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immer außergewöhnliche vortreffliche Eigenschaften dieser Candidaten das Wahlcomite z« einem Vorschlag ver­anlassen durften, dessen Verwirklichung unsere ganze bürgerliche Bevölkerung von der activen Vertretung des'Volkes ausschlleßen würdet)

Es ist bcfil^W nöthig, daß wir über die Candldaten unsere Meinung und, wir glauben, die eines großen Theils der Bevölkerung aussprechen müssen, wenn wir den Vorschlag des Wiesbadener Wahlcomite'ö einer Würdigung unterziehen wollen.

Die Herren Hergenhahn und Regierungsdirektor Hähner besitzen Energie, Einsicht und Volkstümlichkeit in einem Grade,"der ihnen eine Anwartschaft auf solche Wahl giebt; und auch von dem Herrn Conrector Schulz, den wir nicht kennen, haben wir Vorthcilhaftes gehört.

Dagegen müssen wir unsere Stimme gegen die drei andern Vorgeschlagencn erheben: sie besitzen die Eigenschaften nicht, die ein Mitglied des deutschen Parlaments haben muß. Der Herr Ministerialrath Bertram, der hinter dem Schreibtisch und muter unserer eigentlichen Büreaukratie ausgewachsen ist und von dem das Land kaum den Namen kennt, den es aber bei unserer Nachforschung nicht als einen Mann des Fort­schritts und der Entschiedenheit, sondern als das brauch­bare Werkzeug der alten Schrcibstubcnherrschaft wird schildern hören, dieser Mann hat eben so wenig An­spruch auf das Vertrauen, welches zur Parlamentswahl in den Augen des Volkes nothwendig ist, als Legations­sekretär von Gagern, der weder durch ausgezeichnete Befähigung, noch durch seinen früheren Lebenslauf sich dasselbe erworben hat. Derselbe war stets in enger Verbindung mit dem Herz. Nass. Ministerresi- denten von Zedlitz in Wien, bekanntlich der rechten Hand des Fürsten Metternich, dessen Artikel in der Augsb. Allg. Ztg. unter dem Zeichen — total dem ab­soluten Systeme huldigten, er selbst soll die Correspon- denzartikel vom Rhein geliefert haben, deren Tendenz uns keine Bürgschaft für seinen Freiheitssinn gibt, ebenso wenig wie der Besitz des Großkreuzes des rus­sischen Stanislausordcus oder sein viel besprochener Uebertritt zu der katholischen Kirche, welcher den man­nigfaltigsten Deutungen unterworfen wird.

Diese beiden Männer für einen Posten vorzuschlagen, den das Volk besetzt und der von so außerordentlicher Wichtigkeit ist, müssen wir als einen Mißgriff bezeich­nen, der uns mit Staunen erfüllt.

Armes Land! das keinen Bürger^ hat, der besser geeignet wäre seine höchsten Interessen zu VkHrctjßmc als den Legationssekretär von Gagern unbTben sterialrath Bertram. Auch den sechsten Candldaten des Wiesbadener Wahlcoinite's Herrn Zais wünschten wir nicht ins Parlament gewählt zu sehen, trotz seines an­erkannt guten und gediegenen Charakters, sowie seiner freisinnigen Richtung; einmal weil er die Energie nicht besitzt, die wir als einem Parlamentsmitglied unerläß­lich betrachten, weil er ferner der Gabe der Rede ent­behrt und dann, weil wir glauben, daß außerhalb

*) Anmerkg. der Red. Obige Stelle läßt sich meiner An­sicht nach durchaus nicht rechtfertigen. Wenn die vorgeschlage­nen Männer keinen anderen Fehler haben, als daß sie StaatS- dicner sind, dann können sie die besten Candidaten für die constituirende Nationalversammlung sein Wir wollen keine Ständeunterschiede im alten Sinn mehr haben, deßhalb müssen wir aber vor allen Dingen selbst auch keine Hervorrufen. Be­trachtet aber die „bürgerliche Bevölkerung", wie sich der Herr Verfasser im Gegensatz zu Staatsdienern ausdrückt, diese letzteren als nicht zu den Bürgern gehörig, dann macht sie dieselben ja selbst zu einer besonderen Klasse. Weg mit diesen aus einer geschiedenen Zeit hcrrührcnden Zopfansichten! Es darf bei Wahlen nicht daraus ankoiumen, ob Jemand ein Staats­diener ist oder nicht, sondern nur, ob er der beste und tüchtigste Mann ist. Auch das Urtheil über den Ministerialrath Ber­tram dürfte viel zu strenge sein; Bertram ist kein öffentlicher Charakter, man kennt ihn zu wenig, und dieses ist allerdings ein Grund ihn nicht zu wähle», aber die Geringschätzung, daß er nur ein brauchbares Werkzeug der Schreibstubenherrschaft gewesen sei, verdient er nach dem Ausspruche von urtheilS- fähigen Männern nicht.

