die Anmaßungen und den Terrorismus leidenschaftlicher Parteiungen, so viel er vermag, in die konstitutionellen Schranken zurückweisen. Der Verein will die tausendjährige Verbindung Böhmens mit Deutsch­land—doch nur unter Garantie der freiesten Entwickelung der czechischen Nationalität aufrecht erhalten wissen.

Die jüngsten Ereignisse in Krakau. Daß Pro­fessor GervinnS, Redakteur der „deutschen Zeitung" sich ein Geschäft daraus macht, die ruhmvollen Be­strebungen des unglücklichen polnischen Volks zur Her­stellung des alten polnischen Königreichs zu beschimpfen und zu verdächtigen und die Polen durch die giftigsten Lüaenartikcl um alle Sympathie bei den Deutschen zu betrügen, ist nicht allein unmenschlich, sondern auch vom politischen Standpunkte aus betrachtet, ein unver­zeihlicher Fehler. - Es ist die Verkehrtheit, wie cs scheint, eine Eigenthümlichkeit aller Gelehrten. Indem Jedermann einsieht, daß die Freiheit Europa's und namentlich Deutschlands so lange gefährdet ist, so lange kein starkes Polen besieht, so lange noch die Macht Rußlands nicht gebrochen ist, ist der ver­kehrte Professor ganz anderer Ansicht und unablässig bemüht, den politischen Verstand Deutschlands zu ver­wirren und irre zu führen. — Indem Gervinus nur Artikel bringt, nm alle Polen als Räuber und Mörder darzustellen, veröffentlicht der durch seine in deutscher Sprache verfaßten philosophischen Schriften berühmt gewordene Trentowski von Frankfurt aus, wohin er als Abgeordneter der mißhandelten Polen zu der vor- bcrathcnden Versammlung geschickt worden ist, einen ausführlichen Bericht über die am 26. April in dem unglücklichen Krakau stattgehabten Ereignisse in der Extrabeilage zur OberpostamtSzeitung vom 1. Mai, dessen Wahrheit er mit seiner Eher verbirgt. — Ob­gleich es unserm Herzen mehr entspricht, den Berichten der unglücklichen Polen zu glauben, als den giftige» systematisch-feindseligen des verkehrten und starrköpfigen Professors, so scheint uns doch der Bericht des Herrn TrenkowSki ganz mb gar daS Gepräge der reinsten Wahrheit zu tragen. Wir sind leider nicht im Stand, daS meisterhafte Aktenstück in seiner Ganzheit unseren verehrten Lesern bringen zu können und müssen uns darauf beschränken nur den Schluß mitzutheileich, in dem der Verfasser die Ursachen und das Ergebniß der Ereignisse also zusammenfaßt: ■

Um nun ferner jedes subjeckive Urtheil zurückzu­halten und nur das Objective treu zu schildern, treu zu schildern, theilt der Unterzeichnete die Ueberzeugung der Krakauer mit, wie er sie bei seiner Abreise hat aussprechen hören. 1) Man ist sich bewußt, daß man alles gethan, um die Sympathie der Deutschen nicht zu verlieren und mit den östcreichischen Truppen Brü­derschaft zn schließen; die Oesterrcicher haben aber das gute Verhältniß vernichtet. Daraus schließt man, daß es in Posen auf dieselbe Art und Weise zum unseligen Hader gekommen sein müßte; 2) man ist überzeugt, daß die Bureaukratie an allem Unglücke in Krakau und in Posen Schuld sei, daß Metternich selbst zwar nicht mehr, aber immer sein System noch herrsche; 3) man ist genau unterrichtet von den Agenten deö Czars, welche in Posen und in Galizien wirken, die Polen gegen die Deutschen und die Deutschen gegen die Polen aufhetzen, und hier mit Rubeln, und dort mit dema­gogischen Reden ihren Zweck erreichen. Unterdessen lasse PaSzkiewiez eine Deputation aus Warschau nach Petersburg abgehen, um den Czar um Herstellung des ganzen alten polnischen Reichs zu bitten. Wenn es dahin käme, daß die Polen alle Hoffnung auf die Red­lichkeit der deutschen Absichten verloren, dann müßten sie ihre Blicke wohl dem Czar zuwenden. Wahrlich eine gar feine und seither — ganz glück!ichc Politik! 4) man begreife die Deutschen nicht; entweder ihre Politik oder ihre Gesinnung in Bezug auf sie, scheine falsch zu sein; sie riefen von allen Seiten aus, daß cö ihre Ehre und Pflicht erheische, Polen wieder her­zu stellen. Wohlan! sie, die Polen wollten Natio­nal gard en bilden, um' sic, im Falle der Noth, in kriegerische Schaaren gegen den Czar zu verwandeln, sic wollten mit ihren Kräften die deutsche Macht an der Nord- und Ostgrenze vergrößern, was weise zu befördern und nicht mit Waffengewalt zu verhindern, Klugheit und eigenes Jnterresse den Deutschen anricth. Einen Einfall in das Königreich würde man nicht machen, ohne Gutheißen Deutschlands; denn man wisse recht gut, daß, so lange Deutschland mit sich selber zu schaffen habe, es Polen nicht thatkräftig helfen könne. Wie einfach ist diese Politik und wie vielmal haben die Polen sie den Deutschen offen und aufrichtig kund­gegeben! Und siehe da, was haben die Deutschen in Posen und in Krakau gethan ! Sogar in Frankfurt ist die neue Theilung Polens bestätigt worden! Wer aber wird die Früchte dieser ganz verstellten Politik, genießen? Die Antwort daraus ist: „der Czar!" Geschrieben Frankfurt a. M., 1. Mai 1848.

