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J£ 51. Wiesbaden. Montag, 24, April 1848,

Die „Freie Zeitung" erscheint täglich in einem Bogen. — Bestellungen barauf behebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer- und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. — Der Ubonneinento - Preis vom 1. Marz biö l. Juli d. I. beträgt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzosthnms Nassau, des Großbcrzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesfischen Provinz Hanau 2 fl. 4 i tr. inner­halb alter übrigen Thurn und Taris'schen Postbezirken 3 fl. —

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. — Die Jnserations-Gebuhren betragen für die vrerspalttge Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Wegen des hohen

Osterfestes erscheint morgen den

25, keine Zeitung.

Beschlüsse des FünfzigerausschufseS.

In her Comitesitzung des Fünfzigerausschusses vom 19. April 1848 wurde der folgende Commissionsantrag gestellt:

Die hohe Bundesversammlung wolle die Aus­übung der ihr gemäß der Bundesverfassung zukommenden erecutive» Gewalt alsbald an drei geeignete Personen übertragen, welche bis zur Errichtung einer definitiven Bundeserecu- tivgewalt die oberste Leitung der allgemeinen deutschen Angelegenheiten, insbesondere die des Heerwesens sowohl zur Sicherung der Inte­grität Deutschlands nach Außen, als auch nö- thigtnfalls gegen Anarchie im Innern zu über­nehmen und unmittelbare diplomatische Verbin­dungen im Namen des deutscheir Bundes mit den auswärtigen Staaten eintrcten zu lassen hätten.

Der Fünfziger-Ausschuß beschloß, daß auf diesen An­trag, so wie auf mehrfache Modisicationen desselben nicht kinzugehen sei, dagegen

1) den Bund aufzufsrdern, sofort zu der in der Bundesverfassung vorgesehenen Wahl eines B un- —,^-dcs oberfeldherrn zu schreiten und diesem die oberste Leitung aller Militärangclcgcn hellen zu übertragen;

2) den Bund aufzufordern, dem Ausschuß schleu­nigst Mittheilung darüber zu machen, was be­reits zur Abwehr der von Außen drohenden Ge­fahren, zur Concentrirung und Bereithaltung aller nothwendigen Vertheidigungsmittel geschehen sei;

3) eine Commission zu erwählen, welche sich sofort mit dem Bundestage darüber vernehme: wie die Herstellung eines geeigneten Mittelpunktes für gemeinsame und einheitliche diplomatische Verhand­lungen mit dem Auslande fördersamst zu be­wirken sei, und über das Resultat dieser Bespre­chung auf das allcrschlcunigste dem Ausschuß Be­richt erstatte.

Die stenographischen Berichte über die Sitzungen, in welchen diese Beschlüsse gefaßt, werden demnächst veröffentlicht werden.

Frankfurt a. M., den 19. April 1848.

Der F ü n f z i g c r a u s sch u ß. Abegg.

Simon, Schriftführer.

38. Sitzung der deutschen Bundesversamm­lung vom 20. April 1848.

In der heutigen Sitzung wurde ein Schreiben des Fünfziger-Ausschußes verlesen, worin beantragt wurde, die Bundesversammlung möge unverzüglich zur Ernen­nung eines Oberfeldherrn schreiten und dem Fünfziger- Ausschuß Kenntniß von den zur Sicherung der deut­schen Gränzen getroffenen Maßregeln geben, auch mit einer Commission des Ausschusses wegen einheitlicher Leitung der diplomatischen Angelegenheiten sich benehmen.

Der k. preußische Gesandte zeigte an, daß, damit die Dänen mit Erfolg gezwungen werden könnten, Schleswig zu räumen, die preußischen nach Schleswig- Holstein bestimmten Truppen bedeutend verstärkt und unter den Oberbefehl des General-Lieutenants Fürsten Nadzivill gestellt worden seien. (Schluß folgt.) (F. I.)

Welche Männer wählen wir für unsere Abgeordneten-Kammer?

Jetzt, wo wir unmittelbar vor der praktischen Lö­sung dieser Frage stehen, dürste es an der Zeit sein, nochmals auf diesen, zwar schon vielfach in öffentlichen Blattern besprochenen, jedoch für die Gestaltung, unsrer ganzen Zukunft hochwichtigen Gegen­stand zurückzukommen.

