Frankreich.
Paris, 20. April. Die „Monde Republicain" meldet: Gestern Morgen ging Blanqni zu Ledrn-Nolli» und sagte zu ihm: „Antworten sie mir gerade heraus, sind Sie für oder gegen uns (Communisten)? Sagen Sie ja oder nein." Der Minister, der einer bciiiinm- ten Antwort ausweiehen wollte, sing an: „Jll bin ein Augenblicke sollten wir einig sein." Blanqui unterbrach ihn: „Ja oder Nein? Sie antworten nicht? Das heißt Nein/Adieu." Lamartine tadelte, als er den Vorgang erfuhr Ledru-Rollin wegen seines Benehmens und sagte: „Sie haben Ihre Pflicht nicht gethan, Sie hatten ihn verhaften lassen sollen.". — Nach der „Assemblee Nationale" befindet fich in dem Gebäude, wo das Re- dactions-Bureau des Journals „La Commune de Paris" ist, eine förmliche Besatzung von 300 Bewaffneten in Blousen, an deren Spitze ein gewisser Sobricr steht, der sich Bürger-Ches der „Commune de Paris" und seine Dlousenleute „Montagnards" nennt. Er läßt angebliche Reaktionäre aufgreifen, vor sich führen und hält förmlich Gericht über sie, hat sich aber bisher der Bestrafung enthalten.
— Nach der „Gazette des Tribunaur" ward gestern ein Kerl verhaftet, der Rundschreiben feilbot, worin die
SectionSchefS der Arbeiter aufgerei'zt wurden, die provisorische Regierung durch neue Petitionen aufzufordern, die Absetzung eines Theiles ihrer Mitglieder zu veranlassen. Im Weigerungsfälle werde das Volk von Paris sich selbst gerecht werden. — An mehreren Orten von Paris hat man bei angcstellter Haussuchung Waffen-Vorräthc weg- genommen. In der Umgegend sind Plündcrnngs- und Zerstörungsversuche geschehen, zumal am Schlosse Neuilly; sie scheiterten aber an der kräftigen Haltung der Nationalgarde.
— Der Gold- und Silberpreis ist seit einigen Tagen merklich gewichen; ein Beweis, daß das baare Geld allmählich zurückkehrt! Das „Journal des Debats" erklärt, der Platz sei gegenwärtig mit Baarschaft hin. länglich versehen.
Großbritannien.
London, 20. April. „Daily News" spricht von Schleswig-Holstein, als wenn Deutschland eine dänische Provinz erobern wollte, fährt aber dann mit richtiger Würdigung der Stimmung in Deutschlnnd fort: „Schon besteht überall unter den Deutschen, und besonders unter den freisinnigen, ein starkes Vorurtheil gegen England, und gerade deßhalb, weil England in den Angelegenheiten des Festlandes eine Dictatur im Handel,
wie in der Politik auSzutben sich amnaße. Werfen wir uns zu Beschützern der Dänen auf, so werden wir Schleswig dem König wahrscheinlich nicht erhalten, während wir in dein freien Deutschland uns einen erbitterten und gefährlichen Feind schaffen." „Daily News" führt das Beispiel Italiens an, wo England in der letzten Zeit durch den Versuch einer Einmischung alle frühere Gunst verscherzt habe. „Die Wiederholung einer so thörichten Politik würde noch unwillkommenere Ergebnisse herbeiführen."
Dem Einsender des Inserats Nr. 252 in der Dei- lage zur „Freien Zeitung" Nr. 47 wird hierauf erwiedert, daß die Rechnung mit allen dazu gehörigen Belegen, betreffend die Verwendung der für den abwesenden Nechnungskainmcrrath Häußer eingenommenen Gelder bei Gelegenheit der Aufnahme des Inventars, bereits vor mehreren Wochen der Herzog!. Landoberschultheißerei dahier übergeben wurde, und bei dieser Behörde von Jedem, welcher dazu befugt ist, eingesehen werden kann.