Dr. Trentowski, Abgeordneter auö Krakau.

Krakau. Mit blutendem Herzen schreibe ich Ihnen, denn eS ist des Jammers mehr über unS gekommen,

über Oesterreich selbst gehäuft worden, als in Wien wohl geglaubt wird. Die Kugeln, welche durch unsere Straßen schwirrten haben nicht nur so manches lebens­warme Herz berührt, sondern auch ein Band getroffen, welches Oesterreichs Fahnen gar herrlich zu schmücken wäre geeignet gewesen. Pole von Geburt, ist mir die Lage meines Vaterlandes klarer, als einem Fremden. Polen kennt unter allen Völkern Europa's die heilige Gluth für seine Nationalität in ihren reinsten Lichtern. Sein Landeswappen, seine Geschichte sind'die heiligen Zeichen, die vor den entzückten Augen des Sarmatcn leuchten in nie schwindendem Schimmer. Die Sehn­sucht nach einem von fremder Hand gestürzten ererbten Königshaus?, oder die wehmüthige Erinnerung an ein ausgestorbenes Geschlecht, an dessen Tage nnd Kronen- träger sich die Größe und historische Herrlichkeit des Landes knüpfte, sind ihm fremd. Er kennt nur die tief-' glühende Freiheitslust, daS Verlangen nach politischer Selbstständigkeit — er fühlt, daß sein Adel, die hellste Blüthe slavischer Stämme, der Krone des freien Reiches auch jetzt noch ein reicher Perlenschmuck zu sein ver­möchte, und nicht ohire Stolz sähe er auf einen Thron, welchen als Ehrensitz das Vertrauen und der Wille des Volkes vergab.

Polen ist ein glückliches Land für eine Monarchie, vielleicht das einzige in Europa, welches derzeit noch einem neuen Geschlechte, einem kräftigen Herrscher, der zu seinem Herzen spräche — seltene Treue und Hinge­bung Belgien gleich bewiese. Der Landmann trug un­verkennbare Anhänglichkeit an Oeststerrcich offen zur Schau, die Aristokratie des Landes war unschwer zu gewinnen, alle Herzen vereinigten sich in der Liebe deS Empfanges für jene --- lange vom vaterländischen Bo­den Verbannten, welche ein Kaiserwört in ihre Heimath berief. In jener Stunde, in welcher sie die alten Mar­ken des so heißgeliebten Heimathlandes überschritten, die Luft der alten Königsstadt sie umwehte, konnte Oesterreich, wenn cS auch nur im ärmsten Maße dem Jubel der lange heimathlosen durch gastfreundlich treuen Gruß beitreten wollte, den ersten Reif zur neuen Kö­nigskrone für Geschlechter seines Kaiserhauses — der Krone eines neu erstandenen Polens einigen. Oester­reich scheint es für wichtiger gehalten zu haben, einer Polens Freiheit feindlichen Großmacht zu beweisen, daß cs für sie keine Feindschaft hege — Oesterreich ist wie gelähmt, dort wo es mit dieser auch nur in die entfern­teste Berührung tritt. Unser Land ist in fortwährender tiefgeheimer Aufregung, im Gefühle einer grauenhaften Zukunft entgegen zu gehen, ja einen künstlich erzeugten Feind in seinem Schooße ^u tragen. — Sic werden begreifen, ohne daß ich cs ausspreche, welche Bedeutung den Ereignissen in Krakau und dem Benehmen der Re­gierung unseren heimkehrenden Ernigrirten gegenüber bcizumesscn ist. (Oester. Z.)

