Btmerkungcn eines talentvollen jungen 3>uibi verseif : daß die von Hrn. Malapert cnhvfcfcncn An sichten, als dem meiste der Freiheit und gleichen politischen Berechtigung aller Stände widerstreitend, bereits in früheren' hiesigen VolkS-Versammlmmen ihre gebürendc Würdigung erhalten hätten, und daß eS einem Mann, der so lange in dem Staatsdienst gestanden und jetzt noch eine sehr bedeutende Pension vom Staate beziehe, sehe übel anstehe, sich in solcher Weise auSzuspeechen. Hieraus gab der edle Freiherr ^nm Tioste unsrer Oheen und unsres Anstands.Gefühles keinen Laut mehr von sich.
Wie aber halten unS, im Interesse brr öffeiit. lieben Moral für verpflichtet, mittelst der Presse daS noch weiter auszusprechen, waS jener wackere jungt Mann , offenbar au» Zartgefühl, dem Hrn. v. Malapert nicht in'ö Gesicht sagen wollte.
Vorerst müssen wir bemerken, daß seine angeblich gemachte Erfahrung höchstens daS beweisen würde, daß eine Bereinigung der Eigenschaften eines Staatsbeamten und eines VolkSdeputirten in einer Person bei ihm nicht- getaugt habe. Wir fragen deßhalb den Hrn. v. Malapert, wie konnte er eS mit seinem Gewissen vereinigen, wenn er von brr Iüeompatibilttät (Unverträglichkeit) dieser beiden Eigenschaften überzeugt war, solche gleichwohl so lange Jahre in seiner Person vereinigt zu lassen? oder.ist ihm vielleicht (höchst seltsamer Weise) diese Ueberzeugung erst dann zu Theil geworden, als er, sehr wider seinen Willen, die eine dieser beiden Eigenschaften, die deS Staatsbeamten, verloren hat?
Wir gehen aber weiter, und behaupten, daß der Grund deS 9? ichtö tau gen 6 der Bereinigung beider Eigenschaften in der Person deS Hrn. v. Ma- lapert keineswegs in der Bereinigung, sondern lediglich in seiner Person gelegen ist, und wollen zum Belege hierfür nur einige Andeutungen über die Art und Weise, wie sich Hr. v. Malapert einer jeden der beiden ihm obgelegenen Funktionen einzeln unterzogen hat, geben.
In der Herrenbank half er mit der übrigen getreuen Schaar den Phalanx um daS damalige Spstcm, daS Ministerium Marschall bilden, stimmte namentlich gegen die von der Volkskammer erhobene Anklage desselben, stimmte gegen die Erklärung der Domänen für Slaatö- eigenthum, stimmte dagegen für die von der berüchtigten Fünfinäniierkamincr zum Hohne alles öffentlichen Rechtes und aller öffentlichen Moral votirten Steuern. Ebenso schloß er sich in allen späteren Jahren dem optimistischen, ultralopalc» Chorus unserer Pars — einiges völlig unbedeutende Oppositionsgeplänkel in Nebensachen abgerechnet — unbedingt ah.
WaS nun seine Leistungen als Staatsdiener betrifft, so soll er als Beamter in Braubach ein guter Mann gewesen sein. Ebenso wäre cs eine Berläumdung, zu behaupten, daß er als Regierungsdirektor etwas Ucblcs gethan hätte; wir gestehen vielmehr unumwunden ein, niemals vernommen zu haben, daß Hr. v. Malapert irgend etwas gethan habe. Vermuthlich hat cs ihm dazu an der erforderlichen Zeit gefehlt, indem die wenigen Stunden, die er sich während des Tages seiner Familie entzog, um solche im Dienste des StaateS zu- zubringen, natürlich vollauf mit beut Signiern der Con. cepte (an welchen er, wie er naiv sich auözudrücken pflegte, aus Grundsatz nichts abänderte) und dem Unterschreiben der Ausfertigungen, wenn hohes Präsidium ihm solche zukommcn ließ, ausgefüllt wurden. Zur Charakterisirnng seiner Ansichten über Staatsdienst dürfte auch noch folgende naive Aeußerung von ihm, die wir seiner Zeit mit vieler Satisfaktion vernommen haben, dienen. Als der gewesene Domänenrath von Marschall seine Entlassung aus dem Staatsdienste nahm, um sich der Verwaltung seines Privat - Vermögens zu widmen, und nicht länger die Vortheile einer Stelle zu beziehen, deren Pflichten zu erfüllen er nicht gesonnen
war, äußerte Herr v. Malapert sich ganz «»verholen dahin, er begreife den Leichtsinn des Hrn. v. .Marschall nicht, eine so sichere Rente auf den Staat aufz uß eben! *)
