FreitZeitung.
„âerheLL und NeehL !"
M 61
Wiesbaden Freitag, 5» Mai
1828.
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Das Schullehrer - Seminarium zu Idstein.
Das Heillose System der Reaktion, das für unser Volk am 4. März zu Grabe gesunken ist, hat bekanntlich seine auf Bevormundung des Volkes und Ertödtung alles Gemeinsinns gerichteten Zwecke nicht sicherer dutchzusetzen gewußt, als durch planmäßiges Darmedct halten jedes höheren Strebens des Lehrer- standes und dazu hat vorzugsweise daS Schullehrcr- SeminariüM als Werkzeug sich hergeben müssen. Insbesondere ist es seit dem Jahre 1832, trostlosen Andenkens , so weit gekommen, daß, um nur das Schreiendste hcrvorzuhcben, der Unterricht in der Geschichte gänzlich von der Anstalt verbannt wurde und somit die Lehrer des Volks über die höchsten Interessen des Staatsbürgers in Unwissenheit erhalten wurden. In diesem Sinne war denn auch die übrige Einrichtung jener Anstalt getroffen und die Lehrer des Volks sollten ein halbes Menschenalter hindurch systematisch zu bloßen Werkzeugen jenes Systems abgerichtet werden.
Da brachen die Märzstürme herein und am Boden lagen die halbreifen oder wurmstichigen Früchte vom vielgepriesenen Baume unserer Erkenntniß und die Fäulniß, an der unser Volksschulwcsen und zunächst seine Wurzel unser Schullehrer - Scminarium leidet, traten auch den Kurzsichtigsten grell vor die Augen. Was war natürlicher, was erwartete der wohlmeinende Freund des Volkes dringender, als daß jene Anstalt, deren scgcnreiche Wirksamkeit so schnöde war zu Grunde gerichtet worden, jene Anstalt, von der jede höhere Richtung, jedes edlere, freiere, meuschcnwürdlgc Streben für die ungeheure Mehrzahl des Volkes seinen Ursprung nehmen muß, ungesäumt im Geiste des Jahrhunderts, d. h. nn Geiste der Freiheit und Menschenwürde umgestaltct, von Grund aus umgestaltet und nöthrgen- falls an Haupt und Gliedern reformirt würde? Das war das wenigste, das war aber auch das erste und dringendste, was jeder besonnene Staatsbürger, dem Volkserziehung eine heilige Angelegenheit ist, von einer Regierung erwarten mußte, die die Errungenschaften des 4. März und namentlich die von unserm Herzog so hochherzig gewährte freie Gemeindcvcrfassung vom Papier ins Leben hinüber zu führen die Verpflichtung hat.
Was aber ist geschehen? Sind die Osterferien des Seminars dazu verwendet worden, um Anordnungen in diesem Geiste zu treffen? Ist der Lehrplan des Seminars, der nun wieder einem ganzen Schuljahre zum Grunde zu liegen hat, in diesem Geiste erfrischt und erneuert worden? Sind in dem Bestände des Lehrcipersonals diejenigen Abänderungen getroffen, die
jeder wohlmeinende Freund der Anstalt zum Theil schon seit Jahren erwartet, nunmehr aber dringend und un- abweislich verlangt? Ach nein, lieber Leser; aber du mußt auch nicht unmäßig sein in deinen Forderungen, gut Ding will Weile haben und — kommt Zeit, kommt Rath. Das neue Schuljahr, daS Schulj. 1848 auf 49 hat zwar in diesen Tagen seinen Anfang genommen, aber die alte Seminarmaschine geht oder schleicht noch immer ihren alten, durch das alte Schuledict vorge- schriebenen, durch endlose neuere Rescripte seitdem gemaßregelten und gezügelten Gang; du siehst noch dieselben Räder in denselben ausgefahrenen Gleisen sich drehen und Alles scheint beim Alten geblieben! Doch nein, nicht ganz ist dem also; die Anstalt hat einen Fortschritt gemacht im Geiste der Zeit, der die Vorwürfe ihrer bittersten Tadler zu Schande machen muß. Es sind nämlich für das laufende Schuljahr in jeder ihrer 3 Klassen 2 Stunden Geschichte wöchentlich eingeführt worden. Du erwartest, daß dieser Unterricht, der zumal in der obersten Klasse durch Einführung in das Gebiet vaterländischer Geschichte und Literatur für unser Jahrhundert der folgenschwerste werden muß, in den Händen eines wissenschaftlich gebildeten Mannes, also vorzugsweise des Directors, ruhen werde. Dem ist aber leider wieder nicht so; cs ist vielmehr ein jüngerer Seminarlehrer damit betraut worden, der auf dem Scminarium während seiner ungeschichtlichen Periode feine Geschichts-Studien gemacht hat und von den Forschungen eines Schlosser oder Dahlmann wohl unberührt geblieben sein mag.