Pofen.

Posen, 30. April. Durch die Convention vom 11. April sind bekanntlich vier Orte, Miloslaw, Manz, Neustadt a. d. W. und Pieschen, als Sammelpunkte für die angeordneten Cadres, welche nach Auflösung der bewaffneten Lager übrig bleiben sollten, bestimmt. Die Auflösung ist, wie bereits früher gemeldet, in der That erfolgt; dessenungeachtet ist am 29. d. ein Angriff von preußischer Seite auf das Lager von Lianz geschehen, 6000 Mann Truppen griffen die daselbst stehenden 700 Mann Polen an, es wurde 4 Stunden gekämpft, 300 Polen sind verwundet oder geblieben; cs war, bei der Ungleichheit der Kräfte, eine wahre Metzelei. Der Rest der Polen zog sich nach Neustadt a. d. W« zurück. Ein Emigrant, DabrowSki, der das Lager bei £i\uu befehligte, ist geblieben. Heut ist auch das Lager bei Miloslaw angegriffen worden, man hörte hier den Ka­nonendonner; nähere Nachrichten darüber fehlen noch. — In Grätz ist es ebenfalls zu einem blutigen Kampfe gekommen, bei welchem etwa 30 gctödtct und 100 ver­wundet worden sind. — Die Gefangenen sollen nach Küsirin gesandt werden, Minden und Magdeburg sind zur Ausnahme der aus Frankreich gekommenen Emi­granten bestimmt. — Herr Stanislaus v. Sadowski (aus dem „Polenproceffe" bekannt) ist auf feinem Gute, wo er krank zu Bette lag, von Husaren überfallen und getödtet worden. tZ.-H.)

Ungarn.

Pest, 21. April. Das ungarische Ministerium hat im Sinne des Gesetzes alle Militärcommando's Ungarns und der damit verbundenen Theile in Kennt­niß gesetzt, daß sie ihre Befehle ausschließlich nur von diesem Ministerium erhalten werden. Der ungarische Minister der auswärtigen Angelegenheiten wurde ange­wiesen, das Wiener Kriegsministeriüm hiervon zu ver­ständigen und zu erklären, wienach das ungarische Mi­nisterium bei dem besten Willen cs nicht verhindern könne, daß die öffentliche Meinung auch äußerlich nicht zum Ausbruch komme, falls die Rückkunft der in Italien befindlichen Truppen noch lange unterbleibe.

(Oestr. Z.)

I t a l i e n.

Die „Mailänder Zeitung" vom 22. April sucht in einem leitenden Artikel die Einwohner der Lombardei zur Einigung zu bringen, nachdem aus der Masse der besonders in der Hauptstadt des Landes sich häufenden Maueranschlägc sich das Vorhandensein zweier Haupt­parteien kundgibt, deren eine für die Konstitution, die andere aber für die Republik ist.

Fr ankreich.

Paris, 2. Mai. Gestern waren dahier etwa 600 Wahlen zur National - Versammlung bekannt. Ueber 400 Mitglieder haben sich schon einschrcibcn lassen und ihre Plätze im neuen Sitzungssaale bezeichnet. Man glaubt, daß die National-Versammlung morgen, am Vorabende der Eröffnung, zusammentreten wird, um zur Bildung eines provisorischen Büreau's zu schreiten. Die Provinzwahlen bieten die sonderbaren Anomalien. Das nämliche Departement sendet Manntr der entge­gengesetztesten Meinungen. Lyon z. B. hat Communi- sten, Republikaner, Liberale und Indifferente gewählt. Die Geistlichkeit wird durch Abbe Lacordaire, Abbe gourmcr; die Bischöfe vyn Langres und Ouimper, den Generalvicar Abbat, Abbe CazaleS, Abbe Sibour und Andere vertreten sein. Die Angabe, daß der Erzbischof Affre von Paris im Departement Avepron gewählt sei, beruht auf einer Verwechselung mit seinem Bruder. Die Legitimisten werden in der Nationalversammlung mehr Vertreter zählen, als sie jemals seit 18 Jahren in der Deputirtenkammcr hatten; man spricht sogar von 150 bis 200. Sie werden Heinrich V. nicht auf den Thron bringen, Wohl aber die Republik vor Verirrungen bewahren können. Die gemäßigten Republikaner werden in der National-VersammluNg eine bedeutende Majorität bilden; von ihrer Festigkeit und ihrem Muthe, den Anarchisten und etwaigen Rcactionsgelüsten gegenüber, wird das Schicksal Frankreichs abhängen. Hr. Thiers ist im Departement der Rhonemündungen durchgefallen, dessen Vertreter er seit 18 Jahren war. (K- 3)