Weiter wollen wir dem Hrn. v. Malapert bemerken, daß das Publikum so wenig es erbaut war von den offenbaren Bevorzugungen einer gewissen Verwandtschaft und Verschwägerung im Staatsdienste — doch sehr weit davon entfernt war, in seiner Pensiouirung und Ersetzung durch Hrn. v. Wintzingerode, dessen Thätig, feit und Befähigung allgemeine Anerkennung fanden, und der auch durch seine neueste Handlungsweise bewiesen hat, daß er es für unehrenhaft hält, große Summen vom Staate für Nichtsthun zu beziehen, etwas Ungerechtfertigtes und Tadelnö- werthrs zu erblickest; höchstens hörte man Bedauern über die neue b e b e u t c n b c Belastung, die der Staatskasse durch die Pension des Hrn. V. Malapert erwuchs, aussprechen. Derselbe dürfte sich hiernach in bedeutendem Irrthum befinden, wenn er sich einbildet, jetzt sei die Zeit gekommen, seinen Groll über seine Zurücksetzung — die nur in seiner Einbildung rristirt — Luft zu machen, und sich dafür an dem ganzen Staatödiencr- stunde, den er so lange mit der Eigenschaft eines Stände. Mitglieds xu vereinigen für so bequem fand, zu rächen. Redefreiheit und das Recht der freien Vereinigung sind wahrlich zu edle Güter, als daß man es ruhig geschehen lassen dürfte, daß sie für solche egoistische Zwecke auögebculet und zu Organen für — mindestens gesagt — sehr ordinäre Leidenschaften herabgewürdigt werden I
Zum Schlüsse wollen wir den Herrn v. Malapert noch fragen, zu welchem der von ihm geschilderten Stände er sich zählt, namentlich ob zum Nährstande, und ob vielleicht deßhalb, weil er, nachdem er sich um unsern Staat auf die angegebene Weise so verdient gemacht, und trotz seines colossale» ererbten Privatvermögenö sich nicht entblödet, eine so bedeutende Pension anzu- nrhmen, mit deren Betrag der Staat wenigstens zwanzig hungernde Familien ernähren könnte?!
So lange Hr. v. Malapert nicht auf diese Pension zu Gunsten der Staatskasse oder irgend eines milden Fonds verzichtet, muthe er uns nicht zu, in seinem jetzigen öffentlichen und geheimen Wirken irgend etwas Anderes alS Aeußerungen kleinlicher Privat Leidenschaften zu erblicken, und wer an solche in der jetzigen großen Zeit denkt, hat über sich selbst den Stab gebrochen !
Limburg, den 22. April. DaS Ergebniß der llr» wählen ist nun heute bekannt worden und darf nicht unerfreulich genannt werden. Von den auS den Urwahlen hervorgegangenen 35 Wahlmännern gehören mindestens 12 zur entschieden liberalen Partei. Wenn auch der Verein für religiöse Freiheit (?) % der von ihm ausgestellten Candidaten durchgesetzt hat, so ist doch sein Stimmführer der Ultramvutanen, nämlich Diel, Eratz und Klein, gewählt worden, selbst der Bischof hatte nur l 79 Stimmen (von 460). Daß man lange Gesichter sieht, ist begreiflich, hoffentlich werden dieselben demnächst noch länger werden.
Camberg, 20. April. Der Aufruf des Hrn. Ne. ligionslchrerö Hofmann in Limburg an die israelitischen Geistlichen und ReligionSlehrer, den 1. Mai in Limburg sich zu versammeln, verdient vollkvmmcnc Beachtung. Zu wünschen wäre wohl gewesen, daß einerseits der Hr. Antragsteller erst die Meinungen Anderer über den Ort und die Zeit der Zusammenkunft entgegenge- nommen hätte, so wie andrerseits, daß dessen motivirte Aufforderung der Hauptsache nach mindestens eine Aufnahme in die freie Zeitung gefunden hätte, weil zu befürchten stehet, daß diesem oder jeneur rlteligionslehrer der Zweck dieser Zusammenkunft nicht recht klar, oder
*) Bei seiner Pensiouirung wurde berechnet, daß dem Hr» v. Malapert, so lange er Regierungsdwektor war, jede Stunde, die er in dem Regieruiigslokalc zugebracht, mit 10 fl. vom Staate bezahlt worden ist; allerdings keine üble Rente.
doch nicht wichtig genug erscheinen möchte, um ein kleines Geld- oder Zeitopfcr daran wenden zu wollen.