Welche Früchte aus ^'ncm solchen Geschichtsunterricht erwachsen mögen und ob es in diesem Stück nicht besser ganz beim Alten geblieben wäre, wird die öffentliche Meinung beurtheilen. Ferre sei es von uns, aus diesen halben und Vicrtheils-Maßregcln dem der- maligen Lehrerpersonal auch nur den Schein eines Vorwurfs aufbürden zu wollen; die volle Verantwortlichkeit dafür fällt vielmehr mit ihrer ganzen Wucht auf diejenigen Elemente der Landesregierung zurück, die im Widerspruch mit den Bedürfnissen des Volks und dem Geiste des Fortschrittes von jeher ihren trüben Einfluß geltend zu machen wußten. Glaubt denn die Regierung durch solche lahme, halbe Maßregeln Vertrauen zu gewinnen? heißt das nicht, den überall wuchernden und hin und wieder selbst durch die schlechtesten Mittel genährten Keimen des Mißtrauens geflissentlich frische Nahrung zuführcn? Wie lange soll denn das Zuwarten, Probiren rind Laviren dauern? Ist denn der Mangel an staatsmännischen Talenten, an Einsicht und Energie bei den Behörden wirklich so groß, wie man besonders im Lande fast
allgemein glaubt? Mögen die Staatslenker von heute nicht vergessen, daß es für ihre besten Plane vielleicht morgen schon „zu spät" ist; mögen sie nicht vergessen, daß das Schullehrer -Seminarium jederzeit den feinsten Probirstcin und den sichersten Angelpunkt für ihre Beurtheilung abgeben wird.
44. Sitzung der deutschen Bundesversamm- lüng vom 1. Mai 1848.
In der heutigen Sitzung trat der neue königk. bayer. Gesandte von C losen und für Hamburg Senator Lutteroth ein.
Die Herzog!, sächsische Regierung zu Altenburg ließ anzeigen, daß im Hcrzogthum der k. sächsische Staats- minister a. D. von Lindenau und Hofadvokat von Sonnenkalb zu Abgeordneten in die Nationalversammlung gewählt worden seien. Die Bundes »Versammlung nahm von dieser Anzeige Veranlassung, sämmtliche Regierungen zu ersuchen, die Verzeichnisse der zur Nationalversammlung gewählten Abgeordneten sobald thun! ich, einzusenden. Von einer Einforderung sämmtlicher Wahlakten wurde abgestanden und der Nationalversammlung Vorbehalten bedürfenden Falls diese Acten sich mittheilen zu lassen.
Der Präsidialgesandtc verlas ein Schreiben des fran= zösischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten wodurch Herr Savoye ermächtigt wird officieusement les bons rapports avec la confédération germa- niqiie vor der Hand zu unterhalten.
Um die Kosten zur bevorstehenden Nationalversammlung, soweit solche nicht von den einzelnen Staaten getragen werden, zu bestreiten, wurde ein Ausschlag imd> der Bundes-Matrikel beschlossen.