Wiesbaden, den 19. April 1848.
Der „nahe Verwandte" des RechnungS- kammerrathS Häußer. ™
Bekanntmachungen.
Deutsche Hagelversicherungs-Gesellschaft
für Gärtnereien zu Berlin.
(295) Diese im Jahr 1847 ins Leben getretene, auf Gegenseitigkeit begründete Gesellschaft, deren Verwaltung von einem aus der Mitte der Theilnehmer gewählten Vorstand controllirt wird, hat nach ihrem Rechnungsabschluß pro 1847 einer Versicherungssumme von 504,970 Thaler einen Ueberschuß von 2335 Thlr. 29 Sgr. 7 Pf. gewährt, wovon nach §. 29 deS Statuts ‘4 als Reservefonds angelegt % an die auf 5 Jahre bcigetretenen Mitglieder vertheilt sind.
Die Gesellschaft gibt Versicherungen, im Betrage von hundert Thalern an, für folgende Gegenstände:
1) Für Fensterscheiben:
a. in Wohn«, Gewächs- und anderen Häusern, wo die Fenster senkrecht stehen, â . . . 1 %
b. in Mistbeeten, Gewächs- und andern Häusern, wo die Fenster eine sich neigende Lage haben, è ..... 1 % %
2) Für Gewächse:
c. unter Fensterscheiben in Mistbeeten oder Gewächshäusern, h ............ 1% %
d. für solche, die im Freien in Gefäßen aufgestellt sind, ü............. 17» %
e. für alle anderen Gewächse im Freien, ü..................% %
f. für Wein- und Obsterndten, ä . . ...................2 %
Rechnungsabschlüsse pro 1847, Statuten, Versicherungs-Verzeichnisse und Reverse sind bei dem Unterzeichneten unent« geldlich für diejenigen zu haben, welche dieser gemeinnützigen Gesellschaft beitreten wollen, und wird für die schleunigste Zu- fcndunZ der Police Sorge getragen werden.
Montabaur, am 21. April 1848. J. Kunst, Bezirks-Deputirter.
(282) Decret.
Den Nachlaß des Eberhard Eppig ; zu Oberursel betreffend. k
Johann Eppig von Oberursel, dennalcn unbekannt, wo? abwesend, wird aufgefordert, sich binnen 60 Tagen von dem Erscheinen diese» in öffentlichen Blättern angerechnet, über die Antretung der Erbschaft seines verstorbenen Vaters zu erklären, widrigenfalls für die ausgetretenen Gläubiger der Concurspcoceß über dessen Vermögen erkannt werden wird.
Königstein, den 14. April 1848.
Herzog!. Naff. Amt.
Weber.
(249) Seidenstoffe in den richtigen Farben zu Fahnen für die Nationalgarden sind vorräthig bei
August Jung.
(293) Der Vorstand des Apotheker-Vereins im Herzogthum Nassau hält eine Besprechung über das Apothekerwesen im weitesten Umfang für dringend nothwendig, und ersucht deßhalb, sowohl die Apotheker als alle Kandidaten Nassau'« sich Mittwoch den Sr Mor
gens 9 Uhr, im Taunushotel zu Wiesbaden zu einer gemeinschaftlichen Berathung einzufinden.
Wiesbaden, den 23. April 1848.
Die Direktion des Vereins.
(294) Zur Nachricht.
Ja der gestern Abend stattgehabten Generalversammlung der Mitglieder bet hiesigen Lesezirkels ist beschlossen worden:
1- die Abonnenten - Gesellschaft konstituirt sich zu einem Lese-Verein;
2. die Leitung der Geschäfte übernimmt ein aus 7 Mitgliedern bestehender Vorstand.
Der Lesezirkel besteht nun seit Einem Jahre.