Wiesbaden Männer gefunden werben können, welche geeignet sind des Landes Interessen besser zu ver­treten.

Wir glauben demnach das Wiesbadener Wahl- comitc würde, statt durch fast gänzliche Uebergehung der übrigen Landcsthcile bei seinen Vorschlägen denselben ein Armuthszeugniß auszustellen, besser gethan haben, sich auch außerhalb Wiesbadens umzusehen und Manner vorzuschlagen, die es seinem Vorschlag nach zu urthei­len dort nicht hat und die im Land sicher sich finden lassen werden, Männer geeignet die höchsten Interessen des Landes zu vertreten; es würde dadurch nicht der Verdacht gegen cs rege geworden sein, daß cs der Meinung sei, immer in Wiesbaden seien dergleichen Leute zu suchen und der Vorwurf, mit einem der Wichtigkeit der Sache grell entgegenstehenden Unüber­legtheit Verfahren zu haben, würde ihm nicht gemacht werden können.

Diez, 16. April. Schon mehrmals ist in diesen Blättern von den Brüdern Ludwig und Wilhelm Snell die Kcde gewesen und der Wunsch geäußert worden, diese beiden ausgezeichneten Männer in das Vaterland zurüÄkchren und an der Entwickelung der Zeitereignisse thätigen Antheil nehmen zu sehen.

Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich nun, daß Pro­fessor Wilh. Snell durch Familien-Verhältnisse und durch seine geschwächte Gesundheit an sein neues Vaterland, die Schweiz, gebunden ist, daß aber Professor Ludwig Snell zu Zürich nach Deutschland zurückkchrcn wird. Wer die Gesinnung und die Thatkraft dieses vorzügli­chen Mannes aus seinem Umgang oder seinen Schriften nicht kennt, den brauche ich nur auf seine Schrift „Die religiösen Wirren in der katholischen Schweiz" zu ver­weisen, um zu zeigen, wie die Kraft des Gedankens und der Rede sich in diesem klaren Geiste vereinigen. Jetzt, wo wir Deputirte und Vertreter Nassaus nach Frank­furt zu wählen haben, ist cs Pflicht, öffentlich aus solche Männer, welche einen wahrhaft freisinnigen und gedie­genen Charakter schon bewährt haben, aufmerksam zu machen.

Brandoberndorf, Amt Usingen, 15. April. Wenn man von allen Seiten Erccssc der Willkür, zumal auf dem Lande hört, so gereicht es derjenigen Gemeinde zu desto größerem Lobe, welche sich von der Art ganz frei hält. Eine solche Gemeinde ist Brandoberndorf. Es herrscht hier die erfreuliche Ansicht, daß innere, bürger­liche Eintracht, so wie gesetzmäßige Ordnung wie stets, ^so besonders in der jetzigen Zeit, das wahre Glück Der Gemeinde am besten zu sichern im Skänoe sind. In dieser Ordnung berathen und betreiben die wohlunter­richteten Bürger im vollkommenen Einverständnisse mit Schultheis und Vorstehern das Beste der Gemeinde. Schon Vieles, was die Zufriedenheit störte, ist beseitigt. Nur der Zehnten' ruht noch drückend auf ihren Schul­tern, jedoch auch diesen streben sic, aus gesctzmäigem Wege zu milbern.

Verdient ein solches musterhafte Verhalten nicht ver­öffentlicht zu werden?

Kronberg, 15. April. Während in vielen Orten unseres Vaterlandes, ja in den meisten unserer Umgegend Unruhe, Haß unb Zwietracht herrscht, wohnt bis hierher in unserm Städtchen die größte Eintracht, die schönste Harmonie, so daß dessen Ruhm über Berg und Thal erschallt. Aber leider fängt auch in ihm der Geist der Zwietracht in den jüngsten Tagen an, seinen Sitz auf- schlagen zu wollen und die Gemüther vieler Bürger stark in Bewegung ju setzen.