Grosibritaniuen.

London, 28. April. Der Wirth des „Brunswick Hotel", in welchem Fürst Metternich wohnt, beklagt sich bei der Polizei darüber, daß zudringliche Oester- reicher, die dem Erkanzler zu Leibe wollen, ihn in sei­nem Hause belästigen; gestern noch verklagte er einen Schriftsteller, Johann Lholski, welcher ihm aus Aerger darüber, daß er beim Fürsten nicht vorgelassen worden war, einige Fensterscheiben zerschlagen hatte. Johann Lholski ward vor den Polizeirichter geführt; statt aller Vertheidigung rief er dem Kläger zu: „Wissen Sic/ daß Sic eine Schlange in ihrem Hause beherbergen? wissen Sie, daß Fürst Metternich ein Landesvcrräther ist, , und daß er sich vor dem ungarischen Reichstage nicht blicken lassen darf, weil dieser ihn in Anklage­stand versetzt hat? Wissen Sic, daß er nicht allein seine Hände, sondern auch seine Arme bis zum Ell­bogen in Blut gebadet hat? Trotz dieser Tiraden mußte Hr. Lholski die Fensterscheiben bezahlen und für künf­tige gute Aufführung Bürgschaft stellen: denn, sagte der würdige Polizeirichter, der Hotelbesitzer hat das Recht zu beherbergen, wen er will. (K.Z.)

Alphabetisches Verzeichniß sämmtlicher neu­gewählten Landes-Deputirten.

1.

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33.

34.

35.

36.

37.

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40.

41.

Hr. Bellinger, Professor in Hadamar.

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Bellinger, Schultheiß in Zeuzheim. Bertram, Franz, in Wiesbaden. Blum, Kauftnann in Grenzhausen. Born, Oeconom in Langenscheid. Creutz, Kaplan in Diez.

v. Eck, Procurator in Usingen, Fresenius, Prof, in Wiesbaden. Gergens, A,, Gutsbesitzer in Rüdesheim. v. Goedecke, Oberlieutenant in Weilburg. Dr. Großmann, Procurator in Wiesbaden. Habel, Archivar in Schierstein. Hatzfeld, Pfarrer in Driedorf. Hehncr, Amtssecretär in Rennerod. Heyl, Schultheiß in Weyer. Jung, Amtssecretär in Eltville. Justi, Liqueurfabrikant in Idstein. Keim, Decan in Hachenburg.

Köhler, Oeconom in Homberg. Krämer, Gastwirth in Höhn? Kürtel, Stadtschultheiß in Oberursel. Lang, Procurator in Langenschwalbach. Dr. Leisler sen., Procurator in Wiesbaden, Lotichius, Gerber in St. Goarshausen. Müller, AmtSaccessist in Nastätten. Müller, Ph., Oeconom in Eschborn. Preis, Stadtschultheiß in Ufingen. Remy, Fabrikant in Hillscheid.

Schenck, Prokurator in Dillenburg, Schlemmer, Gastwirth in Montabaur, v. Schütz, Prokurator in Rüdesheim. Siebert, Jos., Kalifmann in Hadamar

Tripp, Schultheiß in Hundsangen. Unzicker, Occonoin auf Hof yenrietteuf Wehrfritz, Papierfabrikant m/""; . Weilbacher, Paul, Oero»?.» m Wenckenbach, Kaufum,m -n H w ^hen. Wenckenbach, Landoberfchullh ß

Tagen wieder oster

^ zugegangen sind, so müssen ■ anonyme M "h« ^ Einsendungen ohne Na mnVÄ berücksichtigt werden, daß dâacacn aber auch die strengste Diskretion von unserer Seite beobachtet wird. - .

Die Redaction.