Da jedoch durch vieles hin- und Herfragen die Zeit verschwinden würde, während eS doch nothwendig ist, sich baldmöglichst über daS, was man will zu einigen: so sehe ich mich veranlaßt den Aufruf des Hrn. Hof- mann zu unterstützen und die mir befreunbetc Hrn. AmtSbrüder zu ersuchen jener Einladung zu folgen, wie ich eS auch nicht versäumen werde mich dort einjufinben.
M. Sonnenbergep, Religionölehrcr.
Lorch im Rheingau, IO. April. Hier geht eS m den aufgeregten Zeiten zu, wie man nie hätte ben* fen können. - Vor einigen Wochen sollte unser schulthkisi, weil nicht beliebt, abgesetzt werden, darauf hat der Herr Justizrath Langsdorff eö bei dem Gemeinde-Vorstand und sonstigen Bürgern durch Zureden dahin gebracht, daß der durch seine Gunst ange- stellte Oberschultheiß bis zur allgemeincii Organisation der freien Gemeindeordnung seinen Dienst behalten soll; gegenwärtig soll der Hr. Justizrath nach Montabaur versetzt werden, unb um dieses rückgängig zu machen, wandte sich der Hr. Justizrath in einem überaus artigen und frellndschaftlichen Schreiben an seinen Oberschul- thriß dahier, damit dieser linterschristen bei dem Ge- mtinde-Vorstand und den Bürgern sammeln möchte, ans daß der Hr. Justizrath aus seinem jetzigen Amt- sitze lltüdeöheim verbleiben solle. Damit sich aber der Oberschultheiß bei dem Aufsatz dicser Unterschrift^ Col- lecte daS Gedächtniß nicht zu sehr anstrengen möchte, war der Hr. Justizrath so zuvorkommend, daß er ihm ein Formular dazu beilegte. AuS Dankbarkeit und Höf« lichkeit gegen seinen Schützling ließ dann der Ober-* schultheiß durch den Polizei- und Gemeindediener Unterschriften sammel». Dadm'ch fielen Unordnungen vor, denn ein Theil der Bürger äußerte gegen solche, die sich unterschrieben hatten: wie man denn mit gutem Gewissen einem Beamten Unterschriften der Zufriedenheit geben könne, von dem das Gegentheil wahr sei? diese machten ihren übereilten Schritt dadurch wieder gut, daß sic ihre Namcnöunterschriften soglcich wieber ausstrichen. — Sind solche Werbungen, welche die Gemeinden in Parteien zu spalten geeignet sind an der Ordnung? Dergleichen Werbungen haben in den meisten Orten des AmtS statt gefunden.
Aus dem Rhekngau. Die während deS Ministeriums Walderdorff in daS Herzogthum Nassau ein- gezv^cne» Jesuiten und ihre dienstbaren Knechte, suchen durch alle möglichen Mittel, wozu auch die Beichte, zumal jetzt in der österlichm Zeit, die beste Gelegenheit gibt, auf die Wahl der Stände deS Herzogthnmö cin- zuwirken. Man beabsichiigt hierdurch. Euch meine Mitbürger wieder in die alte Knechtschaft zurück W sichren Um dieß leichter zu erreichen buhlt man sehr liberal mit der öffentliche» Meinung; läßt den von frommen Seele» dargebotenen Fond zu Errichtung von klösterlichen Anstalten, hauptsächlich der Zwangsanstalt zu Erziehung der Knaben zu Gcistlichcu, in gewisser Ferne blinken. Daß noch Vieles dazu außerdem erforderlich ist, darüber wird vorerst nichts verlauten lassen; wissen doch die frommen Väter auch dafür zu sorgen, daß das einmal umgarnte Volk, daS weiter Nöthige zur eignen Geistcskuechtschaft willig darbringt.
Wollt ihr, meine Mitbürger, wieder Knechte der Hierarchie werben ? Soll der Bannfluch, wie vor Kurzem, bald wieder in euren Kirchen widerhallen? Gewiß nicht!
Darum vor Allem, wählt Manner zu Vertretern des Volkes, welche sich nicht in die Netze der Hierarchie verfangen haben.
Seid wachsam und laßt die sich jetzt darbietende Gelegenheit znr Wahrung eurer Freiheit nicht nutzlos vorüber gehen.