Die geriegensten Zeitungen, politischen wie belletristischen Inhalts, Flugschriften u. f. w. aus dem ganzen Deutschland, sowie die beliebtesten humoristischen und satyrischen Blätter liegen im Lesezimmer (Gasthaus zur Diese) open und bieten die nützlichste Belehrung und Unterhaltung. Es mag hier, mit Hinweisung auf unsere so wichtige Gegenwart, der Wunsch Platz finden, daß eine möglich» zahlreiche Betheiligung an diesem, einer gründlichen politischen Bildung überaus förderlichen Unternehmen, erfolgen möge.
Die fernere Aufnahme von Mitgliedern geschieht durch eigenhändigen Eintrag in das im Lesezimmer aufgelegte Aufnahmebuch.
Wiesbaden, 12. April. Der Vorstand.
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(290) Wachstuchmützen für Bürgerwehr.
Für diese, bereits in vielen Städten Süddeutschlands neuerlich eingeführte, billige und praktische Kopfbedeckung, enipfiehlt verschiedene Sorten Wachstuch in ausgezeichneter Qualität.
Philipp Hartmann, Wachstuch-Fabrikant in Frankfurt a. M.
Einladung des Nassauischen Handels- und GewerbstandeS
zu einer Zusammenkunft.
(292) Die eigenthümliche Lage, in der sich, in Folge der politischen Ereignisse, die Fabncken und größtenteils auch andere Geschäfte befinden, hat bereits in verschiedenen Ländern allgemeine Maßregeln hcrvorgcrufcn, die zur Aufrecht- Haltung von Handel und Verkehr, und zur Unterstützung der arbeitenden Classe nothwendig geworden sind. Je schwieriger die Mittel avfzufindcn sein dürften, der betrübenden Cvnjunctur wirksam zu begegnen, um so mehr ist eine allgemeine Prüfung und Berathung noth- wendig geworden. Wenn wir "daher unserer eigenen Neigung folgend, uns erlauben, alle Bethciligte zu einer Zusam- inenfunft nach Limburg in den Nassauer Hof auf den 28. April Morgens 9 Uhr, hierdurch crgebenst einzu- aben, glauben wir damit zugleich einem vielseitig gehegten Wunsche entgegen zu kommen, und hoffen auf einen zahlreichen Zusammentritt der Industriellen und des Handelstandes.
J. W. Buderus. Söhne.
(298) Der Wahlausschuß des hiesigen 7ten Stadtviertels bringt hiermit zur Kenntniß seiner Mitbürger, daß in der am 18. d. M. abgehaltenen Urwählerversammlung die Herren Stadtrath Christmann, Buchhändler 8. Friedrich, Kaufmann Käsebier, Kaufmann Allstädter, Medizinalrath ZaiS, Stadtrath Götz, Kaufmann O essn er, Hos- conditor Röder, Goldarbeiter Lu gen bithl, Präsident Hergenh ahn, Buchhändler Fischer, Goldarbeiter Schellenberg, Hauptmann Quint, Buchbinder Flocker, Glazer Ph. Hofmann und Gasthalter Albr. Götz zu Wahlmännern erwählt worden sind.
Wiesbaden, den 23. April 1848.
(192) Einem verehelichen Handelsstande machen die Unterzeichneten die ergebenste Anzeige, daß sie dahier unterm Heutigen eine Streichzünd» holz-Fabrick unter der Firma:
Künstler & ( omp.
i errichtet haben. Sie empfehlen ihr Fabrikat unter I Garantie, mit Zusicherung reeller und. billiger . Bedienung.
I Wiesbaden, den 1 April 1848
Gerth
. Künstler.
(274) Eine Sammlung von Cactus, unter anberen ein tSjähriger Monstrosus, ein küjäh- rtger r lageliformis unb ein tvjâhrigcr 8pvcio- sus ist wegen WohnunaSveränderung aus freier Hand zu verkaufen. Wo? sagt die Erpeditian dieses Blattes.