Die Herrn F. und K. sind cs, welche sich an die Spitze der Gemeinde stellen wollen, das Comite, welchem die große Ordnung, wie sie bisher war, zu verdanken ist, hintknansfßen und durch ihre verschiedenen, theils sehr verkehrten Ansichten die Köpfe Mancher verwirren.

Bis dahin war Ersterer gewöhnt, unsere Lehrer zu tyrannischen, sic zu knechten, nun aber, da sich solche, ihrer Kraft bewußt, männlich beweisen, zieht derselbe

sich zurück und will die ihm entrissene Macht bei der Gemeinde geltend machen.

Mitbürger Kronbergs, die ihr auch diese Zeilen leset, welche für die gute Sache geschrieben sind, trauet nicht Jedem, der in unsere Versammlung komint und von unserm Wohl und Wehe viel schwatzt. Klug fan­gen sie es an; unsere Liebe und Zutrauen wollen sie sich erwerben, aber nur um ihr altes Treiben fvrtsetzen zu können.

Wir alle wissen ja leider, (noch nicht lange ist diese Zeit vorüber) wie solche Herrn für das Wohl des Vol­kes bedacht waren. Oder sollte der 4. März eine so gänzliche Umfassung bewirkt haben? Wie kann aber aus einem Wolf ein Lamm werden? —

Ein Bürger Kronbergs.

Limburg, 16. April. Trotz aller Gegenwirkun­gen fand bte aus den 12. April angckündigte Lch- rcrvcrsammlung in Limburg statt; aber die Allgemein­heit war zerstört, indem mutvolle Aemter vertreten waren. Die Verhandlungen >>er Anwesenden dauerten am 13. von Morgens 9 bis 1 Uhr und nach einem gemeinschaftlichen Mahle wieder von 272 bis 6 Uhr. Ordnung und ruhige Entgegnungen bei wicderstrcbendcn Ansichten machten die Verhandlungen allseitig, gründlich und anziehend.

Alle versammelten Deputirten würden mit frohen Gefühlen und tröstenden Hoffnungen, wie mit erweiter­tem Gesichtskreis, Limburg verlassen haben, wenn nicht die Umtriebe der Feinde aller lebendigen und öffentlichen Mittheilung kund geworden, und fo manche Verstim­mungen erzeugt worden waren.

Es wurden der Versammlung Briefe vorgelegt, welche die Ränke des Jcsuitismus und der Bureau­kratie enthüllten, und jeden rechtlichen Mann empören mußten.

Aus mehreren Bezirken .des Westerwalds ward der Versammlung schriftlich erklärt, daß man es nicht wagen dürfe, auf der Versammlung zu erscheinen, weil das Volk auf diese aufmerksam gemacht und demselben ge­sagt worden sei, „die Schulmeister" wollten in Limburg die Religion abschaffen und deutsch-katholisch werden. Unter dein Namen deutsch-katholisch aber stelle man sich das Entsetzlichste und Abenteuerlichste vor. In Folge dieser Aufhetzung drohe das Volk mit Mord, wenn ein Lehrer zu dieser Versammlung ginge. Sogar die Lehrer der Stadt Montabaur hatten es nichts gewagt, zu er­scheinen, sondern die Deputirten von St. Goarshausen durch schriftliche Vollmacht auch zu den ihrigen gemacht. --Eine kleine Versammlung von Lehrern in Treisberg auf dem Wcsterwalvc war von den Bauern, mit Kär- sten, Hacken re. bewaffnet, auseinander gesprengt wor­den, wobei mehrere Lehrer Mißhandlung erlitten.

Der Berichterstatter forderte den Lehrer Ker el von Limburg, an welchen das Schreiben addressirt, auf, jene Schilderung durch die Freie Zeitung zu veröffentlichen. Wie der Jcsuitismus der rohen Gewalt, so hatte der Bürcaukratismus sich der List bedient, die Versammlung zu verhindern. Man hatte von Seiten eines sogenann­ten Comitc's Abrathungsschrcibcn, gedruckte Zettel rc. umhcrgkschickt, und unter andern Zopfgründen auch gel­tend gemacht, das Comite habe ein solches Ausschreibe« beabsichtigt, und somit dürfe von keiner andern Seite dieses ausgeführt werden; auch sei die Aufforderung ohne Namknsuntcrschrift. Bei solchen Gründen gebrauchte man den diplomatischen Kniff, den Lehrern jedes Amtes zu sagen: „die Andern haben sich uns abgeschlossen."