Wir sprechen nun ohne weitere Einleitung unsre Ansicht auf das Entschiedenste dahin aus:

Unsrem Lande kann nur aus einer solchen Kammer Heil und Wohlfahrt erblühen, welche ihrer überwiegenden Mehrheit nach aus intelligenten, der Rede und Schrift mäch­tigen Männern von wissenschaftlicher poli­tischer Bildung zusammengesetzt ist!

Tadellosigkeit des Charakters und Gewißheit über die politische Gesinnung des zu Wählenden sind zwei sich so von selbst verstehende Bedingungen, daß sie nur ausgesprochen zu werden brauchen, um ihrer allge­meinsten Annahme versichert zu sein.

Ebenso wird es kaum der Erwähnung bedürfen, daß wir weit entfernt davon sind, durch Aufstellung, jenes Grundsatzes, den eigentlichen Bürger- und Bauern-Stand von unsrer Abgeordneten-Kammer aus« schließen zu wollen; wir sind vielmehr von der Ueber­zeugung durchdrungen,' daß Kaufleute, Handwerker, Landwirthe ein nicht nur nützliches, sondern ebenfalls ganz unentbehrliches Element der Kammer sind.

Wir glauben aber darauf aufmerksam machen zu

müssen, daß bei den unsrer nächsten Kammer oblie­genden Gesetzgebungs-Arbeiten dieses Element nicht in erster, sondern nur in zweiter Linie wir­ken kann, indem die Aus-Arbeitung und Begut­achtung größerer zusammenhängender Gesetze, welche, wenn sie nicht den Todeskeim von vornherein in sich tragen sollen, auf einem wissenschaftlich begrün­deten und durchgeführten Prinzipe beruhen muffen, ohne allen Zweifel »vissenschaftliche und politische Bildung voraussetzt, welche auch sonst nichts, nicht durch die größte Begeisterung für die Sache des Vol­kes und des Fortschrittes, nicht durch den redlichsten Willen, nicht durch Talent, nicht durch die ausge­zeichnetste Lebensklugheit mrd nicht durch die vorzüg­lichste praktische Befähigung in irgend einem Geschäft oder Handwerk ersetzt werden kann.

Wir appellircn zunächst an die Einsicht und Vater­landsliebe der einflußreichsten und achtbarsten Männer unserers Bürger- und Bauern-Standes, und nament­lich an die demselben angehörigen Mitglieder unsrer letzten Deputirtenkammcr, und fragen sie auf Pflicht und Gewissen, ob sic nicht selbst anerkennen müssen, daß grade in der geringen Zahl Deputirter von wissenschaftlicher Bildung der Hauptgrund des geringen Erfolges der Bestrebungen unserer früherer« Stände — denen man gewiß ihrer großen Mehrzahl nach prakti­schen Verstand und guten Willen nicht absprechcn kann — zu suchen ist!

In wieviel höherem Grade aber würde dieser Uebel- stand sich bei unserer nächsten Abgeordneten-Kammer, welcher ein neues Gemeinde-Gesetz, neue Orga­nisation sämmtlicher Gerichts- und Verwal­tungsbehörden, neues Finanz- und Steuer- Gesetz, Auseinandersetzung ver äußerst ver­wickelten Domänen frage als zunächst zu erledi­gende Geschäfte obliegen werden,, heransstellen! Jeder Vernünftige wird zugeben müssen, daß solche Arbeiten nimmer mehr von Leuten, welche — wie cs bei unsern bisherigen Ständen augehen mochte — ihre ganze landständische Tbätigkeit auf einige abgerissene, wenn auch noch so treffende Bemerkungen in den Aus­schuß- und Plenar, Sitzungen und auf Abstimmen be­schränkten, und die weder Gelegenheit, noch Neigung,, noch Befähigung haben, _ sich um die wissenschaftliche Begründung einer politischen Frage, um die Gesetz­gebung anderer Länder w. zu bekümmern,, zu einem gedeihlichen Ende gebracht werden können.