Wien, 18. April. Das EorpS am Jsonzo, Welches unter dem Fcldzcugmcister Nugent 22 ms 30,000 Mann vereinigt haben sollte, hat bis jetzt faum 10,000 Mann concentrirt, und die Operationen, die mit jedein
entflammte den furchtsamen Neid des Königs Niels und femev Sohnes Magnus zu tödtlichem Haß.
... unbekümmert darum arbeitete Knut mit rastlosem O’ircr tut das Heil seines Landes. Unter der dänischen Regierung war Schleswig in die verderblichste Anarchie versauen. Besonders trieben sich im ganzen Lande adelige Herren herum, die sich als Freunde, ja als Bluts- venvanmc ecs bänifdeen Königshauses brüsteten und unter dicscin ^.itel das arme Volk aufs unverschämteste plün- dcrtcn. Knut lies, die frechsten dieser Räuber cinfangen und an den nächsten Bäumen aufknüpfen. Als er einst einer solchen Vrccution persönlich beiwohnte, redete ihn i einer der Verurthcilten so au: Ich bin aus königlich dänischen: Geblüt, wie du, Herzog! Wenn du mich also wie einen gemeinen Verbrecher hinrielucn läßt, so beschimpfest du dich selber. — Darauf erwiderte der Herzog-. Wenn du wirklich mein Blutsverwandter bist, so ist cs billig, daß ich einen Mann von so hoher Abkunft mit Auszeichnung sterben lasse. Und er befahl, den königlichen Räuber höher als alle andern, an die Spitze eines Mastbaumes zu hängen.
Wie sehr Knut durch diese nothwendige Strenge die Zahl seiner Feinde vermehrte, läßt sich leicht ermesse». Allein da ihm in gleichem Maße das Volk immer
ergebener wurde, so konnte man ihm lange nichts an- habcn. Endlich gab seine deutsche Bildung und Gcsiu- nung seinen Feinden Veranlassung, ihn beim dänischen Volke zu verdächtigen.
Ein dem Däneuthum sehr ergebener Geschichtsschreiber schildert gleichwohl das Verhältniß der dentschen und baltischen Bildung mit folgenden Worten: Die Dänen hatten sich damals von der cinfältgen Lebensart der alten nordischen Völker noch nicht sehr entfernt. Sie verwandten ihre Reichthümer nur auf Gastmahle. Ihre Sitten waren rauh. Der Fischfang, die Viehzucht und die Jagd waren ihre vornehmste Beschäftigung. Den Ackerbau vernachlässigten sic unb noch mehr den Handel und die Ausschmückung der Städte. Man sah keine Pracht in den Palästen und in den Kirclicn. Und selbst die Kleidung bet Einwohner war schlecht und bestand in Gewändern vyn Fellen und von grobem Tuche. Das Land der Sachsen dagegen war von den Zeiten Hein- rich's 1. und der Ottoncn an mit ansehnlichen Städten geziert, unb die Lebensart nach dem Muster, das die Pracht des Doses gab, veredelt oder doch verfeinert. Die Wenden hatten ebenfalls zeitig angefangen, Handlung und Gewerbe zu treiben, und mit dem Geist der Kanfmaimschaft auch eine 2lrt des èuyud begünstigt.
Knut Laward hatte au dem sächsischen Hofe diese feinern Sitten mit Beifall wahr genommen. Er glaubte daher seinem Vatcrlande einen Dienst zu erweisen , wenn er ihnen eine Aufnahme in demselben bewirkte. In dieser Absicht zog er Handlbcrker, Künstler und Kriegslente aus Niedersachsen in die dänischen Länder, bediente sich der sächsischen Tracht und richtete seine Art, dem däui- schen Könige aufzuwarten, nach dem Muster des sächsischen oder kaiserlichen Hofes ein. Die Dänen, welche nach der Weise der nordischen Völker den vaterlickmi Sitten bis zur Hartnäckigkeit treu blieben, satz«>> Betragen ungern, selbst bei einem Prinzen, i^1’! ihre Freude unb ihr Stolz war. Hub dm Höflinge fanden dadurch eine Gelegenheit, ihrer Abneigung ^m i 'n einen Anstrich des Rechtes Z" geben.
Dazu kamen noch widrige PrwatvcrhaltM!,e. Engert, die Gemahlin des dänischen pnuzcn, .Heinrich Cko- kul (der Hinkende), trennte sich von ihrem rohen und wüsten Gatten. Dies wurde nun dcm Herzog Knnt zur Last gelegt, der durch Einführung der dcutschen Sitten die dänische Tugend untergraben hätte.
(Fortsttznng folgt.)