So war den Deputirten von Usingen versichert wor­den, daß Höchst sich dem Comite angeschlosscn, während denen von Höchst dasselbe von Usingen gesagt worden. In mehreren Schreiben wurden noch andere Klagen gegen das angebliche Comite geführt. Wie im ganzen Staatsleben macht sich also auch im Lehrcrstandc eine Art Aristokratie geltend, sucht Verwirrung zu stiften, Eintracht und freie Berathung, kurz das demokratische Prinzip auszurotten. Welche Einflüsse hier statt finden, ist noch unbekannt; vielleicht ist es blos der alte Zopf,

schicklichkeit und die Begierde zu treffen, das Ungewisse dabei rc. ist frei von Mordlust.

(Fortsetzung folgt.)

Die Karlsschüler.

Es ist leicht, durch den Schiller in den Carlsschülern Beifall zu erhalten, und schwer, durch die Darstellung desselben vollkommen zu genügen; leicht, denn Schiller ist eine Persönlichkeit, die im ganzen Deutschland beim bloßen Namen nur Sympathie erweckt; schwer, weil wir vom Schiller eine so hohe Vorstellung haben, daß wir auch etwas Außerordentliches erwarten. Wenigstens gc- nügt cs sicherlich nicht, durch schöne Deklamation ohne tiefen, inneren Gehalt dem Publikum sein Ideal von Schiller zu verwirklichen. Herr Bräuer hat vortrefflich declamirt und mußte daher auch in den Scenen, wo es eben aus weiter nichts als Deklamation aukam, ge­fallen; doch ist es allgemeine Stimme, daß cs an seiner Nüaucirung bei seiner Darstellung gefehlt hat, daß er, wofür man Beispiele anführen könnte, mehr dem klatsch­süchtigen Publikum, als dem Character der Rolle zu Danke gespielt hat. ES fiel uns das um so mehr auf,

da der Schiller des Herrn Stölzel — wenige Tage vorher — uns ein ganz anderes Bild von dieser Rolle gegeben hatte, ein Bild, daS in Beziehung auf Feuer der Darstellung und auf Corrccthcit der Declamatiou diesem gleichkam, aber in Rücksicht auf intensive Auf­fassung und Darstellung cs bei weitem übertraf. — Herr Meyer repräsentiere durch Gestalt unb Anstand vortrefflich einen Herzog Karl, er ist auch stets mit seiner Rolle so klar, mit seinem Character so fertig, daß bei seiner Bühucnkcuntniß und seiner Routine nur selten ein Mißgriff vorkommtt, wie in Moritz von Sachsen als Karl V., so daß in der That weiter nichts zu beklagen ist, als daß einige Manieren nicht abgelegt werden zu können scheinen, die diesen Schauspieler durch gute Onkels, strenge Väter, Hclkcurollen und Könige auf das Treuste begleiten. — Fräulein F ü r st als Laura hat ihren Platz nicht vollkommen ausgefüllt. Laura ist ein kindliches, aber tiefes Gemüth, das so lauge sich selbst und Anderen unklar und verschlossen geblieben ist, bis cs, vom Lichte einer reinen, poetischen Liebe bestrahlt, plötzlich sich öffnet und nun ohne Rückhalt den Reich- Wum seiner Gefühle ausströmt. Frl. Fürst ist dieser Rolle nicht ganz gewachsen, denn cs fehlt ihrer Dar­stellung an Gcfühlswahrhcit, cs fehlt ihr an dem rcch-

ten Leben, cs zeigt sich zu deutlich, daß Alles, was sie in der Rolle darstellt, eben nur gespielt, aber nicht gefühlt ist. — Herr W e ß u i g als Silberkalb hat ganz befriedigt; nur hätte er vielleicht den Character etwas intriguanter, etwas boshafter barstellen sollen, und es ist Dies um so nothwendiger, da die Rolle des Silbetkalb, wenn sie nicht vom Schauspieler genau markirt wird, ganz in den Hintergrund tritt. — Madame Flindt als Gräfin Franziska bewährte sich auch hier als den­kende Künstlerin und führte diesen vom Dichter so schön gezeichneten Charakter ganz cousegnent durch, daß ihr oft reichlicher Beifall zu Theil ward, den man ihr als Bcncfiziantin nur von einem volleren Hause hätte wün­schen mögen. Aber wie kann man auch von einem Publikum, wie es das Wiesbadener ist, verlangen, daß cs ein klassisches Stück besucht? Herr Deny hat seine Pappenheimer gut gekannt, als er die „Schwestern von Prag " mit verkehrter Besetzung als Benefiz gab, so groß und für einen Gebildeten empörend auch der Unsinn war.