Wir appellircn ferner an die Selbstverläug- num g jener achtbaren Männer des Bürger- und Bauern­standes, und fordern sie auf, wenn sic sich von der

Ein Herz für Schleswig.

(Fortsetzung.)

Plötzlich rief er: Wir werden verfolgt! Harms unb Wulf/ werft die Ruder weg, ergreift die Armbrust, legt Pfeile auf und macht euch fertig! Ihr Andern aber greift mit verdoppelten ^Überschlägen aus, damit wir vielleicht dem ungleichen Kampf entrinnen.

Wie aus der Tiefe des Meeres entstiegen , war plötzlich ein großes, dicht bekanntes Boot hinter den Flüchtlingen. Es ruderte so'pfeilschnell, daß Knut ein- sah, es sei auf gewöhnliche Art an kein Entkommen zu denken. Ebenso wenig aber ließ sich ein glücklicher Kampf mit den Verfolgern hoffen. Während der Prinz dies Machte, schrie Harms in angstvoller Aufregung:

' Herr, dort kommt noch ein großes Fahrzeug aus ^ Nebel hervor — es ist ein königliches Schiff — " Mtt, König Niels' steht hoch auf dem Verdeck und

1 Lusern Verfolgern aufnumternde Befehle zu!

„ ~ab lügst du! Mein königlicher Ohm ist kein Scc- raubi’n Vief JUiiit, strcug verweisend; aber die Zornes­glut fci^ Antlitzes verrieth , daß Harms nur zu recht

Inzwischen waren die Verfolger so nahe gekommen, daß ihr drohendes: Ergebt euch, oder ihr seid des To­des! gehört werden konnte. Schon flogen ihre Pfeile herüber, wurden aber noch vom Sturmwind vertragen.

Sie meinen es ernsthaft! knirschte Knut in Zorn und Schmerz. Das gilt nicht blos meinem Gelde, es gilt meiner Freiheit, meinem Leben! — Ihr sollt euch verrechnet haben, entartete Dänen!

Nasch hob der Prinz den Schatz auf und versenkte ihn in die Tiefe des Meeres. Versink auf ewig, Mam­mon , bevor du den Sind) des Verwandtenmordes , des Bürgerkrieges auf dich getanen ! Sv rief der edle Jüng­ling seinem königlichen Erbgut nach; da schwirrte ein Pfeil herüber und durchbohrte den armen Harms. Laut­los stürzte er über Bord unb verschwand augenblicklich in der Tieft.

Deine Ahnung ist in Erfüllung gegangen, armer Jüngel seufzte schmerzlich ergriffen der Prinz. Harms, sei du der Wächter des Königsschatzes in der Tiefe des Beltes !

Darauf benutzte Knut die Finger seiner rechten Hand mit dem Blute, welches am Bord klebte, hob die blutige Hand hoch zum Himmel auf und sprach: Dies ist das erste Blut, welches für mich und mein Recht vergossen

worden: Ich werde cs sühnen dadurch, daß ich mein- Recht nur yun Heil dieses mißhandelten Vvlkes durch­setze und gebrauche l

Zieht die Segel auf! befahl er dann seinen Mannem Wir wollen uns dem wilden Strwnr vertrauen; er mag uns retten oder verderben!.

Rasch legte Wells die Armbrust an, drückte ab, und lachte laut auf, als er einen Dänen vom Verdeck stür­zen sah. Ein Mann für meinen Harms! sprach er und ergriff wieder das Ruder, während eine Thräne in sei­nem Auge zitterte. I

Mit rasender Gewalt erfaßte der Sturm das Schiff­lein. Wie eine Möve flog es über die Wogcnbcrge hin. Aber der Sturm war dem verfolgten Königsfthne gnädig.

Wenige Tage darnach traf Knut auf der Jn,el Fünen mit König Niels zusammen. Dieser bedauerte den Prinzen wegen des verlornen Schatzes und ve »si­cherte , er wäre ihm gern gegen die Seeräuber zu Hufe gekommen, wäre nur der Sturm nicht |e heftig um uiv Fahrzeug besser gewesen.

~ ^Fortsetzung folgt.)