(281) So lächerlich uns auch die verdeckte Erwiederung der reactionären Partei in No. 43 dieses Blattes auf die laute Anfrage an Hrn. Justizrath Wolf dahier in No. 37 dieses Blatte« erscheint, so wollen wir Unterzeichnete die in Frage gestellten Punkte den hiesigen Reactionären doch beantworten, und z^var zum letzten- male, unb sie dann der allgemeinen Verachtung anheimgeben.
1) die laute Anfrage war an Hrn. Justizrath Wolf und nicht an den jungen unbesonnenen J. Stemmler, der sich in No. 43 d.
Bl. zum zweitenmal« gebrauchen läßt, Euch Rea tionären den Pelz zu waschen, jedoch diesem einfältigen Menschen zu erwiedern, wäre lächerlich; sondern Euch, hoch . den Reactionären, die Ihr aus ,-oem Buchstaben jener Erwie erung heroorlruw',-, E n ch gilt v v l^te Wort
2) 3^ Aeacrionär« findet es sonderbar oder gar empörend, daß wir uns dagegen äußerten, daß euer erstes elendes Machwerk gegen uns in der Amtsstube geschrieben wurde; Ihr Hrn. Reaclinäre, wir leben jetzt in der Euch unangenehmen .ki. welcher über Könige gerichtet wird, und zwar von dem von Euch mit Füßen getretenen Volke, warum sollen wir da noch bei Ungesetzlichkeiten von Seiten eines Beamten schweigen?
3) Ist das eine elende Lüge, daß wir den von Euch gedungenen jungen Menschen überfallen und zwingen wollten, die schändliche Anklage zurückzunehmen; nein, im Gegentheil, trotz dem Abrathen von Seiten deS Slmtes, bestanden wir fest darauf, daß die Untersuchung sofort beginnen sollte.
4) Ihr Reactivnaire werft einem Mitgliede des hiesigen SicherheitScomiteS Unruhestiftungen und ein Seiner unwürdiges Benehmen vor, und dießerhalb fragen wir Euch, Reaktionäre, von wem gehen diese Unruhstiftnngen aus, von Euch oder Mitgliedern deS SicherheitScomiles? wir antworten Euch: von Euch, und Ihr seid es, die sich unwürdig, ja sogar schmutzig betragen.
Schließlich fordert Ihr von unS, daß wir Euch, Reactionâre, namentlich angeben sollten; sollen wir Eure Namen brandmarken? Nein, andere ehrliche Leute tragen vielleicht dieselben Namen; hier kennt Euch ohuedieß Jeder als Reactionäre.
Montabaur, den 20. April 1848.
Jos. Zöller, Hauptmann der Schützencompagni«.
S. Scheidt,
Mitglied deS SicherheitScomiteS.
Verlorenes.
(291 ) Ein Armband von Haaren mit einem Schlangenkopf wurde diesen Morgen auf dem Weg von der evangelischen Kirche durch den Uhrthurm auf den Markt verloren. Der redliche ' her wird gebeten, solches bei Herrn Kauf- * er auf dem Markt abzugeben, Den 23. April 1848.
I (220) Ich lasse vom 26. April, Morgens 9 I Uhr anfangend, meine Mobilien wegen Soersei« I hung meiner Wirthschaft in meinem Hause zur ' Krone dahier in B ebrich öffentlich versteigern. ?tei»harö Strittet.
(275) Ein 6%octaeige8 , & Jahre gespielte« Wiener Tafelklavier ist wegen "<f inngSvcr- ände^ung aus freier Hand zu verkaufen. Wo' sagt 'rie Erpediton.
(299) Indem eS anzuerkennen ist, ®T meisten, wenn auch nicht reichen ® " den in den Krieg ziehenden Soldaten eine kleine Gabe verabfolgten, verdient es öffentlichen Tadel, daß die reichen Gemeinden Flacht, Amts Diez, und Wirges, Amts Montabaur, hierin eine sehr unrühmliche Ausnahme gemacht haben.
(284) Bei Metalldreher Wilhelm Knefeli kann ein Junge in die Lehre treten.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. Möller.
Verlag von $k Fischer St C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.