Der k. preuß. Gesandte beantragte die Aufnahme der Stadt und Festung Posen, nebst einem die Verbindung mit den übrigen deutschen Landen erhaltenden Grenzdistrict, in den deutschen Bund.
Derselbe zeigte an, daß der General von Nadowitz seine Entlassung genommen habe, und der k. Obrist From nunmehr allein die preußische Stimme in der Militärcommission führe.
Der oldenburgische Gesandte zeigte an, daß zur Vertheidigung der oldenburgischen Sccküsten Strand- batterien errichtet worden seyen.
Aus den cingegangenen Berichten des Generals v. Wrangel erteilte, daß, nachdem die preuß. Truppen den Kampf eröffnet hatten, auch den hannoverischen und braunschweigischen Gelegenheit gegeben wurde, sich auszuzeichnen und von den hannöverischen Husaren insbesondere der Obrist des feindlichen Regiments nebst meh-
Auf dem Exercierplatz.
(R ekr utengedanseit vom 28. April.)
Wirbelt dumpf ihr „ K a m' r ad k o m m!" Durch die Straßen uns die Tromm, Schlägt voll Freude jede Brust, Geht's zum Waffenplatz mit Lust.
Stch'n wir da in Reih' und Glied, Hebt manch schönes Angenlied Sich empor nach unsren Reihn, Süße Gruße uns zu weih'n.
Aber unser Augenmerk
Fordert nun das ernste We^k: Was zu uns der Hauptmann spricht, Jede Silbe hat Gewicht.
„Achtung!" ist sein erstes Wort, Klingt gar ernst im Herzen fort: Deutsches Volk, ja habe Acht, Halte Wache Tag und Nacht!
„Richtet Euch!" Ja seid bereit, Fertig auf den Schlag der Zeit; Euer Wort und Euer Blut Für der Freiheit heilig Gut!
„Rechtsum!" jetzt und „Links nm!" dann.
Wohl, der brave deutsche Mann Muß nach allen Seiten schau'n, Darf mit Umsicht nur vertrau'«!
Und vor Allem: „Links um kehrt!" Was uns lange hat entehrt, Allem dem auf deutscher Flur Nuu fortan den Rücken nur!
Aber „Front!-- dem Feind im Streit, Front ihm in des Friedens Zeit: ■ Off'ne Stirne, off'neS Aug' War von jeher deutscher Brauch!
„Vorwärts! Marsch!" Ein hohes Wort, Mächtig tön' es fort und fort: Vorwärts immer, nie zurück Deutschlands Ruhm und Deutschlands Glück!
„RechtSgeschwcukt!" und „Linksgeschwenkt!"
Ja, wo deutsch man spricht und denkt, Deutschlands Fahne, daß auch ganz Es ersteht im neuen Glanz !
„Grad aus!" Ohne Falsch und Trug, Deutschen Volkes schönsten: Zug; Offen, graffe, ehrlich, treu, Sonder Fnrcht und sonder Scheut
„Halt!" Wohlan mit fester Hand
Halten wir am Vaterland: Doch kein Halt, bis wir erstrebt, Was es segnet und erhebt !
„Auf der Stelle ruht!" Ja dann Ruht auch gern der deutsche Mann, Ruht mit Liebe, ruht mit Lust Auch an timt zarten Brust!
A. Henninger.
Die Begierde nach Schleswig >)o/B""- der alte Fluch des dänischen Kowgs- ba«ses.
(Fortssttunst)
Vl'n c '"WIKI1 ^'â ' „ grbcmmtcm ^tbnn
p"'"è "J^ ^ feeste er unv frug tmur -^ ^nton, als wollte er dem SbM to’ed^ ^ "sm feine
ridnV^ Mack Info Boost,
- co Lage Giidmmwsvn , der uns im^eilt.
iMiitt bitte ich Euch um Gottes unv feiner Heili- gcn willen, führt mich zu einem Priester, damit ich
